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Ponape

Die Pflanzenwelt Ponapes ist entsprechend dem feucht-heißen Tropenklima außerordentlich üppig, Kokos- und Steinnußpalmen, Brotfrucht- und Mangobäume liefern der Bevölkerung Früchte und die enormen Knollen der Yams werden viel angebaut und auch die viel kleinere Taro, eine andere Knollenfruchtart.

1905 fegt ein gewaltiger Taifun über Ponape, welcher die Waldbestände der Insel schwer trifft. Die überall im neu emporwuchernden, dichten Busch verstreut liegenden, vermodernden Baumriesen machen im Verein mit den engverschlungenen Lianen und der Gebirgslandschaft ein Vordringen außerhalb gebahnter Wege fast unmög-lich.

Es gibt fünf Stämme, die in den selbständigen Land-schaften Dschokadsch, Not, U, Ronkiti und Metalanim leben. Mit der Deportation der Dschokatsch-Leute von Ponape nach ihrem Aufstand Ende 1910 scheidet Dscho-kadsch als selbständige Landschaft aus.

Ein kompliziertes Lehenssystem über den Landbesitz gibt zu häufigen Streitigkeiten Veranlassung, sodaß der Bezirksamtmann Hermann Kersting vereinfachte Grundbesitzverhältnisse einführen will. Dafür nutzt er erfolgreich die Oberhäuptlinge mit ihrer Autorität, die auch die obersten Lehnsherren sind.

Eine weitere Änderung der Verhältnisse ergibt sich von selbst. Die Frauen tragen nun meist europäische Stoffe, statt der einheimischen aus Bananenfasern hergestell-ten Webstoffe.

1914 wird die Eingeborenenbevölkerung der Insel auf rund 4000 Seelen geschätzt. Zur selben Zeit besteht die weiße Bevölkerung auf Ponape aus den Beamten, den Missionaren der beiden dort tätigen Missionsgesell-schaften sowie einigen Händlern und sonstigen Ansied-lern und beträgt etwa 30 Personen.

Die Liebenzeller Mission hat auf Ponape in der Land-schaft Metalanim beim Dorf Etienlan eine Station mit einem Predigerhaus und einer geräumigen Holzkirche.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse auf der Insel be-schreibt das Deutsche Koloniallexikon:

»Größere europäische Unternehmungen, vor allen Din-gen Plantagen, bestehen auf Ponape noch nicht. Es sind vielmehr nur einige kleinere Kokospflanzungen ange-legt worden, denen aber irgendeine Bedeutung für die Ausfuhr nicht zukommt. Der Handel auf Ponape liegt in der Hauptsache, wie auf den übrigen Inseln der Ost-karolinen, in den Händen der Jaluit-Gesellschaft, die am Langer-Hafen (Santiago-Hafen), eine Zweigniederlas-sung errichtet hat. Außer der Jaluit-Gesellschaft sind noch einige Händler auf der Insel tätig. Das Hauptaus-fuhrprodukt ist die Kopra, daneben gelangen in gerin-gem Maße Muscheln und Schildpatt zur Ausführung. Der Anlage größerer Plantagen steht die ständige Tai-fungefahr besonders hindernd, im Wege. So hat im Jah-re 1905 ein Taifun fast die gesamten Fruchtbäume der Insel zerstört.«

Eine breite Riffpassage führt zum Hafen von Ponape. Für Dampfschiffe ist die Einfahrt keine Schwierigkeit, aber kann für einen Segler zu seinem Ende führen, wenn plötzlich Windstille auftritt und die dauernde starke Brandung das Schiff auf das Riff treibt und es dort zer-schellt, wie es zum Beispiel Ende 1911 einer norwegi-schen Bark geschieht.

Ein deutscher Marineoffizier beschreibt den Hafen von Ponape: »Tagaus, tagein sieht das Seemannsauge den glatten Horizont, und nur ganz wenig erheben sich die flachen Atolle der Karolinen über den Meeresspiegel. Wie entzückt waren wir da, als wir an einem prächtigen Sonnentag in den von Bergen umschlossenen Ponape-Hafen einliefen! Vor uns das grüne hüglige Ponape selbst mit den weißen Häusern der Kolonie, rechts schließt sich daran das schroffe Felsennest Dschokadsch und auf der anderen Seite das anmutige Inselchen Langar mit einer Handelsniederlassung darauf. Wenn der Hafen von Ponape so auch einen sehr geräumigen Eindruck macht, so ist doch für Schiffe nicht viel Platz darin, denn zahlreiche weitverzweigte Korallenriffe, die hell smaragdgrün durch den dunklen Meeresspiegel schimmern, engen das Fahrwasser ein.«

Die sogenannte ›Kolonie‹ liegt innerhalb des von den Spaniern errichteten, zum großen Teil noch erhaltenen Festungsmauergürtels und ist das Wohngebiet der Wei-ßen. Das Wohnhaus des Bezirksamtmanns liegt aller-dings etwa zehn Minuten außerhalb der Ringmauer; ein wohlgepflegter, von frischem Grün eingefaßter Weg führt dorthin.

Von Truk hat man im Juli 1914 auf dem Ostasiatischen Kreuzergeschwader auch den Pastor Uhlich, Leiter einer evangelischen Mission auf den Karolinen, nach Ponape mitfahren lassen. »Und weiter sprach Pastor Uhlich von einer wundersamen Periode höchster Kultur, die sich in einer längst entschwundenen und vergessenen Zeit hier abgespielt hat. M e t a l a n i m heißt diese Stätte, da sich die Ruinen großzügig angelegter Paläste befinden, jetzt nur noch durcheinander liegende Gesteinsblöcke von unheimlicher Größe. Wie kamen die hierher nach der weltentlegenen Insel Ponape?« Marineoffizier Joachim Lietzmann, der diese Sätze aufschreibt, findet keine Ant-wort auf die selbstgestellte Frage.

Nan Mandol ist ein Südsee-Inselchen mit einer verlasse-nen Stadt darauf unmittelbar an Ponape anliegend und künstlich aufgeschüttet. Dafür wurden 800.000 Tonnen Basalt über 50 Kilometer über See verfrachtet. Nach der Sage der Einheimischen wurden die Steine von amphi-bischen Weltraum-Göttern durch die Luft befördert.

Metalanim, auch Nanmatal oder Nan Madol genannt, wird 1907 dem deutschen Bezirksamtmann Victor Berg zum Verhängnis als er Gräber in Nan Madol öffnet und zwei bis drei Meter große menschliche Skelette findet. Am nächsten morgen, dem 30. April 1907, stirbt Berg. Der deutsche Arzt auf Ponape kann keine Todesursache feststellen. Offiziell wird Sonnenstich und Erschöpfung als Todesursache angeben. Die Eingeborenen sind si-cher, daß übernatürliche Kräfte zum Schutz der Gräber den Eindringling getötet haben.

Der Völkerkundler Paul Hambruch nimmt in den Jahren 1909 und 1910 an der Hamburger Südsee-Expedition von 1908-1910 teil. Dabei sind ihm die ethnographischen Untersuchungen Mikronesiens übertragen, insbeson-dere von Nauru und Ponape. Für die Forschung über Ponapes Ruinenstadt Nanmatal werden Hambruchs Ar-beiten die Grundlage für alle zukünftigen Forschungen über die rätselhafte verlassene Stadt.

In der zweiten Julihälfte 1914 liegt das Ostasiatische Kreuzergeschwader mit seinen beiden stärksten Schif-fen, den Panzerkreuzern Scharnhorst und Gneisenau, vor Ponape, der größten Karolineninsel. Vom Flaggschiff Scharnhorst werden aus Tsingtau mitgebrachte Grab-steine für die gefallenen deutschen Soldaten vom Auf-stand von 1910 auf der Insel an Land gegeben. Von den seemännisch schwierigen Schiffsliegeplätzen nahe von Untiefen vor der Insel fahren die Besatzungen auf Bar-kassen fast eine halbe Stunde bis zu einer flußaufwärts gelegenen Landungsbrücke für ihre Landgänge und zur routinemäßigen Infanterieausbildung mit Übungsmär-schen und Schießen auf dem Schießstand von Ponape, für den möglichen Einsatz der Schiffsbesatzungen bei der Niederschlagung von Aufständen im deutschen Ozeanien. Auf Ponape selbst ist nach dem Aufstand von 1910 eine Polizeitruppe aus Neuguinea stationiert. »Herrliche hohe Gestalten von edlem Wuchs«, wie ein Deutscher sie beschreibt, und deshalb aus Neuguinea »um zu verhindern, daß sie im Falle von Unruhen mit den Aufständischen gemeinsame Sache machen«.

Erst im Juni 1914 waren 800 Mann in Tsingtau als Ab-lösemannschaften aus Deutschland neu an Bord von Scharnhorst und Gneisenau gekommen und hier in Ponape werden immer wieder ›Klar Schiff zum Gefecht!‹-Übungen durchgeführt, um die Kriegsbereitschaft der Schiffe nach dem Mannschaftswechsel wiederherzu-stellen.

