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Die einheimische Bevölkerung

Die Verwaltung, die Gerichtsbarkeit und das Polizeiwe-sen bleiben auch im Krieg vollständig unter der zivilen Verwaltung des Gouvernements. Und so auch die Ver-waltung und Rechtssprechung der Eingeborenen. Im Unterschied für die Eingeborenenbevölkerung zur Frie-denszeit ist die Schutztruppe, deren eigentliche Aufgabe ja die Niederschlagung von Eingeborenenaufständen war, an die Front abgezogen und die Polizei durch Abga-be ihrer besten Einheiten an die Schutztruppe stark ver-mindert. Das eingeborene Verwaltungspersonal, die far-bigen Beamten, stellen jetzt die hauptsächliche Verwal-tung unter der durch Einziehung zur Truppe stark ver-minderten Zahl deutscher Beamter. Trotzdem kann die Kopfsteuer und die Hüttensteuer weiterhin ohne Schwierigkeiten eingezogen werden und im Kriegsjahr 1915 kann sogar ein Rekord an Steuereinnahmen ver-zeichnet werden, ohne daß die Steuern erhöht wurden. Das alles bei gleichzeitig erhöhten Anforderungen an die schwarze Bevölkerung durch die Gestellung von Trä-gern für die Kriegswirtschaft und für die Versorgung der Fronttruppen.

Eine fundamentale Änderung für die Askaris ist nun die Tatsache, daß sie jetzt auch gegen Weiße eingesetzt wer-den. Ist der Weiße an sich unantastbar, so ist er jetzt so-gar, sofern er zu den feindlichen Truppen gehört, zu er-schießen. Dies gilt für alle farbigen Truppen der krieg-führenden Mächte und untergräbt eindeutig die Stel-lung des weißen Mannes in Afrika im Krieg der Weißen gegen die Weißen.

Die Einheimische Bevölkerung nutzt nicht etwa den Krieg gegen Deutschland für einen Aufstand in der Ko-lonie. Selbst ein passiver Widerstand der schwarzen Be-völkerung würde das schnelle Ende der deutschen Herr-schaft bedeuten. Trotz des Abzuges der Truppen an die Fronten bleibt es völlig ruhig im Land. Selbst die Poli-zeitruppe wird zur Schutztruppe eingezogen und kann nun nicht mehr für die innere Sicherheit herangezogen werden. Schnell ausgehobene »Knüppel-Polizisten«, bloß mit einem Knüppel bewaffnete Polizisten, ersetzen die gut ausgebildeten und bewaffneten Polizei-Askaris. Und nicht nur die Truppen gehen an die Front und las-sen das Land ohne die übliche innere Sicherung, auch ein großer Teil der deutschen Verwaltungskräfte wird zur Truppe eingezogen und steht nun auch nicht mehr für die Aufrechterhaltung der Herrschaft im Lande zur Verfügung.  

Gleichzeitig werden durch den Krieg an die schwarze Zivilbevölkerung große Lasten für den Straßenbau und den Transport gestellt, und doch gibt es nicht einmal kleine Revolten der Eingeborenen. Die einzige Unruhe-quelle im Krieg sind die Inder, die die einheimische afri-kanische Bevölkerung übervorteilen und sie so zum Haßobjekt der Schwarzen werden und Ausschreitungen gegen die Inder vorkommen.

Noch 1910-12 erwarteten der damalige Kommandeur der Schutztruppe von Ostafrika, Oberstleutnant Freiherr Kurt von Schleinitz, und Oberstleutnant Kurt Johannes, der im Stab der Schutztruppe seinen Dienst tat – beide langjährige Truppenangehörige, die noch bei der Nie-derschlagung von Aufständen in der Kolonie dabei wa-ren – mit großer Wahrscheinlichkeit im Kriegsfall den Ausbruch umfangreicher Eingeborenenaufstände. Das zeigt, wie sehr sich seit der Amtsübernahme von Gou-verneur Albrecht von Rechenberg 1906 mit seiner den Eingeborenen freundlich gesonnenen Politik die Ein-stellung der farbigen Bevölkerung zur deutschen Herr-schaft gewandelt hat. So wird aus der Residentur Bukoba Mitte August 1914 die 7. Kompanie der Schutztruppe abgezogen, weil man die Residentur gegenüber den Eng-ländern im benachbarten britischen Uganda für militä-risch unhaltbar hält, und so ist nun die Residentur mili-tärisch völlig schutzlos. Resident Willibald von Stuemer stellt aus bewaffneten Eingeborenen an der Grenze zu Uganda und an der Küste des Viktoriasees einen Beo-bachtungs- und Nachrichtendienst auf. Mitte September besetzen dann britische Truppen den äußersten Norden der Residentur und schicken eingeborene Hilfskrieger aus Uganda weiter ins Land, um Vieh und Lebensmittel zu stehlen. Die geplünderte einheimische Bevölkerung wendet sich an die Residentur um Hilfe. Daraufhin erbit-tet Stuemer vom Gouverneur in Daressalam 400 Ge-wehre und 40.000 Patronen zur Bewaffnung von Hilfs-kriegern. Aus dem Depot der Schutztruppe in Tabora wird ihm die erbetene Bewaffnung zugeschickt und der Resident rüstet eine improvisierte einheimische Truppe damit aus, die aber auch erst einmal ausgebildet werden muß. Als Führer für diese Truppe hat er nichts anderes aufzubieten als elf Deutsche, die bei Trassierungsarbei-ten für die Ruandabahn beschäftigt sind. Die Ruanda-bahn ist im Bau und verläuft von Tabora, an der Mittel-landbahn gelegen, nach Ruanda. Ihre Strecke führt auch durch den Süden von Bukoba. Dort arbeiten die elf Män-ner beim Bahnbau und werden in der zweiten Septem-berhälfte von Stuemer für seine Einheimischentruppe eingezogen.

Mitte Oktober 1914 dringen die Briten weiter in die Resi-dentur vor und Stuemer ruft am 18. Oktober den Land-sturm auf, noch wehrfähige ältere deutsche Männer. Britische Hilfskrieger vom Stamme der Waranga aus Uganda fallen über die von den Briten besetzte Zone hinaus noch weiter in Bukoba ein und können trotz Gegenwehr der einheimischen farbigen Bewohner der Residentur 7000 Rinder abtreiben. Mitte November kommen dann Verbände der Schutztruppe nach Bukoba zurück und können die bis Anfang November noch wei-ter vorgedrungenen Briten aus der Residentur hinaus-werfen. Hätte bei der prekären Lage die einheimische Bevölkerung und die Sultane gegen die deutsche Herr-schaft gestanden, die nach dem Abzug der Schutztruppe Mitte August sachlich nicht mehr vorhanden war, wäre die Residentur sofort gefallen. Im Gegenteil wurde die einheimische Bevölkerung von deutscher Seite bewaf-fnet und kämpft freiwillig auf deutscher Seite gegen den von Norden eindringenden Feind.

So hält der deutsche Oberkommandierende in Ostafri-ka, Paul von Lettow-Vorbeck, auch die beiden Residentu-ren im äußersten Nordwesten von Deutsch Ostafrika für militärisch unhaltbar und zieht bei Kriegsbeginn die Schutztruppenverbände aus Ruanda und Urundi ab. Der deutsche Befehlshaber in Ruanda, Hauptmann Max Wintgens, sieht die Lage anders und stellt aus der afri-kanischen Polizei in Ruanda eine Truppe von 80 Mann auf, mit der er sogar zum Angriff auf Belgisch Kongo ansetzt und die Insel Idschwi im Kiwu-See besetzt. Mit den dabei erbeuteten belgischen Waffen wird ein weite-rer Verband aus 100 Mann einheimischer Soldaten aus-gerüstet. Afrikanische Hilfskrieger werden rekrutiert und im Schnellverfahren zu Soldaten ausgebildet. Auch der König von Ruanda, Yuhi V. Musinga, zieht die Uni-form der deutschen Schutztruppe an und unterstützt die Verteidigung seiner Heimat gegen die Angriffe der Bri-ten und Belgier. Er stellt auch Krieger unter das Kom-mando des deutschen Befehlshabers. Zusätzlich melden sich Afrikaner freiwillig für den Dienst als Soldaten un-ter deutschem Kommando. Mit diesem zusammenge-würfelten Verband kann lange Zeit Ruanda und Urundi gehalten werden. Im Mai 1916 muß dann aber gegen die belgisch-britische Übermacht Ruanda geräumt werden. Auf einen militärischen Widerstand in Urundi ver-zichtet daraufhin die deutsche Führung und im Juni 1916 wird auch Urundi von den Belgiern besetzt. Die belgi-schen Kolonialtruppen machen sich in diesen und den noch darüber hinaus besetzten Gebieten Plünderungen, Vergewaltigungen und einer Vielzahl anderer Verbre-chen an der Zivilbevölkerung schuldig.

Es ist offensichtlich, daß die einheimische Bevölkerung in Deutsch Ostafrika mit der deutschen Herrschaft zu-frieden ist und sie durch ihre gewaltige Arbeitsleistung im Krieg unterstützt. Die über das Maß beanspruchten deutschen Truppen, die ja ihrerseits zu 90 % aus einhei-mischen Soldaten bestehen, hätten bei der tatsächli-chen Unterlegenheit von 10 : 1 gegen die Feindtruppen nicht jahrelang Krieg führen können, ohne die freiwil-lige Unterstützung der millionenstarken schwarzen Be-völkerung in Deutsch Ostafrika. Auch melden sich wäh-rend des Krieges immer genug Freiwillige für die Schutztruppe, um die personelle Kampfkraft der deut-schen Streitkräfte zu erhalten. Es könnten aus den Frei-willigen noch mehr Truppen aufgestellt werden, aber der Mangel an Waffen verhindert eine weitere Vergrö-ßerung der Askaritruppe. Selbst die Araber, die Feinde der Deutschen in den Kämpfen Ende der 1880er Jahre um die Vorherrschaft in Ostafrika, stellen ein mehrere hundert Mann starkes Freiwilligenkorps. Militärisch sind die Araber aber untauglich und der Verband wird nach einiger Zeit wieder aufgelöst, politisch aber hat der arabische Freiwilligenverband seine Wirkung bei der schwarzen Bevölkerung, deren alten Leute sich noch an den Haß der Araber auf die Deutschen erinnern können.

Im Gegensatz zur Loyalität der Bevölkerung zur deut-schen Herrschaft brechen in den Nachbarkolonien von Deutsch Ostafrika im Krieg Unruhen und Aufstände aus, die mit militärischer Gewalt niedergeschlagen werden. So 1915 im britischen Protektorat Njassaland. Ein auf-ständischer Häuptling in Njassaland bittet den Gouver-neur von Deutsch Ostafrika um Hilfe gegen die Englän-der, aber es kann keine Hilfe geschickt werden. Meh-rere Unruhen und Aufstände brechen in Belgisch Kongo und in Portugiesisch Ostafrika aus. Auch die Mawia bit-ten um deutsche Unterstützung bei ihrem Aufstand Mit-te 1917 in Portugiesisch Ostafrika und auch ihnen kann nicht geholfen werden.

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Die Güterproduktion

Alle alltäglichen Gebrauchsartikel müssen nun in der Kolonie selbst gefertigt werden. Ohne einen industriel-len Hintergrund wie im Heimatland wird mit allen Mit-teln improvisiert, um doch brauchbare Gegenstände für die Bedürfnisse der weißen Bevölkerung herzustellen. Nur Artikel wie Uhren und Augengläser, für deren Ferti-gung Spezialisten und eine hochentwickelte Industrie notwendig sind, können mit den bescheidenen techni-schen Mitteln der Kolonie nicht hergestellt werden.

An Stoffen für die Bekleidung der schwarzen Bevölke-rung waren durch die Vorbereitung auf die Landesaus-stellung 1914 große Mengen in der Kolonie eingetroffen, werden aber gleich nach Kriegsbeginn hauptsächlich von den indischen Händlern gehortet und im Laufe der Jahre überteuert wieder verkauft. Für die Bekleidung der Europäer werden bald nach Kriegsbeginn auf An-ordnung des Gouverneurs mit im Lande gesponnenen Garn und gewebten Stoffen Versuche gemacht, die wi-der Erwarten gut ausfallen. Mit Ausnahme weniger Handspinnräder und Webstühle bei Indern gibt es in der Kolonie keine maschinelle Textilherstellung. Nur ein deutscher Laienbruder der Berliner Mission, ein Tischler, ist einigermaßen vertraut mit der Weberei und nun werden unter seiner Leitung mühselige und lang-wierige Versuche mit der Herstellung von Spinnrädern und Webstühlen unternommen. Schließlich können Spinnräder und Webstühle nach alter Art in den Hand-werkerschulen hergestellt und unter der Leitung von Regierungsbeamten in Betrieb genommen werden. Hauptsächlich Inder werden für den Betrieb der Hand-webstühle eingestellt und Schwarze, vielfach Schulkin-der, für die Spinnräder. Die schwarzen Arbeiter zeigen sich bald sehr geschickt im Bedienen der Gerätschaften. Eine Reihe staatlicher Textilherstellungsbetriebe wer-den mit den selbstgebauten Handwerksgeräten einge-richtet und produzieren Stoffe für den Bedarf der Kolo-nie.

