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Ponape

Die Pflanzenwelt Ponapes ist entsprechend dem feucht-heißen Tropenklima außerordentlich üppig, Kokos- und Steinnußpalmen, Brotfrucht- und Mangobäume liefern der Bevölkerung Früchte und die enormen Knollen der Yams werden viel angebaut und auch die viel kleinere Taro, eine andere Knollenfruchtart.

Im April 1905 fegt ein gewaltiger Taifun über Ponape, welcher die Waldbestände der Insel schwer trifft. Die überall im neu emporwuchernden, dichten Busch ver-streut liegenden, vermodernden Baumriesen machen im Verein mit den engverschlungenen Lianen und der Gebirgslandschaft ein Vordringen außerhalb gebahnter Wege fast unmög-lich.

Hatte die spanische Verwaltung auf Ponape 800 Sol-daten stationiert im ständigen Kleinkrieg der Inselstäm-me gegen die Besatzer, so will die deutsche Verwaltung nach dem Kauf der Karolinen von Spanien 1899 die ge-gen die Weißen aufgebrachte Bevölkerung durch fried-liche Mittel gewinnen. Nur 46 farbige Polizeisoldaten werden auf Ponape stationiert und die spanische Fes-tung im Hauptort Kolonia wird für die Inselbevölkerung zum freien Zutritt geöffnet.

Es gibt fünf Stämme, die in den selbständigen Land-schaften Dschokadsch, Not, U, Ronkiti und Metalanim leben. Mit der Deportation der Dschokatsch-Leute von Ponape nach ihrem Aufstand Ende 1910 scheidet Dscho-kadsch als selbständige Landschaft aus.

Ein kompliziertes Lehenssystem über den Landbesitz gibt zu häufigen Streitigkeiten Veranlassung, sodaß der Bezirksamtmann Hermann Kersting vereinfachte Grundbesitzverhältnisse einführen will. Dafür nutzt er erfolgreich die Oberhäuptlinge mit ihrer Autorität, die auch die obersten Lehnsherren sind. Die Landreform im Jahre 1910 verleiht 1100 Familien Grundbesitz und be-freit die Einheimischen von der Leibeigenschaft und Abhängigkeit von den traditionellen Häuptlingen. Auch wird das Recht der Häuptlinge beschnitten, Hand- und Spanndienste sowie Nahrungsmittelabgaben und Ge-schenke bei den Gemeindefesten einzufordern, deren Anzahl von 22 auf eins im Jahr verringert wird. Die Häuptlinge behalten die Kontrolle über ihre ange-stammten Bereiche wie Streitschlichtung und Steuer-eintreibung.

Eine weitere Änderung der Verhältnisse ergibt sich von selbst. Die Frauen tragen nun meist europäische Stoffe, statt der einheimischen aus Bananenfasern hergestell-ten Webstoffe.

1914 wird die Eingeborenenbevölkerung der Insel auf rund 4000 Seelen geschätzt. Zur selben Zeit besteht die weiße Bevölkerung auf Ponape aus den Beamten, den Missionaren der beiden dort tätigen Missionsgesell-schaften sowie einigen Händlern und sonstigen An-siedlern und beträgt etwa 30 Personen.

Die Liebenzeller Mission hat auf Ponape in der Land-schaft Metalanim beim Dorf Etienlan eine Station mit einem Predigerhaus und einer geräumigen Holzkirche.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse auf der Insel be-schreibt das Deutsche Kolonial-Lexikon:

»Größere europäische Unternehmungen, vor allen Din-gen Plantagen, bestehen auf Ponape noch nicht. Es sind vielmehr nur einige kleinere Kokospflanzungen ange-legt worden, denen aber irgendeine Bedeutung für die Ausfuhr nicht zukommt. Der Handel auf Ponape liegt in der Hauptsache, wie auf den übrigen Inseln der Ost-karolinen, in den Händen der Jaluit-Gesellschaft, die am Langer-Hafen (Santiago-Hafen), eine Zweigniederlas-sung errichtet hat. Außer der Jaluit-Gesellschaft sind noch einige Händler auf der Insel tätig. Das Hauptaus-fuhrprodukt ist die Kopra, daneben gelangen in gerin-gem Maße Muscheln und Schildpatt zur Ausführung. Der Anlage größerer Plantagen steht die ständige Taifungefahr besonders hindernd, im Wege. So hat im Jahre 1905 ein Taifun fast die gesamten Fruchtbäume der Insel zerstört.«

Albert Hahl, der als Vizegouverneur von Deutsch Neu-guinea von 1899 bis 1901 auf Ponape residiert, welche mit 334 qkm die größte der Karolineninseln ist, versucht auf dem internationalen Markt verkaufbare landwirt-schaftliche Produkte – cash crops – auf Ponape einzu-führen. Er bringt Kaffee, Baumwolle, Kakao, Kautschuk, Hanf, Vanille und andere Pflanzen nach Ponape. Er ver-sucht die einheimische Bevölkerung für den Anbau die-ser Geld erwirtschaftenden Pflanzen zu begeistern, doch ohne Erfolg. So bleiben diese Pflanzen in Hahls Ver-suchsgärten. Seine Bemühungen Viehzucht einzuführen zeigen mehr Erfolg, wenn auch nur bei dem portugie-sischen Siedler Joaquin Kilmete und dem einheimi-schen Geschäftsmann Henry Nanpei, der die Viehzucht seinen verschiedenen Geschäftszweigen hinzufügt.

