Am Tanganjikasee bauen bei Kriegsbeginn im August 1914 rund 250 einheimische Arbeiter und 20 Inder aus der Eisenbahnwerkstatt Daressalam unter der Leitung weniger Deutscher das Fracht- und Passagierschiff Graf Goetzen wieder zusammen. Die 71 m lange Goetzen mit ihrer Vermessung von 790 BRT war von Deutschland in Einzelteilen über Schiffs- und Bahnfracht nach Kigoma transportiert worden. Infolge des Brandes eines Eisen-bahnwaggons auf dem Transport in Ostafrika war eine Schraubenwelle des Zweischraubendampfers verbogen. Die Schraubenwelle und alle noch benötigten Teile wer-den jetzt in Ostafrika nachgefertigt. Durch den Kriegs-ausbruch kommt auch die Querstapellaufanlage nicht mehr nach Ostafrika. So muß der Stapellauf improvisiert werden. Der Ingenieur Friedrich Hübener läßt vor der Werft ein Dock graben, in welches das Schiff allmählich hinabgelassen wird. Dann wird der Damm, der die Dockgrube vom See trennt, durchstoßen, worauf die Goetzen am 5. Februar 1915 aufschwimmt. Ende Mai 1915 ist das Schiff fertig. Die Probefahrten finden am 8. und 9. Juni 1915 statt und am 9. Juni erfolgt auch die In-dienststellung als bewaffneter Frachter.
Die hafentechnischen Einrichtungen von Kigoma, Werkstätten, Kräne, Kaianlagen, Hellinge, werden bis 1916 für den deutschen Schiffsbetrieb auf dem Tangan-jikasee immer weiter ausgebaut. Vom Indischen Ozean werden weitere Seefahrzeuge über die Bahn nach Kigo-ma gebracht. So liegt Mitte 1916 der 35 m lange 230 BRT-Dampfer Adjutant der Deutschen Ostafrika-Linie, auch über die Bahn in Einzelteilen vom Indischen Ozean herübergebracht, auf Stapel in Kigoma.
Der bereits begonnene Bau der Ruandabahn von Tabora zum Kageraknie zur unmittelbaren bahntechnischen Anbindung Ruandas an Daressalam – und somit an den Weltverkehr von einem deutschen Hafen aus, statt über das britische Mombasa – wird im Krieg, soweit das Gleismaterial reicht, weitergebaut. Es können zwar nur 40 Kilometer Strecke von Tabora Richtung Norden fertiggestellt werden, diese 40 Kilometer ersparen aber auf der Strecke Tabora-Muansa mit seinen umfangrei-chen Transporten zwei Tagesmärsche für Trägerkolon-nen und machen entsprechend Träger frei für andere Aufgaben.
Nach Kriegsbeginn laufen Landvermessungen für eine Bahn von der Tabora-Ruanda-Strecke ab nach Muansa am Viktoriasee, um den landwirtschaftlichen Überschuß des Bezirks Muansa in andere Gegenden der Kolonie fahren zu können.
Da keine Verbindungsstraße zwischen dem Norden mit der in Ost-West-Richtung verlaufenden Usambarabahn und der Mitte mit der ebenfalls in Ost-West-Richtung verlaufenden Zentralbahn besteht – im Frieden war die Verbindung der Seeverkehr entlang der Küste – wird eine Etappenstraße gebaut auf der Träger zwölf Tagen zwischen den beiden Bahnen brauchen. Durch den Bau einer handbetriebenen Verbindungsbahn – bis kein Gleismaterial von beschlagnahmten Kleinbahnen von Plantagen mehr vorhanden ist – kann die Trägerstrecke auf neun Tage verringert werden. Durch den Regenaus-fall im Norden Ende 1915 müssen im März/April 1916 – ausgerechnet mit Beginn der großen Regenzeit – außer den normalen Nachschubtransporten an Salz und Reis, beides im Norden grundsätzlich nicht vorhanden, Muni-tion und allem möglichen Militärbedarf der Truppe an der Nordfront auch noch über diese Etappenstraße von 20.000 zusätzlichen Trägern Lebensmittel von der Mittellandbahn nach Norden verfrachtet werden. Durch die starken Erkrankungszahlen bei diesen Transporten in der Regenzeit mit Lungenentzündung und Ruhr kommen schätzungsweise 2000 Träger ums Leben.
