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Verwaltung

Die allgemeine Verständigungssprache zwischen Weiß und Schwarz ist Pidgin-Englisch. Ein Einfachst-Englisch, beinahe eine Kindersprache. Pidgin-Englisch ist aber auch für die Eingeborenen untereinander wichtig, we-gen der hunderten von Sprachen und Dialekten im deutschen Pazifikraum. Das beste Pidgin-Englisch spre-chen unter den Einheimischen die bei Weißen als Haus-jungen oder bei der deutschen Verwaltung als Polizei-soldaten angestellten Einheimischen. Es hebt auch das Ansehen eines Kanakers, wenn er Pidgin-Englisch spricht und er sich so über den Busch-Kanaker erhebt, denn schon bald hinter der Küstenlinie, im Busch, endet der Gebrauch von Pidgin-Englisch.

Das Wort Kanaker stammt von Hawaii, wo es Mensch heißt. Das Wort wird von europäischen Entdeckern, Händlern und Missionaren oft für sämtliche nicht-euro-päischen Insulaner benutzt und von deutschen Seeleu-ten für ihre an Bord arbeitenden einheimischen Kame-raden verwendet. So findet es Eingang bei den Deut-schen im Pazifikraum und dringt schließlich bis nach Deutschland selbst. 



»1914 beschreibt das Deutsche Kolonial-Lexikon die Verwaltung von Deutsch Neuguinea:

An der Spitze der gesamten Verwaltung steht ein vom Kaiser ernannter Gouverneur, dem zur Unterstützung ein erster Referent sowie mehrere Referenten beige-geben sind. Der Gouverneur hat seinen Sitz in Rabaul am Simpsonhafen auf Neupommern. Die einzelnen Dienststellen beim Gouvernement in Rabaul gliedern sich in das eigentliche Gouvernementsbureau, die Hauptkasse, die Bauverwaltung, das Hauptlager, das Vermessungsbureau, die Expeditionstruppe und den Botanischen Garten. Daneben unterstehen dem Gouver-neur noch unmittelbar die gesamte Medizinalverwal-tung einschließlich des Veterinärwesens.

Als beratende Körperschaft steht dem Gouverneur über-dies ein Gouvernementsrat zur Seite, der aus fünf amtlichen und sieben nichtamtlichen Mitgliedern be-steht und der vor Beschlußfassung über alle wichtigeren Angelegenheiten, so vor allen Dingen über die Aufstel-lung des Etats für das Schutzgebiet gehört wird.

Die Lokalverwaltung gliedert sich in Bezirksämter und Regierungsstationen. Bezirksämter bestehen zurzeit in Rabaul für die Insel Neupommern, einschließlich der ihr vorgelagerten Inseln sowie der Wituinseln (Franzö-sische Inseln), in Käwieng für den nördlichen Teil von Neumecklenburg und Neuhannover nebst den vorgela-gerten Inseln, sowie der St. Matthias- und Sturminseln; in Friedrich-Wilhelmshafen für diejenigen Teile von Kaiser-Wilhelmsland, die nicht einer unmittelbaren Regierungsstation unterstellt sind, in Ponape für das Gebiet der Ost- und Zentralkarolinen sowie der Mar-shallinseln, und in Jap für das Gebiet der Westkaro-linen, Palauinseln und Marianen.

Regierungsstationen, an deren Spitze je nach der Bedeu-tung des Bezirks ein Stationsleiter II. oder III. Klasse steht, befinden sich zurzeit in Namatanai für das süd-liche Neumecklenburg nebst vorgelagerten Inseln, in Kieta auf Bougainville für die Salomoninseln Buka und Bougainville, sowie die nördlich davon liegenden Nissan- und Pinepilinseln, in Manus für die Admirali-tätsinseln, in Morobe für das Grenzgebiet im Süden von Kaiser-Wilhelmsland und endlich in Eitape (Berlin-hafen) für das nordwestliche, bis an Niederländisch-Neuguinea grenzende Gebiet von Kaiser-Wilhelmsland. Diese Regierungsstationen sind selbständig und unter-stehen unmittelbar dem Gouverneur. Sie sind außer dem Stationsleiter in der Regel noch mit einem Polizei-meister, einem Sanitätsgehilfen und 40-50 Polizeisol-daten besetzt.

Im Inselgebiet der Karolinen, Marianen, Palau- und Marshallinseln bestehen Stationen in Jaluit für das Gebiet der Marshallinseln, in Nauru für diese Insel, in Saipan für die Gruppe der Marianen, in Korror für die Palauinseln, abgesehen von Angaur, in Truk für die die-sen Namen tragende Inselgruppe und endlich in Angaur (Palauinseln) für diese Insel. Weitere Stationen befin-den sich sodann in Herbertshöhe und seit 1913 auch in Angorum am Mittellauf des Kaiserin-Augustaflusses. Diese Stationen sind den betreffenden Bezirksämtern in Rabaul, Ponape, Jap und Friedrich-Wilhelmshafen un-terstellt.

Die Bezirksämter sowie die erwähnten Stationen haben die gesamten lokalen Verwaltungs- und Polizeiangele-genheiten für die Weißen wie die Eingeborenen zu er-ledigen.

Die Gerichtsbarkeit über die Weißen wird ausgeübt durch das Obergericht, die Bezirksgerichte und die Bezirksrichter. Der Sitz des Obergerichts ist Rabaul. Bezirksgerichte bestehen in Rabaul, Friedrich-Wil-helmshafen, Ponape und Jap. In beschränktem Maße üben auch die Stationsleiter richterliche Geschäfte aus. Ein besonderer Bezirksrichter ist nur für den Bezirk Rabaul bestellt, im Gebiete der übrigen Bezirke und Stationen nimmt zurzeit noch der Bezirksamtmann im Nebenamt die bezirksrichterlichen Geschäfte wahr.

Für Kaiser-Wilhelmsland ist noch ein besonderer Bezirksrat eingerichtet, der in ähnlicher Weise wie der Gouvernementsrat für die Zentralverwaltung so für die lokalen Interessen Kaiser-Wilhelmslands nach Bedarf vom Bezirksamtmann in Friedrich-Wilhelmshafen zu-sammenberufen wird. Er ist im übrigen in gleicher Wei-se beratende Behörde wie der Gouvernementsrat.«


1906 werden die bis dahin als eigenes Schutzgebiet mit einem eigenen Landeshauptmann geführten Marshall-Inseln mit der zur Kolonie der Marshall-Inseln zuge-hörigen, aber weit südlich von ihnen liegenden Insel Nauru dem Schutzgebiet Deutsch Neuguinea einver-leibt.

