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Ponape

Die Pflanzenwelt Ponapes ist entsprechend dem feucht-heißen Tropenklima außerordentlich üppig, Kokos- und Steinnußpalmen, Brotfrucht- und Mangobäume liefern der Bevölkerung Früchte und die enormen Knollen der Yams werden viel angebaut und auch die viel kleinere Taro, eine andere Knollenfruchtart.

1905 fegt ein gewaltiger Taifun über Ponape, welcher die Waldbestände der Insel schwer trifft. Die überall im neu emporwuchernden, dichten Busch verstreut liegenden, vermodernden Baumriesen machen im Verein mit den engverschlungenen Lianen und der Gebirgslandschaft ein Vordringen außerhalb gebahnter Wege fast unmög-lich.

Es gibt fünf Stämme, die in den selbständigen Land-schaften Dschokadsch, Not, U, Ronkiti und Metalanim leben. Mit der Deportation der Dschokatsch-Leute von Ponape nach ihrem Aufstand Ende 1910 scheidet Dscho-kadsch als selbständige Landschaft aus.

Ein kompliziertes Lehenssystem über den Landbesitz gibt zu häufigen Streitigkeiten Veranlassung, sodaß der Bezirksamtmann Hermann Kersting vereinfachte Grundbesitzverhältnisse einführen will. Dafür nutzt er erfolgreich die Oberhäuptlinge mit ihrer Autorität, die auch die obersten Lehnsherren sind.

Eine weitere Änderung der Verhältnisse ergibt sich von selbst. Die Frauen tragen nun meist europäische Stoffe, statt der einheimischen aus Bananenfasern hergestell-ten Webstoffe.

1914 wird die Eingeborenenbevölkerung der Insel auf rund 4000 Seelen geschätzt. Zur selben Zeit besteht die weiße Bevölkerung auf Ponape aus den Beamten, den Missionaren der beiden dort tätigen Missionsgesell-schaften sowie einigen Händlern und sonstigen Ansied-lern und beträgt etwa 30 Personen.

Die Liebenzeller Mission hat auf Ponape in der Land-schaft Metalanim beim Dorf Etienlan eine Station mit einem Predigerhaus und einer geräumigen Holzkirche.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse auf der Insel be-schreibt das Deutsche Koloniallexikon:

»Größere europäische Unternehmungen, vor allen Din-gen Plantagen, bestehen auf Ponape noch nicht. Es sind vielmehr nur einige kleinere Kokospflanzungen ange-legt worden, denen aber irgendeine Bedeutung für die Ausfuhr nicht zukommt. Der Handel auf Ponape liegt in der Hauptsache, wie auf den übrigen Inseln der Ost-karolinen, in den Händen der Jaluit-Gesellschaft, die am Langer-Hafen (Santiago-Hafen), eine Zweigniederlas-sung errichtet hat. Außer der Jaluit-Gesellschaft sind noch einige Händler auf der Insel tätig. Das Hauptaus-fuhrprodukt ist die Kopra, daneben gelangen in gerin-gem Maße Muscheln und Schildpatt zur Ausführung. Der Anlage größerer Plantagen steht die ständige Tai-fungefahr besonders hindernd, im Wege. So hat im Jah-re 1905 ein Taifun fast die gesamten Fruchtbäume der Insel zerstört.«

Eine breite Riffpassage führt zum Hafen von Ponape. Für Dampfschiffe ist die Einfahrt keine Schwierigkeit, aber kann für einen Segler zu seinem Ende führen, wenn plötzlich Windstille auftritt und die dauernde starke Brandung das Schiff auf das Riff treibt und es dort zer-schellt, wie es zum Beispiel Ende 1911 einer norwegi-schen Bark geschieht.

Ein deutscher Marineoffizier beschreibt den Hafen von Ponape: »Tagaus, tagein sieht das Seemannsauge den glatten Horizont, und nur ganz wenig erheben sich die flachen Atolle der Karolinen über den Meeresspiegel. Wie entzückt waren wir da, als wir an einem prächtigen Sonnentag in den von Bergen umschlossenen Ponape-Hafen einliefen! Vor uns das grüne hüglige Ponape selbst mit den weißen Häusern der Kolonie, rechts schließt sich daran das schroffe Felsennest Dschokadsch und auf der anderen Seite das anmutige Inselchen Langar mit einer Handelsniederlassung darauf. Wenn der Hafen von Ponape so auch einen sehr geräumigen Eindruck macht, so ist doch für Schiffe nicht viel Platz darin, denn zahlreiche weitverzweigte Korallenriffe, die hell smaragdgrün durch den dunklen Meeresspiegel schimmern, engen das Fahrwasser ein.«

Die sogenannte ›Kolonie‹ liegt innerhalb des von den Spaniern errichteten, zum großen Teil noch erhaltenen Festungsmauergürtels und ist das Wohngebiet der Wei-ßen. Das Wohnhaus des Bezirksamtmanns liegt aller-dings etwa zehn Minuten außerhalb der Ringmauer; ein wohlgepflegter, von frischem Grün eingefaßter Weg führt dorthin.

Von Truk hat man im Juli 1914 auf dem Ostasiatischen Kreuzergeschwader auch den Pastor Uhlich, Leiter einer evangelischen Mission auf den Karolinen, nach Ponape mitfahren lassen. »Und weiter sprach Pastor Uhlich von einer wundersamen Periode höchster Kultur, die sich in einer längst entschwundenen und vergessenen Zeit hier abgespielt hat. M e t a l a n i m heißt diese Stätte, da sich die Ruinen großzügig angelegter Paläste befinden, jetzt nur noch durcheinander liegende Gesteinsblöcke von unheimlicher Größe. Wie kamen die hierher nach der weltentlegenen Insel Ponape?« Marineoffizier Joachim Lietzmann, der diese Sätze aufschreibt, findet keine Ant-wort auf die selbstgestellte Frage.

Nan Mandol ist ein Südsee-Inselchen mit einer verlasse-nen Stadt darauf unmittelbar an Ponape anliegend und künstlich aufgeschüttet. Dafür wurden 800.000 Tonnen Basalt über 50 Kilometer über See verfrachtet. Nach der Sage der Einheimischen wurden die Steine von amphi-bischen Weltraum-Göttern durch die Luft befördert.

Metalanim, auch Nanmatal oder Nan Madol genannt, wird 1907 dem deutschen Bezirksamtmann Victor Berg zum Verhängnis als er Gräber in Nan Madol öffnet und zwei bis drei Meter große menschliche Skelette findet. Am nächsten morgen, dem 30. April 1907, stirbt Berg. Der deutsche Arzt auf Ponape kann keine Todesursache feststellen. Offiziell wird Sonnenstich und Erschöpfung als Todesursache angeben. Die Eingeborenen sind si-cher, daß übernatürliche Kräfte zum Schutz der Gräber den Eindringling getötet haben.

Der Völkerkundler Paul Hambruch nimmt in den Jahren 1909 und 1910 an der Hamburger Südsee-Expedition von 1908-1910 teil. Dabei sind ihm die ethnographischen Untersuchungen Mikronesiens übertragen, insbeson-dere von Nauru und Ponape. Für die Forschung über Ponapes Ruinenstadt Nanmatal werden Hambruchs Ar-beiten die Grundlage für alle zukünftigen Forschungen über die rätselhafte verlassene Stadt.

