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Wirtschaft III


Die Witu-Inseln – auch Französische Inseln genannt – gehören zum Bismarck-Archipel. Diese kleine Insel-gruppe ist trotz ihrer geringen Größe von gerade 96 qkm Landfläche wirtschaftlich ungewöhnlich bedeutend. Die größte der Inseln mit 53 qkm ist Witu, auch Garowe genannt. An den Seiten dieser Vulkaninsel liegen zwei kleine natürliche Häfen, Wituhafen und Peterhafen, wovon Peterhafen an der Ostküste der eigentliche Hafen der Insel ist. Peterhafen hat eine enge Einfahrt durch das vorgelagerte Riff und dann eine noch engere Einfahrt durch die tiefste Stelle der Kraterwand des schief eingesunkenen Kraters, der den kleinen Hafen bildet, der gerade genug Platz für ein Schiff und dessen An- und Ablegemanöver bietet. Der kreisrunde Krater-hafen ist traumhaft schön, mit seinem glasklaren, stillen Wasser und steilen bewaldeten Berghängen.

Der Reichspostdampfer Manila fährt Peterhafen regel-mäßig an und hat als schwerfälliges Einschraubenschiff beim Manövrieren im Hafen vorsichtig genug zu sein. Eine alte morsche Landungsbrücke, nicht für ein großes Schiff wie die Manila gedacht, wird zunächst von dem Postdampfer benutzt, bis diese Landungsbrücke schon beim zweiten Besuch des Schiffes in Peterhafen bei einem leichten Seebeben, das auch das Schiff erbeben läßt, unheimlich lautlos in den Fluten versinkt. Von da ab ankert die Manila im Hafen und Kopra und Kakao werden im Fährbetrieb mit Booten umgeladen. Große Trupps von Plantagenarbeitern helfen beim Festmachen und Be- und Entladen des Schiffes, welches von der fruchtbaren Insel auch große Mengen von frischem Proviant, auch sehr viele Tropenfrüchte, besonders alle Sorten von Bananen, übernimmt.

Auch viel frischer Fisch kommt in den Kühlraum des Schiffes, der während des Aufenthaltes der Manila im Hafen von einem Boot aus von den Einheimischen zwischen Riff und Hafeneinfahrt mit Dynamit gefischt wird. Ein Schwarzer im Bootsbug dirigiert die Ruderer zu einem Fischschwarm in der Lagune und setzt dann den Zün-der der Dynamitpatrone mit seiner Pfeife in Brand. Mit dumpfen Knall explodiert die Bombe im Wasser und nach kurzer Zeit schwimmt eine Unmenge betäub-ter und toter Fische an der Wasseroberfläche. Sämtliche Jungs springen vom Boot ins Wasser und werfen die Fische ins Boot.

Witu ist von dichtem fast undurchdringlichem Urwald mit mächtigen Baumriesen bestanden, hat aber auch bedeutende Kokosplantagen, wahrscheinlich die besten in ganz Deutsch Neuguinea. Sie gehören der Neuguinea-Kompagnie. Die Neuguinea-Kompagnie legt auch auf zwei Nachbarinseln Kokosplantagen an und kauft Han-delskopra von den Einheimischen. Um 1905 kommen 30 % der Kopraexporte der Neuguinea-Kompagnie von die-ser kleinen Inselgruppe. 1908 exportiert die Firma 340 t Kopra von den Inseln und um 1912 um die 450 t. Auf Witu besteht auch die größte Kakaoplantage der Neu-guinea-Kompagnie. 1908 werden 1,9 t Kakao von Peter-hafen, der auch Sitz der Kompagnie auf Witu ist, ver-laden und um 1912 bereits 7 t.

Für die Arbeitskolonnen auf den Plantagen werden im-mer Chinesen und Malaien als Aufseher eingesetzt. Sie waren in den Anfangsjahren der Kolonialzeit geholt wor-den, als unter der einheimischen Bevölkerung kaum brauchbare Kräfte zu finden waren, diese aber in fast unbeschränkter Zahl in China und Niederländisch Indien zu finden waren. Sie waren den Einheimischen in handwerklichem Können, Auffassungsgabe und Ar-beitsmoral weit überlegen.

Bei der Volkszählung von 1913 auf den Witu-Inseln er-gibt sich eine Gesamtbevölkerung von 2194 Seelen. Die Volkszählung fand für die Besteuerung der Bevölkerung statt, von der nun jährlich eine Kopfsteuer von je 10 Mark erhoben wird.