Die Angliederung ist zunächst nur lose. Die weite Ent-fernung und mit ihr die Seltenheit direkter Verbindun-gen verhindern eine stärkere Beeinflussung der Ver-waltung von der Hauptstadt Herbertshöhe oder später von der neuen Hauptstadt Rabaul aus.

Erst 1909 wird durch die Schaffung einer regelmäßigen Dampfer-Verbindung und durch häufigere Besuche des Gouverneurs oder seines Vertreters ein engerer Zusam-menschluß ermöglicht, sodaß 1910 auch die Finanzver-waltung des Inselgebiets mit der von Neu Guinea ver-einigt und ein gemeinsamer Etat aufgestellt werden kann. Mit dieser Vereinheitlichung der Verwaltung geht zugleich eine Vereinfachung des Verwaltungsapparates einher. 


Die weiße und die japanische Bevölkerung Deutsch Neu-guineas wächst stetig. Am 1. April 1899 zählt man 200 Weiße in der Kolonie. 1912 sind es 1147 Weiße und 131 Japaner, davon 897 Deutsche und 109 Briten. 1913 sind 1255 Weiße und 172 Japaner im Schutzgebiet. Die Zahl der Deutschen beträgt zum gleichen Zeitpunkt 1005 und die der Briten 112. Die genaue Aufschlüsselung der 1427 Weißen und Japaner am 1. Januar 1913 in der Kolonie sieht an Zahlen außer den 1005 Reichsdeutschen und 172 Japanern 112 Engländer (darunter 61 sogenannte Kolonialengländer), 23 Holländer, 19 Österreicher, 15 Nordamerikaner, 14 Spanier, 11 Schweden, 9 Schweizer, 6 Russen, 4 Luxemburger, 3 Belgier und je 1 Dänen, Nor-weger und 21 sonstige Staatsangehörige oder Personen ohne eine besondere Staatsangehörigkeit und 281 Mischlinge. Das Verhältnis dieser Bevölkerung zwischen Männern und Frauen beträgt etwa auf drei Männer eine Frau.

Die Zahl der Japaner erklärt sich aus der Nähe Japans zur westlichen deutschen Inselwelt im Pazifik und folglich orientiert sich dort der Handel entsprechend nach Japan. Melanesien dagegen liegt Australien nahe und so ist die Zahl der Briten dort verständlich und der Handel mit Australien. So steht Australien nach Deutschland an zweiter Stelle in der Außenhandelsbilanz von Deutsch Neuguinea.

Von der erwachsenen nicht eingeborenen männlichen Bevölkerung von 1012 am 1. Januar 1913 sind 232 Missio-nare und Geistliche, 172 Kaufleute, ebenfalls 172 Ansied-ler, 150 Handwerker oder Arbeiter, 109 Regierungsbe-amte und 77 Seeleute und Fischer.

An nichteinheimischer farbiger Bevölkerung werden in Deutsch Neuguinea gezählt:

Chinesen…………………………….. 1912: 926    1913: 1141

Malaien bzw. Javaner……………… 1912: 127      1913: 158

Tagalen……………………………….. 1912:  52      1913:   78

Juden………………………………….. 1912:    4      1913:     7

Nichteinheimische Südseeinsulaner…1912: 101  1913: 258

Die Chinesen arbeiten meist als Handwerker, Pflanzer, Händler, Köche und dergleichen; in Nauru und Angaur auch als Phosphatarbeiter. Die schnelle Steigerung der Zahl der Chinesen im Schutzgebiet wird von der Regie-rung auch als Gefahr angesehen. Auf der Sitzung des Gouvernementsrats am 6. Februar 1914 weist Gouver-neur Hahl darauf hin, daß gerade die Spielsucht der unteren Klasse der Chinesen auf die Eingeborenen übergreifen könnte.

 

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Ponape

Die Pflanzenwelt Ponapes ist entsprechend dem feucht-heißen Tropenklima außerordentlich üppig, Kokos- und Steinnußpalmen, Brotfrucht- und Mangobäume liefern der Bevölkerung Früchte und die enormen Knollen der Yams werden viel angebaut und auch die viel kleinere Taro, eine andere Knollenfruchtart.

1905 fegt ein gewaltiger Taifun über Ponape, welcher die Waldbestände der Insel schwer trifft. Die überall im neu emporwuchernden, dichten Busch verstreut liegenden, vermodernden Baumriesen machen im Verein mit den engverschlungenen Lianen und der Gebirgslandschaft ein Vordringen außerhalb gebahnter Wege fast unmög-lich.

Es gibt fünf Stämme, die in den selbständigen Land-schaften Dschokadsch, Not, U, Ronkiti und Metalanim leben. Mit der Deportation der Dschokatsch-Leute von Ponape nach ihrem Aufstand Ende 1910 scheidet Dscho-kadsch als selbständige Landschaft aus.

Ein kompliziertes Lehenssystem über den Landbesitz gibt zu häufigen Streitigkeiten Veranlassung, sodaß der Bezirksamtmann Hermann Kersting vereinfachte Grundbesitzverhältnisse einführen will. Dafür nutzt er erfolgreich die Oberhäuptlinge mit ihrer Autorität, die auch die obersten Lehnsherren sind.

Eine weitere Änderung der Verhältnisse ergibt sich von selbst. Die Frauen tragen nun meist europäische Stoffe, statt der einheimischen aus Bananenfasern hergestell-ten Webstoffe.

1914 wird die Eingeborenenbevölkerung der Insel auf rund 4000 Seelen geschätzt. Zur selben Zeit besteht die weiße Bevölkerung auf Ponape aus den Beamten, den Missionaren der beiden dort tätigen Missionsgesell-schaften sowie einigen Händlern und sonstigen Ansied-lern und beträgt etwa 30 Personen.

