Kategorien
Ostafrika II

Die Residenturen Ruanda und Urundi mit 3½ Millionen Einwohnern kommen nach dem Krieg an Belgien. Die belgischen Horden an farbigen Kolonialsoldaten plün-dern und vergewaltigen unter der einheimischen Bevöl-kerung in Ruanda, Urundi und im Osten von Deutsch Ostafrika und ihre belgischen Offiziere lassen sie gewäh-ren. Wie der Herr, so’s Gescherr, wie ein altes Sprich-wort sagt.

Die um vieles größere Landmasse des hauptsächlichen Teils von Deutsch Ostafrika mit 4¾ Millionen Menschen fällt an England. Sofort beginnen die Engländer mit Raub und Plünderung des deutschen Eigentums. Eng-lische Soldaten plündern was sie kriegen können und der englische Staat zieht den ganzen sonstigen mobilen und immobilen Besitz der Deutschen ein, welcher auf einen Wert von 650.000 Millionen Reichsmark ge-schätzt wird. An Engländer, Inder, Griechen und Italie-ner wird dieser Wert für 27 Millionen Mark verscher-belt.

Die Kolonie Deutsch Ostafrika ist für die Engländer eine lohnende Kriegsbeute. Die Engländer benennen ihren Beuteanteil Tanganyika nach dem Tanganjikasee. Die vom deutschen Steuerzahler aufgebaute Infrastruktur fällt ihnen in die Hände und die großen Plantagenkul-turen des Landes. Durch die deutsche Aufbauleistung kann die Beutekolonie ab 1923 auf Subventionen ver-zichten und bringt Gewinne ein.

1925 wird die Verwaltung durch den neuen Gouverneur Donald Cameron neu gestaltet. Cameron war ein Mitar-beiter Frederick Lugards, der in Nigeria die indirect ru-le, die Herrschaftsausübung in den mittleren und unte-ren Ebenen durch die Eingeborenen selbst, eingeführt hat wie das auch in den deutschen Kolonien geschah. Cameron stärkt die Autorität von ordnungsgemäß ge-wählten Häuptlingen und betraut sie mit verantwort-lichen Tätigkeiten im Steuer- und Rechtsbereich. 1926 wird ein Legislativrat geschaffen, aber seine Mitglieder werden ernannt. Die asiatische Kolonie hat hier wie in der britischen Nachbarkolonie Kenia großes Gewicht. Die Exportgüter des Landes sind weiterhin landwirt-schaftliche Produkte: Sisal, Erdnüsse, Baumwolle und Kaffee. 1940 werden in Schinjanga Diamantenminen eröffnet.


Ab 1925 dürfen die vollständig ausgewiesenen und enteigneten Deutschen aus Deutsch Ostafrika wieder ins Land und ihre ehemaligen Farmen zurückkaufen. Man-che sind dazu in der Lage, die anderen müssen von vorn anfangen. Es ist schon absurd, daß sie ihre eigenen Far-men von den britischen Besatzern, die ja nur das Mandat über Deutsch Ostafrika haben, zurückkaufen müssen. Andere konnten bleiben, weil sie zwar Deutsche, aber keine Reichsdeutschen sind oder durch die Gebiets-abtretungen des Reiches an andere Staaten nun nicht mehr als Reichsdeutsche gelten. Dazu kommen neue deutsche Kolonisten ins Land.

Viele Schwarze haben ihre früheren Herren nicht ver-gessen. Freiwillig kehren sie zurück zu den von den Bri-ten moralisch verfemten Deutschen, nicht selten um ge-ringeren Lohn arbeitend, als sie anderwärts erhalten hätten. Ohne ihre Treue, ohne ihre tatkräftige Mitarbeit würden die deutschen Farmer kaum wieder hochkom-men.

Der Existenzkampf in der Kolonie führt die Deutschen zu neuen Wegen. Im Süden des Landes entstehen so die ersten Teepflanzungen, die sich zum Teil recht gut ent-wickeln. Auch der Anbau von Kweme kommt in Schwung. Lange waren die in der großen Frucht enthal-tenen flachen, nußartigen Kerne ihrer Bitterkeit wegen ungenießbar. Ein deutscher Farmer erfindet aber ein Entbitterungsverfahren, und seitdem ist der Anbau der Kweme lohnend geworden, denn die Kerne ergeben ein gutes Speisefett.

