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Besondere Ereignisse

Natürlich zeitigen Kriege auch immer unerwartete Er-gebnisse. Ein deutscher Soldat, der früh im Krieg in bri-tische Gefangenschaft gerät, kommt in ein Kriegsgefan-genenlager nach Ägypten. Der Mann war im Frieden Farmer in Ostafrika gewesen und nun, im Krieg, führt seine Frau die Farm. Dem Farmer kommt die Zeit im Kriegsgefangenenlager als die schönste Zeit seines Le-bens vor, denn er ist einmal all die ewigen Pflanzungs- und Arbeitersorgen los und kann Fußball spielen und lesen. Ein interessanter Einblick in die Schwierigkeiten des Lebens der Farmer in Deutsch Ostafrika.


Zum Geburtstag des Kaisers wird auch im zweiten Kriegsjahr am 27. Januar 1916 in Daressalam eine Parade abgehalten.


Der Kaiserliche Gouverneur von Deutsch Ostafrika, Heinrich Schnee, hält im Juli 1916 bei einem großen Bierabend für die deutsche Bevölkerung eine öffent-liche Ansprache, in der er auch ausführt:

„Der Feind hat die Hoffnung, daß wir hier auch wirt-schaftlich vernichtet werden. Im bisherigen Verlaufe des Krieges haben wir bereits gesehen, daß diese Hoff-nung unbegründet ist. Wirtschaftlich kann der Feind uns hier nicht niederringen. Alles Notwendige gewin-nen wir aus dem Lande, ob es Nahrungsmittel, Materia-lien oder Hilfsmittel aller Art sind, wir finden es in un-serem Deutsch Ostafrika. Und da tritt der Wert unserer Kolonie gerade in diesem Kriege glänzend hervor. Ich glaube, selbst mancher alte Kenner des Landes hat be-zweifelt, ob es gelingen würde, den Bedürfnissen der Bevölkerung, der weißen wie der farbigen, gerecht zu werden. Aber es findet sich solcher, ich möchte sagen, unerwarteter Reichtum im Lande, daß wir kaum in Ver-legenheit geraten können und wir uns ausreichend Er-satz auch für solche Gegenstände, die wir früher von au-ßen bezogen haben, hier beschaffen können. – Es eröff-net uns aber auch den Ausblick in die Zukunft, daß nach einem ehrenvollen und günstigen Frieden für das Deut-sche Reich in der Kolonie noch Entwicklungsmöglich-keiten stecken, die wir bisher noch nicht in dem Maße erkannt hatten.“


Auch im Krieg geht die verwaltungstechnische Durch-dringung der Kolonie weiter und so werden im noch nicht so weit entwickelten Süden neue Nebenstellen der Bezirke geschaffen und im August 1916 wird der Bezirk Tabora in die Bezirke Tabora-Nord und Süd-Tabora ge-teilt.


Durch die Fluchtbewegung der deutschen Zivilbevölke-rung nach Süden mit den feindlichen Offensiven im Norden seit März 1916 werden für die Frauen und Kin-der in Tabora, aber auch an anderen Orten, von der Ver-waltung solide Häuser gebaut, solange Zement vorhan-den ist. Dann werden kleine primitive Lehmhäuser er-richtet, die aber, als schließlich kein Moskitonetz zur Sicherung der Bauten gegen die Stechmücken mehr vorhanden ist, besonders im moskitoverseuchten Tabo-ra keine gesundheitlich zuträgliche Unterkunft bieten.

Mit Rücksicht auf die ungünstigen Lebensverhältnisse im Süden des Schutzgebietes hat Gouverneur Schnee deutschen Frauen und Kindern den Zug in das Rück-zugsgebiet im Süden verboten. Dort selbst leben nur we-nige weiße Frauen und Kinder, da der Süden noch weit-gehend unerschlossen ist.

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Der Kriegseintritt der USA

Im Januar 1915 ernennt die britische Regierung das New Yorker Bankhaus J. P. Morgan & Co. zum alleinigen Finanzagenten für alle seine Kriegseinkäufe in den USA. Morgan ist auch alleiniger Verkäufer von britischen Kriegsanleihen an Kunden in den USA und vermittelt Bankkredite an England. Bald darauf übernimmt Eng-land die Garantie für alle Kredite seiner Kriegsverbün-deten Frankreich, Rußland und Italien.

Für den weiteren Ablauf der Geschehnisse ist ein Blick auf die Geschichte des Bankhauses Morgan von größter Wichtigkeit. Alles beginnt mit der Reise von George Peabody im Jahre 1835 von Amerika nach London. Pea-body betreibt einen Großhandel mit Textilien und ist auch im Sklavenhandel tätig. Da er mehr und mehr Ge-schäfte mit England abwickelt reist er selbst für die Er-weiterung des Englandhandels 1835 nach London. Bald nach seiner Ankunft in London bekommt er eine über-raschende Einladung von einem Baron Nathan Mayer Rothschild. Als Peabody bei dem schwerreichen Roth-schild erscheint, eröffnet ihm Nathan Rothschild ohne Umschweife, daß die Londoner Aristokratie ihn, den Ju-den Rothschild, nicht mag und Einladungen in sein Haus ablehnt. So schlägt er dem in London unbekann-ten Amerikaner Peabody, der ein Mann von nur beschei-denem Wohlstand ist, vor auf Kosten von Rothschild ein gastfreies Haus mit allem Luxus und Unterhaltungs-möglichkeiten für Peabodys Gäste einzurichten, das schnell zum Gesprächsthema und Anziehungspunkt für die Londoner Oberschicht werden soll. Selbstverständ-lich würde Rothschild auch alle laufenden Kosten für das spendable Etablissement von Peabody zahlen. Über Peabodys daraus entstehenden Geschäftsmöglichkei-ten, auch großzügig unterstützt von Rothschild, würde Nathan Rothschild, ohne daß er oder sein Name irgend-wo in Erscheinung treten würde, durch Peabody als Frontmann in Geschäfte in England einsteigen können, die ihm bisher verwehrt sind. Wie nicht anders zu er-warten schlägt George Peabody in das Geschäft ein. Schnell wird Peabodys Heim ein begehrter Treffpunkt für die Reichen des Landes und sein alljährliches Fest zum 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, ist einer der Höhepunkte des Jahres für die englische High Society. Natürlich macht man auch gerne mit Peabody Geschäfte, der riesige Summen etwa für die Gründung neuer Unternehmungen zur Verfügung hat, und nun auch in den USA groß ins Geschäft kommt.

In Amerika ist Peabodys Geschäftspartner die Bostoner Firma Beebe, Morgan and Company, die von Junius S. Morgan geführt wird. Eines der großen Geschäfte von Peabody ist der Export englischer Eisenbahnschienen für die schnell wachsenden Eisenbahnlinien in den USA. Und im amerikanischen Bürgerkrieg, der 1861 beginnt, wird George Peabody von der Nordstaatenregierung zu ihrem Repräsentanten in allen Finanzgeschäften mit England ernannt. 1864 zieht sich Peabody aus dem Geschäftsleben zurück und da er weder geheiratet noch Nachkommen hat wählt er Junius Morgan als seinen Nachfolger im Geschäft mit den Rothschilds. Durch den Tod von Junius bei einem Pferdewagenunfall an der Rivi-era 1890 übernimmt sein Sohn John Pierpont Morgan das Geschäft und mit dem Hintergrund des gewaltigen Reichtums der Rothschilds wird die J. P. Morgan Bank schnell zur mächtigsten Bank der USA. Die Rothschild-Familie hat mittlerweile durch ihren unendlichen Reichtum und ihre Macht einen so schlechten Ruf, daß sie in den USA lieber hinter der Fassade von J. P. Morgan agiert. Doch da überhaupt kein Erscheinen der Roth-schilds in den Vereinigten Staaten auch Mißtrauen und Verdacht erregen würden, halten die Rothschilds in den USA immer eine offizielle Rothschild-Repräsentanz.


1915 wird das U. S. Committee of Industrial Prepared-ness, das US Komitee für Industrielle Bereitschaft, einer Bereitschaft auf eine Kriegswirtschaft, gegründet, dem auch Bernhard Baruch angehört. 1915 bittet US-Präsi-dent Woodrow Wilson den Wallstreet-Banker Bernard Baruch einen Plan für die Vorbereitung der Industrie der USA auf eine Kriegswirtschaft auszuarbeiten. Aus diesem Plan wird am 9. April 1917 der General Munitions Board und am 28. Juli 1917 der War Industries Board, der Kriegsindustrieausschuß, die oberste US-Behörde für die Herstellung von Rüstungsgütern, seit Januar 1918 geführt von Bernhard Baruch.

Schon am 24. August 1916 richtet US-Präsident Woo-drow Wilson auch den Council of National Defense, den Nationalen Verteidigungsrat, ein, ein Mitglied: Bern-hard Baruch. Wilson: „Das Land ist am besten für Krieg vorbereitet, wenn es gründlich für Frieden vorbereitet ist.“

Gäbe es für Politiker einen Preis für den verlogensten Spruch des Jahres, so hätte Woodrow Wilson für das Jahr 1916 diesen Preis auf jeden Fall gewonnen.

Auch die US Navy wird aufgerüstet und richtet 1916 auf den zu Portugal gehörenden Atlantikinseln der Azoren einen Flottenstützpunkt ein. Schon im Mai 1915 begann in den USA in den Plattsburgh Camps die Ausbildung Freiwilliger zu Soldaten für den Kriegseinsatz in Europa.

Die Plattsburgh Camps sind ein Trainingsprogramm für Freiwillige vor der Einberufung, organisiert durch priva-te Bürger vor dem Eintritt der USA in den Ersten Welt-krieg. Die Camps werden errichtet und finanziert vom Preparedness Movement, einer Gruppe einflußreicher pro-Alliierter Amerikaner, also Gegnern Deutschlands. Sie sehen, daß das stehende Heer der Vereinigten Staa-ten viel zu klein ist, um den Krieg zu beeinflussen und müßte enorm vergrößert werden, wenn die USA in den Krieg einträten. Die Bewegung richtet die Camps ein, um zusätzliche mögliche Heeresoffiziere während der Sommer 1915 und 1916 zu trainieren. Das größte und bestbekannte dieser Camps liegt nahe Plattsburgh, Bun-desstaat New York.

Um herauszufinden, wer denn diese einflußreichen pro-Alliierten Amerikaner sind, brauchen wir nur zu schauen, wer dieses merkwürdige Preparedness Move-ment führt. Sonderbarerweise finden wir wieder Theo-dore Roosevelt an der Spitze, den die Wallstreet-Banker schon 1912 aus der Mottenkiste geholt hatten, als sie für ihre politischen Ziele kurzfristig einen dritten Kandida-ten für die US-Wahlen des Jahres brauchten.

Mit dem Krieg in Europa haben die USA nichts zu tun. Von den großen Kriegsparteien Frankreich, England, Deutschland und Rußland hat die USA nichts zu be-fürchten. Nur die Engländer besitzen eine Flotte, die den USA gefährlich werden kann, aber England wird von den USA als eine befreundete Nation angesehen. Es gibt also keinen Grund für die Vereinigten Staaten eine Armee aufzustellen und die Industrie der USA auf Krieg umzu-stellen. Die Armee wird nicht gebraucht, denn eine Inva-sion der USA ist ausgeschlossen und die Industrie sollte für die Bevölkerung zivile Güter herstellen. Das Ganze ist also vollkommen unverständlich, zumal die gewalti-gen Kosten, insbesondere für die unsinnige Aufrüstung der Armee und der Flotte, vom amerikanischen Steuer-zahler bezahlt werden.


Am 5. März 1917 schreibt der US-Botschafter in London, Walter Hines Page, unter merkwürdiger Umgehung sei-nes Vorgesetzten, dem neuen Außenminister der USA, an Präsident Woodrow Wilson:

»Ich denke, daß der Druck dieser herannahenden Krise über die Möglichkeiten der Morgan Finanz Agentur für die britische und französische Regierung geht…  Die größte Hilfe, die wir den Alliierten geben können, würde ein Kredit sein. Sofern wir nicht gegen Deutschland in den Krieg eintreten, kann unsere Regierung natürlich nicht eine solche unmittelbare Bewilligung eines Kredi-tes geben.«

Page bekommt zu seinem Diplomaten-Gehalt zusätzlich von der New Yorker National City Bank 25.000 Dollar im Jahr zugeschossen. Eine von Hines gerne genommene Bankenunterstützung, die auch nicht jedem zuteil wird, für die er offensichtlich auch alljährlich seinen Gönnern entsprechende Dienste in London leistet, sonst wäre es wohl bei einer Einmal-Zahlung geblieben.

Nach der Erfahrung mit dem im Juni 1915 zurückgetre-tenen Außenminister William Jennings Bryan, der strikt gegen den Eintritt der USA in den Krieg war und sagte: „Geld ist die schlimmste aller Konterbande“, hat Page gute Gründe den neuen US-Außenminister zu umge-hen. Bis zum Frühjahr 1917 hat das Bankhaus Morgan be-reits gigantische Geldsummen als Konterbande an die Gegner Deutschlands geliefert. Morgan/Rothschild ha-ben den Krieg Englands gegen Deutschland durch Kre-dite an die Alliierten mitfinanziert und die USA haben den militärischen Nachschub der Briten organisiert. Die Munitionsindustrie in den USA kassiert im Großen ab. Vor allem aber profitiert das Bankhaus J. P. Morgan & Company glänzend am Krieg, in dem es alle Geld-geschäfte vermittelt und selbst riesige Kredite an die Kriegsgegner Deutschlands gibt. Die Anleihen, die wohl-habende Amerikaner gezeichnet haben, wären auch ge-fährdet, ja verloren, einschließlich der Kredite der Mor-gan-Bank selbst, sollten die Alliierten nicht gewinnen. Die angeblich neutralen USA unterstützen also massiv den Krieg gegen Deutschland.

Der amerikanische General John J. Pershing, nach dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg Oberbefehls-haber der US-Truppen in Frankreich, sagt 1924 für die Zeit vor dem Kriegseintritt der USA über die Sicherung der Front der Franzosen und Engländer in Frankreich:

“Wir waren für deren Aufrechterhaltung der Front ver-antwortlich und wir schossen das Geld vor, das es ihnen möglich machte, die Front aufrechtzuerhalten.”