Die Liebenzeller Mission hat auf Ponape in der Land-schaft Metalanim beim Dorf Etienlan eine Station mit einem Predigerhaus und einer geräumigen Holzkirche.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse auf der Insel be-schreibt das Deutsche Koloniallexikon:

»Größere europäische Unternehmungen, vor allen Din-gen Plantagen, bestehen auf Ponape noch nicht. Es sind vielmehr nur einige kleinere Kokospflanzungen ange-legt worden, denen aber irgendeine Bedeutung für die Ausfuhr nicht zukommt. Der Handel auf Ponape liegt in der Hauptsache, wie auf den übrigen Inseln der Ost-karolinen, in den Händen der Jaluit-Gesellschaft, die am Langer-Hafen (Santiago-Hafen), eine Zweigniederlas-sung errichtet hat. Außer der Jaluit-Gesellschaft sind noch einige Händler auf der Insel tätig. Das Hauptaus-fuhrprodukt ist die Kopra, daneben gelangen in gerin-gem Maße Muscheln und Schildpatt zur Ausführung. Der Anlage größerer Plantagen steht die ständige Tai-fungefahr besonders hindernd, im Wege. So hat im Jah-re 1905 ein Taifun fast die gesamten Fruchtbäume der Insel zerstört.«

Eine breite Riffpassage führt zum Hafen von Ponape. Für Dampfschiffe ist die Einfahrt keine Schwierigkeit, aber kann für einen Segler zu seinem Ende führen, wenn plötzlich Windstille auftritt und die dauernde starke Brandung das Schiff auf das Riff treibt und es dort zer-schellt, wie es zum Beispiel Ende 1911 einer norwegi-schen Bark geschieht.

Ein deutscher Marineoffizier beschreibt den Hafen von Ponape: »Tagaus, tagein sieht das Seemannsauge den glatten Horizont, und nur ganz wenig erheben sich die flachen Atolle der Karolinen über den Meeresspiegel. Wie entzückt waren wir da, als wir an einem prächtigen Sonnentag in den von Bergen umschlossenen Ponape-Hafen einliefen! Vor uns das grüne hüglige Ponape selbst mit den weißen Häusern der Kolonie, rechts schließt sich daran das schroffe Felsennest Dschokadsch und auf der anderen Seite das anmutige Inselchen Langar mit einer Handelsniederlassung darauf. Wenn der Hafen von Ponape so auch einen sehr geräumigen Eindruck macht, so ist doch für Schiffe nicht viel Platz darin, denn zahlreiche weitverzweigte Korallenriffe, die hell smaragdgrün durch den dunklen Meeresspiegel schimmern, engen das Fahrwasser ein.«

Die sogenannte ›Kolonie‹ liegt innerhalb des von den Spaniern errichteten, zum großen Teil noch erhaltenen Festungsmauergürtels und ist das Wohngebiet der Wei-ßen. Das Wohnhaus des Bezirksamtmanns liegt aller-dings etwa zehn Minuten außerhalb der Ringmauer; ein wohlgepflegter, von frischem Grün eingefaßter Weg führt dorthin.

Von Truk hat man im Juli 1914 auf dem Ostasiatischen Kreuzergeschwader auch den Pastor Uhlich, Leiter einer evangelischen Mission auf den Karolinen, nach Ponape mitfahren lassen. »Und weiter sprach Pastor Uhlich von einer wundersamen Periode höchster Kultur, die sich in einer längst entschwundenen und vergessenen Zeit hier abgespielt hat. M e t a l a n i m heißt diese Stätte, da sich die Ruinen großzügig angelegter Paläste befinden, jetzt nur noch durcheinander liegende Gesteinsblöcke von unheimlicher Größe. Wie kamen die hierher nach der weltentlegenen Insel Ponape?« Marineoffizier Joachim Lietzmann, der diese Sätze aufschreibt, findet keine Ant-wort auf die selbstgestellte Frage.

Nan Mandol ist ein Südsee-Inselchen mit einer verlasse-nen Stadt darauf unmittelbar an Ponape anliegend und künstlich aufgeschüttet. Dafür wurden 800.000 Tonnen Basalt über 50 Kilometer über See verfrachtet. Nach der Sage der Einheimischen wurden die Steine von amphi-bischen Weltraum-Göttern durch die Luft befördert.

Metalanim, auch Nanmatal oder Nan Madol genannt, wird 1907 dem deutschen Bezirksamtmann Victor Berg zum Verhängnis als er Gräber in Nan Madol öffnet und zwei bis drei Meter große menschliche Skelette findet. Am nächsten morgen, dem 30. April 1907, stirbt Berg. Der deutsche Arzt auf Ponape kann keine Todesursache feststellen. Offiziell wird Sonnenstich und Erschöpfung als Todesursache angeben. Die Eingeborenen sind si-cher, daß übernatürliche Kräfte zum Schutz der Gräber den Eindringling getötet haben.

Der Völkerkundler Paul Hambruch nimmt in den Jahren 1909 und 1910 an der Hamburger Südsee-Expedition von 1908-1910 teil. Dabei sind ihm die ethnographischen Untersuchungen Mikronesiens übertragen, insbeson-dere von Nauru und Ponape. Für die Forschung über Ponapes Ruinenstadt Nanmatal werden Hambruchs Ar-beiten die Grundlage für alle zukünftigen Forschungen über die rätselhafte verlassene Stadt.

In der zweiten Julihälfte 1914 liegt das Ostasiatische Kreuzergeschwader mit seinen beiden stärksten Schif-fen, den Panzerkreuzern Scharnhorst und Gneisenau, vor Ponape, der größten Karolineninsel. Vom Flaggschiff Scharnhorst werden aus Tsingtau mitgebrachte Grab-steine für die gefallenen deutschen Soldaten vom Auf-stand von 1910 auf der Insel an Land gegeben. Von den seemännisch schwierigen Schiffsliegeplätzen nahe von Untiefen vor der Insel fahren die Besatzungen auf Bar-kassen fast eine halbe Stunde bis zu einer flußaufwärts gelegenen Landungsbrücke für ihre Landgänge und zur routinemäßigen Infanterieausbildung mit Übungsmär-schen und Schießen auf dem Schießstand von Ponape, für den möglichen Einsatz der Schiffsbesatzungen bei der Niederschlagung von Aufständen im deutschen Ozeanien. Auf Ponape selbst ist nach dem Aufstand von 1910 eine Polizeitruppe aus Neuguinea stationiert. »Herrliche hohe Gestalten von edlem Wuchs«, wie ein Deutscher sie beschreibt, und deshalb aus Neuguinea »um zu verhindern, daß sie im Falle von Unruhen mit den Aufständischen gemeinsame Sache machen«.

Erst im Juni 1914 waren 800 Mann in Tsingtau als Ab-lösemannschaften aus Deutschland neu an Bord von Scharnhorst und Gneisenau gekommen und hier in Ponape werden immer wieder ›Klar Schiff zum Gefecht!‹-Übungen durchgeführt, um die Kriegsbereitschaft der Schiffe nach dem Mannschaftswechsel wiederherzu-stellen.

