Die Residenturen Ruanda und Urundi mit 3½ Millionen Einwohnern kommen nach dem Krieg an Belgien. Die belgischen Horden an farbigen Kolonialsoldaten plün-dern und vergewaltigen unter der einheimischen Bevöl-kerung in Ruanda, Urundi und im Osten von Deutsch Ostafrika und ihre belgischen Offiziere lassen sie gewäh-ren. Wie der Herr, so’s Gescherr, wie ein altes Sprich-wort sagt.
Die um vieles größere Landmasse des hauptsächlichen Teils von Deutsch Ostafrika mit 4¾ Millionen Menschen fällt an England. Sofort beginnen die Engländer mit Raub und Plünderung des deutschen Eigentums. Eng-lische Soldaten plündern was sie kriegen können und der englische Staat zieht den ganzen sonstigen mobilen und immobilen Besitz der Deutschen ein, welcher auf einen Wert von 650.000 Millionen Reichsmark ge-schätzt wird. An Engländer, Inder, Griechen und Italie-ner wird dieser Wert für 27 Millionen Mark verscher-belt.
Die Kolonie Deutsch Ostafrika ist für die Engländer eine lohnende Kriegsbeute. Die Engländer benennen ihren Beuteanteil Tanganyika nach dem Tanganjikasee. Die vom deutschen Steuerzahler aufgebaute Infrastruktur fällt ihnen in die Hände und die großen Plantagenkul-turen des Landes. Durch die deutsche Aufbauleistung kann die Beutekolonie ab 1923 auf Subventionen ver-zichten und bringt Gewinne ein.
1925 wird die Verwaltung durch den neuen Gouverneur Donald Cameron neu gestaltet. Cameron war ein Mitar-beiter Frederick Lugards, der in Nigeria die indirect ru-le, die Herrschaftsausübung in den mittleren und unte-ren Ebenen durch die Eingeborenen selbst, eingeführt hat wie das auch in den deutschen Kolonien geschah. Cameron stärkt die Autorität von ordnungsgemäß ge-wählten Häuptlingen und betraut sie mit verantwort-lichen Tätigkeiten im Steuer- und Rechtsbereich. 1926 wird ein Legislativrat geschaffen, aber seine Mitglieder werden ernannt. Die asiatische Kolonie hat hier wie in der britischen Nachbarkolonie Kenia großes Gewicht. Die Exportgüter des Landes sind weiterhin landwirt-schaftliche Produkte: Sisal, Erdnüsse, Baumwolle und Kaffee. 1940 werden in Schinjanga Diamantenminen eröffnet.
Ab 1925 dürfen die vollständig ausgewiesenen und enteigneten Deutschen aus Deutsch Ostafrika wieder ins Land und ihre ehemaligen Farmen zurückkaufen. Man-che sind dazu in der Lage, die anderen müssen von vorn anfangen. Es ist schon absurd, daß sie ihre eigenen Far-men von den britischen Besatzern, die ja nur das Mandat über Deutsch Ostafrika haben, zurückkaufen müssen. Andere konnten bleiben, weil sie zwar Deutsche, aber keine Reichsdeutschen sind oder durch die Gebiets-abtretungen des Reiches an andere Staaten nun nicht mehr als Reichsdeutsche gelten. Dazu kommen neue deutsche Kolonisten ins Land.
Viele Schwarze haben ihre früheren Herren nicht ver-gessen. Freiwillig kehren sie zurück zu den von den Bri-ten moralisch verfemten Deutschen, nicht selten um ge-ringeren Lohn arbeitend, als sie anderwärts erhalten hätten. Ohne ihre Treue, ohne ihre tatkräftige Mitarbeit würden die deutschen Farmer kaum wieder hochkom-men.
Der Existenzkampf in der Kolonie führt die Deutschen zu neuen Wegen. Im Süden des Landes entstehen so die ersten Teepflanzungen, die sich zum Teil recht gut ent-wickeln. Auch der Anbau von Kweme kommt in Schwung. Lange waren die in der großen Frucht enthal-tenen flachen, nußartigen Kerne ihrer Bitterkeit wegen ungenießbar. Ein deutscher Farmer erfindet aber ein Entbitterungsverfahren, und seitdem ist der Anbau der Kweme lohnend geworden, denn die Kerne ergeben ein gutes Speisefett.