In der zweiten Julihälfte 1914 liegt das Ostasiatische Kreuzergeschwader mit seinen beiden stärksten Schif-fen, den Panzerkreuzern Scharnhorst und Gneisenau, vor Ponape, der größten Karolineninsel. Vom Flaggschiff Scharnhorst werden aus Tsingtau mitgebrachte Grab-steine für die gefallenen deutschen Soldaten vom Auf-stand von 1910 auf der Insel an Land gegeben. Von den seemännisch schwierigen Schiffsliegeplätzen nahe von Untiefen vor der Insel fahren die Besatzungen auf Bar-kassen fast eine halbe Stunde bis zu einer flußaufwärts gelegenen Landungsbrücke für ihre Landgänge und zur routinemäßigen Infanterieausbildung mit Übungsmär-schen und Schießen auf dem Schießstand von Ponape, für den möglichen Einsatz der Schiffsbesatzungen bei der Niederschlagung von Aufständen im deutschen Ozeanien. Auf Ponape selbst ist nach dem Aufstand von 1910 eine Polizeitruppe aus Neuguinea stationiert. »Herrliche hohe Gestalten von edlem Wuchs«, wie ein Deutscher sie beschreibt, und deshalb aus Neuguinea »um zu verhindern, daß sie im Falle von Unruhen mit den Aufständischen gemeinsame Sache machen«.

Erst im Juni 1914 waren 800 Mann in Tsingtau als Ab-lösemannschaften aus Deutschland neu an Bord von Scharnhorst und Gneisenau gekommen und hier in Ponape werden immer wieder ›Klar Schiff zum Gefecht!‹-Übungen durchgeführt, um die Kriegsbereitschaft der Schiffe nach dem Mannschaftswechsel wiederherzu-stellen.

Die Offiziere des Kreuzergeschwaders lassen es sich zwischen den Übungen gut gehen auf Ponape. »Mit den am Ort befindlichen deutschen Beamten und Kaufleu-ten knüpften wir rege Beziehungen an. Der Bezirksamt-mann selbst war abwesend. Sein Stellvertreter aber hielt uns sein stets gastfreies Haus offen. Beim Genuß köst-licher Wassermelonen saßen wir oft in angeregtem Gespräch mit ihm auf seiner Veranda, tief zu unseren Füßen die lachende Landschaft mit den weißen Häusern der Niederlassung, und dahinter das sich in unermeß-liche Weite dehnende blaue Meer, auf dem sich unsere stattlichen Schiffe wie Kinderspielzeug ausnahmen.

Eines Abends führten uns vor seiner Villa die Eingebo-renen ihre Tänze vor. Besonderen Eindruck machten unter den Palmen im Purpurscheine roter Lampions der Tanz der Polizeisoldaten. Dumpf dröhnten die Trom-meln, und schwermütig waren die Gesänge, als die Hühnengestalten, wild bemalt und einen kriegerischen Helm auf dem schwarzen Haar, langsam und würdevoll im Kreise ihre phantastischen Bewegungen ausführten.

Der Zuschauer geriet durch all das Geheimnisvolle in eine wahre Märchenstimmung, und dieser setzte Pastor Uhlich wiederum die Krone auf. Aus dem Hintergrunde erschollen plötzlich wie aus Engelsmunde mehrstim-mige Harmonien. Die große Schar der Missionskinder war es, die uns auch hier mit heimatlichen Liedern überraschte.

›Deutschland, Deutschland über alles!‹ Es war das rechte Lied, das uns mit auf den Heimweg gegeben wurde. Denn soeben hatten die elektrischen Wellen die Kunde von der bevorstehenden Kriegserklärung Österreichs an Serbien zu uns getragen.«

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Aufstand auf Ponape

Als am 12. Oktober 1899 auf Ponape die offizielle Über-gabe der Ostkarolinen von Spanien an das Deutsche Reich stattfindet, flüstert zum Ende der Zeremonie der spanische Gouverneur seinem deutschen Amtskollegen zu, daß er glücklich sei die Insel zu verlassen, und wenn der neue deutsche Gouverneur seine Haut retten wolle, solle er auf sein Schiff zurückkehren und sofort abfah-ren.

Hatte die spanische Verwaltung auf Ponape 800 Solda-ten stationiert, im ständigen Kleinkrieg der Inselstäm-me gegen die Besatzer, so will die deutsche Verwaltung nach dem Kauf der Karolinen von Spanien 1899 die ge-gen die Weißen aufgebrachte Bevölkerung durch fried-liche Mittel gewinnen. Nur 46 farbige Polizeisoldaten werden auf Ponape stationiert und die spanische Fes-tung im Hauptort Kolonia wird für die Inselbevölkerung zum freien Zutritt geöffnet.

1908 glaubt die deutsche Verwaltung nun den nächsten Schritt gehen und die Insel im westlichen Sinne er-schließen zu können.

Georg Fritz, der bereits viele Jahre Erfahrung in der Ver-waltung der deutschen Südseeinseln gesammelt hat, ist ab April 1908 Bezirksamtmann für den Bezirk der Ostka-rolinen mit Dienstsitz auf der Insel Ponape. Die Bevölke-rung der Insel ist in rivalisierende Gebiete und Fraktio-nen gespalten; zudem gibt es erhebliche Auseinander-setzungen zwischen Katholiken und Protestanten. Gou-verneur Albert Hahl will das bislang geduldete einhei-mische Herrschaftssystem abschaffen und eine deut-sche Lokalverwaltung einführen. Die beschleunigte wirtschaftliche Erschließung Ponapes will er unter an-derem durch den Bau von Straßen fördern. Die für den Straßenbau vorgesehene Zwangsarbeit stößt auf den Widerstand der Einheimischen. So sieht die Ober-schicht Ponapes durch die deutschen Pläne auch ihre Privilegien gefährdet. Fritz will die Maßnahmen einver-nehmlich und in Verhandlungen durchsetzen. Zugleich fordert er aber auch zwei Kriegsschiffe des Ostasien-geschwaders an, um die Opposition einzuschüchtern. Als Fritz katholischen Missionaren vorwirft, die Unruhe zu schüren, wird dies im Reichskolonialamt mißbilligt, da es den politischen Katholizismus in Deutschland ge-gen die Kolonialpolitik aufbringe.

Zunächst muß ein Wegenetz auf der Insel angelegt wer-den, um die wirtschaftliche Erschließung des Inselin-neren zu ermöglichen. Die einheimische Bevölkerung soll diese Arbeiten durchführen, die ihnen ja auch selbst zugute kommt, und dafür wird sie steuer- und arbeits-pflichtig gemacht. Als erstes soll eine Schneise von der Nordküste zur Südküste geschlagen werden. Die Pona-pesen in ihrem Südseeparadies sind allerdings längeren anstrengenden körperlichen Arbeiten abgeneigt und verweigern den Dienst. Um den Willen der deutschen Verwaltung durchzusetzen wird Ende Oktober 1908 das Kanonenboot Jaguar nach Ponape entsandt mit dem Auftrag, dort »Flagge zu zeigen, um die aufmüpfigen Ponapesen zur Raison zu bringen«. Das Kriegsschiff hält sich mit kleineren Unterbrechungen etwa fünf Monate an der Insel auf. Seine Anwesenheit und die Märsche seines Landungskorps im Inselinneren reichen, um den Arbeitseinsatz der Ponapesen beim Bau der Nord-Süd-Wegeschneise zu erzwingen. Auch die Polizeitruppe wird vorsichtshalber auf 150 Mann verstärkt.

Im Oktober 1909 wird Georg Fritz in Ponape abgelöst und übernimmt auf Jap das Amt des Bezirksamtmanns der Westkarolinen. Während Fritz im Konflikt in Pona-pe kompetent, sorgfältig und verständnisvoll gewirkt hat, ist sein Nachfolger aus seiner vorherigen Amtstätig-keit in Deutsch Ostafrika eine härtere Gangart gewohnt. Regierungsrat Carl Boeder will die Maßnahmen auf Ponape gewaltsam durchzusetzen. Als im Juli 1910 das Ostasiatische Kreuzergeschwader mit seinen vielfach größeren und mächtigeren Schiffen als es die Jaguar ist, die Insel besucht, scheint alles friedlich auf der Insel. Der unterschwellige Haß auf die Deutschen mit ihrem Arbeitszwang für den Wegebau macht sich aber bald Luft.

