Da die Kolonien tausende Kilometer von Deutschland entfernt liegen, ist die Anreise natürlich eine besondere Angelegenheit für die zukünftigen Bewohner der Kolo-nien, ihre Besucher oder Soldaten, welche zeitweilig in einer Kolonie dienen. Viele der Kolonialreisenden waren zuvor noch nie im Ausland gewesen und nun machen sie eine wochenlange Fahrt in eine völlig unbe-kannte Welt. Zunächst gilt es den Abfahrthafen zu er-reichen, um dann mit dem Schiff die weite Reise nach Afrika oder in den Pazifischen Ozean anzutreten. Wir lassen hier die Reisenden selber ihre Erlebnisse schil-dern für einen Eindruck ihres Reiseabenteuers.
Als im Januar 1904 der Hereroaufstand in Deutsch Südwestafrika ausbricht werden sofort freiwillige Solda-ten aus Deutschland in die südafrikanische Kolonie geschickt. An Bord des ersten Truppentransports, der am 21. Januar 1904 von Wilhelmshaven ablegt, befindet sich auch der spätere Direktor des Meereskundemuse-ums von Berlin, Michaelsen, der sein Erlebnis als Soldat unter dem Pseudonym Peter Moor 1906 in dem Buch Peter Moors Fahrt nach Südwest veröffentlicht. Micha-elsen ist in Kiel stationiert als er sich als Freiwilliger nach Südwest meldet. Seine Beschreibung der Reise ist bezeichnend für Truppentransporte in die Kolonien. Meistenteils sind es Ablösetransporte von Truppen oder Kriegsschiffbesatzungen. Michaelsens Fahrt ist zwar eine militärische Sonderfahrt, findet aber nach der »Vor-schrift für Friedensablösetransporte« statt. Im neuen Jahrhundert werden nur im Jahre 1900 und 1904/05 Truppen aus Deutschland zum Kampf in Kolonialkriege geschickt. Die 15.000 Mann der 1900 nach China ent-sandten Truppen kommen allerdings fast gar nicht zum Kampfeinsatz. Die etwa 18.000 nach Südwestafrika ver-schifften Soldaten dagegen schon.
Michaelsen: »Auch viele Bürger redeten uns an, sagten, es würde eine sehr interessante Fahrt werden und es würde eine angenehme und schöne Erinnerung fürs Leben bleiben, und wünschten uns gute Heimkehr.
Am andern Tage, als wir in der folgenden Nacht mit der Bahn nach Wilhelmshaven abreisen sollten, kamen Va-ter und Mutter auf zwei Stunden von Itzehoe herüber. Ich holte sie vom Bahnhof ab und ging ein wenig mit ihnen die Holstenstraße entlang bis nach dem Schloß-platz. Mein Vater fragte dies und das, ob da wilde Tiere wären, ob die Feinde schon Alle Gewehre hätten, oder ob sie noch mit Pfeil und Bogen schössen, ob es dort sehr heiß und fiebrig wäre und dergleichen. Ich konnte nicht viel drauf antworten; denn ich wußte alles dies nicht. Ich nahm aber an, daß es so wäre, wie er sagte, und gab ihm in allem recht. Wir saßen eine Stunde in einer Wirtsstube in der Nähe des Bahnhofs, sahen aus dem Fenster nach den Leuten, die vorbei gingen, und sagten nicht viel. Meine Mutter schwieg fast ganz. Sie starrte mit großen, steifen Augen auf den Fußboden und wenn sie aufsah und mich mit ihren Augen streifte, sah sie mich an, als ob sie mich das letzte Mal sähe. Als es Zeit wurde, brachte ich sie wieder nach dem Bahnhof.
Als der Hamburger Zug kam und sie einsteigen mußten, bat mich mein Vater, ich möchte ihm irgendeine Klei-nigkeit mitbringen, ein Horn, oder einen Schmuck der Feinde, oder so was. Ich glaube: das hat er sich aufge-spart, damit er im letzten Augenblick etwas zu sagen hätte. Meine Mutter aber umarmte mich plötzlich mit Weinen. Da sie mich seit meiner frühesten Kindheit niemals mehr umarmt hatte, erschrak ich und sagte: „Was tust Du, Mutter?“ Sie sagte: „Ich weiß nicht, mein Sohn, ob ich Dich wiedersehe.“ Ich lachte und schüttelte ihre Hände und sagte: „Es ist gar keine Gefahr! Ich will schon wiederkommen!“
Als ich im Dunkeln nach der Kaserne zurück kam, war da ein großes Leben. Eltern, Geschwister, Verwandte, Bräute und Bekannte waren gekommen; sie tanzten und tranken und redeten.
…
Um Mitternacht nahmen wir auf dem Hofe Aufstellung und gingen dann mit vollen Kapellen durch die Stadt.
Wenn ich hundert Jahre alt werde, so vergesse ich doch niemals diese nächtliche Stunde, als Tausende von Men-schen mit uns zogen und in unsere Sektion drangen, uns anriefen, grüßten und winkten, und Blumen auf uns warfen und unsere Gewehre trugen und uns zum Bahn-hof brachten. Der Platz vor dem Bahnhof war schwarz von Menschen.
Auf der Bahnfahrt nach Wilhelmshaven schlief und dös-te ich so vor mich hin. Auch die anderen waren müde. Als wir ankamen, ging ich mit einigen anderen in eine kleine Wirtschaft nicht weit vom Hafen und bekam für viel Geld ein wenig schlechtes Essen. Um vier nachmit-tags traten wir wieder an und gingen unter dem Zu-schauen vieler Menschen, die aus der ganzen Umge-bung zusammengelaufen waren, zu zweien, mit voller Bepackung, die lange, schmale Holztreppe hinauf, die vom Kai auf das hohe Schiffsdeck führte. Es war ein heller, bitterkalter Wintertag.
Wir stiegen zwei kurze Treppen hinunter und kamen in einen ziemlich großen, niedrigen Raum, der so ganz und gar und so dicht mit Bettgestellen belegt war, daß wir uns wunderten. In zwei Stockwerken standen sie über- und unter- und hart beieinander. Sehr schmale Gänge liefen zwischen ihnen hin und an den Wänden entlang. Ich bekam ein unteres Bett.
Da stellten und legten wir nun an und über unser Bett alles hin, was wir hatten: Gewehr, Tornister und Klei-dersack. Und packten und hantierten und standen in-zwischen an den Bullaugen und sahen aufs Wasser, und waren sehr lebhaft und guter Dinge, wie immer in einem neuen Quartier; und wurden nur fortwährend durch das Zittern, das vom Gang der Maschinen her durch das ganze Schiff ging, erinnert, daß dies unser Quartier uns in die weite Ferne trug. Wie aßen im selben Raum, an der Seite, an langen Tischen, und bekamen an diesem Abend Erbssuppe und Kaffee.
Nachher ging ich noch einige Zeit hinauf und stand im Windschutz der ersten Kajüte an der Reeling und sah nach der Küste hinüber. Ich sah aber im Dunkeln nichts weiter als von den Lichtern des Schiffes einen gelb-lichen, wirren Schein in schwarzen, schwer rauschen-den Wellen, und in der Ferne einige stillstehende Lich-ter, wohl von Leuchttürmen oder Feuerschiffen; und am Himmel die Sterne. Da wurde ich von dem Gedanken bedrückt, daß ich fortgebracht würde und mich nicht dagegen wehren könnte und in der Fremde vielleicht Furchtbares erleben müßte. Ich fand aber Hilfe, als ich vor Gott gelobte, daß ich gut und fröhlich und mutig sein wolle, was mir auch geschähe.
Am andern Morgen sahen wir nichts als weites, dunkel-graues Meer, soweit das Auge sah. Am Horizont standen einige Rauchwolken und einige kleine Segel. Wir gin-gen zum Appell an Deck und bekamen jeder auf unsern linken Arm einen Anzug aus leichtem braunen Leinen, das Khaki heißt, und große, topfartige, hellbraune Hel-me aus Kork, sogenannte Tropenhelme. Wir wunderten uns und lachten; und gingen in unsern Schlafraum und probierten die Helme und machten viel Unsinn. Nach-her befestigten wir Knöpfe an die Anzüge. Wir standen aber viel an den Bullaugen und sahen hinaus. So waren wir den ganzen Tag sehr tätig. Einige schrieben schon die ersten Ansichtspostkarten.
…
Am zweiten Tag standen wir lange an der Steuerbord-reeling und sahen nach der Küste von England hinüber, welche, gar nicht fern, mächtig schroff und stark aus dem Wasser aufstieg, und nach den Fischerböten, wel-che in ihren grauen oder schwarzen Segeln in großer Zahl auf dem weiten, bewegten Wasser lagen. … und freute mich, … daß ich wohl als der erste von allen, die mit mir die Itzehoer Volksschule besucht hatten, diese Gegend mit meinen Augen sah.
…
Das Wetter war kalt, hell und windig. Wir sahen klei-nere Schiffe auf den Wogen auf- und niedergehen; aber unser großes Schiff rührte sich nicht viel, und es waren nur Einige ein wenig seekrank. Ich konnte es nicht er-tragen, das lange, lange Deck entlang zu sehn, wie es sich langsam ein wenig hob und dann wieder hinunter-ging. Es erschien mir so unvernünftig und unglaublich, und es legte sich ein Druck auf den Vorderkopf und auf den Leib. Auch andern ging es so. Aber wenn ich mich dann zusammennahm und mich aufrichtete und hin und her ging und weit übers Meer sah, verging es wie-der. Aber als wir aus dem Englischen Kanal heraus und in das Gebiet der Biscaya kamen, da wurde es plötzlich schlimm.