Die Offiziere des Kreuzergeschwaders lassen es sich zwischen den Übungen gut gehen auf Ponape. »Mit den am Ort befindlichen deutschen Beamten und Kaufleu-ten knüpften wir rege Beziehungen an. Der Bezirksamt-mann selbst war abwesend. Sein Stellvertreter aber hielt uns sein stets gastfreies Haus offen. Beim Genuß köst-licher Wassermelonen saßen wir oft in angeregtem Gespräch mit ihm auf seiner Veranda, tief zu unseren Füßen die lachende Landschaft mit den weißen Häusern der Niederlassung, und dahinter das sich in unermeß-liche Weite dehnende blaue Meer, auf dem sich unsere stattlichen Schiffe wie Kinderspielzeug ausnahmen.

Eines Abends führten uns vor seiner Villa die Eingebo-renen ihre Tänze vor. Besonderen Eindruck machten unter den Palmen im Purpurscheine roter Lampions der Tanz der Polizeisoldaten. Dumpf dröhnten die Trom-meln, und schwermütig waren die Gesänge, als die Hühnengestalten, wild bemalt und einen kriegerischen Helm auf dem schwarzen Haar, langsam und würdevoll im Kreise ihre phantastischen Bewegungen ausführten.

Der Zuschauer geriet durch all das Geheimnisvolle in eine wahre Märchenstimmung, und dieser setzte Pastor Uhlich wiederum die Krone auf. Aus dem Hintergrunde erschollen plötzlich wie aus Engelsmunde mehrstim-mige Harmonien. Die große Schar der Missionskinder war es, die uns auch hier mit heimatlichen Liedern überraschte.

›Deutschland, Deutschland über alles!‹ Es war das rechte Lied, das uns mit auf den Heimweg gegeben wurde. Denn soeben hatten die elektrischen Wellen die Kunde von der bevorstehenden Kriegserklärung Österreichs an Serbien zu uns getragen.«

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Mapia

1885 hatte der deutsche Forscher Johann Kubary die Mapia-Inseln aufgesucht und schrieb über sie:

»Seit dem Entstehen des Copra-Handels landete hier die deutsche Firma A. Capelle & Co. aus Jaluit ihre Agenten die jedoch, unfähig im Interesse derselben zu wirken, ihr große Unkosten und Verluste verursachten, wobei auch der schöne Schooner Tutuila Capt. Löser zu Grun-de ging. Capt. D. D. Okeepe aus Yap, der das Geschäft übernahm, arbeitete mit mehr Erfolg und erwarb schließlich die Inseln von Marravidi, auf denen er gegenwärtig eine größere Anzahl Eingeborene von der Pleasant-Insel, Sonsol und Bur, die für ihn Kokosnüsse schneiden und trocknen, unterhält.

Als Spuren der, in alter Zeit zahlreichen Bevölkerung der Inseln finden sich zahlreiche und mächtige Steingräber, heut leben nur noch drei Individuen reiner Rasse der ursprünglichen Bevölkerung, sowie acht nicht reinen Blutes, sondern einer Mischung anderer Eingeborner mit der ursprünglichen Bevölkerung entsprossen. Die Geschichte der Entvölkerung dieser Inseln ist eine äu-ßerst trübe. Der einzige, heut noch seine früheren Ge-nossen überlebende Mann, der König Marravidi erzähl-te mir daß sich die Katastrophe vor seinen Zeiten zutrug, also vor etwa 50—60 Jahren.

 …

Diese interessanten Steingräber finden sich zahlreich in dem bewaldeten Innern der Inseln Piken und Burät und wahrscheinlich auch auf den übrigen, die ich keine Zeit hatte zu besuchen. Gleich wie auf Yap, liegen sie in gro-ßer Anzahl nebeneinander und dicht mit Moosen und Farnen umhüllt, machen sie auf den Beschauer, im Halbdunkel und der Lautlosigkeit des dichten Baum-bestandes, einen mächtigen Eindruck. Mein Versuch, einen Schädel auszugraben, mißlang, denn mit den blo-ßen Händen war während der sehr kurzen Zeit gar nichts auszurichten.«


Durch den Kauf der Karolinen und anderer Inselgrup-pen von Spanien 1899 kommen auch die Mapia-Inseln von gerade sechs Quadratkilometern Landfläche zum deutschen Kolonialbesitz. Diese drei kleinen Inseln sind aber weit abgelegen von anderen deutschen Besitzun-gen in der Südsee. Die nächste deutsche Inselgruppe sind die 630 Kilometer entfernten Palau-Inseln. Die Mapia-Inseln liegen aber vor dem niederländischen Teil von Neuguinea. So verständigt man sich die Inseln an die Holländer zu geben und diese wiederum verzichten auf wage Ansprüche auf die drei Quadratkilometer Landfläche der vier Inseln von Sonsorol, die 300 Kilo-meter südlich der deutschen Palau-Inseln liegen, aber 500 Kilometer vom nächsten holländischen Besitz.

Die Mapia-Inseln interessieren aber außer Kopra-Händ-lern niemanden, auch keinen deutschen oder nieder-ländischen Beamten. Nur die niederländische Nord-Neuguinea-Expedition von 1903 unter der Leitung des deutschen Geologen Arthur Wichmann besucht die Inseln.

Die Mapia-Inseln bleiben aber sozusagen in deutscher Hand. Daisy Weber, die Tochter von Theodor Weber, der in den 70er Jahren als Konsul für Samoa des Deutschen Reiches Verträge mit Häuptlingen in der Südsee für die Übernahme ihrer Inseln in die deutsche Herrschaft abgeschlossen hatte, wird Königin von Mapia. Weber hatte Frau und Kinder auf Samoa, sodaß Daisy als ein ›Unfall‹ zu betrachten ist. Theodor Weber sorgt aber für seine Tochter und gibt sie in die Familie des ebenfalls reichen Südseehändlers David Dean O’Keefe, der auf Jap in den Karolinen residiert. Daisy geht auch für drei Jahre zur Ausbildung nach Deutschland in ein Pensionat bei Bremen. Als 1899 die Karolinen, die Marianen, die Palauinseln und auch Mapia deutsch werden, ist Daisy als 16jährige bei der Flaggenhissung in Jap mitten im Geschehen. Daisy ist zwar von O’Keefe in seinem Testament verständ-licherweise ausgeschlossen, da aber ihre Mutter Dolibu von Mapia und königlichen Geblütes ist, welche als Frau von O’Keefe in Jap lebt – O’Keefe hatte sie von Mapia nach Jap mitgenommen – ist Dolibu auch Herrscherin von Mapia. So wird ihre Tochter Daisy schließlich Königin von Mapia. Eines Tages besucht die mittlerweile sehr füllige Dame mit einem Dienerpaar einen deut-schen Arzt in Makassar in Niederländisch Indien. Sie verlangt von dem Arzt Hilfe beim weiteren Fettwerden. Auf ihren Inseln steht Körperfülle im höchsten Ansehen und je schwerer sie ist, um so besser.

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Verkehr V

Breite, wohlgepflegte Wege, die von der Verwaltung angelegt wurden, verbinden die saubergehaltenen Sie-delungen. 

1907 wird eine vier Kilometer lange Schmalspurbahn vom Inneren der Insel an die Ladebrücke für den Phos-phatumschlag zu den Schiffen im Westen der Insel gebaut. Im gleichen Jahr beginnt auch die Verschiffung des Phosphats.

Am 14. Juli 1908 wird ein deutsches Postamt eröffnet. Durch die 1908 etwa monatlich Nauru anlaufenden Dampfer der Pacific Phosphate Company kann auf der Insel eben etwa einmal im Monat Post empfangen und abgeschickt werden. Bis 1913 erhöht sich die Zahl der Phosphatdampfer auf etwa vier im Monat. Dazu fährt sechs Mal im Jahr der Reichspostdampfer Germania die Insel an.

Da Dampfer nicht an der Insel anlegen können, weil ein um die 200 Meter breites Riff die Insel umschließt, gibt es zwei Festmacherbojen für die Frachter. Von zwei La-debrücken aus werden die Dampfer dann mittels Leich-tern mit dem auf der Insel gewonnenen Phosphat be-laden. Da der Leichterverkehr bei westlichen Winden unterbrochen werden muß, kann es Wochen dauern, bis ein Dampfer voll beladen ist.

Häufig kommt es vor, daß Dampfer, die wegen der Besetzung der beiden Festmacherboyen keinen Liege-platz haben, unter Dampf vor der Insel treiben müssen. Es soll vorkommen, daß sie, um Zeit für Wartungs-arbeiten in Häfen zu sparen, bei langen Wartezeiten einfach die Feuer löschen, um antriebslos in See trei-bend Maschinen und Kesselanlagen instand zu setzen.


1912 beginnt die Firma Telefunken mit der Errichtung einer Funkstation auf Nauru. Am 17. Oktober 1912 treffen der den Bau leitende Ingenieur und der Turmmonteur auf Nauru ein. Die Bauarbeiten werden durch Unfälle und Unwetter behindert. Zunächst behindern starke Regenfälle den Baubeginn. Extreme Trockenheit sorgt ab Ende Februar 1913 dafür, daß es kaum noch Wasser gibt, um Beton herzustellen. Der Telefunkenbautrupp behilft sich schließlich mit Brackwasser aus nahege-legenen Höhlen. Ein Lastwagen fällt beim Transport vom Schiff an Land zweimal ins Wasser, da einmal die Krankette bricht und das andere Mal der Haken des Schiffskrans entzweispringt. Dazu kommt der übliche Arbeitermangel. Die Eingeborenen Naurus werden durch die deutsche Verwaltung zum Teil unter Straf-androhung wie Gefängnis und Deportation zur Arbeit an der Funkstation gedrängt.  