Auf der kleinen Felseninsel Dschokatsch, die der Nord-küste Ponapes vorgelagert und von dieser nur durch ei-nen schmalen Meeresarm getrennt ist, wird im Sommer 1910 mit dem Bau eines Uferweges begonnen, der Dschokatsch über eine Holzbrücke mit der Hauptinsel verbinden soll. Das Vorhaben geschieht im Rahmen des Inselerschließungsplans, der vorsieht entlang der Küste Ponapes Wege anzulegen, da sonst ein Verkehr zwi-schen den fast ausschließlich an der Küste liegenden Dörfern nur mit Booten möglich ist. Besonderen Wert legt Boeder dabei auf die Verkehrsanbindung der bisher schwer zugänglichen Dschokatschinsel, »von jeher Tummelplatz des unruhigsten Stammes der Jokojs und die Zufluchtsstätte unzufriedener Elemente«, die hier, in den Felsenhöhlen der Insel, ihre geheimen Sitzungen abhalten. Unzufrieden mit der Zwangsarbeit sind die nun schon seit einigen Wochen am Bau dieses Weges tätigen Jokojs. Sie verrichten diese Arbeit zur Abgeltung der ihnen von der Verwaltung auferlegten Steuern. Der Weg soll die Missionsstation auf Dschokatsch mit der Holzbrücke verbinden, welche den Übergang über den schmalen Sumpfkanal nach Ponape ermöglicht.

Am 17. Oktober 1910 verweigert eine Gruppe der Jokoj-Leute sich den beiden deutschen Wegebauaufsehern Hollborn und Häfner. Bezirksamtmann Boeder, der zu-vor in Afrika im Kolonialdienst gewesen war, glaubt sich am Besten durch scharfes Durchgreifen Respekt ver-schaffen zu können und läßt dem aufsässigsten Jokoj zehn Stockschläge verpassen. Damit beginnt am nächs-ten Tag der Aufstand, bei dem auch Boeder umkommt, der gleich nach Erhalt der Nachricht von der Unbot-mäßigkeit bewaffneter Jokojs am Morgen des 18. sich unbewaffnet mit seinem Sekretär Braukmann auf einem Ruderboot zur Insel Dschokatsch begibt, um „auch hier wie in Afrika durch persönliche Tapferkeit die Leute einschüchtern zu können.“ Doch Boeder wird gleich erschossen und Braukmann, Hollborn und Häfner und die als Arbeiter angeworbenen Ruderer von den Mort-lockinseln in Boeders Boot werden auch erschossen oder mit Haumessern niedergemacht. Nur ein Ruderer Boeders kann fliehen.

Der Pater Gebhardt der Missionsstation auf der kleinen Insel Dschokatsch und dessen Besucher, ein weiterer Missionspater, werden von den Frauen der Jokojs vor der Ermordung durch die Krieger errettet.

Die ›Kolonie‹ ist das deutsche Wohngebiet innerhalb der alten spanischen Festungsmauer und nun wird als erstes von den Deutschen die weitgehend geschleifte spanische Festung in Kolonia verteidigungsbereit ge-macht. Zwei Drittel der Mauern sind abgetragen, Tore und Zugbrücken verschwunden, die Gräben mit Schutt und Erde aufgefüllt und eine Decke mit Gräsern und Blumen darüber angelegt. Die zwei Kilometer lange Verteidigungslinie wird an den gefährdetsten Stellen mit Stacheldraht geschützt und Gräben werden an-gelegt. In Kolonia stehen nur 50 Polizeisoldaten zur Verteidigung zur Verfügung, aber die deutsche Verwal-tung hat schon am 19. Oktober 470 Krieger loyaler ein-heimischer Stämme in Kolonia versammelt, während die Jokojs nur etwa 200 Krieger aufbieten können. Das Waffendepot wird geöffnet und Gewehre und Karabiner an die 470 Mann verteilt.

Die Jokojs wagen sich nicht an die Festung von Kolonia heran, führen aber nun nächtliche Feuerüberfälle auf die Festung durch, während die Deutschen auf das Ein-treffen des Regierungsdampfers warten, da die nächsten Telegraphenstationen tausende Kilometer von Ponape entfernt liegen und unerreichbar sind. Erst mit dem Eintreffen des Regierungsdampfers kann die Meldung vom Aufstand weitergeleitet werden, um dann mit den ankommenden Verstärkungen zum Angriff überzuge-hen.

Eines Tages bekommt der deutsche Kommandeur Regierungsarzt Medizinalrat Dr. Girschner, der nach dem Tode Boeders die Herrschaftsgewalt übernommen hat, von Jomatau, dem Anführer der Jokojs, einen Brief gesandt, der die Übergabe aller Waffen und der Muni-tion verlangt. »Ich verspreche Euch bei der Unschuld meiner Seele, daß Euch dann kein Haar auf dem Kopfe gekrümmt werden soll.“ wie Jomatau schreibt. Girsch-ner stellt als Gegenforderung die Auslieferung der Schuldigen am Aufstand, die Auslieferung aller Schuß-waffen und der Leichen der ermordeten Deutschen. Die Jokojs antworten mit einem erfolglosen nächtlichen Sturmangriff.

Am 26. November kommt der Dampfer Germania in Kolonia an. Die Germania fährt sogleich wieder ab, um die Meldung vom Aufstand in Ponape nach Rabaul zu bringen. In Rabaul beginnt sofort die Mobilisierung aller vorhandenen Kräfte und mit 68 Polizeisoldaten unter dem Kommando des stellvertretenden Gouverneurs von Neuguinea, Regierungsrat Oßwald, dampft die Ger-mania zurück nach Ponape. Am 13. Dezember trifft dann auch der Dampfer Siar mit 70 Polizeisoldaten in Ponape ein und nun können die ponapesischen Krieger belohnt und entlassen werden.

Am 13. Dezember geht auch als erstes Kriegsschiff die Cormoran von Rabaul aus auf Fahrt nach Ponape. An Bord werden bereits alle Vorbereitungen für die Ausrüs-tung und Kampfbereitschaft des Landungskorps des Schiffes getroffen. Auf dem Oberdeck werden die not-wendigen Arbeiten erledigt. Auf dem Vordeck werden Säbel und Seitengewehre mit Schleifsteinen geschliffen, an der Steuerbordseite wird eine Färberei eingerichtet, die in einem großen Holzbottich weißes Drillichzeug in eine eben nach Kakao duftende Kakaobrühe taucht, für ihre Verwandlung in dunkelbraune Khakianzüge für den Dschungelkrieg. Die beiden Bordschmiede erledi-gen alle Arbeiten an Waffen und Material. An Backbord außenbords, vom Fallreep zu einer an einer Spiere auf-gehängten Schießscheibe, wird Pistolenschießen geübt.

Am 19. Dezember legt die Cormoran neben der Ger-mania an. Die Cormoran beginnt mit der navigatori-schen Vermessung des Gewässers rings um Dscho-katsch für eine gesicherte Anfahrt der noch erwarteten Kriegsschiffe für die völlige Einschließung und Beschie-ßung der Insel. Die Boote des Kriegsschiffes loten das Küstengewässer aus und wird ein Boot von Dschokatsch aus beschossen eröffnet der Kreuzer das Feuer auf die Schützen.

Ab dem 24. Dezember gehen Polizeisoldaten und Lan-dungskorps auf Streifzüge durch Ponape, um die Jokojs vollständig von Ponape zu vertreiben und nach Dscho-katsch zu zwingen und die deutsche Herrschaft auf Ponape zu demonstrieren. Siedlungen und Plantagen der Aufständischen auf Ponape werden vernichtet.

Das leicht bewaffnete Vermessungsschiff der Südsee-station, die Planet, trifft am 3. Januar 1911 ein und unter-stützt die Cormoran bei den Vermessungsarbeiten. Die beiden Kleinen Kreuzer Emden und Nürnberg des Ost-asiatischen Kreuzergeschwaders erreichen Ponape am 10. Januar.

