Am 29. Dezember 1890 schlachtet die US-Armee an die 300 Indianer in Wounded Knee ab. Es ist das letzte Mas-saker im Krieg der USA gegen die Indianer.
Wounded Knee liegt mitten im Kontinent Nordamerika und dieser Massenmord Ende 1890 ist regelrecht be-zeichnend für die endgültige Eroberung des Kontinen-tes durch die Weißen.
Bericht des Indianers American Horse:
»Eine Frau mit einem kleinen Kind auf dem Arm wurde erschossen, während sie die Waffenstillstandsfahne be-rührte, und die übrigen Frauen und Kinder wurden durch das ganze Dorf zerstreut. Gleich neben der weißen Fahne wurde eine Mutter mit einem Baby im Arm er-schossen; da das Baby nicht wußte, daß seine Mutter tot war, versuchte es weiter zu trinken, und das war ein besonders trauriger Anblick. Die Frauen, die mit den Kindern zu fliehen versuchten, wurden auf der Flucht erschossen, und schwangere Frauen wurden ebenfalls niedergeschossen. Alle Indianer flohen in drei Richtun-gen, und nachdem die meisten von ihnen getötet wor-den waren, riefen die Soldaten, alle, die noch nicht tot oder verwundet seien, sollten hervorkommen; ihnen werde nichts geschehen. Kleine Jungen, die nicht ver-letzt worden waren, verließen ihre Zufluchtsorte, und sobald sie in Sicht kamen, wurden sie von Soldaten um-ringt und massakriert.«
Bericht des Indianers Black Elk:
»Wir eilten der Schlucht entlang hinab, doch was wir sahen, war furchtbar. Tote und verwundete Frauen, Kin-der und Säuglinge lagen überall auf dem Weg, auf dem sie sich hatten retten wollen. Die Soldaten hatten sie, als sie die Schlucht hinab liefen, verfolgt und dort ermor-det. Zuweilen lagen sie in Haufen, da sie sich zusam-mengedrängt hatten, und überall lagen andere einzeln herum. Da und dort, wo die Kanonen hingezielt hatten, lagen getötete und in Stücke gerissene Menschen in Haufen. Ich sah ein kleines Kind, das an seiner Mutter zu saugen versuchte, doch die Mutter war blutüber-strömt und tot. … Männer und Frauen und Kinder lagen in Haufen oder einzeln auf der Erde am Fuße des klei-nen Hügels, wo die Soldaten ihre Kanonen aufgestellt hatten. Aber gegen Westen hin, die Schlucht hinan bis zu dem Hügelkamm, lagen tote Frauen und Kinder und Säuglinge zerstreut. Als ich dies sah, da wünschte ich, ich wäre auch gestorben, doch bedauerte ich die Frauen und Kinder nicht. Es war für sie besser, in der anderen Welt glücklich zu sein, und ich hätte dort sein mögen.«
20 Soldaten des am Massaker beteiligten Regiments bekommen für ihre Mitwirkung an dem Massaker die Medal of Honor. Die Medal of Honor ist die höchste mili-tärische Auszeichnung der amerikanischen Regierung. Sie wird verliehen für »auffallende Tapferkeit und Furchtlosigkeit bei Lebensgefahr weit über die Pflicht-erfüllung hinaus im Gefecht gegen einen Feind der Vereinigten Staaten«.
Im ganzen Zweiten Weltkrieg wird die Medal of Honor nur 289 mal verliehen.
In den USA werden um die Jahrhundertwende tausende Schwarze zu Tode gelyncht und kein Staat der Welt, schon gar keine europäische Kolonialmacht, meldet sich über diesen Massenmord an Schwarzen zu Wort.
Die Filipinos haben aus eigener Kraft die Jahrhunderte lange spanische Kolonialherrschaft über ihre Inselwelt 1898 bereits schon fast militärisch besiegt als amerika-nische Truppen auf den Philippinen landen. Am 12. Juni 1898 erfolgt die philippinische Unabhängigkeitserklä-rung, welche aber weder von Spanien noch von den USA anerkannt wird. Die US-Militärführung benutzt die phi-lippinische Befreiungsarmee aber, um den restlichen spanischen Widerstand niederzukämpfen. Am 23. Ja-nuar 1899 kommt es zur Ausrufung der philippinischen Verfassung und zur Gründung der Philippinischen Republik. Die philippinische Regierung nimmt Sitz in Malolos, da Manila aus dem spanisch-amerikanischen Krieg noch unter amerikanischer Besatzung steht. Am 4. Februar beginnt der Angriff der Amerikaner auf die regulären Truppen der Republik der Philippinen.