Am 1. Dezember 1913 kann dann die Station gleichzeitig mit einer Funkanlage auf den Jap-Inseln eröffnet wer-den. Die Funkanlage ist mit einer schirmförmigen An-tenne ausgerüstet, die von einem 120 Meter hohen eisernen Gitterturm getragen wird. Die Reichweite be-trägt etwa 3400 Kilometer womit die Funkstation auf Jap erreicht werden kann. Jap wiederum ist durch Seekabel an das internationale Telegraphennetz angeschlossen, sodaß nun Nauru in kürzester Zeit weltweite Nach-richtenverbindung hat.

Mit der Inbetriebnahme der Funkstationen Jap und Nau-ru ist die erste Teilstrecke des entstehenden deutschen Funknetzes in der Südsee dem öffentlichen Verkehr übergeben. 

Für den Funkverkehr mit Schiffen im Nahbereich von Nauru bestehen Zusatzstationen mit T-förmigen Luftlei-tern.

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Wirtschaft IV

Das traditionelle Wirtschaftsgut von Nauru ist Kopra, die von einigen Handelsstationen den Eingeborenen abgekauft wird. Zur Bekämpfung einer Kokospalmen-krankheit ist auch der deutsche Völkerkundler Paul Hambruch im Auftrag der Jaluit-Gesellschaft seit 1908 auf der Insel.  

Mit dem 1906 begonnenen Abbau des Phosphates der Insel durch die englisch-deutsche Pacific Phosphate Company werden auch Einrichtungen für die nach Nau-ru geholten weißen und farbigen Arbeitskräfte geschaf-fen. Insbesondere werden Vorkehrungen in hygieni-scher Hinsicht getroffen. Eine Kanalisationsanlage mit Salzwasserbetrieb wird gebaut. Für die Krankenpflege sind die nötigen Hospitalbauten vorhanden. So schlep-pen für den Phosphatabbau angeworbene Zentralkaro-linier eine Augenkrankheit nach Nauru ein.

Eine Kondensationsanlage dient zur Gewinnung von frischem Süßwasser in regenarmen Zeiten. Auch Eis-maschinen, eine Sodawasserfabrik und Kühlräume so-wie elektrisches Licht sind vorhanden.

1907 werden 11.000 Tonnen Phosphat exportiert, 1910 sind es schon 142.000 Tonnen. 1913 werden 46 Dampfer abgefertigt, die 138.725 t Phosphat mitnehmen. Durch die Wetterbedingungen schwankt die Phosphatgewin-nung.

Die Phosphat-Gesellschaft beschäftigt 1913 auf Nauru um die 60 Weiße, 100 Chinesen und 650 Karoliner. 1914 sind es neben den Weißen 550 Chinesen und 500 Karoliner. Die Chinesen und Karoliner leben auf Nauru streng getrennt von der einheimischen Bevölkerung.


Der Abbau des Phosphats ist sehr einfach durch Tagebau zu bewerkstelligen. Die Ertragsfähigkeit ist allerdings sehr von der Witterung abhängig. Trockene Jahre brin-gen reichen Ertrag, regenreiche verlaufen ungünstiger. Die Gesellschaft ist nämlich vertraglich verpflichtet, Phosphat zu liefern, dessen Feuchtigkeitsgehalt fünf Prozent nicht übersteigt.

Da die künstliche Trocknung in den Trockenöfen den Betrieb sehr verlangsamt, wird in der Regel nur ein Teil des Phosphats künstlich getrocknet, der dann mit nur natürlich getrocknetem, von höherem Feuchtigkeits-gehalt vermischt wird. Je größer die Schwierigkeiten der natürlichen Trocknung durch feuchte Witterung, desto geringer der Ertrag.

Durch einfache, leicht versetzbare Bedachungen sucht man unter den unter Bearbeitung genommenen Gelän-destücken dieser Schwierigkeit Herr zu werden. Lang-anhaltende Trockenheit ist daher für die Phosphatge-winnung außerordentlich günstig, um so mehr leiden die Kokospalmen darunter und die Kopraausfuhr sinkt dann bis auf Null.

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Die Insel

Nauru ist die westlichste Insel der Gilbertgruppe und am Äquator gelegen. Die rundliche Insel hat eine Fläche von 20,1 Quadratkilometern und besitzt Höhen von bis zu 70 m, einen kleinen See, den Arenibek, und zahl-reiche Höhlen. Ein Riff von 150-300 m Breite umgibt die Insel. Nauru hat große Lager von Phosphat.

Die wichtigste Pflanze der Insel ist die Kokospalme, wel-che in einem äußeren und einem inneren Ring den Strand und den Binnensee Arenibek umsäumt. Sonst ist die Vegetation dürftig und besteht aus Pandanus, Papa-yas, Wassermelonen und den auf Koralleninseln ver-breiteten Sträuchern und Gräsern.

An Tieren finden sich auf der Insel nur Insekten und Seevögel.

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Ereignisse

Im August 1911 kommt es zu einem Streik auf den Mar-shall-Inseln, dem ersten Streik in ganz Deutsch Neugui-nea überhaupt.

Die Löhne auf den Marshall-Inseln zählen schon zu den höchsten im ganzen Schutzgebiet, aber aufgrund der günstigen Bedingungen für die Arbeiter zum Zeitpunkt des Streiks fordern sie eine Erhöhung des Tageslohns von zwei Mark auf vier Mark.

Die Streikenden nutzen einen günstigen Moment aus, als vor Jabor gleichzeitig drei Dampfer der Burns-Philp-Linie, der Motorschoner Atlas und der Reichspostdamp-fer Germania liegen und abgefertigt werden müssen. Die Forderung der Streikenden muß teilweise bewilligt werden.


Anfang Januar 1912 fährt der Kreuzer Cormoran die Atolle Eniwetok und Ujelang an. Der Stationsleiter von Jaluit hatte eine Requisition an den Kommandanten der Cormoran gerichtet, weil schwere Stürme über Eniwe-tok und das 120 Seemeilen nordöstlich davon gelegene Ujelang gezogen sein sollen und man will vorsichts-halber den Atollen einen Besuch abstatten, um die Lage dort zu erkunden. Es muß befürchtet werden, daß die Einwohner zu Schaden gekommen sind oder mindes-tens an Nahrungsmittelknappheit leiden. Der Komman-dant der Cormoran nimmt die Requisition an und so werden dem Kriegsschiff von der Regierungsstation Jaluit Proviant für diese Atolle mitgegeben.

Eniwetok hat eine Lagune von rund 1000 qkm Fläche mit einem Durchmesser von bis zu 37 Kilometern, die umsäumt ist von 40 Inseln mit zusammen 6 qkm Land-fläche mit einigen hundert Einwohnern. Am 3. Januar erreicht die Cormoran die Hauptinsel Eniwetok vom Atoll Eniwetok. Kommandant Paul Ebert schreibt über die Einfahrt in die Lagune:

»Obgleich wir hier nirgends unter 20 Meter Wassertiefe feststellten, war bis auf den Grund in dem kristallklaren Wasser alles auf das deutlichste erkennbar. Mehrfach boten sich aufregende Momente, wenn das Schiff, sich auf der langen Ozeandünung mächtig hebend und sen-kend, über riesige Korallenblöcke dahinfuhr, die dicht unter dem Kiel zu liegen schienen und deren Berührung für den braven Cormoran unfehlbare Vernichtung be-deutet hätte.«

Die Jaluit-Gesellschaft ließ die Inseln von den Eingebo-renen mit Kokospalmen bepflanzen. Die Bewohner wer-den zweimal jährlich mit Lebensmitteln versorgt und die Kopra abgeholt und so sind die früher unsicheren Ernährungsverhältnisse der Eingeborenen nun gesi-chert.

Kommandant Ebert: »Gegen achteinhalb Uhr früh ka-men wir dann glücklich nördlich der Hauptinsel [Eni-wetok] zu Anker, und ich begab mich alsbald mit einer Jolle in Begleitung einiger Offiziere und Leute an Land.

An der Landungsstelle war die etwa 40 Köpfe umfas-sende Einwohnerschaft mit ihrem Häuptling Piter ver-sammelt. Es war ein faules, habgieriges und ungefälliges Volk, das uns bei der Abfahrt nicht einmal beim Zuwas-serbringen unseres Bootes behilflich sein wollte. Teil-weise wurde noch die alte Mattentracht getragen, wie auch die Segelkanus noch mit Mattensegeln ausgerüs-tet waren. Von einem stärkeren Sturm hatte man nichts gemerkt. Eine Wanderung über die Insel zeigte uns in guter Verfassung dastehende Kokospflanzungen. Auf-fallend war die ziemlich beträchtliche Höhe der Insel – bis zu sieben Metern. – Geradezu jämmerlich waren die Wasserverhältnisse. Ein unsauberes, roh gebuddeltes Loch von etwa Metertiefe, mit schmutzigem Brackwas-ser gefüllt, diente gleichzeitig als Trink- und Wasch-platz. Für die Ungeheuerlichkeit dieses Zustandes schien unseren eingeborenen Begleitern jedes Ver-ständnis zu fehlen.