Am Kilimandscharo sind seit Mitte der 30er Jahre in gesunder, malariafreier Höhenlage neue deutsche Schulen im Entstehen. Zu ihrem Bau haben sowohl die deutschen Pflanzer das Ihrige getan, aber auch aus Deutschland kommt viel Hilfe.
Die Prügelstrafe für Schwarze ist nun offiziell unter bri-tischem Mandat abgeschafft, aber weiße Siedler fackeln oft nicht lange und halten sich nicht mit Gerichtster-minen auf, sondern schlagen einfach zu. Kommt es doch zu einem Gerichtsfall, wie etwa bei einem schwarzen Boy, der einen weißen Hotelbesitzer in Moschi als Schenzi (Buschneger) beschimpft, und der Weiße dem Boy erst eine Ohrfeige verpaßt und dann zur Boma zur Aburteilung bringt, bekommt der Boy im Schnellver-fahren sechs Monate Gefängnis. Vielleicht wären dem Boy einige Peitschenhiebe lieber gewesen als sechs Mo-nate sinnloser Haft. Zum anderen aber wird der Boy nun auf Staatskosten untergebracht und verpflegt, was ihm vielleicht auch nicht ganz unangenehm ist.
1930 sind von den rund 6000 Weißen in der Kolonie wieder etwa 2000 Deutsche. Die Zahl der Inder im Land hat sich seit der deutschen Zeit mehr als verdoppelt auf über 15.000.
Die Belgier sind in den ihnen übertragenen Residentu-ren Ruanda und Urundi nur auf Ausbeutung aus. Dafür haben sie in den beiden Ländern die Zahl der Beamten, die zur deutschen Zeit bei zehn lag, auf über 120 erhöht, und zur Sicherung der Ausbeutung des Landes gegen ihre Einwohner die Zahl der Kolonialsoldaten, die neben den Beamten auch noch von der Bevölkerung unterhal-ten werden müssen, vervielfacht.
Hohe Steuern auf die Einheimischen sind das eine Mit-tel der Ausbeutung durch die Belgier und das andere die von den Deutschen mit Absicht in den beiden Residen-turen nicht zugelassene Ansiedlung von Weißen und von Konzessionsgesellschaften. Die von Weißen geführ-ten Konzessionsgesellschaften produzieren nun in den beiden Ländern für den Export, auf Kosten der einhei-mischen Wirtschaft. Die unter belgischer Herrschaft nun immer wieder auftretenden Hungersnöte in Ruan-da und Urundi sagen alles über die belgische Kolonial-herrschaft.
Deutschen ist der Zutritt in ihre neuen, zuvor deut-schen Kolonialgebiete selbstverständlich von den Belgi-ern vollständig verboten, die Rechte der einheimischen Herrscher haben sie abgeschafft und die vollständige belgische Herrschaft eingeführt. Ihre Unterdrückungs- und Ausbeutungsmethoden haben die Belgier vom Kon-go auf Ruanda und Urundi übertragen.
In den 20er Jahren haben sich zwei Dutzend deutsche Siedler am Oldeani und am benachbarten Ngorongoro-Krater das beste Land für Kaffeeanbau ausgesucht, das bisher unerschlossen und zudem von Einheimischen nicht beansprucht ist. Nur mit einigem Kapital ist es möglich diese Kaffeeplantagen aufzubauen. Dazu wird Viehwirtschaft als zweite Einnahmequelle betrieben. Zu den Siedlern gehört auch einer der Siedentopf-Brüder, die schon vor dem Weltkrieg im Ngorongoro-Krater Farmen hatten. Friedrich Wilhelm Siedentopf hat sich nun vor dem Ngorongoro-Krater Land abgesteckt für Viehzucht und Landwirtschaft.
