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Ereignisse im Bezirk Usumbura

Von 1900 bis 1902 findet eine Expedition zur Vermes-sung des Grenzgebietes zwischen Deutsch Ostafrika und dem Kongostaat statt. Am Nordende des Tanganjikasees, am Russissi, muß von den deutschen Teilnehmern Oberleutnant Heinrich Fonck mit Begleitern von Ost nach West über den Fluß übersetzen:

»Ein Boot war nicht aufzutreiben, und die Eingeborenen des deutschen Ufers, denen wir im mannshohen Schilf nicht sichtbar waren, und die uns für eine Abteilung Sol-daten des Kongostaates hielten, weigerten sich infolge übler Erfahrungen, die sie durch Übergriffe kongolesi-scher Söldner gemacht hatten, uns überzusetzen.«


Im Oktober 1902 ist der Chef des Bezirkes Ruanda-Urundi, Hauptmann Robert von Beringe, auf Expedition in den Virunga-Bergen in Norden von Ruanda unter-wegs. Virunga heißt in der Einheimischensprache Feuerberge und so sind die Virungaberge auch tat-sächlich Vulkane, wovon noch etwa die Hälfte aktiv ist.

Am 17. Oktober 1902 setzt der Hauptmann und Dr. Engeland zusammen mit fünf Askaris und den nötigen Trägern zum Gipfelsturm auf den Sabinjo an, einem der Vulkane der Virungaberge. Sie haben ein Zelt und acht Wasserbehälter dabei. In 3100 m Höhe schlagen sie ihr Zelt wegen Platzmangels an einen Abhang auf. Die Askaris und Träger suchen in Felshöhlen Schutz und wärmen sich durch Feuer gegen die empfindliche Kälte.

Beringe schildert im Deutschen Kolonialblatt die wei-teren Ereignisse:

»Von unserem Lager aus erblickten wir eine Herde schwarzer, großer Affen, welche versuchten, den höchs-ten Gipfel des Vulkans zu erklettern. Von diesen Affen gelang es uns, zwei große Tiere zur Strecke zu liefern, welche mit großem Gepolter in eine nach Nordosten sich öffnende Kraterschlucht abstürzten. Nach fünfstün-diger, anstrengender Arbeit gelang es uns, ein Tier an-geseilt heraufzuholen.«

Es handelt sich um einen männlichen, großen, men-schenähnlichen Affen mit einer Körperlänge von 1,5 m und einem Gewicht von mehr als 100 Kilo. Er hat keine Brustbehaarung, aber riesige Hände und Füße.

»Es war mir leider nicht möglich, die Gattung des Affen zu bestimmen«, bedauert Beringe. Wegen der Größe des Tieres kann es nach seiner Ansicht kein Schimpanse sein, und das Vorkommen von – aus dem Flachland bekannten – Gorillas im Gebiet um die ostafrikanischen Seen war bis dahin »nicht festgestellt worden«.

Robert von Beringe beschließt deshalb, seinen Fund zur Untersuchung an das Zoologische Museum in Berlin zu schicken. Zwar werden die Haut und eine Hand des Af-fen auf der Rückreise nach Usumbura, dem Amtssitz des Bezirks, von einer Hyäne gefressen, doch anhand des Schädel und eines Teils des Skelettes, Tierteile, die unversehrt in Berlin ankommen, klassifiziert der am Museum tätige Professor Paul Matschie das Tier als neue Gorilla-Art, die er nach ihrem Entdecker Gorilla beringei benennt – den Berggorilla.

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Umgestaltung zu Residenturen

Die drei Residenturen Bukoba, Ruanda und Urundi sind zunächst militärische Verwaltungsbezirke nach dem herkömmlichen Schema deutscher Militärkolonialver-waltung. Um Verwaltungskosten einzusparen durch Vereinfachung der Verwaltung und der Selbstverwal-tung der Einheimischen in Gegenden, die ohne weiße Besiedlung sind, und auch um unnötige Reibereien und gar überflüssige Militäreinsätze durch die deutsche Militärverwaltung zu beseitigen, soll die Einsetzung einer einheimischen Zivilverwaltung viele Spannungen wegnehmen und eben Kosten sparen. Als Beispiel nimmt man die britische Herrschaft im benachbarten Uganda und hat auch einen Blick auf die Verwaltung von Niederländisch Indien geworfen.

Der Regierungsrat Eduard Haber, Erster Referent beim Gouverneur in Daressalam, ist für die Ausarbeitung der Struktur der Residenturen zuständig. Auch der östlich an Bukoba angrenzende Militärbezirk Muansa ist als Re-sidentur geplant, wird dann aber als Bezirk einer deut-schen Zivilverwaltung unterstellt.

Am 20. Juni 1906 erfolgt der Erlaß für die Einführung der Residenturen Ruanda, Urundi und Bukoba. Alle anderen Gebiete von Deutsch Ostafrika sind Amtsbezirke unter unmittelbarer deutscher Verwaltung. Die drei Residen-turen liegen im Nordwesten von Deutsch Ostafrika, weitab vom Indischen Ozean, ohne eine leistungsfähige Verkehrsverbindung zur Küste.

Die Schaffung der Residenturen Ruanda und Urundi aus ihrer einheitlichen Verwaltung als Bezirk Usumbura bedeutet die Anerkennung der besonderen politischen Gegebenheiten dieser Länder.