Ein Ausschuß des US-Senats kommt nach zweijähriger Arbeit in seinem am 26. Juni 1936 vorgelegten Bericht über den Kriegseintritt der Vereinigten Staaten im April 1917 zu dem Schluß, daß das New Yorker Bankhaus Mor-gan zwischen 1914 und 1916 mit seinen Operationen zu Gunsten Englands und Frankreichs die USA-Finanzen so tief in den europäischen Krieg verstrickt habe, daß eine Niederlage der beiden Schuldner eine tiefe Wirtschafts-krise in den USA ausgelöst hätte. Die US-Regierung habe daher Anfang 1917 gar keine Handlungsfreiheit mehr gehabt, ihr Land aus dem Krieg herauszuhalten.

Der amerikanische Historiker Eustace Mullins:

»Das Federal Reserve System begann 1914 seine Arbeit, zwang das amerikanische Volk den Alliierten 25 Milli-arden Dollar zu leihen, welche nicht zurückbezahlt wur-den, obwohl beträchtliche Zinsen an New Yorker Banker bezahlt wurden. Das amerikanische Volk wurde in einen Krieg gegen das deutsche Volk getrieben, mit welchem wir keinen erkennbaren politischen oder wirtschaftli-chen Streit hatten.«


Wie die angebliche Demokratie in den USA funktioniert sehen wir sehr schön am Beispiel der US-Wahlen von 1912. Es geht den Großbankiers darum ihr Gesetz – den Federal Reserve Act – für die Übertragung des Herr-schaft über den Dollar auf sie selbst durchzubringen und der derzeitige Präsident, der Republikaner William Howard Taft, ist dafür nicht geeignet. Aber ihr Kandidat von den Demokraten, Woodrow Wilson, würde die Wahl gegen Taft nicht gewinnen können. Was tun? Eine Partei gründen speziell zur Gewinnung von Taft Wäh-lern, aber uninteressant für Wilson-Wähler. So wird flugs die Progressive Party mit enormen finanziellen Mitteln aus dem Boden gestampft und man holt den ehemaligen Präsidenten Teddy Roosevelt aus der Ver-senkung, um ihn an die Spitze der neuen Partei zu stel-len. So gewinnt Woodrow Wilson mit knapper Mehrheit die ›Wahl‹.

Im Juni 1914 wird von einem Ausschuß des US-Senates eine Untersuchung über diese Machenschaften der Großbankiers geführt und es kommt am 1. August 1914 zu einer Anhörung von Paul Warburg vor dem Senats-komitee Banken und Währung (Senat Banking and Currency Committee). Paul Warburg hatte seit Jahren die Gründung der Federal Reserve Bank betrieben und er ist zur Zeit der Anhörung der Chef der neu gegründe-ten Federal Reserve Bank.

Senator Joseph L. Bristow: „Wieviele dieser Partner [von der Bank Kuhn, Loeb & Company] sind amerikanische Staatsbürger?“

Paul Warburg [Der Deutsche Paul Warburg ist seit 1911 amerikanischer Staatsbürger]: „Sie sind alle amerikani-sche Staatsbürger außer Herrn Kahn. Er ist britischer Staatsbürger.“ [Kuhn und Kahn sind zwei verschiedene Personen.]

Bristow: „Sie sagten sie wären Republikaner, aber als Herr Theodore Roosevelt auftauchte, wurden sie ein An-hänger von Herrn Wilson und unterstützten ihn?“

Warburg. „Ja.“

Bristow: „Während ihr Bruder [Felix Warburg] Taft un-terstützte?“

Warburg „Ja.“

Das heißt, daß die drei Partner der Großbank Kuhn, Loeb & Co, Paul Warburg, Felix Warburg und Otto Kahn sich jeweils einen eigenen Kandidaten für die Wahl zum US-Präsidenten hielten, denn Otto Kahn finanzierte Theo-dore Roosevelt, also gehörten der Bank alle drei Kandi-daten für die US-Präsidentschaftswahl. Als das Senatsko-mitee diese höchst merkwürdige Herrschaft einer einzi-gen Bank über alle drei Präsidentschaftskandidaten der USA hinterfragt, antwortet Paul Warburg, daß eben je-der der drei Bankiers seine eigene politische Meinung habe und man habe keinen Einfluß auf die Meinung des anderen, und sich „Finanzen und Politik nicht mischen.“ Trotzdem wird Paul Warburg vom neuen Präsidenten Woodrow Wilson zum Chef der neuen Privatbank Federal Reserve Bank, der nun der Dollar als Eigentum gehört, vorgeschlagen. Warburg nimmt zwar nicht den Vorsitz, sondern einen Sitz im Board of Governors der Bank an, ist aber in Wirklichkeit Chef der Bank, die er erfunden und in die Welt gesetzt hat. Und Paul Warburg hat auch durchgesetzt, daß die Fragen, die ihm im Ban-kenausschuß des Senats gestellt würden, ihm vorher schriftlich zugestellt werden und er nur Fragen beant-worten würde, die seine Mitgliedschaft im Board of Go-vernors der FED nicht beeinträchtigen würden, weshalb die Frage, ob er der Repräsentant der Familie Rothschild in den USA sei, nicht gestellt werden konnte.

Von den Mitgliedern im Board of Governors muß der von Woodrow Wilson eingesetzte Thomas D. Jones allerdings schnell seinen Posten räumen, weil er unter Anklage des Generalstaatsanwaltes der USA steht. Ein anderes Mitglied des Board of Governors der FED ist William McAdoo, Schwiegersohn von Präsident Woo-drow Wilson und ein weiteres sein Onkel Frederick Adrian Delano.  

Den internationalen Bankiers gehören mit ihrer Geld-macht und ihren Verbindungen immer beide Kandida-ten für das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten von Amerika. Die ›Wahl‹ von 1912 ist nur ein Fall, an dem wir sehr schön die Machenschaften der Großbanker sehen können. Das Volk der USA kann immer wählen zwischen den beiden Kandidaten, die ihm von den internationalen Herren des Geldes vorgesetzt werden. Und so ist es überall auf der Welt. Die internationalen Banker setzen gnadenlos ihre Form von Demokratie mit Hilfe der Ar-mee der Vereinigten Staaten von Amerika auf der Welt durch. Mit dieser Art Demokratie haben sie immer alle wichtigen Parteien mit ihrer Finanzierung in der Hand und es ist egal welche Partei am Ende an der Regierung sitzt, es ist immer die Partei der internationalen Eigentü-mer aller Währungen.

Am 31. Oktober 1936 sagt US-Präsident Franklin Delano Roosevelt bei einer öffentlichen Rede in New York: „Sie haben begonnen die Regierung der Vereinigten Staaten als bloßes Anhängsel ihrer eigenen Angelegenheiten zu betrachten. Wir wissen nun, daß das Regieren durch organisiertes Geld ebenso gefährlich ist wie eine Regie-rung des organisierten Mobs.“


1917 hätte der Krieg in Europa wegen der Erschöpfung aller Kriegsparteien sein Ende finden können, doch die Alliierten wußten die USA an ihrer Seite, ohne die sie den Krieg schon längst verloren hätten, mußten aber auf den Kriegseintritt der USA warten, damit die US-Armee das notwendige Übergewicht an der Front gegen Deutschland bringen konnte. Der US-Präsident konnte auch nicht vorher in den Krieg eintreten, da er zunächst einmal seine Wiederwahl im November 1916 sichern mußte, gegen ein Volk das kein Interesse an einem Eintritt in einen Weltkrieg hatte.

US-Senator Porter J. McCumber befragt 1919 den US-Präsidenten Woodrow Wilson über den Eintritt der USA in den Krieg am 6. April 1917 gegen Deutschland:

„Do you think if Germany had committed no act of war or no act of injustice against our citizens that we would have gotten into this war?“ / „Denken Sie, wenn Deutschland keinen Kriegsakt oder einen Akt der Ungerechtigkeit gegen unsere Bürger [Versenkung des englischen Schiffes Lusitania mit 128 toten US-Ameri-kanern] begangen hätte, wir in den Krieg eingetreten wären?“

Wilson: “I do think so.” / “Das denke ich.”

McCumber: “You think we would have gotten in any-way?” / „Sie denken wir wären so oder so in den Krieg eingetreten?“

Wilson: “I do.” / „Ja.“


Winston Churchill war immer darum bemüht, die Grö-ße Englands zu wahren und zu steigern. Er selbst sieht schließlich, wie sein Wille, die Vereinigten Staaten in den Krieg gegen Deutschland zu treiben, ihn zum Toten-grä­ber der britischen Weltmacht werden ließ. 1936 ver-sichert er in der Zeitschrift New York Enquirer:

»Der Eintritt Amerikas 1917 in den Krieg war ein unse-liger Schritt. Wäret ihr zuhause geblieben und hättet ihr euch um euere eigenen Geschäfte gekümmert, dann hätten wir im Früh­jahr 1917 mit den Mittelmächten Frie-den geschlossen. Dadurch hätten wir das Leben von mehr als einer Million Engländer und Franzosen geret-tet.«


In einer Rede am 12. November 1917 vor einem Kreis amerikanischer Kaufleute und Industrieller erklärte US-Präsident Woodrow Wilson:

„Denken Sie daran, welches die Stellung Deutschlands in der Welt war, eine so beneidenswerte Stellung, die je eine Nation eingenommen hat. Die ganze Welt stand in Bewunderung seiner herrlichen geistigen und materiel-len Errungenschaften. Die Intellektuellen der ganzen Welt gingen bei ihm zur Schule.

Seine Gelehrten hatten seine Industrien zu den hervor-ragendsten der Welt gemacht, und die Aufschrift »made in Germany« gab die Gewähr für gute Arbeit und tadel-loses Material. Deutschland hatte Zutritt zu allen Märk-ten der Welt, und jede andere Nation, die auf jenen Märkten Handel trieb, fürchtete Deutschland wegen seines starken und fast unwiderstehlichen Wettbe-werbs.“

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Die feindliche Propagandamaschine

Am 21. Juni 1914 fordert der Reichsverband der deut-schen Presse auf seiner Delegiertenversammlung in Leipzig: »Der Reichsverband der deutschen Presse er-achtet den Ausbau des ausländischen Nachrichten-dienstes durch eine selbständige, rein deutsche Orga-nisation für eine dringende Notwendigkeit.«

Es gilt gegen die antideutsche britische Presseagentur Reuter eine eigene weltweite Nachrichtenagentur auf-zubauen. Das einzige deutsche Nachrichtenbüro ist Wolffs Telegraphenbureau, das am 27. November 1849 gegründet wurde. Wolffs Büro hat zwar auch eigene Vertreter in der Welt, bezieht aber eine Vielzahl von Nachrichten von ausländischen Nachrichtenagenturen, mit denen das Büro Verträge hat. Somit ist Wolffs Nach-richtenagentur nicht unabhängig in seiner Nachrichten-berichterstattung.


Die Londoner Times, das bestorientierte und mächtigste Blatt der Weltpolitik, bringt gleich nach Kriegsausbruch am 4. August 1914 Tag für Tag und Woche für Woche in Riesenlettern eine Artikelserie »The War on German Trade« / »Der Krieg gegen den deutschen Handel.«

Unter der Leitung der britischen Regierung wird eine Kommission von Industrie- und Handelsbaronen nach Deutschlands überseeischen Märkten gesandt, um die-se für England zu sichern, und es wird eine Sammlung deutscher Waren zur Ausstellung als Muster für engli-sche Fabrikate veranstaltet. Im März 1915 erklärt Pre-mierminister Asquith, “es sei eine Hauptaufgabe der britischen Politik gewesen, Deutschlands Handel zu ver-nichten.”


Eine äußerst erlogene und erstunkene Gräuelpropagan-da wird nun von England aus in der Welt über Deutsch-land verbreitet. Die Australier Richard Guillatt und Peter Hohnen schreiben in ihrem 2009 erschienenem Buch The Wolf:

»Das geheime Kriegspropagandabüro der englischen Regierung beschäftigte volkstümliche Schriftsteller wie John Buchan und Arthur Conan Doyle, um einen Strom von probritischen Geschichten und Artikeln herzustel-len, welche von Zeitungen veröffentlicht wurden… Die-se Geschichten von tapferem britischen Heroismus und unbeschreiblichen deutschen Ausschreitungen, oft geschmückt mit Karikaturen von monströsen deut-schen Soldaten, die geraubte Mädchen und tote Kinder über ihren Schultern tragen, bestritten viel von dem was als Kriegsreportagen durchging…

Im Jahre 1915 griffen in London, Liverpool und Man-chester randalierende Menschenmengen deutsche Ein-wanderer an, nachdem die Lusitania versenkt worden war und nach der Veröffentlichung eines Reports über vorgebliche deutsche Gräueltaten in Belgien, geschrie-ben vom ehemaligen britischen Diplomaten Viscount James Bryce. Die schockierenden Berichte im Report von Bryce über vergewaltigte Nonnen und gefolterte Kinder wurde später als von zweifelhafter Herkunft an-gesehen, aber der Haß den sie erzeugten dauerte Jahre an und inspirierte Herausgeber von Zeitungen anti-deutsche Kampagnen mit zügellosem Fremdenhaß zu führen. Ausgemachte Erfindungen – Geschichten von gekreuzigten alliierten Soldaten und von für Schmier-fett für Waffen ausgekochten Menschenkörpern – bekamen ebensoviele Zeitungsspalten wie tatsächliche deutsche Exzesse wie die Hinrichtung der britischen Krankenschwester Edith Cavell wegen Spionage.«

Soweit die Australier Richard Guillatt und Peter Hohnen.


In England tun sich besonders die schon vor dem Krieg deutschfeindlichen Blätter Times und Daily Mail mit Berichten über Kriegsgräuel hervor. Im London wird unter der Leitung des britischen Ex-Botschafters in den USA, Lord Bryce, eine sogenannte Untersuchungskom-mission gebildet, die die schlimmsten Verbrechen deut-scher Soldaten in Belgien erfindet. Der Bryce-Bericht er-scheint 1915 und hat eine ungeheuere Wirkung auf die Öffentlichkeit, nicht zuletzt in den USA. Als die belgische Regierung 1922 die Vorwürfe noch einmal untersuchen läßt, stellt sich heraus, daß keine der von der Bryce-Kommission genannten Fakten einer Überprüfung standhält. Auch die Gräuelpropaganda über eine deut-sche »Kadaververwertungsanstalt«, in der angeblich menschliche Leichen verwertet wurden, platzt nach dem Krieg. 1925 enthüllt die New York Times, daß ein hochrangiges Mitglied des britischen Geheimdienstes, Brigadegeneral John Charteris, für diese Desinformation verantwortlich war. Als Anfang 1917 William Shepard, ein Korrespondent der amerikanischen Agentur United Press, das ganze Lügengebäude zum Einsturz bringt, ist die erwünschte Wirkung längst eingetreten. Shepard reiste als neutraler Berichterstatter in den Kriegsjahren durch Belgien und konnte nicht den geringsten Hinweis auf deutsche Verbrechen finden – selbst gegen hohe Geldangebote für entsprechende Fotos nicht.