Die Jokojs haben sich nun auf der Felseninsel Dscho-katsch verschanzt und das beim Wegebau verwendete Dynamit für die Brechung von Gestein für Schutz-mauern und für die Bereitstellung von Steinen zum Hinabrollen auf Angreifer auf den Felsen genutzt. Aus dem Dynamit fertigen sie auch Handgranaten.

Die Deutschen ihrerseits bereiten die Erstürmung der Insel vor. Der Sturm auf Dschokatsch beginnt am 13. Januar 1911 mit einem Artilleriebeschuß durch die Kriegsschiffe. Dann stürmt das Landungskorps des Klei-nen Kreuzers Nürnberg und eine durch Bordpersonal der Nürnberg verstärkte farbige Polizeikompanie die Felseninsel. Der Sturmangriff ist so erfolgreich, daß die Verteidigung schnell zusammenbricht und auch die Dynamit-Handgranaten nicht zum Einsatz kommen. Gegen Abend haben die deutschen Truppen kämpfend den höchsten Gipfel der Insel erreicht.

Es ergeben sich 140 Männer, Frauen und Kinder, aber der Masse der Jokojs gelingt eines nachts der Ausbruch von der Insel – trotz der deutschen Belagerung zu Lande und zu Wasser. Dschokatsch ist zwar von deutschen Kriegsschiffen umringt, die nachts die Wasserflächen mit ihren Scheinwerfern ableuchten, dennoch gelingt es den Jokojs nach Ponape zu entkommen. In einer stock-finsteren mondloser Nacht gehen die Jokojs mit Frauen und Kindern, Waffen und Munition auf der Ponape abgewandeten Seite von Dschokatsch ins Wasser. Sie schwimmen durch die Brandung des vorgelagerten Riffs ins offene Meer mit seinen Haien, womit sie die inner-halb des Riffs liegenden deutschen Kriegsschiffe und ihr Scheinwerferlicht umschwimmen. Sie landen schließ-lich Meilen entfernt auf Ponape und verschwinden im Busch. Eine gewaltige Leistung der Jokojs.

Die Jokojs müssen nun auf Ponape gestellt werden. Alle nun noch von den Aufständischen zur Lebensmittelver-sorgung nutzbaren Plantagen von Bananen, Jams und Taro werden jetzt systematisch zerstört, wobei bei Bäu-men nur die Früchte der Bäume vernichtet werden, nicht aber die Bäume selbst, um sie in Zukunft wieder als Fruchtbäume nutzen zu können.

Der neue Bezirksamtmann auf Ponape, Regierungsrat Dr. Hermann Kersting, beruft eine Versammlung aller Häuptlinge der Insel ein und befiehlt ihnen »bei An-drohung der schärfsten Strafe im Nichtbefolgungsfalle, ihr gesamtes Volk unentwegt auf den Beinen zu halten und jede Spur von den Dschokatschleuten in ihrem ei-genen Gebiet festzuhalten und sofort nach der Kolonie zu melden«. Gleichzeitig durchstreift das Landungs-korps der Kriegsschiffe mehrmals erfolglos die Insel. Dann kommt der entscheidende Hinweis eines Häupt-lings: Die Jokojs verschanzen sich auf dem Nankiopberg. Am 26. Januar erfolgt der Angriff auf den Berg. Die Jokojs haben die noch aus der spanischen Zeit stammenden Befestigungen und Wälle instandgesetzt. Von zwei Sei-ten stürmen Landungskorps und Polizeisoldaten in schwerem Kampf durch das ansteigende Urwaldgelände bis zum Gipfel, aber der Gegner entkommt durch ihm bestens bekannte Fluchtwege erneut. Doch durch die Erstürmung auch dieser Festung ist die Moral der bisher noch die Dschokatschleute unterstützenden Bevölke-rung der Insel gebrochen.

Vom Bezirksamt werden auf einer Karte alle von Einge-borenen gemeldeten Plätze im Inneren der Insel fest-gehalten, die den Rebellen Nahrung liefern können, und diese Plätze werden gezielt von den Landungskorps der Schiffe und den Polizeisoldaten angegangen, um die letzten Jokojs zu fassen. Die verstreut durchs Land strei-fenden Jokoj-Krieger ergeben sich nun nach und nach. Je geringer aber die Zahl der Rebellen wird, desto schwieriger wird es, die letzten zu fangen. Für die wei-tere Verfolgung der verbliebenen freien Jokojs soll der Begleitdampfer des Ostasiatischen Geschwaders, die Titania, die die Kriegsschiffe vor Ponape versorgt, nach Tsingtau geschickt werden, um Proviant und vor allem Schuhzeug für das Landungskorps und die Polizeisol-daten zu holen. Doch dazu kommt es nicht mehr, da sich der Anführer der Jokojs, Jomatau, mit seinen letzten fünf Getreuen am 13. Februar stellt.

Am 23. Februar 1911 werden von einem Kriegsgericht in Kolonia, dem Vertreter der Schiffe, der Kolonie und der Mission angehören, unter Vorsitz von Regierungsrat Dr. Kersting 15 Jokojs, die an den Morden am 18. Oktober be-teiligt waren, zum Tode verurteilt. Sie werden am nächs-ten Tag von Polizeisoldaten hingerichtet, aber nicht un-ehrenhaft durch den Strang, sondern ehrenhaft durch Erschießen. Zwei weitere bereits nach Jap deportierte Jokojs werden dort erschossen. Die übrigen Angeklagten werden zur Zwangsarbeit in die Phosphatminen der Palau-Insel Angaur verbannt und die Familien auf die größte Palau-Insel, Babeltaob, verbracht. Der Versor-gungsdampfer Titania bringt die lebenslänglich Ver-bannten nach Palau.

Der neu eingetroffene Kleine Kreuzer Condor über-nimmt die Sicherung der Insel, während alle anderen Kriegsschiffe Ponape wieder verlassen. Der Einsatz der Kriegsmarine Anfang 1911 auf Ponape ist der letzte Kampf deutscher Kriegsschiffe gegen aufständische Eingeborene in den deutschen Kolonien.

Der Landbesitz der Jokojs wird Regierungseigentum oder an treue Stämme verschenkt, die in der Aufstands-zeit auf deutscher Seite gestanden haben. Von der deut-schen Verwaltung wird ein Friedhof für die Gefallenen angelegt.

Die Gesamtzahl an Toten des Aufstandes beträgt vier er-mordete Deutsche und sechs diese begleitende Eingebo-rene, die beim Aufstandsbeginn von den Aufständi-schen getötet wurden, wofür an der Teilnahme an den Morden siebzehn Jokojs hingerichtet wurden; die Ver-luste im Kampf sind auf Jokojseite etwa 6-10 Krieger und auf deutscher Seite drei deutsche Marinesoldaten und zwei einheimische Polizeisoldaten. Im Verhältnis zur Niederschlagung anderer kolonialer Aufstände sind die Menschenverluste also als minimal zu bezeichnen.

Anfang Juli 1911 ist der Kreuzer Cormoran zu Besuch in Ponape, auch um erneut militärische Stärke zu zeigen, aber die Lage ist vollkommen beruhigt. Am 3. Juli wird für die drei deutschen Gefallenen, die alle am 26. Januar am Nankiopberg fielen, ein gemeinsamer Grabstein feierlich enthüllt. Alle Weißen der Kolonie und der benachbarten Missionsstationen nehmen teil, während eine große Menge Eingeborener der Zeremonie zu-schaut. Reden werden gehalten und der Nachfolger eines im Kampf auf Ponape gefallenen Cormoran-Offiziers führt dabei die Ehrenkompanie der Cormoran, die einen Parademarsch vorführt und drei Salven übers Grab feuert.

