Da das Bismarck-Archipel eine Inselwelt darstellt ist na-türlich das Schiff die entscheidende Verbindung inner-halb des Archipels wie auch nach außerhalb. Dafür ist der Bau von Anlegestellen für Seeschiffe für den ständig wachsenden Verkehr notwendig. So hat Herbertshöhe, die Hauptstadt von Deutsch Neuguinea, nur eine offene kleine Reede mit einer Ankergelegenheit für nur zwei Schiffe. Die ungeschützte Reede ist oft auch bei ungün-stigen Winden starker Dünung ausgesetzt, was beim Beladen mit Kopra- und Entladen von Gütern beim heftigen Rollen und Arbeiten des Schiffes zum Verlust manchen Sackes Kopra und wertvoller Ladungsstücke führt. Auch Kollisionen, besonders bei Nacht, kommen auf diesem beschränkten Liegeplatz vor. Deshalb ent-schließt sich der Gouverneur einen neuen Hafenplatz für seine Hauptstadt zu suchen.
Am 1. Oktober 1905 geht der neue Hafen Simpsonhafen in der Blanche-Bucht in Betrieb. Der Norddeutsche Lloyd hat dort eine Pier mit einem Kostenaufwand von 700.000 Mark erbaut. Die große Pier für Hochseeschiffe ersetzt die unzulängliche Reede des nahen Herberts-höhe. Von Simpsonhafen verkehrt nun der Dampfer Sumatra für die Verbindung mit den Hafenplätzen auf Neuguinea und dem Bismarck-Archipel auch für touristische Rundreisen im Archipel. Für den Verkehr zu den Pflanzern, Firmen und Missionsstationen im weiten Umkreis wird der kleine Dampfer Langeoog von Simpsonhafen aus eingesetzt.
Die Weser-Zeitung schreibt am 1. Oktober 1905: »Den Reisenden ist durch die Gründung der Linie im Bis-marck-Archipel eine vorzügliche Gelegenheit geboten, Land und Leute in unseren hochinteressanten Kolonien in der Südsee bequem und in verhältnismäßig kurzer Zeit kennen zu lernen, und zweifellos wird die Gelegen-heit von den Passagieren der Austral-Japan-Reichspost-dampferlinie des Norddeutschen Lloyd viel benutzt wer-den, um die Fahrt in Simpsonhafen zu unterbrechen und eine Rundtour im Bismarck-Archipel mit dem Dampfer Sumatra zu machen.«
Über den neuen Hafen Simpsonhafen verkehrt nun die Austral-Japan-Linie des Norddeutschen Lloyd zwischen den beiden Endpunkten der Reichspostdampferlinien von Deutschland: Sydney und Yokohama. Die Austral-Japan-Linie läuft von Sydney über Simpsonhafen, Friedrich-Wilhelms-Hafen, Manila, Hongkong, Yoko-hama nach Kobe und rückkehrend von Kobe über Moji, Hongkong, Manila, Friedrich-Wilhelms-Hafen, Simp-sonhafen nach Sydney und wird auch gleich von vielen Passagieren genutzt.
Seit 1909 fährt die Sumatra auch die deutschen Inseln in der Südsee an. Im »Inseldienst« läuft das Schiff alle drei Monate alle wichtigen Plätze und Faktoreien in der Kolonie Deutsch Neuguinea an und macht außerdem regelmäßig verschiedene Rundreisen.
1909 wird auch die Hauptstadt von Deutsch Neuguinea von Herbertshöhe nach Rabaul am Simpsonhafen ver-legt und Simpsonhafen ist nun der Hafen von Rabaul.
Die großen Handels- und Plantagengesellschaften, die Neuguinea-Kompagnie, Hernsheim & Co, die Forsayth-Gesellschaft, die zahlreichen Missionsstationen und selbständigen Pflanzer benötigen immer mehr Schiffs-raum, um ihre Produkte der Verwertung zuzuführen.
Nach Rabaul, das als günstiger Knotenpunkt immer größere Wichtigkeit als Hafenstadt erlangt, strömen von allen benachbarten Inselgruppen, die mit jedem Jahr durch neue Siedlungen erschlossen werden und zur Entwicklung entsprechende Verbindungen verlan-gen, mit den Kopraschonern der verschiedenen Gesell-schaften, mit den Lloyddampfern Langeoog, Meklong und Sumatra, mit dem Schlepper Roland und seinen Leichtern, mit den Dampfern Siar und Madang der Neuguinea-Kompagnie all die wertvollen Ausfuhrgüter zusammen, die nicht von den Reichspostdampfern in ihren Zwischenhäfen mitgenommen werden können. Der Dampfer Germania der Jaluit-Gesellschaft läuft von Hongkong über Jaluit nach Rabaul, ab und an ankern auch zwei englische Dampfer in Rabaul, der ganze tur-nusmäßige Reise- und Frachtverkehr, die Verbindung mit der großen Welt, liegt aber ganz in den Händen des Norddeutschen Lloyd mit seiner Austral-Japan-Linie, der die Reichspostdampfer Prinz Waldemar und Prinz Sigismund, beide seit 1904, sowie seit 1907 auch die Coblenz auf der Route Japan, Hongkong, Manila, Rabaul, Sydney stellt. Jeweils alle vierzehn Tage läuft ein Dampfer dieser NDL-Linie Japan-Sydney Rabaul an. Der Reichspostdampfer Manila bedient von Singapur aus die wichtigsten Häfen von Niederländisch Indien und Deutsch Neuguinea.