Der weltberühmte Asienforscher Sven Hedin schreibt in der schwedischen Tageszeitung Svenska Dagbladet vom 7. August 1926:

»Die Anklagen gegen die deutsche Kolonisation waren größtenteils erdichtet. Die Propaganda betrieb ihr Hand-werk ohne Rast und Ruhe.«


Der amerikanische Historiker William Roger Louis schreibt in seinem 1967 erschienenen Werk Great Britain and Germany’s Lost Colonies 1914-1919:  

»Die Doktrin, der zufolge Deutschland eine schuldbela-dene, beispiellos brutale und grausame Kolonialmacht war, entstand erst während des Ersten Weltkriegs.«

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Das Verkehrswesen

Am Tanganjikasee bauen bei Kriegsbeginn im August 1914 rund 250 einheimische Arbeiter und 20 Inder aus der Eisenbahnwerkstatt Daressalam unter der Leitung weniger Deutscher das Fracht- und Passagierschiff Graf Goetzen wieder zusammen. Die 71 m lange Goetzen mit ihrer Vermessung von 790 BRT war von Deutschland in Einzelteilen über Schiffs- und Bahnfracht nach Kigoma transportiert worden. Infolge des Brandes eines Eisen-bahnwaggons auf dem Transport in Ostafrika war eine Schraubenwelle des Zweischraubendampfers verbogen. Die Schraubenwelle und alle noch benötigten Teile wer-den jetzt in Ostafrika nachgefertigt. Durch den Kriegs-ausbruch kommt auch die Querstapellaufanlage nicht mehr nach Ostafrika. So muß der Stapellauf improvisiert werden. Der Ingenieur Friedrich Hübener läßt vor der Werft ein Dock graben, in welches das Schiff allmählich hinabgelassen wird. Dann wird der Damm, der die Dockgrube vom See trennt, durchstoßen, worauf die Goetzen am 5. Februar 1915 aufschwimmt. Ende Mai 1915 ist das Schiff fertig. Die Probefahrten finden am 8. und 9. Juni 1915 statt und am 9. Juni erfolgt auch die In-dienststellung als bewaffneter Frachter.

Die hafentechnischen Einrichtungen von Kigoma, Werkstätten, Kräne, Kaianlagen, Hellinge, werden bis 1916 für den deutschen Schiffsbetrieb auf dem Tangan-jikasee immer weiter ausgebaut. Vom Indischen Ozean werden weitere Seefahrzeuge über die Bahn nach Kigo-ma gebracht. So liegt Mitte 1916 der 35 m lange 230 BRT-Dampfer Adjutant der Deutschen Ostafrika-Linie, auch über die Bahn in Einzelteilen vom Indischen Ozean herübergebracht, auf Stapel in Kigoma.

Der bereits begonnene Bau der Ruandabahn von Tabora zum Kageraknie zur unmittelbaren bahntechnischen Anbindung Ruandas an Daressalam – und somit an den Weltverkehr von einem deutschen Hafen aus, statt über das britische Mombasa – wird im Krieg, soweit das Gleismaterial reicht, weitergebaut. Es können zwar nur 40 Kilometer Strecke von Tabora Richtung Norden fertiggestellt werden, diese 40 Kilometer ersparen aber auf der Strecke Tabora-Muansa mit seinen umfangrei-chen Transporten zwei Tagesmärsche für Trägerkolon-nen und machen entsprechend Träger frei für andere Aufgaben.

Nach Kriegsbeginn laufen Landvermessungen für eine Bahn von der Tabora-Ruanda-Strecke ab nach Muansa am Viktoriasee, um den landwirtschaftlichen Überschuß des Bezirks Muansa in andere Gegenden der Kolonie fahren zu können.

Da keine Verbindungsstraße zwischen dem Norden mit der in Ost-West-Richtung verlaufenden Usambarabahn und der Mitte mit der ebenfalls in Ost-West-Richtung verlaufenden Zentralbahn besteht – im Frieden war die Verbindung der Seeverkehr entlang der Küste – wird eine Etappenstraße gebaut auf der Träger zwölf Tagen zwischen den beiden Bahnen brauchen. Durch den Bau einer handbetriebenen Verbindungsbahn – bis kein Gleismaterial von beschlagnahmten Kleinbahnen von Plantagen mehr vorhanden ist – kann die Trägerstrecke auf neun Tage verringert werden. Durch den Regenaus-fall im Norden Ende 1915 müssen im März/April 1916 – ausgerechnet mit Beginn der großen Regenzeit – außer den normalen Nachschubtransporten an Salz und Reis, beides im Norden grundsätzlich nicht vorhanden, Muni-tion und allem möglichen Militärbedarf der Truppe an der Nordfront auch noch über diese Etappenstraße von 20.000 zusätzlichen Trägern Lebensmittel von der Mittellandbahn nach Norden verfrachtet werden. Durch die starken Erkrankungszahlen bei diesen Transporten in der Regenzeit mit Lungenentzündung und Ruhr kommen schätzungsweise 2000 Träger ums Leben.

Die kartographische Erfassung und Erkundung der wei-ßen Flecken auf der Karte von Deutsch Ostafrika werden für die Schutztruppe und ihre Bedürfnisse an Karten und für ihre Lebensmittel- und insbesondere Wasser-versorgung im Lande auch im Krieg weitergeführt. Die weitere Erkundung des Landes für die Kriegswirtschaft und die Truppe führt zur Entdeckung von bis dahin für unfruchtbar gehaltenen Gebieten als fruchtbare Gegen-den. Grundsätzlich ist aber der Süden weniger erschlos-sen als der Norden und unfruchtbarer. So hat der Süden auch noch eine Anzahl weißer Flecken auf der Landkar-te.

Erst langsam kann der Etappendienst den Süden durch-dringen, bis die Verhältnisse im Straßenwesen und Transportdienst sich denen im Norden angleichen.


Bei der Mobilmachung im August 1914 werden die Trup-pen der Kolonie zunächst östlich von Daressalam, in Pu-gu, versammelt, wo auch das militärische Oberkom-mando seinen Sitz genommen hat. Auch die proviso-rische Telefonzentrale in Pugu muß natürlich die Lei-tungsverbindungen zwischen zwei Teilnehmern von Hand zusammenstöpseln.

Lettow-Vorbeck schreibt darüber: »Der Betrieb, den die-se ganze Tätigkeit der Mobilmachung mit sich brachte, hielt nicht nur uns, sondern auch die Eingeborenen am Telephon zu Pugu Tag und Nacht in Atem, und es war erstaunlich, mit welcher Gewandtheit hier und anders-wo der Eingeborene diese Apparate bediente. Seine gro-ße Begabung für Technik hat uns die wertvollsten Dien-ste geleistet.«

Besonders im Krieg ist der Heliograph wieder ein wich-tiges Nachrichtenmittel der Truppe bei dem vorwiegen-den Sonnenwetter in Ostafrika. Heliographenstationen sind schnell und einfach errichtet und dienen für die schnelle Übermittlung von Nachrichten zwischen den Truppenteilen. Bei einer unbehinderten Sicht können bis zu 100 Kilometer zwischen zwei Stationen über-brückt werden.

In Panikreaktionen sprengen die deutschen Behörden im August 1914 die Funkmasten von Bukoba und Dares-salam. In Daressalam fürchtet man landende britische Truppen könnten den Mast als Ausguck in die deut-schen Stellung landeinwärts von Daressalam nutzen. Als Ersatz für die hohen Funkmasten werden Erdantennen gebaut, die allerdings nur Funkmeldungen empfangen können. Diese Erdantennen sind aus Draht und auf ein bis zwei Meter hohen Pfosten etwa einen Kilometer lang in Richtung Nauen ausgerichtet aufgestellt.

Anfang August 1914 ist die Großfunkanlage für Deutsch Ostafrika an Bord des Frachters General, der sich bei Kreta befindet als er wegen der politischen Krisenlage nach Konstantinopel umgeleitet wird. Die Anlage wird dann in Damaskus aufgebaut – für den Funkverkehr nach Deutsch Ostafrika. Die Funkstelle Daressalam kann im August 1914 noch die Funksprüche aus Togo emp-fangen und nach der feindlichen Besetzung Togos noch bis Mitte 1915 Funksprüche aus Südwestafrika, bis auch Südwest besetzt ist. Unter günstigen atmosphärischen Bedingungen kann Daressalam auch Nauen empfangen. Nachts zwischen 1 bis 3 Uhr, wenn die Empfangsbedin-gungen am besten sind, sitzen die deutschen Funker am Gerät und tun ihr bestes, um die schwachen Signale aus Deutschland aufzunehmen.

Die einfache Antennenanlage, die als Erdantenne auf Pfosten nahe über dem Boden errichtet werden kann, ist selbst überall im Busch aufbaubar, sofern eine ein Kilo-meter lange Schneise für die Antenne in den Busch ge-schlagen werden kann und der Boden gut für die Erdung der Antenne ist. Bedauerlicherweise findet in Deutsch-land keine sinnvolle Auswahl der gesendeten Nach-richten statt, sodaß zuweilen vollkommen unwichtige Zeitungsmeldungen gesendet werden als für Ostafrika interessante und wichtige Meldungen. Dienstliche Nachrichten der Heimatbehörden an die Regierung von Deutsch Ostafrika werden äußerst selten gesendet. Immerhin kann man sich in Daressalam aus den Funk-nachrichten aus Nauen, und später auch von der Funk-anlage in Damaskus gesendete Meldungen, ein unge-fähres Bild über die Lage in Deutschland und der Welt machen, da man ansonsten nur auf erbeutete und ge-schmuggelte stark propagandistisch gefärbte englische Zeitungen angewiesen ist.

Nach dem Ausfall der Funkanlage in Daressalam kann die Leistung der Feldfunkstellen der Schutztruppe auch mit Hilfe der aus den Schiffen in Daressalam ausgebau-ten Funkanlagen soweit gesteigert werden, daß sie Nau-en und Damaskus empfangen können. In Tabora wird mit Hilfe von Funkgeräten der deutschen Handelsschif-fe in Daressalam eine Funkempfangsanlage aufgebaut, die insbesondere Feindfunk aus Belgisch Kongo auf-nimmt. Mit dem Eintreffen neuer Liebig-Röhren im März 1916 mit dem Blockadebrecher Marie verbessert sich die Funklage weiter.

Eine Hauptaufgabe der Funkstationen in der Kolonie im Krieg ist aber nicht das Empfangen von Nachrichten aus Deutschland, sondern das Abhören von Feindsendern. Chiffrierter Feindfunk kann aber meistenteils nicht ent-schlüsselt werden, da es im Schutzgebiet an Fachleuten dafür fehlt. Aus dem aufgefangenen Schiffsfunk und dem meist unverschlüsselten Funkverkehr Belgisch Kongos lassen sich trotzdem wichtige Schlüsse auf feindliche militärische Operationen gegen Deutsch Ostafrika erkennen.


Funk spielt auch eine wichtige Rolle als das Marine-Luftschiff L 59 am 21. November 1917 in Bulgarien mit 22 Mann Besatzung abhebt für einen Versorgungsflug nach Deutsch Ostafrika. Die Strecke von Bulgarien bis in den Süden der ostafrikanischen Kolonie Deutschlands be-trägt rund 6000 Kilometer. Das Luftschiff hat 50 Tonnen wertvollen Militärnachschubs aller Art an Bord und der Zeppelin selbst, der ein Leergewicht von gut 27 Tonnen hat, kann auseinandergenommen und restlos für die Zwecke der Kolonie und der Schutztruppe verwendet werden. So kann die Hülle des Zeppelins zu Uniformen und Zelten verarbeitet werden und aus dem Alumini-umgerippe kann ein Funkmast gebaut werden, für die Verwendung des Bordfunkgerätes, und einer der fünf Motoren des Luftschiffes kann für die Funkanlage den Strom liefern.

Die Engländer wissen von dem Flug und haben Jagdflug-zeuge in dem von ihnen besetzten Teil von Deutsch Ost-afrika stationiert. Gleichzeitig ist Lettow-Vorbeck mit seinen Truppen auf dem Marsch im Grenzland von Deutsch Ostafrika und Portugiesisch Ostafrika und schwer zu finden, sodaß man dem Luftschiff über Funk den Befehl gibt den Flug abzubrechen und zurückzu-kehren als es schon bei Khartum im Sudan steht und zwei Drittel des Weges nach Ostafrika hinter sich hat. Es ist der 23. November als der Zeppelin kehrt macht und am 25. November wieder in Jamboli in Bulgarien landet. Am 25. und 26. November kann Lettow-Vorbeck große Mengen an Vorräten in Portugiesisch Ostafrika erbeu-ten.

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Die einheimische Bevölkerung

Die Verwaltung, die Gerichtsbarkeit und das Polizeiwe-sen bleiben auch im Krieg vollständig unter der zivilen Verwaltung des Gouvernements. Und so auch die Ver-waltung und Rechtssprechung der Eingeborenen. Im Unterschied für die Eingeborenenbevölkerung zur Frie-denszeit ist die Schutztruppe, deren eigentliche Aufgabe ja die Niederschlagung von Eingeborenenaufständen war, an die Front abgezogen und die Polizei durch Abga-be ihrer besten Einheiten an die Schutztruppe stark ver-mindert. Das eingeborene Verwaltungspersonal, die far-bigen Beamten, stellen jetzt die hauptsächliche Verwal-tung unter der durch Einziehung zur Truppe stark ver-minderten Zahl deutscher Beamter. Trotzdem kann die Kopfsteuer und die Hüttensteuer weiterhin ohne Schwierigkeiten eingezogen werden und im Kriegsjahr 1915 kann sogar ein Rekord an Steuereinnahmen ver-zeichnet werden, ohne daß die Steuern erhöht wurden. Das alles bei gleichzeitig erhöhten Anforderungen an die schwarze Bevölkerung durch die Gestellung von Trä-gern für die Kriegswirtschaft und für die Versorgung der Fronttruppen.

