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Wirtschaft und Verkehr VII

Eine Belebung der Wirtschaft in Urundi tritt mit der Eröffnung der Ugandabahn 1904 in Britisch Ostafrika ein. Von Urundi werden Felle und Häute durch Träger zum Viktoriasee gebracht – über den See werden die Güter mit dem Schiff zur Endhaltestelle der Uganda-bahn verfrachtet – und auf dem Rückweg transportieren die Träger europäische Handelswaren nach Urundi.

Mit dem Herannahen der Mittellandbahn von Daressa-lam aus, und ihrem schließlichen Eintreffen am Tangan-jikasee wenig südlich von Urundi im Februar 1914, ver-bessern sich die Handelsmöglichkeiten der Residentur noch einmal.

Bis 1914 gibt es noch kaum Geldwirtschaft in Urundi und wenn nur mit Silbergeld, das auch noch ungern ange-nommen wird. Die Geldwirtschaft beginnt in Urundi erst. Geld ist der Masse des Volkes in der Residentur ein noch unbekanntes Tauschmittel.

Wie in Ruanda soll auch in Urundi der Kaffeeanbau die wirtschaftliche Zukunft des Landes sein.

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Die Deutschen und ihre Verwaltung IV

Der Resident von Urundi sitzt in Usumbura am Nord-ende des Tanganjikasees und damit auch gleichzeitig am Nordende von Urundi. In Usumbura steht, auch zum Grenzschutz gegen den belgischen Kongo, die 9. Kom-panie der Schutztruppe von Ostafrika. Eine deutsche Verwaltung oder eine deutsche Besteuerung besteht in Urundi nicht.

Im Mai 1903 schlägt Resident Hauptmann Robert von Beringe, ohne Weisung der Regierung in Daressalam, die Truppen des urundischen Königs Mwezi Gisabo. Am 6. Juni 1903 unterwirft sich im Vertrag von Ikiganda der König dem Deutschen Reich.

Mit der Verordnung vom 20. Juni 1906 über die Ein-führung von Residenturen im weit entfernten Nord-westen von Deutsch Ostafrika wird auch Urundi zu einer Residentur und die Militärverwaltung dort endet. Die Teilung des Militärbezirkes Usumbura in die Residentu-ren Ruanda und Urundi erfolgt offiziell am 15. November 1907.

Das Niederlassungsverbot durch das Gouvernement für europäische Siedler, das auf Empfehlung des Residen-ten von Ruanda, Richard Kandt, seit 1907 Resident von Ruanda, gilt auch für die Residenturen Urundi und Bu-koba.

Urundi erfährt weit weniger Aufmerksamkeit durch die deutsche Verwaltung Ostafrikas als Ruanda. Die Abge-legenheit und Unwegsamkeit des Landes tragen das Ih-rige dazu bei. Für die Verwaltung werden in der Resi-dentur Bukoba ausgebildete einheimische Kräfte nach Urundi geholt.

Die Herrschaft ist nicht, wie in Ruanda, durch deutsche Einwirkung unter einem einheimischen König zusam-mengefaßt. Nach dem Tode des jahrzehntelang herr-schenden Königs Mwezi Gisabo im Jahre 1908 wird einer seiner 27 Söhne, der von Gisabo nominierte und vom deutschen Gouverneur von Ostafrika bestätigte 15jäh-rige Mutaba II als König eingesetzt und auch die von Gisabo bestimmten zwei Regenten für den Minderjäh-rigen.

Die Machtkämpfe innerhalb der zahlreichen Königsfa-milie nutzen die jeweiligen deutschen Residenten nach eigenem Gutdünken. So kann man die einheimischen Herrscher gegeneinander ausspielen, ohne Machtmit-tel für die Erhaltung der deutschen Herrschaft im Lande anwenden zu müssen.

Gouverneur Rechenberg schreibt in einer Denkschrift vom 20. Juli 1911: »Urundi, dessen Verhältnisse viel unge-ordneter sind als diejenigen von Ruanda…«

1912 wird der Residentursitz nach Gitega in der Landes-mitte in die dort neu errichteten Gebäude verlegt. Bald danach wird darüber geschrieben:

»Die Verlegung der Residentur ins Landesinnere hat schon mehrere nützliche Folgen gezeitigt. Abgesehen davon, daß, wie gewöhnlich mehrere Araber und Inder ihre Kramläden bei der Station errichtet haben, ist auch schon eine Niederlassung der Internationalen Handels-gesellschaft (Sitz Hamburg) in Gitega gegründet worden und haben sich einige Europäer unter dem Schutz der Boma angesiedelt. … Auch die Gerichtstage des Resi-denten werden hier im Inneren viel eifriger und regel-mäßiger von Bahutu, Batussi und selbst Baganwa be-sucht als im entlegenen Usumbura, wo die Bergbewoh-ner obendrein sehr ungern weilten, weil sie im Niede-rungsklima Fieber bekamen.«