Ich stand gerade in Gedanken vor meinem Bett, Behrens neben mir; wir besahen gemeinsam ein Bild seiner El-tern, das sie ihm mitgegeben hatten. In dem Augenblick hob und schob sich ganz plötzlich der Boden schräg un-ter unseren Füßen, während im gleichen Augenblick ein mächtiges Krachen, Klirren, Fallen und Schreien von überall her kam und wir beide übereinander und über das Bett fielen, und mit Armen und Beinen nach allen Richtungen Hilfe und Stützen suchten. Mühsam kamen wir wieder hoch und griffen nach den eisernen Stangen, welche die Bettstellen trugen, und torkelten, indem nun die andere Seite des Schiffes gewaltig hoch fuhr, gegen die andere Bettreihe; und strebten aus den Bettreihen heraus, als wenn da Rettung wäre. Ich hatte aber erst wenige Schritte gemacht, da war mit zumute wie da-mals, als ich zwölfjährig die erste Zigarre geraucht hatte. Ein Druck lag mir schwer auf dem Kopf, und mein Ma-gen stieg und stieg zum Hals hinauf. Mein ganzer Mut und all meine Lebenslust war weg, und Angstschweiß tropfte mir von der Stirn. Da ging ich taumelnd und kläg-lich den Gang wieder zurück und warf mich auf mein Bett. Es war nur gut, daß ich nicht in ein oberes Bett hinauf mußte.
Es war eine schlimme Nacht. Wenn ich jetzt, nach zwei Jahren, daran denke, wird mir noch wieder schlimm zumute und ich muß schlucken. Was war das für ein Gespuck und Gewürge! Viele jammerten, als ob ihr letzter Tag gekommen wäre.
…
Und da, als ich so dastand und auf das Zittern des Schiffes und auf sein schweres Wogen achtete und auf die großen, schwer aufrauschenden und schäumenden Wogen starrte, hatte ich auch wieder ein besonderes Glück. Ich sah, nicht weit von unserem Schiff, einen mächtigen Segler dahingleiten. Alle seine ungeheueren Segel hoch, lag er schräg vorm Wind, daß ich im grau-enden Morgenschein das ganze Deck sehen konnte und den Steuermann im dicken Mantel so recht gemütlich auf dem Skylight sitzen sah, die kurze Pfeife im Mund. Es hob und senkte sich, von der Back bis zu Heck, schwer und machtvoll; aus zwei Fenstern kam heller Lichtschein. So zog es, eine mächtige Erscheinung, wie voll von einer ruhigen, großen Seele, lautlos, schön und mühelos im dunkelgrauen Morgen die dunkle, wilde Meerbahn. Ich habe niemals etwas Schöneres gesehen, von Menschen gemacht. Und ich wurde gesund davon.
Es wurde von Tag zu Tag wärmer. Nicht weil der Frühling kam, sondern weil wir immer weiter nach Süden fuhren und die Sonne also immer senkrechter auf uns fiel. Die Sonne strahlte, das Meer war wieder ruhig. Wir waren vormittags sehr fleißig. Es war überm Heck ein Balken aufgestellt, der an seinem oberen Ende eine Scheibe trug; danach schossen wir mit unseren neuen Geweh-ren. Die Offiziere schossen auch, jeder mit seinem Re-volver; und jeder prahlte mit seiner Waffe. Nachmittags saßen wir auf dem Deck umher, reinigten die Gewehre, oder flickten, oder wuschen; und unterhielten uns und sangen dazu. Abends saßen wir im Kreise und erzählten uns Kasernengeschichten aus Kiel, oder es erzählte je-der aus seiner Heimat. Einige Schelme konnten Stücke vortragen, die sie gelernt hatten, oder aus der Luft grif-fen. Es ging alles auf Hochdeutsch. Sie neckten uns Holsteiner aber, weil wir das „S“ so zwischen die Lippen nahmen, als wäre es eine Nadel.
…
Einige spielten immer Skat. Ihr Eifer wurde immer grö-ßer; ihre Karten immer schmutziger. Es war ihnen ganz einerlei, was um sie vorging. Ob wir zu ihnen sagten: „Ihr da, da sind fliegende Fische zu sehen! Sie schwenken ein wie Schwadronen!“ Oder: „Ein großer englischer Damp-fer kommt vorüber!“ Oder: „Ihr da, seht mal auf, wie schön die Sonne untergeht: das ganze Meer bis zu ihr hin ist goldgrün, und jede Welle hat einen blauschwar-zen Kamm.“ Oder: „Habt ihr schon Meerleuchten ge-sehen? Geht doch mal nach dem Heck und seht, wie die aufbrodelnden Wellen ganz voll von warmem, rotem Feuer sind.“ Aber sie sahen nicht auf. Sie schüttelten ärgerlich den Kopf; oder sagten: „Guck Dir das man genau an!“ und spielten weiter. Sie spielten um nichts.
Es waren ziemlich viele Kleine und ganz Junge unter uns, zwanzig Jahre alt und noch darunter. Ich glaube, von ihnen hatte mancher schweres Heimweh. Und eini-ge von ihnen erschraken, so schien es mir, über alles Neue, das sie sahen. Es war ihnen verwunderlich und fast unheimlich und sie wurden immer stiller. …
Andere saßen in einer Ecke und übten stundenlang, eine Kapelle zustande zu bringen. Der eine hatte einen Kamm quer vorm Mund, der andere klapperte mit Holz-stücken, der dritte pfiff durch die Finger; unsere Spiel-leute lieferten Flöte und Trommel. Ein kleiner Schlesier war der Hauptmakker. Er war es auch, der an jedem Abend die Lieder anstimmte, die wir zusammen sangen. Und besonders war es ein Lied, das wir sangen, daß es weit und traurig übers Meer klang: ‚Nach der Heimat möchte ich wieder.’ …
Es wurde immer wärmer und sonniger. Wir kamen in die Höhe der Straße von Gibraltar. Wir zogen die blauen Anzüge aus und zogen die leinenen braunen Khaki-sachen an. Immer, Tag und Nacht, zitterte das Schiff vom Gang der Maschine, wie der menschliche Körper vom Schlag des Herzens. … Eines Tages sah ich auf der gro-ßen Karte, welche an der Treppe hing und auf welcher die tägliche Stellung unsres Schiffes bezeichnet war – wir standen oft in Haufen vor dieser Karte –, daß nun bald die Insel Madeira kommen mußte.
Und am andern Morgen schon, in aller Frühe, als ich sofort nach der Back ging, um Ausschau zu halten – viele standen schon da –: da lag vor uns, nicht mehr fern im Meer, ein buntes Eiland. Es erhoben sich rauhe Felsen breit, wuchtig und kahl, von denen der mittlere alte breite Festungsmauern als schöne Krone trug. Davor aber, vom Strand sanft aufsteigend, breitete und dehnte sich eine ziemlich große Stadt von weißen, plattdachigen Häusern, die sich weiter nach oben hin, rund zu Füßen der alten Feste, in üppigem Grün, in Wäldern und Blu-menfeldern verloren.
Immer näher kamen wir dem schönen Wunder. Wir standen und staunten und glitten in die Bucht hinein, wie neugierige Kinder dem Bilderbuch näherrücken, bis wir dicht davor waren. Da hörten wir auf das Schreien und Zurufen unter uns und sahen unter uns Böte dicht am Schiff, deren Insassen aussahen wie Italiener, dun-kelbraun von Haut und bunt gekleidet. Sie standen auf-recht in Böten und hielten Fruchtkörbe in die Höhe und riefen zu uns hinauf. Wir kauften aber nichts, da wir wußten, daß wir an Land kommen würden.
Am Vormittag noch ging ich mit vielen andern die schmale Holztreppe hinunter, die draußen an der Schiffswand hinabgelassen war, und stieg in eins unsrer großen Boote, und wurde an Land gerudert. Wie war alles neu! Und wie war alles bunt! Unser Leutnant hatte uns gewarnt: „Ich will Euch was sagen: Kauft nicht so dumm drauflos! Es ist nicht alles, was bunt ist, schön und echt. Und nehmt euch mit dem Wein in acht!“ Aber es dauerte nicht lange, da standen hier zwei, dort drei, dort fünf und sechs in dem weit geöffneten und niede-ren Läden und kauften für ihre Schwestern und Bräute Blusen und Tücher, alles aus leuchtender Seide in allerschönsten Farben. Und sie riefen mich an und sagten: „Du mußt doch auch ein Andenken mitbringen, Moor. Vielleicht ist der Aufstand vorbei, wenn wir in Swakopmund ankommen und wir kommen gar nicht an Land. Wenn Du dann nachher zu hause sagst, Du wärst auch mit gewesen und hast nichts aufzuweisen, glaubt es dir keiner.“ Das schien mir richtig, was sie sagten, und ich ging hinein und kaufte zwei kleine seidene Hals-tücher für die beiden ältesten Schwestern; denn einen Schatz hatte ich nicht, und meine Mutter würde so Buntes niemals anlegen, Als wir endlich wieder heraus kamen, ging gerade der Leutnant vorüber, der vorhin so großartig von „Ich warne Euch“ geredet hatte und hatte schon ein Paket in der Hand und ich mußte ein wenig lachen und er lachte auch.
