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Samoa II

Wie aus allen deutschen Kolonien sollen auch in Samoa alle Deutschen ausgesiedelt, das heißt, wenn notwendig unter Gewaltanwendung vertrieben und ihr Vermögen zugunsten der Kriegssieger vollständig enteignet wer-den. Eben die ›Gerechtigkeit‹ der Sieger des von ihnen begonnenen Weltkrieges, die ausschließlich an ihren gottlosen, selbstsüchtigen Zielen interessiert sind. Doch die Samoaner wehren sich gegen die Vertreibung der Deutschen, die mit Samoanerinnen verheiratet sind. Um sich nicht zuviel Unmut der Einheimischen auf sich zu ziehen, gestehen die Neuseeländer mit Eingeborenen verheirateten Deutschen den weiteren Aufenthalt zu und Enteignen sie auch nicht, was gleichzeitig die Ent-eignung der mit ihnen verheirateten Samoanerinnen bedeuten würde. Da etwa die Hälfte der Deutschen auf Samoa einheimische Frauen geheiratet haben, bleibt ein Teil der kleineren deutschen Plantagen in deutscher Hand.  

Die Neuseeländer zwingen den hauptsächlich am Strand liegenden Dörfern der Samoaner Toilettenhäuser am Strand auf, wo doch seit Jahrtausenden die Flut das Ge-schäft erledigte, und nun verschandeln die Klohütten den Strand. Schlimmer ist, daß die Neuseeländer den Samoanern ihre freien Sitten verbieten, so daß Avanga, das freie Leben der weiblichen und männlichen Jugend-lichen untereinander, verboten wird und ihnen die christliche Ehe aufgezwungen wird. Die deutschen Her-ren hatten sich in all diese Angelegenheiten des samo-anischen Lebens kein bißchen eingemischt.

Die neuseeländische Mandatsverwaltung ist ein Total-versagen. Mit mehr weißen Beamten als zur deutschen Zeit wird nichts geleistet und schließlich beginnt die Bevölkerung sich gegen die neuseeländische Mißwirt-schaft zu wehren. Im Dezember 1928 wird eine friedliche Massendemonstration gegen die neuseeländische Be-setzung von neuseeländischen Soldaten gewaltsam auf-gelöst. Elf Demonstranten, darunter Tupua Tamasese Lealofi III, der Führer der samoanischen Unabhängig-keitsbewegung, werden getötet, mehr als 50 Menschen verletzt.

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Das ganze Kolonialreich

Hatte die siebte Phase im zeitlichen Ablauf des deut-schen Kolonialreiches eingesetzt, die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Kolonien vom Mutterland Deutsch-land, und damit als achte Phase, die beginnende Über-nahme der politischen Macht von der Reichsverwaltung in die Hände der deutschen Bevölkerung in den Schutz-gebieten, so hat auch schon die neunte und letzte Phase, das Ende der Kolonialzeit, mit der Ausbildung von Ein-heimischen im Staatsdienst, begonnen.

Diese farbige westlich ausgebildete Beamtenschaft wird zusammen mit erfolgreichen, nationalistisch gestimm-ten einheimischen Geschäftsleuten die geistige Bewe-gung für die Unabhängigkeit ihres jeweiligen kolonialen Staatswesens von Deutschland bilden. Sie werden so-wohl die intellektuelle Protestbewegung gegen die Kolo-nialherrschaft führen und – nachdem das Wahlrecht auch für die einheimische Bevölkerung in den Kolonien vom Reich gewährt ist als letztem Schritt der Entkolo-nisation – auch die Führer der unabhängig gewordenen Staaten sein.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist unbedingt zu erwähnen, über den uns das Deutsche Kolonial-Lexikon 1914 be-lehrt:

»Zeitungen in Eingeborenensprachen erscheinen in sämtlichen deutschen Schutzgebieten und zwar, soweit bekannt geworden ist, in Deutsch-Ostafrika 5, Kamerun 2, Togo 2, Deutsch-Südwestafrika 2, Deutsch-Neuguinea 2, Samoa 6 und Kiautschou 7. Sie werden zum größten Teile von Missionsgesellschaften herausgegeben.«

Eine lese- und schreibkundige Bevölkerungsschicht ist also in allen deutschen Kolonien entstanden und sicher wird das Medium Zeitung auch eine Grundlage zur Ver-breitung von freiheitlichen Vorstellungen der farbigen Führungsschicht bieten, auch wenn von deutscher Seite in den Kolonien versucht werden wird, diese Art der Meinungsäußerung unter den Farbigen zu bekämpfen, so wird doch der Reichstag in Berlin die freie Meinungs-äußerung wie sie auch in Deutschland besteht ebenso für die »Schutzbefohlenen« in den Kolonien durchset-zen.