Weiter heißt es über Urundi, daß es noch Jahre dauern wird, „bis die Regierung eine wirkliche, wenn auch noch so einfache Verwaltung Urundis einrichten kann.“

Einige Krankenstationen und Grundschulen sind seit 1909 errichtet, aber Urundi liegt in der Entwicklung be-trächtlich hinter Ruanda zurück.

Im Frühjahr 1913 bereist Gouverneur Heinrich Schnee die nordwestlichen Bezirke Muansa, Bukoba, Ruanda und Urundi. Zuerst besucht der Kaiserliche Gouverneur die deutschen Häfen am Viktoriasee. Am 16. Februar erreicht er die ruandische Grenze und am 12. März wechselt Schnee von Ruanda nach Urundi.

Nach dem Erlaß vom 12. Dezember 1913 wird im Süden des Residenturbezirks Urundi der Polizeiposten Nia-kassu angelegt. 

In der Königsfamilie gibt es schwere Machtkämpfe, die zu einer Serie von Morden im Königshaus führen und selbst der König wird 1915 umgebracht. Ein Kleinkind wird als König Mwambutsa IV eingesetzt und die Herr-schaft den beiden schon 1908 vom ehemaligen König Gisabo bestimmten Regenten übertragen unter dem nun seit 1915 in seiner dritten Amtszeit befindlichen Residenten in Urundi, Erich von Langenn-Steinkeller, nach seinen Residentschaften 1909 und 1911-1913. Major von Langenn-Steinkeller ist 1915 wieder Resident in Urundi geworden nachdem sein Vorgänger bei einem Gefecht in Belgisch Kongo gefallen ist.

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Land und Leute V

Ruanda, das »Land der tausend Hügel«, liegt durch-schnittlich 1500 Meter über dem Meeresspiegel. Im Vergleich zu Ruanda ist das südlich davon gelegene Urundi weniger hügelig und liegt im Schnitt etwa 1000 Meter über dem Meeresspiegel und Urundi ist bewaldeter als Ruanda.

Geraffter Text aus dem Deutschen Kolonial-Lexikon über die Residentur Urundi:

Urundi, Landschaft, Sultanat und Residentur von Deutsch-Ostafrika, 28.700 qkm groß, liegt im Zwischen-seengebiet.

Urundi ist ungemein sorgfältig angebaut. Ba-nanen, Bohnen, Erbsen, Sorghum, Eleusine, Mais, Bata-ten werden angebaut, am Tanganjikasee auch Maniok. Es ist sehr viel Vieh vorhanden, freilich erheblich we-niger als in Ruanda. Die Zahl der Bewohner wird auf 1½ Millionen geschätzt. Die drei Bestandteile der Bevölke-rung sind die herrschenden Watussi, die beherrschten Wahutu, wozu als freie Paria die Watwa kommen; ihre Anteile an der Gesamtzahl werden auf 6 %, 90 % und 4 % geschätzt. Die Zahl der Europäer in Urundi war Anfang 1913 60, die der nichteingeborenen Farbigen 52. Die Watussi sind die Besitzer der auf 250.000 geschätzten Rinder; daneben wird 1 Million Kleinvieh angenommen. Im Besitz der europäischen Stationen des Bezirks waren 1913 5029 Rinder. Das Sultanat Urundi ist politisch wenig einheitlich, besteht aber noch heute dem Namen nach, wenn auch seit 1909 die Errichtung mehrerer selbstän-diger Sultanate von der Kolonialverwaltung angebahnt worden ist. Der Sitz der Residentur wurde 1912 von Usambara nach Gitega (ziemlich genau in der Landes-mitte) verlegt. — Der Bau der Ruandabahn, die am Kagera-Knie, also an der Nordost-Ecke von Urundi en-den soll, wird auch auf diese Landschaft stark ver-ändernd wirken.


Urundi ist in eine Anzahl miteinander in Konkurrenz stehenden Sultanaten gespalten und nicht wie Ruanda unter der Herrschaft eines Sultans. Eine Reihe von Wa-tussi-Sultanen teilen sich die Herrschaft des Landes mit den Waganwa, den Abkömmlingen der Königsfamilie.