Am Kilimandscharo sind seit Mitte der 30er Jahre in gesunder, malariafreier Höhenlage neue deutsche Schulen im Entstehen. Zu ihrem Bau haben sowohl die deutschen Pflanzer das Ihrige getan, aber auch aus Deutschland kommt viel Hilfe.

Die Prügelstrafe für Schwarze ist nun offiziell unter bri-tischem Mandat abgeschafft, aber weiße Siedler fackeln oft nicht lange und halten sich nicht mit Gerichtster-minen auf, sondern schlagen einfach zu. Kommt es doch zu einem Gerichtsfall, wie etwa bei einem schwarzen Boy, der einen weißen Hotelbesitzer in Moschi als Schenzi (Buschneger) beschimpft, und der Weiße dem Boy erst eine Ohrfeige verpaßt und dann zur Boma zur Aburteilung bringt, bekommt der Boy im Schnellver-fahren sechs Monate Gefängnis. Vielleicht wären dem Boy einige Peitschenhiebe lieber gewesen als sechs Mo-nate sinnloser Haft. Zum anderen aber wird der Boy nun auf Staatskosten untergebracht und verpflegt, was ihm vielleicht auch nicht ganz unangenehm ist.


1930 sind von den rund 6000 Weißen in der Kolonie wieder etwa 2000 Deutsche. Die Zahl der Inder im Land hat sich seit der deutschen Zeit mehr als verdoppelt auf über 15.000.

Die Belgier sind in den ihnen übertragenen Residentu-ren Ruanda und Urundi nur auf Ausbeutung aus. Dafür haben sie in den beiden Ländern die Zahl der Beamten, die zur deutschen Zeit bei zehn lag, auf über 120 erhöht, und zur Sicherung der Ausbeutung des Landes gegen ihre Einwohner die Zahl der Kolonialsoldaten, die neben den Beamten auch noch von der Bevölkerung unterhal-ten werden müssen, vervielfacht.

Hohe Steuern auf die Einheimischen sind das eine Mit-tel der Ausbeutung durch die Belgier und das andere die von den Deutschen mit Absicht in den beiden Residen-turen nicht zugelassene Ansiedlung von Weißen und von Konzessionsgesellschaften. Die von Weißen geführ-ten Konzessionsgesellschaften produzieren nun in den beiden Ländern für den Export, auf Kosten der einhei-mischen Wirtschaft. Die unter belgischer Herrschaft nun immer wieder auftretenden Hungersnöte in Ruan-da und Urundi sagen alles über die belgische Kolonial-herrschaft.

Deutschen ist der Zutritt in ihre neuen, zuvor deut-schen Kolonialgebiete selbstverständlich von den Belgi-ern vollständig verboten, die Rechte der einheimischen Herrscher haben sie abgeschafft und die vollständige belgische Herrschaft eingeführt. Ihre Unterdrückungs- und Ausbeutungsmethoden haben die Belgier vom Kon-go auf Ruanda und Urundi übertragen.


In den 20er Jahren haben sich zwei Dutzend deutsche Siedler am Oldeani und am benachbarten Ngorongoro-Krater das beste Land für Kaffeeanbau ausgesucht, das bisher unerschlossen und zudem von Einheimischen nicht beansprucht ist. Nur mit einigem Kapital ist es möglich diese Kaffeeplantagen aufzubauen. Dazu wird Viehwirtschaft als zweite Einnahmequelle betrieben. Zu den Siedlern gehört auch einer der Siedentopf-Brüder, die schon vor dem Weltkrieg im Ngorongoro-Krater Farmen hatten. Friedrich Wilhelm Siedentopf hat sich nun vor dem Ngorongoro-Krater Land abgesteckt für Viehzucht und Landwirtschaft.