Der einsetzende wachsende Wohlstand der Eingebo-renen bringt auch wachsendes Selbstbewußtsein und wachsende Ansprüche auf politische Mitsprache. Sicht-bar ist der wachsende Wohlstand der Einheimischen in den erstaunlich ansteigenden Zahlen der farbigen Eisenbahnnfahrer in den deutschen Kolonien in Afrika, wo bereits nicht nur die dritte Klasse genutzt wird, sondern schon die Hälfte der Fahrgäste der zweiten Klasse Farbige sind. Die Benutzung der Ersten Klasse ist ihnen einstweilen noch verboten, aber schätzungsweise in den 20er Jahren wird dieses Verbot wohl kippen.

Als am 7. Juni 1893 ein Inder im britischen Südafrika die Erste Klasse in einem Zug benutzen will wird er raus-geworfen. Später sagt dieser Inder:

„My active non-violence began from that date.“

Der Inder hieß übrigens Mahatma Gandhi.

Nach dem Recht der Benutzung der Ersten Klasse in Zü-gen wird sicher – nach vielen Auseinandersetzungen – das Wahlrecht für die Einheimischen stufenweise (Stadt, Bezirk, Kolonie) in ihrem jeweiligen Schutzge-biet folgen – mit dem natürlich die Erlaubnis der Bil-dung von Parteien einhergeht – und eine von der Masse der Einheimischen gewählte einheimische Regierung wird ans Ruder kommen. Ein friedlicher Übergang von der Kolonialherrschaft in die Selbständigkeit. Der Zeit-rahmen für den Übergang der deutschen Kolonien in ihre Unabhängigkeit ist bei einer normalen, friedlichen Entwicklung der Welt zwischen 1940 und 1950 zu er-warten. 


Bekanntlich war die Dekolonialisierung im 20. Jahrhun-dert meistenteils eine blutige Angelegenheit, die zum Teil schon vor dem Ersten Weltkrieg einsetzte wie etwa in Südafrika, in den 20er und 30er Jahren Fahrt aufnahm und nach dem Zweiten Weltkrieg auch mit aller Waf-fengewalt von den Kolonialmächten nicht mehr zu stop-pen war. Es war ein Befreiungskampf der Völker in den Kolonien der europäischen Mächte gegen ihre Unter-drücker und Ausbeuter, massiv unterstützt durch die Sowjetunion und die DDR. So hatte auf merkwürdige Weise ein Teil Deutschlands seinen Anteil an der Befrei-ung der Kolonien.

So ist es auch interessant zu sehen wie sich im Gegen-satz zum britischen, französischen, portugiesischen, spanischen, niederländischen und belgischen Kolonial-reich sich das deutsche Kolonialreich weiterentwickelt und schließlich entkolonisiert hätte. Durchaus wäre es nicht zu den gleichen gewaltsamen Befreiungskriegen der Völker unter deutscher Herrschaft gekommen als es in den Kolonien der anderen Kolonialmächte ge-schah, da in den zehn Jahren vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland eine Kolonialpolitik einsetzte, die eine völlig andere Entwicklungslinie aufzeigt.

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Einleitung II

1937 erscheint das Buch Der Afrikaner heute und morgen von Diedrich Westermann. Darin beschreibt Westermann den Beginn der Dekolonisation durch die Bildung der Schwarzen durch die Weißen, auch wenn er selbst an die weitere Herrschaft der Weißen in Afrika glaubt:

»Auch solche Neger, die als gebildete und selbstbewußte Vertreter ihrer Rasse die europäische Herrschaft kri-tisch oder feindselig ansehen, beanspruchen für sich selber das Recht, die europäische Kultur sich voll anzu-eignen, denn sie sind sich darüber klar, daß sie nur dann mit dem Weißen in Wettbewerb treten und sich ihm gegenüber behaupten können, wenn sie seine Waffen gebrauchen. Afrikanische Führer erheben den schärf-sten Einspruch gegen jeden Versuch, den Schwarzen eine andere Erziehung und Ausbildung zu geben als den Weißen. Sie lehnen jede arteigene Behandlung ab…

Derartige Anfänge, die sich in vielen Teilen Afrikas fin-den, zeigen, wie neue Gemeinschaften entstehen, die zwar Elemente des Alten in sich tragen, aber doch den Erfordernissen einer neuen Zeit bewußt Rechnung tra-gen.