Hahl sieht sich nicht als einen Mann, der im Büro sitzt und viel Tinte verbraucht, sondern als einen Macher, der die Verhältnisse in dem von ihm verwalteten Land verbessert. So wird die bei der Übernahme der Kolonie von Spanien mitgebrachte Polizeitruppe zur Arbeit bei den von ihm eingeleiteten Baumaßnamen herangezo-gen, da er Einheimische für solche Arbeiten nicht ge-winnen kann. So werden Regierungsgebäude instandge-setzt oder neugebaut, Wohnhäuser für die wenigen deutschen Beamten errichtet, wie für den Polizeichef, den Arzt und für Hahl selbst, das Krankenhaus wird vergrößert und Arbeiten an den Straßen in und bei der ›Kolonie‹ durchgeführt. Die ›Kolonie‹ liegt innerhalb des von den Spaniern errichteten, zum großen Teil noch erhaltenen Festungsmauergürtels und ist das Wohnge-biet der Weißen. Das Wohnhaus des Bezirksamtmanns liegt allerdings etwa zehn Minuten außerhalb der Ring-mauer; ein wohlgepflegter, von frischem Grün eingefaß-ter Weg führt dorthin.

Eine breite Riffpassage führt zum Hafen von Ponape. Für Dampfschiffe ist die Einfahrt keine Schwierigkeit, aber kann für einen Segler zu seinem Ende führen, wenn plötzlich Windstille auftritt und die dauernde starke Brandung das Schiff auf das Riff treibt und es dort zer-schellt, wie es zum Beispiel Ende 1911 einer norwegi-schen Bark geschieht.

Ein deutscher Marineoffizier beschreibt den Hafen von Ponape:

»Tagaus, tagein sieht das Seemannsauge den glatten Horizont, und nur ganz wenig erheben sich die flachen Atolle der Karolinen über den Meeresspiegel. Wie ent-zückt waren wir da, als wir an einem prächtigen Sonnentag in den von Bergen umschlossenen Ponape-Hafen einliefen! Vor uns das grüne hüglige Ponape selbst mit den weißen Häusern der Kolonie, rechts schließt sich daran das schroffe Felsennest Dschokadsch und auf der anderen Seite das anmutige Inselchen Langar mit einer Handelsniederlassung darauf. Wenn der Hafen von Ponape so auch einen sehr geräumigen Eindruck macht, so ist doch für Schiffe nicht viel Platz darin, denn zahlreiche weitverzweigte Korallenriffe, die hell smaragdgrün durch den dunklen Meeresspiegel schimmern, engen das Fahrwasser ein.«


Sofort mit der Übernahme der Verwaltung auf Ponape wird der in spanischen Zeit blühende Handel mit Waffen und Alkohol bekämpft. In den ersten ein-zwei Jahren der deutschen Verwaltung ist immer ein deut-sches Kriegsschiff in der Nähe und an der Südseite der Insel werden zwei gut bewaffnete Posten eingerichtet. Damit bricht der Handel amerikanischer Walfänger mit den Schmuggelgütern zusammen.

Das Deutsche Kolonial-Lexikon beschreibt die Verwal-tung des Bezirks der Ostkarolinen, auch Bezirk Ponape genannt, auf Ponape:

»Der Bezirksamtmann des Bezirks Ponape hat seinen Sitz auf Ponape selbst und zwar in Messenieng in der Nähe des Santiagohafens. Zu seiner Unterstützung ist ihm das nötige Unterpersonal, bestehend aus einem Sekretär, einem Polizei- und Hafenmeister beigegeben. Auch ein Regierungsarzt ist auf Ponape zur Ausübung des Gesundheitsdienstes stationiert. Eine aus Melane-sen zusammengesetzte Polizeitruppe sorgt für die Auf-rechterhaltung der Ordnung auf der Insel. Außer dem Bezirksamt befinden sich noch das Bezirksgericht, das Seemannsamt, das Strandamt und das Standesamt für die Ostkarolinen in Ponape. Der Bezirksamtmann nimmt die Geschäfte dieser Behörden im Nebenamt wahr. Das Obergericht für Ponape befindet sich in Rabaul auf Neu-pommern im Bismarckarchipel. Der Hafen von Ponape ist für den Auslandsverkehr geöffnet. Den Verkehr der Insel mit der Außenwelt vermittelt der Reichspostdamp-fer Germania der Jaluit-Gesellschaft, der hier jährlich sechsmal vorläuft. An das Welttelegraphennetz ist Ponape noch nicht angeschlossen, dagegen besteht daselbst eine Postanstalt. Die Missionierung der Insel erfolgt durch die protestantische Liebenzeller Mission, sowie die Rheinisch-Westfälische Ordensprovinz der Kapuziner. Beide Missionen haben auf der Insel Statio-nen und im Anschluß daran Kirchen und Eingebore-nenschulen errichtet. Eine Regierungsschule besteht auf Ponape noch nicht.«


Von Truk hat man im Juli 1914 auf dem Ostasiatischen Kreuzergeschwader auch den Pastor Uhlich, Leiter einer evangelischen Mission auf den Karolinen, nach Ponape mitfahren lassen. »Und weiter sprach Pastor Uhlich von einer wundersamen Periode höchster Kultur, die sich in einer längst entschwundenen und vergessenen Zeit hier abgespielt hat. M e t a l a n i m heißt diese Stätte, da sich die Ruinen großzügig angelegter Paläste befinden, jetzt nur noch durcheinander liegende Gesteinsblöcke von unheimlicher Größe. Wie kamen die hierher nach der weltentlegenen Insel Ponape?« Auch heute gibt es keine Antwort auf die Frage des deutschen Marineoffiziers Joachim Lietzmann, der diese Sätze aufschrieb.

Metalanim ist ein Südsee-Inselchen mit einer verlas-senen Stadt darauf unmittelbar an Ponape anliegend und künstlich aufgeschüttet. Dafür wurden 800.000 Tonnen Basalt über 50 Kilometer über See verfrachtet. Nach der Sage der Einheimischen wurden die Steine von amphibischen Weltraum-Göttern durch die Luft beför-dert.

Metalanim, auch Nanmatal oder Nan Madol genannt, wird 1907 dem deutschen Bezirksamtmann Victor Berg zum Verhängnis, als er Gräber in Nan Madol öffnet und zwei bis drei Meter große menschliche Skelette findet. Am nächsten Morgen, dem 30. April 1907, stirbt Berg. Der deutsche Arzt auf Ponape kann keine Todesursache feststellen. Offiziell wird Sonnenstich und Erschöpfung als Todesursache angeben. Die Eingeborenen sind si-cher, daß übernatürliche Kräfte zum Schutz der Gräber den Eindringling getötet haben.