Es war überhaupt, als wenn wir alle, sobald wir das Land betreten hatten, von lieblichem Wein trunken waren: so schön hell und weich schien die Sonne und so glänzte alles in Farben und so fröhlich waren die Menschen. Ich dachte: ‚Mach Deine Augen auf, daß Du jetzt etwas siehst; wer weiß, ob Du noch einmal im Leben wieder unterwegs kommst.’ Ich ging durch mehrere Straßen und wunderte mich über alles, was ich sah, so über das langohrige Pferd, das vor seinem Karren ging, und er-kannte plötzlich, daß es ein Maultier war, das ich zu-weilen auf Bildern gesehen hatte. Ich besah die fremden Worte auf den Schildern der Läden und merkte mir am Inhalt des Ladens einige Worte. Ich sah nach den Frau-en in bunten Kopf- und Schultertüchern und nach den Männern, die breite Schärpen um den Leib trugen; wun-derte mich über den Stolz um den Mund und das dunkle Feuer im Auge. Ein Soldat kam langsam des Weges, ein schöner Mensch, aber in schlampiger Uniform. Er legt die Hand an die Mütze und sah mich freundlich an; da grüßte ich ihn ebenso.
Nachdem ich so eine Weile allein gegangen war, kam ich wieder an den Strand und fand einige Kameraden in einer offenen Weinstube sitzen, dicht an der Straße, fast auf dem Bürgersteig. Sie saßen um kleine Tische und schrieben eifrig Ansichtspostkarten und tranken dabei aus kleinen Gläsern. Ich setzte mich zu ihnen, winkte und bekam auch ein Glas und schrieb auch eine Karte an meine Eltern. …
Nach einiger Zeit kamen einige der Unsrigen vorüber, die sangen und waren laut und wankten ein wenig. Da drängte ich die anderen, daß wir weiter gingen. Der Wirt, in roter Weste und Hemdärmeln, konnte sicher kein einziges deutsches Wort sonst, aber die Namen der deutschen Geldstücke kannte er.
…
Am dritten Morgen hiernach stand ich ziemlich früh an der Reeling und wartete auf den Dienst und sah so in Gedanken verloren übers Wasser, ob ich wohl etwa in der Ferne eine der Kapverdischen Inseln entdecken könnte, in deren Nähe wir nun waren. Es schien mir aber ziemlich zwecklos; denn es war noch neblig.
… So ergriff mich das Wunder, das Gott hier mitten ins weite Wasser und unter die brennende Sonne gestellt hat. [Der 2830 m aus dem Wasser ragende Vulkan Fogo.] Sie standen alle und sahen hinauf. Einige redeten laut; aber viele sahen still hinauf. Und sahen, wie die Nebel da oben in der ungeheuren Höhe zur Seite glitten, und die glatten, schrecklich steilen Felsen sichtbar wur-den, die wie alte, ungeheuere Festungsmauern sich auf-türmten, eine auf die andre. Und auf der obersten, brei-ten, zerfallenen Mauer lag der ewige Schnee. Langsam glitten wir an seinem steinernen Fuß dahin.
Es ging immer weiter, Tag und Nacht, immer nach Sü-den. Es ist ein Wunder, wie groß die Welt ist. Wie leicht und rasch gleitet auf der Landkarte die Hand von Ham-burg nach Swakopmund; aber wie arbeitet die Maschine hastig, eintönig, dumpf fleißig, unermüdet, durch Tag und Nacht, über drei Wochen lang. …
Wir übten vormittags fleißig. Es knallte stundenlang; es wurde auch ein wenig exerziert. Die Stimmung war immer sehr gut. Wir steuerten südöstlich. Der afrikani-schen Küste zu. Wir sollten hier [in Monrovia] unter-wegs siebzig Neger an Bord nehmen, wie die meisten Schiffe tun, die nach Swakopmund hinunterfahren. Die-se siebzig Neger sind unterwegs Trimmer, Heizer und Helfer aller Art und da unten auch Schauerleute, laden ein und aus, und fahren nachher wieder mit dem Schiff zurück und werden an ihrer Küste wieder an Land ge-setzt.
Am siebten Tag nach Madeira sahen wir die Küste von Afrika aufsteigen. Sie war ganz so, wie wir sie uns ge-dacht hatten; liebliche Hütten unter Palmen, viele hohe und schöne Bäume an sanft aufsteigenden grünen Hü-geln und es wimmelte von Menschen. Daß sie schwarz waren, konnten wir noch nicht sehen.
Als wir nicht mehr fern waren, kam Gehlsen zu mir und erzählte mir, daß die Väter und Großväter dieser Neger einst Sklaven in Nordamerika gewesen waren. Die dor-tige Regierung hatte sie wieder hierher [Liberia] in ihre Heimat zurück geführt und hilft ihnen bis heute, daß sie freie Republikaner sind. Als er mir das erzählt hatte, ging er nach vorn, um besser zu sehen; denn wir kamen schon dicht heran. Ich aber ging noch rasch nach un-serm Schlafraum um eine Karte zu schreiben; denn es ging Post an Land. Als ich so saß und schrieb, ganz in Gedanken, kam von draußen ein Wandern und Schrei-en und dummes Gekreische, und ein Schleifen, und Rutschen, und gleiten, daß ich aufsprang und hinaus-ging. Da erschrak ich und staunte mit offenem Munde. Denn über beide Borde kam es, mit Katzenschleichen und Schlangengleiten, schwarz und lang und halbnackt, mit großen entblößten Gebissen, mit lachenden wilden Menschenaugen, ältere und jüngere, und kleine Jungen, um Brust und Leib ein wenig buntes Zeug, mit Säcken und Töpfen und Kisten. Sie liefen schwatzend und la-chend über Deck ganz unbekümmert um unser Staunen und verkrochen sich unter Deck und richteten sich ein. Wir lagen nur einige Stunden dort. Dann ging die Fahrt weiter, Tag für Tag und die ganzen hellen Nächte hin-durch.
…
In meiner freien Zeit stand ich oft bei den Schwarzen und beobachtete sie, wie sie friedlich beieinander saßen und in gurgelnden Tönen miteinander schwatzten und sie um die großen Eßtöpfe hockten, mit den Fingern eine Unmenge Reis zum Munde führten, und mit ihren großen knarrenden Tiergebissen Beine, Gekröse und Eingeweide ungereinigt fraßen; es schien ihnen gar nicht darauf anzukommen, etwas schmackhaftes zu essen, sondern nur, ihren Bauch zu füllen. Und es schien mir, daß es so stand, nämlich, daß die Leute von Madeira zwar Fremde sind für uns, aber wie Vettern, die man sel-ten sieht, daß diese Schwarzen aber ganz, ganz anders sind als wir.
…
Es wurde auch viel darüber gescherzt, daß wir dem Äqu-ator näher kämen. Die ein wenig unbeholfen und träu-merisch waren, wurden geneckt, sie sollten aufpassen, daß sie den Strich auf dem Meer sehen könnten und sollten sich gut festhalten, wenn es nun bergab ginge, und dergleichen mehr. Ich nahm an diesen Neckereien nicht teil, da ich gar nicht dazu veranlagt bin; auch taten die mir leid, auf die sie zielten. Die waren nämlich lange nicht die Dummen. Sondern oft waren die, welche neck-ten, die Dummen und Gedankenlosen; sie hatten nur ein großes Maulwerk. …
Die Nacht war in dem engen Raum sehr heiß, ja fast un-erträglich. Einige schalten; aber die Vernünftigen sahen ein, daß es nicht anders sein könnte. Wenn man einmal erwachte, war es fast unmöglich wieder einzuschlafen. Einmal, als ich so schlaflos und unruhig lag, schien mir, als wenn der kleine Schlesier, der, welcher so gern und so fröhlich sang – er lag rechts neben mir –, heiß und kurz aufschluchzte. Als ich ihn fragte, was los war, schwieg er erst. Dann sagte er mit leiser, ruhiger Stim-me: „Dies Fahren wird langweilig, meinst Du nicht auch? Immer, Tag und Nacht, ich weiß nicht wieviele Meilen … es ist gar nicht möglich, daß wir einen so weiten Weg wieder zurückfinden.“ Dann lag er wieder still.«
Für Passagiere der Ersten Klasse ist die Fahrt in die Kolonien auch ein Erlebnis erster Klasse. Ende Juni 1912 fährt Helene Grunicke mit der Bahn von Dresden nach Hamburg für ihre Schiffsreise mit ihrer Schwester und einer Bekannten nach Deutsch Ostafrika, wo sie denn, wie vorgesehen, ein Jahr bleibt. Helene Grunicke:
»Dort [in Hamburg] galt es zunächst im Afrikahaus die Gepäckangelegenheiten in Ordnung zu bringen und sich durch den von der Linie ausgestellten Gepäck-schein zu überzeugen, daß alles Hab und Gut auch beisammen ist; denn das Nachsenden von Gepäck-stücken ist wohl möglich, aber mit viel Kosten und meistens sehr langem Warten verknüpft. Nachdem alles zur Zufriedenheit erledigt, blieb uns noch Zeit zur Besichtigung der alten, interessanten See- und Handels-stadt übrig. Es reist wohl kaum ein Fremder durch Hamburg, der nicht, neben dem vielen anderen Sehens-werten, den Hagenbeck’schen Tierpark in Stellingen besucht. Manche der Leser werden sich sicher schon erfreut haben an dem munteren Wesen der verschie-denen Antilopenarten und der Bewohner des „Heufres-sergeheges“, des indischen Brahma-Zebus, des afrikani-schen Zebras, des südamerikanischen Lamas, der Dro-medare, Mähnenschafe, Zwergesel und der verschie-denen Hirscharten. Auch werden sie die Himalaya-ziegen bewundert haben, die in kühnem Wagemute die höchsten Spitzen und Felsvorsprünge des, natürlich künstlich errichteten, Hochgebirges erklettern. Ein et-was banges Gefühl beschleicht wohl die meisten Besu-cher vor der Raubtierschlucht, wo – anscheinend – die Löwen, Tiger und Leoparden vollständig frei umher-laufen. Jede Gefahr ist jedoch ausgeschlossen, denn ein breiter durch Agaven und anderes Pflanzenwerk ver-deckter Graben verhindert die Tiere am Ausbrechen. In den Felsenhöhlen über der Raubtierschlucht horsten mächtige Adler und Geier.