Der moderne Verkehr bringt auch die Bewohner einer Kolonie näher zusammen. Sie alle unterstehen der glei-chen Verwaltung und Rechtssprechung … eingeborene Angestellte und Arbeiter werden außerhalb ihrer Hei-mat beschäftigt; man lernt sich kennen, rückt einander näher … All dieses führt dahin, das Gewicht der Stam-mesunterschiede zu mindern und die frühere Abge-schlossenheit, die häufig zu Mißtrauen und feindseliger Haltung führte, als überlebt anzusehen. Mit anderen Worten, es entsteht etwas wie ein Staatsbewußtsein oder gar ein Nationalgefühl…«


Keine der afrikanischen Befreiungsbewegungen errang einen militärischen Sieg über eine Kolonialmacht. Die sowjetische Ausbildung war auf konventionelle Offensi-ven nach dem Muster des Zweiten Weltkrieges ausge-richtet, was ihren praktischen Wert unter völlig ande-ren landschaftlichen, klimatischen und völkischen Ge-gebenheiten sehr verringerte.

Von der DDR gelieferte Rezepte zur Herstellung opti-maler Sicherheit, das heißt die Sicherheit des Macht-monopols der jeweiligen Exil-Führung der afrikanischen Befreiungsbewegung, haben sich gut bewährt. Beson-ders ruchlos dabei war das Wirken der SWAPO-Sicher-heitsgruppe in Südwestafrika, die in den 80er Jahren mindestens tausend Aktivisten aus den eigenen Reihen als Spione Südafrikas verhaftet hat, ohne Gerichtsver-fahren einsperrte und folterte, auf daß sie weitere ›Spione‹ verrieten, bis die Vereinten Nationen 1989 im Zuge der von ihnen durchgeführten Repatriierung der Namibia-Flüchtlinge die Freilassung der Überlebenden durchsetzte.

Gesiegt haben am Ende alle afrikanischen Befreiungs-bewegungen, ob sie mit militärischen Mitteln oder nur politischen vorgegangen sind. Doch ihre Siege wurden nicht in den Kolonien errungen, sondern in der öffent-lichen Meinung des jeweiligen kolonialen Mutterlan-des. In West- und Ostafrika räumten England und Frankreich nach 1945 schrittweise, zum Ende der 50er Jahre zügig, das allgemeine und gleiche Wahlrecht ein. Nur Belgien und Portugal nicht, in deren Kolonien bluti-ge Kriege tobten, weil sie auf keinen Fall ihre überseei-schen Besitzungen aufgeben wollten.


Das Ergebnis der Endkolonisation faßt 1986 eine Gruppe aus afrikanischen Wissenschaftlern, Schriftstellern, Gewerkschaftern und ehemaligen Politikern unter der Ägide der International Foundation for Developement Alternatives zusammen. In ihrer Erklärung heißt es un-ter anderem:

»Nach der Unabhängigkeit wurden in den meisten afri-kanischen Staaten die Ziele der Befreiungskämpfe un-terschlagen und die Träume und Pläne der Menschen verraten. Demokratie blieb auf Erklärungen der Politi-ker und auf das vollmundige Formulieren von Verfas-sungen beschränkt, die selten respektiert wurden.

Demokratie findet im Alltagsleben noch nicht statt. Ele-mentare Freiheitsrechte werden oft verletzt. Willkürli-che Festnahmen, Verhaftungen, Folter und Mord haben viele tatsächliche oder vermutete politische Oppositio-nelle zum Schweigen gebracht…«

Die Wirklichkeit der afrikanischen Staaten nach der Un-abhängigkeit besteht aus wuchernder Verwaltung, die unfähig ist, Herrschaft auszuführen und ebensowenig ist sie »öffentlicher Dienst«, denn sie ist unfähig, einer gedeihlichen Entwicklung der Gesellschaft zu dienen. Sie ist ein Versorgungsnetz für Verwandte und Diener der wenigen wirklichen Machthaber, deren Macht nur darin besteht, sich Ressourcen aus dem Volk (Steuern) und aus internationaler »Hilfe«, wie Krediten, sich so-weit wie möglich anzueignen.

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Togo I

Ende 1952 schlagen Vertreter der Ewe, des größten Vol-kes in Togo, dem UN-Treuhandrat in einem Memoran-dum vor, Deutschland möge die durch Großbritannien und Frankreich verwalteten Landeshälften wieder verei-nen und in die Unabhängigkeit führen. Selbstverständ-lich wird diese Eingabe von Schwarzen von der UNO, die von den Siegern des Zweiten Weltkrieges für ihre Inte-ressen gegründet wurde, als völlig abwegig von ihren Interessen nicht auch nur in Erwägung gezogen.

Der letzte deutsche Gouverneur von Togo, Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, wird von der Regierung von Togo als Ehrengast eingeladen an der Unabhängigkeits-feier Togos von Frankreich 1960 teilzunehmen und er nimmt mit Freuden die Einladung an.

