Als im November 1918 der Waffenstillstand an allen Fronten Eintritt erklären die Engländer den Vertrag mit Gouverneur Theodor Seitz vom Juli 1915 für hinfällig, wonach die Deutschen in der Kolonie bleiben und ihren Besitz behalten und die deutsche Verwaltung weiter arbeitet. Bis zum Juli 1919 werden etwa 7000 Deutsche aus Südwest ausgewiesen, also ungefähr die Hälfte aller Deutschen im Lande.
Die Kolonie wird dann aber der Südafrikanischen Union als Mandatsgebiet übertragen und nicht England. Durch den stark burisch geprägten Einfluß in der südafrikani-schen Regierung wird verhindert, daß die englischen Sieger alles Eigentum der Deutschen rauben dürfen. Nicht zufällig hat die englische Sprache eine große Zahl an Worten für Plündern. Durch die Buren bleibt den im Lande verbliebenen Deutschen ihr Eigentum erhalten. Südwestafrika ist so die einzige deutsche Kolonie in der gleich nach dem Weltkrieg weiterhin Reichsdeutsche leben dürfen und die Kolonie sogar ihr deutsches Ge-präge bewahrt.
Nach dem Krieg gibt es eine große Wirtschaftsrezession im Land, der ab der Mitte der 20er Jahre ein Wirt-schaftsaufschwung folgt. Besonders die Viehwirtschaft erlebt einen starken Boom. Gegen den Vorkriegsstand hat sich Ende der 20er Jahre der Großviehbestand ver-fünffacht und der Bestand an Schafen und Ziegen ver-dreieinhalbfacht.
Die Zahl der Deutschen im Land erhöht sich wieder durch die Einwanderung nach Südwest, besonders ge-fördert von der südafrikanischen Regierung wird aber die Einwanderung von Buren und Engländern. 1929 leben 237.700 Farbige und 30.400 Weiße im Land. Von den Weißen sind 12.000 Deutsche.
Am 1. Juni 1931 wird der regelmäßige Flugverkehr zwi-schen Südwest- und Südafrika eingerichtet. Zwischen Windhuk und Kimberley verkehren vier Junkers-Flug-zeuge der deutschen Luftfahrtgesellschaft South West African Airways, die eine Tochterfirma der Junkerswer-ke in Dessau ist.