Nachdem so der Nachmittag im Fluge vergangen ist, machen wir noch eine Fahrt auf der Außenalster zum Uhlenhorster Fährhause, wo die einschmeichelnden Weisen der Militärkapelle und die prächtige Illumi-nation des Gartens uns mit guten Bekannten in der lauen, sternhellen Sommernacht noch lange zusam-menhält.
Die Ausfahrt des Dampfers ist für den nächsten Nach-mittag drei Uhr festgesetzt, und es wird dringend ge-wünscht, daß die Passagiere wenigstens eine Stunde vor Abgang an Bord sind. Die weit ausgedehnten Hafenan-lagen mit ihren vielen Gebäuden und großen Schuppen der bedeutendsten deutschen Schiffahrtslinien, der Hamburg-Amerika und der Deutsch-Ost-Afrika-Linie, ferner die großen und kleinen Werften mit ihren vielen Tausenden von Arbeitern geben auch dem Binnen-länder einen Begriff von dem Welthandel und dem Weltverkehr, der durch Hamburg vermittelt wird. Mit einem gewissen Gefühl des Stolzes betritt man dann solch einen großen Ozeandampfer, welcher in pein-lichster Sauberkeit an einem sonnenhellen Sommer-tage uns entgegenglänzte. Ein ganz besonders lebhaftes Treiben entwickelt sich am Petersenquai, Droschken und Autos bringen die Passagiere mit mancherlei Kabinen- und Handgepäck, andere Reisende kommen zu Fuß mit ihren vielen Lasten, Gepäckträger rennen eilends hin und her, und die verschiedenen Schiffs-kräne verstauen die Frachtstücke in den tiefsten Räu-men des Dampfers. Endlich ist alles fertig, die Schiffs-glocke ertönt zum Zeichen, daß die, welche nicht Passagiere sind, das Schiff verlassen müssen, die Anker werden heraufgewunden, die Taue gelöst, und unter den Klängen der Musikkapelle an Bord und dem Hüte-schwenken und Tücherwinken der Zurückbleibenden wird der Dampfer langsam durch einen Schleppdampfer aus dem Hafengebiet herausgebracht und gleitet end-lich an den lieblichen, anmutigen Vororten Hamburgs vorüber, der Elbmündung und der Vereinigung der Elbe mit der Nordsee bei Cuxhaven entgegen. Mittlerweile ist es dunkel geworden und wir passieren die jetzt stark befestigte Insel Helgoland bei Nacht. In unserer Kabine hat der Steward das Gepäck untergebracht, und wir richten diesen kleinen engen Raum, welcher vier bis fünf Wochen als Schlafgemach dienen soll, etwas be-haglich ein. Daneben stehen natürlich den Reisenden der ersten Kajüte die mit allen Errungenschaften der Technik und moderner Behaglichkeit der Neuzeit aus-gestatteten Gesellschafts- und Speiseräume, die ver-schiedenen Promenadendecks, sowie überhaupt das ganze Schiff zur Bewegungsfreiheit zur Verfügung. All-mählich machen sich auch die leiblichen Bedürfnisse geltend, und wir nehmen die ersten Mahlzeiten auf dem Schiff ein. Da die See vollkommen ruhig, munden sie vortrefflich. Die Verpflegung auf den deutschen Damp-fern gilt allgemein als „vorzüglich“; sie werden daher auch sehr viel von Ausländern, namentlich Engländern, benutzt. Morgens von sechseinhalb bis siebeneinhalb Uhr Kaffee, Thee mit Brötchen, Butter, Marmelade; erstes Frühstück acht bis zehn Uhr; zweites Frühstück zwölf Uhr; Thee oder Kaffee mit Kuchen drei bis vier Uhr; Hauptmahlzeit abends sieben Uhr; auf Wunsch Thee und belegte Brötchen von neun bis zehn Uhr. Die Seeluft und die verschiedenen Bewegungsspiele ma-chen Appetit, und manche Passagiere essen die ganze Speisekarte herunter. Daß zu den Hauptmahlzeiten, vor allem der Abendtafel, stets große Toilette angelegt wird, wie zu Bällen oder Abendgesellschaften, will ich nur nebenbei bemerken. Trotz der vielen neuen Eindrücke, oder vielleicht gerade ihretwegen, stellte sich endlich doch die Müdigkeit ein, und wir suchten unser Schlaf-gemach auf. Aber zur zweiten Lagerstatt zu gelangen war nicht so einfach, eine Treppenleiter mußte eingehakt werden, um mit turnerischer Gewandtheit die obere Bettstatt zu erklimmen. Die erste Nacht brachte uns, des Ungewohnten halber, wenig Schlaf, und zeitig am nächs-ten Morgen waren wir schon am Deck, wo die Liege-stühle von dem diensthabenden Matrosen (quatermas-ter) bereits aufgestellt waren. Auf dem neuesten Damp-fer Tabora, den wir auf der Rückreise benutzten, hat man auch einige Kabinen mit freistehenden Betten, die natürlich bevorzugt werden.
Allmählich kam wieder Land in Sicht; wir näherten uns der flachen holländischen Küste mit ihrem weit aus-gedehnten, fruchtbaren Weideland, ihren Rinderher-den und ihren Windmühlen. Nach sechsundzwanzig-stündiger Fahrt lagen wir im Hafen von Rotterdam vor Anker. Bald begann hier ein ohrenbetäubendes Lärmen und Getöse, welches mit dem Einladen der Waren durch die Krähne verbunden ist. Die Reisenden suchen demselben soviel wie möglich zu entgehen indem sie Ausflüge an Land machen. So war uns Zeit und Gele-genheit geboten, die Sommerresidenz der Königin der Niederlande und das altberühmte Seebad Scheveningen kennen zu lernen. In eineinhalbstündiger Eisenbahn-fahrt von Rotterdam erreichten wir den Haag (hollän-disch ’s-Gravenhage) und fuhren vom Ankunftsbahnhof mit der Straßenbahn nach dem Platz (Plein), Mittelpunkt der Stadt, in deren nächster Nähe sich das Mauris-Haus befindet, die Bildergalerie mit berühmten Bildern holländischer Meister, unter anderem das Original-Gemälde „Die anatomische Lektion“ von Rembrandt. Nach dem Plein zurückgekehrt, benutzten wir wiede-rum die elektrische Straßenbahn, welche uns durch den berühmten Schevening’schen Bosch (Wald), vor dessen Beginn sich der so viel genannte „Friedenspalast“ befin-det, nach Scheveningen brachte. Riesige Hotels und ein prächtiges Kurhaus sind bereit zur Aufnahme der Bade-gäste, aber keine Blumen oder Bäumchen schmücken die Fenster und Portale dieser Steinkolosse. Ein wunder-voll feiner Sand auf breitem Strande ist aber jedenfalls ein großer Vorzug des Seebades. In Rotterdam sind zwei Museen beachtenswert, das städtische und das Marine-museum. Das letztere zeigt die Entwicklung der Schif-fahrt von den einfachsten Ruder- und Segelbooten der Phönizier und der noch jetzt gebräuchlichen Canoes (sprich Kanus), ausgehöhlte Baumstämme der Eingebo-renen Afrikas, bis zu den hochentwickelten Typen der neuesten Panzerschiffe, der Torpedo- und Untersee-boote.
Gegen Mittag wurden die Anker gelichtet, und wir steuerten wieder der offenen See zu, passierten nachts die Straße von Dover (der Franzose nennt sie Pas de Calais) – man kann hier die beiden Küsten, sowohl die französische, wie die englische, deutlich liegen sehen – und kamen in den wegen seiner Stürme so tückischen Kanal und nach Southampton. Hier wurde die Post ausgewechselt, Passagiere aufgenommen, und nach nur zweistündigem Aufenthalte ging es weiter. Immer an der Nordküste der Insel Wight entlang, welche wir so in ihrer ganzen Ausdehnung und Schönheit bewundern konnten; denn prächtige Landsitze, altehrwürdige Schlösser mit ihren ausgedehnten Parkanlagen und sanft ansteigenden wunderbar grünen Rasenflächen, bewaldete Höhenzüge und endlich die schroffen, steil ins Meer abfallenden Felsen, die Needles, zogen wie in einem Panorama an dem entzückten Auge vorüber.