Als ich, der Verfasser dieses Werkes, 1991 über Land von der Goldküste nach Togo einreiste und der zustän-dige togolesische Grenzbeamte an meinem Reisepaß sah, daß ich Deutscher bin, erhob er sich von seinem Stuhl und salutierte vor mir. Aus diesen Begebenheiten schließe ich, daß die Kolonialzeit unter der deutschen Herrschaft bei den Einheimischen in wesentlich freund-licherer Erinnerung ist als diejenige unter den Briten und Franzosen.


Der seit 1904 über eine Landungsbrücke in Lome ab-gewickelte Verkehr für Togo ist bei dem wachsenden Warenumschlag nicht mehr ausreichend und der schon zur deutschen Kolonialzeit angedachte und berechnete Hafen wird in den 60er Jahren schließlich von deut-schen Firmen erbaut.

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Ostafrika III

Die Tschechen Jiri Hanzelka und Miroslav Zikmund reisen 1947/48 im Wagen durch Afrika. In Tanga-nyika/Deutsch Ostafrika treffen sie einen Tschechen, den grauhaarigen Herrn Stocký, der ihnen erzählt:

„Die Anfänge waren schwer. Ich glaube, daß mich der ewige Kampf mit den Deutschen, an den ich mich be-reits in Wien, wo ich als Schlosser in der Lehre war, gewöhnt habe, mein ganzes Leben verfolgt hat. Auch hier in Afrika. Ich kam nach Tanganjika, als das Land einen neuen Herrn bekam, aber während der ganzen folgenden Jahrzehnte sah ich, daß die Deutschen eigent-lich nie aufhörten, hier die wirklichen Herren zu sein … Nie …? Heute haben sich die Verhältnisse geändert. Jetzt, wo ich’s schon nicht mehr nötig habe, bin ich auf einmal die Konkurrenz los.“

Hanzelka/Zikmund: »Die deutsche Kolonie wurde zer-stückelt [Ruanda und Urundi an Belgien / ›Tanganyika‹ an England / Kigoma-Dreieck an Portugal], aber die Deutschen blieben. Sie hatten den größten Teil des Han-dels und der Industrie in der Hand, und ihre Solidarität untereinander machte auch unter den neuen Verhält-nissen ihre Stellung unerschütterlich. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lebten in Tanganjika mehr als drei-tausend Deutsche. Es waren alteingesessene Siedler, die vor Jahrzehnten nach Afrika gekommen waren. Sie tra-ten wieder an die Öffentlichkeit, als die Nazis die Rück-gabe der ehemaligen deutschen Kolonien forderten. Die offizielle und geheime Unterstützung, die den Volksge-nossen in Tanganjika vom Dritten Reich zukam, förderte die Errichtung einer starken Organisation, die nur auf eine passende Gelegenheit wartete.

Umfassende Vorbereitungen zu einer Aktion, deren Ziel die Machtergreifung war, wurden getroffen. Munitions-lager und Listen der künftigen Befehlshaber der einzel-nen Distrikte bewiesen, daß die Nazis in Tanganjika nicht müßig waren. Die Methoden waren die gleichen, im tschechoslowakischen Grenzland wie in Tanganjika.

Aber auch die Briten schliefen nicht. Und so wurden beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges durch das energische Eingreifen der Sicherheitsbehörden alle Na-zis in Tanganjika im Lauf einer Nacht verhaftet und einige Stunden vor Beginn der vorbereiteten Aktion alle bewaffneten Zentren zerschlagen und die Waffenlager beschlagnahmt. Unter dem Belastungsmaterial, das die Entscheidung über die Zukunft der Tanganjika-Deut-schen beschleunigte, befanden sich schwarze Listen, in denen die Namen einer Reihe von Personen verzeichnet waren, die nach Wiedererrichtung der deutschen Kolo-nie „unerwünscht“ waren. Der tschechische Name Sto-cký stand darin mit an erster Stelle.

Vor einiger Zeit legten die Deutschen, die auf ihre Aus-siedlung aus Afrika warteten, bei der UNO Protest gegen ihre Ausweisung ein, aber vergebens. Sie mußten in Gruppen nach Deutschland zurückkehren, und das Wirtschaftsleben von Tanganjika bekam ein anderes Gesicht.

Den geringsten Nutzen von dieser Änderung haben jene, die das größte Anrecht auf ihr Land haben – die Schwar-zen. Sie bleiben weiterhin von jeder Entscheidung über das Schicksal ihres Landes ausgeschlossen, nur das die Ergebnisse ihrer Arbeit in andere Hände fließen als früher.

Die Engländer schaffen sich dabei unter dem Deckman-tel ihrer Entnazifizierung mit einem Schlag die deutsche Konkurrenz vom Hals.«


Als General Paul von Lettow-Vorbeck, der im Ersten Weltkrieg die deutschen Kolonialtruppen in Ostafrika geführt hat, 1953 Daressalam besucht, begrüßen ihn hunderte seiner ehemaligen Soldaten und bitten ihn, einige Tage länger als geplant als ihr Gast in Tansania zu verweilen.