Der Völkerkundler Paul Hambruch nimmt in den Jahren 1909 und 1910 an der Hamburger Südsee-Expedition von 1908 bis 1910 teil. Dabei sind ihm die ethnographischen Untersuchungen Mikronesiens übertragen, insbeson-dere von Nauru und Ponape. Für die Forschung über Ponapes Ruinenstadt Nanmatal werden Hambruchs Arbeiten die Grundlage für alle zukünftigen Forschun-gen über die rätselhafte verlassene Stadt.


In der zweiten Julihälfte 1914 liegt das Ostasiatische Kreuzergeschwader mit seinen beiden stärksten Schif-fen, den Panzerkreuzern Scharnhorst und Gneisenau, vor Ponape, der größten Karolineninsel. Vom Flaggschiff Scharnhorst werden aus Tsingtau mitgebrachte Grab-steine für die gefallenen deutschen Soldaten vom Auf-stand von 1910 auf der Insel an Land gegeben und auf-gestellt.

Von den seemännisch schwierigen Schiffsliegeplätzen nahe von Untiefen vor der Insel fahren die Besatzungen auf Barkassen fast eine halbe Stunde bis zu einer fluß-aufwärts gelegenen Landungsbrücke für ihre Landgän-ge und zur routinemäßigen Infanterieausbildung mit Übungsmärschen und Schießen auf dem Schießstand von Ponape.

Auf Ponape selbst ist eine Polizeitruppe aus Neuguinea stationiert. »Herrliche hohe Gestalten von edlem Wuchs«, wie ein Deutscher sie beschreibt, und deshalb aus Neuguinea »um zu verhindern, daß sie im Falle von Unruhen mit den Aufständischen gemeinsame Sache machen«.

Erst im Juni 1914 waren 800 Mann in Tsingtau als Ablösemannschaften aus Deutschland neu an Bord von Scharnhorst und Gneisenau gekommen – routinemäßig wird die Hälfte der Besatzungen ausgetauscht – und hier in den Gewässern von Ponape werden immer wieder ›Klar Schiff zum Gefecht!‹-Übungen durchgeführt, um die Kriegsbereitschaft der Schiffe nach dem Mann-schaftswechsel wiederherzustellen.

Die Offiziere des Kreuzergeschwaders lassen es sich zwi-schen den Übungen gut gehen auf Ponape. »Mit den am Ort befindlichen deutschen Beamten und Kaufleuten knüpften wir rege Beziehungen an. Der Bezirksamt-mann selbst war abwesend. Sein Stellvertreter aber hielt uns sein stets gastfreies Haus offen. Beim Genuß köst-licher Wassermelonen saßen wir oft in angeregtem Gespräch mit ihm auf seiner Veranda, tief zu unseren Füßen die lachende Landschaft mit den weißen Häusern der Niederlassung, und dahinter das sich in unermeß-liche Weite dehnende blaue Meer, auf dem sich unsere stattlichen Schiffe wie Kinderspielzeug ausnahmen.

Eines Abends führten uns vor seiner Villa die Eingebo-renen ihre Tänze vor. Besonderen Eindruck machten unter den Palmen im Purpurscheine roter Lampions der Tanz der Polizeisoldaten. Dumpf dröhnten die Trom-meln, und schwermütig waren die Gesänge, als die Hühnengestalten, wild bemalt und einen kriegerischen Helm auf dem schwarzen Haar, langsam und würdevoll im Kreise ihre phantastischen Bewegungen ausführten.

Der Zuschauer geriet durch all das Geheimnisvolle in eine wahre Märchenstimmung, und dieser setzte Pastor Uhlich wiederum die Krone auf. Aus dem Hintergrunde erschollen plötzlich wie aus Engelsmunde mehrstim-mige Harmonien. Die große Schar der Missionskinder war es, die uns auch hier mit heimatlichen Liedern überraschte.

»Deutschland, Deutschland über alles!« Es war das rech-te Lied, das uns mit auf den Heimweg gegeben wurde. Denn soeben hatten die elektrischen Wellen die Kunde von der bevorstehenden Kriegserklärung Österreichs an Serbien zu uns getragen.«

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Truk

Das Truk-Atoll besteht aus 98 Inseln in der Lagune und den Lagunenrand bildend. Die Lagune hat eine Länge von 65 km und eine Breite von 56 km. Die Landfläche beträgt 100 qkm mit einer höchsten Erhebung von 443 m. Die Lagunenfläche beträgt 2131 qkm. Das Truk-Atoll ist eines der wenigen hohen, gebirgigen Atolle der Karolinen und von der Natur mit der üppigsten Ver-schwendung ausgestattet. Jam und Taro, die süßen rie-senhaften Knollengewächse, die den Hauptbestandteil der Nahrung der Eingeborenen bilden, wachsen ohne jeden Ackerbau. Dazu gibt es Kokosnüsse und die süßen mehligen Früchte des Brotfruchtbaumes.

Bald nach der Übernahme der Herrschaft durch die Deutschen wird auch auf Truk der illegale Waffen- und Alkoholhandel bekämpft. Anfang Januar 1901 landet Albert Hahl, Bezirksamtmann der Ostkarolinen, vom Kleinen Kreuzer Cormoran überraschend mit einer Abteilung melanesischer Polizei auf Truk. Er erwischt eine große Gruppe japanischer Händler mitten in ihren Neujahrsfeierlichkeiten und beschlagnahmt ihre Han-delsware an Feuerwaffen und Alkohol. Sieben Japaner werden verhaftet und kommen ins Gefängnis nach Ponape. Alle anderen müssen ihre Geschäfte auf Truk auflösen und werden von der Inselgruppe verbannt. Nur ein japanischer Händler darf bleiben. Dem halben Dut-zend weißen Händlern vor Ort wird gleiche Behandlung angedroht bei Verstoß gegen die geltenden Gesetze. Auch unter den einheimischen Herrschern räumt Hahl auf und verhaftet auf drei Trukinseln jeweils einen der Häuptlinge wegen begangener Morde und sie verbrin-gen die nächsten Jahre im Gefängnis auf Ponape.