Die Hauptgefahr im Gebiet sind Nashörner, die dort im Busch leben. Friedrich Wilhelm Siedentopf führt 1927 den Berliner Zoodirektor Lutz Heck bei einer Tierfang- und Filmexpedition in der Gegend. Heck will einen Nashornbullen filmen, aber das Tier wittert die beiden. Heck: »Wird es angreifen? Dann wäre es in wenigen Sekunden bei uns, und wenn ein Schuß in die Stirn oder auf den Ohransatz es nicht sofort tötete, würde es einen von uns mit dem Horn in die Luft schleudern. … Aber ich flüsterte Siedentopf, der wie ich den Finger am Abzug hatte, zu: „Nicht schießen!“ Endlich hatte das Nashorn ein Einsehen, drehte sich um und trabte in die Steppe – wir atmeten erleichtert auf.«

»Ich muß gestehen, daß diese kurze Spanne Zeit [mit dem Nashorn] mir endlos lang schien und zu den aufre-gendsten Augenblicken meines Lebens gehörte.« Und Heck ist Weltkriegsteilnehmer: »In Gedanken erinner-te ich mich an meine Kriegserlebnisse mit Sturman-griffen, Nahkämpfen, Handgranaten, Fliegerbomben, Minenwerfern und dergleichen. Dagegen schienen mir Tiere, selbst die größten harmlos zu sein…«

Lutz Heck stellt bei seiner Expedition von 1927 bei der britischen Mandatsverwaltung von Deutsch Ostafrika den Antrag, daß die Tierwelt im Krater geschützt wer-den sollte und nun wird der in der Vorkriegszeit fast vollendete deutsche Plan, den Krater zum Naturschutz-gebiet zu erklären, verwirklicht.

1931 berät Friedrich Wilhelm Siedentopf eine deutsche Filmgesellschaft, die im Bereich Serengeti/Kiliman-dscharo einen Fliegerfilm mit vielen Landschafts- und Tieraufnahmen aus der Luft und am Boden dreht. Zu den Piloten beim Dreh gehört der berühmte Kunst-flieger Ernst Udet. Bei einem dieser Flüge wollen Udet und sein Fliegerkamerad Suchocky, auch ein deutscher Weltkriegsflieger wie Udet, mit ihren kleinen Flugzeu-gen für Aufnahmen in der Serengeti landen. Suchocky hat Siedentopf mit an Bord und landet zuerst. Doch beim Ausschweben erhebt sich ein als Stein angesehenes Nas-horn und Suchocky muß noch einmal hochziehen, über das Nashorn hinweg, und es kommt zu einer Bruchlandung. Suchocky und Siedentopf sind leicht verletzt und werden von Udet ins Lager zurückgeflogen.

Suchocky und Siedentopf sterben aber beide drei Mo-nate später völlig abgezehrt, regelrecht skelettiert. Man vermutet, daß sie sich bei dem Bruch im Gelände und dem Kriechen aus dem beschädigten Flugzeug an infi-ziertem Aas mit einer tödlichen Krankheit angesteckt haben.    

Am Oldeani entsteht im Laufe der Jahre eine deutsche Kaffeeanbauersiedlung mit Geschäften, einer Schule und einem Krankenhaus. Anfang 1939 treten ein deut-scher Pfarrer und ein deutscher Arzt dort ihren Dienst an und es ist in Eigenleistung eine Straße dorthin ge-baut.

Auch noch andere Gebiete werden nach 1919 von Deutschen im Mandatsgebiet Deutsch Ostafrika besie-delt, nicht aber von Siedlern der Siegermächte, während der Kilimandscharo, wie schon vor dem Weltkrieg, wei-terhin deutsches Siedlungsgebiet bleibt. 