Eine fundamentale Änderung für die Askaris ist nun die Tatsache, daß sie jetzt auch gegen Weiße eingesetzt wer-den. Ist der Weiße an sich unantastbar, so ist er jetzt so-gar, sofern er zu den feindlichen Truppen gehört, zu er-schießen. Dies gilt für alle farbigen Truppen der krieg-führenden Mächte und untergräbt eindeutig die Stel-lung des weißen Mannes in Afrika im Krieg der Weißen gegen die Weißen.

Die Einheimische Bevölkerung nutzt nicht etwa den Krieg gegen Deutschland für einen Aufstand in der Ko-lonie. Selbst ein passiver Widerstand der schwarzen Be-völkerung würde das schnelle Ende der deutschen Herr-schaft bedeuten. Trotz des Abzuges der Truppen an die Fronten bleibt es völlig ruhig im Land. Selbst die Poli-zeitruppe wird zur Schutztruppe eingezogen und kann nun nicht mehr für die innere Sicherheit herangezogen werden. Schnell ausgehobene »Knüppel-Polizisten«, bloß mit einem Knüppel bewaffnete Polizisten, ersetzen die gut ausgebildeten und bewaffneten Polizei-Askaris. Und nicht nur die Truppen gehen an die Front und las-sen das Land ohne die übliche innere Sicherung, auch ein großer Teil der deutschen Verwaltungskräfte wird zur Truppe eingezogen und steht nun auch nicht mehr für die Aufrechterhaltung der Herrschaft im Lande zur Verfügung.  

Gleichzeitig werden durch den Krieg an die schwarze Zivilbevölkerung große Lasten für den Straßenbau und den Transport gestellt, und doch gibt es nicht einmal kleine Revolten der Eingeborenen. Die einzige Unruhe-quelle im Krieg sind die Inder, die die einheimische afri-kanische Bevölkerung übervorteilen und sie so zum Haßobjekt der Schwarzen werden und Ausschreitungen gegen die Inder vorkommen.

Noch 1910-12 erwarteten der damalige Kommandeur der Schutztruppe von Ostafrika, Oberstleutnant Freiherr Kurt von Schleinitz, und Oberstleutnant Kurt Johannes, der im Stab der Schutztruppe seinen Dienst tat – beide langjährige Truppenangehörige, die noch bei der Nie-derschlagung von Aufständen in der Kolonie dabei wa-ren – mit großer Wahrscheinlichkeit im Kriegsfall den Ausbruch umfangreicher Eingeborenenaufstände. Das zeigt, wie sehr sich seit der Amtsübernahme von Gou-verneur Albrecht von Rechenberg 1906 mit seiner den Eingeborenen freundlich gesonnenen Politik die Ein-stellung der farbigen Bevölkerung zur deutschen Herr-schaft gewandelt hat. So wird aus der Residentur Bukoba Mitte August 1914 die 7. Kompanie der Schutztruppe abgezogen, weil man die Residentur gegenüber den Eng-ländern im benachbarten britischen Uganda für militä-risch unhaltbar hält, und so ist nun die Residentur mili-tärisch völlig schutzlos. Resident Willibald von Stuemer stellt aus bewaffneten Eingeborenen an der Grenze zu Uganda und an der Küste des Viktoriasees einen Beo-bachtungs- und Nachrichtendienst auf. Mitte September besetzen dann britische Truppen den äußersten Norden der Residentur und schicken eingeborene Hilfskrieger aus Uganda weiter ins Land, um Vieh und Lebensmittel zu stehlen. Die geplünderte einheimische Bevölkerung wendet sich an die Residentur um Hilfe. Daraufhin erbit-tet Stuemer vom Gouverneur in Daressalam 400 Ge-wehre und 40.000 Patronen zur Bewaffnung von Hilfs-kriegern. Aus dem Depot der Schutztruppe in Tabora wird ihm die erbetene Bewaffnung zugeschickt und der Resident rüstet eine improvisierte einheimische Truppe damit aus, die aber auch erst einmal ausgebildet werden muß. Als Führer für diese Truppe hat er nichts anderes aufzubieten als elf Deutsche, die bei Trassierungsarbei-ten für die Ruandabahn beschäftigt sind. Die Ruanda-bahn ist im Bau und verläuft von Tabora, an der Mittel-landbahn gelegen, nach Ruanda. Ihre Strecke führt auch durch den Süden von Bukoba. Dort arbeiten die elf Män-ner beim Bahnbau und werden in der zweiten Septem-berhälfte von Stuemer für seine Einheimischentruppe eingezogen.

Mitte Oktober 1914 dringen die Briten weiter in die Resi-dentur vor und Stuemer ruft am 18. Oktober den Land-sturm auf, noch wehrfähige ältere deutsche Männer. Britische Hilfskrieger vom Stamme der Waranga aus Uganda fallen über die von den Briten besetzte Zone hinaus noch weiter in Bukoba ein und können trotz Gegenwehr der einheimischen farbigen Bewohner der Residentur 7000 Rinder abtreiben. Mitte November kommen dann Verbände der Schutztruppe nach Bukoba zurück und können die bis Anfang November noch wei-ter vorgedrungenen Briten aus der Residentur hinaus-werfen. Hätte bei der prekären Lage die einheimische Bevölkerung und die Sultane gegen die deutsche Herr-schaft gestanden, die nach dem Abzug der Schutztruppe Mitte August sachlich nicht mehr vorhanden war, wäre die Residentur sofort gefallen. Im Gegenteil wurde die einheimische Bevölkerung von deutscher Seite bewaf-fnet und kämpft freiwillig auf deutscher Seite gegen den von Norden eindringenden Feind.

So hält der deutsche Oberkommandierende in Ostafri-ka, Paul von Lettow-Vorbeck, auch die beiden Residentu-ren im äußersten Nordwesten von Deutsch Ostafrika für militärisch unhaltbar und zieht bei Kriegsbeginn die Schutztruppenverbände aus Ruanda und Urundi ab. Der deutsche Befehlshaber in Ruanda, Hauptmann Max Wintgens, sieht die Lage anders und stellt aus der afri-kanischen Polizei in Ruanda eine Truppe von 80 Mann auf, mit der er sogar zum Angriff auf Belgisch Kongo ansetzt und die Insel Idschwi im Kiwu-See besetzt. Mit den dabei erbeuteten belgischen Waffen wird ein weite-rer Verband aus 100 Mann einheimischer Soldaten aus-gerüstet. Afrikanische Hilfskrieger werden rekrutiert und im Schnellverfahren zu Soldaten ausgebildet. Auch der König von Ruanda, Yuhi V. Musinga, zieht die Uni-form der deutschen Schutztruppe an und unterstützt die Verteidigung seiner Heimat gegen die Angriffe der Bri-ten und Belgier. Er stellt auch Krieger unter das Kom-mando des deutschen Befehlshabers. Zusätzlich melden sich Afrikaner freiwillig für den Dienst als Soldaten un-ter deutschem Kommando. Mit diesem zusammenge-würfelten Verband kann lange Zeit Ruanda und Urundi gehalten werden. Im Mai 1916 muß dann aber gegen die belgisch-britische Übermacht Ruanda geräumt werden. Auf einen militärischen Widerstand in Urundi ver-zichtet daraufhin die deutsche Führung und im Juni 1916 wird auch Urundi von den Belgiern besetzt. Die belgi-schen Kolonialtruppen machen sich in diesen und den noch darüber hinaus besetzten Gebieten Plünderungen, Vergewaltigungen und einer Vielzahl anderer Verbre-chen an der Zivilbevölkerung schuldig.

Es ist offensichtlich, daß die einheimische Bevölkerung in Deutsch Ostafrika mit der deutschen Herrschaft zu-frieden ist und sie durch ihre gewaltige Arbeitsleistung im Krieg unterstützt. Die über das Maß beanspruchten deutschen Truppen, die ja ihrerseits zu 90 % aus einhei-mischen Soldaten bestehen, hätten bei der tatsächli-chen Unterlegenheit von 10 : 1 gegen die Feindtruppen nicht jahrelang Krieg führen können, ohne die freiwil-lige Unterstützung der millionenstarken schwarzen Be-völkerung in Deutsch Ostafrika. Auch melden sich wäh-rend des Krieges immer genug Freiwillige für die Schutztruppe, um die personelle Kampfkraft der deut-schen Streitkräfte zu erhalten. Es könnten aus den Frei-willigen noch mehr Truppen aufgestellt werden, aber der Mangel an Waffen verhindert eine weitere Vergrö-ßerung der Askaritruppe. Selbst die Araber, die Feinde der Deutschen in den Kämpfen Ende der 1880er Jahre um die Vorherrschaft in Ostafrika, stellen ein mehrere hundert Mann starkes Freiwilligenkorps. Militärisch sind die Araber aber untauglich und der Verband wird nach einiger Zeit wieder aufgelöst, politisch aber hat der arabische Freiwilligenverband seine Wirkung bei der schwarzen Bevölkerung, deren alten Leute sich noch an den Haß der Araber auf die Deutschen erinnern können.

Im Gegensatz zur Loyalität der Bevölkerung zur deut-schen Herrschaft brechen in den Nachbarkolonien von Deutsch Ostafrika im Krieg Unruhen und Aufstände aus, die mit militärischer Gewalt niedergeschlagen werden. So 1915 im britischen Protektorat Njassaland. Ein auf-ständischer Häuptling in Njassaland bittet den Gouver-neur von Deutsch Ostafrika um Hilfe gegen die Englän-der, aber es kann keine Hilfe geschickt werden. Meh-rere Unruhen und Aufstände brechen in Belgisch Kongo und in Portugiesisch Ostafrika aus. Auch die Mawia bit-ten um deutsche Unterstützung bei ihrem Aufstand Mit-te 1917 in Portugiesisch Ostafrika und auch ihnen kann nicht geholfen werden.

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Die Güterproduktion

Alle alltäglichen Gebrauchsartikel müssen nun in der Kolonie selbst gefertigt werden. Ohne einen industriel-len Hintergrund wie im Heimatland wird mit allen Mit-teln improvisiert, um doch brauchbare Gegenstände für die Bedürfnisse der weißen Bevölkerung herzustellen. Nur Artikel wie Uhren und Augengläser, für deren Ferti-gung Spezialisten und eine hochentwickelte Industrie notwendig sind, können mit den bescheidenen techni-schen Mitteln der Kolonie nicht hergestellt werden.

An Stoffen für die Bekleidung der schwarzen Bevölke-rung waren durch die Vorbereitung auf die Landesaus-stellung 1914 große Mengen in der Kolonie eingetroffen, werden aber gleich nach Kriegsbeginn hauptsächlich von den indischen Händlern gehortet und im Laufe der Jahre überteuert wieder verkauft. Für die Bekleidung der Europäer werden bald nach Kriegsbeginn auf An-ordnung des Gouverneurs mit im Lande gesponnenen Garn und gewebten Stoffen Versuche gemacht, die wi-der Erwarten gut ausfallen. Mit Ausnahme weniger Handspinnräder und Webstühle bei Indern gibt es in der Kolonie keine maschinelle Textilherstellung. Nur ein deutscher Laienbruder der Berliner Mission, ein Tischler, ist einigermaßen vertraut mit der Weberei und nun werden unter seiner Leitung mühselige und lang-wierige Versuche mit der Herstellung von Spinnrädern und Webstühlen unternommen. Schließlich können Spinnräder und Webstühle nach alter Art in den Hand-werkerschulen hergestellt und unter der Leitung von Regierungsbeamten in Betrieb genommen werden. Hauptsächlich Inder werden für den Betrieb der Hand-webstühle eingestellt und Schwarze, vielfach Schulkin-der, für die Spinnräder. Die schwarzen Arbeiter zeigen sich bald sehr geschickt im Bedienen der Gerätschaften. Eine Reihe staatlicher Textilherstellungsbetriebe wer-den mit den selbstgebauten Handwerksgeräten einge-richtet und produzieren Stoffe für den Bedarf der Kolo-nie.

Die Handweberei der Eingeborenen, die durch den Im-port von fertigen Stoffen fast ausgestorben war, wird wiederbelebt und bald können starke und brauchbare Stoffe gewebt werden, die auch zu Uniformen für die Truppe verarbeitet werden. Auch das Färben von Stoffen mit aus Rinden und Wurzeln gewonnenen Farbstoffen gelingt und ist besonders wichtig für das Färben der weißen Stoffe für die Militäruniformen in braun. Selbst Steppdecken mit Baumwollfüllung für Frauen und Kin-der werden in Handarbeit hergestellt. Doch Decken für die Schutztruppe können in großen Mengen nicht her-gestellt werden und der Mangel an Decken insbeson-dere in den Regenzeiten und in kalten Gebirgsregionen führt zu Erkrankungen und den Tod von Trägern.  

Die Versorgung der Bevölkerung mit Kleidung kann mit handwerklichen Methoden nicht erreicht werden und so wird die Bekleidungslage immer dürftiger. Die mit der Marie im März 1916 eingetroffenen 15.000 Askari-uniformen, Europäerbekleidung und Stoffe sind trotz ih-rer Menge für den Bedarf der Kolonie nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Verlust von Gebieten der Kolo-nie seit März 1916 an die Gegner, wodurch auch textil-herstellende Betriebe verloren gehen, wirkt sich eben-falls ungünstig auf die Bekleidungslage aus.

Die unter Leitung eines Ingenieurs der Firma Krupp stehende Herstellung mechanischer Webstühle und Spinntechniken, und die Einrichtung ebensolcher me-chanisch arbeitender Betriebe, wird durch den feindli-chen Vormarsch in die Kolonie hinein verhindert.

Die Eingeborenen müssen notgedrungen von den schö-nen leichten importierten Stoffen zu den alten Lenden-schürzen und den harten Holzstoffen aus Baumrinde zurückgreifen. Die Regierung und die Schutztruppe ver-wendet schließlich beim Knappwerden von Bargeld die noch vorhandenen Reserven an Baumwollstoffen als Bezahlung und Belohnung für Schwarze im Dienste der Kolonie. Selbst für die Truppe, die durch den Buschkrieg einen enormen Verschleiß an Uniformen hat, wird sein Frühjahr 1917 der Bekleidungszustand immer schlechter und verbrauchte Militärbekleidung muß bis zum Kriegsende im November 1918 durch Uniform-Beute vom Gegner ersetzt werden.