Das deutsche Durchgreifen wirkt und beendet die Stam-mesfehden auf dem als unruhig bekannten Trukatoll. Als im Dezember 1904 Bezirksamtmann Viktor Berg auf Truk landet und gegen Bezahlung alle noch vorhande-nen Waffen und die Munition einfordert, werden ihm 436 Gewehre und 2500 Patronen ausgeliefert gegen eine Entschädigung von 9000 Mark. Offensichtlich sind die Einheimischen auch froh über das durch die Deutschen erzwungene Ende ihrer Kleinkriege. Die Einheimischen selbst haben schon begonnen Waffen in Hacken, Angel-haken und andere nützlichere Dinge umzuschmieden.

Als zufällig bei Anwesenheit von Berg auf Truk der Häuptling der Polootinseln mit 30 Kanus auf Truk lan-det, wird er sofort von Bezirksamtmann verhaftet. Auf Anordnung der deutschen Verwaltung dürfen nur noch Gruppen von höchstens fünf Kanus zusammen fahren, um Kriegszüge zu verhindern und um die Männer als Arbeitskräfte zur Ernährung ihrer Familien zuhause zu halten.

Auf Druck der Deutschen werden von den Familienober-häuptern auf Truk Kokospalmen und Fruchtbäume angepflanzt; anderweits will die deutsche Verwaltung ungenutztes Land an Inselbewohner ohne Land abge-ben. Selbst Ngenimun, einer der drei 1901 verhafteten und verurteilten Häuptlinge, beginnt nach seiner Ent-lassung mit der Entwicklung seines Landes und baut nach dem Muster der Deutschen auf seiner Trukinsel Uman eine die ganze Insel durchziehende Straße mit an den Seiten in Stein eingefaßter Drainage zum Ablauf des Regenwassers. Ngenimun hat den deutschen Straßen-bau auf Ponape kennengelernt.

Truk macht so schnelle Fortschritte, daß Bezirksamt-mann Victor Berg regionale Chefs über die sechs Ge-biete des Trukatolls bestimmt, jedem eine eigene Flagge gebend, als Hoheitszeichen ihrer Machtausübung der kaiserlich-deutschen Herrschaft über Truk.


1909 wird auf Truk eine Regierungsstation eingerichtet. Auf den Inseln des Stationsbezirkes leben etwa 11.000 Menschen. Der Sitz des Stationsleiters befindet sich auf Toloas. Am Sitz der Regierungsstation befindet sich auch eine Postagentur.

Auf halber Höhe von Toloas vom Haus des Stations-leiters überblickt man durch majestätische Steinnuß-palmen hindurch das hügelige, saftiggrüne Land mit seinen stillen Buchten und das weite, von vielen Insel-chen und Korallenriffen durchsetzte blaue Meer.

Die protestantische Liebenzeller Mission missioniert auf Truk. Viele eingeborene Frauen tragen deshalb die häßlichen Missionskittel. Schließlich beginnen auch die katholischen Kapuziner ihre Missionstätigkeit. Die Mis-sionen haben auf den Inseln an ihre Stationen Schulen angeschlossen. 1915 soll eine Regierungsschule errich-tet werden.

Die weiße Bevölkerung auf Truk beläuft sich 1913 auf fünf Regierungsbeamte, elf Missionare, einige Kauf-leute und Händler. Außerdem sind noch drei Japaner ansässig. Die meisten weißen Bewohner wohnen auf Toloas. Auf der nahen Nachbarinsel Eten sitzt der Ver-treter der Jaluit-Gesellschaft, der an die zehn Händler auf den einzelnen Inseln verteilt hat.  

An europäischen Unternehmungen befindet sich auf Truk nur die Agentur der Jaluit-Gesellschaft und außer-dem noch eine Zweigniederlassung der japanischen Südsee-Handelsgesellschaft. Die Inselgruppe wird jähr-lich sechsmal vom Dampfer Germania der Jaluit-Gesell-schaft angelaufen.

1913 wird amtlich festgestellt, daß der Regierungsarzt Dr. F. Mayer bei der Bevölkerung von Truk ein starkes Ster-ben, insbesondere durch Lungenkrankheiten, festge-stellt hat, doch hofft man durch die Einrichtung eines ärztlichen Dienstes eine Hebung der Bevölkerungszahl erreichen zu können.


Während eines Aufenthaltes im Juli 1911 auf Truk erlebt die Besatzung der SMS Cormoran die Fliegenplage während der Brotfruchtreife. Nicht nur an Land auch an Bord ist die Fliegenplage fürchterlich. Um der Fliegen Herr zu werden wird geraucht und man umwedelt sich fort-während mit Taschentüchern. Immer und immer wie-der krabbeln die Fliegen im Gesicht oder summen um die Ohren. Öffnet man den Mund ist das von den Fliegen als Einladung gedacht hineinzufliegen. Und des nachts finden die Plagegeister einen Weg durchs Moskitonetz und spazieren auf dem Gesicht herum und finden natürlich auch einen Weg in die Nase. Der Kommandant der Cormoran:

»Die Mahlzeiten gestalteten sich zur reinen Folter, da im Nu die Schüsseln von zappelnden Fliegenleibern, die in die Speisen geraten waren, wimmelten. Die Schnur der über meinem Eßtisch hängenden elektrischen Birne war dauernd so mit den widerlichen Insekten besetzt, daß sie einem schwarzen, flockigen Wollstrick glich. Herr Wulff, der erfinderische Leiter der Jaluit-Station [der Jaluit-Gesellschaft], hatte sich derart geholfen, daß er seine Mahlzeiten in einem auf seiner Veranda aufge-stellten Fliegenspind einnahm. Durch eine kleine Fens-terklappe wurden ihm die Schüsseln von seinem farbi-gen Diener schnell hineingereicht, und so wurde es ihm möglich, wenigsten einigermaßen ungestört speisen zu können.«

Jeder an Bord der Cormoran ist froh das Atoll wieder zu verlassen. In See werden alle Bullaugen auf beiden Sei-ten aufgerissen und der Wind fegt die Fliegenschwär-me ins Meer hinaus.