Ein deutscher Konsul besucht einmal im Jahr in den 30er Jahren in zweimonatiger 8000 km-PKW-Fahrt 28 deutsche Siedlungsgebiete im britischen Ostafrika mit seinen beiden Teilen Kenia und Uganda und dem Man-datsgebiet Deutsch Ostafrika/Tanganyika für ein- bis dreitägige Konsultage. Im britischen Ostafrika, ein-schließlich des Mandatsgebietes, befinden sich deut-sche Verbände der Kaffee-, Tee-, und Baumwollpflanzer und die deutschen Schulvereine. In den drei Gebieten sich auch etwa 35 Vertrauensmänner der NSDAP zuge-gen. Es sind die jeweiligen Landesgruppen-, Kreis-, Orts- und Stützpunktleiter der Auslandsorganisation (AO) der NSDAP, deren Organ die monatlich erscheinende Ost-afrika-Warte der Kreisleitung der AO in Kenia und Uganda in Nairobi ist und die in ganz Ostafrika gelesen wird. 

Kategorien
Südwestafrika II

Als im November 1918 der Waffenstillstand an allen Fronten Eintritt erklären die Engländer den Vertrag mit Gouverneur Theodor Seitz vom Juli 1915 für hinfällig, wonach die Deutschen in der Kolonie bleiben und ihren Besitz behalten und die deutsche Verwaltung weiter arbeitet. Bis zum Juli 1919 werden etwa 7000 Deutsche aus Südwest ausgewiesen, also ungefähr die Hälfte aller Deutschen im Lande.

Die Kolonie wird dann aber der Südafrikanischen Union als Mandatsgebiet übertragen und nicht England. Durch den stark burisch geprägten Einfluß in der südafrikani-schen Regierung wird verhindert, daß die englischen Sieger alles Eigentum der Deutschen rauben dürfen. Nicht zufällig hat die englische Sprache eine große Zahl an Worten für Plündern. Durch die Buren bleibt den im Lande verbliebenen Deutschen ihr Eigentum erhalten. Südwestafrika ist so die einzige deutsche Kolonie in der gleich nach dem Weltkrieg weiterhin Reichsdeutsche leben dürfen und die Kolonie sogar ihr deutsches Ge-präge bewahrt.

Nach dem Krieg gibt es eine große Wirtschaftsrezession im Land, der ab der Mitte der 20er Jahre ein Wirt-schaftsaufschwung folgt. Besonders die Viehwirtschaft erlebt einen starken Boom. Gegen den Vorkriegsstand hat sich Ende der 20er Jahre der Großviehbestand ver-fünffacht und der Bestand an Schafen und Ziegen ver-dreieinhalbfacht.

Die Zahl der Deutschen im Land erhöht sich wieder durch die Einwanderung nach Südwest, besonders ge-fördert von der südafrikanischen Regierung wird aber die Einwanderung von Buren und Engländern. 1929 leben 237.700 Farbige und 30.400 Weiße im Land. Von den Weißen sind 12.000 Deutsche.

Am 1. Juni 1931 wird der regelmäßige Flugverkehr zwi-schen Südwest- und Südafrika eingerichtet. Zwischen Windhuk und Kimberley verkehren vier Junkers-Flug-zeuge der deutschen Luftfahrtgesellschaft South West African Airways, die eine Tochterfirma der Junkerswer-ke in Dessau ist.

Kategorien
Kamerun III

Harry Rudin, der in den 20er Jahren Kamerun bereist und dann 20 Jahre an der Universität Yale als Professor tätig ist, schreibt im Kapitel VIII in seinem Werk Germans in the Cameroons, 1884-1914:

»Es war ein Glück für mich einen großen Teil des Inneren von Kamerun bereist zu haben. Woimmer ich hinkam hörte ich die Einheimischen die exzellente deut-sche Verwaltung loben. Die öfters gemachte Bemerkung über die Deutschen war, daß sie sehr streng manchmal hart, aber immer gerecht waren. Das ist eine hohes Lob; und ein noch größeres Lob liegt in der Zuneigung die Eingeborene für einzelne deutsche Beamte fühlten. Eine Nation kann nicht eine höhere Würdigung ihrer aus-gezeichneten Verwaltung erbitten als solche Meinun-gen von den von ihr verwalteten Menschen. Diese Meinungen wurden unter allen möglichen Umständen gegeben ohne Anweisungen oder Vorschlägen von mir. Ich wurde tatsächlich kritisiert, wenn ich Eingeborene auf vorgekommene Brutalitäten hinwies. Die entschie-denste Kritik der deutschen Herrschaft kam von deut-schen Händlern, die viel über die kleinlichen Verord-ungen und Einmischungen von amtlicher Seite in ihren Handel klagten und über die Inspektionen von den Gesundheitsinspektoren.«


