Laut den Zahlen, welche im Deutschen Kolonial-Lexikon angegeben sind, leben 1912 etwa 26.000 Weiße in den deutschen Kolonien. Davon sind die nicht-deutschen Weißen abzurechnen, um auf die deutsche Bevölkerung zu kommen, die bei etwa 23.000 Menschen liegt. In dieser Statistik werden aber die Deutschen in den chinesischen Sonderbereichen wie den Konzessio-nen nicht aufgeführt und auch das Marinepersonal in China und auf den kolonialen Marinestationen wird nicht berücksichtigt und natürlich fehlt der Zuzug an Deutschen von 1912 bis 1914 in die Kolonien.
1913/14 befinden sich rund 40.000 Deutsche im deut-schen Kolonialreich. Sie sind Bewohner wie Siedler, Plantagenverwalter, Kaufleute, Handwerker, Beamte, Soldaten der Schutztruppen und der Kriegsmarine, Missionare, Ärzte, Krankenschwestern. Viele davon, wie etwa die Soldaten, Beamten, Plantagenverwalter und Krankenschwestern, mit Zeitverträgen von meist zwei Jahren. Dazu kommen Techniker, Ingenieure, Mon-teure, Facharbeiter und Fachleute für den Bau von Industrieanlagen in den deutschen Kolonien wie für Funkanlagen, Eisenbahnbau, Hafen- und Schiffsbauten. Auch befinden sich Besucher in den Schutzgebieten; etwa Geschäftsreisende, Wissenschaftler, Großwild-jäger, Journalisten, Schriftsteller, Maler, Photographen, Filmteams, Politiker, Tierfänger, Wandergesellen, Pilo-ten mit ihren Mechanikern, die ihre Flugmaschinen vorführen, reiche Urlauber und gutbetuchte Reisende allgemein, für die das Reisen Lebensinhalt ist, oder die Verwandte oder Freunde in den Kolonien besuchen oder Veranstaltungen wie die südwestafrikanische Landesausstellung, die ostafrikanische Landesausstel-lung oder die Internationalen Sportwochen in Tsingtau. Wenn man diese deutsche Bevölkerung grob auf ein halbes Tausend/Tausend je Kolonialgebiet auf- oder abrundet kommt man bei Togo, Kamerun und die in Duala stationierten Kriegsschiffe der Westafrikani-schen Station auf dreitausend; Deutsch Südwestafrika: fünfzehntausend; Deutsch Ostafrika und die Schiffe der Ostafrikanischen Station: fünfeinhalbtausend. Die deut-sche Bevölkerung in den seit 1913 durch Vertrag mit England dem deutschen Kolonialreich zugeschlagenen portugiesischen Kolonien Angola, Nordmosambik, São Tomé und Principe und von Spanisch Guinea, dessen Übernahme als deutsche Kolonie auch bereits im Gange ist, beläuft sich auf gut ein halbes Tausend. Für die afrikanischen Kolonien kommen wir so auf rund 24.000 Deutsche.
Bei den chinesischen Besitzungen kommen wir in Kiau-tschou auf zweieinhalbtausend Mann Marineinfanterie vom III. Seebataillon und der Marineartillerie, zwei-tausend Zivilisten und dreieinhalbtausend Mann vom Ostasiatischen Kreuzergeschwader. Ein halbes Tausend ist mit dem Ostasiatischen Marine-Detachment in Pe-king und Tientsin stationiert. Tausend deutsche Zivilis-ten leben in den Konzessionen von Hankau und Tient-sin. Gut tausend Deutsche wohnen in der Internatio-nalen Niederlassung in Schanghai. Im Gesandschafts-viertel von Peking, bei der deutschen Post in China und den Deutschland vertraglich zugestandenen Eisenbah-nen und Bergwerken und in weiteren geschäftlichen Niederlassungen in Schantung finden sich ein halbes Tausend. In China kann man also im ganzen mit elf-tausend Deutschen in den kolonialen Bereichen des Landes rechnen.
Hierbei nicht mitgezählt sind die etwa 1000 Deutschen aus dem Vielvölkerstaat des Kaisers von Österreich in den internationalen Niederlassungen in China und Österreich-Ungarns eigene Konzession in Tientsin und der Ostasienstation der Marine des Kaisers. Sie zählen sich zusammen aus der Besatzung des jeweiligen Stationsschiffes auf der Ostasienstation mit über 400 Mann, den Bewohnern der Konzession in Tientsien und der Internationalen Niederlassung in Schanghai, zu de-rem Schutz auch die Staatsbürger Österreich-Ungarns seit 1912 eine Freiwilligenkompanie stellen, und dem Gesandtschaftsviertel in Peking wo auch eine Gesandt-schaftswache von 30 Mann die österreichsch-ungari-sche Botschaft schützt.