Beim Schuhwerk fängt man erst an sich um Ersatz zu kümmern, als Schuhe und Stiefel knapp werden. Im Frieden war das Schuhzeug aus der Heimat mitgebracht worden oder wurde bei den in der Kolonie ansässigen europäischen Handelshäusern bestellt. Genug Schuh-macher, hauptsächlich unter den Goanesen und In-dern, gibt es in der Kolonie, doch ihnen fehlt der Roh-stoff für ihr Handwerk: Leder. Häute und Gerbstoffe gibt es im Überfluß, aber vom Beginn der Herstellung von Leder bis zum fertigen Schuh vergeht ein Jahr. Haupt-sächlich der Prozeß des Gerbens ist langwierig. So wer-den Gerbereien aus dem Boden gestampft und bei der Unerfahrenheit in der Verarbeitung von Häuten zu Leder wird natürlich auch manches Lehrgeld bezahlt. So entsteht ein Mangel an Schuhen und Stiefeln selbst bei der Armee, die natürlich vorrangig beliefert wird. Bei der Ankunft der Marie im März 1916 kann für die Schutztruppe und die weiße Bevölkerung das Problem gelöst werden, denn das Schiff hat große Mengen her-vorragender Stiefel aller Größen mitgebracht.

Ein anderes Problem der Fußbekleidung wird von den deutschen Frauen der Kolonie gelöst: Strümpfe. Insbe-sondere beim Marschieren sind Strümpfe in den Stie-feln für die Truppe unerläßlich. Durch den großen Vor-rat an indischer Wolle in der Kolonie haben die Strümp-fe strickenden Mädchen und Damen keinen Mangel an Rohmaterial für ihre Werke. Da die Inder mit künstli-chen Farbstoffen gefärbte Wolle importierten, sehen die Strümpfe auch entsprechend aus und färben beim Tragen stark ab. Die gewaltigen Marschleistungen der deutschen Truppen im Buschkrieg, insbesondere im Bewegungskrieg seit 1916, wären wohl ohne die Strümp-fe nicht zu bewältigen.

Die deutschen Frauen in der Kolonie richten Komitees ein für die verschiedenen Aufgaben, die sie bewältigen können. So werden die Lazarette von ihnen eingerich-tet. Weitere Arbeitsbereiche der Komitees sind die Hinterbliebenenfürsorge, das Sammeln von allen mögli-chen Gebrauchsutensilien für die Soldaten an der Front, die sogenannten »Liebesgaben«, die Anfertigung von Khakihemden für die Truppe und eben das Stricken von Strümpfen für die Soldaten. Stricken hatten die meisten Damen längst aufgegeben und nun wird zuerst mit selbstgefertigten Holznadeln gestrickt und dann mit Stahlnadeln, die von den Eisenbahnwerkstätten gelie-fert werden. Die Damen sammeln auch bedeutende Summen etwa für die Hinterbliebenenfürsorge.

Petroleum als Leuchtmittel und Benzin für die wenigen Motorfahrzeuge der Kolonie wurde im Frieden einge-führt und so wird alles Benzin bei Kriegsbeginn für die Fahrzeuge der Schutztruppe beschlagnahmt. Mitte 1916 gelingt es in Morogoro eine Anlage in Betrieb zu neh-men, die einen Petroleum- und Benzinersatz herstellt, dessen Namen »Treböl« von der Regierung unter Mar-kenschutz gestellt wird. Um Erfindungen in der Kolonie in der Kriegszeit für die spätere Anmeldung als Patent beim Reichspatentamt in Berlin zu schützen werden vom Gouverneur eingereichte Patente durch Verord-nung unter Schutz gestellt. 

Ersatzreifen für die Kraftfahrzeuge aus Kautschuk er-weisen sich als haltbarer als die ursprünglichen Pneus. Als Leuchtmittelersatz werden in großen Mengen Ker-zen hergestellt. Bienenwachs wurde im Frieden expor-tiert und steht nun für die Kerzenherstellung zur Ver-fügung. Die Einheimischen greifen als Leuchtmittel auf Palmöl und Kokosöl zurück. Auch Seife kann mit den Rohstoffen der Kolonie in genügender Menge herge-stellt werden. Als das importierte Ätznatron für die Sei-fenfabriken der Friedenszeit in Daressalam zu Ende geht wird in mühseligen langen Märschen vom Natronsee im Bezirk Aruscha Ersatz herbeigeschafft. Die Einheimi-schen müssen allerdings wieder auf Reinigungsmittel zurückgreifen die sie vor der Einführung der Seife be-nutzten. Zahnbürsten werden aus Knochen und Borsten von Schweinen und Maultieren fabriziert. Gewaltige Mengen von Körben und Säcken aus Rindenstoffen und Gräsern werden hergestellt, hauptsächlich für die Trag-lasten der Trägerkolonnen.

Da die Mühlsteine für das Mahlen von Korn sich abnut-zen, nicht durch neue aus Europa ersetzt werden kön-nen und nur umständlich einige mit eigenen Mittel her-gestellt werden können, wird auf das üblich Stampfen des Korns im Mörser durch die schwarzen Frauen zu-rückgegriffen. Eine nicht zu umgehende zusätzliche Ar-beitsbelastung für die Frauen.  

Die Eisenbahnwerkstätten sind ein technisches Rückrat der Kolonie und die größte Werkstattanlage Deutsch Ostafrikas ist die Kriegsmarinewerft in Daressalam. Es gibt nur sehr wenig technisches Fachpersonal in der Kolonie für den Aufbau der notwendigen Industrien für die Selbstversorgung, sodaß der Einsatz von etwa 400 Mann technischem Personal der durch den Krieg in Deutsch Ostafrika festliegenden Kriegs- und Handels-schiffe in der Armee und in der Wirtschaft eine große Bedeutung zukommt. Dieses Maschinenpersonal der Schiffe bildet dann auch weitere schwarze Kräfte in ihren Fachgebieten aus.

Ein weiteres Problem ist der schwindende Bestand an Münzgeld. Die Münzgeldprägung für Ostafrika erfolgt in Deutschland und so geht durch natürlichen Verlust, und hauptsächlich durch Hortung, immer mehr Münzgeld dem Geldkreislauf verloren. Leider hat man auch ver-säumt, die noch in Deutschland lagernden Hartgeldbe-stände für Ostafrika dem Blockadebrecher Marie mitzu-geben. Um der Geldknappheit ein Ende zu machen wer-den seit Ende 1915 in der Kolonie Banknoten gedruckt, und besonders auch viele kleinwertige Banknoten, um das Münzgeld damit ersetzen zu können. Die Notenpres-se arbeitet auf Hochtouren, kommt aber mit der Nach-frage nach Geld kaum nach, und auch die Papierqualität der Banknoten nimmt nach dem Ende der Friedensbe-stände an Papier ab. Dazu drucken die Briten die Noten nach, schmuggeln sie mit Dhaus über Sansibar ins Land, um die deutsche Wirtschaft zu unterminieren, was das Vertrauen der Schwarzen in das Papiergeld schwächt und, sie wenn möglich, nur noch Münzgeld und Stoffe als Bezahlung annehmen. Der Prozeß führt zu einer Inflation an der Küste und zur Rückkehr zum Tausch-handel. Zur Sicherung des neugedruckten Papiergeldes gegen Fälschung greift man zu einer ungewöhnlichen Methode: Bei der von Daressalam nach Tabora verleg-ten Deutsch-Ostafrikanischen Bank wird jede einzelne Banknote von je zwei Bankbevollmächtigten mit Tinte unterzeichnet, bis man ein Druckverfahren findet, das fälschungssicher scheint und bei dem die Unterschrif-ten gleich mitgedruckt werden.

Ein weiteres Problem sind die Inlandstämme, die noch kaum vom Tauschhandel zum Geldverkehr gekommen sind, und selbst Silbermünzen nur ungern annehmen. Ihnen Papiergeld, das sie meist noch gar nicht kennen, von den Aufkäufern von Lebensmitteln und Vieh anzu-bieten ist schlechterdings unmöglich. Durch die Kopf- und Hüttensteuer kommt zwar viel Münzgeld in die staatlichen Kassen, aber der Münzgeldbestand an sich verringert sich durch besagte Gründe.

Um dem Problem abzuhelfen, wird seit 1916 in einer mit selbstgefertigten Maschinen ausgestatteten Münze im Gebäude der Eisenbahnwerkstatt von Tabora Hartgeld hergestellt. Aus Messing werden über 1,6 Millionen 20-Hellerstücke und etwa 300.000 5-Hellerstücke geprägt und aus dem im Lande gewonnenen Gold werden Mün-zen im Wert von 15 Rupien hergestellt. Für diese 15-Rupien-Goldmünzen fertigte ein singhalesischer Gold-arbeiter aus Sansibar, »der besonders sorgfältig arbei-tete, wenn er unter Alkohol stand«, die Stempel an. Die wohlgelungene Ziselierung der Goldmünze zeigt auf der Vorderseite den Reichsadler und auf der Rückseite ei-nen trompetenden Elefanten vor dem Kilimandscharo. Zum Prägen dient eine kleine hydraulische Handpresse. Als diese schließlich ihren Dienst versagt, wird die Prä-gung in dem 25 km entfernten Lulanguru auf einer we-sentlich stärkeren Ölpresse fortgesetzt. Im abschließen-den Arbeitsschritt polieren die Münzarbeiter die Gold-stücke mit Messingbürsten in einem aus Früchten des tropischen Seifenbaumes hergestellten Seifenwasser auf Hochglanz. Die Prägeleistung liegt bei 200 Münzen am Tag. Gold für die Prägung von einer Million Münzen ist vorhanden. Die Münzen haben den besten Ruf und werden von den Regierungskassen nur an Deutsche ver-ausgabt, damit die Inder sie nicht in die Hände bekom-men und sie sofort als goldene Reserve aus dem Ge-schäftsverkehr ziehen.

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Die Lebensmittelversorgung

Zur Friedenszeit war ein großer Teil der Lebensmittel für Weiß und Schwarz in die Kolonie eingeführt worden, während umgekehrt Nahrungsmittel aus der Kolonie ausgeführt wurden. So wurde hochwertiger Reis aus Deutsch Ostafrika nach Indien exportiert, während die-selben Schiffe Reis von minderer Güte aus Indien in die Kolonie zurückbrachten, der von den Indern an die schwarze Bevölkerung der Küste verkauft wurde. Auf jeden Fall wurden etwa 50 % mehr Lebensmittel in die Kolonie eingeführt als ausgeführt. Zu den wichtigsten für die Weißen eingeführten Lebensmitteln zählten Reis, Weizenmehl, Zucker, Salz, Milchprodukte, Gemü-se, und Fleischkonserven; die wichtigsten importierten Genußmittel waren alkoholische Getränke und Tabaks-waren.

Für die im August 1914 vorgesehene Landesausstellung mit ihren vielen Besuchern waren von den Kaufleuten besondere Mengen von Konserven in Deutschland ge-ordert worden – Konserven waren ein sehr wichtiger Lebensmittellieferant für die Weißen – die auch vor der geplanten Eröffnung der Ausstellung in der Kolonie ein-trafen und diese beiden Schiffe, die Tabora und die Feldmarschall, hatten auch noch weitere Mengen an Konserven für andere Kolonien an Bord, die aber wegen des Kriegsausbruchs nun in Deutsch Ostafrika bleiben, und so halten die Bestände an Konserven bei einem sparsamen Verbrauch bis Anfang 1916. Durch die An-kunft des Blockadebrechers Marie im März 1916 werden noch einmal bedeutende Mengen an Konserven und europäischen Genußmitteln in die Kolonie gebracht und auch aus der Beute von geschlagenen gegnerischen Truppen kommen europäische Lebens- und Genußmit-tel ins Land wie etwa von den im September 1916 in den Süden der Kolonie eingedrungenen Portugiesen, die im November unter Erbeutung vieler ihrer Vorräte, die aus englischen Lieferungen an die Portugiesen bestanden, zurückgeschlagen werden, was zudem zum ersten gro-ßen Einmarsch deutscher Truppen in Mosambik führt.

Durch den Mehranbau von Lebensmitteln in der Kolo-nie kann die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung gesichert werden. Für die Weißen werden mehr Weizen und Reis angebaut. Der Reis soll auch die importierten Kartoffeln ersetzen. Als Kartoffelersatz wird im großen Maße die wohlschmeckende Muhogo (Maniok) ange-baut. Eine anspruchslose Pflanze, die auf fast allen Bö-den schnell wächst. Nach 4-5 Monaten können 10-20 armdicke Wurzelknollen von der Pflanze abgeerntet werden. Auch Süßkartoffeln, Mtama (Hirse), Kunde, eine Bohnenart und Schirokko, eine Linsenart, werden nun auch von den Weißen gerne gegessen.

Die Banane ist ein wichtiges Nahrungsmittel und Bana-nenmehl ersetzt so weit möglich Weizenmehl als Wei-zenmehl nicht mehr zur Verfügung steht.

Früchte sind ein wichtiger Bestandteil der Europäer-verpflegung. Bananen, Mangos, Ananas und Apfelsinen sind in großen Mengen vorhanden. Im Krieg wird eine große Anzahl weiterer Früchte zur Ernährung der Wei-ßen genutzt, die ihnen bis dahin unbekannt waren oder als Eingeborenenverpflegung angesehen wurden. Früchte werden auch getrocknet, gedörrt oder zu Marmelade verarbeitet vom Land in die Städte und zur Truppe gesandt. Aus Bananen wird außerdem auch noch ein guter Essig gewonnen.

Das von den Weißen so begehrte Konservenfleisch wird im Krieg durch Frischfleisch, gesalzenes oder gedörrtes Fleisch ersetzt. Fleisch für die Truppe und die weiße Bevölkerung kann in genügenden Mengen in den vieh-reichen Gebieten der Kolonie angekauft und mit der Bahn durch die Tsetsegebiete zu den Verbrauchern geschafft werden. Die farbige Bevölkerung ißt vorwie-gend vegetarisch und ist nicht so sehr auf Fleisch ange-wiesen. Für die Träger der Schutztruppe sieht man aber, wenn möglich, auch Fleischrationen vor.