Seit 1926 dürfen wieder deutsche Schiffe das französisch besetzte Kamerun anlaufen und deutsche Staatsbürger den französischen Teil von Kamerun betreten. Neben Reichsdeutschen und anderen Deutschsprachigen sind hauptsächlich Deutsch-Schweizer in Französisch Kame-run aktiv. Die Franzosen sind allerdings bemüht deut-schen Aktivitäten in der ehemaligen deutschen Kolonie soviele Steine wie nur möglich in den Weg zu legen.

In der Phase der Umstellung von deutscher auf die bri-tische und französische Verwaltung verdammt man die deutschsprachige Elite zur Untätigkeit. Von französi-scher Seite ist die Unterdrückung besonders stark. Zu Beginn befreit Frankreich die Arbeiter von den deut-schen Plantagen. Aber bald wird Zwangsarbeit einge-führt und selbst ihre eigenen unwürdigen Gesetze für die Kolonialvölker, der Code de l’indegénat, wird, wie überall in ihren Kolonien, von den Franzosen auch noch mißachtet. Die Arbeiten an der zentralen Eisenbahn-linie enden in einem wahren Blutbad: Die 38 km von Ndschok bis Makak kosten tausenden von Menschen das Leben. Die Arbeitsbedingungen sind oft einfach nur schrecklich und unmenschlich.

Die Franzosen bauen den Hafen von Duala weiter aus, um den Aufschwung in der Kakao-, Kaffee-, Palmöl- und Kautschukproduktion bewältigen zu können.

Die französische Mandatsregierung hat nur die deut-sche Kolonialherrschaft abgelöst, bringt aber keinerlei Verbesserung für die einheimische Bevölkerung. Im Gegenteil tritt eine sich verschärfende Verschlechte-rung der Verhältnisse für die Kameruner Bevölkerung ein. Die Gesundheitspflege für die Bevölkerung ist völlig unzureichend. Das öffentliche Unterrichtswesen be-ginnt erst 1939 mit einer Realschule in Jaunde.


Der Südafrikaner John Carlin bereist Mitte der 30er Jahre mit der deutschen Völkerkundlerin Gulla Pfeffer Kamerun. In Nkongsamba, der Endhaltestelle der Bahn von Duala, findet er einen von seiner Arbeit in einem Regierungsversuchsgarten begeisterten französischen Gartenbaubeamten. Er beschäftigt sich experimentell und wissenschaftlich mit tropischer Bodenwirtschaft und zeigt Carlin und Pfeffer seinen Garten. Carlin: »Unser Führer war der einzige begeisterte Staatsdiener, den wir in Kamerun getroffen haben.«

Bei dieser geistigen Einstellung fast aller französischen Kolonialbeamten in der Kolonie kann natürlich von ei-ner Entwicklung des Landes keine Rede sein.

Carlin beschreibt weiter, daß das in Französisch Äquato-rialafrika gelegene Fort Lamy als nächsten brauchbaren Hafen Duala hat. »Duala besitzt nämlich Kaie, von denen aus Truppen und Kriegsmaterial unmittelbar auf die Transportdampfer verladen werden können. Krane für gewöhnliche Schiffsfracht sind dagegen nicht vorhan-den, und von Handelsdampfern werden die dortigen Kaie kaum benützt, weil alle Schiffe, außer den fran-zösischen Postdampfern mit verheerenden Gebühren belegt werden. Die Autostraße selbst [nach Fort Lamy] hat nur wenig Verkehr – ich habe einmal in sechs Tagen einen Durchschnitt von nicht mehr als einem Lastwagen pro Tag festgestellt –, aber manchmal rast eine mili-tärische Kolonne von acht bis zehn Lastautos mit Sol-daten und Vorräten in nördlicher Richtung durch, und das ganze Jahr über werden an der Küste senegalesi-sche Truppen ein- und ausgeschifft. Mir hat einmal eine schwerarbeitende kleine Französin in Duala erzählt, daß sie für sich und ihr Kind auf dem Dampfer keine Kabine bekam, weil die verfügbaren Plätze für die Negersolda-ten benötigt wurden. Sie mußte mit dem Kleinen auf Deck nächtigen.«