Die Offiziere des Kreuzergeschwaders lassen es sich zwischen den Übungen gut gehen auf Ponape. »Mit den am Ort befindlichen deutschen Beamten und Kaufleu-ten knüpften wir rege Beziehungen an. Der Bezirksamt-mann selbst war abwesend. Sein Stellvertreter aber hielt uns sein stets gastfreies Haus offen. Beim Genuß köst-licher Wassermelonen saßen wir oft in angeregtem Gespräch mit ihm auf seiner Veranda, tief zu unseren Füßen die lachende Landschaft mit den weißen Häusern der Niederlassung, und dahinter das sich in unermeß-liche Weite dehnende blaue Meer, auf dem sich unsere stattlichen Schiffe wie Kinderspielzeug ausnahmen.

Eines Abends führten uns vor seiner Villa die Eingebo-renen ihre Tänze vor. Besonderen Eindruck machten unter den Palmen im Purpurscheine roter Lampions der Tanz der Polizeisoldaten. Dumpf dröhnten die Trom-meln, und schwermütig waren die Gesänge, als die Hühnengestalten, wild bemalt und einen kriegerischen Helm auf dem schwarzen Haar, langsam und würdevoll im Kreise ihre phantastischen Bewegungen ausführten.

Der Zuschauer geriet durch all das Geheimnisvolle in eine wahre Märchenstimmung, und dieser setzte Pastor Uhlich wiederum die Krone auf. Aus dem Hintergrunde erschollen plötzlich wie aus Engelsmunde mehrstim-mige Harmonien. Die große Schar der Missionskinder war es, die uns auch hier mit heimatlichen Liedern überraschte.

›Deutschland, Deutschland über alles!‹ Es war das rechte Lied, das uns mit auf den Heimweg gegeben wurde. Denn soeben hatten die elektrischen Wellen die Kunde von der bevorstehenden Kriegserklärung Österreichs an Serbien zu uns getragen.«

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Mapia

1885 hatte der deutsche Forscher Johann Kubary die Mapia-Inseln aufgesucht und schrieb über sie:

»Seit dem Entstehen des Copra-Handels landete hier die deutsche Firma A. Capelle & Co. aus Jaluit ihre Agenten die jedoch, unfähig im Interesse derselben zu wirken, ihr große Unkosten und Verluste verursachten, wobei auch der schöne Schooner Tutuila Capt. Löser zu Grun-de ging. Capt. D. D. Okeepe aus Yap, der das Geschäft übernahm, arbeitete mit mehr Erfolg und erwarb schließlich die Inseln von Marravidi, auf denen er gegenwärtig eine größere Anzahl Eingeborene von der Pleasant-Insel, Sonsol und Bur, die für ihn Kokosnüsse schneiden und trocknen, unterhält.

Als Spuren der, in alter Zeit zahlreichen Bevölkerung der Inseln finden sich zahlreiche und mächtige Steingräber, heut leben nur noch drei Individuen reiner Rasse der ursprünglichen Bevölkerung, sowie acht nicht reinen Blutes, sondern einer Mischung anderer Eingeborner mit der ursprünglichen Bevölkerung entsprossen. Die Geschichte der Entvölkerung dieser Inseln ist eine äu-ßerst trübe. Der einzige, heut noch seine früheren Ge-nossen überlebende Mann, der König Marravidi erzähl-te mir daß sich die Katastrophe vor seinen Zeiten zutrug, also vor etwa 50—60 Jahren.

 …

Diese interessanten Steingräber finden sich zahlreich in dem bewaldeten Innern der Inseln Piken und Burät und wahrscheinlich auch auf den übrigen, die ich keine Zeit hatte zu besuchen. Gleich wie auf Yap, liegen sie in gro-ßer Anzahl nebeneinander und dicht mit Moosen und Farnen umhüllt, machen sie auf den Beschauer, im Halbdunkel und der Lautlosigkeit des dichten Baum-bestandes, einen mächtigen Eindruck. Mein Versuch, einen Schädel auszugraben, mißlang, denn mit den blo-ßen Händen war während der sehr kurzen Zeit gar nichts auszurichten.«


Durch den Kauf der Karolinen und anderer Inselgrup-pen von Spanien 1899 kommen auch die Mapia-Inseln von gerade sechs Quadratkilometern Landfläche zum deutschen Kolonialbesitz. Diese drei kleinen Inseln sind aber weit abgelegen von anderen deutschen Besitzun-gen in der Südsee. Die nächste deutsche Inselgruppe sind die 630 Kilometer entfernten Palau-Inseln. Die Mapia-Inseln liegen aber vor dem niederländischen Teil von Neuguinea. So verständigt man sich die Inseln an die Holländer zu geben und diese wiederum verzichten auf wage Ansprüche auf die drei Quadratkilometer Landfläche der vier Inseln von Sonsorol, die 300 Kilo-meter südlich der deutschen Palau-Inseln liegen, aber 500 Kilometer vom nächsten holländischen Besitz.

Die Mapia-Inseln interessieren aber außer Kopra-Händ-lern niemanden, auch keinen deutschen oder nieder-ländischen Beamten. Nur die niederländische Nord-Neuguinea-Expedition von 1903 unter der Leitung des deutschen Geologen Arthur Wichmann besucht die Inseln.

Die Mapia-Inseln bleiben aber sozusagen in deutscher Hand. Daisy Weber, die Tochter von Theodor Weber, der in den 70er Jahren als Konsul für Samoa des Deutschen Reiches Verträge mit Häuptlingen in der Südsee für die Übernahme ihrer Inseln in die deutsche Herrschaft abgeschlossen hatte, wird Königin von Mapia. Weber hatte Frau und Kinder auf Samoa, sodaß Daisy als ein ›Unfall‹ zu betrachten ist. Theodor Weber sorgt aber für seine Tochter und gibt sie in die Familie des ebenfalls reichen Südseehändlers David Dean O’Keefe, der auf Jap in den Karolinen residiert. Daisy geht auch für drei Jahre zur Ausbildung nach Deutschland in ein Pensionat bei Bremen. Als 1899 die Karolinen, die Marianen, die Palauinseln und auch Mapia deutsch werden, ist Daisy als 16jährige bei der Flaggenhissung in Jap mitten im Geschehen. Daisy ist zwar von O’Keefe in seinem Testament verständ-licherweise ausgeschlossen, da aber ihre Mutter Dolibu von Mapia und königlichen Geblütes ist, welche als Frau von O’Keefe in Jap lebt – O’Keefe hatte sie von Mapia nach Jap mitgenommen – ist Dolibu auch Herrscherin von Mapia. So wird ihre Tochter Daisy schließlich Königin von Mapia. Eines Tages besucht die mittlerweile sehr füllige Dame mit einem Dienerpaar einen deut-schen Arzt in Makassar in Niederländisch Indien. Sie verlangt von dem Arzt Hilfe beim weiteren Fettwerden. Auf ihren Inseln steht Körperfülle im höchsten Ansehen und je schwerer sie ist, um so besser.