Auf der Rückfahrt zum Schiff wurden wir von einem schrecklichen Fliegenschwarm hartnäckig verfolgt, des-sen wir uns durch heftiges Schlagen und Wedeln mit den Kleidungsstücken zu entledigen suchten, um die Eindringlinge nicht mit an Bord zu schleppen.«

Die Cormoran erhält Besuch von einem Kanu von Eni-wetok-Bewohnern für ein Tauschgeschäft von tobacco gegen rote Korallenzweige. Gut mit Tabak versorgt klet-tern die Eniwetoker wieder in ihr längsseits angebunde-nes Kanu und freundlich winkend segeln sie heimwärts.

Am 4. Januar erreicht die Cormoran Ujelang, ein 13 See-meilen langes Atoll mit einem Dutzend Inseln und der Hauptinsel Ujelang. Der Erste Offizier geht mit einigen anderen Offizieren an Land und sie finden Herrn Schnuhr und seine Leute wohlauf. Ujelang ist allerdings von zwei schweren Stürmen getroffen worden. 850 Kokospalmen sind umgeweht und die Brotfrucht-bäume. Von allen stehen gebliebenen Palmen sind sämtliche Kokosnüsse und Blüten herabgeweht.

Herr Schnuhr ist sehr überrascht von dem Besuch. Nor-malerweise kommt einmal im Jahr Kapitän Olsen mit seinem Schoner der Jaluit-Gesellschaft vorbei, holt die Kopra ab und bringt Lebensmittel, Tabak, Mehl und Konserven. Als dem Deutschen klar wird, daß dieses Kriegsschiff tatsächlich seine Inseln anläuft, läßt er sich noch schnell die Haare von einer alten Frau schneiden, ein Junge wetzt währenddessen Rasiermesser und sucht die Seife, ein anderer weißt die ziemlich verschimmel-ten Schuhe mit Schlemmkreide und ein Mädchen holt den weißen Tropenanzug aus seiner Kiste und bügelt ihn schnell auf einer Decke auf dem Fußboden. Die Stube wird ausgefegt und die von den vielen Hühnern zerzauste nähere Umgebung der Hütte glatt gefegt und auch die Kanaker binden sich für den Staatsempfang ein Lavalava um. Schnell wird noch die schwarzweißrote Reichsflagge gehißt und schon ist auch das Boot des Kriegsschiffes am Landesteg.  

Normalerweise trägt Herr Schnur nur Lavalava und Strohhut auf seinem braungebrannten Körper. Er ist ganz und gar ein Südseeinsulaner geworden, der vor 28 Jahren Deutschland verlassen hat und seit 15 Jahren auf Ujelang wohnt. Er hat ein Palmenblätterhäuschen, das ihm völlig reicht, und Arbeiter aus Jaluit und Ponape für die Kokosplantage. Als König in seinem kleinen Insel-reich ist er bestens mit allem vertraut, er weiß, auf wel-cher Insel die Riesenschildkröten gefangen werden können und paßt auf, daß für seinen Mittagstisch, wenn von ihm gewünscht, eine Schildkröte serviert wird, ohne das der Bestand dadurch gefährdet ist. So weiß er wo die Kokoskrabben für seinen Speiseteller zu finden sind und Jams, Bananen und Kokosmilch gibt es genug. Auch Hühner werden gehalten und Fisch gibt es selbstver-ständlich auch genug und sein Dienstpersonal kümmert sich um alles.

Seine Tageszeitung ist sein Barometer, das er täglich ab-liest und danach sein Volk auf die verschiedenen Arbei-ten verteilt, wie Kokosnüsse öffnen, das Fleisch heraus-schneiden und zum Trocknen ausbreiten, Fischernetze flicken und dergleichen. So ist der Inselkönig glücklich mit seinem Leben und sein einziges ernsthaftes Pro-blem hat er auf seine Weise gelöst. Wenn der Schoner einmal im Jahr so im Juni vorbeikommt bringt er vier-hundert Flaschen Bier mit. Eigentlich reichen Schnuhr 365 Flaschen und in Schaltjahren 366. Aber der Schoner kommt natürlich nicht pünktlich und so hält er einen kleinen Biervorrat in Reserve. Das Problem ist nun die Kühlung des Bieres. Deshalb hat er in seiner einfachen Bretterhütte als einzigen Schmuck unter Glas und Rah-men eine Winterlandschaft an der Wand hängen. Davor ist ein kleines Wandbrett auf das morgens die schwarze Mary eine volle Bierflasche vor die Schneelandschaft stellt. Abends bildet sich der Inselherr dann ein, daß das Bier gut gekühlt zum trinken ist.

In diese glückliche Welt des Insulaners bricht nun das Kriegsschiff ein. Die Eingeborenen staunen, daß sich ihr Herr am Steg unbewaffnet den landenden Soldaten ent-gegenstellt. Erstaunt ist der Inselherr, daß es ein deut-sches Kriegsschiff ist, hat er doch in dieser Weltferne einen Kreuzer der meerebeherrschenden englischen Flotte erwartet.

Schnuhr führt die gelandeten Offiziere und Matrosen über seine Insel und schließlich sitzen die Offiziere mit ihm am Tisch. Die Herren der Handelsgesellschaft auf Jaluit hatten den Offizieren gesagt: „Der sitzt schon seit fünfzehn Jahren in Ujelang, der muß mal runter, das hält ja kein Mensch aus!“

„Also Herr Schnuhr, Sie kommen doch mit uns? Sie sind bis Ponape unser Gast. Sehen sie mal, so gut paßt das nie wieder. Sie bleiben dann in Ponape ein paar Tage, dann kommt gerade der Postdampfer, mit dem gehen sie nach Jaluit, und dann fahren Sie in sechs Wochen mit Käpt’n Olsen wieder zurück!“

„Nein, nein, das ist gänzlich ausgeschlossen. Sehen sie mal, auf Ponape und Jaluit sind lauter fremde Men-schen, – was soll ich dort, hab’ ja gar nischt dort ver-loren. – Und wer soll denn hier den Tabak an die Arbeiter verteilen, – nein, das ist gänzlich ausgeschlossen. Vielen Dank, aber lassen Sie mich, bitte, hier. Lassen Sie mich, bitte, in Ujelang! Was soll ich bei den fremden Men-schen?“

Zufälligerweise hatte Schnur für diesen Tag Auftrag ge-geben eine Riesenschildkröte und ein paar Kokoskrab-ben, die übrigens wie Hummer schmecken, zu holen und nun schenkt er diese Gaben der Natur mit einigen Eiern seinen Besuchern, die ihn natürlich auf seiner Insel belassen.

Der glückliche Schnur winkt dem davondampfenden Schiff noch lange mit seinem Strohhut frohe Abschieds-grüße nach.  

Die wertvollen meteorologischen Beobachtungen von Schnuhr für die Deutsche Seewarte in Hamburg werden vom Kommandanten der Cormoran der Seewarte zuge-stellt.

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Siedlungen

Jaboran

Jaboran ist die Europäer-Siedlung auf der Nordspitze der Insel Jabor im Jaluit-Atoll. Das Jaluit-Atoll besteht aus 91 Inseln mit 11 qkm Landfläche. Das Atoll umschließt eine Wasserfläche von 690 qkm. Jabor ist die größte Insel des Jaluit-Atolls. Jaboran liegt an der Südostdurchfahrt zur Lagune von Jaluit. Jaboran verfügt über mehrere Lan-dungsbrücken sowie eine Post- und Kohlenstation. Hier befindet sich die Hauptniederlassung der Jaluit-Gesell-schaft und Niederlassungen von Missionsgesellschaf-ten. Jaboran ist auch der Sitz der Regierungsstation für die Marshall-Inseln.

Die weiße Bevölkerung auf der Insel Jabor beläuft sich auf etwa 30 Personen. Es sind Regierungsbeamte, die Angehörigen der Missionen und die Angestellten der Jaluit-Gesellschaft, des einzigen europäischen Unter-nehmens, das auf Jaluit besteht.

Das ›Germania-Hotel‹ und die Wohnhäuser der Deut-schen bilden die Treffpunkte des gesellschaftlichen Lebens in Jaboran. Bei einem Bierabend beim Stations-leiter können auch eingeborene Häuptlinge mit ihren Frauen geladen sein und junge Mädchen führen Tänze unter Begleitung ihres Gesanges vor.

Am Strand von Jaboran entlang läuft eine Häuserreihe der Weißen und Hütten der Eingeborenen. Die Nieder-lassung der Eingeborenen liegt an der nördlichsten Spitze von Jabor mit der Residenz des alten Häuptlings Litokwa.

Die Hundehütten ähnlichen Aufbauten der Auslieger-boote, die auf den Booten als Schlafplätze dienen, sieht man auch häufig an Land vor den Hütten der Ein-heimischen stehen. Ein Weg nach Süden von Jaboran führt nur eine halbe Stunde wegs bis zur ›American town‹, eine verlassene Handelsniederlassung einer Firma aus San Francisco, wo die australische Burns-Philp-Linie ein Kohlenlager unterhält.