Kategorien
Siegerbetrug - Das Ergebnis des Krieges für die deutschen Kolonien

Bereits bald nach Kriegsbeginn im August 1914 beginnt eine massive Lügenpropaganda in den Feindstaaten Deutschlands über frei erfundene Gräueltaten und Ver-brechen in den deutschen Kolonien, um Stimmung für eine Enteignung der Kolonien zu Gunsten der Lügen-propagandisten zu machen. Ein Vergleich der Kolonial-herrschaft Deutschlands und der der anderen kolonia-len Mächte sieht denn in Wahrheit sehr unerfreulich für die Siegermächte von 1918 aus.

Der amerikanische Historiker Herbert Adam Gibsons schreibt 1916:

»Im Gegenteil zu dem was in den letzten beiden Jahren häufig behauptet worden ist, hat die öffentliche Mei-nung in Deutschland, wie wir schon bei der Unterdrük-kung des Hereroaufstandes gesehen haben, die Verant-wortung Deutschlands seinen eingeborenen Schutzbe-fohlenen gegenüber klar erkannt. Man braucht nur die Zeitungen und Zeitschriften zu lesen, Bücherverzeich-nisse durchzublättern und die während der letzten fünf-zehn Jahre veröffentlichten Reichstagsverhandlungen zu verfolgen, um sich zu vergegenwärtigen, daß von allen europäischen Kolonialmächten nur Großbritan-nien so viel Menschlichkeit und Idealismus bewiesen hat, wie Deutschland bei der Errichtung und Aufrecht-erhaltung einer gerechten und aufgeklärten Kolonial-herrschaft. In diesem Augenblick gerade ist es außeror-dentlich wichtig, daß dieses jemand feststellt, von dem man nicht annehmen darf, daß er in dem gegenwärtigen Kriege mit Deutschland sympathisiert oder versucht für die deutsche Sache einzutreten, aber Wahrheit bleibt Wahrheit…  In Frankreich, in Belgien, in Portugal, in Italien, in Rußland sucht man vergeblich nach einem so weitverbreiteten und bedeutsamen Eintreten für das Wohl der eingeborenen Rassen, wie man es in Deutsch-land findet.«

Harry Johnston, der viele Jahre als britischer Konsul und Gouverneur in Afrika tätig war, schreibt im Ersten Welt-krieg:

»Wenn die Deutschen Ostafrika verlieren, wird es nicht die Folge irgendwelcher Verbrechen sein, die sie in Afri-ka begangen haben. … Tatsächlich war die deutsche Herrschaft von den [18]90er Jahren bis zum Ausbruch des Weltkrieges keineswegs unbeliebt in Ostafrika. Die führenden Häupter der Eingeborenen wurden behan-delt, wie wir die indischen Rajahs behandeln, und die Araber wurden so vollkommen mit der deutschen Herr-schaft versöhnt, daß sie starke Bundesgenossen der Deutschen wurden.«

»Die Kolonien stellen heute einen Teil des National-besitzes der sozialdemokratischen deutschen Republik dar, deren Kolonialpolitik auch die Interessen der einge-borenen Bevölkerung in höherem Maße zu wahren im Stande sein wird, als die jener imperialistischen Mächte, die jetzt über die Verteilung der deutschen Kolonien verhandeln. Die deutsche Sozialdemokratie fordert des-halb die Rückgabe der deutschen Kolonien.«