Die Handweberei der Eingeborenen, die durch den Im-port von fertigen Stoffen fast ausgestorben war, wird wiederbelebt und bald können starke und brauchbare Stoffe gewebt werden, die auch zu Uniformen für die Truppe verarbeitet werden. Auch das Färben von Stoffen mit aus Rinden und Wurzeln gewonnenen Farbstoffen gelingt und ist besonders wichtig für das Färben der weißen Stoffe für die Militäruniformen in braun. Selbst Steppdecken mit Baumwollfüllung für Frauen und Kin-der werden in Handarbeit hergestellt. Doch Decken für die Schutztruppe können in großen Mengen nicht her-gestellt werden und der Mangel an Decken insbeson-dere in den Regenzeiten und in kalten Gebirgsregionen führt zu Erkrankungen und den Tod von Trägern.  

Die Versorgung der Bevölkerung mit Kleidung kann mit handwerklichen Methoden nicht erreicht werden und so wird die Bekleidungslage immer dürftiger. Die mit der Marie im März 1916 eingetroffenen 15.000 Askari-uniformen, Europäerbekleidung und Stoffe sind trotz ih-rer Menge für den Bedarf der Kolonie nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Verlust von Gebieten der Kolo-nie seit März 1916 an die Gegner, wodurch auch textil-herstellende Betriebe verloren gehen, wirkt sich eben-falls ungünstig auf die Bekleidungslage aus.

Die unter Leitung eines Ingenieurs der Firma Krupp stehende Herstellung mechanischer Webstühle und Spinntechniken, und die Einrichtung ebensolcher me-chanisch arbeitender Betriebe, wird durch den feindli-chen Vormarsch in die Kolonie hinein verhindert.

Die Eingeborenen müssen notgedrungen von den schö-nen leichten importierten Stoffen zu den alten Lenden-schürzen und den harten Holzstoffen aus Baumrinde zurückgreifen. Die Regierung und die Schutztruppe ver-wendet schließlich beim Knappwerden von Bargeld die noch vorhandenen Reserven an Baumwollstoffen als Bezahlung und Belohnung für Schwarze im Dienste der Kolonie. Selbst für die Truppe, die durch den Buschkrieg einen enormen Verschleiß an Uniformen hat, wird sein Frühjahr 1917 der Bekleidungszustand immer schlechter und verbrauchte Militärbekleidung muß bis zum Kriegsende im November 1918 durch Uniform-Beute vom Gegner ersetzt werden.

Beim Schuhwerk fängt man erst an sich um Ersatz zu kümmern, als Schuhe und Stiefel knapp werden. Im Frieden war das Schuhzeug aus der Heimat mitgebracht worden oder wurde bei den in der Kolonie ansässigen europäischen Handelshäusern bestellt. Genug Schuh-macher, hauptsächlich unter den Goanesen und In-dern, gibt es in der Kolonie, doch ihnen fehlt der Roh-stoff für ihr Handwerk: Leder. Häute und Gerbstoffe gibt es im Überfluß, aber vom Beginn der Herstellung von Leder bis zum fertigen Schuh vergeht ein Jahr. Haupt-sächlich der Prozeß des Gerbens ist langwierig. So wer-den Gerbereien aus dem Boden gestampft und bei der Unerfahrenheit in der Verarbeitung von Häuten zu Leder wird natürlich auch manches Lehrgeld bezahlt. So entsteht ein Mangel an Schuhen und Stiefeln selbst bei der Armee, die natürlich vorrangig beliefert wird. Bei der Ankunft der Marie im März 1916 kann für die Schutztruppe und die weiße Bevölkerung das Problem gelöst werden, denn das Schiff hat große Mengen her-vorragender Stiefel aller Größen mitgebracht.

Ein anderes Problem der Fußbekleidung wird von den deutschen Frauen der Kolonie gelöst: Strümpfe. Insbe-sondere beim Marschieren sind Strümpfe in den Stie-feln für die Truppe unerläßlich. Durch den großen Vor-rat an indischer Wolle in der Kolonie haben die Strümp-fe strickenden Mädchen und Damen keinen Mangel an Rohmaterial für ihre Werke. Da die Inder mit künstli-chen Farbstoffen gefärbte Wolle importierten, sehen die Strümpfe auch entsprechend aus und färben beim Tragen stark ab. Die gewaltigen Marschleistungen der deutschen Truppen im Buschkrieg, insbesondere im Bewegungskrieg seit 1916, wären wohl ohne die Strümp-fe nicht zu bewältigen.

Die deutschen Frauen in der Kolonie richten Komitees ein für die verschiedenen Aufgaben, die sie bewältigen können. So werden die Lazarette von ihnen eingerich-tet. Weitere Arbeitsbereiche der Komitees sind die Hinterbliebenenfürsorge, das Sammeln von allen mögli-chen Gebrauchsutensilien für die Soldaten an der Front, die sogenannten »Liebesgaben«, die Anfertigung von Khakihemden für die Truppe und eben das Stricken von Strümpfen für die Soldaten. Stricken hatten die meisten Damen längst aufgegeben und nun wird zuerst mit selbstgefertigten Holznadeln gestrickt und dann mit Stahlnadeln, die von den Eisenbahnwerkstätten gelie-fert werden. Die Damen sammeln auch bedeutende Summen etwa für die Hinterbliebenenfürsorge.

Petroleum als Leuchtmittel und Benzin für die wenigen Motorfahrzeuge der Kolonie wurde im Frieden einge-führt und so wird alles Benzin bei Kriegsbeginn für die Fahrzeuge der Schutztruppe beschlagnahmt. Mitte 1916 gelingt es in Morogoro eine Anlage in Betrieb zu neh-men, die einen Petroleum- und Benzinersatz herstellt, dessen Namen »Treböl« von der Regierung unter Mar-kenschutz gestellt wird. Um Erfindungen in der Kolonie in der Kriegszeit für die spätere Anmeldung als Patent beim Reichspatentamt in Berlin zu schützen werden vom Gouverneur eingereichte Patente durch Verord-nung unter Schutz gestellt. 

Ersatzreifen für die Kraftfahrzeuge aus Kautschuk er-weisen sich als haltbarer als die ursprünglichen Pneus. Als Leuchtmittelersatz werden in großen Mengen Ker-zen hergestellt. Bienenwachs wurde im Frieden expor-tiert und steht nun für die Kerzenherstellung zur Ver-fügung. Die Einheimischen greifen als Leuchtmittel auf Palmöl und Kokosöl zurück. Auch Seife kann mit den Rohstoffen der Kolonie in genügender Menge herge-stellt werden. Als das importierte Ätznatron für die Sei-fenfabriken der Friedenszeit in Daressalam zu Ende geht wird in mühseligen langen Märschen vom Natronsee im Bezirk Aruscha Ersatz herbeigeschafft. Die Einheimi-schen müssen allerdings wieder auf Reinigungsmittel zurückgreifen die sie vor der Einführung der Seife be-nutzten. Zahnbürsten werden aus Knochen und Borsten von Schweinen und Maultieren fabriziert. Gewaltige Mengen von Körben und Säcken aus Rindenstoffen und Gräsern werden hergestellt, hauptsächlich für die Trag-lasten der Trägerkolonnen.

Da die Mühlsteine für das Mahlen von Korn sich abnut-zen, nicht durch neue aus Europa ersetzt werden kön-nen und nur umständlich einige mit eigenen Mittel her-gestellt werden können, wird auf das üblich Stampfen des Korns im Mörser durch die schwarzen Frauen zu-rückgegriffen. Eine nicht zu umgehende zusätzliche Ar-beitsbelastung für die Frauen.  

Die Eisenbahnwerkstätten sind ein technisches Rückrat der Kolonie und die größte Werkstattanlage Deutsch Ostafrikas ist die Kriegsmarinewerft in Daressalam. Es gibt nur sehr wenig technisches Fachpersonal in der Kolonie für den Aufbau der notwendigen Industrien für die Selbstversorgung, sodaß der Einsatz von etwa 400 Mann technischem Personal der durch den Krieg in Deutsch Ostafrika festliegenden Kriegs- und Handels-schiffe in der Armee und in der Wirtschaft eine große Bedeutung zukommt. Dieses Maschinenpersonal der Schiffe bildet dann auch weitere schwarze Kräfte in ihren Fachgebieten aus.

Ein weiteres Problem ist der schwindende Bestand an Münzgeld. Die Münzgeldprägung für Ostafrika erfolgt in Deutschland und so geht durch natürlichen Verlust, und hauptsächlich durch Hortung, immer mehr Münzgeld dem Geldkreislauf verloren. Leider hat man auch ver-säumt, die noch in Deutschland lagernden Hartgeldbe-stände für Ostafrika dem Blockadebrecher Marie mitzu-geben. Um der Geldknappheit ein Ende zu machen wer-den seit Ende 1915 in der Kolonie Banknoten gedruckt, und besonders auch viele kleinwertige Banknoten, um das Münzgeld damit ersetzen zu können. Die Notenpres-se arbeitet auf Hochtouren, kommt aber mit der Nach-frage nach Geld kaum nach, und auch die Papierqualität der Banknoten nimmt nach dem Ende der Friedensbe-stände an Papier ab. Dazu drucken die Briten die Noten nach, schmuggeln sie mit Dhaus über Sansibar ins Land, um die deutsche Wirtschaft zu unterminieren, was das Vertrauen der Schwarzen in das Papiergeld schwächt und, sie wenn möglich, nur noch Münzgeld und Stoffe als Bezahlung annehmen. Der Prozeß führt zu einer Inflation an der Küste und zur Rückkehr zum Tausch-handel. Zur Sicherung des neugedruckten Papiergeldes gegen Fälschung greift man zu einer ungewöhnlichen Methode: Bei der von Daressalam nach Tabora verleg-ten Deutsch-Ostafrikanischen Bank wird jede einzelne Banknote von je zwei Bankbevollmächtigten mit Tinte unterzeichnet, bis man ein Druckverfahren findet, das fälschungssicher scheint und bei dem die Unterschrif-ten gleich mitgedruckt werden.

Ein weiteres Problem sind die Inlandstämme, die noch kaum vom Tauschhandel zum Geldverkehr gekommen sind, und selbst Silbermünzen nur ungern annehmen. Ihnen Papiergeld, das sie meist noch gar nicht kennen, von den Aufkäufern von Lebensmitteln und Vieh anzu-bieten ist schlechterdings unmöglich. Durch die Kopf- und Hüttensteuer kommt zwar viel Münzgeld in die staatlichen Kassen, aber der Münzgeldbestand an sich verringert sich durch besagte Gründe.

Um dem Problem abzuhelfen, wird seit 1916 in einer mit selbstgefertigten Maschinen ausgestatteten Münze im Gebäude der Eisenbahnwerkstatt von Tabora Hartgeld hergestellt. Aus Messing werden über 1,6 Millionen 20-Hellerstücke und etwa 300.000 5-Hellerstücke geprägt und aus dem im Lande gewonnenen Gold werden Mün-zen im Wert von 15 Rupien hergestellt. Für diese 15-Rupien-Goldmünzen fertigte ein singhalesischer Gold-arbeiter aus Sansibar, »der besonders sorgfältig arbei-tete, wenn er unter Alkohol stand«, die Stempel an. Die wohlgelungene Ziselierung der Goldmünze zeigt auf der Vorderseite den Reichsadler und auf der Rückseite ei-nen trompetenden Elefanten vor dem Kilimandscharo. Zum Prägen dient eine kleine hydraulische Handpresse. Als diese schließlich ihren Dienst versagt, wird die Prä-gung in dem 25 km entfernten Lulanguru auf einer we-sentlich stärkeren Ölpresse fortgesetzt. Im abschließen-den Arbeitsschritt polieren die Münzarbeiter die Gold-stücke mit Messingbürsten in einem aus Früchten des tropischen Seifenbaumes hergestellten Seifenwasser auf Hochglanz. Die Prägeleistung liegt bei 200 Münzen am Tag. Gold für die Prägung von einer Million Münzen ist vorhanden. Die Münzen haben den besten Ruf und werden von den Regierungskassen nur an Deutsche ver-ausgabt, damit die Inder sie nicht in die Hände bekom-men und sie sofort als goldene Reserve aus dem Ge-schäftsverkehr ziehen.

