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Siegerbetrug - Das Ergebnis des Krieges für die deutschen Kolonien

Bereits bald nach Kriegsbeginn im August 1914 beginnt eine massive Lügenpropaganda in den Feindstaaten Deutschlands über frei erfundene Gräueltaten und Ver-brechen in den deutschen Kolonien, um Stimmung für eine Enteignung der Kolonien zu Gunsten der Lügen-propagandisten zu machen. Ein Vergleich der Kolonial-herrschaft Deutschlands und der der anderen kolonia-len Mächte sieht denn in Wahrheit sehr unerfreulich für die Siegermächte von 1918 aus.

Der amerikanische Historiker Herbert Adam Gibsons schreibt 1916:

»Im Gegenteil zu dem was in den letzten beiden Jahren häufig behauptet worden ist, hat die öffentliche Mei-nung in Deutschland, wie wir schon bei der Unterdrük-kung des Hereroaufstandes gesehen haben, die Verant-wortung Deutschlands seinen eingeborenen Schutzbe-fohlenen gegenüber klar erkannt. Man braucht nur die Zeitungen und Zeitschriften zu lesen, Bücherverzeich-nisse durchzublättern und die während der letzten fünf-zehn Jahre veröffentlichten Reichstagsverhandlungen zu verfolgen, um sich zu vergegenwärtigen, daß von allen europäischen Kolonialmächten nur Großbritan-nien so viel Menschlichkeit und Idealismus bewiesen hat, wie Deutschland bei der Errichtung und Aufrecht-erhaltung einer gerechten und aufgeklärten Kolonial-herrschaft. In diesem Augenblick gerade ist es außeror-dentlich wichtig, daß dieses jemand feststellt, von dem man nicht annehmen darf, daß er in dem gegenwärtigen Kriege mit Deutschland sympathisiert oder versucht für die deutsche Sache einzutreten, aber Wahrheit bleibt Wahrheit…  In Frankreich, in Belgien, in Portugal, in Italien, in Rußland sucht man vergeblich nach einem so weitverbreiteten und bedeutsamen Eintreten für das Wohl der eingeborenen Rassen, wie man es in Deutsch-land findet.«

Harry Johnston, der viele Jahre als britischer Konsul und Gouverneur in Afrika tätig war, schreibt im Ersten Welt-krieg:

»Wenn die Deutschen Ostafrika verlieren, wird es nicht die Folge irgendwelcher Verbrechen sein, die sie in Afri-ka begangen haben. … Tatsächlich war die deutsche Herrschaft von den [18]90er Jahren bis zum Ausbruch des Weltkrieges keineswegs unbeliebt in Ostafrika. Die führenden Häupter der Eingeborenen wurden behan-delt, wie wir die indischen Rajahs behandeln, und die Araber wurden so vollkommen mit der deutschen Herr-schaft versöhnt, daß sie starke Bundesgenossen der Deutschen wurden.«

»Die Kolonien stellen heute einen Teil des National-besitzes der sozialdemokratischen deutschen Republik dar, deren Kolonialpolitik auch die Interessen der einge-borenen Bevölkerung in höherem Maße zu wahren im Stande sein wird, als die jener imperialistischen Mächte, die jetzt über die Verteilung der deutschen Kolonien verhandeln. Die deutsche Sozialdemokratie fordert des-halb die Rückgabe der deutschen Kolonien.«

Am 1. März 1919 äußert sich Reichskolonialminister Dr. Johannes Bell in der Sitzung der Nationalversammlung in Weimar hocherfreut, „daß über die zur Erörterung stehenden Fragen auf kolonialem Gebiet der Streit der Parteien völlig ausgeschaltet ist und daß darüber eine erfreuliche Übereinstimmung zwischen Regierung, Par-lament und Volk besteht.“

Nur der Abgeordnete Alfred Henke, der zu der von der SPD abgespaltenen USPD gehört, widerspricht dem Kolonialminister, der darauf noch einmal das Wort ergreift und sagt, „daß alle Parteien in diesem hohen Hause, die noch Verständnis für nationale Ehre haben, in diesem Punkte einig sind.“ Dann sendet der Kolo-nialminister den mit Schiff „soeben eingetroffenen Ost-afrikanern“, den in fast viereinhalb Jahren Krieg unge-schlagenen Soldaten der Schutztruppe Deutsch Ostafri-kas, einen „Willkommensgruß der Heimat“.

