Malaria ist die Hauptkrankheit der Weißen, übertragen von der Anopheles-Mücke. Deshalb werden die Wohn-häuser der Weißen, so weit möglich, an luftigen Plätzen, am besten am Meer, erbaut, um im ständigen Luftzug der spätestens bei Einbruch der Dunkelheit einsetzen-den Moskitoplage Herr zu werden. Die kleinen Mücken kommen schwer gegen den Luftstrom an.
Ausgerechnet ist auch Neuguinea eine Gegend mit der schlimmsten Malaria. Die Neuankömmlinge in der Ko-lonie bekommen etwa drei Wochen nach der Ankunft ihren ersten Malariafieberanfall. Der normale Mittel-wert bei Europäern liegt bei 10 bis 15 Anfällen pro Jahr. Es gibt Fälle wie der Missionar Nebe in Stephansort in Neuguinea, der gleich beim ersten Anfall das Bewußt-sein verliert und stirbt.
Das einzige wirksame Mittel gegen die Malaria ist Chi-nin, das aus der Rinde einer Baumart gewonnen wird, die in Mittelamerika beheimatet ist, aber nun auch in anderen dem Baum zuträglichen Weltgegenden ge-pflanzt wird. Ist die regelmäßige Einnahme schon vor der Einreise in ein Malariagebiet geboten wird diese Verhaltensmaßnahme von den wenigsten wirklich be-folgt und der bittere Geschmack der Medizin fördert ihre Anwendung auch nicht. Deshalb schlucken die Weißen das Chinin, ein weißes Pulver, oft mit Oblaten oder in Weinbrand aufgelöst – in Wasser ist es nicht löslich – aber auch dann noch schmeckt es schlecht ge-nug. Außerdem kennt niemand die richtige Dosierung, auch kein Arzt oder Wissenschaftler, sodaß selbst bei regelmäßiger Anwendung eine wirkliche Vorbeugung nicht gegeben ist. Auch gibt es unangenehme Begleit-erscheinungen wie starkes Ohrensausen und Benom-menheit. So wird das Pulver oft erst während eines Fieberanfalls, und dann nicht selten in offensichtlichen Überdosen, geschluckt und danach dann in Sorglosig-keit wieder abgesetzt oder gleich der regelmäßige Fieberanfall in Kauf genommen.
Malaria scheint in Zusammenhang zu stehen mit dem zuweilen folgenden Schwarzwasserfieber. Das Schwarz-wasserfieber zeigt sich in einem Nierenversagen mit blutigem Urin und meist tödlichem Ausgang, doch die Wissenschaft kennt die Ursache für das Schwarzwas-serfieber noch nicht. Es wird aber schon vermutet, daß ausgerechnet Chinin, wahrscheinlich Überdosen, die Ursache für das Schwarzwasserfieber sein könnte und 1914 steht in dem im Druck befindlichen Deutschen Kolonial-Lexikon als erste Maßnahme beim Schwarz-wasserfieber: Aussetzen mit Chiningaben.
Über die gesundheitlichen Verhältnisse in Deutsch Neuguinea schreibt der Völkerkundler Karl Sapper: »Habe ich doch 1908 in Südneumecklenburg eine an-sehnliche Landstrecke getroffen, deren gesamte Bevöl-kerung bis auf ganz wenige Leute, die sich noch durch Flucht retteten, durch eine ansteckende Krankheit (wohl Dysenterie) in kürzester Zeit zum Aussterben ge-bracht worden war, und in dem benachbarten Küsten-dorf King herrschte zur Zeit meiner Anwesenheit Dysenterie in solchem Maße, daß eine ganze Anzahl von Hütten bereits völlig ausgestorben war und das im Angesicht der damaligen Hauptstadt Herbertshöhe, wo man von dem Wüten der Epidemie wohl unterrichtet, aber nicht helfen konnte, weil kein Arzt disponibel war, der über den Sankt Georgskanal hätte herübergeschickt werden können.
Nun ist freilich in der Zwischenzeit manches besser geworden, und als 1911 in der neugegründeten Station Manus (Admiralitätsgruppe) der weiße Heilgehilfe das Opfer der in der Umgebung wütenden Dysenterie ge-worden war, konnte von Rabaul aus alsbald ein Arzt und ein Sanitätsgehilfe zur Bekämpfung der Seuche abge-schickt werden. Trotzdem aber breitete sich 1912 die Seuche noch aus und hörte erst im Juni dieses Jahres [1913] auf, nachdem ihr wohl 1200 Eingeborene zum Opfer gefallen waren. Und wenngleich die günstigere Finanzlage des Schutzgebiets in der Hauptsache der sanitären Fürsorge neben dem landwirtschaftlichen Versuchswesen zugute kommen soll, so ist doch eine zufriedenstellende ärztliche Hilfe in allen Teilen des Schutzgebiets noch auf sehr lange Zeit hinaus nicht er-reichbar, denn bei der außerordentlichen Landzersplit-terung, die in Deutsch-Neu-Guinea herrscht, und den großen Verkehrsschwierigkeiten ist es natürlich un-möglich, jedem Inselchen seinen eigenen Arzt oder weißen Sanitätsgehilfen zu geben oder jedem Dorfe ärztliche Hilfe von den Stationsorten aus zuzuschicken. Da ist es denn mit größter Freude zu begrüßen, daß in neuester Zeit damit begonnen worden ist, die Eingebo-renen selbst zur Bekämpfung der Krankheiten und zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse zu benut-zen. Es geschieht dies durch Ausbildung von ›Heiltultul‹ [Tultul ist ansonsten der Titel des jedem Dorfhäuptling beigegebenen Gemeindedieners], das heißt Eingebore-nen, die in den Krankenhäusern einige Monate unter ärztlicher Leitung in die Grundbegriffe der Kranken-pflege und Heilkunst eingeführt werden und nach der Entlassung in ihrer Heimat Wunden und leichtere Krankheiten behandeln, schwere Erkrankungen aber der Behörde melden sollen. Im Bezirk Käwieng (Nord-neumecklenburg) sind bereits etwa 20 Krankenaufseher dieser Art über das Land verteilt; sie besitzen je eine verschließbare Kiste mit Verbandsmaterial und einigen einfachen Arzneien; auch steht im Dorf ein kleines Haus zur Verfügung. Im Norden der Gazellehalbinsel hat die Regierung ferner der Dysenteriegefahr durch Schaffung besseren Trinkwassers (Brunnen) in einigen Dörfern entgegenzuarbeiten gesucht, und ebenso wurde neuer-dings auf Manus versucht, durch Brunnengrabungen und Verteilung eingeborener Sanitätsgehilfen bessere Verhältnisse anzubahnen. Neben Dysenterie sind die Wurmkrankheit, Erkältungskrankheiten, offene Wun-den und Framboisie weit verbreitet. Im Jahre 1912 trat auf Angaur eine Typhusepidemie auf, die, wahrschein-lich durch heimkehrende Arbeiter eingeschleppt, nach Jap übersprang und dort viele Eingeborene befiel.«