Zur Unabhängigkeitsfeier Tansanias in Daressalam am 9. Dezember 1961 ist Lettow-Vorbeck auch anwesend und gleichzeitig sind deutsche Firmen in den Start-löchern für die Eroberung des Marktes des jetzt freien Landes wie der nun ehemalige englische Kolonialbe-amte in Tanganjika, John David Bee, anmerkt.

Da General Lettow-Vorbeck gegen Kriegsende seinen afrikanischen Soldaten nur noch Schuldscheine statt Sold auszahlen konnte, begleicht 1964 die Bundesrepu-blik Deutschland den noch lebenden ehemaligen afrika-nischen Soldaten der Schutztruppe in Ostafrika ihre Schuldscheine und zahlt ihnen seither alljährlich einen Ehrensold von 50 DM im Jahr und seit 1984 einen Ehrensold von 100 DM im Jahr.


Das von der deutschen Kolonialverwaltung in Ostafrika verbreitete Suaheli ist heute die Landessprache von Tan-sania und noch immer fährt die Goetzen, heute unter dem Namen Liemba, auf dem Tanganjikasee. 1913 im Auftrag der deutschen Ostafrikanischen Eisenbahn-Gesellschaft auf der Meyer Werft in Papenburg als Passagier- und Frachtschiff erbaut, wurde das zerleg-bare Schiff in 5000 Holzkisten verpackt und nach Afrika verschifft. Über die Mittellandbahn wurde die Goetzen von Daressalam nach Kigoma am Tanganjikasee gefah-ren und wieder zusammengebaut. Auch heute fährt das Schiff auf dem zweitgrößten See Afrikas und in dem als deutsche Hafenstadt erbauten Kigoma steht der deut-sche Bahnhof ebenso wie das Jagdschloß für den deut-schen Kaiser Wilhelm dem Zweiten.

  

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Vorwort I

War schon das Ziel des Ersten Weltkrieges für die An-greifer England, Frankreich und Rußland einen gewal-tigen Raubzug gegen Deutschland zu veranstalten – wo-bei allerdings das Zarenreich dann selbst auf der Strecke blieb, bevor es denn die Chance hatte sich am Plündern zu beteiligen, weil es nur von den Großbankiers in Eng-land und Frankreich als Opfer im Krieg gegen Deutsch-land benutzt wurde – , so wurde nach dem von den Großbankiers schon vor dem Ersten Weltkrieg geplan-ten Zweiten Weltkrieg ein noch viel unfaßbarerer Raub-zug gegen Deutschland und das deutsche Volk durchge-führt.

Als eine Nebensächlichkeit dieser Plünderungen im allergrößten Stil in Deutschland werden auch 60.000 Bände des Reichskolonialbundes von der US-amerika-nischen staatlichen Library of Congress in Washington, der größten Bibliothek der Welt, gestohlen. Die Begrün-dung für diesen Diebstahl lautet: Diese Bücher würden die Deutschen nur an ihr früheres Kolonialreich erin-nern und Unfrieden stiften.

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Die fremden Kolonialreiche

1950 wird das Werk Un barrage contre le Pacifique (Deutsch: Heiße Küste 1952) der am 4. April 1914 nahe Saigon in Indochina geborenen Französin Marguerite Duras veröffentlicht. Darin beschreibt sie das erbärm-liche koloniale Leben in Französisch Indochina, das sie bis 1931, als sie nach Frankreich ging, selbst erlebte. Unterdrückung und Ausbeutung der Einheimischen, so-ziales Elend der französischen Unterklasse in der Kolo-nie, zu der sie selbst gehörte und von ihrer Familie zu Prostitution mit einem reichen Chinesen gedrängt, um Geld für die Familie zu beschaffen. Und sie beschreibt das korrupte und schamlose Leben der »besseren« französischen Gesellschaft in Indochina.

Die lebensechten Beschreibungen der Duras zeigen kei-ne erfolgreiche koloniale Entwicklung, sondern eine von den Tränen und dem Blut der Einheimischen leben-de französische Gesellschaft sowohl der Aktionäre der französischen Kolonialgesellschaften als auch der Kolonialfranzosen. Am Ende des Buches ruft die Duras die Einheimischen zum gewaltsamen Aufstand gegen die französische Kolonialtyrannei auf.