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Die Lebensmittelversorgung

Zur Friedenszeit war ein großer Teil der Lebensmittel für Weiß und Schwarz in die Kolonie eingeführt worden, während umgekehrt Nahrungsmittel aus der Kolonie ausgeführt wurden. So wurde hochwertiger Reis aus Deutsch Ostafrika nach Indien exportiert, während die-selben Schiffe Reis von minderer Güte aus Indien in die Kolonie zurückbrachten, der von den Indern an die schwarze Bevölkerung der Küste verkauft wurde. Auf jeden Fall wurden etwa 50 % mehr Lebensmittel in die Kolonie eingeführt als ausgeführt. Zu den wichtigsten für die Weißen eingeführten Lebensmitteln zählten Reis, Weizenmehl, Zucker, Salz, Milchprodukte, Gemü-se, und Fleischkonserven; die wichtigsten importierten Genußmittel waren alkoholische Getränke und Tabaks-waren.

Für die im August 1914 vorgesehene Landesausstellung mit ihren vielen Besuchern waren von den Kaufleuten besondere Mengen von Konserven in Deutschland ge-ordert worden – Konserven waren ein sehr wichtiger Lebensmittellieferant für die Weißen – die auch vor der geplanten Eröffnung der Ausstellung in der Kolonie ein-trafen und diese beiden Schiffe, die Tabora und die Feldmarschall, hatten auch noch weitere Mengen an Konserven für andere Kolonien an Bord, die aber wegen des Kriegsausbruchs nun in Deutsch Ostafrika bleiben, und so halten die Bestände an Konserven bei einem sparsamen Verbrauch bis Anfang 1916. Durch die An-kunft des Blockadebrechers Marie im März 1916 werden noch einmal bedeutende Mengen an Konserven und europäischen Genußmitteln in die Kolonie gebracht und auch aus der Beute von geschlagenen gegnerischen Truppen kommen europäische Lebens- und Genußmit-tel ins Land wie etwa von den im September 1916 in den Süden der Kolonie eingedrungenen Portugiesen, die im November unter Erbeutung vieler ihrer Vorräte, die aus englischen Lieferungen an die Portugiesen bestanden, zurückgeschlagen werden, was zudem zum ersten gro-ßen Einmarsch deutscher Truppen in Mosambik führt.

Durch den Mehranbau von Lebensmitteln in der Kolo-nie kann die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung gesichert werden. Für die Weißen werden mehr Weizen und Reis angebaut. Der Reis soll auch die importierten Kartoffeln ersetzen. Als Kartoffelersatz wird im großen Maße die wohlschmeckende Muhogo (Maniok) ange-baut. Eine anspruchslose Pflanze, die auf fast allen Bö-den schnell wächst. Nach 4-5 Monaten können 10-20 armdicke Wurzelknollen von der Pflanze abgeerntet werden. Auch Süßkartoffeln, Mtama (Hirse), Kunde, eine Bohnenart und Schirokko, eine Linsenart, werden nun auch von den Weißen gerne gegessen.

Die Banane ist ein wichtiges Nahrungsmittel und Bana-nenmehl ersetzt so weit möglich Weizenmehl als Wei-zenmehl nicht mehr zur Verfügung steht.

Früchte sind ein wichtiger Bestandteil der Europäer-verpflegung. Bananen, Mangos, Ananas und Apfelsinen sind in großen Mengen vorhanden. Im Krieg wird eine große Anzahl weiterer Früchte zur Ernährung der Wei-ßen genutzt, die ihnen bis dahin unbekannt waren oder als Eingeborenenverpflegung angesehen wurden. Früchte werden auch getrocknet, gedörrt oder zu Marmelade verarbeitet vom Land in die Städte und zur Truppe gesandt. Aus Bananen wird außerdem auch noch ein guter Essig gewonnen.

Das von den Weißen so begehrte Konservenfleisch wird im Krieg durch Frischfleisch, gesalzenes oder gedörrtes Fleisch ersetzt. Fleisch für die Truppe und die weiße Bevölkerung kann in genügenden Mengen in den vieh-reichen Gebieten der Kolonie angekauft und mit der Bahn durch die Tsetsegebiete zu den Verbrauchern geschafft werden. Die farbige Bevölkerung ißt vorwie-gend vegetarisch und ist nicht so sehr auf Fleisch ange-wiesen. Für die Träger der Schutztruppe sieht man aber, wenn möglich, auch Fleischrationen vor.

Dem Vieh- und Wildreichtum in Ostafrika steht das Problem des Transportes durch tsetseverseuchte Gebie-te zu den Konsumenten in den Städten und im Krieg auch noch zu den Fronttruppen gegenüber. Deshalb war im Frieden einfach Schlachtvieh über See antranspor-tiert worden. Jetzt, im Krieg, können die Truppen im Felde durch Wild wie Elefant, Nilpferd und Giraffe ver-sorgt werden, für die Stadtbevölkerung wird dagegen auf die auch für die Tropen gesündere vegetarische Er-nährung übergegangen. Auch die einheimische Bevöl-kerung lebt ja überwiegend vegetarisch. Selbst die vieh-züchtenden Stämme nutzen hauptsächlich die Milch ih-rer Tiere und schlachten sie nicht.

Die vermehrte Gewinnung von Salz, Zucker und Ölen wird von der Regierung eingeleitet und ihre Heran-schaffung in die Städte, in die Militärmagazine für die Verpflegung der Truppe, und in die Verpflegungsmaga-zine für die weiße Bevölkerung, veranlaßt. Außerdem werden Aufkaufposten für Lebensmittel von den Einhei-mischen von der Regierung eingerichtet. Durch all diese Maßnahmen braucht keine Rationierung von Lebens-mitteln eingeführt werden.

Mit dem Ende der Versorgung mit Milchprodukten aus der Dose sind Butter, Milch und Käse nur noch in Gebieten mit Viehwirtschaft erhältlich. Erfolgreich sind dann aber die Versuche für deutsche Kranke, Frauen und Kinder in Tsetsegebieten tsetsesichere Viehställe mit Stallfütterung zu bauen, um die Versorgung mit Milch wenigstens der Kranken und kleinen Kinder zu gewährleisten. Nach dem Aufbrauch der Milchkonser-ven ist Milch so auch in den Tsetsegebieten weiterhin ausreichend vorhanden und die Versorgung mit Milch für Kranke, Frauen und Kinder gesichert.

Die Verschickung von Butter in verlöteten Blechdosen von Farmen und Meie-reien an Frauen, Kinder und Lazarette in vieharme Ge-biete muß mit dem Ende der Blechvorräte eingestellt werden.

Mit dem kriegsbedingten Ende der Butterlieferungen aus Europa und Indien beginnen einheimische Vieh-züchter ihre Art von Butter – Samli genannt – für das Einfetten von Körper und Kleider als Ersatzbutter an die Weißen zu verkaufen. Diese von den Eingeborenen her-gestellte haltbare Butter wird nun auch von den Weißen verwendet und bald übernehmen indische Händler den Zwischenhandel für Samli.

Als Speisefett wird auch bald hervorragendes Sesamöl gewonnen, da die Sesampflanze schon 4-5 Monate nach der Aussaat erntereif ist. Aus Erdnüssen, Kokospalmen, Ölpalmen und anderen Pflanzen wird ebenfalls bald Speiseöl gewonnen. An tierischen Fetten wird schließ-lich das Fett von Flußpferden und das als besonders gut geltende Fett von Elefanten gewonnen.

Salz und Zucker wurden zur Friedenszeit weitgehend importiert. Der Salzbedarf kann aus der Saline Gottorp im Inneren der Kolonie und aus der verstärkt genutzten Gewinnung aus Salzpfannen an der Küste gedeckt wer-den. Zucker ist schwieriger in der Herstellung. Aus ih-ren großen Zuckerrohrpflanzungen stellten die Araber unreinen Melassezucker und Zuckersyrup für die schwarze Bevölkerung her. Nach Kriegsbeginn werden alle einheimischen Ressourcen genutzt. Der bisher nur für den Verbrauch der einheimischen Bevölkerung an-gebaute Zuckerrohr, der manchmal in der Qualität als brauner Zucker, oft aber nur als schwarzer klebriger Block angeboten, wird durch den Bau zweier Zentrifu-gen – eine am Pangani und eine am Rufiji – nun raffiniert und aus dem Rohzucker wird für Europäer genießbarer brauner Zucker. Dazu wird als Ersatz für weißen Zucker auch Honig von wilden Bienenschwärmen verwendet.

Auch die Truppe im Felde gewinnt nun, wie die schwar-ze Landbevölkerung, den Honig wilder Bienenschwär-me. Die Schwarzen hängen für die Honiggewinnung im ganzen Land hohle Baumstämme in die Bäume als Nist-gelegenheit für die Bienen und auch die selbst ange-legten Nester der wilden Bienen sind leicht zu finden, denn der spatzengroße Honiganzeiger gibt der Truppe auf Safari den Hinweis auf das nächste Nest. Mit der Plünderung des Nestes bekommt auch der Honiganzei-ger seine Beute: Die Bienenbrut.

Doch trotz der langen Erhaltung weißer Eßgewohnhei-ten durch Lagerbestände, Beute und einem Versor-gungsschiff gibt es aber schließlich kaum noch einen Unterschied in der Verpflegung von Weiß und Schwarz im Schutzgebiet. Die etwa 6000 Weißen in der Kolonie müssen nach Aufbrauch der für sie importierten Le-bensmittel ihre Eßgewohnheiten umstellen auf einhei-mische Küche, sofern nicht noch im Lande angebauter Reis und Weizen zur Verfügung steht, und man beginnt selbst Gemüse anzupflanzen als solches aus Europa aus der Dose zu essen. Gemüse wurde zu Friedenszeiten als Konserven importiert und nur in geringen Mengen selbst gezogen, da von den meisten Gemüsearten in den Tropen eine Saatzüchtung nicht möglich ist. Schon im Frieden waren die Missionsstationen mit ihren Gärten Hauptlieferanten für frisches Gemüse. Die Vielfalt afri-kanischer Sorten wird dabei von den Missionen berück-sichtigt und gepflanzt. Das im März 1916 eintreffende Versorgungsschiff Marie hat dann die aus der Heimat erbetene Gemüsesaat dabei und Gemüse kann wieder in größeren Mengen angebaut werden. Viele dieser Säme-reien europäischer Gemüse sind allerdings auf dem Transport unbrauchbar geworden, und auch die Vertei-lung von den noch brauchbaren Samen an die Missio-nen und Pflanzungen braucht seine Zeit.

Kaffee ist aus den Kaffeepflanzungen in Usambara und am Kilimandscharo reichlich vorhanden und vom wenig angebauten Kakao kann immerhin Schokolade für die Weißen hergestellt werden. Die Versorgung mit Kaffee und Kakao ist über die eigentlich für den Export gedach-ten Plantagen im Norden der Kolonie mehr als gedeckt. Dazu stellt die landwirtschaftliche Versuchsstation Amani aus entölten Kakaobohnen, Zucker und Erdnußöl eine sehr gute Schokolade her, die besonders von der Truppe als Patrouillenverpflegung geschätzt wird.

Im landwirtschaftlichen Institut Mpapua, für die Be-kämpfung von Viehkrankheiten eingerichtet, werden im Krieg unter anderem auch Medikamente hergestellt.

Mit dem Verlust von Anbaugebieten von Reis und Wei-zen seit dem Frühjahr 1916 durch die feindlichen Offen-siven wird die Umstellung auf einheimische Nahrungs-mittel unumgänglich und man entdeckt vorher nur den Schwarzen bekannte Nahrungsmittel ausgezeichneter Qualität und stellt aus einheimischen Pflanzen Mehl für das alltägliche Brot her. Die schwarzen Köche der Trup-pe und der Weißen können nun ungehindert von deut-schen Eßgewohnheiten auf die Vielzahl einheimischer Früchte zurückgreifen. Trotzdem verschlechtert sich seit 1916 durch den Verlust von landwirtschaftlichen Anbaugebieten in einigen Gegenden der Kolonie die Ernährungslage. Die Ankunft der Marie im März 1916 mit ihren Nachschubgütern entlastet die Lage ganz ein-deutig. Zum Abtransport der 50.000 Trägerlasten von der Marie werden von ihrem Ankerplatz in der Sudi-Bucht im Süden der Kolonie nach Daressalam und zu einem Lager auf dem Noto-Plateau im Landesinneren Etappenstraßen mit allen Einrichtungen wie den Nacht-lagern für die Träger gebaut.

Der schon vor dem Krieg unbedeutenden Fischerei wird erst im Krieg und sehr spät Beachtung geschenkt. Schließlich werden an den kleinen Binnenseen für die Versorgung von Schwarz und Weiß Fischfangkomman-dos eingerichtet, die den gefangenen Fisch auch trok-knen und so transportfähig machen für den Verbrauch bei der Truppe.