Von einem vor Jabor vor Anker liegendem Schiff kann man bis auf den Grund des durchsichtigen, klaren Was-ser der Lagune schauen und zahllose Schwärme von Fischen beobachten, darunter große, bläulich strah-lende Exemplare, die nachts wie ein Widerschein der Sterne im Wasser leuchten. Auch Seeschlangen kann man beobachten.

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Umsiedlungen I

Am 30. Juni 1911 erreicht die SMS Cormoran Ponape. Der Hauptgrund für das Erscheinen des Kriegsschiffes ist eine nochmalige Machtdemonstration gegenüber der einheimischen Bevölkerung nach dem Aufstand der Jokojs ein halbes Jahr vorher. Doch die Lage hat sich voll-kommen beruhigt und die Cormoran wird vom Bezirks-amtmann für eine anderweitige Angelegenheit ge-braucht, die aber auch im Zusammenhang mit dem Aufstand steht. Durch die Deportation der Dschokadsch-Leute auf die Palau-Inseln ist die dem Hafen von Ponape vorgelagerte Insel nun fast entvölkert und Bezirksamt-mann Regierungsrat Dr. Kersten will nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und die von Taifunen bedroh-ten Bewohner von kleinen Atollen nach Dschokadsch umsiedeln und so die Bewohner vor den Naturkatastro-phen schützen und gleichzeitig die Dschokadsch-Insel wieder besiedeln. Da die Umsiedlung freiwillig erfolgen soll sind Häuptlinge der östlich von Ponape liegenden kleinen Atolle Pingelap und Mokil beim Bezirksamt anwesend und haben sich erboten, einen Teil ihrer Stammesangehörigen zur freiwilligen Übersiedlung zu veranlassen. Es fehlt aber an Fahrgelegenheiten und so bittet Kersten den Kommandanten der Cormoran diese Aufgabe zu übernehmen. Paul Ebert, der Kommandant von Cormoran:

»Angesichts der Wichtigkeit der Angelegenheit ent-schloß ich mich, der Bitte des Bezirksamtmanns zu entsprechen und den Transport mittels Cormoran zu bewerkstelligen. Am Sonnabend, den 1. Juli, nahm ich im Bezirksamt an einer Versammlung teil, in der der Bezirksamtmann den Häuptlingen von Pingelap und Mokil in meiner Gegenwart die letzten Anweisungen gab; die Abfahrt dorthin wurde auf Dienstag, den 4. Juli, acht Uhr festgesetzt. Ein malerisches eigenartiges Bild, diese Versammlung: In der Mitte, auf Stühlen sitzend, der Bezirksamtmann und ich, zur Seite der Dolmetscher; am Boden im Halbkreis mit untergeschlagenen Beinen hockend die Häuptlinge, mit klugen, aufmerksamen Augen an den Lippen des Sprechers hängend, im Hin-tergrunde auf den Stufen der offenen Veranda der weib-liche Anhang der Abgesandten.«

Am 6. Juli holt die Cormoran 77 Umsiedler von den drei Inseln des Pingelap-Atolls ab. Mit ihren Kanus vollbe-laden mit Hausrat, Hunden, Schweinen und Hühnern steuern sie das Kriegsschiff an. Der Kommandant:

»Von nervigen Fäusten hilfsbereiter Matrosen wurde nach und nach die ganze braune Gesellschaft an Bord des Cormoran gezogen, wo sich das fröhliche Völkchen unter dem an Deck aufgespannten Sonnensegel bei gegenseitigem Necken und Scherzen bald unbefangen häuslich einrichtete. Der Sorge um die Verpflegung der Leute war ich enthoben, weil sie sich ihre aus Früchten bestehende Nahrung verabredungsgemäß selbst mitge-bracht hatten. Die Bekleidung der Frauen bildete meist das unter dem Einfluß der Missionare eingeführte, scheußliche Hemdkleid, bei den Männern ein europäi-sches Hemd und Hose; doch begnügten sich verschie-dene, besonders unter den jüngeren Leuten beiderlei Geschlechts, mit der ihnen weit bequemeren und im Hinblick auf das feuchte Klima auch gesünderen, Ober-körper und Beine freilassenden Lendenbekleidung.«

Auch die Kanus der Leute werden an Deck geholt.

Erst nach Einbruch der Dunkelheit kann die Cormoran die 14 Übersiedler von den drei Inseln des auch kaum aus dem Wasser ragenden Mokil-Atolls aus ihren drei Kanus an Bord nehmen. »Froh, glücklich an Bord ge-langt zu sein, gesellten sie sich zu ihren Freunden von Pingelap.« Am nächsten Morgen ist das Schiff wieder in Ponape-Hafen und entläßt seine Gäste in die neue Hei-mat.

Anfang Januar 1913 ist die Cormoran nach einer Tour durch die deutsche Südseeinselwelt wieder auf Ponape. Kommandant Paul Ebert: »Meine erste Sorge war, mich nach dem Ergebnis der Überführung der Leute von Pin-gelap und Mokil, die Cormoran bei unserem letzten Besuche durchgeführt hatte, zu erkundigen und die von den Einwanderern auf Dschokadsch angelegten Dörfer zu besuchen. Ich fand vier dieser Dörfer auf Dscho-kadsch vor. Die Dörfer machten einen sauberen, ordent-lichen Eindruck, der Wegebau war auf der Insel gut gefördert, die letztere selbst mit der Hauptinsel durch einen Fahrdamm verbunden. Allerdings hatten die Leu-te ein gewisses Heimweh nach ihrer Heimartinsel noch nicht überwunden, so daß mit einer wechselseitigen Hin- und Rückwanderung einzelner Ansiedlergruppen gerechnet werden mußte.«

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Aufstand auf Ponape

Als am 12. Oktober 1899 auf Ponape die offizielle Über-gabe der Ostkarolinen von Spanien an das Deutsche Reich stattfindet, flüstert zum Ende der Zeremonie der spanische Gouverneur seinem deutschen Amtskollegen zu, daß er glücklich sei die Insel zu verlassen, und wenn der neue deutsche Gouverneur seine Haut retten wolle, solle er auf sein Schiff zurückkehren und sofort abfah-ren.

Hatte die spanische Verwaltung auf Ponape 800 Solda-ten stationiert, im ständigen Kleinkrieg der Inselstäm-me gegen die Besatzer, so will die deutsche Verwaltung nach dem Kauf der Karolinen von Spanien 1899 die ge-gen die Weißen aufgebrachte Bevölkerung durch fried-liche Mittel gewinnen. Nur 46 farbige Polizeisoldaten werden auf Ponape stationiert und die spanische Fes-tung im Hauptort Kolonia wird für die Inselbevölkerung zum freien Zutritt geöffnet.

1908 glaubt die deutsche Verwaltung nun den nächsten Schritt gehen und die Insel im westlichen Sinne er-schließen zu können.

Georg Fritz, der bereits viele Jahre Erfahrung in der Ver-waltung der deutschen Südseeinseln gesammelt hat, ist ab April 1908 Bezirksamtmann für den Bezirk der Ostka-rolinen mit Dienstsitz auf der Insel Ponape. Die Bevölke-rung der Insel ist in rivalisierende Gebiete und Fraktio-nen gespalten; zudem gibt es erhebliche Auseinander-setzungen zwischen Katholiken und Protestanten. Gou-verneur Albert Hahl will das bislang geduldete einhei-mische Herrschaftssystem abschaffen und eine deut-sche Lokalverwaltung einführen. Die beschleunigte wirtschaftliche Erschließung Ponapes will er unter an-derem durch den Bau von Straßen fördern. Die für den Straßenbau vorgesehene Zwangsarbeit stößt auf den Widerstand der Einheimischen. So sieht die Ober-schicht Ponapes durch die deutschen Pläne auch ihre Privilegien gefährdet. Fritz will die Maßnahmen einver-nehmlich und in Verhandlungen durchsetzen. Zugleich fordert er aber auch zwei Kriegsschiffe des Ostasien-geschwaders an, um die Opposition einzuschüchtern. Als Fritz katholischen Missionaren vorwirft, die Unruhe zu schüren, wird dies im Reichskolonialamt mißbilligt, da es den politischen Katholizismus in Deutschland ge-gen die Kolonialpolitik aufbringe.

Zunächst muß ein Wegenetz auf der Insel angelegt wer-den, um die wirtschaftliche Erschließung des Inselin-neren zu ermöglichen. Die einheimische Bevölkerung soll diese Arbeiten durchführen, die ihnen ja auch selbst zugute kommt, und dafür wird sie steuer- und arbeits-pflichtig gemacht. Als erstes soll eine Schneise von der Nordküste zur Südküste geschlagen werden. Die Pona-pesen in ihrem Südseeparadies sind allerdings längeren anstrengenden körperlichen Arbeiten abgeneigt und verweigern den Dienst. Um den Willen der deutschen Verwaltung durchzusetzen wird Ende Oktober 1908 das Kanonenboot Jaguar nach Ponape entsandt mit dem Auftrag, dort »Flagge zu zeigen, um die aufmüpfigen Ponapesen zur Raison zu bringen«. Das Kriegsschiff hält sich mit kleineren Unterbrechungen etwa fünf Monate an der Insel auf. Seine Anwesenheit und die Märsche seines Landungskorps im Inselinneren reichen, um den Arbeitseinsatz der Ponapesen beim Bau der Nord-Süd-Wegeschneise zu erzwingen. Auch die Polizeitruppe wird vorsichtshalber auf 150 Mann verstärkt.