Ein besonderes Ereignis für Truk ist das Erscheinen der Cormoran Ende Januar 1912, weil das Schiff auch zu Kaisers Geburtstag am 27. Januar 1912 anwesend sein wird. Cormoran-Kommandant Paul Ebert:

»Der bisherige Stationsleiter war seit längerer Zeit bett-lägerig krank, sein Ersatz mit dem letzten Dampfer be-reits eingetroffen. In einer Besprechung mit diesem Be-amten stellte ich fest, daß zur bevorstehenden Feier von Kaisers Geburtstag sich, wie üblich, sämtliche Häuptlin-ge der Truk-Inseln mit ihrer Gefolgschaft bei der Regie-rungsstation auf Toloas einfinden würden. Da alle diese Leute das Kriegsschiff sehen würden, so lag ein Bedürf-nis, die Flagge auch auf den anderen Inseln des Atolls zu zeigen, wie es ursprünglich in meiner Absicht lag, nicht vor. Dagegen wurde mir eine Vermessung der Durch-fahrt zwischen Toloas und Eten und der östlich und westlich davon liegenden Ankerplätze als sehr er-wünscht bezeichnet, die ich nun während der nächsten Tage ausführen ließ.

Zu Kaisers Geburtstag wurde früh bei Flaggenparade über die Toppen geflaggt. Indessen hatte unser sonst so ruhiger kleiner Hafen ein recht belebtes Aussehen an-genommen. Die dem Leiter der Jaluit-Gesellschaft un-terstellten Händler – eine recht bunte aus Weißen, Japa-nern und Halbblutleuten zusammengesetzte Gesell-schaft – waren in ihren Segelkuttern von den verschie-denen Inseln eingetroffen, während die Eingeborenen-häuptlinge mit ihrem Anhang in stattlichen Segelkanus sich einfanden. Um elf Uhr vormittags hielt auf meine Bitte der Leiter der Liebenzeller Missionsstation den Festgottesdienst ab. Hieran schloß sich eine von mir gehaltene Ansprache, worauf Punkt zwölf Uhr mittags der übliche Salut gefeuert wurde. In dieser Zeit waren bei uns an Bord die Beamten der Regierungsstation mit ihren Frauen, die Missionare, der Leiter der Jaluit-Gesellschaftsfiliale mit zwei weißen und einem japani-schen Händler und etwa 15 Häuptlinge versammelt. Das Interesse der letzteren wurde besonders rege, als die Geschütze ihren ehernen Schlund zu rollenden Salut-schlägen öffneten. Einer von ihnen trug übrigens mit Stolz den Uniformrock eines Marineoberstabsarztes. Am Nachmittage fanden an einem Platz nahe der Regie-rungsstation unter zahlreicher Beteiligung der Eingebo-renen die Festtänze statt, die sich über den ganzen Nach-mittag bis zum Abend hinzogen. Es handelte sich wiede-rum um Sitztänze, wie ich sie ähnlich in Samoa und we-nige Tage vorher auch auf den Mortlock-Inseln gesehen hatte. Übrigens zeigte es sich, daß die Leute, sobald sich die Geister etwas erhitzten, auch zu Obszönitäten bei solchen Vorführungen neigten.«


Der Große Kreuzer Gneisenau liegt in der zweiten Juli-woche 1914 vor Truk und setzt die bereits vor Jahren von dem Kleinen Kreuzer Cormoran begonnene Arbeit fort, ein den Hafen beträchtlich beengendes Felsenriff weg-zusprengen. Von früh bis spät sind die beiden Taucher des Kriegsschiffes an der Arbeit für die Sprengungen.

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Kusaie

Kusaie liegt ganz im Osten der Karolineninseln. Die Landfläche der Insel beträgt 108 qkm ohne die gut ein Dutzend kleinen Nebeninseln. Die Landschaft ist hügelig und von tropischen Regenwäldern bewachsen. Der höchste Berg ragt 634 m auf. Eine Besonderheit der Insel ist, daß sie als einzige Mikronesiens als Felseninsel von einem Korallenriff umgeben ist.

Löllö-Hafen, der Hafen von Kusaie, ist eine Bucht, die von der mit einem Quadratkilometer größten Nebenin-sel Löllö begrenzt wird. Auf Löllö befinden sich im dich-ten Busch auch geheimnisvolle Ruinen aus aufeinander gestapelten Basaltblöcken, die genauso aussehen wie jene Ruinen auf Ponape.

Die Einheimischen sind europäisch gekleidet und we-gen der amerikanischen Mission auf der Insel anstatt deutschsprachig englischsprachig. Die protestantische amerikanische Bostoner Mission, die seit 1852 auf Kusaie sitzt, hat die Bevölkerung fast vollständig chris-tianisiert und ihre Traditionen gebrochen. Nur der Oberhäuptling von Kusaie, Tokoscha, er regiert seit 1890, läßt sich nicht christianisieren. Wie viele Männer der Insel ist auch er auf einem amerikanischen Wal-fänger zur See gefahren, um etwas von der Welt zu sehen, und hat folglich Englisch gelernt. Als 1910 die Hamburger Südsee-Expedition Kusaie besucht, kann sie vom betagten Oberhäuptling Tokoscha reichliche Aus-künfte über die alten Verhältnisse auf der Insel erhalten. Im September 1910 verstirbt der Oberhäuptling.