Dem Vieh- und Wildreichtum in Ostafrika steht das Problem des Transportes durch tsetseverseuchte Gebie-te zu den Konsumenten in den Städten und im Krieg auch noch zu den Fronttruppen gegenüber. Deshalb war im Frieden einfach Schlachtvieh über See antranspor-tiert worden. Jetzt, im Krieg, können die Truppen im Felde durch Wild wie Elefant, Nilpferd und Giraffe ver-sorgt werden, für die Stadtbevölkerung wird dagegen auf die auch für die Tropen gesündere vegetarische Er-nährung übergegangen. Auch die einheimische Bevöl-kerung lebt ja überwiegend vegetarisch. Selbst die vieh-züchtenden Stämme nutzen hauptsächlich die Milch ih-rer Tiere und schlachten sie nicht.

Die vermehrte Gewinnung von Salz, Zucker und Ölen wird von der Regierung eingeleitet und ihre Heran-schaffung in die Städte, in die Militärmagazine für die Verpflegung der Truppe, und in die Verpflegungsmaga-zine für die weiße Bevölkerung, veranlaßt. Außerdem werden Aufkaufposten für Lebensmittel von den Einhei-mischen von der Regierung eingerichtet. Durch all diese Maßnahmen braucht keine Rationierung von Lebens-mitteln eingeführt werden.

Mit dem Ende der Versorgung mit Milchprodukten aus der Dose sind Butter, Milch und Käse nur noch in Gebieten mit Viehwirtschaft erhältlich. Erfolgreich sind dann aber die Versuche für deutsche Kranke, Frauen und Kinder in Tsetsegebieten tsetsesichere Viehställe mit Stallfütterung zu bauen, um die Versorgung mit Milch wenigstens der Kranken und kleinen Kinder zu gewährleisten. Nach dem Aufbrauch der Milchkonser-ven ist Milch so auch in den Tsetsegebieten weiterhin ausreichend vorhanden und die Versorgung mit Milch für Kranke, Frauen und Kinder gesichert.

Die Verschickung von Butter in verlöteten Blechdosen von Farmen und Meie-reien an Frauen, Kinder und Lazarette in vieharme Ge-biete muß mit dem Ende der Blechvorräte eingestellt werden.

Mit dem kriegsbedingten Ende der Butterlieferungen aus Europa und Indien beginnen einheimische Vieh-züchter ihre Art von Butter – Samli genannt – für das Einfetten von Körper und Kleider als Ersatzbutter an die Weißen zu verkaufen. Diese von den Eingeborenen her-gestellte haltbare Butter wird nun auch von den Weißen verwendet und bald übernehmen indische Händler den Zwischenhandel für Samli.

Als Speisefett wird auch bald hervorragendes Sesamöl gewonnen, da die Sesampflanze schon 4-5 Monate nach der Aussaat erntereif ist. Aus Erdnüssen, Kokospalmen, Ölpalmen und anderen Pflanzen wird ebenfalls bald Speiseöl gewonnen. An tierischen Fetten wird schließ-lich das Fett von Flußpferden und das als besonders gut geltende Fett von Elefanten gewonnen.

Salz und Zucker wurden zur Friedenszeit weitgehend importiert. Der Salzbedarf kann aus der Saline Gottorp im Inneren der Kolonie und aus der verstärkt genutzten Gewinnung aus Salzpfannen an der Küste gedeckt wer-den. Zucker ist schwieriger in der Herstellung. Aus ih-ren großen Zuckerrohrpflanzungen stellten die Araber unreinen Melassezucker und Zuckersyrup für die schwarze Bevölkerung her. Nach Kriegsbeginn werden alle einheimischen Ressourcen genutzt. Der bisher nur für den Verbrauch der einheimischen Bevölkerung an-gebaute Zuckerrohr, der manchmal in der Qualität als brauner Zucker, oft aber nur als schwarzer klebriger Block angeboten, wird durch den Bau zweier Zentrifu-gen – eine am Pangani und eine am Rufiji – nun raffiniert und aus dem Rohzucker wird für Europäer genießbarer brauner Zucker. Dazu wird als Ersatz für weißen Zucker auch Honig von wilden Bienenschwärmen verwendet.

Auch die Truppe im Felde gewinnt nun, wie die schwar-ze Landbevölkerung, den Honig wilder Bienenschwär-me. Die Schwarzen hängen für die Honiggewinnung im ganzen Land hohle Baumstämme in die Bäume als Nist-gelegenheit für die Bienen und auch die selbst ange-legten Nester der wilden Bienen sind leicht zu finden, denn der spatzengroße Honiganzeiger gibt der Truppe auf Safari den Hinweis auf das nächste Nest. Mit der Plünderung des Nestes bekommt auch der Honiganzei-ger seine Beute: Die Bienenbrut.

Doch trotz der langen Erhaltung weißer Eßgewohnhei-ten durch Lagerbestände, Beute und einem Versor-gungsschiff gibt es aber schließlich kaum noch einen Unterschied in der Verpflegung von Weiß und Schwarz im Schutzgebiet. Die etwa 6000 Weißen in der Kolonie müssen nach Aufbrauch der für sie importierten Le-bensmittel ihre Eßgewohnheiten umstellen auf einhei-mische Küche, sofern nicht noch im Lande angebauter Reis und Weizen zur Verfügung steht, und man beginnt selbst Gemüse anzupflanzen als solches aus Europa aus der Dose zu essen. Gemüse wurde zu Friedenszeiten als Konserven importiert und nur in geringen Mengen selbst gezogen, da von den meisten Gemüsearten in den Tropen eine Saatzüchtung nicht möglich ist. Schon im Frieden waren die Missionsstationen mit ihren Gärten Hauptlieferanten für frisches Gemüse. Die Vielfalt afri-kanischer Sorten wird dabei von den Missionen berück-sichtigt und gepflanzt. Das im März 1916 eintreffende Versorgungsschiff Marie hat dann die aus der Heimat erbetene Gemüsesaat dabei und Gemüse kann wieder in größeren Mengen angebaut werden. Viele dieser Säme-reien europäischer Gemüse sind allerdings auf dem Transport unbrauchbar geworden, und auch die Vertei-lung von den noch brauchbaren Samen an die Missio-nen und Pflanzungen braucht seine Zeit.

Kaffee ist aus den Kaffeepflanzungen in Usambara und am Kilimandscharo reichlich vorhanden und vom wenig angebauten Kakao kann immerhin Schokolade für die Weißen hergestellt werden. Die Versorgung mit Kaffee und Kakao ist über die eigentlich für den Export gedach-ten Plantagen im Norden der Kolonie mehr als gedeckt. Dazu stellt die landwirtschaftliche Versuchsstation Amani aus entölten Kakaobohnen, Zucker und Erdnußöl eine sehr gute Schokolade her, die besonders von der Truppe als Patrouillenverpflegung geschätzt wird.

Im landwirtschaftlichen Institut Mpapua, für die Be-kämpfung von Viehkrankheiten eingerichtet, werden im Krieg unter anderem auch Medikamente hergestellt.

Mit dem Verlust von Anbaugebieten von Reis und Wei-zen seit dem Frühjahr 1916 durch die feindlichen Offen-siven wird die Umstellung auf einheimische Nahrungs-mittel unumgänglich und man entdeckt vorher nur den Schwarzen bekannte Nahrungsmittel ausgezeichneter Qualität und stellt aus einheimischen Pflanzen Mehl für das alltägliche Brot her. Die schwarzen Köche der Trup-pe und der Weißen können nun ungehindert von deut-schen Eßgewohnheiten auf die Vielzahl einheimischer Früchte zurückgreifen. Trotzdem verschlechtert sich seit 1916 durch den Verlust von landwirtschaftlichen Anbaugebieten in einigen Gegenden der Kolonie die Ernährungslage. Die Ankunft der Marie im März 1916 mit ihren Nachschubgütern entlastet die Lage ganz ein-deutig. Zum Abtransport der 50.000 Trägerlasten von der Marie werden von ihrem Ankerplatz in der Sudi-Bucht im Süden der Kolonie nach Daressalam und zu einem Lager auf dem Noto-Plateau im Landesinneren Etappenstraßen mit allen Einrichtungen wie den Nacht-lagern für die Träger gebaut.

Der schon vor dem Krieg unbedeutenden Fischerei wird erst im Krieg und sehr spät Beachtung geschenkt. Schließlich werden an den kleinen Binnenseen für die Versorgung von Schwarz und Weiß Fischfangkomman-dos eingerichtet, die den gefangenen Fisch auch trok-knen und so transportfähig machen für den Verbrauch bei der Truppe.

Der Unterschied in den Eßgewohnheiten zwischen den Weißen und den Schwarzen verschwindet im Laufe des Krieges immer mehr. Schließlich unterscheidet nur noch die Art des Verzehrens die Rassen. Wenn aber bei der Truppe im Feld ein Weißer im Kampfgeschehen sein Eßbesteck verloren hat, sind die Eßgewohnheiten zwischen Weiß und Schwarz vollends gleich. 

Aus Sicht der Deutschen ist ihr Hauptproblem nach der Lebensmittelversorgung Tabak und Alkohol. Beides ist bei Kriegsbeginn reichlich in der Kolonie vorhanden und wird, da man nicht mit einer langen Dauer des Krieges rechnet, ausgiebig verbraucht. Als das Versor-gungsschiff Marie im März 1916 in der Kolonie eintrifft, und noch einmal einen kleinen Vorrat an Alkohol und Tabak mitbringt, sind die Vorräte an beidem an Vor-kriegsware in der Kolonie für die 4000 Männer der wei-ßen Bewohnerschaft nahezu verbraucht. Bald nach Kriegsbeginn wird natürlich schon mit der zu Friedens-zeiten illegalen Herstellung von Alkohol in unzähligen privaten Brennereien, und in den Städten auch in Fabriken, begonnen. Aufgrund der besonderen Lage des Krieges, und auch wegen der Unmöglichkeit einer wirklichen Kontrolle im Krieg, sehen die Behörden über diese Selbstversorgung der Bevölkerung mit Schnaps hinweg. Die Behörden würden sich bei der Bevölkerung, ob Schwarz ob Weiß, bei einer strengen Verfolgung auch nur unbeliebt machen. Allerdings werden Schnapsbrennereien von Goanesen, oft portugiesisch-indische Mischlinge aus der portugiesischen Kolonie Goa in Indien, von Griechen und von Indern dichtge-macht, wenn ihr Fusel für die Schwarzen allzu gesund-heitsgefährdend ist.

Guten Alkohol, Wein und Spirituosen aus Friedenszei-ten können die Inder noch lange, dann aber zu astrono-mischen Preisen, an die Weißen verkaufen. Sie halten die kostbaren Flaschen in ihren Moscheen versteckt. Der Krieg trägt ohne Zweifel zu dem im Frieden schon stark verbreiteten Alkoholismus unter den Weißen bei. Doch der Alkohol an sich geht nicht aus. Aus allen mög-lichen Pflanzen wird Alkohol hergestellt in natürlich unkonzessionierten Kleinbetrieben. Die deutsche Brau-erei Schultz in Daressalam kann bis in das Jahr 1916 wei-ter produzieren, bis ihr die Hopfenvorräte ausgehen und sie auf Whisky-Herstellung umsteigt.

Unter den Kriegsverhältnissen werden nun fast alle Männer Raucher und Rauchwaren aus Europa werden beizeiten Mangelware. Für den Tabakanbau in der Kolo-nie waren im Frieden schon vielversprechende Versu-che gemacht worden und der Anbau hatte begonnen. Jetzt wird der Anbau forciert, wobei auch Lehrgeld durch unsachgemäße Bearbeitung des Tabaks gezahlt werden muß. Die Einheimischen rauchen aber auch die-se für Europäer zu starken Tabake gerne. Im Kiliman-dscharo-Gebiet wird auch ägyptischer Tabak angebaut und von Goanesen und Indern zu hervorragendem Ta-bak für Zigaretten verarbeitet. In den Städten entstehen Fabriken zur Herstellung von Zigaretten, die sowohl die Städte selbst wie auch die Armee versorgen. Pfeifenta-bak ist überall erhältlich und wird auch über die Grenze von Portugiesisch Ostafrika hereingebracht.

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Gesundheit

Da die Gesundheitsfürsorge in der Kolonie für Schwarz und Weiß ausgezeichnet ist geht dieses vorbildliche Behandlungssystem nahtlos in die Kriegszeit über. Es gibt zwar nur zwei Zahnärzte in der Kolonie, die aber zu Friedenszeiten ausreichten und nun auch in der Kriegs-zeit reichen. Die Schwarzen pflegen ihre durchweg gu-ten Zähne ausgiebig mittels eines an einem Ende zer-fasertem Holzstab.

Die deutschen Frauen in Ostafrika, in Verbänden wie dem Roten Kreuz oder dem Frauenbund organisiert, richten Komitees für verschiedenen Aufgaben ein. Dazu gehört auch die Einrichtung für die Lazarette, für die sich viele auch als Krankenschwestern melden und ohne die im Krieg die Versorgung der Verletzten und Kranken nicht zu bewerkstelligen wäre.

Das gesundheitliche Hauptproblem ist die Versorgung der weißen Bevölkerung mit Chinin, dem bewährten Mittel gegen Malaria. Große amtliche und private Vor-räte und der Kauf von Chinin über das lange noch neu-trale Portugiesisch Ostafrika strecken, mit größter Spar-samkeit am Verbrauch des wichtigen Stoffes, die Zeit bis zur Herstellung von genügend Chinin in der Kolonie selbst. Kriegsbeute an Chinin und eine wenn auch gerin-ge Menge an Bord der Marie bringen weiteres Chinin ins Land. Schon im Frieden waren Chinarindenbäume auf zwei Versuchspflanzungen gesetzt worden und brin-gen nun ausgezeichnete Ergebnisse an Chinin. In Frie-denszeiten war Chinin preisgünstig hauptsächlich aus Java importiert worden, sodaß an eine wirtschaftliche Ausbeutung der Pflanzungen nicht herangegangen wor-den war. Nun erweisen sich die eigentlich überflüssigen Chinarindenbaumpflanzungen als Glücksfall für die Ko-lonie. Dank der Chemiker und Apotheker in der Kolonie kann genug Chinin aus Chinarinde gewonnen werden für die gesundheitliche Aufrechterhaltung von Truppe und Schutzgebiet gegen die Malaria, da ansonsten auf-grund von hohen Personalausfällen durch die Krankheit die Kolonie nicht zu halten wäre.