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Verkehr V

Breite, wohlgepflegte Wege, die von der Verwaltung angelegt wurden, verbinden die saubergehaltenen Sie-delungen. 

1907 wird eine vier Kilometer lange Schmalspurbahn vom Inneren der Insel an die Ladebrücke für den Phos-phatumschlag zu den Schiffen im Westen der Insel gebaut. Im gleichen Jahr beginnt auch die Verschiffung des Phosphats.

Am 14. Juli 1908 wird ein deutsches Postamt eröffnet. Durch die 1908 etwa monatlich Nauru anlaufenden Dampfer der Pacific Phosphate Company kann auf der Insel eben etwa einmal im Monat Post empfangen und abgeschickt werden. Bis 1913 erhöht sich die Zahl der Phosphatdampfer auf etwa vier im Monat. Dazu fährt sechs Mal im Jahr der Reichspostdampfer Germania die Insel an.

Da Dampfer nicht an der Insel anlegen können, weil ein um die 200 Meter breites Riff die Insel umschließt, gibt es zwei Festmacherbojen für die Frachter. Von zwei La-debrücken aus werden die Dampfer dann mittels Leich-tern mit dem auf der Insel gewonnenen Phosphat be-laden. Da der Leichterverkehr bei westlichen Winden unterbrochen werden muß, kann es Wochen dauern, bis ein Dampfer voll beladen ist.

Häufig kommt es vor, daß Dampfer, die wegen der Besetzung der beiden Festmacherboyen keinen Liege-platz haben, unter Dampf vor der Insel treiben müssen. Es soll vorkommen, daß sie, um Zeit für Wartungs-arbeiten in Häfen zu sparen, bei langen Wartezeiten einfach die Feuer löschen, um antriebslos in See trei-bend Maschinen und Kesselanlagen instand zu setzen.


1912 beginnt die Firma Telefunken mit der Errichtung einer Funkstation auf Nauru. Am 17. Oktober 1912 treffen der den Bau leitende Ingenieur und der Turmmonteur auf Nauru ein. Die Bauarbeiten werden durch Unfälle und Unwetter behindert. Zunächst behindern starke Regenfälle den Baubeginn. Extreme Trockenheit sorgt ab Ende Februar 1913 dafür, daß es kaum noch Wasser gibt, um Beton herzustellen. Der Telefunkenbautrupp behilft sich schließlich mit Brackwasser aus nahege-legenen Höhlen. Ein Lastwagen fällt beim Transport vom Schiff an Land zweimal ins Wasser, da einmal die Krankette bricht und das andere Mal der Haken des Schiffskrans entzweispringt. Dazu kommt der übliche Arbeitermangel. Die Eingeborenen Naurus werden durch die deutsche Verwaltung zum Teil unter Straf-androhung wie Gefängnis und Deportation zur Arbeit an der Funkstation gedrängt.  

Am 1. Dezember 1913 kann dann die Station gleichzeitig mit einer Funkanlage auf den Jap-Inseln eröffnet wer-den. Die Funkanlage ist mit einer schirmförmigen An-tenne ausgerüstet, die von einem 120 Meter hohen eisernen Gitterturm getragen wird. Die Reichweite be-trägt etwa 3400 Kilometer womit die Funkstation auf Jap erreicht werden kann. Jap wiederum ist durch Seekabel an das internationale Telegraphennetz angeschlossen, sodaß nun Nauru in kürzester Zeit weltweite Nach-richtenverbindung hat.

Mit der Inbetriebnahme der Funkstationen Jap und Nau-ru ist die erste Teilstrecke des entstehenden deutschen Funknetzes in der Südsee dem öffentlichen Verkehr übergeben. 

Für den Funkverkehr mit Schiffen im Nahbereich von Nauru bestehen Zusatzstationen mit T-förmigen Luftlei-tern.

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Wirtschaft IV

Das traditionelle Wirtschaftsgut von Nauru ist Kopra, die von einigen Handelsstationen den Eingeborenen abgekauft wird. Zur Bekämpfung einer Kokospalmen-krankheit ist auch der deutsche Völkerkundler Paul Hambruch im Auftrag der Jaluit-Gesellschaft seit 1908 auf der Insel.  

Mit dem 1906 begonnenen Abbau des Phosphates der Insel durch die englisch-deutsche Pacific Phosphate Company werden auch Einrichtungen für die nach Nau-ru geholten weißen und farbigen Arbeitskräfte geschaf-fen. Insbesondere werden Vorkehrungen in hygieni-scher Hinsicht getroffen. Eine Kanalisationsanlage mit Salzwasserbetrieb wird gebaut. Für die Krankenpflege sind die nötigen Hospitalbauten vorhanden. So schlep-pen für den Phosphatabbau angeworbene Zentralkaro-linier eine Augenkrankheit nach Nauru ein.

Eine Kondensationsanlage dient zur Gewinnung von frischem Süßwasser in regenarmen Zeiten. Auch Eis-maschinen, eine Sodawasserfabrik und Kühlräume so-wie elektrisches Licht sind vorhanden.

1907 werden 11.000 Tonnen Phosphat exportiert, 1910 sind es schon 142.000 Tonnen. 1913 werden 46 Dampfer abgefertigt, die 138.725 t Phosphat mitnehmen. Durch die Wetterbedingungen schwankt die Phosphatgewin-nung.

Die Phosphat-Gesellschaft beschäftigt 1913 auf Nauru um die 60 Weiße, 100 Chinesen und 650 Karoliner. 1914 sind es neben den Weißen 550 Chinesen und 500 Karoliner. Die Chinesen und Karoliner leben auf Nauru streng getrennt von der einheimischen Bevölkerung.


