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Einführung

Die beiden Verwaltungsgebiete am südlichen Viktoria-see, des größten afrikanischen Sees, bilden räumlich bis zum Jahre 1900 auch eine Verwaltungseinheit als Militärbezirk Muansa. 1900 wird dann der Westen des Bezirks zum eigenständigen Militärbezirk Bukoba, der schließlich 1906 in eine Residentur umgewandelt wird.

Nach Osten hin sind die beiden Bezirke durch die riesige Serengeti von den nächsten kultivierten Gegenden der Kolonie getrennt. Nach Süden kommt der Bezirk Tabora, nach Osten die Residenturen Ruanda und Urundi und nach Norden Britisch Ostafrika.

In beiden Verwaltungsgebieten wird den angestammten afrikanischen Herrschern erlaubt ihre althergebrachte politische Position weiterzuführen und sie bekommen von der deutschen Verwaltung zusätzliche Funktionen einer modernen Verwaltung zugewiesen, was die bishe-rige gesellschaftliche Lage vor Ort in ein Ungleichge-wicht bringt und Möglichkeiten des Mißbrauchs der in ihrer Macht erweiterten Herrscher einräumt. Nur die höchste deutsche Gewalt in Gestalt des Residenten oder Bezirksamtmannes kann dem entgegensteuern.

Wenn auch der Bezirk Muansa im Vergleich zu einem üblichen Bezirk in Deutsch Ostafrika einheimischen Größen wesentlich mehr herrschaftlichen Freiraum auf ihren Territorien einräumt, so ist dies in keiner Weise zu vergleichen mit der Herrschaft der einheimischen Geschlechter in der Residentur Bukoba in ihren König-reichen.