Der Unterschied in den Eßgewohnheiten zwischen den Weißen und den Schwarzen verschwindet im Laufe des Krieges immer mehr. Schließlich unterscheidet nur noch die Art des Verzehrens die Rassen. Wenn aber bei der Truppe im Feld ein Weißer im Kampfgeschehen sein Eßbesteck verloren hat, sind die Eßgewohnheiten zwischen Weiß und Schwarz vollends gleich. 

Aus Sicht der Deutschen ist ihr Hauptproblem nach der Lebensmittelversorgung Tabak und Alkohol. Beides ist bei Kriegsbeginn reichlich in der Kolonie vorhanden und wird, da man nicht mit einer langen Dauer des Krieges rechnet, ausgiebig verbraucht. Als das Versor-gungsschiff Marie im März 1916 in der Kolonie eintrifft, und noch einmal einen kleinen Vorrat an Alkohol und Tabak mitbringt, sind die Vorräte an beidem an Vor-kriegsware in der Kolonie für die 4000 Männer der wei-ßen Bewohnerschaft nahezu verbraucht. Bald nach Kriegsbeginn wird natürlich schon mit der zu Friedens-zeiten illegalen Herstellung von Alkohol in unzähligen privaten Brennereien, und in den Städten auch in Fabriken, begonnen. Aufgrund der besonderen Lage des Krieges, und auch wegen der Unmöglichkeit einer wirklichen Kontrolle im Krieg, sehen die Behörden über diese Selbstversorgung der Bevölkerung mit Schnaps hinweg. Die Behörden würden sich bei der Bevölkerung, ob Schwarz ob Weiß, bei einer strengen Verfolgung auch nur unbeliebt machen. Allerdings werden Schnapsbrennereien von Goanesen, oft portugiesisch-indische Mischlinge aus der portugiesischen Kolonie Goa in Indien, von Griechen und von Indern dichtge-macht, wenn ihr Fusel für die Schwarzen allzu gesund-heitsgefährdend ist.

Guten Alkohol, Wein und Spirituosen aus Friedenszei-ten können die Inder noch lange, dann aber zu astrono-mischen Preisen, an die Weißen verkaufen. Sie halten die kostbaren Flaschen in ihren Moscheen versteckt. Der Krieg trägt ohne Zweifel zu dem im Frieden schon stark verbreiteten Alkoholismus unter den Weißen bei. Doch der Alkohol an sich geht nicht aus. Aus allen mög-lichen Pflanzen wird Alkohol hergestellt in natürlich unkonzessionierten Kleinbetrieben. Die deutsche Brau-erei Schultz in Daressalam kann bis in das Jahr 1916 wei-ter produzieren, bis ihr die Hopfenvorräte ausgehen und sie auf Whisky-Herstellung umsteigt.

Unter den Kriegsverhältnissen werden nun fast alle Männer Raucher und Rauchwaren aus Europa werden beizeiten Mangelware. Für den Tabakanbau in der Kolo-nie waren im Frieden schon vielversprechende Versu-che gemacht worden und der Anbau hatte begonnen. Jetzt wird der Anbau forciert, wobei auch Lehrgeld durch unsachgemäße Bearbeitung des Tabaks gezahlt werden muß. Die Einheimischen rauchen aber auch die-se für Europäer zu starken Tabake gerne. Im Kiliman-dscharo-Gebiet wird auch ägyptischer Tabak angebaut und von Goanesen und Indern zu hervorragendem Ta-bak für Zigaretten verarbeitet. In den Städten entstehen Fabriken zur Herstellung von Zigaretten, die sowohl die Städte selbst wie auch die Armee versorgen. Pfeifenta-bak ist überall erhältlich und wird auch über die Grenze von Portugiesisch Ostafrika hereingebracht.

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Gesundheit

Da die Gesundheitsfürsorge in der Kolonie für Schwarz und Weiß ausgezeichnet ist geht dieses vorbildliche Behandlungssystem nahtlos in die Kriegszeit über. Es gibt zwar nur zwei Zahnärzte in der Kolonie, die aber zu Friedenszeiten ausreichten und nun auch in der Kriegs-zeit reichen. Die Schwarzen pflegen ihre durchweg gu-ten Zähne ausgiebig mittels eines an einem Ende zer-fasertem Holzstab.

Die deutschen Frauen in Ostafrika, in Verbänden wie dem Roten Kreuz oder dem Frauenbund organisiert, richten Komitees für verschiedenen Aufgaben ein. Dazu gehört auch die Einrichtung für die Lazarette, für die sich viele auch als Krankenschwestern melden und ohne die im Krieg die Versorgung der Verletzten und Kranken nicht zu bewerkstelligen wäre.

Das gesundheitliche Hauptproblem ist die Versorgung der weißen Bevölkerung mit Chinin, dem bewährten Mittel gegen Malaria. Große amtliche und private Vor-räte und der Kauf von Chinin über das lange noch neu-trale Portugiesisch Ostafrika strecken, mit größter Spar-samkeit am Verbrauch des wichtigen Stoffes, die Zeit bis zur Herstellung von genügend Chinin in der Kolonie selbst. Kriegsbeute an Chinin und eine wenn auch gerin-ge Menge an Bord der Marie bringen weiteres Chinin ins Land. Schon im Frieden waren Chinarindenbäume auf zwei Versuchspflanzungen gesetzt worden und brin-gen nun ausgezeichnete Ergebnisse an Chinin. In Frie-denszeiten war Chinin preisgünstig hauptsächlich aus Java importiert worden, sodaß an eine wirtschaftliche Ausbeutung der Pflanzungen nicht herangegangen wor-den war. Nun erweisen sich die eigentlich überflüssigen Chinarindenbaumpflanzungen als Glücksfall für die Ko-lonie. Dank der Chemiker und Apotheker in der Kolonie kann genug Chinin aus Chinarinde gewonnen werden für die gesundheitliche Aufrechterhaltung von Truppe und Schutzgebiet gegen die Malaria, da ansonsten auf-grund von hohen Personalausfällen durch die Krankheit die Kolonie nicht zu halten wäre.

Die Ärzte und Apotheker in der Kolonie können aus der Vielzahl an Pflanzen im Lande alle benötigten Heilmittel herstellen und auch Mundwasser, Zahnpasta und Ra-sierseife kann der Regierungsapotheker gebrauchsfer-tig bereitstellen.

Die hervorragende deutsche Seuchenbekämpfung in den Kolonien hat selbstverständlich auch seine Wohlta-ten bei Weiß und Schwarz in Deutsch Ostafrika getan. Leider werden durch die kriegsnotwendige Heranzie-hung von Trägern aus verseuchten Gebieten Tropen-krankheiten wieder in gereinigte Gebiete verschleppt. Durch scharfe Vorschriften für die Lagerplätze der Trup-pe wie niemals einen Lagerplatz ein zweites Mal benut-zen, Anlage von Latrinen weg vom Lagerplatz, zuschüt-ten der Latrinen beim Abbruch des Lagers und einer Reihe weiterer Vorschriften, wie zum Beispiel das Ver-bot in Eingeborenenhütten zu schlafen, kann die Ver-breitung von Krankheiten in der Truppe verhindert wer-den, zumal Verluste der Truppe durch Krankheiten bei einer schon vorhandenen Unterzahl von 10 : 1 gegenüber den Gegnern auf keinen Fall in Kauf genommen werden können.

Ein Problem, das schon im Süden der Kolonie durch die zu geringen Regenfälle 1913/14 Mitte 1914 aufgetreten war, wird durch die ebenfalls zu geringen Regenfälle 1914/15 im Süden durch den Krieg, der wirksame Maß-nahmen schon im Herbst 1914 behinderte, da Transpor-te über See von Daressalam nach Lindi unmöglich ge-worden sind durch die englische Seeblockade, und bei Landtransporten die Träger beim Transport und der Rückkehr vom Zielort mehr Lebensmittel selbst ver-brauchen würden als sie überhaupt tragen können, noch verschärft: Die Hungersnot besonders im Bezirk Lindi. Das Bezirksamt Lindi schätzt die Zahl der Hunger-toten im Bezirk auf 2000.

Ein anderes Problem des Trägertransportes sind Ge-schwüre und Entzündungen bei Trägern, besonders beim Durchqueren von Sumpfgebieten. Sehr schlimm kann sich die Gesundheitslage der Träger bei plötzlich notwendigen Trägertransporten bei schnellen Frontver-schiebungen ergeben wie das in der zweiten Kriegshälf-te durch den Vormarsch der Feindkräfte in Deutsch Ostafrika zeitweise der Fall ist. Bei diesen Operationen des Bewegungskrieges müssen Träger zwangsweise aus-gehoben werden und durch ihre Überforderung kommt es zu hohen Todesraten unter ihnen, nicht anders wie bei den Trägern der Gegnermächte Deutschlands auf dem Kriegsschauplatz Ostafrika.     

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Die Lage bei Kriegsbeginn

Im Vertrauen auf die Kongoakte von 1885, daß im Falle eines Krieges in Europa die Kolonien in Zentral- und Ostafrika neutral bleiben würden, schickt das Reichs-kolonialamt am 2. August 1914 eine Nachricht nach Ost-afrika: »Beruhigt Ansiedler, Schutzgebiete außer Kriegs-gefahr.«

An ein Übergreifen eines Krieges in Europa auf die Kolo-nien in Afrika denkt niemand, außer den Vertretern der Schiffahrtslinien, die ihre eigenen schnellen Nachrich-tenverbindungen über die Ereignisse in Europa haben, und dem Kommandanten der Königsberg als ältestem Offizier der Ostafrikanischen Station, der unmittelbar vom Admiralstab informiert wird.

Seit Ende Juli 1914 wird die Seekabelverbindung nach Deutsch Ostafrika, die sich in britischen Händen befin-det, systematisch gestört und die Nachrichten aus Euro-pa über das Kabel gefiltert und verstümmelt, um die politische Führung in Daressalam im Unklaren über die politischen Verhältnisse in Europa zu lassen. Die tech-nisch noch unsichere Funkverbindung von Nauen bei Berlin über Kamina in Togo und Windhuk in Südwest nach Daressalam kann nur ungenügenden Ersatz für die normalerweise klare und schnelle Nachrichtenverbin-dung über das Seekabel liefern. So beginnt die Regie-rung vorsichtshalber Akten, Dokumente und Geldbe-stände ins Inland nach Morogoro und Tabora zu ver-lagern, um sie bei einem britischen Handstreich auf Daressalam aus dem nahen Sansibar in Sicherheit zu haben, während die Regierung in Daressalam verbleibt.

Auch in Ostafrika hat sich England auf einen Angriffs-krieg gegen Deutschland vorbereitet und suchte syste-matisch mit militärischen Agenten, getarnt als Jäger auf Expedition in der deutschen Kolonie, das Land für die militärische Eroberung zu erforschen. Selbst der Ver-treter Englands in Daressalam, Konsul Norman King, ist an der Spionagetätigkeit beteiligt und sucht aus den Of-fizieren der deutschen Marine und Schutztruppe durch ostentativ freundschaftliche Beziehungen zu ihnen mili-tärische Informationen aus ihnen herauszubekommen.

Sofort nach seiner Abfahrt aus Daressalam im August begibt sich Konsul King zum Hauptquartier der British East Africa Expeditionary Force in Simla in Indien. Noch im August 1914 erscheint in Indien bereits das für die Verwendung bei den britischen Truppen von ihm geschriebene Werk Field Notes on German East Africa, General Staff India, mit genauen Angaben über die deutschen Truppen in Ostafrika, ihre Bewaffnung und sonstige militärisch wichtige Angaben für die Inva-sion der deutschen Kolonie.

So erscheint bereits am 31. Juli das in Kapstadt statio-nierte britische Geschwader in kriegsmäßig abgeblen-deten Lichtern vor Daressalam und sucht seit dem 1. August – noch mitten im Frieden – innerhalb der deut-schen Hoheitsgewässer, ohne deutsche Genehmigung dazu, nach deutschen Kriegsschiffen, insbesondere nach der Königsberg, die aber zu dieser Zeit im nörd-lichen Indischen Ozean steht.