In Deutsch Neuguinea, den Schiffen der dazugehörigen Australstation der deutschen Kriegsmarine und der Ko-lonie Samoa leben rund zweitausend Deutsche.
Dazu kommen jederzeit eintausend, die sich auf Fahrt in die Kolonien befinden und als Besucher oder Fach-arbeiter auf kürzere Zeit in den Kolonien sind. Mitzu-rechnen ist der deutsche Teil der Besatzungen auf Handelsschiffen, die auf Kolonialfahrt sind. So auf den deutschen Küstenlinien West- und Ostafrikas, den Reichspostdampfern in den Rund-um-Afrika-Fahrten, nach Ostasien und Australien und auf den Anschluß-linien der Ostasien- und Australien-Reichspostdampfer-linien an den chinesischen und südostasiatischen Küs-ten entlang und in die Südsee.
An Bord der drei Kriegsschiffe der Detachierten Division der Kaiserlichen Marine, die im Dezember 1913 und Januar 1914 die westafrikanischen Kolonien des Reiches besucht, befinden sich 2300 Mann, die sich in den Kolonien auch an Land aufhalten.
Die in Deutsch Ostafrika erscheinende Kilimandjaro- und Meruzeitung veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom 10. Mai 1913 den Artikel:
Opfer des Tropenklimas.
Nach der amtlichen Statistik des Reichskolonialamtes sind von den in den deutschen Kolonien ansässigen 23.342 Weissen im Laufe des letzten Jahres 301 ge-storben. Dieser Gesundheitsstand in den Kolonien kann als durchaus befriedigend bezeichnet werden. Denn von 1000 Weissen starben daselbst nur 12.9, während sich die Sterblichkeit in Deutschland pro 1000 Einwohner auf 17.1 stellte. Selbst wenn man einwenden wollte, dass es sich bei den Kolonisten in erster Linie um im besten Alter stehende Männer handele, muss doch immerhin berücksichtigt werden, dass die Zahl der Frauen (4.329) und Kinder unter 15 Jahren (3.913) bereits mehr als ein Drittel der weissen Kolonialbevölkerung ausmacht. Be-sonders erfreulich ist die Tatsache, das die Zahl der Todesfälle infolge eigentlicher Tropenkrankheiten dank der getroffenen hygienischen Massnahmen verhältnis-mässig gering ist im Vergleich zu den übrigen Todes-ursachen. Es starben an Malaria in sämtlichen Kolonien 19 Personen (Ostafrika 14, Südwestafrika 3, Neu-Guinea 2), an Schwarzwasserfieber 37 (Ostafrika 19, Kamerun 14, Togo 1, Neu-Guinea 3), an Dysenterie und deren Folge-erscheinungen 29, (Ostafrika 4, Kamerun 1, Togo 1, Süd-west 22, Samoa 1). Todesfälle infolge von Typhus wurden in Südwest 4, in Ostafrika l verzeichnet.
Die obigen Zahlen beweisen, dass die Furcht vor den Tropenkrankheiten, die noch jeden Durchschnittsdeut-schen befällt, sobald er von Kolonien reden hört, durch-aus nicht am Platze ist. Die in den Tropen am meisten verbreitete Malaria forderte nach obigen Zahlen erheb-lich weniger Opfer, als beispielsweise in Deutschland die Tuberkulose. Von 10.000 Personen starben in den deut-schen Kolonien an Malaria nur 8,1, in Deutschland an Tuberkulose hingegen 17,8 und im Jahre 1880 gar noch 35,8. Die erfolgreiche generelle Bekämpfung der Tro-penkrankheiten ist nach einem Ausspruch des hervor-ragendsten Tropenhygienikers Robert Koch bei einer Beratung im Reichsgesundheitsamt nach dem heutigen Stande der medizinischen Wissenschaft lediglich eine Frage des Geldes und der Technik. Individuell kann der einzelne durch richtige Lebensweise denselben vorbeu-gen, wie durch zahlreiche Beispiele bewiesen wird. Der Pater Stephan Baur vom Orden der „Väter vom heiligen Geist“ ist seit 50 (!) Jahren — mit nur ganz geringfügiger Urlaubszeit — in Deutsch-Ostafrika tätig und erfreut sich noch der besten Gesundheit und Oberstleutnant Johannes wird im nächsten Jahre sein 25. Jubiläum als Angehöriger der Kaiserlichen Schutztruppe von Deutsch-Ostafrika feiern.