Nun waren wir im Atlantischen Ozean (dem Atlantic). Soweit der Blick schweift, nichts als Wasser und Him-mel und Himmel und Wasser; und das Meer dabei so ruhig und das Wetter so herrlich, daß die von allen Seeleuten und Seefahrern außerordentlich gefürchtete Biskaya (der Golf von Biscaya) uns keine Schrecken einflößen konnte. Der Wettergott blieb uns auch treu, und nachdem das spanische Kap Finisterre mit seinem Leuchtturm sich in der Ferne gezeigt hatte, erreichten wir nach dreitägiger Fahrt unser nächstes Ziel Lissabon (Lisboa). Von Kennern des Erdballs wird dieser Hafen als einer der schönsten der Welt bezeichnet. Das weite natürliche Hafenbecken, in welches sich in breitem Strom der Tajo ergießt, mit seinen unzähligen kleinen Booten und flinken Seglern, die sich lang hinziehende, terassenförmig aufgebaute Hauptstadt mit ihren vielen Türmen, Statuen und schloßartigen Bauten, der lachen-de blaue Himmel und die schon recht heiß vom Firmament herabscheinende Sonne üben einen ganz eigenartigen, zauberischen Reiz auf uns kühle Nord-länder aus. Und betreten wir Lissabon selbst, so mutet uns diese Stadt ganz anders an als die bisher geschauten. Die Frauen, ich meine die der ärmeren Bevölkerung, tragen schwere Lasten auf den Köpfen und doch mit solch einer Grandezza, als ob sie alle geborene Köni-ginnen wären; die Männer haben meist eine zipfel-mützenartige Kopfbedeckung und führen alle Hantie-rungen im Freien, auf der Straße, vor dem Hause aus. Die Menschen sind mittelgroß, schwarzhaarig und dunkelhäutig. Die Frauen kleiden sich mit Vorliebe in Schwarz. Die Frau aus dem Volke glaubt ein feineres Aussehen zu bekommen, wenn sie ein schwarzes drei-zipfliges Tuch sich um die Schultern schlägt, und die Dame der Gesellschaft sieht man wohl selten ohne die schwarze Spitzenmantilla. In den Markthallen werden außerordentlich viel Südfrüchte, herrliche Blumen und Fische in großer Menge Tag für Tag feilgeboten.
…
So ist das Kloster Belem eine der größten Sehens-würdigkeiten Lissabons, vollständig aus weißem, unge-schliffenen Marmor erbaut, jetzt eine Erziehungsanstalt für Waisenknaben, welche 800 Kinder, jeder Confes-sion, unterbringen kann. Auch die deutsche Sprache wird dort nach Wahl gelehrt, und wir waren angenehm überrascht, von einem etwa zwölfjährigen Zögling durch die verschiedenen Säle und Gänge geführt zu werden, welcher die kurzen Erklärungen in unserer Mutter-sprache geben konnte. Er hatte sich dadurch auch einen reichlicheren Bakschisch (Trinkgeld) erworben, als es sonst vielleicht der Fall gewesen sein würde. Unmittel-bar schließt sich die frühere Klosterkirche an, ebenfalls in Marmor in maurischem Stil erbaut; in derselben wird natürlich auch jetzt noch Gottesdienst gehalten, und kamen wir gerade zur feierlichen Handlung der Firme-lung hinzu, während welcher ein wunderbar feines, geheimnisvolles Spiel von der Orgel herab ertönte. In einer Seitennische dieser Kirche befinden sich auch die Marmorsarkophage wohl der beiden größten Portugie-sen, Vasco da Gama und Camoëns. Schöne breite Stra-ßen mit prächtigen Anlagen und schattenspendenden Alleen und große Plätze und Springbrunnen und Denk-mälern durchziehen die vornehmeren Stadtviertel, und die Hauptstraße, die Avenaria liberale, sowie der Platz Pedro IV. und der Placa commerciale sind mit ihrem lebhaften Verkehr genau so der Rendevous-Platz der Lissaboner, wie es in Berlin die Straßen „Friedrichstraße und Unter den Linden“ sind. Interessant ist dann auch noch eine Fahrt im Fahrstuhl auf die Plattform einer der vielen Kirchen oder Kirchenruinen, von denen eine, zur Erinnerung an das furchtbare Erdbeben, welches im 18. Jahrhundert, wohl 1755, fast ganz Lissabon zerstörte, als stetes „memento mori“ erhalten wird. Ein prächtiges Panorama bietet sich von hier über die Stadt und den Hafen bis zu den blauen, fast ganz kahlen Höhenzügen der Sierra Estremadura, wo, wie eine trutzige alte Raub-ritterburg, fast uneinnehmbar, Schloß Cintra, die Som-merresidenz der früheren Könige, umgeben von einem prächtigen Parke, liegt. … Und etwas wie Wehmut be-schleicht uns beim Durchwandern der Säle und Zimmer dieses altberühmten Königsschlosses, welches schon von den Mauren um 1420 erbaut wurde und so auch die Glanz- und Blütezeit des portugiesischen Volkes erlebt hat.
In schlanker Fahrt ging es unter der außerordentlich großen Geschicklichkeit der Wagenlenker schnell die vielen Windungen der Bergstraße bis etwa zur Hälfte des Weges hinab, der Sommerfrische Cintra zu, wo die reichen Lissaboner ihre Sommervillen haben. Hier wa-ren im Hotel Netto ein feines Frühstück (früher sagte man Lunch) zubereitet. Auch verfehlten wir nicht, dazu zu trinken eine Flasche des berühmten portugiesischen Weines, Muskateller, zu dem ungeheuren Preise von 1100 Reis (Res) gleich fünf Mark. Weiter wurde uns noch ein sehr schöner Privatbesitz, Schloß Montserrat, ein kleines, im Stil der Alhambra erbautes Marmor-schlößchen, einem reichen Engländer Cook gehörend, gezeigt. Ein Bild tropischer Üppigkeit bietet der wunder-bare Park mit seinen Palmen, Agaven mit den großen Blütendolden, den Azalien- und Kamelienbäumen, den buschhohen Heliotroppflanzen, welche einen betäuben-den Duft ausströmen, und den bis in die höchsten Spitzen der mächtigen Baumfarren [Baumfarne] sich hinaufwindenden, verschiedenfarbigen Clematis.
Nach kurzer Fahrt war die Bahnstation erreicht, und wir bestiegen wieder den Eisenbahnzug, dessen Wagen ers-ter Klasse außerordentlich breit und bequem sind, wel-cher uns am Morgen in etwa eineinhalb Stunden durch ödes, kahles, steiniges Land in diese paradiesische Ge-gend gebracht hatte.
Am nächsten Tage mittags verlassen wir Lissabon, nach-dem achtzig Passagiere (coloured gentlemen, farbige Herren) fast alle zweiter und dritter Kajüte, und viel Ladungsgepäck eingenommen ist, und steuern am Cap Vicento vorüber der Nordspitze Afrikas zu, deren felsige und gebirgige Küste am andern Morgen in Sicht kommt. Jedoch wird es wiederum Mittag, bis vor Tanger, einer der Hafenstädte des so heiß umstrittenen Marokko, die Anker fallen, um einige Passagiere abzusetzen, eventu-ell aufzunehmen. Bei dem sehr hohen Wellengange war ein Ausbooten vom Kapitän verboten, und wir mußten uns genügen lassen an dem malerischen Anblick der orientalischen Häuser mit ihrem leuchtenden, teils wei-ßen, teils blauen Anstrich, den vielerlei Türmen und schlanken Minarets, im Vordergrund ein breiter Strei-fen gelben Wüstensandes. Marokkanische Händler in ihren bunten Gewänder kamen mit kaum glaublicher Geschwindigkeit an Bord, um ihre köstlichen Waren an Decken, Stickereien, Tüchern, Krügen, Bechern, Waf-fen usw. auszubreiten und mit großer Zungenfertigkeit und lebhafter Gestikulation anzubieten. Doch wie eine Fatamorgana, so schnell, wie sie gekommen, mußten sie wieder verschwinden. Denn schon ertönte die Schiffs-glocke, und nach nur zweistündigem Aufenthalte setzte sich der Dampfer wieder in Bewegung, an der afrikani-schen Küste entlang.
Bald jedoch taucht auf der anderen Seite Land auf, ebenfalls steil und gebirgig, Spanien mit Trafalgar in Sicht, und um vier Uhr nachmittags passieren wir die Straße von Gibraltar mit der außerordentlich starken englischen Festung Gibraltar, welcher auf marokkani-scher Seite die spanische Festung Cëuta gegenüber liegt. Wir sind jetzt im blauen Mittelländischen Meere. Das Land tritt allmählich immer mehr und mehr zurück und verschwindet schließlich vollständig, denn wir nehmen direkt östliche Fahrt, bis wir scharf nach Norden, im Kurse genau auf Marseille, wenden.
Der abendliche Sternenhimmel, die Milchstraße mit ihren deutlich erkennbaren Sternhaufen und eine höchst interessante, in den westlichen Meeren seltene Erscheinung „das Meerleuchten“ fesselte uns bei den sanften Weisen der Musikkapelle bis gegen Mitter-nacht an Deck. Das war wie bläulich phosphorschim-mernde Raketen und Schlangen und in die Höhe schnellende Glühwürmchen, welche in der lauen Sommernacht, bei ziemlich bewegter See, wie in einem Märchenzauber zu beiden Seiten das Schiff um-rauschten. Ein unvergeßlicher Anblick! Am folgenden Tage war das Meer wieder ruhig; zeitweise wurde das spanische Küstengebirge, und hier und da verschiedene Städte sichtbar.