Der Kommandeur der Schutztruppe ist auf einer Inspek-tionsreise im Landesinneren als er die Nachricht über die Kriegsgefahr in Europa erhält. Lettow-Vorbeck:

»In Kilossa gelang es, einen Güterzug zu erreichen und so traf ich am 3. August in Daressalam ein. Hier herrsch-te rege Tätigkeit. Die Kriegserklärung [vom 1. August von Deutschland an Rußland, da Rußland mobil gemacht hatte gegen Deutschland] war mitten in die Vorberei-tung zu einer großen Ausstellung hineingetroffen, zu deren Programm auch die feierliche Eröffnung der Tan-ganjikabahn gehören sollte. Zahlreiche Deutsche waren zum Besuch in Daressalam eingetroffen und konnten nicht wieder abreisen. – In unserem Deutsch-Ostafrika war bei Kriegsbeginn in der weißen Bevölkerung wenig Begeisterung und Kriegsstimmung zu spüren.«

Die deutsche Bevölkerung der Kolonie vergrößert sich bei Kriegsbeginn und nach Kriegsbeginn sogar noch. Bei Kriegsbeginn kommen zur deutschen Friedensbevölke-rung noch die bereits eingetroffenen Gäste der II. Lan-desausstellung, Besucher der Kolonie wie Wissen-schaftler, Geschäftsreisende, Jagdurlauber und so weiter und die Besatzungen der deutschen Kriegs- und Han-delsschiffe in den Häfen Deutsch Ostafrikas hinzu. Die Königsberg übernimmt bei ihrer Kriegsfahrt im Au-gust/September 1914 im Indischen Ozean vom deut-schen Passagierschiff Zieten noch den größten Teil der auf dem Heimweg nach Deutschland befindlichen etwa 100 Mann starken abgelösten Besatzung des im Pazifik stationierten Vermessungsschiffes Planet. Die verblie-benen Planet-Besatzungsmitglieder und die Wehr-pflichtigen der Zieten kommen später von dem nach Portugiesisch Ostafrika in Sicherheit gefahrenen Passa-gierschiffes nach Deutsch Ostafrika nach. Auch Reser-visten des Dampfers Khalif des Norddeutschen Lloyd treffen aus Portugiesisch Ostafrika ein und in den Mo-naten nach Kriegsausbruch treffen noch aus anderen Nachbarkolonien Deutsche ein, wie die Reservisten aus Portugiesisch Ostafrika und einige denen die Flucht aus den südafrikanischen Kolonien der Briten gelingt. Auch die 31 Mann der Besatzung des im April 1915 aus Deutschland eintreffenden Versorgungsschiffes Rubens bleiben in der Kolonie und fünf Besatzungsmitglieder des im März 1916 eintreffenden Versorgungsschiffes Marie. Die Marie fährt mit der unbedingt nötigen Be-satzung weiter nach Holländisch Indien. Zu der deut-schen Bevölkerung des Schutzgebietes von etwa vierein-halbtausend Menschen kommen so noch etwa tausend hinzu.

Als am 5. August 1914 der Gouverneur Heinrich Schnee für Deutsch Ostafrika aufgrund der in Daressalam von der deutschen Großfunkstation Kamina in Togo aufge-fangenen Nachricht der englischen Kriegserklärung an Deutschland den Kriegszustand für die Kolonie erklärt, bleibt die Verwaltung vollständig in ziviler Hand und die erfahrenen Bezirksamtmänner führen mit ihren weißen Beamten und schwarzen Unterbeamten weiterhin die Kolonie. Das Schutzgebiet ist aber gänzlich auf die typi-sche außenwirtschaftlich gerichtete Struktur einer Ko-lonie aufgebaut. Die Verkehrswege führen zu den Häfen Tanga und Daressalam zum Export der Landesgüter und umgekehrt zum Import von Gütern zu den Hafenstädten und den exportierenden Gebieten im Schutzgebiet. Ein das Land selbst erschließendes und verbindendes Ver-kehrsnetz gibt es nicht und somit auch keine Binnen-wirtschaft. Niemand hatte je daran gedacht das riesige Land zu einem wirtschaftlich selbständig lebensfähigen Staatswesen auszubauen. Es gilt das rein kolonialistische Wirtschaftsprinzip der bestmöglichen Nutzung der Ko-lonie als Teil der deutschen Volkswirtschaft.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges ist durch die Seeherrschaft der britischen Flotte Deutsch Ostafrika sofort von seinen Seeverbindungen abgeschnitten und folglich ist seine Wirtschaftsstruktur von einem zum anderen Tag hinfällig. Die Aufgabe der kolonialen Wirt-schaft, zu exportieren, ist unmöglich geworden, und die Einfuhr aller in der Kolonie gebrauchten Güter ist nun auch unmöglich. Aber statt des wirtschaftlichen Zusam-menbruchs der Kolonie führt der Krieg die Wirtschaft durch die fähige politische Führung in Deutsch Ost-afrika schnell zur totalen Eigenversorgung und schafft auch noch die zusätzliche Aufgabe der Versorgung des plötzlich auftretenden Großverbrauchers Armee mit Lebensmitteln und Militärausrüstung. Eine phantasti-sche Leistung von Führung und Wirtschaft in der Kolo-nie, die vor dem Krieg niemand für möglich gehalten hätte. Deutsche Tugenden und Fähigkeiten machen das scheinbar Unmögliche möglich.

Eine große Starthilfe für das ›Unternehmen Selbstver-sorgung‹ sind die für die II. Landesausstellung – die Mitte August eröffnet werden sollte – eingeführten Vorräte. Am 31. Juli und am 2. August treffen noch die großen Dampfer Tabora und Feldmarschall der Deut-schen Ost-Afrika-Linie in Daressalam ein mit vielen Vor-räten und Material für die Landesausstellung. So ist eine wichtige Grundlage für das Übergehen von der Ein- und Ausfuhrwirtschaft auf die Binnenwirtschaft gegeben.

Einen Wirtschaftsverkehr mit den angrenzenden Kolo-nien gibt es fast nicht und so entsteht durch den Kriegs-ausbruch und dem Ende des Grenzverkehrs mit den meisten angrenzenden Kolonien keine wirtschaftliche Benachteiligung. Der Umbau der Wirtschaft sieht die sofort notwendige Herstellung der Eigenversorgung mit Lebensmitteln, welche durch das schnelle Wachstum von Pflanzen in den Tropen gestützt wird, und die eben-so schnelle Herstellung von Straßen, die das Land im Inneren miteinander verbinden, um die nun im Lande hergestellten Güter auch im Lande verteilen zu können. Beides gelingt.

Für die schnelle Herstellung der landwirtschaftlichen Eigenversorgung kann auf die riesigen Plantagen für Exportprodukte wie Sisal, Baumwolle, Kaffee und Kapok zurückgegriffen werden, die nun sofort auf ihren Flä-chen Nahrungsmittel anbauen und auch die schwarze Bevölkerung wird aufgefordert verstärkt Lebensmittel anzubauen.

Von Nachteil scheint dabei zu sein, daß gerade die wich-tigsten deutschen Siedlungs- und Anbaugebiete weit im Norden in den Bergregionen von Meru, Kilimandscha-ro, Pare und Usambara liegen, nahe der Grenze zum Hauptgegner Britisch Ostafrika. Die deutschen Truppen werden dort aber schnell offensiv und die Kampfzone liegt weitgehend in der Steppe des südlichen Kenia, sodaß die wichtigen Wirtschaftsgebiete im Norden des deutschen Ostafrika vorläufig geschützt sind.   

Verkehrstechnisch ist die Kolonie auf die Häfen am Indischen Ozean ausgerichtet, von denen die Straßen und Bahnen nach Osten ins Landesinnere abgehen. Im Norden von der Hafenstadt Tanga die Usambarabahn nach Moschi und von Daressalam die Mittellandbahn durch die ganze Mitte der Kolonie bis nach Kigoma am Tanganjikasee. Die Hauptverkehrwege laufen also von Ost nach West, ohne Verbindungen zwischen ihnen, bis auf den Seeweg die Meeresküste entlang und auf dem Tanganjikasee. Der Küstenseeverkehr kommt durch die englische Seeblockade der Kolonie zum Erliegen, wäh-rend der Verkehr auf dem Tanganjikasee durch die deutsche Herrschaft auf dem See, durch Militär- und Lebensmitteltransporte vermehrt, auf deutscher Seite ungestört weiterläuft. Für die binnenwirtschaftliche Eigenversorgung ist das Verkehrswesen der Kolonie aber nicht eingerichtet. Eine die verschiedenen Gebiete Deutsch Ostafrikas verbindende Infrastruktur gibt es nicht. Um aber insbesondere die Lebensmittel herstel-lenden Bezirke mit den anderen Bezirken des Landes verkehrstechnisch zu verbinden müssen hauptsächlich Nord-Süd-verlaufende Straßen gebaut werden. Da sowie-so schon große Zahlen an Arbeitskräften im Bahn- und Wegebau eingesetzt sind, können sofort nach Kriegsbe-ginn mit hunderttausenden von schwarzen Arbeitskräf-ten diese Straßen – die Etappenstraßen – gebaut und auf den Köpfen der weitgehend selben hunderttausenden wird der nun entstehende innere Wirtschaftsverkehr der ostafrikanischen Kolonie abgewickelt, der haupt-sächlich aus Lebensmitteltransporten besteht. Durch diese Straßen bekommen die beiden Bahnlinien durch die Schnittpunkte der neuen Straßen mit der Bahn auch einen höheren Wirkungsgrad. Die erste Etappenstraße ist die von Mombo an der Usambarabahn nach Moro-goro an der Mittellandbahn. Für diese Strecke brauchen Träger auf der neuen Straße zwölf Tagesmärsche.

Die neuen Verkehrswege müssen sowohl den militäri-schen Anforderungen als auch den wirtschaftlichen Anforderungen genügen und sind vollkommen auf den Transport mit Trägerkolonnen ausgelegt. Motorfahr-zeuge sind in der Kolonie im August 1914 nur sehr we-nige vorhanden und es könnte auch weder genügend Treibstoff aus Pflanzenmaterial hergestellt werden noch ist eine Industrie für die Herstellung von Fahrzeug-ersatzteilen im großen Rahmen möglich.

Die Bahnlinien können weiter betrieben werden, die Lokomotiven werden sowieso mit Holz aus dem Lande befeuert, aber für einen Ausbau des Eisenbahnnetzes können nun keine Schienen und kein rollendes Mate-rial mehr aus Deutschland herangebracht werden. Im-merhin kann mit dem in der Kolonie bereits vorhan-denem Material, und der Abgabe von Schienen aus der Mittellandbahn, etwa von Nebengleisen, von Tabora aus doch noch ein vierzig Kilometer langes Stück in Rich-tung Norden gebaut werden, wodurch der Transportweg in den Bezirk Muansa am Viktoriasee um zwei Tages-märsche für die Träger verkürzt wird.

Durch die Beschlagnahme von Schmalspurbahnen von den Pflanzungen kann eine einige Dutzend Kilometer lange Kleinbahnstrecke für die militärische und wirt-schaftliche Nutzung von der Usambarabahn ab Mombo in Richtung Mittellandbahn gebaut werden. Die Bahn kann zwar nicht mit Dampfmaschinen betrieben wer-den, aber auch der Handbetrieb erspart drei Marschtage auf der Strecke, sodaß sich die Marschtage von zwölf auf neun auf der Strecke Mombo-Morogoro verringern.

Die Verwendung von Zug- und Reittieren bleibt durch die weite Verbreitung der Tsetse-Fliege auch weiterhin weitgehend ausgeschlossen. Nur in wenigen Gegenden können deshalb einige Esel für Transportzwecke ein-gesetzt werden oder in den Tsetse-freien Hochlagen im Norden burische Treckwagen, die von Ochsen gezogen werden, wie sie auch in Südwestafrika benutzt werden. Die Haupttransportlast auf den neuen Verkehrswegen durch die Kolonie muß also von Trägerkolonnen bewäl-tigt werden, für die im Abstand eines Tagesmarsches auf den neuen Straßen Rastlager eingerichtet werden.

Der Oberkommandierende der deutschen Truppen in Ostafrika, Paul von Lettow-Vorbeck, über die Verkehrs-lage am Kilimandscharo, wo die einzigen Kraftfahrzeuge der Kolonie eingesetzt werden:

»Der für den Verkehr von Ochsenwagen und Automo-bilen so wichtige Wegebau zwang zur Anlage fester Brücken. Ingenieur Rentel, zur Truppe eingezogen, baute über den reißenden Kikasustrom aus Steinen und Beton eine mächtige Bogenbrücke auf gewaltigen Pfei-lern. Den Wassermassen, die vom Kilimandscharo in der Regenzeit in das 20 m tiefe, steile Bett herabstürzten, hatte bisher keine Holzbrücke standgehalten.«

Über den Brückenbau und weitere durch den Krieg er-zwungene Fortschritte in der wirtschaftlichen Entwick-lung Deutsch Ostafrikas schreibt Lettow:

»Diese Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, wie be-fruchtend der Krieg und seine Forderungen auf das ge-samte Wirtschaftsleben eingewirkt haben.«

Die deutsche Truppe in Ostafrika verfügt über wenige PKW und LKW. Lettow-Vorbeck: »Für den Verkehr von Neu Moschi nach Taveta [deutschbesetzter Ort in Briti-sch Ostafrika] leistete ein Auto soviel wie 600 Träger, die außerdem selbst Verpflegung beanspruchten.« Motor-fahrzeuge sind zudem resistent gegen Tropenkrankhei-ten und Mücken. Nur leider kann die Kolonie eben fast keine Motorfahrzeuge nutzen. Die Briten hingegen set-zen sie in Ostafrika in großer Zahl ein. Sie stammen hauptsächlich von Ford aus den USA.