Anfang September 1914 liegt der britische Dampfer Southport wegen der herrschenden Wetterbedingun-gen vor Kusaie, um später in Nauru eine Phosphat-ladung nach Stettin zu übernehmen, als am 4. Septem-ber das alte Kanonenboot Geier und sein Kohlenver-sorger, der kleine Frachter Tsingtau, vor Kusaie erschei-nen. Während die Besatzung der Southport darauf war-tet, eine Ladung Dünger vom deutschen Kolonialbesitz Nauru nach Deutschland zu fahren, erfährt sie nun, daß vor einem Monat England Deutschland den Krieg er-klärt hat und die Welt sich jetzt in einem Weltkrieg befindet.

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Jap

Die vier großen vulkanischen Jap-Inseln bestehen außer den Sandstränden mit Kokospalmen hauptsächlich aus zerklüfteter Hügellandschaft, die ungeeignet ist für Plantagenwirtschaft. Jap, als größte Insel, hat eine Fläche von 56 qkm und die ganze Inselgruppe, einschließlich zehn winziger Koralleninseln, eine Fläche von 100 qkm. Jap ist der Sitz der deutschen Verwaltung der Westkaro-linen mit den Marianen und den Palau-Inseln.

Die beiden Inseln Jap (56 qkm) und Tomil (23 qkm) liegen unmittelbar nebeneinander und sind nur durch einen über einen Kilometer langen und teilweise nur zehn Meter breiten Kanal getrennt. Die Trennung in zwei Inseln erfolgt erst 1901 durch ein Erdbeben.

Der Hafen von Jap wird Tomil-Hafen genannt und von beiden Inseln halb und halb als Bucht gebildet. Tomil-Hafen trägt mit seinen zahlreichen Buchten einen fjord-artigen Charakter. Dichtes Mangrovengebüsch säumt den Strand. Im Hafen liegt die kleine Insel Tarang mit einer primitiven Landungsbrücke. Auf der Insel befin-det sich das Kohlenlager der Westkarolinen-Gesell-schaft, wo Kriegs- und Handelsschiffe mit Hilfe einge-borener Arbeiter ihren Kohlenvorrat auffüllen. Die 1911 gegründete Westkarolinen-Gesellschaft übernimmt das Unternehmen des erfolgreichen Südseegeschäftsmanns David Dean O’Keefe, der auf Tarang seinen Firmensitz hatte. O’Keefe ist schon 1901 auf einer Seefahrt mit einem seiner Schoner verschollen und seine Familie führte das Geschäft weiter.

Am Hafen liegt die Regierungsstation, die Kabelstation der deutsch-niederländischen Telegraphengesellschaft und die Hauptniederlassung der Westkarolinen-Gesell-schaft.

Die Landungsstelle für Boote bei der Kolonie, der Euro-päersiedlung, befindet sich auf der Halbinsel Blelatsch, der alten spanischen Festung, die durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist, wo die Gebäude des Bezirksamts und verschiedene andere sich befinden. Ein sanft ansteigender Weg führt von dort aus zu den Häu-sern der Telegraphengesellschaft und zur Wohnung des Bezirksamtmanns, von wo aus sich eine schöne Aus-sicht über das anmutige Hafenbild bietet.

Von der Kolonie führt in nördlicher Richtung, teilweise am Strand entlang, ein hübscher, sauberer Weg in etwa einer halben Stunde zum Hospital und der gleichfalls auf einer luftigen Anhöhe gelegenen Wohnung des Regierungsarztes. An der Ostseite des Hafens liegt der Ort Tomil. Ein mehrere hundert Meter langer Stein-damm ist hier schnurgerade in das seichte Wasser des Riffs eingebaut. Das Dorf hat sehr sauber gepflasterte, mit Zäunen und Zierpflanzen eingefaßte Wege. Ein gro-ßes Bootshaus beherbergt schön gearbeitete Fahrzeuge. Die Kanus der Jap-Leute sind entweder aus einem einzi-gen Baumstamm hergestellt, oder aus einzelnen Teilen durch feste Verschnürung zusammengesetzt. An beiden Enden befinden sich schön geschwungene, hochragen-de Aufsätze. Dreieckige Mattensegel dienen zur Fortbe-wegung, soweit nicht gepaddelt wird.


Auf den Spazierwegen rund um Tomil-Hafen bietet sich reichlich Gelegenheit, das Leben der Eingeborenen zu betrachten. Begegnet man einem Jap-Eingeborenen, ob Mann oder Frau, so bleibt er abgewandten Hauptes ehrerbietig stehen, bis man vorbeigegangen ist. Frauen treten wohl auch in das Gebüsch am Wege. Eine Aufmerksamkeit wie sie auch bei den Einheimischen von den im Rang niedrigeren Stehenden dem im Rang Höheren erwiesen wird.

Die Kleidung der Männer besteht nur aus einer Scham-binde, die zwischen den Beinen durchgezogen und um die Hüften geschlungen wird und entweder aus euro-päischen Stoffen oder aus einem gewebten Pflanzenstoff besteht. Die Kleidung der Frauen besteht aus einem bau-schigen Rock aus langen, schmalen Blättern, der sich in einem mächtigen Wulst um die Hüften legt. Die Kinder sind meist nackt. Vielfach werden aus Pandanuß-Blät-tern gefertigte spitze Hüte getragen. Als Regenschirm dient häufig ein breites Blatt.

Die Frauen belassen den Oberkörper nackt, was die evangelischen Missionaren um die Jahrhundertwende dazu bringt, ihnen buntbedruckte Hemden zum ver-hüllen ihres Busens zu schenken. Für die Mütter sind die Hemden aber unpraktisch und so schneiden sie Löcher in die Hemden, auf daß ihre Brüste frei liegen für das Stillen ihres Babys.