Am vierten Tage nach unserer Abfahrt von Tanger sind wir im Golf von Lyon angekommen. Hier änderte sich plötzlich das Wetter. Wir erwachen früh morgens gegen zwei Uhr durch ein eigentümliches Geräusch, einem langgezogenen, schauerlichklingenden, in kurzen Zwi-schenräumen sich wiederholenden Klageton vergleich-bar, und es scheint, als ob das Schiff sich nicht von der Stelle bewegt. Und so war es denn auch; eineinhalb Stunde vor Marseille lagen wir im Nebel fest und wären beinahe auf die felsige Küste aufgelaufen, wenn wir nicht durch ein plötzliches Zerreißen des Nebels die Gefahr erkannt und durch sofortiges Zurückdrehen der Steuerung dies noch glücklich verhindert wurde. An-kunft und Abfahrt in Marseille verzögerte sich auf diese Weise um einen Tag, uns blieb nur wenig Zeit zur Besichtigung dieses hervorragenden Hafenplatzes, des ersten Frankreichs und des größten im Mittelmeere überhaupt. In der Nähe der Dampferanlegestelle befin-det sich am Quai Joliette die neue Kathedrale, ein schöner Bau im neu-romanischen Stil mit vergoldeten Kuppeln und einer reichlich mit Gold und andern Farben verzierten Fassade. Man genießt von hier aus einen wundervollen Ausblick auf die See. Jedoch viel großartiger und imposanter ist derselbe von der Kirche „Notre Dame de la Garde“, welche gegen den alten Hafen hin, auf einer Anhöhe, die zugleich als Fort dient, fünfhundert Fuß über dem Meeresspiegel im Jahre 1864 erbaut worden ist. Im glänzenden Sonnenschein funkelt und gleißt die goldene Gestalt der Heiligen Maria, wel-che die Kirche krönt, zugleich eine Segnerin und Beschützerin der Seefahrer. Vom Portal aus sehen wir zu unsern Füßen ausgebreitet die Stadt, die großen Hafen-anlagen, den blauen Golf, aus welchem düster und kalt die nackten schwarzen Felsen der Frioul-Inseln heraus-ragen, deren eine mit dem finstern Châteaux d’If, dem berühmten Staatsgefängnis gekrönt ist, während land-einwärts die zerklüfteten Gipfel der Seealpen auftau-chen. Der elektrische Aufzug und die Tramway brachten uns schnell wieder in den Mittelpunkt des lebhaftesten Geschäftsviertels, der „Rue Cannebière“ mit seinem erstaunlich großen Verkehr.
Eine der vielen Tramways, die sogenannte „Corniche Circulaire“, unsern Ringbahnen entsprechend, fährt in etwa einer Stunde durch die schönsten Partien der Stadt, am Hafen, am Golf und schönen Villenstraßen entlang und endlich durch den „Prado“, eine von Pla-tanen und Tamarisken eingesäumte Allee, die bevor-zugte Promenade der lebensfrohen Bevölkerung zurück zur „Rue Cannebière“, dem Stolz der Marseiller, welche die geflügelten Worte gebildet haben „Wenn Paris eine Avenue Cannebière hätte, würde es beinahe Klein-Mar-seille sein“. Hier befindet sich auch die prächtige Börse, ein imposanter Steinbau mit schönem griechischen Portal, verschiedene größere und kleinere Kirchen und das Palais Langchamps, ein eleganter in weiß gehaltener Steinbau, der ein naturhistorisches Museum und eine Kunstgalerie enthält. Ein wohlgepflegter tropischer Gar-ten und der Zoologische Garten schließen sich dem Palais an. – Um auch das Nachtleben einer großen französischen Stadt kennen zu lernen, soweit dies für Damen möglich ist, erbot sich einer der Herren unserer kleinen Tafelrunde, unser Führer und Begleiter zu sein; und so strebten wir nach dem Abendessen wieder der Rue Cannebière zu. Wir wollten ein Variété oder eine ähnliche Vorstellung besuchen, fanden jedoch nichts Zusagendes, trotz verschiedener Anfragen bei Passanten und Schutzleuten, die übrigens außerordentlich höflich und bereitwillig Auskunft gaben, obgleich sie uns sicherlich die Ausländer anmerkten. So gelangten wir schließlich in ein „Kino“, welches in Marseille eine genau ebenso große Anziehungskraft auszuüben scheint wie in unsern deutschen Städten. … So war Mitternacht nahe, und wir mußten schleunigst eine Tramway su-chen, die uns nach dem Hafen zurückbrachte, wo wir am Torwächter vorüber, durch das Wirrsal der Hafen-anlagen endlich wieder auf unserm Dampfer anlangten.
In der Frühe des nächsten Morgens ging die Fahrt wei-ter durch die Straße von Ajaccio zwischen den Inseln Sardinien und Corsika, bis wir am Abend des zweiten Tages Neapel erreichten, welches einen feenhaften An-blick bot in der nächtlichen Beleuchtung des großen weiten Halbkreises der Bucht mit seinen vielen Dörfern und Inseln bis hinauf zum Observatorium auf dem Vesuv. – Hier verließ der größte Teil der Passagiere, welche Vergnügungsreisende waren, den Dampfer, und es entwickelte sich daher, kaum als die Anker gefallen waren, sofort reges Leben, wie es mit der Ankunft eines Schiffes verbunden ist. Trotz der mitternächtlichen Stunde fehlten auch die Barken mit den Guitarre-spielern und Sängerinnen, den Wassertauchern und gewandten Schwimmern nicht, und fast ununterbro-chen tönte das berühmte Santa Lucia zum Schiffe he-rauf, und die ebenso berühmte (oder vielmehr berüch-tigte) Bettelei Italiens nahm bereits ihren Anfang. Da infolge der vielen Geräusche (Ein- und Ausladen des Passagiergepäcks und der verschiedenen Warenladun-gen) an Schlaf nicht zu denken war, machten wir uns zeitig am Morgen auf zu einem Gang durch das er-wachende Neapel und bekamen so einen ganz inte-ressanten Einblick in das Volksleben. Abseits der breiten schönen Straßen verzweigt sich ein Labyrinth schmaler, enger Gassen und Gäßchen, welche kaum einem Wa-gen die Durchfahrt gestatten, und von den Fenstern der verschiedenen Stockwerke ziehen sich Seile von einer Seite zur andern und dienen als Trockenplatz. Daß auch noch alle gewerblichen und teilweise häuslichen Han-tierungen in den Gäßchen vor den Häusern vorge-nommen werden, gilt für selbstverständlich. Ganz ei-genartig ist die Versorgung der Neapolitaner mit Milch. Keine glänzend lackierten, mit Namen und Wappen versehene Wagen, mit ihren blitzsauberen Blechkan-nen und Maßen fahren hier umher, sondern die Kühe und Ziegen werden durch die Straßen getrieben und nach Bedarf von ihrem Führer gleich gemolken, wenn eine Köchin oder Hausbursche mit dem Kruge kommt. Es ist also gerade nicht sehr appetitliche, aber doch unverfälschte Milch.
Gar zu gern hätten wir eine Fahrt auf den Vesuv, der immer leichte Rauchwölkchen ausstieß, unternommen oder den untergegangenen Städten Herculaneum und Pompeji einen Besuch abgestattet, aber die Zeit drängte, und so mußten wir uns auf eine Wagenfahrt durch die Stadt und deren Hauptsehenswürdigkeiten beschrän-ken. Ein gut orientierter Führer machte uns auf alle wichtigen Gebäude, Plätze und Standbilder aufmerk-sam; nur wunderte es uns, daß er neben italienisch wohl englisch, aber nicht deutsch verstand. Es ist eine Eigen-tümlichkeit der Deutschen, die man im Auslande immer wieder beobachten kann, sich leicht und schnell den Sitten und Gebräuchen und auch den Sprachen anderer Völker anzupassen und ihre Nationalität zurückzustel-len; andererseits ist es ihnen jedoch hierdurch gelun-gen, sich weite Handelsgebiete zu erobern. – Doch zu-rück zu Neapel; da sind die Arkaden, ein Monumen-talbau ganz aus Marmor, der eine Million Lire gekostet hat, in denen sich prächtige Verkaufsläden, große Geschäftshallen und elegante vornehme Kaffees befin-den. Wir bestiegen wieder den Wagen, fuhren durch schöne, sehr belebte Straßen und großzügig angelegte Promenaden mit Denkmälern und Springbrunnen nach dem Aquarium, welches das vielseitigste und größte der Welt sein soll. Vor allem interessierte uns hier die Tintenschnecke, welche mit ihrem breiten, den Körper bedeckenden Mantel und dem langen Schwanz ganz eigentümlich aussah. Ein weiterer Prachtbau, zu dessen Eingang breite Marmorstufen hinaufführen, ist das Museum, welches die Ausgrabungen von Pompeji in teilweise wieder hergestellter Form enthält – Um auch den alten und ärmeren Teil Neapels, ähnlich dem am Morgen geschauten, kennen zu lernen, ließ der Führer uns durch schmale, enge Gäßchen fahren, welche sehr belebt waren und nur ein langsames Fortkommen er-möglichten. In Anbetracht des regen Verkehrs der oft recht fragwürdigen Gestalten mahnte uns der Führer mit einem bedeutungsvollen Blick auf unsere Hand-täschchen zu einem „Take care for your handpockets“.
Jedoch unangefochten kamen wir zum Dampfer zurück, wo inzwischen neue Passagiere, die Afrikaner, einge-troffen waren. Unter ihnen befanden sich ein Bischof, welcher nach Johannisburg, ein Pater und acht Schwes-tern (vier davon in der ersten Kajüte) die nach Mozam-bique auf eine katholische Missionsstation den Zambesi aufwärts reisten und dort für Lebenszeit verpflichtet waren; zwei Forschungsreisende vom bakteriologischen Institut zu Frankfurt am Main, ein Handelsreisender aus Hamburg und der stellvertretende Oberrichter für Deutsch-Ost-Afrika, deren Ziel Dar-es-salam war.