Auf der Insel Samar gelingt es den philippinischen Truppen am 27. September 1901 bei einem Überfall auf eine Einheit von 88 US-Soldaten 59 zu töten und 23 zu verwunden. Nur sechs amerikanische Soldaten bleiben unverletzt. Dies ist die schlimmste militärische Nieder-lage für die US-Streitkräfte seit der Schlacht am Little Bighorn 1876 gegen Indianer von Sitting Bull und Crazy Horse.
Jacob H. Smith, ein Veteran des Wounded-Knee-Massa-kers der US-Kavallerie an Indianern 1890, ordnet an, die ganze Insel Samar in eine „heulende Wildnis“ zu ver-wandeln: „I want no prisoners. I wish you to kill and burn; the more you kill and burn the better it will please me.“ / „Ich wünsche keine Gefangenen. Ich wünsche, daß ihr tötet und niederbrennt; je mehr getötet und niedergebrannt wird, um so mehr wird es mich erfreu-en.“ Die Kriegsverbrechen von General Smiths Truppen werden erst im März 1902 in den USA bekannt und führen zu einer großer Empörung.
Mit einem Einsatz von 70.000 Soldaten in einem von den USA mit äußerster und abstoßenster Brutalität bis 1902 geführten Krieg wird die Philippinische Republik be-siegt. Eine Million Filipinos kostet der US-Eroberungs-krieg das Leben. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung. Mark Twain schreibt verbittert:
»Wir haben tausende der Inselbewohner befriedet, in dem wir sie beerdigt haben, ihre Felder zerstörten, ihre Dörfer verbrannten und ihre Witwen und Waisen ver-trieben.«
Carl Schurz, der deutsche Revolutionär von 1848/49, Ge-neral der Nordstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg und später von 1877-81 US-Innenminister als welcher er bedeutende Verbesserungen für die Indianer schafft, rät US-Präsident William McKinley die Philippinen als Mandat an eine kleine Macht wie Belgien oder Holland zu geben. McKinley aber behält die sehr blutig eroberte Kolonie und erklärt einer Gruppe von Pfarrern wie die Vereinigten Staaten in den Besitz der Philippinen ge-kommen sind:
“Ich schäme mich nicht Gentlemen, ihnen zu sagen, daß ich nicht nur in einer Nacht auf die Kniee ging und zum allmächtigen Gott betete für Licht und Führung. Und eines nachts kam es mir: Ich weiß nicht wie aber es kam zu mir, daß wir sie nicht an Spanien zurück geben kön-nen. Das wäre feige und unehrenhaft. Daß wir sie nicht Frankreich oder Deutschland übergeben können – un-seren Handelsrivalen im Orient – das wäre ein schlechtes Geschäft und entehrend.“
In Madagaskar hat Frankreich bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts allen Widerstand gegen seine Herrschaft gebrochen, bis auf den Stamm der Antandroy im trok-kenen Dornenland im Südosten der großen Insel, der sich nicht unterwerfen will.
Die Franzosen hatten aus Mexiko am Ende des 18. Jahr-hunderts den Feigenkaktus eingeführt und als zusätz-liche Sicherung ihres Forts Dauphin rings um das Fort gepflanzt zum zusätzlichen Schutz gegen Angriffe der Einheimischen. Die stachelige Pflanze wächst im trok-kenen Süden Madagaskars hervorragend und auch die Einheimischen wissen bald den Kaktus zu schätzen als Schutzwall um ihre Dörfer und Rindergehege und als Nahrungslieferant durch seine Früchte. Die Kakteen selbst werden durch abbrennen ihrer Dornen auch ein nahrhaftes und wasserhaltiges Fressen für ihre Rinder in der Trockenzeit. Durch den Segen des Feigenkak-tusses wachsen die Rinderherden der Antandroy und auch ihre eigene Bevölkerungszahl steigt. Weil nun die Franzosen die Antandroy auch mit militärischer Gewalt nicht niederringen können kommen sie auf die Idee den schlimmsten Feind der Feigenkakteen, einen Käfer na-mens Dactylopius coccus, aus Mexiko zu importieren und gegen die Kakteenwälder der Antandroy einzuset-zen, um sie ihrer Nahrungsgrundlage zu berauben. Der Käfer ist ein durchschlagender Erfolg gegen die Antan-droy. Innerhalb kürzester Zeit verschwindet der Feigen-kaktus aus der Landschaft. Einige zehntausend Rinder des Stammes, und wohl kaum weniger Menschen, ver-hungern, verdursten oder müssen aus dem trockenen Dornenland flüchten und der Widerstand der Antan-droy gegen die französische Kolonialherrschaft ist ge-brochen.