Georg Fritz, der bis ein Jahr vor dem Aufstand Bezirks-amtmann auf Ponape war, benennt in seinem 1912 er-schienenen Buch Ad majorem Dei Gloriam! Gouver-neur Hahl und Bezirksamtmann Boeder als die Haupt-schuldigen für den Ausbruch des Aufstands. Zugleich behauptet Fritz nur durch katholische Propaganda hät-ten sich die Unruhen entwickeln können. Bereits Ende 1909 hatte Fritz gegen den Apostolischen Präfekten für die Karolinen- und Palauinseln Klage erhoben, der Fritz Feigheit vorgeworfen hatte. Im März 1913 wird der Prä-fekt wegen »verleumderischer Beleidigung unter An-nahme mildernder Umstände« zu einer Geldstrafe ver-urteilt.

Die Ursache des Aufstandes, der Wegebau auf der Insel, wird nach dem Aufstand zügig weitergeführt. Dscho-katsch wird mit einem Fahrdamm mit Ponape verbun-den und im Januar 1913 ist der Kommandant der Cormoran auf der Insel und berichtet: »Von dem guten Wegebau auf Ponape überzeugte ich mich auf einer Fußtour, die ich nach der Missionsstation Auak an der Nordküste unternahm, wobei bei Nanukum ein breiter Wasserarm auf einer erst eben fertiggestellten Brücke überschritten wurde. Bei diesen Arbeiten hatten sich die Ponapesen unter Anleitung eines geschickten und ruhig-wohlwollenden deutschen Technikers als fleißige und anstellige Leute erwiesen.«

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Ponape

Die Pflanzenwelt Ponapes ist entsprechend dem feucht-heißen Tropenklima außerordentlich üppig, Kokos- und Steinnußpalmen, Brotfrucht- und Mangobäume liefern der Bevölkerung Früchte und die enormen Knollen der Yams werden viel angebaut und auch die viel kleinere Taro, eine andere Knollenfruchtart.

Im April 1905 fegt ein gewaltiger Taifun über Ponape, welcher die Waldbestände der Insel schwer trifft. Die überall im neu emporwuchernden, dichten Busch ver-streut liegenden, vermodernden Baumriesen machen im Verein mit den engverschlungenen Lianen und der Gebirgslandschaft ein Vordringen außerhalb gebahnter Wege fast unmög-lich.

Hatte die spanische Verwaltung auf Ponape 800 Sol-daten stationiert im ständigen Kleinkrieg der Inselstäm-me gegen die Besatzer, so will die deutsche Verwaltung nach dem Kauf der Karolinen von Spanien 1899 die ge-gen die Weißen aufgebrachte Bevölkerung durch fried-liche Mittel gewinnen. Nur 46 farbige Polizeisoldaten werden auf Ponape stationiert und die spanische Fes-tung im Hauptort Kolonia wird für die Inselbevölkerung zum freien Zutritt geöffnet.

Es gibt fünf Stämme, die in den selbständigen Land-schaften Dschokadsch, Not, U, Ronkiti und Metalanim leben. Mit der Deportation der Dschokatsch-Leute von Ponape nach ihrem Aufstand Ende 1910 scheidet Dscho-kadsch als selbständige Landschaft aus.

Ein kompliziertes Lehenssystem über den Landbesitz gibt zu häufigen Streitigkeiten Veranlassung, sodaß der Bezirksamtmann Hermann Kersting vereinfachte Grundbesitzverhältnisse einführen will. Dafür nutzt er erfolgreich die Oberhäuptlinge mit ihrer Autorität, die auch die obersten Lehnsherren sind. Die Landreform im Jahre 1910 verleiht 1100 Familien Grundbesitz und be-freit die Einheimischen von der Leibeigenschaft und Abhängigkeit von den traditionellen Häuptlingen. Auch wird das Recht der Häuptlinge beschnitten, Hand- und Spanndienste sowie Nahrungsmittelabgaben und Ge-schenke bei den Gemeindefesten einzufordern, deren Anzahl von 22 auf eins im Jahr verringert wird. Die Häuptlinge behalten die Kontrolle über ihre ange-stammten Bereiche wie Streitschlichtung und Steuer-eintreibung.

Eine weitere Änderung der Verhältnisse ergibt sich von selbst. Die Frauen tragen nun meist europäische Stoffe, statt der einheimischen aus Bananenfasern hergestell-ten Webstoffe.

1914 wird die Eingeborenenbevölkerung der Insel auf rund 4000 Seelen geschätzt. Zur selben Zeit besteht die weiße Bevölkerung auf Ponape aus den Beamten, den Missionaren der beiden dort tätigen Missionsgesell-schaften sowie einigen Händlern und sonstigen An-siedlern und beträgt etwa 30 Personen.

Die Liebenzeller Mission hat auf Ponape in der Land-schaft Metalanim beim Dorf Etienlan eine Station mit einem Predigerhaus und einer geräumigen Holzkirche.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse auf der Insel be-schreibt das Deutsche Kolonial-Lexikon:

»Größere europäische Unternehmungen, vor allen Din-gen Plantagen, bestehen auf Ponape noch nicht. Es sind vielmehr nur einige kleinere Kokospflanzungen ange-legt worden, denen aber irgendeine Bedeutung für die Ausfuhr nicht zukommt. Der Handel auf Ponape liegt in der Hauptsache, wie auf den übrigen Inseln der Ost-karolinen, in den Händen der Jaluit-Gesellschaft, die am Langer-Hafen (Santiago-Hafen), eine Zweigniederlas-sung errichtet hat. Außer der Jaluit-Gesellschaft sind noch einige Händler auf der Insel tätig. Das Hauptaus-fuhrprodukt ist die Kopra, daneben gelangen in gerin-gem Maße Muscheln und Schildpatt zur Ausführung. Der Anlage größerer Plantagen steht die ständige Taifungefahr besonders hindernd, im Wege. So hat im Jahre 1905 ein Taifun fast die gesamten Fruchtbäume der Insel zerstört.«

Albert Hahl, der als Vizegouverneur von Deutsch Neu-guinea von 1899 bis 1901 auf Ponape residiert, welche mit 334 qkm die größte der Karolineninseln ist, versucht auf dem internationalen Markt verkaufbare landwirt-schaftliche Produkte – cash crops – auf Ponape einzu-führen. Er bringt Kaffee, Baumwolle, Kakao, Kautschuk, Hanf, Vanille und andere Pflanzen nach Ponape. Er ver-sucht die einheimische Bevölkerung für den Anbau die-ser Geld erwirtschaftenden Pflanzen zu begeistern, doch ohne Erfolg. So bleiben diese Pflanzen in Hahls Ver-suchsgärten. Seine Bemühungen Viehzucht einzuführen zeigen mehr Erfolg, wenn auch nur bei dem portugie-sischen Siedler Joaquin Kilmete und dem einheimi-schen Geschäftsmann Henry Nanpei, der die Viehzucht seinen verschiedenen Geschäftszweigen hinzufügt.

Hahl sieht sich nicht als einen Mann, der im Büro sitzt und viel Tinte verbraucht, sondern als einen Macher, der die Verhältnisse in dem von ihm verwalteten Land verbessert. So wird die bei der Übernahme der Kolonie von Spanien mitgebrachte Polizeitruppe zur Arbeit bei den von ihm eingeleiteten Baumaßnamen herangezo-gen, da er Einheimische für solche Arbeiten nicht ge-winnen kann. So werden Regierungsgebäude instandge-setzt oder neugebaut, Wohnhäuser für die wenigen deutschen Beamten errichtet, wie für den Polizeichef, den Arzt und für Hahl selbst, das Krankenhaus wird vergrößert und Arbeiten an den Straßen in und bei der ›Kolonie‹ durchgeführt. Die ›Kolonie‹ liegt innerhalb des von den Spaniern errichteten, zum großen Teil noch erhaltenen Festungsmauergürtels und ist das Wohnge-biet der Weißen. Das Wohnhaus des Bezirksamtmanns liegt allerdings etwa zehn Minuten außerhalb der Ring-mauer; ein wohlgepflegter, von frischem Grün eingefaß-ter Weg führt dorthin.