Bald tauchte auf einsamer Insel wieder ein feuerspei-ender Berg, der Stromboli, auf, welcher in Zwischen-räumen von je fünfzehn Minuten eine Rauchwolke kerzengerade, wie aus einem Eisenschlot, in die Luft ausstieß. Wir näherten uns der Insel Sizilien und kamen in die Straße von Messina, an deren engster Stelle sich die Felsenriffe der Scylla und die starken Strudel der Charibdis befinden, die den Seefahrern des Altertums oft verhängnisvoll wurden, wie es Schiller in seinem „Taucher“ so ergreifend und begeisternd darstellt. So-wohl die Küste Italiens wie diejenige Siziliens bietet unter dem sonnig blauen Himmel landschaftlich so viel Schönes, daß man nicht weiß, wohin den Blick wenden, bis er schließlich auf Messina, das mit seinen blühenden Gärten und duftenden Orangenhainen, mit seiner la-chenden Bevölkerung und den vielen dorthin zur Erho-lung gekommenen Fremden vor mehreren Jahren von dem finster dräuenden Vulkan, dem Aetna, welcher sein Haupt in Wolken einhüllte, mit glühender Lava über-gossen und so dem Verderben anheim gegeben wurde. [Erdbeben vom 28. Dezember 1908 – 100.000 Tote] Doch auch hier blüht „Neues Leben aus den Ruinen“, und die zerstörten Ortschaften sind zum größten Teil fast alle wieder schmuck und nett aufgebaut.
Mehr und mehr entschwindet die Küste den Blicken, und wir nehmen Abschied von dem Erdteil Europa, nachdem noch auf der Höhe von Creta, bei scharfem Auslug, diese Insel mit ihrem goldgelben Sandstrand schwach sichtbar wird. Jetzt endet auch die mitteleu-ropäische Zeit, welche uns auf der Reise bisher oft irregeführt hat, infolge der stets wechselnden Bewe-gung des Schiffes; und wir haben jetzt reine Sonnen-uhrzeit. Es fängt bereits an, ziemlich warm zu werden, und wir bedauern, keine Backbordkabine bekommen zu haben, da auf der Steuerbordseite die Sonne recht heiß brennt. (Wenn man auf dem Schiff steht nach vorn, nach seinem Gang gerichtet, so ist zur Rechten die Steuerbord- und zur linken die Backbordseite).
Nach drei Tagen landeten wir in Port Said, durften das Schiff jedoch erst verlassen, ebenso wie später in Aden, nachdem sämtliche Personen, die Passagiere sowohl wie die Besatzung und Bedienung, sich einer ärztlichen Untersuchung hatten unterziehen müssen. In der ersten Kajüte wurde sie in der Weise geübt, als sich sämtliche Passagiere im Speisesaal versammelten, vom Verwalter einzeln beim Namen aufgerufen wurden und am Hafen-arzt vorüber zur Tür wieder hinausgingen. Da hier der Dampfer Kohlen für seine Weiterfahrt einnehmen mußte, und der feine Staub das ganze Schiff überzieht, booteten wir frühmorgens gegen zwei Uhr aus und betraten somit zum ersten Male afrikanischen Boden.
In einem der vielen Cafés, welche, wenn Dampfer signalisiert, Tag und Nacht geöffnet sind, tranken wir echten arabischen Kaffee (bei der Zubereitung ist der wie Pulver feingemahlene Kaffee mit in der Tasse drin), mit süßer Milch und Cakes serviert, der uns vortrefflich mundete. Vor dem Kaffeehaus zeigten Zauberkünstler, Akrobaten, Tänzer und Gaukler ihre Künste und Händ-ler boten ihre glänzenden Perlen, Talismane und man-cherlei Schmucksachen zu jedem möglichen Preise an. Bald färbte sich der Himmel violett, ein Vorbote des aufgehenden Tagesgestirns, und in Kürze erstrahlte die glänzende Sonne am Himmel. Die Bauart des Orients, offene Hallen, um die Häuser laufende Balkone, der helleuchtende Anstrich der Gebäude, die runden Kup-peln der Moscheen und die schlanken Minarets, die Gebetstürme, von deren Spitze die gläubigen Allah’s von Muezzims (Ausrufer zum Gebet) alle zwei Stunden zum Gebet aufgerufen werden, in den Straßen Palmen und eine unseren Akazien ähnliche Baumart über und über mit Büscheln helleuchtender Blüten bedeckt, der Tamarindenbaum, Gummibäume; dann die Wasser-träger, welche in Krügen und Butten auf dem Rücken der Lastesel Wasser aus den Fluten des heiligen Nil geholt haben, erregen unsere Bewunderung. Weiter eine schmalspurige Straßenbahn von einem Maultier gezogen, welche den Verkehr vom Hafen nach den verschiedenen Stadtvierteln, dem Europäer-, dem Ara-ber-, dem Inder-, dem Griechenviertel vermittelt, und nicht zuletzt die Eingeborenen in ihren teils hell-leuchtenden, malerisch bunten, schweren seidenen, teils ganz düstern, dunkeln Gewändern, die vermumm-ten Frauengestalten, die sich balgenden schwarzen, braunen und gelben Straßenjungen, in ihren meistens recht zerlumpten Anzügen, – all dies vereinigt sich in Port Said zu einem solch eigenartigen, reizvollen Bilde, daß man des Schauens garnicht müde wird. Wir be-schlossen daher noch eine Wagenrundfahrt durch die Stadt, und der Führer mußte uns auf alles Sehenswerte aufmerksam machen. An vielen Hotels vorüber, die durch ihre herabgelassenen Jalousien zeigten, daß jetzt stille Zeit für sie ist, – der Hauptfremdenstrom ergießt sich hierher vom Januar bis April – bewunderten wir die Auslagen in den vielen Schauläden, fuhren an der eng-lischen, griechischen, jüdischen und koptischen Kirche vorüber. (Die Kopten sind die christlichen Nachkommen der alten Ägypter und bekennen sich zu einem alter-tümlichen Christentum; ähnlich wie die Abessinier und Armenier sind sie Monophysiten, eine kirchliche Partei, welche nur eine Mensch gewordene göttliche Natur in Christi Person annahm.) Unser brennender Wunsch war, auch in das Innere einer Moschee einmal eindrin-gen zu dürfen. Ebenso hier wußte unser Führer Rat, denn auch die Anhänger Muhameds haben sich den Zeitströmungen nicht ganz entziehen können und sind vor allem dem Bakschisch (Trinkgeld) sehr zugetan. Sie umgehen daher die äußerst strengen Vorschriften des Korans über das Betreten ihrer Gotteshäuser durch die Ungläubigen und besonders durch die Frauen, indem sie ihnen Strohschuhe hinsetzen zum Anziehen. So konnten auch wir ungehindert das Innere eines solchen Gebetstempels besichtigen und waren eigentlich ziem-lich enttäuscht, denn nur Teppiche liegen darin, die Wände sind mit großen Koransprüchen und Arabesken verziert, eine ziemlich hohe Treppe führt auf eine Art Kanzel für den Geistlichen, während gegenüber sich ein abgegrenzter Raum für die Gläubigen befindet, das heißt nur für die Männer, die Frauen haben ihren Platz auf der Empore. Im Vorhof ist eine halbkreisförmige Halle mit vielen Wasserleitungshähnen, damit die Gläubigen nicht versäumen, die täglich fünfmal vorgeschriebenen Waschungen vorzunehmen.
Wir bestiegen wieder den Wagen, gelangten durch die Araberstadt mit ihren Märkten, Läden, Kaffeehäusern und Handwerksbetrieben jeder Art auf der Straße, nach dem Bahnhof und von dort durch die Griechenstadt zurück zum Hafen, wo wir in einem großen orienta-lischen Kaufhaus einige Andenken mitnahmen.
Schnell war ja die Abfahrtszeit des Dampfers heran-gekommen, und da der Durchfahrt durch den Suezkanal kein Hindernis im Wege stand, ging es mit nur halber Geschwindigkeit, wie dies Vorschrift, an dem pracht-vollen Gebäude der Suezkanalgesellschaft und der Lessepsstatue, dem Erbauer des Kanals, einem fran-zösischen Ingenieur, zu Ehren errichtet, vorüber hinein in die schmale Fahrstraße, welche durch fortwährend arbeitende Bagger vor dem Versanden geschützt werden muß. Der Kanal ist einhundertundsechzig Kilometer lang und sechs bis acht Meter tief, seine Breite ist ungefähr die Gleiche unseres Kaiser Wilhelm-Kanals, welcher die Ostsee mit der Nordsee verbindet. – Somit sind die Kulturländer der alten Welt zu Lande von einander getrennt, zu Wasser einander aber bedeutend näher gebracht. Mit welch riesigen Summen dies Millionenunternehmen rechnet, geht wohl am besten daraus hervor, wenn man bedenkt, daß jeder Dampfer für die etwa fünfzehnstündige Durchfahrt vierzigtau-send Mark bezahlen muß. Ungefähr auf der Hälfte des Weges erweitert sich der Kanal zum Bittersee, der Ausweichstelle der Dampfer, an dessen Ufer, in Palmen, Platanen und Tamarinden malerisch eingebettet, eine Kanal- und Eisenbahnstation Ismailia liegt. Bis hierher begleitete uns auch, auf afrikanischer Seite, der dem Kanal parallel laufende Schienenstrang der Eisenbahn Port Said–Suez–Cairo, und es ist Gelegenheit geboten, wenn der Dampfer in Port Said genügend Zeit hat, den Pyramiden, diesen altehrwürdigen Wahrzeichen ägypti-scher Pracht- und Machtentfaltung im Altertum, einen Besuch abzustatten. Längs der Eisenbahn und an den einzelnen Stationen, kleinen netten Häuschen, unsern Kleinbahnhaltestellen ähnlich, ziehen sich Anpflanzun-gen und kleine Wäldchen einer Cedernart hin, welche zugleich dem Bahndamm Schutz gewähren und dem Auge den Anblick von wenigstens etwas Grün bieten; eine nicht zu unterschätzende Annehmlichkeit gegen-über dem blendenden Wüstensande Arabiens auf der asiatischen Seite des Kanals. Die arabische Wüste wird in ihrer Einförmigkeit zuweilen unterbrochen durch kleine Hügelketten oder auch einzelne Erhebungen, die durch den Wüstenwind im Sande entstanden sind und die den Sand je nach Tageszeit und Beleuchtung weiß, gelb, rot oder braun erscheinen lassen. Ortschaften mit ärmlichen Lehmhäusern, einer kleinen Moschee und einem großen Lagerplatz mit Zelten und Kameelen heben sich grell ab in der helleuchtenden Sonne und senden ihre Karawanen- und Pilgerstraßen in das Innere des Landes, besonders nach Mekka und Medina, den heiligen Wallfahrtsorten der Muhamedaner, anderer-seits werden die Erzeugnisse des Landes hierher zur Küste gebracht.