Die Reisezeit für Post und Passagiere per Schiff zwischen Europa und Rabaul braucht etwa sechs Wochen und geht durch den Suezkanal. Über die Transsibirische Eisenbahn kann bei günstigem Anschluß die Reisedauer 35 Tage betragen.
Wege und Straßen sind praktisch keine vorhanden au-ßer in den Plantagen. Im Land gibt es nur die Eingebore-nenpfade. Die deutsche Verwaltung, aber auch Planta-gen und Missionen, legen Wege an, wo sie gebraucht werden.
Ende 1898 wandert Heinrich Schnee mit Freunden von Herbertshöhe aus zur nicht weit entfernten Blanche-bucht:
»Nach kurzer Rast in einem Eingeborenengehöft geht es weiter auf steilem Pfade bergauf, abwechselnd durch hohes Gras und durch Busch. Auf einer Anhöhe land-einwärts der Blanchebucht angekommen, haben wir ein herrliches Panorama vor uns. Auf der einen Seite die erloschenen Vulkane Mutter und Tochter, rechts davon im Hintergrunde die zackigen, blau verschwimmenden Berge von Neumecklenburg, davor die niedrigen bewal-deten Inseln der Neulauenburggruppe und das tiefblaue Meer, auf der anderen Seite Busch und Grasland, daraus hervorragend der runde Kegel des Varzin (»Vunakokor« der Eingeborenen), dahinter die kompakte Masse des Baininggebirges. Ein prachtvoller Anblick, der uns die Mühen des Kletterns vergessen lässt.
Auf schmalem Pfade wandern wir weiter. Von drei Seiten strömen auf Kanakerpfaden Scharen von hochbelade-nen Wiebern nach einem Punkt, dem »tavul a bung« (Marktplatz) zusammen, der sich durch mehrere Kokos- und andere Bäume aus dem umgebenden Grasland ab-hebt. Eine Anzahl von Männern begleiten sie, alle unbe-waffnet. Früher gingen sie bewaffnet zum Schutz der Weiber mit zum Markt, jetzt, da infolge des Eingreifens der weissen Verwaltung friedliche Zustände herrschen, hat sich der Brauch des Mitgehens der Männer erhal-ten, die Waffen werden zu Hause gelassen. Während die Weiber auf dem Marktplatz, einem von Busch und Gras freien mit einigen Bäumen bestandenen Platz sich niederlassen und gegenseitig Waren austauschen (Nah-rungsmittel wie Taro, Jam, Fische) oder gegen kleine Endchen Muschelgeld verkaufen und dabei einen ärge-ren Lärm als unsere heimischen Marktweiber entfalten, hocken die Männer stumpfsinnig aus kurzen Tonpfeifen rauchend in der Nähe.
Nun klettern wir wieder auf steilem Pfade hinab zur Küste, an welcher sich der breite von der Verwaltung angelegte, beziehungsweise auf ihre Anordnung von den Eingeborenen gebaute Weg rings um die Blanche-bucht herumzieht. Die Zeit ist noch gar nicht fern, dass alle diese Eingeborenen, die jetzt, wenigstens in erreich-barer Nähe der weissen Verwaltung, friedlich nebenei-nander leben, sich gegenseitig totschlugen und auf-frassen. Die einzelnen Stämme um die Blanchebucht herum waren völlig voneinander abgeschnitten, es gab nicht einmal einen gemeinsamen Kanakerpfad, der eine Verbindung zu Lande rings um die Bucht ermöglicht hätte. Die gegenseitigen Überfälle wurden meist vom Meer aus in Kanus ausgeführt.«
Franz Boluminski, von 1900 bis zu seinem Tod 1913 Stationsleiter von Nord-Neumecklenburg mit Sitz in Käwieng, läßt von der Bevölkerung der Dörfer an der Ostküste der Insel eine befestigte Straße bauen, um eine Verbindung zwischen den Pflanzungen zu schaffen, auf denen vor allem Kokospalmen zur Kopra-Gewinnung angebaut werden. Die Straße bekommt den Namen »Kaiser-Wilhelm-Chaussee«. Jedes Dorf wird mit dem Bau und der Unterhaltung eines Teilabschnitts der Straße beauftragt. Boluminski veranstaltet Wettbewer-be unter den Dörfern mit Belohnungen und Straf-androhungen. Wenn ein Abschnitt nicht gepflegt und ausgebessert wird, muß die Dorfbevölkerung seinen Wagen mit dem Pferd über die Löcher in der Straße tragen. Trotz dieser ungewöhnlichen Methoden genießt »Baron Boluminski« große Popularität auf der Insel.
An der Straße sind Rasthäuser angelegt. Diese Rasthäu-ser sind aus einfachem Buschmaterial errichtet. Tische, Klappstühle und Pritschen zum übernachten sind in ihnen vorhanden.
Das Deutsche Kolonial-Lexikon beschreibt den Zustand der Straßen auf Neumecklenburg mit Stand von 1913/14:
»Sowohl auf der Westküste wie auch auf der Ostküste sind von der Verwaltung mehrere 100 km fahrbare Straßen angelegt worden, die neuerdings auch zum großen Teil für Kraftwagen benutzbar sind und sehr zur Niederlassung von Kolonisten beigetragen haben.«