Der französische Botschafter in Berlin, Jules Cambon, macht den Staatssekretär des Äußeren, Alfred von Kiderlen-Waechter, auf Frankreichs Ambitionen in Marokko und die baldige französische Besetzung der marokkanischen Hauptstadt Fes aufmerksam.
Arthur Zimmermann, Leiter der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, erstellt eine Denkschrift zur Marokkofrage in der es unter anderem heißt: »Sobald die Franzosen in Fes eingetroffen sind und angefangen haben sich dort einzurichten…«
Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg liest diese vom Außenminister Alfred von Kiderlen-Waech-ter genehmigte Denkschrift am 5. Mai 1911 Wilhelm II in Karlsruhe vor.
Am 21. Mai marschieren die Franzosen dann in Fes und Rabat ein. Die Denkschrift von Zimmermann besagt un-ter anderem:
»Die Akte [Algeciras-Akte von 1906] sei damit durch die Macht der Tatsachen zerrissen und sämtlichen Signatar-mächten die volle Freiheit des Handelns zurückgege-ben. Es würde dann für uns in Frage kommen, welchen Gebrauch wir von dieser Freiheit machen. Die Beset-zung von Fes würde die Aufsaugung Marokkos durch Frankreich anbahnen. Wir würden durch Proteste nichts erreichen und würden damit eine schwer erträg-liche moralische Niederlage erleiden. Wir müssen uns daher für die dann folgenden Verhandlungen ein Objekt sichern, das die Franzosen zu Kompensationen geneigt macht. Wenn sich die Franzosen aus Besorgnis für ihre Landsleute in Fes etablieren, haben auch wir das Recht, bedrohte Landsleute zu schützen. Wir haben große deutsche Firmen in Mogador und Agadir. Deutsche Schiffe könnten sich zum Schutz dieser Firmen in jene Häfen begeben. Sie können dort ganz friedlich statio-niert werden – nur um das Zuvorkommen anderer Mächte in diesen wichtigsten Häfen Südmarokkos zu verhindern. … Im Besitz eines solchen Faustpfandes würden wir die weitere Entwicklung in Marokko in Ruhe mit ansehen und abwarten können, ob etwa Frankreich uns in seinem Kolonialbesitz geeignete Kompensationen anbieten wird, für die wir dann die beiden Häfen verlassen können…«
In der Denkschrift wird auch England erwähnt in dem Sinne, »daß deren große Entfernung [Mogador und Aga-dir] vom Mittelmeer Schwierigkeiten seitens England wenig wahrscheinlich macht…«
Der deutsche Außenminister Kiderlen-Waechter will nach der Besetzung von Fes und Rabat durch französi-sche Truppen als Entschädigung für Deutschland die französische Kongokolonie verlangen und glaubt nur durch eine militärische Drohung Frankreich zu einer Kompensation in der kolonialen Angelegenheit bewe-gen zu können. Kiderlen bringt den widerstrebenden Kaiser dazu ein deutsches Kriegsschiff nach Marokko zu schicken, statt in Geheimdiplomatie die Angelegenheit unter Ausschluß der Öffentlichkeit zu einem guten Kompensationsgeschäft und territorialem kolonialen Gewinn zu machen.