Der Abbau des Phosphats ist sehr einfach durch Tagebau zu bewerkstelligen. Die Ertragsfähigkeit ist allerdings sehr von der Witterung abhängig. Trockene Jahre brin-gen reichen Ertrag, regenreiche verlaufen ungünstiger. Die Gesellschaft ist nämlich vertraglich verpflichtet, Phosphat zu liefern, dessen Feuchtigkeitsgehalt fünf Prozent nicht übersteigt.

Da die künstliche Trocknung in den Trockenöfen den Betrieb sehr verlangsamt, wird in der Regel nur ein Teil des Phosphats künstlich getrocknet, der dann mit nur natürlich getrocknetem, von höherem Feuchtigkeits-gehalt vermischt wird. Je größer die Schwierigkeiten der natürlichen Trocknung durch feuchte Witterung, desto geringer der Ertrag.

Durch einfache, leicht versetzbare Bedachungen sucht man unter den unter Bearbeitung genommenen Gelän-destücken dieser Schwierigkeit Herr zu werden. Lang-anhaltende Trockenheit ist daher für die Phosphatge-winnung außerordentlich günstig, um so mehr leiden die Kokospalmen darunter und die Kopraausfuhr sinkt dann bis auf Null.

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Die Insel

Nauru ist die westlichste Insel der Gilbertgruppe und am Äquator gelegen. Die rundliche Insel hat eine Fläche von 20,1 Quadratkilometern und besitzt Höhen von bis zu 70 m, einen kleinen See, den Arenibek, und zahl-reiche Höhlen. Ein Riff von 150-300 m Breite umgibt die Insel. Nauru hat große Lager von Phosphat.

Die wichtigste Pflanze der Insel ist die Kokospalme, wel-che in einem äußeren und einem inneren Ring den Strand und den Binnensee Arenibek umsäumt. Sonst ist die Vegetation dürftig und besteht aus Pandanus, Papa-yas, Wassermelonen und den auf Koralleninseln ver-breiteten Sträuchern und Gräsern.

An Tieren finden sich auf der Insel nur Insekten und Seevögel.

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Ereignisse

Im August 1911 kommt es zu einem Streik auf den Mar-shall-Inseln, dem ersten Streik in ganz Deutsch Neugui-nea überhaupt.

Die Löhne auf den Marshall-Inseln zählen schon zu den höchsten im ganzen Schutzgebiet, aber aufgrund der günstigen Bedingungen für die Arbeiter zum Zeitpunkt des Streiks fordern sie eine Erhöhung des Tageslohns von zwei Mark auf vier Mark.

Die Streikenden nutzen einen günstigen Moment aus, als vor Jabor gleichzeitig drei Dampfer der Burns-Philp-Linie, der Motorschoner Atlas und der Reichspostdamp-fer Germania liegen und abgefertigt werden müssen. Die Forderung der Streikenden muß teilweise bewilligt werden.


Anfang Januar 1912 fährt der Kreuzer Cormoran die Atolle Eniwetok und Ujelang an. Der Stationsleiter von Jaluit hatte eine Requisition an den Kommandanten der Cormoran gerichtet, weil schwere Stürme über Eniwe-tok und das 120 Seemeilen nordöstlich davon gelegene Ujelang gezogen sein sollen und man will vorsichts-halber den Atollen einen Besuch abstatten, um die Lage dort zu erkunden. Es muß befürchtet werden, daß die Einwohner zu Schaden gekommen sind oder mindes-tens an Nahrungsmittelknappheit leiden. Der Komman-dant der Cormoran nimmt die Requisition an und so werden dem Kriegsschiff von der Regierungsstation Jaluit Proviant für diese Atolle mitgegeben.

Eniwetok hat eine Lagune von rund 1000 qkm Fläche mit einem Durchmesser von bis zu 37 Kilometern, die umsäumt ist von 40 Inseln mit zusammen 6 qkm Land-fläche mit einigen hundert Einwohnern. Am 3. Januar erreicht die Cormoran die Hauptinsel Eniwetok vom Atoll Eniwetok. Kommandant Paul Ebert schreibt über die Einfahrt in die Lagune:

»Obgleich wir hier nirgends unter 20 Meter Wassertiefe feststellten, war bis auf den Grund in dem kristallklaren Wasser alles auf das deutlichste erkennbar. Mehrfach boten sich aufregende Momente, wenn das Schiff, sich auf der langen Ozeandünung mächtig hebend und sen-kend, über riesige Korallenblöcke dahinfuhr, die dicht unter dem Kiel zu liegen schienen und deren Berührung für den braven Cormoran unfehlbare Vernichtung be-deutet hätte.«

Die Jaluit-Gesellschaft ließ die Inseln von den Eingebo-renen mit Kokospalmen bepflanzen. Die Bewohner wer-den zweimal jährlich mit Lebensmitteln versorgt und die Kopra abgeholt und so sind die früher unsicheren Ernährungsverhältnisse der Eingeborenen nun gesi-chert.

Kommandant Ebert: »Gegen achteinhalb Uhr früh ka-men wir dann glücklich nördlich der Hauptinsel [Eni-wetok] zu Anker, und ich begab mich alsbald mit einer Jolle in Begleitung einiger Offiziere und Leute an Land.

An der Landungsstelle war die etwa 40 Köpfe umfas-sende Einwohnerschaft mit ihrem Häuptling Piter ver-sammelt. Es war ein faules, habgieriges und ungefälliges Volk, das uns bei der Abfahrt nicht einmal beim Zuwas-serbringen unseres Bootes behilflich sein wollte. Teil-weise wurde noch die alte Mattentracht getragen, wie auch die Segelkanus noch mit Mattensegeln ausgerüs-tet waren. Von einem stärkeren Sturm hatte man nichts gemerkt. Eine Wanderung über die Insel zeigte uns in guter Verfassung dastehende Kokospflanzungen. Auf-fallend war die ziemlich beträchtliche Höhe der Insel – bis zu sieben Metern. – Geradezu jämmerlich waren die Wasserverhältnisse. Ein unsauberes, roh gebuddeltes Loch von etwa Metertiefe, mit schmutzigem Brackwas-ser gefüllt, diente gleichzeitig als Trink- und Wasch-platz. Für die Ungeheuerlichkeit dieses Zustandes schien unseren eingeborenen Begleitern jedes Ver-ständnis zu fehlen.