Gegen Sonnenuntergang zeigt sich diese grelle glän-zende Färbung des Abendhimmels, die alle Conturen scharf hervortreten läßt und den Tropenbildern das ihnen eigene lebhafte Colorit gibt. Denn in Kürze pas-sieren wir den Wendekreis des Krebses und treten somit in die heiße Zone ein, welche sich nördlich und südlich des Äquators zwischen den beiden Wende-kreisen ausbreitet. So wird Suez erreicht. Riesige Tanks, die zur Gewinnung des Seesalzes dienen, fallen hier auf, die Post wird ausgetauscht, und wir steuern in das we-gen seiner Hitze so sehr gefürchtete Rote Meer hinein. Am anderen Morgen wird das Sinaigebirge mit dem alttestamentarischen Mosesberge Sinai und noch meh-reren Bergspitzen, welche die zwölf Apostel genannt werden, sichtbar. Allmählich tritt die Halbinsel Sinai zurück und das Rote Meer wird so breit, daß man nichts von den gegenüberliegenden Ufern sehen kann. Von der Hitze ist bisher noch nichts zu bemerken, es weht im Gegenteil ein kühler Wind auf dem Vorderdeck; dies ist allerdings eine so seltene Erscheinung (meist ist voll-ständige Windstille), daß verschiedene Passagiere, die die Reise schon öfters gemacht, sich gewissermaßen entschuldigend äußerten, als ob wir denken könnten, sie hätten in ihren Angaben übertrieben. Doch es war der erste Tag, und wir gebrauchten viereinhalb Tage Fahrzeit. Bald änderte sich denn auch die angenehme Temperatur, das Thermometer schnellte auf sechsund-dreissig bis vierzig Grad Celsius in die Höhe, und die Hitze wurde unerträglich. Auf der Backbordseite des Schiffes ist es unmöglich sich aufzuhalten, da der heiße Wüstenwind, der von Arabiens Gefilden herüberweht, wie aus glühendem Ofen zu kommen scheint. Die ge-ringste Bewegung, namentlich beim Ankleiden, war eine Last, und es lief der Schweiß am Körper herunter. Die meiste Zeit brachte man da auf seinem Liegestuhl zu und trank Whisky mit eisgekühltem Sodawasser. Ein Bad zu nehmen war auch nicht anzuraten, denn abge-sehen davon, daß es gar keine Erfrischung bot, setzte man sich bei dem hohen Salzgehalt des Wassers (wel-cher zwölf Prozent beträgt, während die Nordsee zwei bis drei und die Ostsee gar nur eineinhalb Prozent auf-weist) der Gefahr aus, den Roten Hund, einen lästigen, juckenden, schmerzhaften Ausschlag zu bekommen. —
Doch auch dies ging vorüber. Die Fahrstraße wurde en-ger, das Blinkfeuer verschiedener Leuchttürme machte auf die Gefährlichkeit der Klippen und Felsvorsprünge, welche kaum aus dem Meer hervorragen, aufmerksam; gegen sieben Uhr Abends passieren wir die Straße von Bab el mandeb, und alles atmet erlöst auf, denn ein kühler Luftzug empfängt uns, und wir sind der Gluthitze des Roten Meeres glücklich entronnen. Wir befinden uns jetzt im Indischen Ozean, und am frühen Morgen ist Aden, das Gibraltar des Orients, erreicht, von den Eng-ländern auf steilen, schroff aufragenden, jedoch voll-ständig kahlen Felsen zu starker Befestigung erbaut. Kein Schiff kann ohne Willen der Engländer aus dieser Verbindungsstraße auslaufen, Kriegsschiffe sind hier stationiert.
Am Fuße des Felsen zieht sich die Stadt mit ihren großen Kaufhäusern in weiten Bogenhallen am Strande entlang. Hauptausfuhrartikel sind Kaffee, Gummi, Tabak, Strau-ßenfedern. Die Indien- und Australienfahrer nehmen hier Kohlen ein. Riesige Cisternen (Wasserbehälter, in denen das Seewasser destilliert und filtriert wird, um als Süßwasser verwendet werden zu können) fallen beson-ders ins Auge. Eine Wasserleitung versorgt seit einiger Zeit auch die Stadt mit Trinkwasser. Trotzdem ist das Wasser dort ein sehr kostbarer Artikel; so sollen bei-spielsweise die einzigen Bäume, welche sich vor dem Gouverneurspalast befinden, durch ihren Wasserbedarf ein kleines Vermögen alljährlich kosten. Aden gilt für einen der heißesten Orte der Welt, wenn nicht für den heißesten überhaupt; es ist dies wohl zu verstehen, da in den letzten sieben Jahren kein Tropfen Regen viel.
Händler kommen an Bord, breiten ihre zum Teil wirk-lich kostbaren orientalischen Waren, auch Straußen-federn, aus und mit großer Zungenfertigkeit und Ge-wandtheit preisen sie deren Echtheit und Vorzüglichkeit in den verschiedensten Sprachen an. — Doch auf ein gegebenes Glockenzeichen müssen sie schnell all ihre Herrlichkeiten wieder zusammenpacken; majestätisch nimmt das Schiff seinen Lauf wieder auf, im Kurs zu-nächst östlich, dann um das Kap Guardafui (Hüte dich) in südlicher Richtung.
Kaum ins offene Meer hinausgekommen, weht uns recht kräftig der Monsun entgegen. Die Monsune sind gleichförmige Winde, die im Indischen Ozean, beson-ders zwischen den Wendekreisen während der einen Jahreszeit (das heißt ein halbes Jahr) von Südwesten nach Nordosten, während der anderen von Nordosten nach Südwesten wehen und nur in ihrer Stärke in den verschiedenen Monaten verschieden sind. Der weiße Gischt spritzte bis zum Promenadendeck der ersten Kajüte und weiter bis zum Mastkorb in etwa zwanzig Meter Höhe über dem Wasserspiegel. Wir hatten Sturm, Windstärke neun (Windstärke zwölf ist der größte Orkan).
Das waren böse Tage, denn natürlich der größte Teil der Passagiere mußte dem Meeresgott Neptun seinen Tri-but zollen, und die Speise- und Gesellschaftssäle waren verödet und verlassen. Die meisten Patienten befanden sich auf Deck in den Liegestühlen eingepackt in Kissen und Decken, einige auch blieben in den Kabinen. Ob-gleich wohl noch kein Fall von tödlich verlaufener See-krankheit vorgekommen und nachgewiesen ist, spielt sie den davon Befallenen so arg mit, daß diese ihr letztes Stündlein herbeigekommen wähnen und gegen äußere Eindrücke vollständig unempfindlich und gleichgültig sind. Merkwürdigerweise bleiben die kleinsten Passa-giere, die Kinder bis etwa zum zweiten Lebensjahre, von diesem Übel verschont.
Am fünften Tage nach dem verlassen von Aden pas-sierten wir den Äquator und zur Feier dieses denk-würdigen Vorganges wird immer ein kleines Fest ver-anstaltet. „Äquator-Fest-Essen mit Tafelmusik.“ Die ge-sunkenen Lebensgeister wurden durch dies köstliche Mahl nach dem langen Fasten wieder gehoben, und eine fröhliche Stimmung griff Platz; um so mehr, da der Speisesaal mit Guirlanden, Lampions und den verschie-denen Fahnen der an Bord befindlichen Nationalitäten als Deutsche, Engländer, Franzosen, Belgier, Portugiesen geschmückt war. Bei dem Gange „Illuminiertes Eis“ wurden sämtliche elektrischen Lampen abgedreht, und, Stewardeß und der Obersteward an der Spitze in aben-teuerlichen Kostümen, zogen die übrigen Stewards mit Lampions und der eine von ihnen mit einem großen Teller mir einem ausgehöhlten Eisklumpen, in dessen Mitte sich ein Licht und ringsherum auf Muscheln die einzelnen Eisportionen befanden, ein anderer mit ei-nem Aufsatz mit Confekt, Knallbonbons, Pfeifen, aufzu-blasenden Zeppelinluftschiffen und andern Scherzarti-keln im Saale umher und boten den Gästen von ihren Herrlichkeiten an. Bis gegen Mitternacht wogte so leb-haftes Treiben.
Am nächsten Tage wurde in dem englischen Hafen Mombassa-Kilindini angelegt. Von hier führt die Ugan-da-Bahn nach dem Viktoria-Nyansasee und den in der Nähe befindlichen Goldminen.
Endlich am achten Tage war unser Ziel Tanga in Deutsch-Ostafrika erreicht. Froh, nach viereinhalbwö-chentlichem Aufenthalte auf den schwankenden Bret-tern des Ozeandampfers wieder festen Boden unter den Füßen zu fühlen, betreten wir das Neue Deutschland, welches noch einmal so groß wie das Mutterland ist.«