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Verkehr VII

Die Reichspostdampferlinien zu den Kolonien werden von deutschen Reedereien betrieben, die für den regel-mäßigen Postverkehr staatlicherseits subventioniert werden. Dafür sind die Reedereien mit diesem staat-lichen Vertrag verpflichtet, nur auf deutschen Werften gebaute Schiffe für diese Liniendienste einzusetzen, was wiederum den deutschen Schiffbauern zugute kommt. Diese Schiffe fahren außer der ladungsmäßig geringen Menge Post auch Fracht und Passagiere und haben auf dem Oberdeck einen Aufbau als Passagierschiff, um sowohl Fracht als auch Fahrgäste in die Kolonien und zurück befördern zu können und sie transportieren auch die normalen Truppenablösungen zwischen den Schutzgebieten und der Heimat.

Es gibt mehrmals monatlich Abfahrten zu den afrikani-schen Kolonien, die abwechselnd rechtsherum oder linksherum Afrika zu den deutschen Besitzungen umrunden, aber auch andere Häfen des afrikanischen Kontinents anfahren. Für den Postverkehr mit den deutschen Besitzungen im Pazifik gibt es ebensolche Fahrten und Verträge.

Solche staatlich subventionierten Postdampfschiffslini-en werden von allen Kolonialmächten unterhalten und selbst von Österreich, wobei die deutschen staatlichen Zuschüsse als die niedrigsten anzusehen sind. Auch die deutschen Kriegsschiffe sind mit der Post ihrer Besat-zungen eingebunden in das Reichsschiffspostnetz.

Im Jahre 1908 unterhält die Reichspost 138 Postämter in den Kolonien und 31 Postämter in Marokko, der Türkei und in China.

In einer Schrift von 1908 ist zu lesen: »Es leuchtet ohne weiteres ein, daß der Wert einer Postsendung im über-seeischen Verkehr ein bedeutend größerer ist, als im nahen Landverkehr. Er wächst in demselben Umfange wie die Länge des Beförderungsweges zunimmt und die Zahl der Beförderungsgelegenheiten sich vermindert. Ein in Verlust geratener Brief von Berlin nach Hamburg läßt sich innerhalb 24 Stunden ersetzen, geht aber ein Brief von Berlin nach Ponape (Karolinen) verloren, so ist ein Zeitraum von etwa 9 Monaten erforderlich, um den Ersatzbrief nach Ponape zu schaffen. Aus diesem Grun-de gilt die Post an Bord der Überseedampfer mit Recht nächst den Passagieren als die wichtigste und kostbarste Ladung, der man besondere Sorgfalt zuwendet.«

Die deutsche Briefpost nach Süd- und Ostasien hatte 1896 ein Gewicht von 107 t, wovon nur 10 t durch Reichs-postdampfer befördert wurden. 1907 ergibt sich eine Briefpost in die gleiche Richtung von 310 t, wovon 79 t durch Reichspostdampfer befördert werden. Mit dem Einschluß der Briefpost aus fremden Ländern sind den deutschen Postdampfern 1907 insgesamt 400 t Briefpost zugewiesen worden gegenüber 20 t im Jahre 1896. Bei der Paketpost wurden 1896 11.831 Stück von den Reichs-postdampfern von Deutschland nach Asien befördert, 1911 sind es 72.583 Pakete.

1910 wird der Postverkehr nach China auch auf die chi-nesischen Postanstalten ausgedehnt. Die Deutsche Post betreibt in China selbst Postanstalten, so in Amoy, Fu-tschau, Itschang, Kanton, Nanking, Peking, Schanghai, Swatau, Tientsin, Tongku, Tschifu, Tschingtschoufu, Tschinkiang, Tschontsun, Tsinanfu und Weihsien. Zu dieser Zeit bieten die Reichspostdampfer nicht nur den billigsten Tarif, sondern auch die sicherste Versen-dungsmöglichkeit.