Die Ärzte und Apotheker in der Kolonie können aus der Vielzahl an Pflanzen im Lande alle benötigten Heilmittel herstellen und auch Mundwasser, Zahnpasta und Ra-sierseife kann der Regierungsapotheker gebrauchsfer-tig bereitstellen.

Die hervorragende deutsche Seuchenbekämpfung in den Kolonien hat selbstverständlich auch seine Wohlta-ten bei Weiß und Schwarz in Deutsch Ostafrika getan. Leider werden durch die kriegsnotwendige Heranzie-hung von Trägern aus verseuchten Gebieten Tropen-krankheiten wieder in gereinigte Gebiete verschleppt. Durch scharfe Vorschriften für die Lagerplätze der Trup-pe wie niemals einen Lagerplatz ein zweites Mal benut-zen, Anlage von Latrinen weg vom Lagerplatz, zuschüt-ten der Latrinen beim Abbruch des Lagers und einer Reihe weiterer Vorschriften, wie zum Beispiel das Ver-bot in Eingeborenenhütten zu schlafen, kann die Ver-breitung von Krankheiten in der Truppe verhindert wer-den, zumal Verluste der Truppe durch Krankheiten bei einer schon vorhandenen Unterzahl von 10 : 1 gegenüber den Gegnern auf keinen Fall in Kauf genommen werden können.

Ein Problem, das schon im Süden der Kolonie durch die zu geringen Regenfälle 1913/14 Mitte 1914 aufgetreten war, wird durch die ebenfalls zu geringen Regenfälle 1914/15 im Süden durch den Krieg, der wirksame Maß-nahmen schon im Herbst 1914 behinderte, da Transpor-te über See von Daressalam nach Lindi unmöglich ge-worden sind durch die englische Seeblockade, und bei Landtransporten die Träger beim Transport und der Rückkehr vom Zielort mehr Lebensmittel selbst ver-brauchen würden als sie überhaupt tragen können, noch verschärft: Die Hungersnot besonders im Bezirk Lindi. Das Bezirksamt Lindi schätzt die Zahl der Hunger-toten im Bezirk auf 2000.

Ein anderes Problem des Trägertransportes sind Ge-schwüre und Entzündungen bei Trägern, besonders beim Durchqueren von Sumpfgebieten. Sehr schlimm kann sich die Gesundheitslage der Träger bei plötzlich notwendigen Trägertransporten bei schnellen Frontver-schiebungen ergeben wie das in der zweiten Kriegshälf-te durch den Vormarsch der Feindkräfte in Deutsch Ostafrika zeitweise der Fall ist. Bei diesen Operationen des Bewegungskrieges müssen Träger zwangsweise aus-gehoben werden und durch ihre Überforderung kommt es zu hohen Todesraten unter ihnen, nicht anders wie bei den Trägern der Gegnermächte Deutschlands auf dem Kriegsschauplatz Ostafrika.     

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Die Lage bei Kriegsbeginn

Im Vertrauen auf die Kongoakte von 1885, daß im Falle eines Krieges in Europa die Kolonien in Zentral- und Ostafrika neutral bleiben würden, schickt das Reichs-kolonialamt am 2. August 1914 eine Nachricht nach Ost-afrika: »Beruhigt Ansiedler, Schutzgebiete außer Kriegs-gefahr.«

An ein Übergreifen eines Krieges in Europa auf die Kolo-nien in Afrika denkt niemand, außer den Vertretern der Schiffahrtslinien, die ihre eigenen schnellen Nachrich-tenverbindungen über die Ereignisse in Europa haben, und dem Kommandanten der Königsberg als ältestem Offizier der Ostafrikanischen Station, der unmittelbar vom Admiralstab informiert wird.

Seit Ende Juli 1914 wird die Seekabelverbindung nach Deutsch Ostafrika, die sich in britischen Händen befin-det, systematisch gestört und die Nachrichten aus Euro-pa über das Kabel gefiltert und verstümmelt, um die politische Führung in Daressalam im Unklaren über die politischen Verhältnisse in Europa zu lassen. Die tech-nisch noch unsichere Funkverbindung von Nauen bei Berlin über Kamina in Togo und Windhuk in Südwest nach Daressalam kann nur ungenügenden Ersatz für die normalerweise klare und schnelle Nachrichtenverbin-dung über das Seekabel liefern. So beginnt die Regie-rung vorsichtshalber Akten, Dokumente und Geldbe-stände ins Inland nach Morogoro und Tabora zu ver-lagern, um sie bei einem britischen Handstreich auf Daressalam aus dem nahen Sansibar in Sicherheit zu haben, während die Regierung in Daressalam verbleibt.

Auch in Ostafrika hat sich England auf einen Angriffs-krieg gegen Deutschland vorbereitet und suchte syste-matisch mit militärischen Agenten, getarnt als Jäger auf Expedition in der deutschen Kolonie, das Land für die militärische Eroberung zu erforschen. Selbst der Ver-treter Englands in Daressalam, Konsul Norman King, ist an der Spionagetätigkeit beteiligt und sucht aus den Of-fizieren der deutschen Marine und Schutztruppe durch ostentativ freundschaftliche Beziehungen zu ihnen mili-tärische Informationen aus ihnen herauszubekommen.

Sofort nach seiner Abfahrt aus Daressalam im August begibt sich Konsul King zum Hauptquartier der British East Africa Expeditionary Force in Simla in Indien. Noch im August 1914 erscheint in Indien bereits das für die Verwendung bei den britischen Truppen von ihm geschriebene Werk Field Notes on German East Africa, General Staff India, mit genauen Angaben über die deutschen Truppen in Ostafrika, ihre Bewaffnung und sonstige militärisch wichtige Angaben für die Inva-sion der deutschen Kolonie.

So erscheint bereits am 31. Juli das in Kapstadt statio-nierte britische Geschwader in kriegsmäßig abgeblen-deten Lichtern vor Daressalam und sucht seit dem 1. August – noch mitten im Frieden – innerhalb der deut-schen Hoheitsgewässer, ohne deutsche Genehmigung dazu, nach deutschen Kriegsschiffen, insbesondere nach der Königsberg, die aber zu dieser Zeit im nörd-lichen Indischen Ozean steht.

Der Kommandeur der Schutztruppe ist auf einer Inspek-tionsreise im Landesinneren als er die Nachricht über die Kriegsgefahr in Europa erhält. Lettow-Vorbeck:

»In Kilossa gelang es, einen Güterzug zu erreichen und so traf ich am 3. August in Daressalam ein. Hier herrsch-te rege Tätigkeit. Die Kriegserklärung [vom 1. August von Deutschland an Rußland, da Rußland mobil gemacht hatte gegen Deutschland] war mitten in die Vorberei-tung zu einer großen Ausstellung hineingetroffen, zu deren Programm auch die feierliche Eröffnung der Tan-ganjikabahn gehören sollte. Zahlreiche Deutsche waren zum Besuch in Daressalam eingetroffen und konnten nicht wieder abreisen. – In unserem Deutsch-Ostafrika war bei Kriegsbeginn in der weißen Bevölkerung wenig Begeisterung und Kriegsstimmung zu spüren.«

Die deutsche Bevölkerung der Kolonie vergrößert sich bei Kriegsbeginn und nach Kriegsbeginn sogar noch. Bei Kriegsbeginn kommen zur deutschen Friedensbevölke-rung noch die bereits eingetroffenen Gäste der II. Lan-desausstellung, Besucher der Kolonie wie Wissen-schaftler, Geschäftsreisende, Jagdurlauber und so weiter und die Besatzungen der deutschen Kriegs- und Han-delsschiffe in den Häfen Deutsch Ostafrikas hinzu. Die Königsberg übernimmt bei ihrer Kriegsfahrt im Au-gust/September 1914 im Indischen Ozean vom deut-schen Passagierschiff Zieten noch den größten Teil der auf dem Heimweg nach Deutschland befindlichen etwa 100 Mann starken abgelösten Besatzung des im Pazifik stationierten Vermessungsschiffes Planet. Die verblie-benen Planet-Besatzungsmitglieder und die Wehr-pflichtigen der Zieten kommen später von dem nach Portugiesisch Ostafrika in Sicherheit gefahrenen Passa-gierschiffes nach Deutsch Ostafrika nach. Auch Reser-visten des Dampfers Khalif des Norddeutschen Lloyd treffen aus Portugiesisch Ostafrika ein und in den Mo-naten nach Kriegsausbruch treffen noch aus anderen Nachbarkolonien Deutsche ein, wie die Reservisten aus Portugiesisch Ostafrika und einige denen die Flucht aus den südafrikanischen Kolonien der Briten gelingt. Auch die 31 Mann der Besatzung des im April 1915 aus Deutschland eintreffenden Versorgungsschiffes Rubens bleiben in der Kolonie und fünf Besatzungsmitglieder des im März 1916 eintreffenden Versorgungsschiffes Marie. Die Marie fährt mit der unbedingt nötigen Be-satzung weiter nach Holländisch Indien. Zu der deut-schen Bevölkerung des Schutzgebietes von etwa vierein-halbtausend Menschen kommen so noch etwa tausend hinzu.

Als am 5. August 1914 der Gouverneur Heinrich Schnee für Deutsch Ostafrika aufgrund der in Daressalam von der deutschen Großfunkstation Kamina in Togo aufge-fangenen Nachricht der englischen Kriegserklärung an Deutschland den Kriegszustand für die Kolonie erklärt, bleibt die Verwaltung vollständig in ziviler Hand und die erfahrenen Bezirksamtmänner führen mit ihren weißen Beamten und schwarzen Unterbeamten weiterhin die Kolonie. Das Schutzgebiet ist aber gänzlich auf die typi-sche außenwirtschaftlich gerichtete Struktur einer Ko-lonie aufgebaut. Die Verkehrswege führen zu den Häfen Tanga und Daressalam zum Export der Landesgüter und umgekehrt zum Import von Gütern zu den Hafenstädten und den exportierenden Gebieten im Schutzgebiet. Ein das Land selbst erschließendes und verbindendes Ver-kehrsnetz gibt es nicht und somit auch keine Binnen-wirtschaft. Niemand hatte je daran gedacht das riesige Land zu einem wirtschaftlich selbständig lebensfähigen Staatswesen auszubauen. Es gilt das rein kolonialistische Wirtschaftsprinzip der bestmöglichen Nutzung der Ko-lonie als Teil der deutschen Volkswirtschaft.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges ist durch die Seeherrschaft der britischen Flotte Deutsch Ostafrika sofort von seinen Seeverbindungen abgeschnitten und folglich ist seine Wirtschaftsstruktur von einem zum anderen Tag hinfällig. Die Aufgabe der kolonialen Wirt-schaft, zu exportieren, ist unmöglich geworden, und die Einfuhr aller in der Kolonie gebrauchten Güter ist nun auch unmöglich. Aber statt des wirtschaftlichen Zusam-menbruchs der Kolonie führt der Krieg die Wirtschaft durch die fähige politische Führung in Deutsch Ost-afrika schnell zur totalen Eigenversorgung und schafft auch noch die zusätzliche Aufgabe der Versorgung des plötzlich auftretenden Großverbrauchers Armee mit Lebensmitteln und Militärausrüstung. Eine phantasti-sche Leistung von Führung und Wirtschaft in der Kolo-nie, die vor dem Krieg niemand für möglich gehalten hätte. Deutsche Tugenden und Fähigkeiten machen das scheinbar Unmögliche möglich.

Eine große Starthilfe für das ›Unternehmen Selbstver-sorgung‹ sind die für die II. Landesausstellung – die Mitte August eröffnet werden sollte – eingeführten Vorräte. Am 31. Juli und am 2. August treffen noch die großen Dampfer Tabora und Feldmarschall der Deut-schen Ost-Afrika-Linie in Daressalam ein mit vielen Vor-räten und Material für die Landesausstellung. So ist eine wichtige Grundlage für das Übergehen von der Ein- und Ausfuhrwirtschaft auf die Binnenwirtschaft gegeben.

Einen Wirtschaftsverkehr mit den angrenzenden Kolo-nien gibt es fast nicht und so entsteht durch den Kriegs-ausbruch und dem Ende des Grenzverkehrs mit den meisten angrenzenden Kolonien keine wirtschaftliche Benachteiligung. Der Umbau der Wirtschaft sieht die sofort notwendige Herstellung der Eigenversorgung mit Lebensmitteln, welche durch das schnelle Wachstum von Pflanzen in den Tropen gestützt wird, und die eben-so schnelle Herstellung von Straßen, die das Land im Inneren miteinander verbinden, um die nun im Lande hergestellten Güter auch im Lande verteilen zu können. Beides gelingt.

Für die schnelle Herstellung der landwirtschaftlichen Eigenversorgung kann auf die riesigen Plantagen für Exportprodukte wie Sisal, Baumwolle, Kaffee und Kapok zurückgegriffen werden, die nun sofort auf ihren Flä-chen Nahrungsmittel anbauen und auch die schwarze Bevölkerung wird aufgefordert verstärkt Lebensmittel anzubauen.

Von Nachteil scheint dabei zu sein, daß gerade die wich-tigsten deutschen Siedlungs- und Anbaugebiete weit im Norden in den Bergregionen von Meru, Kilimandscha-ro, Pare und Usambara liegen, nahe der Grenze zum Hauptgegner Britisch Ostafrika. Die deutschen Truppen werden dort aber schnell offensiv und die Kampfzone liegt weitgehend in der Steppe des südlichen Kenia, sodaß die wichtigen Wirtschaftsgebiete im Norden des deutschen Ostafrika vorläufig geschützt sind.   

