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Verkehr V

Breite, wohlgepflegte Wege, die von der Verwaltung angelegt wurden, verbinden die saubergehaltenen Sie-delungen. 

1907 wird eine vier Kilometer lange Schmalspurbahn vom Inneren der Insel an die Ladebrücke für den Phos-phatumschlag zu den Schiffen im Westen der Insel gebaut. Im gleichen Jahr beginnt auch die Verschiffung des Phosphats.

Am 14. Juli 1908 wird ein deutsches Postamt eröffnet. Durch die 1908 etwa monatlich Nauru anlaufenden Dampfer der Pacific Phosphate Company kann auf der Insel eben etwa einmal im Monat Post empfangen und abgeschickt werden. Bis 1913 erhöht sich die Zahl der Phosphatdampfer auf etwa vier im Monat. Dazu fährt sechs Mal im Jahr der Reichspostdampfer Germania die Insel an.

Da Dampfer nicht an der Insel anlegen können, weil ein um die 200 Meter breites Riff die Insel umschließt, gibt es zwei Festmacherbojen für die Frachter. Von zwei La-debrücken aus werden die Dampfer dann mittels Leich-tern mit dem auf der Insel gewonnenen Phosphat be-laden. Da der Leichterverkehr bei westlichen Winden unterbrochen werden muß, kann es Wochen dauern, bis ein Dampfer voll beladen ist.

Häufig kommt es vor, daß Dampfer, die wegen der Besetzung der beiden Festmacherboyen keinen Liege-platz haben, unter Dampf vor der Insel treiben müssen. Es soll vorkommen, daß sie, um Zeit für Wartungs-arbeiten in Häfen zu sparen, bei langen Wartezeiten einfach die Feuer löschen, um antriebslos in See trei-bend Maschinen und Kesselanlagen instand zu setzen.


1912 beginnt die Firma Telefunken mit der Errichtung einer Funkstation auf Nauru. Am 17. Oktober 1912 treffen der den Bau leitende Ingenieur und der Turmmonteur auf Nauru ein. Die Bauarbeiten werden durch Unfälle und Unwetter behindert. Zunächst behindern starke Regenfälle den Baubeginn. Extreme Trockenheit sorgt ab Ende Februar 1913 dafür, daß es kaum noch Wasser gibt, um Beton herzustellen. Der Telefunkenbautrupp behilft sich schließlich mit Brackwasser aus nahege-legenen Höhlen. Ein Lastwagen fällt beim Transport vom Schiff an Land zweimal ins Wasser, da einmal die Krankette bricht und das andere Mal der Haken des Schiffskrans entzweispringt. Dazu kommt der übliche Arbeitermangel. Die Eingeborenen Naurus werden durch die deutsche Verwaltung zum Teil unter Straf-androhung wie Gefängnis und Deportation zur Arbeit an der Funkstation gedrängt.  

Am 1. Dezember 1913 kann dann die Station gleichzeitig mit einer Funkanlage auf den Jap-Inseln eröffnet wer-den. Die Funkanlage ist mit einer schirmförmigen An-tenne ausgerüstet, die von einem 120 Meter hohen eisernen Gitterturm getragen wird. Die Reichweite be-trägt etwa 3400 Kilometer womit die Funkstation auf Jap erreicht werden kann. Jap wiederum ist durch Seekabel an das internationale Telegraphennetz angeschlossen, sodaß nun Nauru in kürzester Zeit weltweite Nach-richtenverbindung hat.

Mit der Inbetriebnahme der Funkstationen Jap und Nau-ru ist die erste Teilstrecke des entstehenden deutschen Funknetzes in der Südsee dem öffentlichen Verkehr übergeben. 

Für den Funkverkehr mit Schiffen im Nahbereich von Nauru bestehen Zusatzstationen mit T-förmigen Luftlei-tern.

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Wirtschaft IV

Das traditionelle Wirtschaftsgut von Nauru ist Kopra, die von einigen Handelsstationen den Eingeborenen abgekauft wird. Zur Bekämpfung einer Kokospalmen-krankheit ist auch der deutsche Völkerkundler Paul Hambruch im Auftrag der Jaluit-Gesellschaft seit 1908 auf der Insel.  

Mit dem 1906 begonnenen Abbau des Phosphates der Insel durch die englisch-deutsche Pacific Phosphate Company werden auch Einrichtungen für die nach Nau-ru geholten weißen und farbigen Arbeitskräfte geschaf-fen. Insbesondere werden Vorkehrungen in hygieni-scher Hinsicht getroffen. Eine Kanalisationsanlage mit Salzwasserbetrieb wird gebaut. Für die Krankenpflege sind die nötigen Hospitalbauten vorhanden. So schlep-pen für den Phosphatabbau angeworbene Zentralkaro-linier eine Augenkrankheit nach Nauru ein.

Eine Kondensationsanlage dient zur Gewinnung von frischem Süßwasser in regenarmen Zeiten. Auch Eis-maschinen, eine Sodawasserfabrik und Kühlräume so-wie elektrisches Licht sind vorhanden.

1907 werden 11.000 Tonnen Phosphat exportiert, 1910 sind es schon 142.000 Tonnen. 1913 werden 46 Dampfer abgefertigt, die 138.725 t Phosphat mitnehmen. Durch die Wetterbedingungen schwankt die Phosphatgewin-nung.

Die Phosphat-Gesellschaft beschäftigt 1913 auf Nauru um die 60 Weiße, 100 Chinesen und 650 Karoliner. 1914 sind es neben den Weißen 550 Chinesen und 500 Karoliner. Die Chinesen und Karoliner leben auf Nauru streng getrennt von der einheimischen Bevölkerung.


Der Abbau des Phosphats ist sehr einfach durch Tagebau zu bewerkstelligen. Die Ertragsfähigkeit ist allerdings sehr von der Witterung abhängig. Trockene Jahre brin-gen reichen Ertrag, regenreiche verlaufen ungünstiger. Die Gesellschaft ist nämlich vertraglich verpflichtet, Phosphat zu liefern, dessen Feuchtigkeitsgehalt fünf Prozent nicht übersteigt.

Da die künstliche Trocknung in den Trockenöfen den Betrieb sehr verlangsamt, wird in der Regel nur ein Teil des Phosphats künstlich getrocknet, der dann mit nur natürlich getrocknetem, von höherem Feuchtigkeits-gehalt vermischt wird. Je größer die Schwierigkeiten der natürlichen Trocknung durch feuchte Witterung, desto geringer der Ertrag.

Durch einfache, leicht versetzbare Bedachungen sucht man unter den unter Bearbeitung genommenen Gelän-destücken dieser Schwierigkeit Herr zu werden. Lang-anhaltende Trockenheit ist daher für die Phosphatge-winnung außerordentlich günstig, um so mehr leiden die Kokospalmen darunter und die Kopraausfuhr sinkt dann bis auf Null.