Eine breite Riffpassage führt zum Hafen von Ponape. Für Dampfschiffe ist die Einfahrt keine Schwierigkeit, aber kann für einen Segler zu seinem Ende führen, wenn plötzlich Windstille auftritt und die dauernde starke Brandung das Schiff auf das Riff treibt und es dort zer-schellt, wie es zum Beispiel Ende 1911 einer norwegi-schen Bark geschieht.

Ein deutscher Marineoffizier beschreibt den Hafen von Ponape:

»Tagaus, tagein sieht das Seemannsauge den glatten Horizont, und nur ganz wenig erheben sich die flachen Atolle der Karolinen über den Meeresspiegel. Wie ent-zückt waren wir da, als wir an einem prächtigen Sonnentag in den von Bergen umschlossenen Ponape-Hafen einliefen! Vor uns das grüne hüglige Ponape selbst mit den weißen Häusern der Kolonie, rechts schließt sich daran das schroffe Felsennest Dschokadsch und auf der anderen Seite das anmutige Inselchen Langar mit einer Handelsniederlassung darauf. Wenn der Hafen von Ponape so auch einen sehr geräumigen Eindruck macht, so ist doch für Schiffe nicht viel Platz darin, denn zahlreiche weitverzweigte Korallenriffe, die hell smaragdgrün durch den dunklen Meeresspiegel schimmern, engen das Fahrwasser ein.«


Sofort mit der Übernahme der Verwaltung auf Ponape wird der in spanischen Zeit blühende Handel mit Waffen und Alkohol bekämpft. In den ersten ein-zwei Jahren der deutschen Verwaltung ist immer ein deut-sches Kriegsschiff in der Nähe und an der Südseite der Insel werden zwei gut bewaffnete Posten eingerichtet. Damit bricht der Handel amerikanischer Walfänger mit den Schmuggelgütern zusammen.

Das Deutsche Kolonial-Lexikon beschreibt die Verwal-tung des Bezirks der Ostkarolinen, auch Bezirk Ponape genannt, auf Ponape:

»Der Bezirksamtmann des Bezirks Ponape hat seinen Sitz auf Ponape selbst und zwar in Messenieng in der Nähe des Santiagohafens. Zu seiner Unterstützung ist ihm das nötige Unterpersonal, bestehend aus einem Sekretär, einem Polizei- und Hafenmeister beigegeben. Auch ein Regierungsarzt ist auf Ponape zur Ausübung des Gesundheitsdienstes stationiert. Eine aus Melane-sen zusammengesetzte Polizeitruppe sorgt für die Auf-rechterhaltung der Ordnung auf der Insel. Außer dem Bezirksamt befinden sich noch das Bezirksgericht, das Seemannsamt, das Strandamt und das Standesamt für die Ostkarolinen in Ponape. Der Bezirksamtmann nimmt die Geschäfte dieser Behörden im Nebenamt wahr. Das Obergericht für Ponape befindet sich in Rabaul auf Neu-pommern im Bismarckarchipel. Der Hafen von Ponape ist für den Auslandsverkehr geöffnet. Den Verkehr der Insel mit der Außenwelt vermittelt der Reichspostdamp-fer Germania der Jaluit-Gesellschaft, der hier jährlich sechsmal vorläuft. An das Welttelegraphennetz ist Ponape noch nicht angeschlossen, dagegen besteht daselbst eine Postanstalt. Die Missionierung der Insel erfolgt durch die protestantische Liebenzeller Mission, sowie die Rheinisch-Westfälische Ordensprovinz der Kapuziner. Beide Missionen haben auf der Insel Statio-nen und im Anschluß daran Kirchen und Eingebore-nenschulen errichtet. Eine Regierungsschule besteht auf Ponape noch nicht.«


Von Truk hat man im Juli 1914 auf dem Ostasiatischen Kreuzergeschwader auch den Pastor Uhlich, Leiter einer evangelischen Mission auf den Karolinen, nach Ponape mitfahren lassen. »Und weiter sprach Pastor Uhlich von einer wundersamen Periode höchster Kultur, die sich in einer längst entschwundenen und vergessenen Zeit hier abgespielt hat. M e t a l a n i m heißt diese Stätte, da sich die Ruinen großzügig angelegter Paläste befinden, jetzt nur noch durcheinander liegende Gesteinsblöcke von unheimlicher Größe. Wie kamen die hierher nach der weltentlegenen Insel Ponape?« Auch heute gibt es keine Antwort auf die Frage des deutschen Marineoffiziers Joachim Lietzmann, der diese Sätze aufschrieb.

Metalanim ist ein Südsee-Inselchen mit einer verlas-senen Stadt darauf unmittelbar an Ponape anliegend und künstlich aufgeschüttet. Dafür wurden 800.000 Tonnen Basalt über 50 Kilometer über See verfrachtet. Nach der Sage der Einheimischen wurden die Steine von amphibischen Weltraum-Göttern durch die Luft beför-dert.

Metalanim, auch Nanmatal oder Nan Madol genannt, wird 1907 dem deutschen Bezirksamtmann Victor Berg zum Verhängnis, als er Gräber in Nan Madol öffnet und zwei bis drei Meter große menschliche Skelette findet. Am nächsten Morgen, dem 30. April 1907, stirbt Berg. Der deutsche Arzt auf Ponape kann keine Todesursache feststellen. Offiziell wird Sonnenstich und Erschöpfung als Todesursache angeben. Die Eingeborenen sind si-cher, daß übernatürliche Kräfte zum Schutz der Gräber den Eindringling getötet haben.

Der Völkerkundler Paul Hambruch nimmt in den Jahren 1909 und 1910 an der Hamburger Südsee-Expedition von 1908 bis 1910 teil. Dabei sind ihm die ethnographischen Untersuchungen Mikronesiens übertragen, insbeson-dere von Nauru und Ponape. Für die Forschung über Ponapes Ruinenstadt Nanmatal werden Hambruchs Arbeiten die Grundlage für alle zukünftigen Forschun-gen über die rätselhafte verlassene Stadt.


In der zweiten Julihälfte 1914 liegt das Ostasiatische Kreuzergeschwader mit seinen beiden stärksten Schif-fen, den Panzerkreuzern Scharnhorst und Gneisenau, vor Ponape, der größten Karolineninsel. Vom Flaggschiff Scharnhorst werden aus Tsingtau mitgebrachte Grab-steine für die gefallenen deutschen Soldaten vom Auf-stand von 1910 auf der Insel an Land gegeben und auf-gestellt.

Von den seemännisch schwierigen Schiffsliegeplätzen nahe von Untiefen vor der Insel fahren die Besatzungen auf Barkassen fast eine halbe Stunde bis zu einer fluß-aufwärts gelegenen Landungsbrücke für ihre Landgän-ge und zur routinemäßigen Infanterieausbildung mit Übungsmärschen und Schießen auf dem Schießstand von Ponape.

Auf Ponape selbst ist eine Polizeitruppe aus Neuguinea stationiert. »Herrliche hohe Gestalten von edlem Wuchs«, wie ein Deutscher sie beschreibt, und deshalb aus Neuguinea »um zu verhindern, daß sie im Falle von Unruhen mit den Aufständischen gemeinsame Sache machen«.

Erst im Juni 1914 waren 800 Mann in Tsingtau als Ablösemannschaften aus Deutschland neu an Bord von Scharnhorst und Gneisenau gekommen – routinemäßig wird die Hälfte der Besatzungen ausgetauscht – und hier in den Gewässern von Ponape werden immer wieder ›Klar Schiff zum Gefecht!‹-Übungen durchgeführt, um die Kriegsbereitschaft der Schiffe nach dem Mann-schaftswechsel wiederherzustellen.