Verkehrstechnisch ist die Kolonie auf die Häfen am Indischen Ozean ausgerichtet, von denen die Straßen und Bahnen nach Osten ins Landesinnere abgehen. Im Norden von der Hafenstadt Tanga die Usambarabahn nach Moschi und von Daressalam die Mittellandbahn durch die ganze Mitte der Kolonie bis nach Kigoma am Tanganjikasee. Die Hauptverkehrwege laufen also von Ost nach West, ohne Verbindungen zwischen ihnen, bis auf den Seeweg die Meeresküste entlang und auf dem Tanganjikasee. Der Küstenseeverkehr kommt durch die englische Seeblockade der Kolonie zum Erliegen, wäh-rend der Verkehr auf dem Tanganjikasee durch die deutsche Herrschaft auf dem See, durch Militär- und Lebensmitteltransporte vermehrt, auf deutscher Seite ungestört weiterläuft. Für die binnenwirtschaftliche Eigenversorgung ist das Verkehrswesen der Kolonie aber nicht eingerichtet. Eine die verschiedenen Gebiete Deutsch Ostafrikas verbindende Infrastruktur gibt es nicht. Um aber insbesondere die Lebensmittel herstel-lenden Bezirke mit den anderen Bezirken des Landes verkehrstechnisch zu verbinden müssen hauptsächlich Nord-Süd-verlaufende Straßen gebaut werden. Da sowie-so schon große Zahlen an Arbeitskräften im Bahn- und Wegebau eingesetzt sind, können sofort nach Kriegsbe-ginn mit hunderttausenden von schwarzen Arbeitskräf-ten diese Straßen – die Etappenstraßen – gebaut und auf den Köpfen der weitgehend selben hunderttausenden wird der nun entstehende innere Wirtschaftsverkehr der ostafrikanischen Kolonie abgewickelt, der haupt-sächlich aus Lebensmitteltransporten besteht. Durch diese Straßen bekommen die beiden Bahnlinien durch die Schnittpunkte der neuen Straßen mit der Bahn auch einen höheren Wirkungsgrad. Die erste Etappenstraße ist die von Mombo an der Usambarabahn nach Moro-goro an der Mittellandbahn. Für diese Strecke brauchen Träger auf der neuen Straße zwölf Tagesmärsche.

Die neuen Verkehrswege müssen sowohl den militäri-schen Anforderungen als auch den wirtschaftlichen Anforderungen genügen und sind vollkommen auf den Transport mit Trägerkolonnen ausgelegt. Motorfahr-zeuge sind in der Kolonie im August 1914 nur sehr we-nige vorhanden und es könnte auch weder genügend Treibstoff aus Pflanzenmaterial hergestellt werden noch ist eine Industrie für die Herstellung von Fahrzeug-ersatzteilen im großen Rahmen möglich.

Die Bahnlinien können weiter betrieben werden, die Lokomotiven werden sowieso mit Holz aus dem Lande befeuert, aber für einen Ausbau des Eisenbahnnetzes können nun keine Schienen und kein rollendes Mate-rial mehr aus Deutschland herangebracht werden. Im-merhin kann mit dem in der Kolonie bereits vorhan-denem Material, und der Abgabe von Schienen aus der Mittellandbahn, etwa von Nebengleisen, von Tabora aus doch noch ein vierzig Kilometer langes Stück in Rich-tung Norden gebaut werden, wodurch der Transportweg in den Bezirk Muansa am Viktoriasee um zwei Tages-märsche für die Träger verkürzt wird.

Durch die Beschlagnahme von Schmalspurbahnen von den Pflanzungen kann eine einige Dutzend Kilometer lange Kleinbahnstrecke für die militärische und wirt-schaftliche Nutzung von der Usambarabahn ab Mombo in Richtung Mittellandbahn gebaut werden. Die Bahn kann zwar nicht mit Dampfmaschinen betrieben wer-den, aber auch der Handbetrieb erspart drei Marschtage auf der Strecke, sodaß sich die Marschtage von zwölf auf neun auf der Strecke Mombo-Morogoro verringern.

Die Verwendung von Zug- und Reittieren bleibt durch die weite Verbreitung der Tsetse-Fliege auch weiterhin weitgehend ausgeschlossen. Nur in wenigen Gegenden können deshalb einige Esel für Transportzwecke ein-gesetzt werden oder in den Tsetse-freien Hochlagen im Norden burische Treckwagen, die von Ochsen gezogen werden, wie sie auch in Südwestafrika benutzt werden. Die Haupttransportlast auf den neuen Verkehrswegen durch die Kolonie muß also von Trägerkolonnen bewäl-tigt werden, für die im Abstand eines Tagesmarsches auf den neuen Straßen Rastlager eingerichtet werden.

Der Oberkommandierende der deutschen Truppen in Ostafrika, Paul von Lettow-Vorbeck, über die Verkehrs-lage am Kilimandscharo, wo die einzigen Kraftfahrzeuge der Kolonie eingesetzt werden:

»Der für den Verkehr von Ochsenwagen und Automo-bilen so wichtige Wegebau zwang zur Anlage fester Brücken. Ingenieur Rentel, zur Truppe eingezogen, baute über den reißenden Kikasustrom aus Steinen und Beton eine mächtige Bogenbrücke auf gewaltigen Pfei-lern. Den Wassermassen, die vom Kilimandscharo in der Regenzeit in das 20 m tiefe, steile Bett herabstürzten, hatte bisher keine Holzbrücke standgehalten.«

Über den Brückenbau und weitere durch den Krieg er-zwungene Fortschritte in der wirtschaftlichen Entwick-lung Deutsch Ostafrikas schreibt Lettow:

»Diese Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, wie be-fruchtend der Krieg und seine Forderungen auf das ge-samte Wirtschaftsleben eingewirkt haben.«

Die deutsche Truppe in Ostafrika verfügt über wenige PKW und LKW. Lettow-Vorbeck: »Für den Verkehr von Neu Moschi nach Taveta [deutschbesetzter Ort in Briti-sch Ostafrika] leistete ein Auto soviel wie 600 Träger, die außerdem selbst Verpflegung beanspruchten.« Motor-fahrzeuge sind zudem resistent gegen Tropenkrankhei-ten und Mücken. Nur leider kann die Kolonie eben fast keine Motorfahrzeuge nutzen. Die Briten hingegen set-zen sie in Ostafrika in großer Zahl ein. Sie stammen hauptsächlich von Ford aus den USA.

Eine weitere Schwierigkeit bei der Umstellung der Wirt-schaft ergibt sich aus den für die neue Lage fehlenden schnellen militärischen und wirtschaftlichen Nachrich-tenverbindungen. Die Post- und Telegraphenverwaltung stellt Telegraphenbau-Kolonnen auf, die mit allen mög-lichen Behelfsmitteln Telefonleitungen durch die Kolo-nie legen. Als Leitungsmaterial wird hauptsächlich Stacheldraht von den Pflanzungen verwendet, der zum Schutz vor Raubtieren benutzt worden war. Später wer-den die stählernen Trossen von Schiffen auseinander-gezwirbelt und zu Telefondraht.

Viel Telefonmaterial kann von den Gegnern erbeutet werden. So im November 1914 beim Überfall zweier deutscher Schiffe auf dem Tanganjikasee auf das im britischen Protektorat Nordrhodesien gelegene Kasa-kalawe, wo viel Telegraphenmaterial für die im Bau gewesene britische Telegraphenlinie Kap-Kairo lagerte. Das Versorgungsschiff Marie bringt im März 1916 500 Kilometer isoliertes Telefonkabel mit und viele Telefon-apparate und sonstiges Material für den Telefonverkehr. Als Isolatoren auf den Telegraphenstangen dienen Fla-schenhälse, von denen genügend im Schutzgebiet vor-handen sind. Alle in den Städten entbehrlichen Telefon-apparate werden eingezogen und vom Gegner erbeutete Telefone für den deutschen Bedarf umgerüstet. So wer-den im Krieg über 12.000 Kilometer Telefonleitungen in der Kolonie gelegt. Alle im Frieden noch nicht an das Telegraphen- und Telefonnetz angeschlossene Gebiete der Kolonie werden nun im Krieg an das Netz ange-schlossen. Die Leitungen müssen so hoch über dem Bo-den verlegt werden, daß Giraffen die Kabel nicht umrei-ßen können.

Jeder Truppenteil und viele, die im behördlich Auftrag im Lande unterwegs sind wie Verpflegungsaufkäufer, haben Telefonapparate bei sich und können sich damit jederzeit an ein Kabel anschließen, sofern eines in der Nähe befindlich ist. Trotz Verbotes klinkt sich natürlich jeder so oft wie möglich unter Vorwänden in das Netz ein, um neueste Nachrichten zu erfahren, weshalb es oft zu Störungen wegen Überlastung des Netzes kommt. So sammeln sich die Deutschen in der Umgebung von ab-gelegenen Posten mit Telefon- oder Telegraphenan-schluß oft täglich, um sich die dort aufgeschriebenen Meldungen vorlesen zu lassen, auch wenn die meisten dieser Telefonate und Telegraphenmeldungen sie ei-gentlich nichts angehen. Aber man will doch verständ-licherweise darüber informiert sein, was in der Kolonie vorgeht.

Viele nicht an das Telefon- und Telegraphennetz ange-schlossene Missionen, Plantagen und Ortschaften hal-ten über Heliograph Verbindung zur nächsten Telefon/Telegraphenstation. Der Heliograph war bis zur Einfüh-rung der Funkgeräte das Hauptnachrichtenmittel bei der Schutztruppe gewesen. Die Verwaltung übernahm dann viele der von der Schutztruppe ausgebildeten Signalmänner in ihre Dienste für den Nachrichtenver-kehr mit Heliographen. Bei der Verläßlichkeit des täg-lichen Sonnenscheins in der Kolonie ist der Heliograph ein sicheres Nachrichtenmittel. Bei sorgfältiger und ge-schickter Bedienung der Apparate ist eine Signalüber-mittlung von 150 Worten in der Minute auf Entfer-nungen bis zu 150 Kilometern bei klarem Wetter mög-lich. Bei Nacht kann man mit Acethylen-Licht bis zu 60 Kilometer weit morsen.

Die von all diesen Nachrichtenmitteln ausgeschlosse-nen Posten und Orte erhalten täglich durch Boten die für sie wichtigen Meldungen zugeschickt. Die im Frie-den bewährte Botenpost wird selbstverständlich im Krieg weitergeführt. Selbst auf dem Marsch im Busch in entlegenen Gegenden befindliche Weiße werden von den schwarzen Boten aufgestöbert.

Die beiden Zeitungen der Kolonie in Tanga und Dares-salam erscheinen weiterhin, solange es der Papiervorrat und die Kriegslage erlaubt, bis weit ins Jahr 1916 hinein.

Der Umbau der Wirtschaft und des Verkehrswesens bis zum reibungslosen Ablauf dauert natürlich einige Mo-nate. Je mehr sich aber die neuen Verhältnisse einspie-len, desto besser werden von Monat zu Monat die Ergeb-nisse. Ein Beispiel dafür ist das Trägerwesen auf den neu erbauten Etappenstraßen zur Versorgung der Fronttrup-pen mit Nachschub und, wenn notwendig, der Versor-gung der Bevölkerung mit Lebensmitteln in Gegenden, in denen durch mangelnden Regen die Ernte nicht aus-reicht. Unmittelbar nach der Fertigstellung der ersten Etappenstraßen, und von Vorratslagern der Schutztrup-pe an den Straßen, sind auch die Karawanen der Träger auf ihnen unterwegs. Jede Karawane besteht aus mehre-ren hundert Trägern, die nach Ankunft am Vorratslager ihre Last empfangen und losmarschieren. Nach acht bis zehn Stunden Marsch wird mitten in der Wildnis gela-gert, gekocht und geschlafen. Am nächsten Morgen geht der Marsch weiter, bis nach einigen Tagen das Ziel erreicht ist.

In den Nachtlagern im Busch wird bei Regen und Kälte übernachtet und mit den allgemeinen Strapazen des Lastentragens ergeben sich hohe Krankenzahlen der Träger. Als das Problem erkannt wird, geht man sofort daran feste Nachtlager im Abstand von einem Tages-marsch einzurichten, mit Verpflegung am Nachtlager, und mit ärztlicher Betreuung der Träger auf dem Marsch.

Die Etappenstraßen werden überall in der Kolonie aus-gebaut zu großzügig angelegten Straßen für die vielen zehntausenden von Trägern, die im festen Arbeitsver-hältnis mit der Regierung stehen, für den Transport von riesigen Mengen an Vorräten durch die Kolonie. Außer-dem wird der Trägerdienst umgestellt vom tagelangen Marsch, und somit auch tagelanger Marschentfernung von den Wohnorten der Träger, zu je einem Tages-marsch, an dem die Träger von einer dort beheimateten Trägerkolonne abgelöst werden, und so können er-krankte Träger auch leichter abgelöst werden. Natürlich dauert es einige Zeit, bis in der ganzen Kolonie dieses Transportsystem voll ausgebaut ist.

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Einleitung

Wie alle deutsche Kolonien ist auch die größte deutsche Kolonie, Deutsch Ostafrika, nicht auf einen Krieg vor-bereitet. Die Verhältnisse gestatten es aber dann das Schutzgebiet lange Zeit feindfrei zu halten und durch die Umstellung der Wirtschaft eine Eigenversorgung der Kolonie zu erreichen, die bei einem siegreichen Aus-gang des Krieges für Deutschland bedeutende Auswir-kungen nicht nur auf Deutsch Ostafrika selbst, sondern auf alle deutschen Kolonien gehabt hätte.

1917, dem Jahr bis zu dem Teile Ostafrikas in deutscher Hand bleiben, ist England durch den deutschen U-Boot-krieg und dem dadurch bewirkten Zusammenbrechen seiner Versorgung über See, beinahe zur Kapitulation vor Deutschland gezwungen.

Der damalige britische Premierminister David Lloyd George sagt nach dem Krieg: »Hätten die Deutschen die Kraft ihrer Unterseeboote etwas eher auszunutzen be-gonnen, wer weiß, ob das britische Reich heute noch bestünde?«

Winston Churchill: »Darf ich es sagen? Wir sind nur eben so durchgekommen. Unser Erfolg hing an einem kleinen, dünnen, gefährdeten Faden. Nur ein wenig mehr U-Bootskrieg und der Hunger hätte uns alle zur unbedingten Über­gabe gezwungen.«

Nach dem Ende Englands wären Frankreich und Ruß-land gefallen und der Krieg siegreich für Deutschland ausgegangen. Die erstaunlichen Erfahrungen der Kriegswirtschaft in Deutsch Ostafrika hätten sofort für die friedliche Weiterentwicklung in Ostafrika, als auch in den anderen Kolonien, genutzt werden können.