Eine weitere Schwierigkeit bei der Umstellung der Wirt-schaft ergibt sich aus den für die neue Lage fehlenden schnellen militärischen und wirtschaftlichen Nachrich-tenverbindungen. Die Post- und Telegraphenverwaltung stellt Telegraphenbau-Kolonnen auf, die mit allen mög-lichen Behelfsmitteln Telefonleitungen durch die Kolo-nie legen. Als Leitungsmaterial wird hauptsächlich Stacheldraht von den Pflanzungen verwendet, der zum Schutz vor Raubtieren benutzt worden war. Später wer-den die stählernen Trossen von Schiffen auseinander-gezwirbelt und zu Telefondraht.

Viel Telefonmaterial kann von den Gegnern erbeutet werden. So im November 1914 beim Überfall zweier deutscher Schiffe auf dem Tanganjikasee auf das im britischen Protektorat Nordrhodesien gelegene Kasa-kalawe, wo viel Telegraphenmaterial für die im Bau gewesene britische Telegraphenlinie Kap-Kairo lagerte. Das Versorgungsschiff Marie bringt im März 1916 500 Kilometer isoliertes Telefonkabel mit und viele Telefon-apparate und sonstiges Material für den Telefonverkehr. Als Isolatoren auf den Telegraphenstangen dienen Fla-schenhälse, von denen genügend im Schutzgebiet vor-handen sind. Alle in den Städten entbehrlichen Telefon-apparate werden eingezogen und vom Gegner erbeutete Telefone für den deutschen Bedarf umgerüstet. So wer-den im Krieg über 12.000 Kilometer Telefonleitungen in der Kolonie gelegt. Alle im Frieden noch nicht an das Telegraphen- und Telefonnetz angeschlossene Gebiete der Kolonie werden nun im Krieg an das Netz ange-schlossen. Die Leitungen müssen so hoch über dem Bo-den verlegt werden, daß Giraffen die Kabel nicht umrei-ßen können.

Jeder Truppenteil und viele, die im behördlich Auftrag im Lande unterwegs sind wie Verpflegungsaufkäufer, haben Telefonapparate bei sich und können sich damit jederzeit an ein Kabel anschließen, sofern eines in der Nähe befindlich ist. Trotz Verbotes klinkt sich natürlich jeder so oft wie möglich unter Vorwänden in das Netz ein, um neueste Nachrichten zu erfahren, weshalb es oft zu Störungen wegen Überlastung des Netzes kommt. So sammeln sich die Deutschen in der Umgebung von ab-gelegenen Posten mit Telefon- oder Telegraphenan-schluß oft täglich, um sich die dort aufgeschriebenen Meldungen vorlesen zu lassen, auch wenn die meisten dieser Telefonate und Telegraphenmeldungen sie ei-gentlich nichts angehen. Aber man will doch verständ-licherweise darüber informiert sein, was in der Kolonie vorgeht.

Viele nicht an das Telefon- und Telegraphennetz ange-schlossene Missionen, Plantagen und Ortschaften hal-ten über Heliograph Verbindung zur nächsten Telefon/Telegraphenstation. Der Heliograph war bis zur Einfüh-rung der Funkgeräte das Hauptnachrichtenmittel bei der Schutztruppe gewesen. Die Verwaltung übernahm dann viele der von der Schutztruppe ausgebildeten Signalmänner in ihre Dienste für den Nachrichtenver-kehr mit Heliographen. Bei der Verläßlichkeit des täg-lichen Sonnenscheins in der Kolonie ist der Heliograph ein sicheres Nachrichtenmittel. Bei sorgfältiger und ge-schickter Bedienung der Apparate ist eine Signalüber-mittlung von 150 Worten in der Minute auf Entfer-nungen bis zu 150 Kilometern bei klarem Wetter mög-lich. Bei Nacht kann man mit Acethylen-Licht bis zu 60 Kilometer weit morsen.

Die von all diesen Nachrichtenmitteln ausgeschlosse-nen Posten und Orte erhalten täglich durch Boten die für sie wichtigen Meldungen zugeschickt. Die im Frie-den bewährte Botenpost wird selbstverständlich im Krieg weitergeführt. Selbst auf dem Marsch im Busch in entlegenen Gegenden befindliche Weiße werden von den schwarzen Boten aufgestöbert.

Die beiden Zeitungen der Kolonie in Tanga und Dares-salam erscheinen weiterhin, solange es der Papiervorrat und die Kriegslage erlaubt, bis weit ins Jahr 1916 hinein.

Der Umbau der Wirtschaft und des Verkehrswesens bis zum reibungslosen Ablauf dauert natürlich einige Mo-nate. Je mehr sich aber die neuen Verhältnisse einspie-len, desto besser werden von Monat zu Monat die Ergeb-nisse. Ein Beispiel dafür ist das Trägerwesen auf den neu erbauten Etappenstraßen zur Versorgung der Fronttrup-pen mit Nachschub und, wenn notwendig, der Versor-gung der Bevölkerung mit Lebensmitteln in Gegenden, in denen durch mangelnden Regen die Ernte nicht aus-reicht. Unmittelbar nach der Fertigstellung der ersten Etappenstraßen, und von Vorratslagern der Schutztrup-pe an den Straßen, sind auch die Karawanen der Träger auf ihnen unterwegs. Jede Karawane besteht aus mehre-ren hundert Trägern, die nach Ankunft am Vorratslager ihre Last empfangen und losmarschieren. Nach acht bis zehn Stunden Marsch wird mitten in der Wildnis gela-gert, gekocht und geschlafen. Am nächsten Morgen geht der Marsch weiter, bis nach einigen Tagen das Ziel erreicht ist.

In den Nachtlagern im Busch wird bei Regen und Kälte übernachtet und mit den allgemeinen Strapazen des Lastentragens ergeben sich hohe Krankenzahlen der Träger. Als das Problem erkannt wird, geht man sofort daran feste Nachtlager im Abstand von einem Tages-marsch einzurichten, mit Verpflegung am Nachtlager, und mit ärztlicher Betreuung der Träger auf dem Marsch.

Die Etappenstraßen werden überall in der Kolonie aus-gebaut zu großzügig angelegten Straßen für die vielen zehntausenden von Trägern, die im festen Arbeitsver-hältnis mit der Regierung stehen, für den Transport von riesigen Mengen an Vorräten durch die Kolonie. Außer-dem wird der Trägerdienst umgestellt vom tagelangen Marsch, und somit auch tagelanger Marschentfernung von den Wohnorten der Träger, zu je einem Tages-marsch, an dem die Träger von einer dort beheimateten Trägerkolonne abgelöst werden, und so können er-krankte Träger auch leichter abgelöst werden. Natürlich dauert es einige Zeit, bis in der ganzen Kolonie dieses Transportsystem voll ausgebaut ist.

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Einleitung

Wie alle deutsche Kolonien ist auch die größte deutsche Kolonie, Deutsch Ostafrika, nicht auf einen Krieg vor-bereitet. Die Verhältnisse gestatten es aber dann das Schutzgebiet lange Zeit feindfrei zu halten und durch die Umstellung der Wirtschaft eine Eigenversorgung der Kolonie zu erreichen, die bei einem siegreichen Aus-gang des Krieges für Deutschland bedeutende Auswir-kungen nicht nur auf Deutsch Ostafrika selbst, sondern auf alle deutschen Kolonien gehabt hätte.

1917, dem Jahr bis zu dem Teile Ostafrikas in deutscher Hand bleiben, ist England durch den deutschen U-Boot-krieg und dem dadurch bewirkten Zusammenbrechen seiner Versorgung über See, beinahe zur Kapitulation vor Deutschland gezwungen.

Der damalige britische Premierminister David Lloyd George sagt nach dem Krieg: »Hätten die Deutschen die Kraft ihrer Unterseeboote etwas eher auszunutzen be-gonnen, wer weiß, ob das britische Reich heute noch bestünde?«

Winston Churchill: »Darf ich es sagen? Wir sind nur eben so durchgekommen. Unser Erfolg hing an einem kleinen, dünnen, gefährdeten Faden. Nur ein wenig mehr U-Bootskrieg und der Hunger hätte uns alle zur unbedingten Über­gabe gezwungen.«

Nach dem Ende Englands wären Frankreich und Ruß-land gefallen und der Krieg siegreich für Deutschland ausgegangen. Die erstaunlichen Erfahrungen der Kriegswirtschaft in Deutsch Ostafrika hätten sofort für die friedliche Weiterentwicklung in Ostafrika, als auch in den anderen Kolonien, genutzt werden können.

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Die Strategie

Rudolf Augstein, jahrzehntelang Herausgeber des Nach-richtenmagazins DER SPIEGEL, führte in einem Artikel in der SPIEGEL-Ausgabe 51 von 1998 Passagen einer eng-lischen Zeitung auf, die hier wiedergegeben seien. Aug-stein schreibt:

»Wie sehr die Briten nach Napoleon und den Zaren das neue Deutsche Reich als ärgstes Feindbild ausmachten, zeigen die mir bisher nicht bekannten Artikel der Satur-day Review. Im August 1895 war zu lesen: „Wir Englän-der haben bisher stets gegen unsere Wettbewerber bei Handel und Verkehr Krieg geführt. Unser Hauptwett-bewerber ist heute nicht mehr Frankreich, sondern Deutschland.“

Am 1. Februar 1896 folgt ein weiterer Artikel: „Wäre morgen jeder Deutsche beseitigt, so gäbe es kein engli-sches Geschäft noch irgendein englisches Unterneh-men, das nicht zuwüchse. Verschwände jeder Engländer morgen, so hätten die Deutschen im gleichen Verhältnis ihren Gewinn. Einer von beiden muß das Feld räumen. Macht euch fertig zum Kampf mit Deutschland, denn Germania est delenda“, frei nach Cato also: Deutschland muß zerstört werden.

Am 11. September 1897 erschienen folgende Kernsätze: „Überall, wo die englische Flagge der Bibel und der Han-del der Flagge gefolgt ist, bekämpft der deutsche Han-delsmann den englischen. Aus einer Million von Strei-tereien um Kleinigkeiten fügt sich die größte Kriegsur-sache zusammen, von der die Welt jemals gehört haben wird. Würde Deutschland morgen ausgelöscht, so gäbe es übermorgen weltein, weltaus keinen Engländer, der nicht seinen Gewinn davon hätte. Staaten haben jahre-lang um eine Stadt oder ein Thronfolgerecht Krieg ge-führt; und da sollten wir nicht Krieg führen, wenn ein jährlicher Handel von fünf Milliarden auf dem Spiel steht?“ Auch dieser Artikel kommt zum Ergebnis des vorangegangenen: Germania est delenda.

Vermutlich trafen diese Einschätzungen die Stimmung vieler Leser; keiner der in der Zeitschrift üblichen zahl-reichen Leserbriefe kritisierte sie oder wenigstens die Schlußfolgerung, Deutschland müsse zerstört werden.«

Soweit Rudolf Augstein und die Passagen aus der engli-schen Zeitschrift Saturday Review.


Der amerikanische Historiker Eustace Mullins schrieb: »The bankers had been waiting since 1887 for the United States to enact a central bank plan so that they could finance a European war among the nations whom they had already bankrupted with armament and „defense“ programs.« / »Die Bankiers warteten seit 1887 darauf, daß die Vereinigten Staaten einen Zentralbankplan schaffen, sodaß sie einen Krieg zwischen den Völkern in Europa finanzieren könnten, welche sie schon durch Rüstungs- und „Verteidigungs“-Programme bankrott gemacht hatten.«

1913 schaffen es Banker der Wall Street den Federal Reserve Act als US-Gesetz durchzudrücken, wonach ihnen nun der Dollar als Privateigentum gehört. Über die von ihnen eingerichtete Federal Reserve Bank mit ihren zwölf Gebietsbanken in den USA, eine private Aktiengesellschaft im Besitz einiger Familien des Geld-adels, können sie jetzt Geld erfinden soviel sie wollen, einfach indem sie es aus dem Nichts auf eines der Konten der FED gutschreiben. Dieses erfundene Geld können sie dann an die USA gegen Zinsen verborgen. Deshalb ist die USA heute unendlich verschuldet – bei den Eigentümern der FED.