Auf der Rückfahrt zum Schiff wurden wir von einem schrecklichen Fliegenschwarm hartnäckig verfolgt, des-sen wir uns durch heftiges Schlagen und Wedeln mit den Kleidungsstücken zu entledigen suchten, um die Eindringlinge nicht mit an Bord zu schleppen.«

Die Cormoran erhält Besuch von einem Kanu von Eni-wetok-Bewohnern für ein Tauschgeschäft von tobacco gegen rote Korallenzweige. Gut mit Tabak versorgt klet-tern die Eniwetoker wieder in ihr längsseits angebunde-nes Kanu und freundlich winkend segeln sie heimwärts.

Am 4. Januar erreicht die Cormoran Ujelang, ein 13 See-meilen langes Atoll mit einem Dutzend Inseln und der Hauptinsel Ujelang. Der Erste Offizier geht mit einigen anderen Offizieren an Land und sie finden Herrn Schnuhr und seine Leute wohlauf. Ujelang ist allerdings von zwei schweren Stürmen getroffen worden. 850 Kokospalmen sind umgeweht und die Brotfrucht-bäume. Von allen stehen gebliebenen Palmen sind sämtliche Kokosnüsse und Blüten herabgeweht.

Herr Schnuhr ist sehr überrascht von dem Besuch. Nor-malerweise kommt einmal im Jahr Kapitän Olsen mit seinem Schoner der Jaluit-Gesellschaft vorbei, holt die Kopra ab und bringt Lebensmittel, Tabak, Mehl und Konserven. Als dem Deutschen klar wird, daß dieses Kriegsschiff tatsächlich seine Inseln anläuft, läßt er sich noch schnell die Haare von einer alten Frau schneiden, ein Junge wetzt währenddessen Rasiermesser und sucht die Seife, ein anderer weißt die ziemlich verschimmel-ten Schuhe mit Schlemmkreide und ein Mädchen holt den weißen Tropenanzug aus seiner Kiste und bügelt ihn schnell auf einer Decke auf dem Fußboden. Die Stube wird ausgefegt und die von den vielen Hühnern zerzauste nähere Umgebung der Hütte glatt gefegt und auch die Kanaker binden sich für den Staatsempfang ein Lavalava um. Schnell wird noch die schwarzweißrote Reichsflagge gehißt und schon ist auch das Boot des Kriegsschiffes am Landesteg.  

Normalerweise trägt Herr Schnur nur Lavalava und Strohhut auf seinem braungebrannten Körper. Er ist ganz und gar ein Südseeinsulaner geworden, der vor 28 Jahren Deutschland verlassen hat und seit 15 Jahren auf Ujelang wohnt. Er hat ein Palmenblätterhäuschen, das ihm völlig reicht, und Arbeiter aus Jaluit und Ponape für die Kokosplantage. Als König in seinem kleinen Insel-reich ist er bestens mit allem vertraut, er weiß, auf wel-cher Insel die Riesenschildkröten gefangen werden können und paßt auf, daß für seinen Mittagstisch, wenn von ihm gewünscht, eine Schildkröte serviert wird, ohne das der Bestand dadurch gefährdet ist. So weiß er wo die Kokoskrabben für seinen Speiseteller zu finden sind und Jams, Bananen und Kokosmilch gibt es genug. Auch Hühner werden gehalten und Fisch gibt es selbstver-ständlich auch genug und sein Dienstpersonal kümmert sich um alles.

Seine Tageszeitung ist sein Barometer, das er täglich ab-liest und danach sein Volk auf die verschiedenen Arbei-ten verteilt, wie Kokosnüsse öffnen, das Fleisch heraus-schneiden und zum Trocknen ausbreiten, Fischernetze flicken und dergleichen. So ist der Inselkönig glücklich mit seinem Leben und sein einziges ernsthaftes Pro-blem hat er auf seine Weise gelöst. Wenn der Schoner einmal im Jahr so im Juni vorbeikommt bringt er vier-hundert Flaschen Bier mit. Eigentlich reichen Schnuhr 365 Flaschen und in Schaltjahren 366. Aber der Schoner kommt natürlich nicht pünktlich und so hält er einen kleinen Biervorrat in Reserve. Das Problem ist nun die Kühlung des Bieres. Deshalb hat er in seiner einfachen Bretterhütte als einzigen Schmuck unter Glas und Rah-men eine Winterlandschaft an der Wand hängen. Davor ist ein kleines Wandbrett auf das morgens die schwarze Mary eine volle Bierflasche vor die Schneelandschaft stellt. Abends bildet sich der Inselherr dann ein, daß das Bier gut gekühlt zum trinken ist.

In diese glückliche Welt des Insulaners bricht nun das Kriegsschiff ein. Die Eingeborenen staunen, daß sich ihr Herr am Steg unbewaffnet den landenden Soldaten ent-gegenstellt. Erstaunt ist der Inselherr, daß es ein deut-sches Kriegsschiff ist, hat er doch in dieser Weltferne einen Kreuzer der meerebeherrschenden englischen Flotte erwartet.

Schnuhr führt die gelandeten Offiziere und Matrosen über seine Insel und schließlich sitzen die Offiziere mit ihm am Tisch. Die Herren der Handelsgesellschaft auf Jaluit hatten den Offizieren gesagt: „Der sitzt schon seit fünfzehn Jahren in Ujelang, der muß mal runter, das hält ja kein Mensch aus!“

„Also Herr Schnuhr, Sie kommen doch mit uns? Sie sind bis Ponape unser Gast. Sehen sie mal, so gut paßt das nie wieder. Sie bleiben dann in Ponape ein paar Tage, dann kommt gerade der Postdampfer, mit dem gehen sie nach Jaluit, und dann fahren Sie in sechs Wochen mit Käpt’n Olsen wieder zurück!“

„Nein, nein, das ist gänzlich ausgeschlossen. Sehen sie mal, auf Ponape und Jaluit sind lauter fremde Men-schen, – was soll ich dort, hab’ ja gar nischt dort ver-loren. – Und wer soll denn hier den Tabak an die Arbeiter verteilen, – nein, das ist gänzlich ausgeschlossen. Vielen Dank, aber lassen Sie mich, bitte, hier. Lassen Sie mich, bitte, in Ujelang! Was soll ich bei den fremden Men-schen?“

Zufälligerweise hatte Schnur für diesen Tag Auftrag ge-geben eine Riesenschildkröte und ein paar Kokoskrab-ben, die übrigens wie Hummer schmecken, zu holen und nun schenkt er diese Gaben der Natur mit einigen Eiern seinen Besuchern, die ihn natürlich auf seiner Insel belassen.