Die kartographische Erfassung und Erkundung der wei-ßen Flecken auf der Karte von Deutsch Ostafrika werden für die Schutztruppe und ihre Bedürfnisse an Karten und für ihre Lebensmittel- und insbesondere Wasser-versorgung im Lande auch im Krieg weitergeführt. Die weitere Erkundung des Landes für die Kriegswirtschaft und die Truppe führt zur Entdeckung von bis dahin für unfruchtbar gehaltenen Gebieten als fruchtbare Gegen-den. Grundsätzlich ist aber der Süden weniger erschlos-sen als der Norden und unfruchtbarer. So hat der Süden auch noch eine Anzahl weißer Flecken auf der Landkar-te.
Erst langsam kann der Etappendienst den Süden durch-dringen, bis die Verhältnisse im Straßenwesen und Transportdienst sich denen im Norden angleichen.
Bei der Mobilmachung im August 1914 werden die Trup-pen der Kolonie zunächst östlich von Daressalam, in Pu-gu, versammelt, wo auch das militärische Oberkom-mando seinen Sitz genommen hat. Auch die proviso-rische Telefonzentrale in Pugu muß natürlich die Lei-tungsverbindungen zwischen zwei Teilnehmern von Hand zusammenstöpseln.
Lettow-Vorbeck schreibt darüber: »Der Betrieb, den die-se ganze Tätigkeit der Mobilmachung mit sich brachte, hielt nicht nur uns, sondern auch die Eingeborenen am Telephon zu Pugu Tag und Nacht in Atem, und es war erstaunlich, mit welcher Gewandtheit hier und anders-wo der Eingeborene diese Apparate bediente. Seine gro-ße Begabung für Technik hat uns die wertvollsten Dien-ste geleistet.«
Besonders im Krieg ist der Heliograph wieder ein wich-tiges Nachrichtenmittel der Truppe bei dem vorwiegen-den Sonnenwetter in Ostafrika. Heliographenstationen sind schnell und einfach errichtet und dienen für die schnelle Übermittlung von Nachrichten zwischen den Truppenteilen. Bei einer unbehinderten Sicht können bis zu 100 Kilometer zwischen zwei Stationen über-brückt werden.
In Panikreaktionen sprengen die deutschen Behörden im August 1914 die Funkmasten von Bukoba und Dares-salam. In Daressalam fürchtet man landende britische Truppen könnten den Mast als Ausguck in die deut-schen Stellung landeinwärts von Daressalam nutzen. Als Ersatz für die hohen Funkmasten werden Erdantennen gebaut, die allerdings nur Funkmeldungen empfangen können. Diese Erdantennen sind aus Draht und auf ein bis zwei Meter hohen Pfosten etwa einen Kilometer lang in Richtung Nauen ausgerichtet aufgestellt.
Anfang August 1914 ist die Großfunkanlage für Deutsch Ostafrika an Bord des Frachters General, der sich bei Kreta befindet als er wegen der politischen Krisenlage nach Konstantinopel umgeleitet wird. Die Anlage wird dann in Damaskus aufgebaut – für den Funkverkehr nach Deutsch Ostafrika. Die Funkstelle Daressalam kann im August 1914 noch die Funksprüche aus Togo emp-fangen und nach der feindlichen Besetzung Togos noch bis Mitte 1915 Funksprüche aus Südwestafrika, bis auch Südwest besetzt ist. Unter günstigen atmosphärischen Bedingungen kann Daressalam auch Nauen empfangen. Nachts zwischen 1 bis 3 Uhr, wenn die Empfangsbedin-gungen am besten sind, sitzen die deutschen Funker am Gerät und tun ihr bestes, um die schwachen Signale aus Deutschland aufzunehmen.