Im Oktober 1909 wird Georg Fritz in Ponape abgelöst und übernimmt auf Jap das Amt des Bezirksamtmanns der Westkarolinen. Während Fritz im Konflikt in Pona-pe kompetent, sorgfältig und verständnisvoll gewirkt hat, ist sein Nachfolger aus seiner vorherigen Amtstätig-keit in Deutsch Ostafrika eine härtere Gangart gewohnt. Regierungsrat Carl Boeder will die Maßnahmen auf Ponape gewaltsam durchzusetzen. Als im Juli 1910 das Ostasiatische Kreuzergeschwader mit seinen vielfach größeren und mächtigeren Schiffen als es die Jaguar ist, die Insel besucht, scheint alles friedlich auf der Insel. Der unterschwellige Haß auf die Deutschen mit ihrem Arbeitszwang für den Wegebau macht sich aber bald Luft.

Auf der kleinen Felseninsel Dschokatsch, die der Nord-küste Ponapes vorgelagert und von dieser nur durch ei-nen schmalen Meeresarm getrennt ist, wird im Sommer 1910 mit dem Bau eines Uferweges begonnen, der Dschokatsch über eine Holzbrücke mit der Hauptinsel verbinden soll. Das Vorhaben geschieht im Rahmen des Inselerschließungsplans, der vorsieht entlang der Küste Ponapes Wege anzulegen, da sonst ein Verkehr zwi-schen den fast ausschließlich an der Küste liegenden Dörfern nur mit Booten möglich ist. Besonderen Wert legt Boeder dabei auf die Verkehrsanbindung der bisher schwer zugänglichen Dschokatschinsel, »von jeher Tummelplatz des unruhigsten Stammes der Jokojs und die Zufluchtsstätte unzufriedener Elemente«, die hier, in den Felsenhöhlen der Insel, ihre geheimen Sitzungen abhalten. Unzufrieden mit der Zwangsarbeit sind die nun schon seit einigen Wochen am Bau dieses Weges tätigen Jokojs. Sie verrichten diese Arbeit zur Abgeltung der ihnen von der Verwaltung auferlegten Steuern. Der Weg soll die Missionsstation auf Dschokatsch mit der Holzbrücke verbinden, welche den Übergang über den schmalen Sumpfkanal nach Ponape ermöglicht.

Am 17. Oktober 1910 verweigert eine Gruppe der Jokoj-Leute sich den beiden deutschen Wegebauaufsehern Hollborn und Häfner. Bezirksamtmann Boeder, der zu-vor in Afrika im Kolonialdienst gewesen war, glaubt sich am Besten durch scharfes Durchgreifen Respekt ver-schaffen zu können und läßt dem aufsässigsten Jokoj zehn Stockschläge verpassen. Damit beginnt am nächs-ten Tag der Aufstand, bei dem auch Boeder umkommt, der gleich nach Erhalt der Nachricht von der Unbot-mäßigkeit bewaffneter Jokojs am Morgen des 18. sich unbewaffnet mit seinem Sekretär Braukmann auf einem Ruderboot zur Insel Dschokatsch begibt, um „auch hier wie in Afrika durch persönliche Tapferkeit die Leute einschüchtern zu können.“ Doch Boeder wird gleich erschossen und Braukmann, Hollborn und Häfner und die als Arbeiter angeworbenen Ruderer von den Mort-lockinseln in Boeders Boot werden auch erschossen oder mit Haumessern niedergemacht. Nur ein Ruderer Boeders kann fliehen.

Der Pater Gebhardt der Missionsstation auf der kleinen Insel Dschokatsch und dessen Besucher, ein weiterer Missionspater, werden von den Frauen der Jokojs vor der Ermordung durch die Krieger errettet.

Die ›Kolonie‹ ist das deutsche Wohngebiet innerhalb der alten spanischen Festungsmauer und nun wird als erstes von den Deutschen die weitgehend geschleifte spanische Festung in Kolonia verteidigungsbereit ge-macht. Zwei Drittel der Mauern sind abgetragen, Tore und Zugbrücken verschwunden, die Gräben mit Schutt und Erde aufgefüllt und eine Decke mit Gräsern und Blumen darüber angelegt. Die zwei Kilometer lange Verteidigungslinie wird an den gefährdetsten Stellen mit Stacheldraht geschützt und Gräben werden an-gelegt. In Kolonia stehen nur 50 Polizeisoldaten zur Verteidigung zur Verfügung, aber die deutsche Verwal-tung hat schon am 19. Oktober 470 Krieger loyaler ein-heimischer Stämme in Kolonia versammelt, während die Jokojs nur etwa 200 Krieger aufbieten können. Das Waffendepot wird geöffnet und Gewehre und Karabiner an die 470 Mann verteilt.

Die Jokojs wagen sich nicht an die Festung von Kolonia heran, führen aber nun nächtliche Feuerüberfälle auf die Festung durch, während die Deutschen auf das Ein-treffen des Regierungsdampfers warten, da die nächsten Telegraphenstationen tausende Kilometer von Ponape entfernt liegen und unerreichbar sind. Erst mit dem Eintreffen des Regierungsdampfers kann die Meldung vom Aufstand weitergeleitet werden, um dann mit den ankommenden Verstärkungen zum Angriff überzuge-hen.

Eines Tages bekommt der deutsche Kommandeur Regierungsarzt Medizinalrat Dr. Girschner, der nach dem Tode Boeders die Herrschaftsgewalt übernommen hat, von Jomatau, dem Anführer der Jokojs, einen Brief gesandt, der die Übergabe aller Waffen und der Muni-tion verlangt. »Ich verspreche Euch bei der Unschuld meiner Seele, daß Euch dann kein Haar auf dem Kopfe gekrümmt werden soll.“ wie Jomatau schreibt. Girsch-ner stellt als Gegenforderung die Auslieferung der Schuldigen am Aufstand, die Auslieferung aller Schuß-waffen und der Leichen der ermordeten Deutschen. Die Jokojs antworten mit einem erfolglosen nächtlichen Sturmangriff.

Am 26. November kommt der Dampfer Germania in Kolonia an. Die Germania fährt sogleich wieder ab, um die Meldung vom Aufstand in Ponape nach Rabaul zu bringen. In Rabaul beginnt sofort die Mobilisierung aller vorhandenen Kräfte und mit 68 Polizeisoldaten unter dem Kommando des stellvertretenden Gouverneurs von Neuguinea, Regierungsrat Oßwald, dampft die Ger-mania zurück nach Ponape. Am 13. Dezember trifft dann auch der Dampfer Siar mit 70 Polizeisoldaten in Ponape ein und nun können die ponapesischen Krieger belohnt und entlassen werden.

Am 13. Dezember geht auch als erstes Kriegsschiff die Cormoran von Rabaul aus auf Fahrt nach Ponape. An Bord werden bereits alle Vorbereitungen für die Ausrüs-tung und Kampfbereitschaft des Landungskorps des Schiffes getroffen. Auf dem Oberdeck werden die not-wendigen Arbeiten erledigt. Auf dem Vordeck werden Säbel und Seitengewehre mit Schleifsteinen geschliffen, an der Steuerbordseite wird eine Färberei eingerichtet, die in einem großen Holzbottich weißes Drillichzeug in eine eben nach Kakao duftende Kakaobrühe taucht, für ihre Verwandlung in dunkelbraune Khakianzüge für den Dschungelkrieg. Die beiden Bordschmiede erledi-gen alle Arbeiten an Waffen und Material. An Backbord außenbords, vom Fallreep zu einer an einer Spiere auf-gehängten Schießscheibe, wird Pistolenschießen geübt.

Am 19. Dezember legt die Cormoran neben der Ger-mania an. Die Cormoran beginnt mit der navigatori-schen Vermessung des Gewässers rings um Dscho-katsch für eine gesicherte Anfahrt der noch erwarteten Kriegsschiffe für die völlige Einschließung und Beschie-ßung der Insel. Die Boote des Kriegsschiffes loten das Küstengewässer aus und wird ein Boot von Dschokatsch aus beschossen eröffnet der Kreuzer das Feuer auf die Schützen.

Ab dem 24. Dezember gehen Polizeisoldaten und Lan-dungskorps auf Streifzüge durch Ponape, um die Jokojs vollständig von Ponape zu vertreiben und nach Dscho-katsch zu zwingen und die deutsche Herrschaft auf Ponape zu demonstrieren. Siedlungen und Plantagen der Aufständischen auf Ponape werden vernichtet.

Das leicht bewaffnete Vermessungsschiff der Südsee-station, die Planet, trifft am 3. Januar 1911 ein und unter-stützt die Cormoran bei den Vermessungsarbeiten. Die beiden Kleinen Kreuzer Emden und Nürnberg des Ost-asiatischen Kreuzergeschwaders erreichen Ponape am 10. Januar.

Die Jokojs haben sich nun auf der Felseninsel Dscho-katsch verschanzt und das beim Wegebau verwendete Dynamit für die Brechung von Gestein für Schutz-mauern und für die Bereitstellung von Steinen zum Hinabrollen auf Angreifer auf den Felsen genutzt. Aus dem Dynamit fertigen sie auch Handgranaten.