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Die Einheimischen wollen die Deutschen als Kolonialherren zurück

Der französische Historiker Robert Cornevin war acht Jahre Administrator der deutschen Kolonie Togo unter französischer Mandatsherrschaft und er erforschte au-ßer in Togo auch in Kamerun, Tansania, Ruanda und Burundi die deutsche Kolonialgeschichte. Cornevin schrieb:

»Sicher, die ersten zwanzig Jahre der deutschen Koloni-sation waren durch Fehler gekennzeichnet, aber im gan-zen gesehen erlaubte die lange Regierungszeit der Gou-verneure und Verwalter ihre Länder richtig kennenzu-lernen. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges befand sich das deutsche Kolonialreich in vollem Aufschwung.«

Cornevin schrieb auch:

»Nach 1918 erschienen englische, französische und bel-gische Pamphlete, die den Beweis der »Unfähigkeit der deutschen Kolonialverwaltung« erbringen wollten… Trotzdem scheint die afrikanische Bevölkerung – viel-leicht mit Ausnahme einiger Stämme in Südwestafrika – in den einstigen deutschen Kolonien ihre früheren Her-ren nicht in so schlechter Erinnerung behalten zu ha-ben.«

Zurecht schreibt Cornevin »vielleicht mit Ausnahme einiger Stämme in Südwestafrika« und gerade deshalb ist es verwunderlich, daß Samuel Maharero, der den Herero-Aufstand von 1904 führte und nach dem Abzug der Herero vom Waterberg nach Britisch Betschuna-land ging, nach seinem Tod im März 1923 von seinen Söhnen nach Südwest überführt und von den Herero unter der Flagge des deutschen Kaiserreiches beigesetzt wird. Auch führen die Herero bis heute die »Truppen-spiele«, wie sie sie nennen, durch. In Uniformen der deutschen Schutztruppe exerzieren sie nach deutschem Muster.

Da sich unter südafrikanischer Herrschaft nichts für die schwarzen Völker Südwestafrikas ändert, sondern alle von der deutschen Verwaltung eingeführten Unge-rechtigkeiten bestehen bleiben, ist es für sie egal ob Deutsche oder Südafrikaner das Land beherrschen.


Im Juni 1919 stellen sämtliche in Deutschland lebenden Kameruner durch ihren Landsmann Martin Dibode eine Petition an die Nationalversammlung in Weimar. Die Unterzeichner erklären, daß sie auf der Grundlage des Vertrages von 1884 zwischen Deutschland und den Duala unter Erfüllung von bestimmten Bedingungen bereit sind, mit der neuen im Januar 1919 gewählten deutschen Regierung zusammenzuarbeiten und ihre Oberhoheit anzuerkennen.

Zu den 32 Punkten, die in der Petition formuliert wer-den, gehören das Verlangen nach Selbständigkeit und Gleichberechtigung, die Einführung des deutschen Bür-gerlichen Gesetzbuches verbunden mit der Außerkraft-setzung der für Kamerun eingeführten Sondergesetze, Gleichheit vor dem Gesetz, einen ständigen Vertreter im Reichstag oder in der Nationalversammlung sowie die Wahl von drei einheimischen Präsidenten für die Bezirke Duala, Jaunde und Bamum durch die Bewohner Kameruns. »Der Gouverneur ist die Respektsperson, welche für Ruhe und Ordnung sorgt; alle anderen öf-fentlichen Aemter werden von ausgesuchten sich dafür eignenden Eingeborenen bekleidet.« Dabei soll der Gou-verneur einer halbjährigen Probezeit unterliegen, in der er seines Amtes sofort wieder enthoben werden kann.

Zum Forderungskatalog gehören auch die Abschaffung sowohl der Prügelstrafe als auch der zwangsweisen Arbeitsvermittlung von Kamerunern an große Firmen, die Aufhebung des Enteignungsbeschlusses für Duala von 1914, die Einführung der Schulpflicht, der Erhalt der Sitten und Gebräuche, die Schaffung einer Kameruner Steuerhoheit, freier Handel sowie Jagd- und Fischerei-rechte, ein Mitbestimmungsrecht bei der Gestaltung der Löhne und vor allem eine »menschenwürdige Behandlung«.

Die Duala richten 1919 eine eigene Eingabe an die Friedenskonferenz in Versailles in der sie bitten Kame-run als neutrales Gebiet anzusehen. Falls dies nicht die Absicht der Alliierten sei, wollen sie sich die zukünftige Schutzmacht selbst auswählen dürfen. Darüber hinaus ersuchen sie unter anderem um die Sicherung der bür-gerlichen Rechte, der Freizügigkeit des Handels, der Stellung ihrer Führer durch Wahl des Volkes sowie des Besitzrechtes an Grund und Boden, die Rücknahme aller Enteignungsbeschlüsse, Gleichheit vor dem Gesetz, ei-ne Entschädigung für die während des Krieges erlitte-nen Schäden und Verluste und eine Wiederaufnahme der Untersuchungen zu dem Hochverratsprozeß gegen Rudolf Manga Bell und Adolf Ngoso Din.

