Der Resident von Urundi sitzt in Usumbura am Nord-ende des Tanganjikasees und damit auch gleichzeitig am Nordende von Urundi. In Usumbura steht, auch zum Grenzschutz gegen den belgischen Kongo, die 9. Kom-panie der Schutztruppe von Ostafrika. Eine deutsche Verwaltung oder eine deutsche Besteuerung besteht in Urundi nicht.
Im Mai 1903 schlägt Resident Hauptmann Robert von Beringe, ohne Weisung der Regierung in Daressalam, die Truppen des urundischen Königs Mwezi Gisabo. Am 6. Juni 1903 unterwirft sich im Vertrag von Ikiganda der König dem Deutschen Reich.
Mit der Verordnung vom 20. Juni 1906 über die Ein-führung von Residenturen im weit entfernten Nord-westen von Deutsch Ostafrika wird auch Urundi zu einer Residentur und die Militärverwaltung dort endet. Die Teilung des Militärbezirkes Usumbura in die Residentu-ren Ruanda und Urundi erfolgt offiziell am 15. November 1907.
Das Niederlassungsverbot durch das Gouvernement für europäische Siedler, das auf Empfehlung des Residen-ten von Ruanda, Richard Kandt, seit 1907 Resident von Ruanda, gilt auch für die Residenturen Urundi und Bu-koba.
Urundi erfährt weit weniger Aufmerksamkeit durch die deutsche Verwaltung Ostafrikas als Ruanda. Die Abge-legenheit und Unwegsamkeit des Landes tragen das Ih-rige dazu bei. Für die Verwaltung werden in der Resi-dentur Bukoba ausgebildete einheimische Kräfte nach Urundi geholt.
Die Herrschaft ist nicht, wie in Ruanda, durch deutsche Einwirkung unter einem einheimischen König zusam-mengefaßt. Nach dem Tode des jahrzehntelang herr-schenden Königs Mwezi Gisabo im Jahre 1908 wird einer seiner 27 Söhne, der von Gisabo nominierte und vom deutschen Gouverneur von Ostafrika bestätigte 15jäh-rige Mutaba II als König eingesetzt und auch die von Gisabo bestimmten zwei Regenten für den Minderjäh-rigen.
Die Machtkämpfe innerhalb der zahlreichen Königsfa-milie nutzen die jeweiligen deutschen Residenten nach eigenem Gutdünken. So kann man die einheimischen Herrscher gegeneinander ausspielen, ohne Machtmit-tel für die Erhaltung der deutschen Herrschaft im Lande anwenden zu müssen.
Gouverneur Rechenberg schreibt in einer Denkschrift vom 20. Juli 1911: »Urundi, dessen Verhältnisse viel unge-ordneter sind als diejenigen von Ruanda…«
1912 wird der Residentursitz nach Gitega in der Landes-mitte in die dort neu errichteten Gebäude verlegt. Bald danach wird darüber geschrieben:
»Die Verlegung der Residentur ins Landesinnere hat schon mehrere nützliche Folgen gezeitigt. Abgesehen davon, daß, wie gewöhnlich mehrere Araber und Inder ihre Kramläden bei der Station errichtet haben, ist auch schon eine Niederlassung der Internationalen Handels-gesellschaft (Sitz Hamburg) in Gitega gegründet worden und haben sich einige Europäer unter dem Schutz der Boma angesiedelt. … Auch die Gerichtstage des Resi-denten werden hier im Inneren viel eifriger und regel-mäßiger von Bahutu, Batussi und selbst Baganwa be-sucht als im entlegenen Usumbura, wo die Bergbewoh-ner obendrein sehr ungern weilten, weil sie im Niede-rungsklima Fieber bekamen.«
Weiter heißt es über Urundi, daß es noch Jahre dauern wird, „bis die Regierung eine wirkliche, wenn auch noch so einfache Verwaltung Urundis einrichten kann.“
Einige Krankenstationen und Grundschulen sind seit 1909 errichtet, aber Urundi liegt in der Entwicklung be-trächtlich hinter Ruanda zurück.
Im Frühjahr 1913 bereist Gouverneur Heinrich Schnee die nordwestlichen Bezirke Muansa, Bukoba, Ruanda und Urundi. Zuerst besucht der Kaiserliche Gouverneur die deutschen Häfen am Viktoriasee. Am 16. Februar erreicht er die ruandische Grenze und am 12. März wechselt Schnee von Ruanda nach Urundi.
Nach dem Erlaß vom 12. Dezember 1913 wird im Süden des Residenturbezirks Urundi der Polizeiposten Nia-kassu angelegt.
In der Königsfamilie gibt es schwere Machtkämpfe, die zu einer Serie von Morden im Königshaus führen und selbst der König wird 1915 umgebracht. Ein Kleinkind wird als König Mwambutsa IV eingesetzt und die Herr-schaft den beiden schon 1908 vom ehemaligen König Gisabo bestimmten Regenten übertragen unter dem nun seit 1915 in seiner dritten Amtszeit befindlichen Residenten in Urundi, Erich von Langenn-Steinkeller, nach seinen Residentschaften 1909 und 1911-1913. Major von Langenn-Steinkeller ist 1915 wieder Resident in Urundi geworden nachdem sein Vorgänger bei einem Gefecht in Belgisch Kongo gefallen ist.