Die Deutschen ihrerseits bereiten die Erstürmung der Insel vor. Der Sturm auf Dschokatsch beginnt am 13. Januar 1911 mit einem Artilleriebeschuß durch die Kriegsschiffe. Dann stürmt das Landungskorps des Klei-nen Kreuzers Nürnberg und eine durch Bordpersonal der Nürnberg verstärkte farbige Polizeikompanie die Felseninsel. Der Sturmangriff ist so erfolgreich, daß die Verteidigung schnell zusammenbricht und auch die Dynamit-Handgranaten nicht zum Einsatz kommen. Gegen Abend haben die deutschen Truppen kämpfend den höchsten Gipfel der Insel erreicht.

Es ergeben sich 140 Männer, Frauen und Kinder, aber der Masse der Jokojs gelingt eines nachts der Ausbruch von der Insel – trotz der deutschen Belagerung zu Lande und zu Wasser. Dschokatsch ist zwar von deutschen Kriegsschiffen umringt, die nachts die Wasserflächen mit ihren Scheinwerfern ableuchten, dennoch gelingt es den Jokojs nach Ponape zu entkommen. In einer stock-finsteren mondloser Nacht gehen die Jokojs mit Frauen und Kindern, Waffen und Munition auf der Ponape abgewandeten Seite von Dschokatsch ins Wasser. Sie schwimmen durch die Brandung des vorgelagerten Riffs ins offene Meer mit seinen Haien, womit sie die inner-halb des Riffs liegenden deutschen Kriegsschiffe und ihr Scheinwerferlicht umschwimmen. Sie landen schließ-lich Meilen entfernt auf Ponape und verschwinden im Busch. Eine gewaltige Leistung der Jokojs.

Die Jokojs müssen nun auf Ponape gestellt werden. Alle nun noch von den Aufständischen zur Lebensmittelver-sorgung nutzbaren Plantagen von Bananen, Jams und Taro werden jetzt systematisch zerstört, wobei bei Bäu-men nur die Früchte der Bäume vernichtet werden, nicht aber die Bäume selbst, um sie in Zukunft wieder als Fruchtbäume nutzen zu können.

Der neue Bezirksamtmann auf Ponape, Regierungsrat Dr. Hermann Kersting, beruft eine Versammlung aller Häuptlinge der Insel ein und befiehlt ihnen »bei An-drohung der schärfsten Strafe im Nichtbefolgungsfalle, ihr gesamtes Volk unentwegt auf den Beinen zu halten und jede Spur von den Dschokatschleuten in ihrem ei-genen Gebiet festzuhalten und sofort nach der Kolonie zu melden«. Gleichzeitig durchstreift das Landungs-korps der Kriegsschiffe mehrmals erfolglos die Insel. Dann kommt der entscheidende Hinweis eines Häupt-lings: Die Jokojs verschanzen sich auf dem Nankiopberg. Am 26. Januar erfolgt der Angriff auf den Berg. Die Jokojs haben die noch aus der spanischen Zeit stammenden Befestigungen und Wälle instandgesetzt. Von zwei Sei-ten stürmen Landungskorps und Polizeisoldaten in schwerem Kampf durch das ansteigende Urwaldgelände bis zum Gipfel, aber der Gegner entkommt durch ihm bestens bekannte Fluchtwege erneut. Doch durch die Erstürmung auch dieser Festung ist die Moral der bisher noch die Dschokatschleute unterstützenden Bevölke-rung der Insel gebrochen.

Vom Bezirksamt werden auf einer Karte alle von Einge-borenen gemeldeten Plätze im Inneren der Insel fest-gehalten, die den Rebellen Nahrung liefern können, und diese Plätze werden gezielt von den Landungskorps der Schiffe und den Polizeisoldaten angegangen, um die letzten Jokojs zu fassen. Die verstreut durchs Land strei-fenden Jokoj-Krieger ergeben sich nun nach und nach. Je geringer aber die Zahl der Rebellen wird, desto schwieriger wird es, die letzten zu fangen. Für die wei-tere Verfolgung der verbliebenen freien Jokojs soll der Begleitdampfer des Ostasiatischen Geschwaders, die Titania, die die Kriegsschiffe vor Ponape versorgt, nach Tsingtau geschickt werden, um Proviant und vor allem Schuhzeug für das Landungskorps und die Polizeisol-daten zu holen. Doch dazu kommt es nicht mehr, da sich der Anführer der Jokojs, Jomatau, mit seinen letzten fünf Getreuen am 13. Februar stellt.

Am 23. Februar 1911 werden von einem Kriegsgericht in Kolonia, dem Vertreter der Schiffe, der Kolonie und der Mission angehören, unter Vorsitz von Regierungsrat Dr. Kersting 15 Jokojs, die an den Morden am 18. Oktober be-teiligt waren, zum Tode verurteilt. Sie werden am nächs-ten Tag von Polizeisoldaten hingerichtet, aber nicht un-ehrenhaft durch den Strang, sondern ehrenhaft durch Erschießen. Zwei weitere bereits nach Jap deportierte Jokojs werden dort erschossen. Die übrigen Angeklagten werden zur Zwangsarbeit in die Phosphatminen der Palau-Insel Angaur verbannt und die Familien auf die größte Palau-Insel, Babeltaob, verbracht. Der Versor-gungsdampfer Titania bringt die lebenslänglich Ver-bannten nach Palau.

Der neu eingetroffene Kleine Kreuzer Condor über-nimmt die Sicherung der Insel, während alle anderen Kriegsschiffe Ponape wieder verlassen. Der Einsatz der Kriegsmarine Anfang 1911 auf Ponape ist der letzte Kampf deutscher Kriegsschiffe gegen aufständische Eingeborene in den deutschen Kolonien.

Der Landbesitz der Jokojs wird Regierungseigentum oder an treue Stämme verschenkt, die in der Aufstands-zeit auf deutscher Seite gestanden haben. Von der deut-schen Verwaltung wird ein Friedhof für die Gefallenen angelegt.

Die Gesamtzahl an Toten des Aufstandes beträgt vier er-mordete Deutsche und sechs diese begleitende Eingebo-rene, die beim Aufstandsbeginn von den Aufständi-schen getötet wurden, wofür an der Teilnahme an den Morden siebzehn Jokojs hingerichtet wurden; die Ver-luste im Kampf sind auf Jokojseite etwa 6-10 Krieger und auf deutscher Seite drei deutsche Marinesoldaten und zwei einheimische Polizeisoldaten. Im Verhältnis zur Niederschlagung anderer kolonialer Aufstände sind die Menschenverluste also als minimal zu bezeichnen.

Anfang Juli 1911 ist der Kreuzer Cormoran zu Besuch in Ponape, auch um erneut militärische Stärke zu zeigen, aber die Lage ist vollkommen beruhigt. Am 3. Juli wird für die drei deutschen Gefallenen, die alle am 26. Januar am Nankiopberg fielen, ein gemeinsamer Grabstein feierlich enthüllt. Alle Weißen der Kolonie und der benachbarten Missionsstationen nehmen teil, während eine große Menge Eingeborener der Zeremonie zu-schaut. Reden werden gehalten und der Nachfolger eines im Kampf auf Ponape gefallenen Cormoran-Offiziers führt dabei die Ehrenkompanie der Cormoran, die einen Parademarsch vorführt und drei Salven übers Grab feuert.

Georg Fritz, der bis ein Jahr vor dem Aufstand Bezirks-amtmann auf Ponape war, benennt in seinem 1912 er-schienenen Buch Ad majorem Dei Gloriam! Gouver-neur Hahl und Bezirksamtmann Boeder als die Haupt-schuldigen für den Ausbruch des Aufstands. Zugleich behauptet Fritz nur durch katholische Propaganda hät-ten sich die Unruhen entwickeln können. Bereits Ende 1909 hatte Fritz gegen den Apostolischen Präfekten für die Karolinen- und Palauinseln Klage erhoben, der Fritz Feigheit vorgeworfen hatte. Im März 1913 wird der Prä-fekt wegen »verleumderischer Beleidigung unter An-nahme mildernder Umstände« zu einer Geldstrafe ver-urteilt.

Die Ursache des Aufstandes, der Wegebau auf der Insel, wird nach dem Aufstand zügig weitergeführt. Dscho-katsch wird mit einem Fahrdamm mit Ponape verbun-den und im Januar 1913 ist der Kommandant der Cormoran auf der Insel und berichtet: »Von dem guten Wegebau auf Ponape überzeugte ich mich auf einer Fußtour, die ich nach der Missionsstation Auak an der Nordküste unternahm, wobei bei Nanukum ein breiter Wasserarm auf einer erst eben fertiggestellten Brücke überschritten wurde. Bei diesen Arbeiten hatten sich die Ponapesen unter Anleitung eines geschickten und ruhig-wohlwollenden deutschen Technikers als fleißige und anstellige Leute erwiesen.«

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Leben und Ereignisse XI

Im Mai 1901 besucht Georg Fritz in seiner Eigenschaft als Bezirksamtmann der Marianen vom Hafen Tanapag auf Saipan aus die nördlichen Marianen auf dem japa-nischen Schoner Tora maru. Die nördlichen Inseln sind reine Vulkaninseln mit fast keiner Besiedelung und we-nig wirtschaftlichen Aktivitäten, und wenn meist Kokos-plantagen. Der Chamorro Ada, Pächter der Insel Pagan, begleitet den Bezirksamtmann und berät ihn auch in wirtschaftlichen Fragen.