Die Hauptgefahr im Gebiet sind Nashörner, die dort im Busch leben. Friedrich Wilhelm Siedentopf führt 1927 den Berliner Zoodirektor Lutz Heck bei einer Tierfang- und Filmexpedition in der Gegend. Heck will einen Nashornbullen filmen, aber das Tier wittert die beiden. Heck: »Wird es angreifen? Dann wäre es in wenigen Sekunden bei uns, und wenn ein Schuß in die Stirn oder auf den Ohransatz es nicht sofort tötete, würde es einen von uns mit dem Horn in die Luft schleudern. … Aber ich flüsterte Siedentopf, der wie ich den Finger am Abzug hatte, zu: „Nicht schießen!“ Endlich hatte das Nashorn ein Einsehen, drehte sich um und trabte in die Steppe – wir atmeten erleichtert auf.«
»Ich muß gestehen, daß diese kurze Spanne Zeit [mit dem Nashorn] mir endlos lang schien und zu den aufre-gendsten Augenblicken meines Lebens gehörte.« Und Heck ist Weltkriegsteilnehmer: »In Gedanken erinner-te ich mich an meine Kriegserlebnisse mit Sturman-griffen, Nahkämpfen, Handgranaten, Fliegerbomben, Minenwerfern und dergleichen. Dagegen schienen mir Tiere, selbst die größten harmlos zu sein…«
Lutz Heck stellt bei seiner Expedition von 1927 bei der britischen Mandatsverwaltung von Deutsch Ostafrika den Antrag, daß die Tierwelt im Krater geschützt wer-den sollte und nun wird der in der Vorkriegszeit fast vollendete deutsche Plan, den Krater zum Naturschutz-gebiet zu erklären, verwirklicht.
1931 berät Friedrich Wilhelm Siedentopf eine deutsche Filmgesellschaft, die im Bereich Serengeti/Kiliman-dscharo einen Fliegerfilm mit vielen Landschafts- und Tieraufnahmen aus der Luft und am Boden dreht. Zu den Piloten beim Dreh gehört der berühmte Kunst-flieger Ernst Udet. Bei einem dieser Flüge wollen Udet und sein Fliegerkamerad Suchocky, auch ein deutscher Weltkriegsflieger wie Udet, mit ihren kleinen Flugzeu-gen für Aufnahmen in der Serengeti landen. Suchocky hat Siedentopf mit an Bord und landet zuerst. Doch beim Ausschweben erhebt sich ein als Stein angesehenes Nas-horn und Suchocky muß noch einmal hochziehen, über das Nashorn hinweg, und es kommt zu einer Bruchlandung. Suchocky und Siedentopf sind leicht verletzt und werden von Udet ins Lager zurückgeflogen.
Suchocky und Siedentopf sterben aber beide drei Mo-nate später völlig abgezehrt, regelrecht skelettiert. Man vermutet, daß sie sich bei dem Bruch im Gelände und dem Kriechen aus dem beschädigten Flugzeug an infi-ziertem Aas mit einer tödlichen Krankheit angesteckt haben.
Am Oldeani entsteht im Laufe der Jahre eine deutsche Kaffeeanbauersiedlung mit Geschäften, einer Schule und einem Krankenhaus. Anfang 1939 treten ein deut-scher Pfarrer und ein deutscher Arzt dort ihren Dienst an und es ist in Eigenleistung eine Straße dorthin ge-baut.
Auch noch andere Gebiete werden nach 1919 von Deutschen im Mandatsgebiet Deutsch Ostafrika besie-delt, nicht aber von Siedlern der Siegermächte, während der Kilimandscharo, wie schon vor dem Weltkrieg, wei-terhin deutsches Siedlungsgebiet bleibt.
Ein deutscher Konsul besucht einmal im Jahr in den 30er Jahren in zweimonatiger 8000 km-PKW-Fahrt 28 deutsche Siedlungsgebiete im britischen Ostafrika mit seinen beiden Teilen Kenia und Uganda und dem Man-datsgebiet Deutsch Ostafrika/Tanganyika für ein- bis dreitägige Konsultage. Im britischen Ostafrika, ein-schließlich des Mandatsgebietes, befinden sich deut-sche Verbände der Kaffee-, Tee-, und Baumwollpflanzer und die deutschen Schulvereine. In den drei Gebieten sich auch etwa 35 Vertrauensmänner der NSDAP zuge-gen. Es sind die jeweiligen Landesgruppen-, Kreis-, Orts- und Stützpunktleiter der Auslandsorganisation (AO) der NSDAP, deren Organ die monatlich erscheinende Ost-afrika-Warte der Kreisleitung der AO in Kenia und Uganda in Nairobi ist und die in ganz Ostafrika gelesen wird.