Am 15. November 1907 wird die Teilung von Usumbura in die Residenturen Ruanda und Urundi durchgeführt. Usumbura, der Sitz der deutschen Militärverwaltung des Bezirkes Usumbura, wird nun Sitz des Residenten in Urundi und die Residentur Ruanda erhält einen eigenen Amtssitz in der Residentur.

Werden die einheimischen Herrscher in Ruanda und Urundi auch Sultane genannt so hat der Islam in diesen Residenturen überhaupt keinen Fuß gefaßt. 

Kolonialminister Bernhard Dernburg und das Daressa-lamer Gouvernement sind strikt gegen eine weiße Be-siedlung Ruandas und Urundis und die Kolonialbehör-den sperren sogar die Grenzen der beiden Bezirke we-gen angeblich ständiger Aufstände als Vorwand zur Verhinderung der Besiedlung der Residenturen.

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Einrichtung der deutschen Verwaltung

Die Jahrhunderte alten Königreiche Ruanda und Urundi sind noch völlig unberührt von Weißen als 1894 die er-ste deutsche Expedition dort eintrifft und die Einfügung der Königreiche in die deutsche Herrschaft beginnt. Beide Königreiche sind beherrscht von der kleinen Min-derheit der Tutsi, die über große Rinderherden verfü-gen, während die große Masse der Bevölkerung aus den Hutu besteht, welche Ackerbauern sind. Die Tutsi be-herrschen das Land von ihren Königshöfen aus.

Daneben gibt es noch eine kleine Gruppe von »Wald-menschen«, den Twa, die von der Jagd und der Töpferei lebt.

1904 schreibt Richard Kandt, der im Nordwesten Deutsch Ostafrikas Forschungen betreibt:

»Die Bahutu [Hutu] benehmen sich recht sonderbar. In Gegenwart ihrer Herren ernst und reserviert und unse-ren Fragen ausweichend; sobald aber die Watussi [Tutsi] unserem Lager den Rücken gekehrt haben, und wir mit ihnen allein sind, erzählen sie bereitwillig fast alles, was wir wünschen, und vieles, was ich nicht wünsche, denn ich kann den zahlreichen Mißständen, über die sie klagen, ihrer Rechtlosigkeit, ihrer Bedrückung, doch nicht abhelfen. Ich habe sie einige Male auf Selbsthilfe verwiesen und leicht gespottet, daß sie, die den Watussi an Zahl hundertfach überlegen sind, sich von ihnen unterjochen lassen und nur wie Weiber jammern und klagen können.«


Die nur etwas mehr als 50.000 Quadratkilometer umfassenden Königreiche stellen auf etwa fünf Prozent des Gebietes von Deutsch Ostafrika mit gegen vier Millionen Einwohnern fast 40 Prozent der auf 9 Mil-lionen geschätzten Gesamteinwohnerzahl der Kolonie.


1896 wird am Nordende des Tanganjikasees auf urun-dischem Boden die Militärstation Kajaga gegründet, gleich gegenüber dem Freistaat Kongo des belgischen Königs Leopold II. Der von Hauptmann Heinrich Bethe im Jahre 1898 gegründete Militärposten Ischangi am Kiwusee ist der erste deutsche Militärposten in Ruanda und liegt auch gegenüber dem Freistaat Kongo. 1899 wird der Bezirk Usumbura mit dem Regierungssitz Usumbura in Urundi, 15 Kilometer östlich der Station Kajaga, unter Hauptmann Bethe als Militärkomman-danten errichtet.

Die Anwesenheit der Deutschen in Ruanda und Urundi beschränkt sich in den ersten Jahren im wesentlichen auf militärische Expeditionen zur Erkundung des Lan-des, Besuchen bei einheimischen Herrschern und der Gründung von Militärposten, auch zum Schutz und zur Verstärkung der königlichen Macht des von den Deut-schen als alleinigen Herrscher von Ruanda anerkannten Königs Musinga.

Seit 1900 sind die Weißen Väter, eine französische Mission, die im deutschen Ruanda von ihrem deutschen Missionshaus in Trier geführt wird, in Ruanda tätig. 1904 kommt es zu heftigen Kämpfen zwischen den Ein-heimischen und hauptsächlich den Weißen Vätern. Die Einheimischen wollen die Auswärtigen los werden, zu denen auch afrikanische Händler von Bukoba am Vikto-riasee gehören, die bei ihren Karawanenzügen teilweise mit Gewalt gegen die Bevölkerung vorgehen, und die Weißen an sich, dabei aber hauptsächlich die Weißen Väter. Schwere Kämpfe finden zwischen den Missio-naren und deen Anhängern und ihren Gegner statt. Im Oktober/November 1904 bereinigt Resident Werner von Grawert mit seinen Askaris – afrikanischen Solda-ten der deutschen Kolonialtruppe – die Lage in Ruanda mit militärischen Mitteln. Es werden von der Truppe auch 80 Karawanenräuber festgenommen. Für eine gestohlene Last oder eine getötete Person fordert Gra-wert ein Rind als Entschädigung. 500 Rinder werden eingesammelt. Unter den Festgenommenen befinden sich auch zehn angesehene Tutsi. Diese werden von den Askaris gefesselt, gedemütigt und schließlich erschos-sen.

Die Hutu-Häuptlinge kommen mit Geschenke zu den Weißen Vätern und erklären ihre Freundschaft. Die Ru-he ist wiederhergestellt.

Am 10. März 1905 wird die Verordnung des Kaiserlichen Gouvernements von Deutsch Ostafrika in Daressalam unterzeichnet, welches das Betreten der Sultanate Ru-anda und Urundi regelt.