Über seinen Besuch auf der Insel Agrigan schreibt Bezirksamtmann Fritz:

»Ich besuchte mit dem Boot den nördlichen Theil der Westküste, wo besonders reiche Kokosbestände sind. Die Landung an der felsigen Küste ist schwierig; schwa-che Korallenbildungen sind hier sichtbar. Der Orts-schulze der Insel berichtete mir, dass am 12. April 1901 das österreichische Kriegsschiff Donau, Kapitän Anton Haus, hier vor Anker gegangen sei. Offiziere und Mann-schaften kamen an Land und wurden nach Möglichkeit und Landessitte gut aufgenommen.«

Nach dem Besuch der Insel Maug geht die Fahrt mit dem Segler weiter nach Uracas, der 37 Seemeilen nord-westlich von Maug entfernten nördlichsten Marianen-insel. Fritz:

»Mit reicher Beute an Kokoskrabben, Waldhühnern, Fischen kehrten wir an Bord zurück.

Ich halte Maug für geeignet, in den künftigen Zeiten eines regeren Schiffsverkehrs einen guten und sichern Nothafen abzugeben.

Bald nach dem verlassen von Maug wurde am nächt-lichen Himmel die leuchtende Rauchsäule von Uracas sichtbar. Zwischen den spärlichen Trümmern einer älteren Insel ist ein mächtiger Vulkan aufgestiegen. Sein Gipfel ist nicht sichtbar, dichter Rauch senkt sich bis zur halben Bergeshöhe. Vor nicht langer Zeit muss ein Aus-bruch stattgefunden haben, denn die Hänge und das vorgelagerte Lavafeld zeigen noch keine Spur einer Vegetation. Nur die rothen Felsen der alten untergegan-genen Insel sind mit spärlichem Pflanzenwuchs beklei-det.

Einen Strand oder eine bequeme Landungsstelle konn-ten wir nicht finden, doch waren wir nun daran ge-wöhnt, aus dem in der Brandung tanzenden Boot auf einen schlüpfrigen Felsen zu springen. Eine Besteigung des Vulkans wäre zwecklos gewesen; unser Besuch galt lediglich jenen rothen und weissen Felsen, an deren Fuss sich eine schwache Verwitterungsschicht zeigte, in die 100 Kokosnüsse, Kasuarinen, verschiedene Gras-sorten u.s.w. gesät wurde.

Zahlreiche Seevögel legen ihre Eier ohne Nester auf den nackten Boden, der bedeckt ist mit Jungen aller Alters-stufen. Unter ihnen viel mir ein grosser flugunfähiger, oder wenigstens im Fluge sehr unbeholfener grosser Seevogel auf, der bei unserer Annäherung sein einziges Ei oder sein Junges verliess und über die Lavaschollen davonhüpfte. … Ich vermute in dem Vogel eine grosse Seltenheit. Den Eingeborenen war er völlig unbekannt, nur einer von ihnen, der früher einige Monate auf Assongsong war, behauptete, auch dort ihn gesehen zu haben.

Am 15. Mai trat die Tora maru die Rückreise an; denn so gern ich und meine Begleiter die unserer Kentniss noch fehlenden Inseln los Jardines im Osten, Lindsay und Anson im Westen der Marianenkette aufgesucht hät-ten, ich musste mir sagen, dass ein Segelschiff ein unge-eignetes Fahrzeug sei, um Entdeckungsreisen nach verlorenen, von den ersten Entdeckern geographisch falsch bestimmten Inseln zu machen, die von Dampfern schon vergeblich gesucht wurden.

Am 20. Mai ging der Schuner wieder im Hafen von Tanápag vor Anker.«

Nach seiner Inspektionsreise in die nördlichen Mari-anen sendet der Bezirksamtmann »getrocknete Exem-plare« von dort gesammelten Pflanzen und »Boden und Gesteinsproben, ferner Guano von Medinilla, Salpeter von Guguan, Wasser aus den warmen Quellen von Alamágan« zur Untersuchung nach Deutschland.


1912 passiert der Kleine Kreuzer Cormoran Uracas. Sein Kommandant Paul Ebert schreibt darüber:

»Am Sonntag, dem 21. Juli mittags erreichten wir Uracas, die nördlichste [Insel] der Marianen, mit einem tätigen Vulkan. Langsam umfuhr ich die Nordseite der Insel, um festzustellen, ob japanische Vogelfänger, die zuwei-len sich auf der Insel aufhalten sollen, sichtbar wären. In der Tat erkannten wir auch einige halbzerfallene Hüt-ten, die aber offenbar schon seit längerer Zeit nicht mehr benutzt waren. Spärliche Kolonien brütender See-vögel, die früher in größeren Mengen dort vorhanden gewesen sein sollen, unter denen aber die Japaner offen-bar stark aufgeräumt hatten, wurden gesichtet.«

Am 22. Juli erreicht die Cormoran die 47 qkm große Insel Pagan und ankert im Apaan-Hafen an der West-küste der Insel. Paul Ebert:

»Gleich nach dem Ankern kam ein etwas Deutsch sprechender Halbblutmann an Bord, ein Aufseher der Pagan-Gesellschaft, der sich dort mit siebzehn farbigen Arbeitern und deren Frauen und Kindern aufhielt. Un-ter dessen Führung begab ich mich mit einigen Offi-zieren und dem Schiffsarzt an Land. Letzterer fand Gele-genheit, einige Kranke zu behandeln. Die ganze Nieder-lassung bestand nur aus wenigen Arbeiterhütten. An einer Flaggenstange auf der Kalea-Halbinsel war die deutsche Flagge gehißt. Der Boden bestand hier überall aus schwarzem, schweren Lavaland. Eine halbstündige Wanderung brachte uns an den nördlich der Ansied-lung liegenden, nur durch einen schmalen Landstreifen von See getrennten, 350 Meter langen, 150 Meter breiten und 20 Meter tiefen See, der mit schwefel-haltigem Brackwasser gefüllt war. Um 11 Uhr 30 gingen wir wieder an Bord. Sofort wurde Anker gelichtet.«

Die Cormoran fährt weiter zur Regierungsstation Gara-pan auf Saipan auch um mit seinem Vermessungs-detachment den Korallenhafen von Tarapag von Gara-pan zu vermessen. Ebert:

»Der Stationsleiter, Herr v. Heynitz, war leider auf Dienstreise abwesend; sein Vertreter war ein neuer Regierungsarzt Dr. Saalecker. Er und seine Gattin luden uns zu einem abends im festlich geschmückten Amts-gebäude veranstalteten Chamorro-Ball. Dort lernte ich den Chamorro Ada kennen, einen intelligenten Mann, Teilhaber der Pagan-Gesellschaft, dessen Sohn fünf Jahre in Deutschland erzogen war.«


Georg Fritz, der Bezirksamtmann der Marianen, ist sehr an den Marianen und der Kultur der einheimischen Chamorro interessiert und schreibt darüber. So er-scheint 1902 in Berlin sein Beitrag Reise nach den nördlichen Marianen in den Mittheilungen von For-schungsreisenden und Gelehrten aus den deutschen Schutzgebieten. 1903 veröffentlicht er eine Chamorro-Grammatik in den Mitteilungen des Seminars für Orientalische Sprachen an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und 1904 ein Wörterbuch der Sprache der Chamorro.


Im Mai 1909 treffen der Kleine Kreuzer Arcona und das Marineversorgungsschiff Titania von Samoa kommend in Garapan ein. Sie haben die Aufständischen an Bord, die von der einheimischen Häuptlingsversammlung von Deutsch Samoa verbannt worden sind und welche nach Saipan in Verbannung gehen. Lauati, der Aufstandsfüh-rer gegen den traditionellen einheimischen Herrscher auf Samoa, sein Bruder und fünfzehn weitere führende Aufständische werden mit ihren Familien von den deutschen Kriegsschiffen nach Saipan gebracht und auf der Insel angesiedelt.


Garapan auf Saipan ist der Sitz der Station der Marianen und das kulturelle Zentrum der wenigen Deutschen auf der pazifischen Inselgruppe. Mit seinen weißen Häusern und gelben Eingeborenenhütten schmiegt sich Garapan an die grünen Hügel an. Das Amtsgebäude der Station dient gleichzeitig auch als Veranstaltungsort zum Bei-spiel für Bälle im dann festlich geschmückten Gebäude.

Im Juli 1912 liegt der Kleine Kreuzer Cormoran vor Anker bei der Regierungsstation Garapan. Das im Juni neu an Bord gekommene Vermessungsdetachment des Schiffes – es war auch gerade erst aus Deutschland ein-getroffen – vermißt den nördlich vom Ankerplatz der Cormoran liegenden Korallenhafen Tanapag. Der Kom-mandant des Kriegsschiffes besucht bei dem Saipan-Aufenthalt auch das Dorf der 1909 nach den Lauati-Unruhen auf Samoa nach Saipan verbannten Samoaner.