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Das Land

In seiner ganzen Ausdehnung ist Deutsch Südwestafrika eine bis zu 1200 m, anfangs sanft, dann meist steil ansteigende Terrassen-Landschaft, die sich ungefähr 300 km vom Meer binnenwärts zu senken beginnt. Die Breite des wüsten Küstengürtels (die Namib) beträgt mehrere Tagesreisen, doch bilden die Täler der grö-ßeren Flüsse (Riviere, nach dem Kapholländischen) Oasen. Im Innern befinden sich vereinzelt und un-regelmäßig verteilt zahlreiche Gebirgszüge, Kuppen und Bergreihen, die um mehrere hundert Meter über die durchschnittliche Landoberfläche emporragen. Im Sü-den das 2000 m hohe Karasgebirge, zwischen Rehoboth und Windhuk das Auasgebirge (2481 m hoch), weiter nördlich der Omatakoberg (2680 m hoch). Nach Osten fällt die Hochebene zu der im Innern 500 m tiefer gelegenen Kalaharisteppe ab, die man sich aber kei-neswegs als unfruchtbar und wüst vorstellen darf.

Von den Flüssen führen nur der Oranje und der Kunene, sowie der in den Ngamisee ergießende Okawango das ganze Jahr hindurch fließendes Wasser, sie sind aber nicht schiffbar. Auch der in den Oranjefluß mündende Fischfluß versiegt nie ganz. Die übrigen sich in den Atlantischen Ozean ergießenden Flüsse liegen während des größten Teils des Jahres trocken und bilden selbst zur Regenzeit selten ununterbrochene Wasserläufe und werden kapholländisch „Riviere“ genannt. Quellen be-finden sich in größerer Zahl im Hereroland; hier ist auch die Regenmenge bedeutender als in Groß-Namaland.

Das Klima ist im Sommer heiß, aber trocken. Der Winter ist durchaus gemäßigt. Nachtfröste sind im Innern nicht selten. Der Küstenstrich ist gleichmäßig kühl und hat bis 50 km landeinwärts nur Nebelniederschläge.

Die vorherrschenden Winde kommen aus südlicher Richtung, in der wärmeren Jahreshälfte (Oktober-März) auch Winde aus nördlicher Richtung, welche die Haupt-regenzeit von Januar bis März verursachen. In Windhuk beträgt die mittlere Jahrestemperatur 20 Grad, im kühl-sten Monat, Juli, 19 Grad, im wärmsten, Januar, 25 Grad.

Im wüsten Küstengürtel der Namib fehlt fast jeder Pflanzenwuchs. Amboland: rein tropisch (Affenbrot-bäume, Palmen usw.). Damaraland: Steppe und Dorn-busch mit oasenartigen Hainen von Ana- und Dorn-bäumen. Namaland: Grassteppe, fast baumlos. Mit künstlicher Bewässerung ist die Kultur von Getreide, Mais, Kartoffeln, Feigen, Datteln, Wein, Tabak usw. möglich. Im Norden kommt Baumwolle vor.

Die Küstengewässer sind fischreich. Im nördlichen Teil der Kolonie besteht eine rein tropische Fauna (Groß-wild wie Elefanten und Giraffen, Raubtiere, Affen). Im Okavangodelta finden sich die stärksten Löwen Afrikas wegen der Wasserwelt, die die Muskulatur stärker entwickelt.