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Deutsch Neuguinea V

1914 finden in der Schiffsausstattung von Deutsch Neu-guinea einige Veränderungen statt. Die Australstation, die Auslandsstation der deutschen Kriegsmarine für Australien und die Südsee, verfügt seit Mai 1914 über kein einziges einsatzfähiges Kriegsschiff mehr. Sowieso waren nur ein bis zwei militärische Schiffe für die Unterdrückung von Kolonialaufständen vorhanden. Im Notfall kann man aber auf die kampfkräftigen Schiffe der Ostasiatischen Station in Tsingtau in der deutschen Kolonie Kiautschou in China zurückgreifen. Beim alten Kanonenboot Condor der Australstation wird bei einem Werftaufenthalt im Mai 1913 auf der Werft in Tsingtau eine starke Abnutzung des Rumpfes festgestellt und so erreicht im November 1913 während eines Aufenthaltes in Apia auf Samoa das Schiff der Befehl nach Deutsch-land zurückzukehren. Auf der Heimreise kann die Con-dor vor der marokkanischen Küste den aufgelaufenen deutschen Dampfer Zanzibar vor Plünderungen schüt-zen und freischleppen. Das 1892 in Dienst gestellte Kriegsschiff wird am 30. März 1914 in Danzig außer Dienst gestellt.

Das zweite Kriegsschiff auf der Australstation, das 1893 fertiggestellte Kanonenboot Cormoran, trifft am 30. Mai 1914 für eine mehrmonatige Grundreparatur in Tsing-tau ein. Als Ersatz, offiziell als Ersatz für die Condor, wird das nun auch altersschwache Kanonenboot Geier, 1894 in Dienst gestellt, von seiner bisherigen Station Ost-afrika in den Pazifik beordert. Am 12. Juni 1914 verläßt die Geier ihren bisherigen Heimathafen Daressalam für die Reise in die Südsee. Nach verschiedenen Besuchs-aufenthalten auf der Fahrt soll das Kolonialkriegsschiff am 1. Oktober 1914 in Rabaul, der Hauptstadt von Deutsch Neuguinea, seinem neuen Heimathafen, ein-treffen. Vom 25. bis zum 29. Juli 1914 wird die Geier noch im britischen Singapur versorgt und fährt dann weiter in die Südsee.

Im April 1914 gehen zwei auf der deutschen Werft in Tsingtau gebaute Schiffe auf die Reise von Tsingtau nach Deutsch Neuguinea. Ein Schiff ist das Peilboot III der Kaiserlichen Marine, das hauptsächlich für Vermes-sungsaufgaben bestimmt ist. Die tausende von Meilen Küsten der deutschen Besitzungen im Pazifik müssen für die Sicherheit der beständig wachsenden Schiffahrt so genau wie nur möglich vermessen werden, weswegen immer mehr Fahrzeuge wie das Peilboot III für diese Aufgabe zur Verfügung gestellt werden. Peilboot III ist ein Gefährt von 90 Tonnen, 23 m Länge, 135 PS und 15 Mann Besatzung. Das gleich große Peilboot IV ist auch schon in Tsingtau im Bau und ebenfalls für Deutsch Neuguinea vorgesehen.

Der zweite Neubau, der im April 1914 von Tsingtau auf Fahrt nach Deutsch Neuguinea geht, ist die Nusa. Sie ist vom Gouvernement von Deutsch Neuguinea als Sta-tionsschiff für Fahrten von Beamten geordert worden. Die Nusa ist eine 24 m lange Barkasse von 64 BRT mit 155 PS. Sie ist benannt nach der Insel Nusa bei Käwieng auf Neumecklenburg im Bismarckarchipel. Das Schiff ist für das Bezirksamt Käwieng als Dienstreiseschiff für Beamte bestimmt. Die Nusa ist aus Holz gebaut. Für den Tropeneinsatz ist die Holzbauweise für kleinere Schiffe wesentlich besser geeignet als ein Bau aus Eisen. Für eine größtmögliche Reichweite des Schiffes soll für die Nusa hauptsächlich Holz als Feuerungsmaterial für ihren Dampfkessel Verwendung finden, welches überall geschlagen werden kann. Das Personal besteht aus zwei Weißen, dem Kapitän und dem Maschinisten, zwei chinesischen Heizern und die Übrigen sind Eingeborene aus Deutsch Neuguinea.

Die Peilboote sind zwar unbewaffnet, aber als Schiffe der deutschen Kriegsmarine werden sie wie für Kriegs-schiffe üblich in Gewichtstonnen vermessen, die beiden Peilboote III und IV wiegen also je 90 Tonnen. Zivile Schiffe dagegen wie die Nusa werden in Bruttoregister-tonnen vermessen, wobei BRT kein Gewichtsmaß ist, sondern ein Raummaß. Eine Bruttoregistertonne ent-spricht 2,83 Kubikmetern Rauminhalt und der gesamte Raumumfang eines Schiffes wird auf diese Weise er-faßt.    

Am 16. April 1914 verlassen das Peilboot III und die Nusa unter der Begleitung des Versorgungsdampfers Titania des Ostasiatischen Geschwaders Tsingtau. In Japan und in den deutschen Kolonialbesitzungen Saipan in den Marianen und Olol – auch Onon genannt – in den Ostkarolinen wird neu bekohlt und Wasser übernom-men für die Dampfmaschinen der Schiffe. Das Peilboot III geht mit der Titania weiter nach Truk in den Ostkarolinen, wo das Peilboot seinen Dienst aufnimmt. Die Nusa erreicht in Alleinfahrt von Olol aus am 9. Mai Rabaul nach einer Fahrt von 870 Seemeilen in vier Tagen und acht Stunden für die Strecke Olol-Rabaul. Die ganze Reise von Tsingtau nach Rabaul war für die Nusa 3300 Seemeilen lang. Nach der Probefahrt wird das Schiff am 10. Mai vom Gouvernement endgültig über-nommen.

Im Mai gibt das Gouvernement in Rabaul auch an die staatseigene Werft in Tsingtau den Bauauftrag für ein weiteres Schiff, diesmal für eine Regierungsyacht für den Dienst im Bezirksamt Rabaul.