Während die beiden größten Schiffe der Welt, die deutschen Passagierdampfer Imperator und Vaterland, auf Fahrt zwischen Hamburg und New York pendeln und zum gewaltigen Nordatlantikverkehr an Waren und Menschen beitragen, läuft die noch größere Bismarck am 20. Juni 1914 in Hamburg vom Stapel.

Auch im Passagierluftverkehr ist Deutschland führend, ja das einzige Land, das überhaupt Passagierluftfahrt betreibt. Seit 1911 fahren die Zeppeline der Deutschen Luftschiffahrts-Aktiengesellschaft (DELAG) Post und Fahrgäste über das Reich und die Ausdehnung des Fahrbetriebes in andere europäische Länder ist vor-gesehen. Der Erbauer der Luftschiffe der DELAG plant schon den Luftverkehr Deutschland-USA und Konstruk-tionsarbeiten für ein entsprechendes Luftschiff haben begonnen, mit dem Graf Zeppelin 1915 nach Amerika fahren will.

Auch für den Passagierluftverkehr mit Flugzeugen hat Deutschland die Führung. Im Dreieckflugwettbewerb vom 30. Mai bis 5. Juni 1914 Berlin-Leipzig-Dresden, mit dreimaliger Umfliegung des Dreiecks ausschließlich mit deutschen Maschinen mit deutschen Motoren, werden die drei Städte eine Woche lang ohne Unfälle abge-flogen. Als Ergebnis des »Dreieckfluges« entsteht der Gedanke eines planmäßigen Luftverkehrs von Berlin aus zu anderen Städten und noch im Sommerhalbjahr 1914 soll der Plan verwirklicht werden, denn für einen Winterflugbetrieb sind die Flugzeuge noch nicht geeig-net. Damit wäre Deutschland auch das erste Land mit einem Passagierluftverkehr mit Flugzeugen.

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Wirtschaft VI

In der Ausgabe vom 26. März 1914 der Sozialistischen Monatshefte, einer SPD-nahen Zeitschrift, schreibt der SPD-Reichstagsabgeordnete Ludwig Quessel, »daß die wachsende Produktion von Gebrauchswerten in den Kolonien sich möglichst ohne Mehrwerterzeugung [Gewinn ohne Arbeit] vollzieht. Daß dies möglich ist, zeigt uns Togo, wo der Plantagenbetrieb fast gar keine Rolle spielt. Gerade deswegen ist Togo aber auch die blühendste der deutschen Kolonien, das tropische Musterländle…  Bei den Eingeborenenkulturen ist die Mehrwerterzeugung ausgeschlossen, sofern die Ver-waltung dafür sorgt, daß die farbige Bevölkerung nicht von wucherischen Händlern ausgebeutet wird. Togo mit seinen blühenden Eingeborenenkulturen weist keine Abnahme der Bevölkerung auf, obwohl dort mangels ausreichender Eisenbahnen das mörderische Träger-wesen zahlreiche Opfer fordert. – Obwohl ich damit rechnen muß, daß meine Ansicht, die Heranziehung der Eingeborenen zu einer mäßigen Steuer sei sowohl im proletarischen wie im kulturellen Interesse gerecht-fertigt, bei vielen Genossen Widerspruch hervorrufen wird, kann ich jedoch nicht umhin, sie besonders zu betonen. – Wobei zu beachten ist, daß die eingehenden direkten und indirekten Steuern der Eingeborenen sehr wohl in einer Weise Verwendung finden können, die zum Wohl der Negerbevölkerung ausschlägt. Ich er-innere hier nur an das Sanitätswesen, an wasserwirt-schaftliche Arbeiten, Verkehrsanlagen, Aufrechterhal-tung des Landfriedens usw. Daß der Neger die Notwen-digkeit aller dieser Dinge nicht einzusehen vermag, ist allerdings richtig; aber das war vor 100 Jahren bei der ländlichen Bevölkerung Deutschlands auch noch viel-fach der Fall…«