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Mapia

1885 hatte der deutsche Forscher Johann Kubary die Mapia-Inseln aufgesucht und schrieb über sie:

»Seit dem Entstehen des Copra-Handels landete hier die deutsche Firma A. Capelle & Co. aus Jaluit ihre Agenten die jedoch, unfähig im Interesse derselben zu wirken, ihr große Unkosten und Verluste verursachten, wobei auch der schöne Schooner Tutuila Capt. Löser zu Grun-de ging. Capt. D. D. Okeepe aus Yap, der das Geschäft übernahm, arbeitete mit mehr Erfolg und erwarb schließlich die Inseln von Marravidi, auf denen er gegenwärtig eine größere Anzahl Eingeborene von der Pleasant-Insel, Sonsol und Bur, die für ihn Kokosnüsse schneiden und trocknen, unterhält.

Als Spuren der, in alter Zeit zahlreichen Bevölkerung der Inseln finden sich zahlreiche und mächtige Steingräber, heut leben nur noch drei Individuen reiner Rasse der ursprünglichen Bevölkerung, sowie acht nicht reinen Blutes, sondern einer Mischung anderer Eingeborner mit der ursprünglichen Bevölkerung entsprossen. Die Geschichte der Entvölkerung dieser Inseln ist eine äu-ßerst trübe. Der einzige, heut noch seine früheren Ge-nossen überlebende Mann, der König Marravidi erzähl-te mir daß sich die Katastrophe vor seinen Zeiten zutrug, also vor etwa 50—60 Jahren.

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Diese interessanten Steingräber finden sich zahlreich in dem bewaldeten Innern der Inseln Piken und Burät und wahrscheinlich auch auf den übrigen, die ich keine Zeit hatte zu besuchen. Gleich wie auf Yap, liegen sie in gro-ßer Anzahl nebeneinander und dicht mit Moosen und Farnen umhüllt, machen sie auf den Beschauer, im Halbdunkel und der Lautlosigkeit des dichten Baum-bestandes, einen mächtigen Eindruck. Mein Versuch, einen Schädel auszugraben, mißlang, denn mit den blo-ßen Händen war während der sehr kurzen Zeit gar nichts auszurichten.«


Durch den Kauf der Karolinen und anderer Inselgrup-pen von Spanien 1899 kommen auch die Mapia-Inseln von gerade sechs Quadratkilometern Landfläche zum deutschen Kolonialbesitz. Diese drei kleinen Inseln sind aber weit abgelegen von anderen deutschen Besitzun-gen in der Südsee. Die nächste deutsche Inselgruppe sind die 630 Kilometer entfernten Palau-Inseln. Die Mapia-Inseln liegen aber vor dem niederländischen Teil von Neuguinea. So verständigt man sich die Inseln an die Holländer zu geben und diese wiederum verzichten auf wage Ansprüche auf die drei Quadratkilometer Landfläche der vier Inseln von Sonsorol, die 300 Kilo-meter südlich der deutschen Palau-Inseln liegen, aber 500 Kilometer vom nächsten holländischen Besitz.

Die Mapia-Inseln interessieren aber außer Kopra-Händ-lern niemanden, auch keinen deutschen oder nieder-ländischen Beamten. Nur die niederländische Nord-Neuguinea-Expedition von 1903 unter der Leitung des deutschen Geologen Arthur Wichmann besucht die Inseln.

Die Mapia-Inseln bleiben aber sozusagen in deutscher Hand. Daisy Weber, die Tochter von Theodor Weber, der in den 70er Jahren als Konsul für Samoa des Deutschen Reiches Verträge mit Häuptlingen in der Südsee für die Übernahme ihrer Inseln in die deutsche Herrschaft abgeschlossen hatte, wird Königin von Mapia. Weber hatte Frau und Kinder auf Samoa, sodaß Daisy als ein ›Unfall‹ zu betrachten ist. Theodor Weber sorgt aber für seine Tochter und gibt sie in die Familie des ebenfalls reichen Südseehändlers David Dean O’Keefe, der auf Jap in den Karolinen residiert. Daisy geht auch für drei Jahre zur Ausbildung nach Deutschland in ein Pensionat bei Bremen. Als 1899 die Karolinen, die Marianen, die Palauinseln und auch Mapia deutsch werden, ist Daisy als 16jährige bei der Flaggenhissung in Jap mitten im Geschehen. Daisy ist zwar von O’Keefe in seinem Testament verständ-licherweise ausgeschlossen, da aber ihre Mutter Dolibu von Mapia und königlichen Geblütes ist, welche als Frau von O’Keefe in Jap lebt – O’Keefe hatte sie von Mapia nach Jap mitgenommen – ist Dolibu auch Herrscherin von Mapia. So wird ihre Tochter Daisy schließlich Königin von Mapia. Eines Tages besucht die mittlerweile sehr füllige Dame mit einem Dienerpaar einen deut-schen Arzt in Makassar in Niederländisch Indien. Sie verlangt von dem Arzt Hilfe beim weiteren Fettwerden. Auf ihren Inseln steht Körperfülle im höchsten Ansehen und je schwerer sie ist, um so besser.