In den Händen der meisten Jap-Bewohner sieht man einen aus dem Wedel der Kokospalme hergestellten Korb, den die Männer unter dem Arm oder in der Hand, die Frauen meist an einer Schnur über die Schulter tragen. Die letztere Tragweise ist wahrscheinlich not-wendig, weil der breite Rockwulst ein zwangloses herun-terhängen der Hände ausschließt. Der Inhalt des Korbes bildet in erster Linie die zum Betelkauen notwendigen Utensilien, nämlich Betelnüsse, Pfefferblätter und eine Büchse mit pulverisiertem Korallenkalk. In den Händen der Männer sieht man häufig das überall in der Südsee gebräuchliche Beil aus einem winkelförmigen Holzstiel mit daran festgebundener Klinge. Letztere wurde früher durch ein Muschelstück gebildet, heutzutage meist durch ein Hobeleisen.

Als Schmuck werden, wie auch sonst in der Südsee, Tätowierungen angewendet. Als Haarschmuck dienen bei den Männern Holzkämme, von denen vielfach aller möglicher Zierat, wie Hahnenfedern und dergleichen, herabhängt. Die Frauen tragen oft Blumen im Haar, an den Armen Ringe aus einer Muschelschale oder meh-rere Ringe aus Kokosschale. Auch Fingerringe verschie-denster Art sind beliebt.

Sehr charakteristisch sind die Häuser der Jap-Leute durch das in zwei mächtige Giebel als Schutz vor dem starken Wind vorspringende Dach. Die Häuser stehen auf einem etwa einen Meter hohem Steinfundament. Es gibt gewöhnliche Familienhäuser und die großen Abais für die unverheirateten Männer.

Die Bildung einer Familie auf Jap beginnt mit dem Aus-zug eines zum Mann werdenden Jungen aus der elter-lichen Hütte in ein Abai, ein Männerhaus von impo-nierender Größe, das zu jeder Dorfgemeinschaft gehört. Dort empfangen die Jungen die allnächtlichen Besuche der jungen Mädchen, die probeweise reihum gehen. Im Laufe vieler Tropennächte stellen sich dann die Paare heraus, die am besten zueinander passen. Dann verläßt der junge Mann das Männerhaus und begründet mit seiner erprobten Partnerin einen eigenen Hausstand.

Es bestehen verwirrende Grundbesitzverhältnisse auf Jap. Um Ordnung in das Durcheinander zu bringen werden von der deutschen Verwaltung Grundbücher angelegt, die Grundstücke vermessen und den Besitzern Urkunden ausgestellt.

Die deutsche Kolonialverwaltung von Jap und dem Be-zirk der Westkarolinen residiert in der alten spanischen Zitadelle. Ein quadratisches Bauwerk aus Korallenblök-ken mit vier Meter hohen Mauern. In der Festung liegen die vor Jahrhunderten üblichen Festungsanlagen wie Kasematten, Kerker, Kammern für Munition, Waffen und Vorräte. Der übrig gebliebene Raum ist bis zur Höhe der Mauerkrone mit gestampfter Erde aufgefüllt. Darauf stehen die aus importierten Ziegelsteinen errichteten Wohnungen für Kommandant, Offiziere und Soldaten. Die Deutschen bauen darauf noch aus importiertem Schnittholz bescheidene Büros und ein einfaches Kran-kenhaus.

Der Marktplatz und die Hauptstraße von Colonia, der geschäftliche Mittelpunkt der Insel, liegen auch bei der Zitadelle.


Eine Besonderheit von Jap ist das Steingeld. Die Steine können von Handtellergröße bis zu vier Metern Durch-messer haben und über fünf Tonnen wiegen. Tausende der Steingeldscheiben stehen überall auf den Inseln am Wegesrand oder um die Häuser herum. Es muß − nach der Tradition − immer auf dem Rand stehend, das heißt angelehnt an Bäume, Häuser und so weiter, aufbewahrt werden.

Das Steingeld wird ausschließlich von Männern benutzt. Wenn ein Stein den Besitzer wechselt, läßt der neue Ei-gentümer den Stein gewöhnlich aufgrund des Gewichts und der damit entstehenden Schwierigkeiten des Trans-ports dort, wo er ist. Wem welcher Stein gehört, wird einfach im Gedächnis festgehalten. Die Eigentumsrech-te an den Scheiben sind den ansässigen Dorfältesten bekannt.

Diese Geldsteine wurden von den Palau-Inseln, von de-ren Hauptinsel Babeldaob, welche 450 Kilometer süd-westlich von Jap liegt, herbeigeschafft. Diese Entfernung wurde mit Auslegerbooten in einer fünftägigen Reise überwunden. Dort brachen und bearbeiteten die Japesen unter mühsamsten Arbeitsbedingungen mit einfachs-ten Mitteln die Steine. Durch die Steine wurde ein Loch geschlagen, so daß man sie mit Hilfe von einem durch-gezogenen Rundholz zum Meer transportieren konnte. Hier wurden sie auf Bambusflöße oder Kanus geladen. Besonders große Steine wurden im Meer aufgestellt und das Floß drumherum gebaut. Dann wurde das Floß von mehreren Kanus mit Mattenbesegelung und Paddeln nach Jap gezogen. Der Transport nach Jap dauerte drei bis vier Wochen und es kam auch vor, daß Geldsteine auf dem Transport verloren gingen.

Die mühsame Herstellung und der lange Transport von Palau nach Jap begrenzten die Anzahl und Größe der Steine und erhöhten ihren Wert. Mit ihnen kann unter anderem Land erworben werden. Der Wert ergibt sich aus verschiedenen Faktoren wie: Größe, natürliche Schönheit, Form, Geschichte der »Münze«, Alter, wie schwierig es war, sie herzustellen, ob jemand beim Transport in Gefahr oder ums Leben gekommen ist und die soziale Stellung der Beteiligten.

Es gab eine Inflation beim Steingeld als der Transport der Steine gefahrlos und billig wurde. Als der Ameri-kaner David Dean O’Keefe in den 1870er Jahren Han-delsstationen für Kopra gründete verkehrte er mit sei-nen Schiffen auch zwischen Palau und Jap. Seitdem gibt es auf Jap sehr große Steine mit nur wenig Prestige und der materielle Wert des Steingeldes ist nicht mehr vor-handen. Das Geld für den alltäglichen Gebrauch besteht aus tellergroßen Muschelschalen, von denen jeweils zehn an einem Strick aus Kokosfasern hängen. So hat eine Jap-Frau bald noch größere Mühe, das Geld zum Markt zu tragen, als die gekaufte Ware nach Hause zu bringen.


