Die medizinische Versorgung der weißen wie der farbi-gen Bevölkerung ist vorbildlich. Erstklassige Kranken-häuser stehen für die weiße Bevölkerung in den Städten zur Verfügung und auch für die schwarze Bevölkerung sind Krankenhäuser vorhanden und von den Bezirks-ämtern sind in ihren jeweiligen Bezirken Verbands-plätze und Lazarette eingerichtet. 1913 werden 5300 Europäer und 60.000 Einheimische behandelt. Auch in dem in den neunziger Jahren von einem Inder gestif-teten und nach ihm benannten Sewa-Hadji-Hospital in Daressalam finden sich von Jahr zu Jahr mehr Behand-lungsbedürftige von der schwarzen und nichtweißen Bevölkerung ein.
Für die deutschen Krankenhäuser entsendet das Deut-sche Rote Kreuz Krankenschwestern in die Kolonie, die auf der Basis von Mehrjahresverträgen arbeiten.
Die Malaria ist bis auf die Hochlagen im ganzen Land vertreten und so ist Chinin für die Weißen als Prophy-laxemittel eingeführt worden. Auf der Versuchsstation Amani und auf einer weiteren Pflanzung ist eine größere Zahl von Chinarindenbäumen angepflanzt worden, um beizeiten eine Eigenversorgung mit dem Malariamittel zu erreichen, sollte der Baum unter den Verhältnissen in Ostafrika Erträge bringen. Die anderen Tropenkrank-heiten wie Rückfallfieber, Pocken, Ruhr, Typhus, Wurmkrankheit, Pest, Cholera, Lepra und die gefähr- lichste von allen, die Schlafkrankheit, können im Laufe der Jahre erfolgreich bekämpft oder auf wenige Gebiete begrenzt werden. Zur Bekämpfung der Schlafkrankheit und gegen ihre weitere Einschleppung aus Belgisch Kongo sind an den Seen im Westen der Kolonie Sperr-gebiete um die verseuchten Gebiete errichtet, um eine erneute Verschleppung zu verhindern und so die schreckliche Krankheit wie schon die Pocken und die Pest in Schach halten zu können. Durch die Quarantäne von Menschen aus Indien kann die Einschleppung von Pest und Cholera aus Indien verhindert werden.