In der folgenden Abstimmung fordert die Weimarer Nationalversammlung mit 414 gegen 7 Stimmen die »Wiedereinsetzung Deutschlands in seine kolonialen Rechte«.

Am 2. März 1919 reitet dann General Paul von Lettow-Vorbeck mit seiner Truppe vom Volk umjubelt durch das Brandenburger Tor in Berlin ein. Am 3. März eröff-net der Parlamentspräsident Constantin Fehrenbach die in Weimar tagende Nationalversammlung mit den Worten:

„Meine Damen und Herren! Gestern sind unsere Ost-afrikaner (Die Versammlung erhebt sich) feierlich in die Reichshauptstadt eingezogen. Es ist der parlamentari-schen Vertretung des deutschen Volkes nicht vergönnt gewesen, sie am Brandenburger Tor zu begrüßen. Dafür soll von hier aus der herzliche Gruß sie in der deutschen Heimat willkommen heißen (Lebhafter Beifall).“

1919 sind 3,8 Millionen Deutsche in einer Unterschrif-tenaktion gegen den »Raub der Kolonien«. Auch Politi-ker wie Gustav Stresemann und Konrad Adenauer se-hen die Rückforderung der Kolonien als eine Selbstver-ständlichkeit an. Der Versailler Vertrag tritt zwar erst 1920 in Kraft, die Siegermächte haben aber längst in Geheimverträgen die deutschen Kolonien unter sich aufgeteilt. Die Selbstverwaltungen von Eingeborenen in den deutschen Kolonien werden beseitigt, so in Ruanda und Urundi von den Belgiern und auf Samoa von den Neuseeländern. Der Protest der Samoaner gegen die neuseeländische Herrschaft wird 1928 von den Neu-seeländern blutig niedergeschlagen.

Sämtliche Deutschen in den Kolonien werden als ein weiteres Verbrechen der Siegermächte zwangsausgesie-delt und ihr gesamtes Vermögen enteignet zu Gunsten der Sieger. Nur die Deutschen aus den von den Sieger-mächten annerktierten Teilen des Reiches und die Volksdeutschen dürfen bleiben. In Südwestafrika darf die Hälfte der Deutschen bleiben, weil Südafrika die Deutschen für die Erhaltung der Wirtschaft braucht.

Ein Betrug der Sieger ist es auch zu behaupten, die Reichsdeutschen aus den annektierten Teilen des Rei-ches seien keine Deutschen, sondern Polen, Franzosen und so weiter, was aber immerhin diesen Deutschen ihren Besitz und ihr Verweilen in den Kolonien sichert.


US-Präsident Woodrow Wilson sagt im September 1919:

„Dieser Krieg war ein Industrie- und Handelskrieg. Es war kein politischer Krieg. Die deutschen Bankiers, die deutschen Kaufleute und die deutschen Industriellen wollten diesen Krieg nicht. Sie waren ohne ihn auf dem besten Weg, die Welt zu erobern, und wußten, daß er ihre Pläne verderben würde.“

Der britische Premierminister David Lloyd George faßt als Ergebnis des Vertrages von Versailles zusammen:

„Die deutschen Kriegsschiffe sind ausgeliefert, die deut-schen Handelsschiffe sind überstellt, die deutschen Ko-lonien existie­ren nicht mehr, der eine unserer Haupt-konkurrenten im Handel ist zum Krüppel geschlagen.“


Das in der Weimarer Republik in Reichskolonialmini-sterium umbenannte Reichskolonialamt wird 1920 auf-gelöst und seine Arbeit dem Reichsministerium für Wiederaufbau übertragen, mit der Aufgabe der »Weiterentwicklung der abgetretenen Schutzgebiete«.