1929 bitten sie noch einmal in Genf beim Völkerbund um die Erfüllung ihrer Wünsche von 1919. Natürlich auch wieder ohne Ergebnis.

Die französische Mandatsregierung hat nur die deut-sche Kolonialherrschaft abgelöst, bringt aber keinerlei Verbesserung für die einheimische Bevölkerung. Im Ge-genteil tritt eine sich verschärfende Verschlechterung der Verhältnisse für die Kameruner Bevölkerung ein.



1937 erzählt Abidul, König der Palau-Inseln, welche von Japan besetzt sind, dem deutschen Diplomaten Hans-Otto Meissner:

»Zur Zeit ist die Kolonialpolizei besonders erbost auf meine Leute. Denken Sie nur, vor einigen Tagen zeigte man hier im Freilichtkino eine japanische Wochen-schau. Darin gab es auch Szenen vom Besuch des deut-schen Schulkreuzers Emden in Tokio. Als dieses deut-sche Schiff mit den japanischen Küstenbatterien die üb-lichen Salutschüsse wechselte, dachten meine ungebil-deten Landsleute, es wäre die alte ruhmreiche Emden wiedergekehrt und beschieße Japan. Sie brachen in wil-den Jubel aus, sprangen vor Freude auf die Bänke und riefen dem deutschen Kreuzer auf der Leinwand zu: „Komm her zu uns, komm schnell herbei!“ Daraufhin erschien die japanische Polizei und schlug mit den Gummiknüppeln in die Menge. Zur Strafe müssen jetzt alle Kinobesucher vier Wochen lang Wege-Arbeit leis-ten.«


Wie schrieb der Völkerkundler Karl Sapper 1913:

»Die Eingeborenen sind für jedes Kolonialvolk ein an-vertrautes Gut, über dessen Verwendung die späteren Generationen und die Geschichte Rechenschaft zu for-dern berechtigt sind…« 

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Deutsch Neuguinea II

Am 17. September 1914 wird in Herbertshöhe der Kapitu-lationsvertrag von Deutschen und Australiern unter-zeichnet. Die Besetzung der Kolonie durch Briten und Japaner dauert allerdings bis in den Januar 1915. Die Kapitulationsbedingungen sind sehr milde. Deutsche Gesetze, Währung und Eigentumsrechte bleiben erhal-ten, so daß während des ganzen Krieges die deutschen Pflanzungen weiter von ihren Besitzern bewirtschaftet werden können.

Die australischen Besatzungssoldaten und selbst ihre Offiziere, einschließlich des Chefs der Militärpolizei, plündern von ersten Tage der Besetzung an die einhei-mische Bevölkerung und vergewaltigen. Auch deutsche Wohnungen werden von den Briten durchsucht und ge-stohlen was ihnen gefällt. Anzeigen gegen die Soldaten wegen Diebstahl bleiben erfolglos. Eine solche Anzeige endet mit dem Versuch den anzeigenden Deutschen zu töten. Anfang Januar 1915 will ein australischer Soldat in Rabaul eine Dynamitpatrone in den ersten Stock des Hauses des Deutschen werfen, um ihn umzubringen. Die Patrone explodiert aber zu früh und reißt dem Soldaten die Hand ab.  

In Rabaul, der Hauptstadt von Deutsch Neuguinea, wer-den die Missionsschülerinnen, Patientinnen des Kran-kenhauses, weiblichen Strafgefangenen und die japani-schen Prostituierten vergewaltigt. Freiwild für die Aus-tralier sind auch alle einheimischen Frauen in den Buschdörfern, auf die in extra dafür angesetzten »Straf-expeditionen« Jagd gemacht wird. Schwarze und Chine-sen werden von den betrunkenen Soldaten je nach Lau-ne ohne Grund verprügelt und viele einheimische Män-ner werden von der australischen Soldateska ermordet. Ein halbes Jahr lang läuft dieses schwer verbrecherische Verhalten der Besatzungstruppen, ebenso wie sich die Australier auch ihren Eingeborenen in Australien ge-genüber verhalten.   

Von den Briten wird nur auf Nauru, das zum britischen Besatzungsbereich gehört, der Kapitulationsvertrag nicht eingehalten und die deutsche Bevölkerung am 8. November 1914 nach Australien deportiert. Unter stren-ger Bewachung und in geschlossener Kolonne werden die Deutschen von der Insel weggebracht. Die zunächst noch unbehelligten Missionare, ein Pater und vier Non-nen, werden ein Jahr später, am 1. November 1915, aus-gewiesen. Die Briten wollen offensichtlich die Phosphat-reiche Insel für sich beschlagnahmen.   

