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Land und Leute V

Ruanda, das »Land der tausend Hügel«, liegt durch-schnittlich 1500 Meter über dem Meeresspiegel. Im Vergleich zu Ruanda ist das südlich davon gelegene Urundi weniger hügelig und liegt im Schnitt etwa 1000 Meter über dem Meeresspiegel und Urundi ist bewaldeter als Ruanda.

Geraffter Text aus dem Deutschen Kolonial-Lexikon über die Residentur Urundi:

Urundi, Landschaft, Sultanat und Residentur von Deutsch-Ostafrika, 28.700 qkm groß, liegt im Zwischen-seengebiet.

Urundi ist ungemein sorgfältig angebaut. Ba-nanen, Bohnen, Erbsen, Sorghum, Eleusine, Mais, Bata-ten werden angebaut, am Tanganjikasee auch Maniok. Es ist sehr viel Vieh vorhanden, freilich erheblich we-niger als in Ruanda. Die Zahl der Bewohner wird auf 1½ Millionen geschätzt. Die drei Bestandteile der Bevölke-rung sind die herrschenden Watussi, die beherrschten Wahutu, wozu als freie Paria die Watwa kommen; ihre Anteile an der Gesamtzahl werden auf 6 %, 90 % und 4 % geschätzt. Die Zahl der Europäer in Urundi war Anfang 1913 60, die der nichteingeborenen Farbigen 52. Die Watussi sind die Besitzer der auf 250.000 geschätzten Rinder; daneben wird 1 Million Kleinvieh angenommen. Im Besitz der europäischen Stationen des Bezirks waren 1913 5029 Rinder. Das Sultanat Urundi ist politisch wenig einheitlich, besteht aber noch heute dem Namen nach, wenn auch seit 1909 die Errichtung mehrerer selbstän-diger Sultanate von der Kolonialverwaltung angebahnt worden ist. Der Sitz der Residentur wurde 1912 von Usambara nach Gitega (ziemlich genau in der Landes-mitte) verlegt. — Der Bau der Ruandabahn, die am Kagera-Knie, also an der Nordost-Ecke von Urundi en-den soll, wird auch auf diese Landschaft stark ver-ändernd wirken.


Urundi ist in eine Anzahl miteinander in Konkurrenz stehenden Sultanaten gespalten und nicht wie Ruanda unter der Herrschaft eines Sultans. Eine Reihe von Wa-tussi-Sultanen teilen sich die Herrschaft des Landes mit den Waganwa, den Abkömmlingen der Königsfamilie.