Am 1. März 1919 äußert sich Reichskolonialminister Dr. Johannes Bell in der Sitzung der Nationalversammlung in Weimar hocherfreut, „daß über die zur Erörterung stehenden Fragen auf kolonialem Gebiet der Streit der Parteien völlig ausgeschaltet ist und daß darüber eine erfreuliche Übereinstimmung zwischen Regierung, Par-lament und Volk besteht.“

Nur der Abgeordnete Alfred Henke, der zu der von der SPD abgespaltenen USPD gehört, widerspricht dem Kolonialminister, der darauf noch einmal das Wort ergreift und sagt, „daß alle Parteien in diesem hohen Hause, die noch Verständnis für nationale Ehre haben, in diesem Punkte einig sind.“ Dann sendet der Kolo-nialminister den mit Schiff „soeben eingetroffenen Ost-afrikanern“, den in fast viereinhalb Jahren Krieg unge-schlagenen Soldaten der Schutztruppe Deutsch Ostafri-kas, einen „Willkommensgruß der Heimat“.

In der folgenden Abstimmung fordert die Weimarer Nationalversammlung mit 414 gegen 7 Stimmen die »Wiedereinsetzung Deutschlands in seine kolonialen Rechte«.

Am 2. März 1919 reitet dann General Paul von Lettow-Vorbeck mit seiner Truppe vom Volk umjubelt durch das Brandenburger Tor in Berlin ein. Am 3. März eröff-net der Parlamentspräsident Constantin Fehrenbach die in Weimar tagende Nationalversammlung mit den Worten:

„Meine Damen und Herren! Gestern sind unsere Ost-afrikaner (Die Versammlung erhebt sich) feierlich in die Reichshauptstadt eingezogen. Es ist der parlamentari-schen Vertretung des deutschen Volkes nicht vergönnt gewesen, sie am Brandenburger Tor zu begrüßen. Dafür soll von hier aus der herzliche Gruß sie in der deutschen Heimat willkommen heißen (Lebhafter Beifall).“

1919 sind 3,8 Millionen Deutsche in einer Unterschrif-tenaktion gegen den »Raub der Kolonien«. Auch Politi-ker wie Gustav Stresemann und Konrad Adenauer se-hen die Rückforderung der Kolonien als eine Selbstver-ständlichkeit an. Der Versailler Vertrag tritt zwar erst 1920 in Kraft, die Siegermächte haben aber längst in Geheimverträgen die deutschen Kolonien unter sich aufgeteilt. Die Selbstverwaltungen von Eingeborenen in den deutschen Kolonien werden beseitigt, so in Ruanda und Urundi von den Belgiern und auf Samoa von den Neuseeländern. Der Protest der Samoaner gegen die neuseeländische Herrschaft wird 1928 von den Neu-seeländern blutig niedergeschlagen.

Sämtliche Deutschen in den Kolonien werden als ein weiteres Verbrechen der Siegermächte zwangsausgesie-delt und ihr gesamtes Vermögen enteignet zu Gunsten der Sieger. Nur die Deutschen aus den von den Sieger-mächten annerktierten Teilen des Reiches und die Volksdeutschen dürfen bleiben. In Südwestafrika darf die Hälfte der Deutschen bleiben, weil Südafrika die Deutschen für die Erhaltung der Wirtschaft braucht.

Ein Betrug der Sieger ist es auch zu behaupten, die Reichsdeutschen aus den annektierten Teilen des Rei-ches seien keine Deutschen, sondern Polen, Franzosen und so weiter, was aber immerhin diesen Deutschen ihren Besitz und ihr Verweilen in den Kolonien sichert.


US-Präsident Woodrow Wilson sagt im September 1919:

„Dieser Krieg war ein Industrie- und Handelskrieg. Es war kein politischer Krieg. Die deutschen Bankiers, die deutschen Kaufleute und die deutschen Industriellen wollten diesen Krieg nicht. Sie waren ohne ihn auf dem besten Weg, die Welt zu erobern, und wußten, daß er ihre Pläne verderben würde.“

Der britische Premierminister David Lloyd George faßt als Ergebnis des Vertrages von Versailles zusammen:

„Die deutschen Kriegsschiffe sind ausgeliefert, die deut-schen Handelsschiffe sind überstellt, die deutschen Ko-lonien existie­ren nicht mehr, der eine unserer Haupt-konkurrenten im Handel ist zum Krüppel geschlagen.“


Das in der Weimarer Republik in Reichskolonialmini-sterium umbenannte Reichskolonialamt wird 1920 auf-gelöst und seine Arbeit dem Reichsministerium für Wiederaufbau übertragen, mit der Aufgabe der »Weiterentwicklung der abgetretenen Schutzgebiete«.

