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Anmerkung

Die gleich nördlich von Australien liegende Insel Neu-guinea wird dem Kontinent Australien zugerechnet, während die im weiten Pazifik liegenden deutschen Inselgruppen keine geographische Verbindung zu Neu-guinea oder Australien haben.

Geographisch beschreibt man Neuguinea und die anlie-gende Inselwelt als Melanesien, weshalb der deutsche Anteil auch Deutsch Melanesien genannt wird, während die deutschen Inselgruppen weit nördlich davon zu Mikronesien gehören und auch als Deutsch Mikrone-sien bezeichnet werden.

Auch rassisch sind die Menschen in Melanesien und Mikronesien verschieden. Die Melanesier haben eine schwarze negroide Erscheinung, während die Mikrone-sier braune Menschen mit mehr europäisch-anmuten-den Gesichtszügen sind.

Da der deutsche Teil von Neuguinea mit dem anliegen-den Bismarck-Archipel auch eine wirtschaftliche Ein-heit bilden werden sie als australische Welt der deut-schen Südsee beschrieben.

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Die Menschen

Über das ganze Gebiet des Kaiser-Wilhelms-Landes und des Bismarck-Archipels – also des deutschen Anteils an der Insel Neuguinea und den Neuguinea vorgelagerten Inseln – gibt es bei den Einheimischen Kannibalismus; mal stärker, mal schwächer ausgeprägt. Einen Toten nicht aufzuessen „ist reine Verschwendung, das Fleisch ist doch da“, hören die Missionare. 90 Prozent aller Opfer des Kannibalismus fallen in dafür extra geführten Kriegen an. Dabei geht es nicht nur darum, die Kraft des Gefangenen zu sich zu nehmen, sondern einfach um Fleisch. Denn in Neuguinea fehlen Schlachttiere. Die wilden Schweine sind tabu. Nächtliche Dorfkriege füllen den Kochtopf.

Es gibt aber auch berechnete Morde in Friedenszeiten, wo man mit Magie herauszufinden versucht, wer schuld ist an Mißernten, Stürmen und Krankheiten und der herausgefundene Täter wird von der Gemeinschaft auf-gegessen. Zuweilen werden aber einfach auch nur die Schwächsten, welche ohne Hausmacht im Stamm sind, aufgegessen. Die Deutschen hören von unfaßbaren Bes-tialitäten an den Opfern, bevor sie geschlachtet werden.

Von der deutschen Verwaltung wird die Menschenfres-serei mit scharfen Maßnahmen unterdrückt. Gouver-neur Albert Hahl bestraft im Fall von Kannibalismus das ganze Dorf. Diese Strafmaßnahme hat er sich von den einheimischen Stämmen abgeschaut. Bei den Stammes-verbänden gilt immer nur die Gemeinschaft, nicht der Einzelne. Aber die deutsche Herrschaft ist auf die Küs-tenzonen begrenzt und im Inneren von Kaiser-Wil-helms-Land und auf den Inseln wird der alte Brauch selbstverständlich weiter betrieben. Doch auch in den unter deutscher Verwaltung stehenden Gebieten geht die Menschenfresserei weiter, nur eben nun im Gehei-men.

Dafür typisch ist der Fall eines Beamten, der auf einer Reise eine Schule besucht und einen kleinen Schüler leutselig und gewiß der Antwort fragt: „Na Kleiner, du hast doch wohl noch kein Menschenfleisch gegessen?“ Zum Schrecken und Entsetzen des verantwortlichen Lehrers erhält der Beamte aber die stolze Antwort: „Oh doch, vor vierzehn Tagen in den Ferien zu Hause!“

Sofort wird eine Untersuchung eingeleitet und findet als Ergebnis, daß der Junge im weit entfernten Heimatdorf als geehrter Gast und zukünftiger Tull-Tull (Regierungs-vertreter) an einem üppigen Feindesbratenschmaus teil-genommen hat. Das Dorf muß schwere Buße bezahlen. Die Herkunft des Opfers kann nicht geklärt werden. Man geht davon aus, daß die Dorfbewohner aus Schaden klug und vorsichtiger geworden sind, aber kaum gebes-sert.

Eine andere Sitte bei den Einheimischen auf Neuguinea und im Bismarck-Archipel ist die Witwenerdrosselung. Auf ihren eigenen Wunsch hin wird nach dem Tod des Ehemanns die Witwe erdrosselt. Hatte sie es gut bei ihrem Ehemann geht sie davon aus, daß sie es auch im Jenseits gut bei ihm haben wird. Die deutsche Ver-waltung geht mit aller Strenge gegen diesen Brauch an, aber wo der Arm der Polizeigewalt nicht hinreicht und im Geheimen wird die Witwenerdrosselung weiter be-trieben. 

Eine weitere Merkwürdigkeit für den Europäer ist die Zauberei bei den Einheimischen. Halten die Weißen die Zauberer für Scharlatane gibt es doch genug magische Ereignisse, die auch ein ›vernünftiger‹ Deutscher nicht einfach abtun kann. Unbegreiflich bleibt, wenn ein Ein-heimischer von einem Zauberer zum Tode verflucht wird, ohne daß der Betroffene davon weiß, aber trotzdem dann dahinsiecht und stirbt.


Kapitän Hans Minssen vom Reichspostdampfer Manila schreibt über die Eingeborenen: »Sämtliche Eingebore-nen besitzen aus erklärlichen Gründen mehr Kenntnis vom Körper und Knochenbau, Lage der wichtigsten inneren Teile wie Herz, Lunge, Magen, kurz, anatomi-sche Kenntnisse, als der Durchschnittseuropäer. Ohne Zweifel würde es auch fördernd auf unser Allgemein-wissen wirken, wenn wir wie der Kanake gute Nachbarn und dergleichen auf ihren Nährwert und Vitamingehalt abschätzen würden.«

Minssen schreibt auch: »Schädel- und Gehirnoperatio-nen stellen durchaus keine Seltenheit dar und gelingen häufig. Knochenbrüche werden mit Bambusplatten fachmännisch geschient und ein fester Verband von Bast oder Rotangstreifen darüber befestigt. Brüche im dicken Fleisch, zum Beispiel solche des Oberschenkels, behandelt der schwarze Herr Professor weniger freund-lich. Wie jeder berühmte Chirurg muß auch er seine Freude am Schneiden soviel wie möglich betätigen. Ein kräftiger tiefer Schnitt bis zum gebrochenen Knochen legt die Bruchstelle frei. Durch die Wunde zwängt er eine Bambusschiene, legt sie auf die zusammengefügten Knochenenden und schließt dann die Fleischlappen fest darüber. Die Wunde wird mit Heilkräutern verbunden und darauf das gebrochene Glied fest umwickelt, und das alles ohne Narkose. Ungefähr zehn Tage bleibt dieser Verband unberührt. Dann wird die Schiene herausge-nommen. … Kunstfehler kommen natürlich auch vor. Dann heißt es: Operation gelungen, Patient an der ver-kehrten Beschwörungsformel verstorben.«