Die einfache Antennenanlage, die als Erdantenne auf Pfosten nahe über dem Boden errichtet werden kann, ist selbst überall im Busch aufbaubar, sofern eine ein Kilo-meter lange Schneise für die Antenne in den Busch ge-schlagen werden kann und der Boden gut für die Erdung der Antenne ist. Bedauerlicherweise findet in Deutsch-land keine sinnvolle Auswahl der gesendeten Nach-richten statt, sodaß zuweilen vollkommen unwichtige Zeitungsmeldungen gesendet werden als für Ostafrika interessante und wichtige Meldungen. Dienstliche Nachrichten der Heimatbehörden an die Regierung von Deutsch Ostafrika werden äußerst selten gesendet. Immerhin kann man sich in Daressalam aus den Funk-nachrichten aus Nauen, und später auch von der Funk-anlage in Damaskus gesendete Meldungen, ein unge-fähres Bild über die Lage in Deutschland und der Welt machen, da man ansonsten nur auf erbeutete und ge-schmuggelte stark propagandistisch gefärbte englische Zeitungen angewiesen ist.
Nach dem Ausfall der Funkanlage in Daressalam kann die Leistung der Feldfunkstellen der Schutztruppe auch mit Hilfe der aus den Schiffen in Daressalam ausgebau-ten Funkanlagen soweit gesteigert werden, daß sie Nau-en und Damaskus empfangen können. In Tabora wird mit Hilfe von Funkgeräten der deutschen Handelsschif-fe in Daressalam eine Funkempfangsanlage aufgebaut, die insbesondere Feindfunk aus Belgisch Kongo auf-nimmt. Mit dem Eintreffen neuer Liebig-Röhren im März 1916 mit dem Blockadebrecher Marie verbessert sich die Funklage weiter.
Eine Hauptaufgabe der Funkstationen in der Kolonie im Krieg ist aber nicht das Empfangen von Nachrichten aus Deutschland, sondern das Abhören von Feindsendern. Chiffrierter Feindfunk kann aber meistenteils nicht ent-schlüsselt werden, da es im Schutzgebiet an Fachleuten dafür fehlt. Aus dem aufgefangenen Schiffsfunk und dem meist unverschlüsselten Funkverkehr Belgisch Kongos lassen sich trotzdem wichtige Schlüsse auf feindliche militärische Operationen gegen Deutsch Ostafrika erkennen.
Funk spielt auch eine wichtige Rolle als das Marine-Luftschiff L 59 am 21. November 1917 in Bulgarien mit 22 Mann Besatzung abhebt für einen Versorgungsflug nach Deutsch Ostafrika. Die Strecke von Bulgarien bis in den Süden der ostafrikanischen Kolonie Deutschlands be-trägt rund 6000 Kilometer. Das Luftschiff hat 50 Tonnen wertvollen Militärnachschubs aller Art an Bord und der Zeppelin selbst, der ein Leergewicht von gut 27 Tonnen hat, kann auseinandergenommen und restlos für die Zwecke der Kolonie und der Schutztruppe verwendet werden. So kann die Hülle des Zeppelins zu Uniformen und Zelten verarbeitet werden und aus dem Alumini-umgerippe kann ein Funkmast gebaut werden, für die Verwendung des Bordfunkgerätes, und einer der fünf Motoren des Luftschiffes kann für die Funkanlage den Strom liefern.
Die Engländer wissen von dem Flug und haben Jagdflug-zeuge in dem von ihnen besetzten Teil von Deutsch Ost-afrika stationiert. Gleichzeitig ist Lettow-Vorbeck mit seinen Truppen auf dem Marsch im Grenzland von Deutsch Ostafrika und Portugiesisch Ostafrika und schwer zu finden, sodaß man dem Luftschiff über Funk den Befehl gibt den Flug abzubrechen und zurückzu-kehren als es schon bei Khartum im Sudan steht und zwei Drittel des Weges nach Ostafrika hinter sich hat. Es ist der 23. November als der Zeppelin kehrt macht und am 25. November wieder in Jamboli in Bulgarien landet. Am 25. und 26. November kann Lettow-Vorbeck große Mengen an Vorräten in Portugiesisch Ostafrika erbeu-ten.