Die »Schutzangehörigen« des Reiches in Deutschland bekommen den Status von »Ehemaligen Schutzangehö-rigen« mit den gleichen Rechten wie zuvor und wie zu-vor auch ohne Wahlrecht. 

Der britische Historiker A. P. Newton schreibt 1919:

»Innerhalb einer einzigen Generation hat Deutschland ein ganzes überseeisches Reich gewonnen und wieder verloren. – Die Weltgeschichte weist wenige Kapitel auf, die gleichzeitig von solcher Bedeutung, so knapp im Um-fang, so vollkommen in sich abgeschlossen und poli-tisch so lehrreich wären.«

Im Februar 1924 schreibt das südafrikanische Regie-rungsblatt Die Burger:

»Bekanntlich sind Deutschland seine Kolonien wegge-nommen worden, weil nach Angaben der Verbündeten Deutschland dort Mißwirtschaft betrieben hat und die Eingeborenen dort von deutschen Gewalttaten und Sklavenketten erlöst werden müßten. Wir wissen heute, daß die Beschuldigungen unwahr sind. Die deutschen Kolonien wurden bestimmt nicht schlechter verwaltet als der Kolonialbesitz irgendeines Verbündeten. Heute müssen wir sogar anerkennen, daß gewisse deutsche Kolonien jetzt schlechter verwaltet und entwickelt wer-den als früher von den Deutschen. Da also bewiesen ist, daß Deutschland seine Kolonien nicht schlecht verwal-tet hat, fallen auch die Gründe weg, aus denen Deutsch-land der Kolonien beraubt wurde.«

1926 schreibt der britische Kolonialexperte William Harbutt Dawson im Vorwort zum Buch German Colo-nization: Post and Future von Heinrich Schnee, dem ehemaligen Gouverneur von Deutsch Ostafrika:

»Das Deutsche Reich und sein Parlament zeigte zu allen Zeiten ernste Sorge um das Wohlergehen der Eingebo-renen, und urteilte streng über alle Fehler, die in der Verwaltung oder anderswo in den Kolonien zu Tage traten.«

Langsam können in den 20er Jahren Deutsche auch wie-der in einige der von den Siegermächten geraubten deutschen Kolonien einwandern und auch ehemalige Kolonialdeutsche können zurückkehren und ihren al-ten Besitz, der ihnen enteignet worden ist, zurück-kaufen. Hatte es vor dem Ersten Weltkrieg 73 deutsche Kolonialgesellschaften in den deutschen Schutzgebie-ten gegeben, so steigt ihre Zahl bis 1933 in den nun ehemaligen Kolonien auf 85 an.

Wenn nicht die von Deutschland zu Kolonien gemach-ten Länder und ihre Völker unter deutsche Herrschaft gekommen wären, wären sie unter französische oder britische Herrschaft gefallen. Als 1919 die unter deut-scher Verwaltung lebenden Völker das Pech haben un-ter die Herrschaft der Siegermächte zu kommen, trau-ern sie der deutschen Herrschaft nach. Insbesondere in den von Frankreich und Belgien übernommenen Kolo-nien verschlechtern sich die Lebensbedingungen der Einheimischen dramatisch. In Kamerun bricht in den 30er Jahren schließlich die völlige Rechtlosigkeit über die Schwarzen herein. Die Franzosen führen dort eine reine Schreckensherrschaft. Der Kameruner Jean Ikelle-Matiba beschreibt in seinen Büchern auch diese trau-rige Zeit. Ikelle-Matiba heiratet eine Deutsche und stirbt 1984 in Deutschland.