Mitte Juli 1911 besucht der Kreuzer Cormoran Jap. Merk-würdigerweise ist kein Mensch zu sehen. Die Landungs-brücke, an der sich sonst beim Einlaufen eines Schiffes alles versammelt, Weiß und Braun, ist leer. Auch bei den Europäerhäusern der Jaluitgesellschaft zeigt sich kein Mensch. Ist hier alles ausgestorben?

Ein Offizier der Cormoran wird als Kundschafter an Land geschickt und klopft am ersten Haus an.

„Um Himmels willen,“ sagt der Bewohner, „kommen Sie schnell herein. Der Polizeimeister ist verrückt gewor-den. Er wohnt dort in dem Hause auf dem kleinen Hügel und schießt mit seinem Gewehr auf jeden Menschen, der sich blicken läßt. Manchmal knallt’s den ganzen Tag, wie auf’m Schießstand. Solang’ es hell ist, wagt sich kein Mensch mehr aus dem Hause. Es ist schon der dritte Polizeimeister, der hier verrückt wird. Auf der kleinen Insel, nichts zu tun, keine Bewegung, glühende Hitze und immer in dem Gedanken: ‚Meine beiden Vorgänger sind auch verrückt geworden’, – da kann man sich gar nicht wundern. Befreien sie uns nun, bitte, von diesem Wahnsinnigen, damit man wieder seines Lebens froh werden und in die Office gehen kann!“

Der Kundschafter begibt sich, hinter Palmen gedeckt gegen das Polizeimeisterhaus, zurück an Bord. Am Nachmittag holt ein Kommando des Kriegsschiffes den Polizeimeister aus seinem Haus und verbringt ihn an Bord. Nun ist er der friedlichste Mensch von der Welt und wird später in Begleitung eines Sanitätsmaaten nach Hamburg gebracht, ohne daß seine Mordgier noch einmal zutage getreten wäre.


Jap ist der Sitz des Bezirksamtes der Westkarolinen und auch Versorgungsstation und Basis für deutsche Kriegs-schiffe. Ein Besatzungsmitglied der Cormoran schreibt 1912:

»Am 14. Februar kamen wir in Jap an. Mittags bekamen wir endlich wieder einmal Post. Sie war für uns ein-gelagert worden. Auch für mich war viel Post und sogar ein Paket dabei. Nachmittags war die Freude schon wie-der vorüber, denn wir übernahmen Kohlen bis 8 Uhr abends.«

Das Bekohlen der Dampfschiffe ist harte Arbeit und äu-ßerst schmutzig dazu.

Jap dient auch für die infanteristische Ausbildung der Landungskorps der Kriegsschiffe und hat dafür einen Übungsplatz.

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Allgemeine Ereignisse III

Der Gouverneur von Deutsch Neuguinea, Rudolf von Bennigsen, und der zukünftige Kaiserliche Bezirksamt-mann auf Jap, der deutsche Kolonialbeamte Arno Senfft, fahren zum Hissen der Reichsflagge von Herbertshöhe, der Hauptstadt von Deutsch Neuguinea im Bismarck-archipel, auf die Karolinen-Insel Jap, wo sie mit Seiner Majestät Schiff Jaguar eintreffen, einem Kanonenboot der deutschen Kriegsmarine. Am 3. November 1899 fin-det unter der Teilnahme einer Ehrengarde der Besat-zung der Jaguar und den Offiziellen von deutscher und spanischer Seite mit dem Abspielen der Nationalhym-nen von Spanien und Deutschland in Colonia auf Jap und den Salutschüssen des Kriegsschiffes die Übergabe der Westkarolinen und der Palau-Inseln von Spanien an das Deutsche Reich statt.


Auf der Fahrt von Australien nach China läuft der Reichspostdampfer München am 3. Februar 1901 in der Einfahrt von Jap auf. Um das Schiff freizukommen wird die Ladung weitestgehend von Bord gegeben, so zum Beispiel die Tabakernte der ersten Tabakplantage von Deutsch Neuguinea. Schließlich treffen die Dampfer Natuna und Wonghoi aus Hongkong zur Hilfeleistung ein und auch der Regierungsdampfer Stephan hilft die München freizubekommen. Die Kaiserliche Marine ent-sendet trotz des Boxeraufstandes in China den Kleinen Kreuzer SMS Seeadler zur Unterstützung, der allerdings erst am 3. Mai eintrifft, als die München wieder aufge-schwommen ist. Nachdem man sie abgedichtet hat, geht sie zu ihrem chinesischen Zielhafen Hongkong, wo sie am 28. Juni eintrifft.


Arno Senfft ist seit 1899 Bezirksamtmann in den West-karolinen mit Sitz auf Jap. Er interessiert sich auch für die Kultur seiner ihm anvertrauten Eingeborenen und verfaßt völkerkundliche Artikel über sie.

Anfang 1909 reist Arno Senfft, der als Bezirksamtmann der Westkarolinen seit 1907 auch Vizegouverneur von Deutsch Neuguinea ist, nach Deutschland. Er verstirbt aber am 14. Februar 1909 auf der Reise in Hongkong an Magenkrebs.

Auf Jap steht am Ufer in einem kleinen Wäldchen das Denkmal für Arno Senfft. Die drei Meter hohe Stele auf einem Sockel trägt auf einer ovalen Metallplatte die In-schrift:

»Gewidmet von seinen Freunden, errichtet von den Ein-geborenen von Jap und Palau in dankbarer Erinnerung an ihren guten Amtmann Arno Senft 1899-1909«

Tatsächlich steht nicht Senfft sondern Senft auf der Ste-le geschrieben.