Die Offiziere des Kreuzergeschwaders lassen es sich zwi-schen den Übungen gut gehen auf Ponape. »Mit den am Ort befindlichen deutschen Beamten und Kaufleuten knüpften wir rege Beziehungen an. Der Bezirksamt-mann selbst war abwesend. Sein Stellvertreter aber hielt uns sein stets gastfreies Haus offen. Beim Genuß köst-licher Wassermelonen saßen wir oft in angeregtem Gespräch mit ihm auf seiner Veranda, tief zu unseren Füßen die lachende Landschaft mit den weißen Häusern der Niederlassung, und dahinter das sich in unermeß-liche Weite dehnende blaue Meer, auf dem sich unsere stattlichen Schiffe wie Kinderspielzeug ausnahmen.

Eines Abends führten uns vor seiner Villa die Eingebo-renen ihre Tänze vor. Besonderen Eindruck machten unter den Palmen im Purpurscheine roter Lampions der Tanz der Polizeisoldaten. Dumpf dröhnten die Trom-meln, und schwermütig waren die Gesänge, als die Hühnengestalten, wild bemalt und einen kriegerischen Helm auf dem schwarzen Haar, langsam und würdevoll im Kreise ihre phantastischen Bewegungen ausführten.

Der Zuschauer geriet durch all das Geheimnisvolle in eine wahre Märchenstimmung, und dieser setzte Pastor Uhlich wiederum die Krone auf. Aus dem Hintergrunde erschollen plötzlich wie aus Engelsmunde mehrstim-mige Harmonien. Die große Schar der Missionskinder war es, die uns auch hier mit heimatlichen Liedern überraschte.

»Deutschland, Deutschland über alles!« Es war das rech-te Lied, das uns mit auf den Heimweg gegeben wurde. Denn soeben hatten die elektrischen Wellen die Kunde von der bevorstehenden Kriegserklärung Österreichs an Serbien zu uns getragen.«

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Truk

Das Truk-Atoll besteht aus 98 Inseln in der Lagune und den Lagunenrand bildend. Die Lagune hat eine Länge von 65 km und eine Breite von 56 km. Die Landfläche beträgt 100 qkm mit einer höchsten Erhebung von 443 m. Die Lagunenfläche beträgt 2131 qkm. Das Truk-Atoll ist eines der wenigen hohen, gebirgigen Atolle der Karolinen und von der Natur mit der üppigsten Ver-schwendung ausgestattet. Jam und Taro, die süßen rie-senhaften Knollengewächse, die den Hauptbestandteil der Nahrung der Eingeborenen bilden, wachsen ohne jeden Ackerbau. Dazu gibt es Kokosnüsse und die süßen mehligen Früchte des Brotfruchtbaumes.

Bald nach der Übernahme der Herrschaft durch die Deutschen wird auch auf Truk der illegale Waffen- und Alkoholhandel bekämpft. Anfang Januar 1901 landet Albert Hahl, Bezirksamtmann der Ostkarolinen, vom Kleinen Kreuzer Cormoran überraschend mit einer Abteilung melanesischer Polizei auf Truk. Er erwischt eine große Gruppe japanischer Händler mitten in ihren Neujahrsfeierlichkeiten und beschlagnahmt ihre Han-delsware an Feuerwaffen und Alkohol. Sieben Japaner werden verhaftet und kommen ins Gefängnis nach Ponape. Alle anderen müssen ihre Geschäfte auf Truk auflösen und werden von der Inselgruppe verbannt. Nur ein japanischer Händler darf bleiben. Dem halben Dut-zend weißen Händlern vor Ort wird gleiche Behandlung angedroht bei Verstoß gegen die geltenden Gesetze. Auch unter den einheimischen Herrschern räumt Hahl auf und verhaftet auf drei Trukinseln jeweils einen der Häuptlinge wegen begangener Morde und sie verbrin-gen die nächsten Jahre im Gefängnis auf Ponape.

Das deutsche Durchgreifen wirkt und beendet die Stam-mesfehden auf dem als unruhig bekannten Trukatoll. Als im Dezember 1904 Bezirksamtmann Viktor Berg auf Truk landet und gegen Bezahlung alle noch vorhande-nen Waffen und die Munition einfordert, werden ihm 436 Gewehre und 2500 Patronen ausgeliefert gegen eine Entschädigung von 9000 Mark. Offensichtlich sind die Einheimischen auch froh über das durch die Deutschen erzwungene Ende ihrer Kleinkriege. Die Einheimischen selbst haben schon begonnen Waffen in Hacken, Angel-haken und andere nützlichere Dinge umzuschmieden.

Als zufällig bei Anwesenheit von Berg auf Truk der Häuptling der Polootinseln mit 30 Kanus auf Truk lan-det, wird er sofort von Bezirksamtmann verhaftet. Auf Anordnung der deutschen Verwaltung dürfen nur noch Gruppen von höchstens fünf Kanus zusammen fahren, um Kriegszüge zu verhindern und um die Männer als Arbeitskräfte zur Ernährung ihrer Familien zuhause zu halten.

Auf Druck der Deutschen werden von den Familienober-häuptern auf Truk Kokospalmen und Fruchtbäume angepflanzt; anderweits will die deutsche Verwaltung ungenutztes Land an Inselbewohner ohne Land abge-ben. Selbst Ngenimun, einer der drei 1901 verhafteten und verurteilten Häuptlinge, beginnt nach seiner Ent-lassung mit der Entwicklung seines Landes und baut nach dem Muster der Deutschen auf seiner Trukinsel Uman eine die ganze Insel durchziehende Straße mit an den Seiten in Stein eingefaßter Drainage zum Ablauf des Regenwassers. Ngenimun hat den deutschen Straßen-bau auf Ponape kennengelernt.

Truk macht so schnelle Fortschritte, daß Bezirksamt-mann Victor Berg regionale Chefs über die sechs Ge-biete des Trukatolls bestimmt, jedem eine eigene Flagge gebend, als Hoheitszeichen ihrer Machtausübung der kaiserlich-deutschen Herrschaft über Truk.


1909 wird auf Truk eine Regierungsstation eingerichtet. Auf den Inseln des Stationsbezirkes leben etwa 11.000 Menschen. Der Sitz des Stationsleiters befindet sich auf Toloas. Am Sitz der Regierungsstation befindet sich auch eine Postagentur.

Auf halber Höhe von Toloas vom Haus des Stations-leiters überblickt man durch majestätische Steinnuß-palmen hindurch das hügelige, saftiggrüne Land mit seinen stillen Buchten und das weite, von vielen Insel-chen und Korallenriffen durchsetzte blaue Meer.

Die protestantische Liebenzeller Mission missioniert auf Truk. Viele eingeborene Frauen tragen deshalb die häßlichen Missionskittel. Schließlich beginnen auch die katholischen Kapuziner ihre Missionstätigkeit. Die Mis-sionen haben auf den Inseln an ihre Stationen Schulen angeschlossen. 1915 soll eine Regierungsschule errich-tet werden.

Die weiße Bevölkerung auf Truk beläuft sich 1913 auf fünf Regierungsbeamte, elf Missionare, einige Kauf-leute und Händler. Außerdem sind noch drei Japaner ansässig. Die meisten weißen Bewohner wohnen auf Toloas. Auf der nahen Nachbarinsel Eten sitzt der Ver-treter der Jaluit-Gesellschaft, der an die zehn Händler auf den einzelnen Inseln verteilt hat.  

An europäischen Unternehmungen befindet sich auf Truk nur die Agentur der Jaluit-Gesellschaft und außer-dem noch eine Zweigniederlassung der japanischen Südsee-Handelsgesellschaft. Die Inselgruppe wird jähr-lich sechsmal vom Dampfer Germania der Jaluit-Gesell-schaft angelaufen.

1913 wird amtlich festgestellt, daß der Regierungsarzt Dr. F. Mayer bei der Bevölkerung von Truk ein starkes Ster-ben, insbesondere durch Lungenkrankheiten, festge-stellt hat, doch hofft man durch die Einrichtung eines ärztlichen Dienstes eine Hebung der Bevölkerungszahl erreichen zu können.