Die »Schutzangehörigen« des Reiches in Deutschland bekommen den Status von »Ehemaligen Schutzangehö-rigen« mit den gleichen Rechten wie zuvor und wie zu-vor auch ohne Wahlrecht. 

Der britische Historiker A. P. Newton schreibt 1919:

»Innerhalb einer einzigen Generation hat Deutschland ein ganzes überseeisches Reich gewonnen und wieder verloren. – Die Weltgeschichte weist wenige Kapitel auf, die gleichzeitig von solcher Bedeutung, so knapp im Um-fang, so vollkommen in sich abgeschlossen und poli-tisch so lehrreich wären.«

Im Februar 1924 schreibt das südafrikanische Regie-rungsblatt Die Burger:

»Bekanntlich sind Deutschland seine Kolonien wegge-nommen worden, weil nach Angaben der Verbündeten Deutschland dort Mißwirtschaft betrieben hat und die Eingeborenen dort von deutschen Gewalttaten und Sklavenketten erlöst werden müßten. Wir wissen heute, daß die Beschuldigungen unwahr sind. Die deutschen Kolonien wurden bestimmt nicht schlechter verwaltet als der Kolonialbesitz irgendeines Verbündeten. Heute müssen wir sogar anerkennen, daß gewisse deutsche Kolonien jetzt schlechter verwaltet und entwickelt wer-den als früher von den Deutschen. Da also bewiesen ist, daß Deutschland seine Kolonien nicht schlecht verwal-tet hat, fallen auch die Gründe weg, aus denen Deutsch-land der Kolonien beraubt wurde.«

1926 schreibt der britische Kolonialexperte William Harbutt Dawson im Vorwort zum Buch German Colo-nization: Post and Future von Heinrich Schnee, dem ehemaligen Gouverneur von Deutsch Ostafrika:

»Das Deutsche Reich und sein Parlament zeigte zu allen Zeiten ernste Sorge um das Wohlergehen der Eingebo-renen, und urteilte streng über alle Fehler, die in der Verwaltung oder anderswo in den Kolonien zu Tage traten.«

Langsam können in den 20er Jahren Deutsche auch wie-der in einige der von den Siegermächten geraubten deutschen Kolonien einwandern und auch ehemalige Kolonialdeutsche können zurückkehren und ihren al-ten Besitz, der ihnen enteignet worden ist, zurück-kaufen. Hatte es vor dem Ersten Weltkrieg 73 deutsche Kolonialgesellschaften in den deutschen Schutzgebie-ten gegeben, so steigt ihre Zahl bis 1933 in den nun ehemaligen Kolonien auf 85 an.

Wenn nicht die von Deutschland zu Kolonien gemach-ten Länder und ihre Völker unter deutsche Herrschaft gekommen wären, wären sie unter französische oder britische Herrschaft gefallen. Als 1919 die unter deut-scher Verwaltung lebenden Völker das Pech haben un-ter die Herrschaft der Siegermächte zu kommen, trau-ern sie der deutschen Herrschaft nach. Insbesondere in den von Frankreich und Belgien übernommenen Kolo-nien verschlechtern sich die Lebensbedingungen der Einheimischen dramatisch. In Kamerun bricht in den 30er Jahren schließlich die völlige Rechtlosigkeit über die Schwarzen herein. Die Franzosen führen dort eine reine Schreckensherrschaft. Der Kameruner Jean Ikelle-Matiba beschreibt in seinen Büchern auch diese trau-rige Zeit. Ikelle-Matiba heiratet eine Deutsche und stirbt 1984 in Deutschland.