Die Japaner halten sich nicht an den auch für ihre Besat-zungsbereich, der Inselwelt im Norden von Deutsch Neuguinea, geltenden Vertrag. Viele Mikronesiendeut-sche reisen bereits freiwillig im November 1914 über Ja-pan und die neutralen Vereinigten Staaten zurück nach Deutschland. Mitte November 1914 werden die Deut-schen von der Phosphat-Insel Angaur in der Palau-Grup-pe von den Japanern deportiert, auch die Japaner wollen ihre eigene Phosphat-Insel haben. Zurück in Deutsch Mikronesien bleiben einige wenige deutsche Beamte, Siedler, Händler und vor allem die katholischen und protestantischen Missionare. Diesen, allen voran den Händlern der Jaluit-Gesellschaft, wird das Leben zuneh-mend schwergemacht. Am 31. März 1915 werden die Läden der Jaluit-Gesellschaft endgültig geschlossen und den Deutschen jeder Handel verboten. Bereits Anfang Januar 1915 erhalten die meisten der übrig gebliebenen Deutschen Ausweisungsbefehle. Wegen der schwieri-gen Transportverhältnisse läuft die Deportation zu un-terschiedlichen Zeiten. Die letzten deutschen Beamten werden im Juni 1915 von den Japanern von den Marshall-inseln und den Marianen entfernt. Von den Missionaren werden die katholischen Missionare in den Palauinseln am schlechtesten behandelt. Die Patres werden getreten und zusammengeschlagen, die Schwestern von den ja-panischen Soldaten belästigt. Nach einem Schauprozeß werden auch sie unter Androhung von Gewalt Ende No-vember 1915 aus Palau verbannt. Im März 1916 werden auch die Kapuziner von Saipan deportiert und die Zahl der deutschen protestantischen und katholischen Missi-onare auf Truk wird zeitgleich erheblich vermindert. Bis zum Ende des Krieges verbleiben deutsche Missionare auf Ponape und Jap, sowie auf einigen kleineren Inseln. Eine kleine Anzahl deutscher Siedler bleibt ebenfalls.

Nach dem Versailler Vertrag vom Juni 1919 werden auch die Südseedeutschen im Kaiser-Wilhelms-Land und im Bismarck-Archipel von den Briten aus ihrem Besitz und aus der Kolonie vertrieben.

Bei einem deutschen Sieg im Weltkrieg würden die Vor-kriegsverhältnisse im deutschen Pazifikraum wieder-hergestellt und gegen die Besatzungstruppen Verfahren wegen ihrer Verbrechen durchgeführt.

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Samoa

Wie aus allen deutschen Kolonien sollen auch in Samoa alle Deutschen ausgesiedelt, das heißt, wenn notwendig unter Gewaltanwendung vertrieben und ihr Vermögen zugunsten der Kriegssieger vollständig enteignet wer-den. Eben die ›Gerechtigkeit‹ der Sieger des von ihnen begonnenen Weltkrieges, die ausschließlich an ihren gottlosen, selbstsüchtigen Zielen interessiert sind. Doch die Samoaner wehren sich gegen die Vertreibung der Deutschen, die mit Samoanerinnen verheiratet sind. Um sich nicht zuviel Unmut der Einheimischen auf sich zu ziehen, gestehen die Neuseeländer mit Eingeborenen verheirateten Deutschen den weiteren Aufenthalt zu und Enteignen sie auch nicht, was gleichzeitig die Ent-eignung der mit ihnen verheirateten Samoanerinnen bedeuten würde. Da etwa die Hälfte der Deutschen auf Samoa einheimische Frauen geheiratet haben, bleibt ein Teil der kleineren deutschen Plantagen in deutscher Hand.  

Die Neuseeländer zwingen den hauptsächlich am Strand liegenden Dörfern der Samoaner Toilettenhäuser am Strand auf, wo doch seit Jahrtausenden die Flut das Geschäft erledigte, und nun verschandeln die Klohütten den Strand. Schlimmer ist, daß die Neuseeländer den Samoanern ihre freien Sitten verbieten, so daß Avanga, das freie Leben der weiblichen und männlichen Jugend-lichen untereinander, verboten wird und ihnen die christliche Ehe aufgezwungen wird. Die Deutschen Her-ren hatten sich in all diese Angelegenheiten des samo-anischen Lebens kein bißchen eingemischt.

Die neuseeländische Mandatsverwaltung ist ein Total-versagen. Mit mehr weißen Beamten als zur deutschen Zeit wird nichts geleistet und schließlich beginnt die Bevölkerung sich gegen die neuseeländische Mißwirt-schaft zu wehren. Im Dezember 1928 wird eine friedliche Massendemonstration gegen die neuseeländische Be-setzung von neuseeländischen Soldaten gewaltsam auf-gelöst. Elf Demonstranten, darunter Tupua Tamasese Lealofi III, der Führer der samoanischen Unabhängig-keitsbewegung, werden getötet, mehr als 50 Menschen verletzt.