Ernst von Hesse-Wartegg ist im Mai 1900 auf Schiffs-reise in Deutsch Neuguinea. Er schreibt:
»Ebenso zahlt auch die Neuguinea-Gesellschaft ihre Arbeiter mit Tauschwaren. Die Papuaner haben sich auch schon in der Nähe der anderen großen Stationen der Neuguinea-Gesellschaft daran gewöhnt, für Tabak, Stoffe, Eisenwaren zeitweilig auf den Plantagen zu arbeiten, ja eine ganze Anzahl haben sich für ein oder zwei Jahre anwerben lassen. Zu ihrer täglichen Kost erhalten sie nach Ablauf jedes Monats noch irgend welche Artikel im Kaufwert von etwa sechs bis acht Mark, und gewöhnlich wählen sie sich den äußerst beliebten schwarzen Stangentabak aus Amerika, dann einen roten Lendenschurz, das sogenannte Lawalawa und einen europäischen Hut oder einen roten Türken-fes. Sehr beliebt sind auch die eigentümlichen, fast kreisrund gebogenen Zähne des Ebers oder Halsbänder, Ohrgehänge. Nach Ablauf ihrer zweijährigen Dienstzeit gelangen sie in den Besitz des ersehntesten Gegen-standes, einer verschließbaren Holzkiste, in der sie ihre Siebensachen unterbringen können. Jedes Schloß ist mit einer Schelle versehen, die beim Auf- und Zusperren klingelt, und in diesem Klingeln liegt für sie der Haupt-wert des Köfferchens. Stolz binden sie den Schlüssel an ihr Lendentuch und dünken sich nun Millionäre. Aber der Besitz ist nur so lange ihr persönlicher, als sie nicht in ihr Heimatsdorf zurückkehren. Der Administrator von Berlinhafen erzählte mir darüber ein köstliches Geschichtchen. Ein Papuabursche hatte sich während seiner zweijährigen Verdingung nicht nur den Koffer, sondern Tücher, Hüte, Tabak, Messer und verschiedene andere begehrenswerte Dinge erarbeitet und war damit nach seinem Heimatsdorf gekommen, einen europäi-schen Hut auf dem Kopfe, den Koffer auf den Schultern und in einer Hand seinen stolzesten Besitz, einen wei-ßen aufgespannten Sonnenschirm, seinen schwarzen Körper beschattend. Er hatte vergessen, daß sein Eigen-tum wohl im Dienste der Neuguinea-Gesellschaft, nicht aber zu Hause respektiert wird. Kaum stand er unter seinen Leuten und kramte seine Schätze aus, als ihm auch ein Gegenstand nach dem andern aus den Händen gerissen wurde. Sogar Hut und Lendentuch nahmen die Mitbürger ihm ab und stolzierten selbst damit im Dorfe herum, ohne daß er dagegen etwas thun oder sagen konnte. Nur an seinem Sonnenschirm schien man kei-nen Gefallen zu finden. Mit diesem Schirm über dem kraushaarigen Kopf sah der Administrator den armen, splitternackten Gesellen am nächsten Morgen wieder einsam am Meeresstrand einherspazieren. Eine Stunde später trat er in das Bureau der Gesellschaft und bat, wieder zwei Jahre für dieselbe arbeiten zu dürfen.
Durch diese nach der Heimat zurückkehrenden, mit Schätzen reich beladenen Leute wird unter den Dorf-bewohnern der Wunsch nach ähnlichem Besitz ge-weckt, und sie lassen sich heute schon viel leichter anwerben als früher. Die größte Zahl der Arbeiter im Dienste der Neuguinea-Gesellschaft sind Leute aus dem Bismarckarchipel, dann kommen Malaien und Javaner, endlich Chinesen, aber die Eingeborenen von Neu-guinea sind heute schon zahlreicher als die Zopfträger.«
Wie im Bezirk Eitape ist auch im Bezirk Friedrich-Wilhelms-Hafen die Unternehmungslust der sehr er-wünschten Kleinsiedler seit etwa 1910 außerordentlich rege geworden. Die Zahl der weißen Ansiedler hat mit 234 1912 gegen 196 1911 einen Zuwachs von 38 Köpfen genommen. Das verfügbare Küstenland von Friedrich-Wilhelms-Hafen bis Kap Croisilles an der Astrolabe Bai muß fast ganz vergeben werden, um den gestellten An-trägen auf Landüberlassung genügen zu können. Selbst in weiterer Entfernung, bei Sarang und am Hatzfeldt-Hafen, sind Pflanzungen gegründet worden.
All diese Ansiedler rechnen damit, daß die Einkünfte der Paradiesvogeljagd ihnen über die Zeit der reinen Kosten beim Aufbau ihrer Pflanzungen hinweghelfen werden. Würde ihnen diese Einnahmequelle verschlos-sen, so wären sie verloren. Um welche Summen es sich bei dieser Einnahme handelt, erläutert die Tatsache, daß beispielsweise der im Juni 1912 an der Hansa-Bucht ermordete Peterson innerhalb eines einzigen Monats mit seinen farbigen Jagdgehilfen Paradiesvogelbälge im Wert von zusammen 4000 Mark erbeutet hat, und daß ein anderer Paradiesvogeljäger im Laufe eines Jahres 30.000 Mark an dieser Art der Jagd verdient hat. Auch die Regierung erzielt hieraus erhebliche Einnahmen, so im Bezirk Friedrich-Wilhelms-Hafen im Jahr 1911 an Gebühren für Paradiesvogeljägerscheine 21.415 Mark und an Ausfuhrzoll für Bälge 18.845 Mark.
Aber wegen der Auseinandersetzungen zwischen den Weißen und den Steinzeitmenschen im Kaiser-Wil-helms-Land um die Paradiesvogeljagd, die zuweilen im Verspeisen der farbigen Vogeljäger der Weißen durch die Einheimischen endet, wird von der deutschen Ver-waltung in Betracht gezogen, die Paradiesvogeljagd ganz zu verbieten. Doch die wirtschaftliche Entwicklung vom deutschen Teil von Neuguinea verbietet vorläufig ein völliges Verbot der Paradiesvogeljagd.
Die Jagd völlig zu verbieten ist also ohne schwere Schä-den für die Wirtschaft vom Kaiser-Wilhelms-Land nicht durchführbar. Dagegen sucht man eine Einschränkung der Abschusses der Vögel dadurch zu erreichen, daß man die gewerbsmäßige Ausführung der Jagd nur sol-chen Pflanzern gestattet, die sich gleichzeitig im Kaiser-Wilhelms-Land ansiedeln und das Land urbar machen. Außerdem wird eine periodische Schonzeit eingeführt, und ferner werden drei große Schonbezirke geschaffen, sodaß die Erhaltung aller Arten gewährleistet ist.