Der amerikanische Kongreßabgeordnete Charles Au-gustus Lindbergh, der Vater des berühmten Atlantikflie-gers, nennt das Gesetz „das schlimmste Gesetzesver-brechen aller Zeiten. Das Finanzsystem ist einer Gruppe übergeben worden, die nur auf Profit aus ist. Das System ist privat und wird nur zu dem Zweck benutzt, aus dem Gebrauch des Geldes anderer Leute den größtmögli-chen Profit zu erzielen.“

Der US-Kongreßabgeordnete Louis McFadden: „Einige Menschen denken, daß die Federal Reserve-Banken Institutionen der US-Regierung sind. Es sind aber pri-vate Monopole, die das Volk dieser Vereinigten Staaten ausbeuten; in ihrem eigenen Interesse und dem von Spekulanten im In- und Ausland und im Interesse von reichen und räuberischen Geldverleihern.“


Spätestens 1904 beginnen die Vorbereitungen Englands für den Angriffskrieg auf Deutschland. In diesem Jahr wird die Entente Cordiale (Herzliches Einverständnis) zwischen England und Frankreich geschlossen, auf der Grundlage des Ausgleichs der beiden Länder in Kolo-nialfragen. Großbritannien erhält Ägypten als alleinige Einflußsphäre und Frankreich Marokko und Madagas-kar. Dabei ist aber Marokkos weitgehende Unabhängig-keit durch das Madrider Abkommen, das 1880 zwölf Staaten, darunter die USA, England, Frankreich und Deutschland, und auch Marokko selbst, unterzeichnet haben, offensichtlich im Wege und seine Beseitigung von den neuen Verbündeten England und Frankreich, die seit tausend Jahren in Gegnerschaft und Krieg unter-einander gelebt haben, einkalkuliert.

Der englische Politiker David Lloyd George: „Im Jahre 1904 kam ich zu einem kurzen Besuch zu Lord Rose-berry, der 1894 Nachfolger von Gladstone als Premier-minister geworden war. Er sagte zu mir, daß dieser Ver-trag von 1904 nicht Sicherheit bedeutet, sondern letzt-endlich den Krieg mit Deutschland.“

Nun beginnen die militärischen Vorbereitungen. Die russische Niederlage im russisch-japanischen Krieg 1904/05 und der britisch-japanische Vertrag in seinem Gefolge erleichtern den Abzug der fünf englischen Schlachtschiffe, die in Hongkong stationiert sind. Die Entente mit Frankreich gestattet auch den Abzug aller britischen Großkampfschiffe aus dem Mittelmeer, aus-genommen drei Schlachtkreuzer. 1914 stehen nur zwei alte Schlachtschiffe im Ausland, Triumph und Swiftsure und der Schlachtkreuzer Australia, alle anderen engli-schen Großkampfschiffe stehen in der Nordsee gegen Deutschland.

Am 10. Januar 1906 genehmigt der englische Außenmi-nister Edward Grey die Aufnahme von Besprechungen zwischen dem britischen und dem französischen Gene-ralstab.

Schon 1906 beteiligt sich auch der britische Generalstab unter voller logistischer und geheimer Zusammenarbeit der belgischen Heeresführung an simulierten Manö-vern in ganz Belgien, bei denen der Einsatz eines briti-schen Expeditionsheeres auf dem Kontinent geprobt wird. Die Öffentlichkeit wird über diese Pläne nicht un-terrichtet.

1906 gelangt auch durch einen Verräter für 60.000 Franc der Schlieffenplan in den Besitz der französischen Armee. Der Schlieffenplan ist der deutsche Operations-plan gegen Frankreich im Falle eines Krieges mit Frank-reich.

Seit 1906 läuft denn auch die antideutsche Propaganda in den englischen Zeitungen. So 1908 in der Daily Mail ein Fortsetzungsroman: Die Invasion von 1910. In diesem Roman wird eine deutsche Invasion Englands eben im Jahre 1910 geschildert. Hunderte von Plakatklebern be-kommen für die Werbung dafür preußische Uniformen angezogen und preußische Pickelhauben aufgesetzt und arbeiten in dieser Aufmachung in London. Das Volk wird durch die Propaganda der Presse antideutsch einge-stimmt für den geplanten Krieg gegen Deutschland.

Im Juni 1906 kommt das Committee of Imperial Defense Großbritanniens zu dem Schluß, daß zu Beginn eines Krieges gegen Deutschland eine Landung von engli-schen Truppen an der Nordwestküste Frankreichs auf jeden Fall von Vorteil sei. 1909 wird diese Strategie be-stätigt.

Ignaz Trebitsch, ein ungarischer Jude, der nach einem evangelischen Theologiestudium in Hamburg als Luthe-raner getauft wurde und eine Hamburger Kapitänstoch-ter heiratete geht 1906 im Auftrag des Geheimdienstes der britischen Regierung nach Belgien und eröffnet ein Büro mit 70 Mitarbeitern, welches getarnt ist als For-schungsbüro der Lage der Arbeiter in Belgien. Von 1906 bis 1910 wird Belgien von diesem kostspieligen Büro in 3½ Jahren für militärische Zwecke vollständig erfaßt. Eine Anlandung britischer Truppen wird unterstützt durch die Einrichtung von Lagern der englischen Armee in Belgien. Ein schwerer Verstoß der Neutralität des sich selbst als angeblich neutral gebenden Belgien.

Ignaz Trebitsch flieht im Februar 1915 von England in die USA. In seiner Autobiographie schreibt er:

»Als die Freiheitsstatue, dieses Wahrzeichen Amerikas, sichtbar wurde, wußte ich, daß die USA ihren jüngsten Journalisten empfingen. Es gibt eine einzige Möglichkeit für einen Journalisten, bekannt und reich zu werden: durch Sensation. Und die hatte ich vorbereitet: eine ententefeindliche Artikelserie, die mir meine Wut auf England diktiert hatte. Ich wies nach, daß England die-sen Krieg provoziert hätte, ganz und gar aus materiellen, selbstsüchtigen Motiven. Die Behauptung einer Kriegs-schuld Deutschlands sei die größte Fälschung und zu-gleich die größte Infamie der Weltgeschichte!«

Der Artikel erscheint in der New York American. In diesem Zeitungsartikel schreibt Trebitsch: »In meinem demnächst erscheinenden Buch entlarve ich die wahre Geschichte des Kriegsausbruchs und daß die Verant-wortung dafür unbestreitbar bei Großbritannien liegt. Der britische Geheimdienst weiß das alles, und er kennt meine Vergangenheit.« Sein Buch erscheint kurz darauf mit dem Titel Geständnisse eines internationalen Spions.

1907 erweitert sich die Entente Cordiale durch den Bei-tritt Rußlands zur Triple Entente. Das englisch-französi-sche Bündnis von 1904 und das englisch-russische Bündnis von 1907 schließen den Ring um das Deutsche Reich.

Während der Zweiten Marokkokrise von 1911 rücken die beiden Ententepartner England und Frankreich noch enger zusammen. In der Krise verabreden die bei-den Generalstäbe einen gemeinsamen Operationsplan für den Fall eines Krieges gegen Deutschland. Am 20. Juli 1911 unterzeichnen der Chef des Generalstabs der französischen Armee und der Chef der Operationsabtei-lung im britischen Kriegsministerium eine Militärkon-vention mit detaillierten Bestimmungen über die Teil-nahme von Großbritannien an einem Krieg gegen Deutschland. Festgelegt werden die drei Häfen, in denen das britische Expeditionskorps anlanden soll: Rouen, Le Havre und Boulogne. Vereinbart wird eine britische Kampfstärke von 123.000 Mann, 52.000 Pferden und 492 Geschützen. Auch die Bahnlinien, über die die briti-schen Truppen mit 42 Zügen täglich in den Aufmarsch-raum vorrücken sollen, sind aufgeführt. Alles muß so beendet sein, heißt es in dem Papier, daß die britische Armee am 16. Mobilmachungstag in die Operationen eingreifen kann.

1912 unterschreibt Frankreich ein geheimes Flottenab-kommen mit Rußland und England. So wird 1912 eine Ar-beitsteilung in der englischen und französischen Ma-rinepolitik vorgenommen. Frankreich zieht seine Kanal-flotte ins Mittelmeer, England den größten Teil seiner Mittelmeerflotte in die Heimatgewässer. Diese Abma-chungen der General- und Admiralstäbe wird auf poli-tischer Ebene ergänzt durch den Briefwechsel zwischen dem englischen Außenminister Edward Grey und dem französischen Botschafter in London, Paul Cambon, vom 22. und 23. November 1912, der zwar keine Verpflichtung zu unbedingter Hilfeleistung im Falle eines Krieges mit Deutschland bedeutet, sondern nur zur Beratung, aber eine starke moralische Bindung Englands an Frankreich darstellt. Es handelt sich um geheime Vereinbarungen, in die weder die Parlamente noch die meisten Minister Englands und Frankreichs eingeweiht sind. Gewisse Kreise in England und Frankreich agieren auf höchster Ebene, um ihre Völker in einen Krieg gegen Deutsch-land zu treiben.

Nach dem Stand von 1914 belaufen sich die ausländi-schen Investitionen Frankreichs auf umgerechnet neun Milliarden Dollar. Nur die englischen Auslandsinves-titionen sind höher. Daß Italien mit französischem Geld aus dem Dreibund mit Österreich und Deutschland ab-geworben werden kann, liegt im italienischen Kapital-mangel begründet. Das gleiche gilt für Rußland. Das ka-pitalstarke Frankreich hat Rußland mit seinen chroni-schen Zahlungsbilanzschwierigkeiten aus dem Bündnis mit Deutschland herausgekauft. Hinter der Kapitalstär-ke Frankreichs finden sich die Pariser Rothschilds, die natürlich eng verbunden sind mit ihren nächsten Ver-wandten, den Londoner Rothschilds, die den englischen Finanzmarkt beherrschen.

Unter der Last eines aufgeblähten Militäretats schiebt Rußland die größte Auslandsverschuldung der Welt vor sich her und muß dafür überdurchschnittlich hohe Zin-sen zahlen. Vor allen Dingen stecken die Franzosen viel Geld in die Modernisierung ihres russischen Alliierten – angefangen mit der Ausgabe des ersten Kredits von Pa-ris im Oktober 1888 bis zu dem entscheidenden Angebot von 1913, Rußland unter der Bedingung 500 Millionen Francs zu leihen, daß das russische strategische Eisen-bahnsystem in den polnischen Provinzen stark erweitert wird, damit die »russische Dampfwalze« schneller mobi-lisiert werden kann, um Deutschland zu erdrücken. Dies ist die deutlichste Demonstration der französischen Fähigkeit, finanzielle Stärke einzusetzen, um die eigene strategische Lage zu verbessern. Es liegt darin allerdings eine merkwürdige Rückwirkung, denn je effizienter das russische Militär wird, desto besser müssen die Deut-schen vorbereitet sein, Frankreich schnell zu schlagen, um sich dann mit all ihren Kräften gegen Rußland wenden zu können.

In Rußland wird die Regierung von einer prodeutschen, gegen einen Krieg eingestellten Regierung, in eine Kriegspartei gegen Deutschland verwandelt. Wladimir Suchomlinow übernimmt im März 1909 den Posten des Kriegsministers. Die russischen Kriegspläne werden in seiner Amtszeit als Kriegsminister auf eine Auseinan-dersetzung mit Deutschland als Hauptgegner umge-stellt, zuvor sah man noch England als Hauptgegner an. 1913 wird dann das russische Militärprogramm aufge-legt bis 1917 die russische Armee dreimal größer als das deutsche Heer zu machen. Ebenfalls 1913 verlängert Frankreich die Militärpflicht von zwei auf drei Jahre, wo-mit mit einem Schlag das stehende französische Heer um 50 % vergrößert wird. Im Bündnis Frankreichs mit Rußland kommt das auf eine absichtliche, tödliche Be-drohung Deutschlands heraus.

Der russische Außenminister Sergej Sasonow:

„Die Friedensliebe des deutschen Kaisers bürgt uns da-für, daß wir den Zeitpunkt des Krieges selbst zu bestim-men haben.“

Im Februar 1914 wird der gemäßigte, auf Ausgleich mit Deutschland bedachte russische Ministerpräsident Wladimir Kokowzow gestürzt und durch den rechts-konservativen Iwan Goremykin ersetzt, einem Vertreter politischer Interessen nationalistischer Gruppen.

Vom 2. bis zum 15. April 1914 findet im europäischen Teil Rußlands eine Probemobilmachung von 510.000 Mann Landwehrtruppen für zwei bis vierwöchige Manöver statt.