Während eines Aufenthaltes im Juli 1911 auf Truk erlebt die Besatzung der SMS Cormoran die Fliegenplage während der Brotfruchtreife. Nicht nur an Land auch an Bord ist die Fliegenplage fürchterlich. Um der Fliegen Herr zu werden wird geraucht und man umwedelt sich fort-während mit Taschentüchern. Immer und immer wie-der krabbeln die Fliegen im Gesicht oder summen um die Ohren. Öffnet man den Mund ist das von den Fliegen als Einladung gedacht hineinzufliegen. Und des nachts finden die Plagegeister einen Weg durchs Moskitonetz und spazieren auf dem Gesicht herum und finden natürlich auch einen Weg in die Nase. Der Kommandant der Cormoran:

»Die Mahlzeiten gestalteten sich zur reinen Folter, da im Nu die Schüsseln von zappelnden Fliegenleibern, die in die Speisen geraten waren, wimmelten. Die Schnur der über meinem Eßtisch hängenden elektrischen Birne war dauernd so mit den widerlichen Insekten besetzt, daß sie einem schwarzen, flockigen Wollstrick glich. Herr Wulff, der erfinderische Leiter der Jaluit-Station [der Jaluit-Gesellschaft], hatte sich derart geholfen, daß er seine Mahlzeiten in einem auf seiner Veranda aufge-stellten Fliegenspind einnahm. Durch eine kleine Fens-terklappe wurden ihm die Schüsseln von seinem farbi-gen Diener schnell hineingereicht, und so wurde es ihm möglich, wenigsten einigermaßen ungestört speisen zu können.«

Jeder an Bord der Cormoran ist froh das Atoll wieder zu verlassen. In See werden alle Bullaugen auf beiden Sei-ten aufgerissen und der Wind fegt die Fliegenschwär-me ins Meer hinaus.


Ein besonderes Ereignis für Truk ist das Erscheinen der Cormoran Ende Januar 1912, weil das Schiff auch zu Kaisers Geburtstag am 27. Januar 1912 anwesend sein wird. Cormoran-Kommandant Paul Ebert:

»Der bisherige Stationsleiter war seit längerer Zeit bett-lägerig krank, sein Ersatz mit dem letzten Dampfer be-reits eingetroffen. In einer Besprechung mit diesem Be-amten stellte ich fest, daß zur bevorstehenden Feier von Kaisers Geburtstag sich, wie üblich, sämtliche Häuptlin-ge der Truk-Inseln mit ihrer Gefolgschaft bei der Regie-rungsstation auf Toloas einfinden würden. Da alle diese Leute das Kriegsschiff sehen würden, so lag ein Bedürf-nis, die Flagge auch auf den anderen Inseln des Atolls zu zeigen, wie es ursprünglich in meiner Absicht lag, nicht vor. Dagegen wurde mir eine Vermessung der Durch-fahrt zwischen Toloas und Eten und der östlich und westlich davon liegenden Ankerplätze als sehr er-wünscht bezeichnet, die ich nun während der nächsten Tage ausführen ließ.

Zu Kaisers Geburtstag wurde früh bei Flaggenparade über die Toppen geflaggt. Indessen hatte unser sonst so ruhiger kleiner Hafen ein recht belebtes Aussehen an-genommen. Die dem Leiter der Jaluit-Gesellschaft un-terstellten Händler – eine recht bunte aus Weißen, Japa-nern und Halbblutleuten zusammengesetzte Gesell-schaft – waren in ihren Segelkuttern von den verschie-denen Inseln eingetroffen, während die Eingeborenen-häuptlinge mit ihrem Anhang in stattlichen Segelkanus sich einfanden. Um elf Uhr vormittags hielt auf meine Bitte der Leiter der Liebenzeller Missionsstation den Festgottesdienst ab. Hieran schloß sich eine von mir gehaltene Ansprache, worauf Punkt zwölf Uhr mittags der übliche Salut gefeuert wurde. In dieser Zeit waren bei uns an Bord die Beamten der Regierungsstation mit ihren Frauen, die Missionare, der Leiter der Jaluit-Gesellschaftsfiliale mit zwei weißen und einem japani-schen Händler und etwa 15 Häuptlinge versammelt. Das Interesse der letzteren wurde besonders rege, als die Geschütze ihren ehernen Schlund zu rollenden Salut-schlägen öffneten. Einer von ihnen trug übrigens mit Stolz den Uniformrock eines Marineoberstabsarztes. Am Nachmittage fanden an einem Platz nahe der Regie-rungsstation unter zahlreicher Beteiligung der Eingebo-renen die Festtänze statt, die sich über den ganzen Nach-mittag bis zum Abend hinzogen. Es handelte sich wiede-rum um Sitztänze, wie ich sie ähnlich in Samoa und we-nige Tage vorher auch auf den Mortlock-Inseln gesehen hatte. Übrigens zeigte es sich, daß die Leute, sobald sich die Geister etwas erhitzten, auch zu Obszönitäten bei solchen Vorführungen neigten.«


Der Große Kreuzer Gneisenau liegt in der zweiten Juli-woche 1914 vor Truk und setzt die bereits vor Jahren von dem Kleinen Kreuzer Cormoran begonnene Arbeit fort, ein den Hafen beträchtlich beengendes Felsenriff weg-zusprengen. Von früh bis spät sind die beiden Taucher des Kriegsschiffes an der Arbeit für die Sprengungen.

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Kusaie

Kusaie liegt ganz im Osten der Karolineninseln. Die Landfläche der Insel beträgt 108 qkm ohne die gut ein Dutzend kleinen Nebeninseln. Die Landschaft ist hügelig und von tropischen Regenwäldern bewachsen. Der höchste Berg ragt 634 m auf. Eine Besonderheit der Insel ist, daß sie als einzige Mikronesiens als Felseninsel von einem Korallenriff umgeben ist.

Löllö-Hafen, der Hafen von Kusaie, ist eine Bucht, die von der mit einem Quadratkilometer größten Nebenin-sel Löllö begrenzt wird. Auf Löllö befinden sich im dich-ten Busch auch geheimnisvolle Ruinen aus aufeinander gestapelten Basaltblöcken, die genauso aussehen wie jene Ruinen auf Ponape.

Die Einheimischen sind europäisch gekleidet und we-gen der amerikanischen Mission auf der Insel anstatt deutschsprachig englischsprachig. Die protestantische amerikanische Bostoner Mission, die seit 1852 auf Kusaie sitzt, hat die Bevölkerung fast vollständig chris-tianisiert und ihre Traditionen gebrochen. Nur der Oberhäuptling von Kusaie, Tokoscha, er regiert seit 1890, läßt sich nicht christianisieren. Wie viele Männer der Insel ist auch er auf einem amerikanischen Wal-fänger zur See gefahren, um etwas von der Welt zu sehen, und hat folglich Englisch gelernt. Als 1910 die Hamburger Südsee-Expedition Kusaie besucht, kann sie vom betagten Oberhäuptling Tokoscha reichliche Aus-künfte über die alten Verhältnisse auf der Insel erhalten. Im September 1910 verstirbt der Oberhäuptling.

Anfang September 1914 liegt der britische Dampfer Southport wegen der herrschenden Wetterbedingun-gen vor Kusaie, um später in Nauru eine Phosphat-ladung nach Stettin zu übernehmen, als am 4. Septem-ber das alte Kanonenboot Geier und sein Kohlenver-sorger, der kleine Frachter Tsingtau, vor Kusaie erschei-nen. Während die Besatzung der Southport darauf war-tet, eine Ladung Dünger vom deutschen Kolonialbesitz Nauru nach Deutschland zu fahren, erfährt sie nun, daß vor einem Monat England Deutschland den Krieg er-klärt hat und die Welt sich jetzt in einem Weltkrieg befindet.