Gouverneur Heinrich Schnee hat im Juli 1916 in einer Rede gesagt:
„Alles Notwendige gewinnen wir aus dem Lande, ob es Nahrungsmittel, Materialien oder Hilfsmittel aller Art sind, wir finden es in unserem Deutsch Ostafrika. Und da tritt der Wert unserer Kolonie gerade in diesem Kriege glänzend hervor. Ich glaube, selbst mancher alte Kenner des Landes hat bezweifelt, ob es gelingen würde, den Bedürfnissen der Bevölkerung, der weißen wie der farbi-gen, gerecht zu werden. Aber es findet sich solcher, ich möchte sagen, unerwarteter Reichtum im Lande, daß wir kaum in Verlegenheit geraten können und wir uns ausreichend Ersatz auch für solche Gegenstände, die wir früher von außen bezogen haben, hier beschaffen kön-nen.“
Nach einem für Deutschland siegreichen Krieg müssen natürlich die neuen Straßen, die im Krieg in Deutsch Ostafrika angelegt wurden, für den Lastwagenverkehr bereit gemacht werden, was hauptsächlich Brückenbau heißt, wegen der viel höheren Gewichtsbelastung durch die LKWs als bei den Trägerkolonnen. Durch den Krieg bedingt wird der Lastwagen bereits in großen Zahlen hergestellt und wird nach dem Krieg auch in den deut-schen Kolonien schnell zur Verfügung stehen.
Tsetsefreie Viehställe für die Versorgung mit Milch ha-ben sich ausgezeichnet bewährt und werden nach dem gewonnenen Krieg in der Kolonie schnell verbreitet sein. Auch die Fleischversorgung der Städte wird im Lande geschehen, und nicht mehr durch Import, durch die tsetsesicheren Viehwaggons der Bahn.
Besonders die zahlreichen Entdeckungen an Pflanzen für die Ernährung und Rohstoffversorgung sind ein Ge-winn. Obst, Getreide, Knollenfrüchte, Gemüse, die vor dem Krieg der weißen Bevölkerung gänzlich unbekannt waren, können nun angebaut werden und ihre Verar-beitung ist jetzt auch bekannt. Auch kann man sie aus ihren ursprünglichen Herkunftsgebieten nun in allen den Pflanzen zuträglichen Lebensräumen anbauen wie natürlich auch in anderen Kolonien mit den entspre-chenden Anbaubedingungen für die Pflanzen. Durch die Vielfalt der nun bekannten Nutzpflanzen kann die Er-nährung von Schwarz und Weiß wesentlich verbessert und gesünder gestaltet werden. Medizinisch nutzbare Pflanzen und ihre Extrakte sind gefunden und können als Heilmittel, Mundwasser, Zahnpasta und Rasierseife hergestellt werden.
Das heißt für Deutsch Ostafrika, daß der Import, haupt-sächlich auch von Lebensmitteln, stark reduziert wer-den kann, während der Export von neuen landwirt-schaftlichen Produkten beginnen kann. Für den sowieso schon ständig gestiegenen Export der Kolonie werden goldene Zeiten anstehen; also auch ein entsprechend weiterer Ausbau der Infrastruktur und eine weitere Steigerung von sozialen Leistungen für die Bevölkerung sind durch die sich ständig verbessernde finanzielle Lage von Deutsch Ostafrika abzusehen.
Die Übernahme der wirtschaftlichen Kriegserfahrungen in Deutsch Ostafrika auf die anderen deutschen Kolo-nien wird auch deren wirtschaftliche und soziale Basis entsprechend verbessern.