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Leben und Ereignisse VII

Ein Deutscher auf Jap ist Paul Kraemer. Sein Vater war als Schiffsjunge von Deutschland in die Südsee gekom-men und wurde schließlich Kapitän kleiner Segler. Nach einem Schiffbruch auf den Tonga-Inseln wurde er See-räuber. Mit eigenem Schoner, natürlich mit seinen Man-nen – gestrandete und entlaufene Seeleute – geentert und übernommen, lief er die kleinen Atolle an und raubte oder nahm unter Vorweisung falscher Papiere die am Strand aufgestapelte Kopra, die eigentlich ein-mal im Jahr von einem Segler einer Handelsgesellschaft abgeholt wurde. Aber er betätigte sich auch als Men-schenhändler indem er harmlose Insulaner an Bord ein-lud und betrunken machte. Seine Gefangenen lieferte er dann gegen hohes Kopfgeld als Plantagenarbeiter an ebenso skrupellose Unternehmer in Australien oder Neuguinea ab.

Bei einem dieser Menschenraubzüge fing er auch ein junges wohlerzogenes Mädchen aus dem Häuptlings-geschlecht der Marquesas-Inseln, in das sich der See-räuber verliebte und sie sogar heiratete. So kam Paul Kraemer auf die Welt. Als Paul dreizehn Jahre alt war fuhr sein Vater auf die Salomon-Inseln, berüchtigt für ihre Kannibalen, um wieder Menschen als Plantagen-arbeiter zu rauben. Dabei verschwand er spurlos und Paul vermutet, daß sein Vater von den dortigen Einge-borenen erschlagen und verspeist wurde.

Nach Jap war Paul mit seiner Mutter noch zu spanischen Zeiten gekommen. Seines Vaters Piratendasein hat auf ihn abgefärbt und als die deutsche Herrschaft beginnt ist Kraemer lieber auf See zu abenteuerlichen Unter-nehmungen als auf Jap. Er hat sich auf die Befreiung zahlungskräftiger Sträflinge aus der französischen Straf-kolonie Neu Kaledonien spezialisiert. Mit Sicherheit ist er auch in andere, sagen wir sonderbare Geschäfte ver-wickelt von denen die deutsche Verwaltung in der Süd-see besser nichts erfährt.


1909 segeln sechs Boote mit Einheimischen in den Karo-linen von der Insel Oleai zur 150 Seemeilen entfernten Insel Lamutrek, um Lebensmittel anzubauen. Oleai wur-de durch einen schweren Taifun verwüstet und auf La-mutrek legen sie Felder an, um mit ihrer Ernte nach ein paar Monaten wieder zurückzukehren zu ihrem eigenen Eiland. Bei der Rückkehr kommen sie in einen Sturm und ein Boot, das kleinste, treibt ab und ist 97 Tage auf See als es das asiatische Festland erreicht. Dort erzählen sie sie hätten Trinkwasser durch Regen gehabt und wenn es tagelang nicht geregnet hätte seien sie im Meerwasser geschwommen, um über die Haut Wasser aufzunehmen, daß durch die Hautaufnahme nicht salzig sei. Fische konnten sie immer fangen. In einem weite-ren Sturm hätten sie ihr Boot vorsichtshalber mit Was-ser gefüllt, sodaß es untergetaucht schwamm und nicht vom Sturm zerschlagen wurde. Da es aus leichtem Brotfruchtbaumholz sei könne es nicht untergehen. Sie selbst wären geschwommen und hätten sich am Boot festgehalten. Sie wüßten schon Ruder, Segel und Aus-leger so zu handhaben, daß nichts zerbricht, selbst wenn ihr Boot gegen ein Riff geworfen würde. Da ihr Steuer-mann Sonne und Sterne ganz genau kenne wüßten sie auch immer wo sie sind.

Ein zufällig anwesender deutscher Beamter von der Ka-rolinen-Insel Jap bietet den Eingeborenen an sie auf ei-nem Dampfer nach Oleai zurückbringen zu lassen, doch die Seefahrer meinen, es gäbe Fische und Schildkröten genug und sie kämen schon selbst zu ihrem Dorf zurück. Da beständiger Ostwind herrscht, hält man ihre Rück-reise mit dem Segelboot für zu gefährlich und der deut-sche Beamte läßt sie per Schiff nach Hause bringen.