Nach einem Besuch in London meldet der russische Außenminister Sasonow dem Zaren:

„Grey erklärte mir ohne zu schwanken, wenn die frag-lichen Umstände eingetreten seien, werde England alles daran setzen, um der deutschen Machtstellung den fühlbarsten Schlag zuzufügen … Der König drückte sich noch viel entschiedener aus.“

Zum Neujahr 1914 veröffentlicht die Zeitschrift Raswet-schik, ein Sprachrohr des russischen Generalstabs, ei-nen Leitartikel, in dem zu lesen ist:

»Doch nicht nur die Truppe, das ganze russische Volk muß daran gewöhnt werden, daß wir uns zum Vernich-tungskampf gegen die Deutschen rüsten und daß die deutschen Reiche [Damit sind Deutschland und Öster-reich gemeint] vernichtet werden müssen, auch wenn wir dabei Hunderttausende von Leben verlieren müs-sen.«

Im Januar 1914 läuft eine fünfteilige Serie in der Pariser Zeitung Le Matin über Rußlands Kriegsziele. Autor ist ihr Chefredakteur, der sich in Petersburg mit Außen-minister Sergej Sasonow und hohen Offizieren getroffen hat. In der Artikelserie findet sich eine Landkarte mit der Überschrift »Der Kriegsplan Rußlands«. Sie zeigt die mit französischen Krediten gebauten, auf Deutschland und Österreich zulaufenden Bahnlinien und die »außer-gewöhnliche Ansammlung von Streitkräften an der russisch-preußischen Grenze« sowie die Stellungen der russischen Armeekorps.

Ab dem Frühjahr 1914 ist die Entente zum Überfall auf Deutschland bereit. Am 29. Mai 1914 berichtet Edward House, US-Präsident Woodrow Wilsons Hauptberater und Amerikas graue Eminenz, von seiner Europareise:

«Wann immer England sein Einverständnis geben wird, werden Frankreich und Rußland gegen Deutschland und Österreich vorgehen.«

Am 13. Juni 1914 beschreibt die russische Tageszeitung Birschewija Wedomosti (Börsennachrichten) die gewal-tige Streitmacht, die im Kriegsfall Deutschland überrol-len werde. In Berlin weiß man, daß Kriegsminister Wla-dimir Suchomlinow den Artikel veranlaßt hat. Kaiser Wilhelm kommentiert: „Na! Endlich haben die Russen die Karten aufgedeckt.“

Anfang 1914 wird Admiral Albert Huguet zum Komman-deur des französischen Geschwaders im Fernen Osten ernannt und trifft sich mit dem englischen Admiral Martyn Jerram, dem Befehlshaber der China Station der Royal Navy, in Hongkong mit Vorschlägen der französi-schen Regierung für ein gemeinsames Vorgehen gegen das deutsche Ostasiengeschwader im Kriegsfall. Im Juni 1914 wird von Huguet für das französische Fernostge-schwader Kriegsbereitschaft befohlen, in der Vorberei-tung auf den Krieg mit Deutschland.

Die weltweite Vorbereitung auf den Krieg gegen Deutschland ist abgeschlossen. Es fehlt nur noch ein Grund für den Krieg, den man dem französischen, eng-lischen und russischen Volk vorspiegeln kann. Diese Völker haben bereits die gewaltigen Lasten der Aufrüs-tung ihrer Staaten tragen müssen, für den Angriffskrieg gegen Deutschland.

Ein Vergleich der Staatsausgaben der größten Länder Europas von 1900 bis 1914 zeigt folgendes Bild:

                           Deutschland England Frankreich Rußland

Rüstung                      36 %          49 %            37 %         36 %

Kolonien                       1 %             2 %               3 %           0 %

Soziale Ausgaben    3 %             0 %              0 %           0 %

Schuldendienst       17 %           25 %           30 %        36 %

Militärausgaben und Zinsen machen in Deutschland 53 % des Staatshaushaltes aus, in Frankreich 67 %, in Ruß-land 72 % und in England 74 %. Wie reich hätten die Völker Europas ohne die Flotten, Armeen und die Tributzahlungen, genannt Zins und Zinseszins, an die Eigentümer der Banken sein können? An der Spitze der Bankenpyramide der Welt steht die Familie Rothschild.

Es gibt vordergründige Gründe für den Angriffskrieg auf Deutschland und hintergründige für diesen Krieg, in dem der Hauptkriegstreiber England ist, ohne den sich weder Frankreich noch Rußland noch beide zusammen in einen Krieg gegen Deutschland einlassen würden. Selbstverständlich sind nicht die Völker die Planer und Macher von Kriegen, sondern ihre Regierungen und die mächtigen Kräfte, die diese Regierungen beeinflussen, dem Volk völlig unbekannte Geheimgesellschaften und Bankiers mit ihren selbstsüchtigen Zielen auf Kosten der Völker. Vordergründig für England ist die ständig wachsende Wirtschaftsmacht Deutschlands, im Gegen-satz zum bereits im Niedergang befindlichen britischen Weltreich. Auch die deutsche Flotte wird angeführt, aber ein Vergleich der Flottenstärken zeigt sofort, daß die deutsche Flotte gegen die Verbündeten England, Frankreich und Rußland hoffnungslos unterlegen ist. England muß sich nie durch die deutsche Flotte bedroht fühlen. Die deutsche Kriegsflotte hat sich zwar seit 1900 von 285.000 auf 1.305.000 Tonnen vergrößert, die briti-sche aber auch von 1.065.000 auf 2.714.000. Gleichzeitig hat sich die Flottenstärke Rußlands auf 679.000 erhöht und die Frankreichs auf 900.000. Ein Verhältnis von 1,3 zu 4,3 an Kriegsschifftonnage – mehr als das Dreifache gegen Deutschland. Große Flottenbauprogramme lau-fen in England, Frankreich und Rußland, die das deut-sche bei weitem übertreffen.

Frankreich will Elsaß-Lothringen, das seit weit über tau-send Jahren deutsch ist, seit dem Anbeginn der Tren-nung deutscher und französischer Kulturwelt, und das Frankreich durch Kriege an sich gerissen hat, aber seit 1870 wieder zum Deutschen Reich gehört, ohne jedes Recht wieder an sich reißen. Als 1872 eine Volksabstim-mung in Elsaß-Lothringen stattfindet, stimmen nur 10,4 % für Frankreich. Von diesen 10,4 % entscheiden sich 3,2 %, 50.000 Menschen, nach Frankreich zu gehen unter Mitnahme oder freier Veräußerung ihres Hab und Gu-tes. Bei den Wahlen in Elsaß-Lothringen von 1911 gehen von den 61 Mandaten 60 an deutsche Kandidaten und nur eins an einen französischen Nationalisten.

Der nächste Grund für die französische Regierung gegen Deutschland Krieg zu führen ist natürlich die Brechung der deutschen Wirtschaftsmacht, die sich Deutschland aber selbst aufgebaut hat, ohne irgend-jemanden dabei zu schädigen.

Die Regierung von Rußland hat überhaupt keinen Grund, außer ihr finanzielles Desaster, das sie sich durch ihre sinnlose Überrüstung selbst aufgehalst hat, für einen Krieg gegen Deutschland, ist aber noch kriegs-fanatischer eingestellt als selbst die französische Regie-rung. Hätte England nicht dem zaristischen Rußland massive Unterstützung im Kriegsfall gegen Deutschland zugesagt – noch im Juni 1914 gibt es militärische Geheimgespräche zwischen England und Rußland – das Zarenreich hätte nicht den geringsten Grund für einen Krieg, in dem es dann auch ausgelöscht wird.

Daß England die Ursache für den kommenden Welt-krieg ist bestätigt Winston Churchill 1930 in seinem Buch My Early Life. Über die beiden großen Parteien in Großbritannien schreibt er:

»Die Konservativen herrschten nun [seit 1895] über das Land für die nächsten zehn Jahre, während denen sie eine Reihe von Kriegen ausfochten. – Und dann kamen die Liberalen und machten den größten aller Kriege.«

Doch nicht diese offensichtlichen Erscheinungen sind der tatsächliche Grund für das kommende Verderben der Welt, sondern die Mächte dahinter, reiche und mächtige Geheimgesellschaften wie der am 1. Mai 1776 von Adam Weishaupt im Rothschild-Auftrag gegrün-dete Illuminaten-Orden, der seitdem in allen hohen Führungsebenen in Europa seine Leute positioniert hat. Was ist das Ziel der Rothschilds? Kriege kosten enorm viel Geld. Und ein Weltkrieg erst recht. Von wem müs-sen die kriegführenden Staaten das Geld für den Welt-krieg borgen? Von den Rothschilds. Wenn alle kriegfüh-renden Staaten, alle kriegführenden Staaten, nach dem Weltkrieg hoch verschuldet sind, an wen müssen sie Zins und Zinseszins zahlen? Von einem Abtrag der Schulden kann gar keine Rede mehr sein. Bei wem müs-sen alle kriegführenden Staaten nach dem Weltkrieg, wie ja auch schon vor dem Weltkrieg, um neue Kredite bitten und unter welchen Bedingungen? Wer stellt die Bedingungen? Damit ist klar, wer und was der wirkliche Grund für die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts und die nachfolgenden Ereignisse und Kriege ist, darunter noch ein Weltkrieg.

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Vorworte

Aufgrund der oft noch bescheidenen Nachrichtenver-bindungen in den Kolonien erfahren einige der weißen Bewohner erst nach Wochen oder teilweise sogar erst nach Monaten vom Ausbruch des Weltkrieges. Für die-se Glücklichen geht solange ihr friedlicher Alltag weiter. Einwohner von abgelegenen Südseeinseln und Teilneh-mer von Expeditionen in entfernten Gegenden der Kolo-nien sind dabei besonders begünstigt.

In Sphinxhafen am Nyassasee, im Süden Deutsch Ostaf-rikas, weiß niemand von der englischen Kriegserklä-rung vom 4. August 1914 an Deutschland. Dort liegt der kleine Dampfer Hermann von Wissmann für die jähr-lichen Wartungsarbeiten auf der Helling. Am 13. August 1914 fährt der britische Dampfer Gwendolen in den Naturhafen ein. Die Kapitäne der Guen und der Wiss-mann kennen sich gut, sie sind Saufkumpane. Der englische Kapitän erklärt dem deutschen Kapitän, daß zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien der Krieg ausgebrochen sei. Der Engländer hat den Befehl erhalten den deutschen Dampfer wie auch immer zu vernichten. Britische Soldaten montieren das kleine 3,7cm-Geschütz vom deutschen Dampfer ab und bauen Teile der Maschinenanlage aus. Zusammen mit der Munition des Geschützes wird alles an Bord des bri-tischen Dampfers gebracht.

Anstatt das deutsche Schiff zu versenken, zu verbrennen oder auf eine andere Art zu vernichten, wie ihm befoh-len wurde, hat der Engländer es nur unbrauchbar ge-macht. Der deutsche Kapitän und sein Maschinist wer-den von den Briten gefangengenommen und auch auf der Gwendolen mitgenommen. Bei der Rückfahrt der Guen gibt es ein mächtiges Besäufnis von Engländern und Deutschen an Bord.

Der nächste Besuch der Briten in Sphinxhafen am 30. Mai 1915, für die wirkliche Zerstörung der Hermann von Wissmann, wird nicht so friedlich sein.

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VORWORTE

Der Erste Weltkrieg ist die Urkatastrophe der Neuzeit, verursacht von internationalen Bankiers für ihre selbst-süchtigen Ziele. Ihr Hauptziel war und ist die totale Ver-sklavung der Menschheit unter ihre Herrschaft. Ihr Machtinstrument ist ihre Geldherrschaft. Sie verborgen ihr Geld – die Währungen der Welt sind ihr Eigentum – gegen Zins und Zinseszins und bringen so Menschen und Staaten in ihre Schuldknechtschaft.

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In den Jahren vor dem ersten der beiden Weltkriege der khazarischen Bankiers war die Bevölkerung der west-lichen Welt auf dem Weg in eine goldene Zukunft und protestierte seit Jahren auf vielen Veranstaltungen ge-gen einen Krieg. Aber wenige im Hintergrund hielten die Macht in Händen und für die Bekämpfung des aufkommenden Bewußtseins der Massen und für die Ausweitung ihrer Macht wurde der Erste Weltkrieg von ihnen gegen die Menschheit geführt.

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Der spätere Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer zu Anfang des Ersten Weltkrieges: »Daß viele Einge-borene die Frage in sich bewegen, wie es möglich sei, daß die Weißen, die ihnen das Evangelium der Liebe bringen, sich jetzt gegenseitig morden und sich damit über die Gebote des Herrn Jesu hinwegsetzen, fühlen wir alle. Wenn sie uns die Frage stellen, sind wir hilflos. – In meinem Hause achte ich darauf, daß die Schwarzen möglichst wenig von den Greueln des Krieges erfahren. Was wir an illustrierten Blättern bekommen, darf nicht herumliegen, damit die Boys, die lesen können, sich nicht in den Text und in die Bilder vertiefen und davon erzählen.«