Der glückliche Schnur winkt dem davondampfenden Schiff noch lange mit seinem Strohhut frohe Abschieds-grüße nach.  

Die wertvollen meteorologischen Beobachtungen von Schnuhr für die Deutsche Seewarte in Hamburg werden vom Kommandanten der Cormoran der Seewarte zuge-stellt.

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Siedlungen

Jaboran

Jaboran ist die Europäer-Siedlung auf der Nordspitze der Insel Jabor im Jaluit-Atoll. Das Jaluit-Atoll besteht aus 91 Inseln mit 11 qkm Landfläche. Das Atoll umschließt eine Wasserfläche von 690 qkm. Jabor ist die größte Insel des Jaluit-Atolls. Jaboran liegt an der Südostdurchfahrt zur Lagune von Jaluit. Jaboran verfügt über mehrere Lan-dungsbrücken sowie eine Post- und Kohlenstation. Hier befindet sich die Hauptniederlassung der Jaluit-Gesell-schaft und Niederlassungen von Missionsgesellschaf-ten. Jaboran ist auch der Sitz der Regierungsstation für die Marshall-Inseln.

Die weiße Bevölkerung auf der Insel Jabor beläuft sich auf etwa 30 Personen. Es sind Regierungsbeamte, die Angehörigen der Missionen und die Angestellten der Jaluit-Gesellschaft, des einzigen europäischen Unter-nehmens, das auf Jaluit besteht.

Das ›Germania-Hotel‹ und die Wohnhäuser der Deut-schen bilden die Treffpunkte des gesellschaftlichen Lebens in Jaboran. Bei einem Bierabend beim Stations-leiter können auch eingeborene Häuptlinge mit ihren Frauen geladen sein und junge Mädchen führen Tänze unter Begleitung ihres Gesanges vor.

Am Strand von Jaboran entlang läuft eine Häuserreihe der Weißen und Hütten der Eingeborenen. Die Nieder-lassung der Eingeborenen liegt an der nördlichsten Spitze von Jabor mit der Residenz des alten Häuptlings Litokwa.

Die Hundehütten ähnlichen Aufbauten der Auslieger-boote, die auf den Booten als Schlafplätze dienen, sieht man auch häufig an Land vor den Hütten der Ein-heimischen stehen. Ein Weg nach Süden von Jaboran führt nur eine halbe Stunde wegs bis zur ›American town‹, eine verlassene Handelsniederlassung einer Firma aus San Francisco, wo die australische Burns-Philp-Linie ein Kohlenlager unterhält.

Von einem vor Jabor vor Anker liegendem Schiff kann man bis auf den Grund des durchsichtigen, klaren Was-ser der Lagune schauen und zahllose Schwärme von Fischen beobachten, darunter große, bläulich strah-lende Exemplare, die nachts wie ein Widerschein der Sterne im Wasser leuchten. Auch Seeschlangen kann man beobachten.

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Umsiedlungen I

Am 30. Juni 1911 erreicht die SMS Cormoran Ponape. Der Hauptgrund für das Erscheinen des Kriegsschiffes ist eine nochmalige Machtdemonstration gegenüber der einheimischen Bevölkerung nach dem Aufstand der Jokojs ein halbes Jahr vorher. Doch die Lage hat sich voll-kommen beruhigt und die Cormoran wird vom Bezirks-amtmann für eine anderweitige Angelegenheit ge-braucht, die aber auch im Zusammenhang mit dem Aufstand steht. Durch die Deportation der Dschokadsch-Leute auf die Palau-Inseln ist die dem Hafen von Ponape vorgelagerte Insel nun fast entvölkert und Bezirksamt-mann Regierungsrat Dr. Kersten will nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und die von Taifunen bedroh-ten Bewohner von kleinen Atollen nach Dschokadsch umsiedeln und so die Bewohner vor den Naturkatastro-phen schützen und gleichzeitig die Dschokadsch-Insel wieder besiedeln. Da die Umsiedlung freiwillig erfolgen soll sind Häuptlinge der östlich von Ponape liegenden kleinen Atolle Pingelap und Mokil beim Bezirksamt anwesend und haben sich erboten, einen Teil ihrer Stammesangehörigen zur freiwilligen Übersiedlung zu veranlassen. Es fehlt aber an Fahrgelegenheiten und so bittet Kersten den Kommandanten der Cormoran diese Aufgabe zu übernehmen. Paul Ebert, der Kommandant von Cormoran:

»Angesichts der Wichtigkeit der Angelegenheit ent-schloß ich mich, der Bitte des Bezirksamtmanns zu entsprechen und den Transport mittels Cormoran zu bewerkstelligen. Am Sonnabend, den 1. Juli, nahm ich im Bezirksamt an einer Versammlung teil, in der der Bezirksamtmann den Häuptlingen von Pingelap und Mokil in meiner Gegenwart die letzten Anweisungen gab; die Abfahrt dorthin wurde auf Dienstag, den 4. Juli, acht Uhr festgesetzt. Ein malerisches eigenartiges Bild, diese Versammlung: In der Mitte, auf Stühlen sitzend, der Bezirksamtmann und ich, zur Seite der Dolmetscher; am Boden im Halbkreis mit untergeschlagenen Beinen hockend die Häuptlinge, mit klugen, aufmerksamen Augen an den Lippen des Sprechers hängend, im Hin-tergrunde auf den Stufen der offenen Veranda der weib-liche Anhang der Abgesandten.«

Am 6. Juli holt die Cormoran 77 Umsiedler von den drei Inseln des Pingelap-Atolls ab. Mit ihren Kanus vollbe-laden mit Hausrat, Hunden, Schweinen und Hühnern steuern sie das Kriegsschiff an. Der Kommandant:

»Von nervigen Fäusten hilfsbereiter Matrosen wurde nach und nach die ganze braune Gesellschaft an Bord des Cormoran gezogen, wo sich das fröhliche Völkchen unter dem an Deck aufgespannten Sonnensegel bei gegenseitigem Necken und Scherzen bald unbefangen häuslich einrichtete. Der Sorge um die Verpflegung der Leute war ich enthoben, weil sie sich ihre aus Früchten bestehende Nahrung verabredungsgemäß selbst mitge-bracht hatten. Die Bekleidung der Frauen bildete meist das unter dem Einfluß der Missionare eingeführte, scheußliche Hemdkleid, bei den Männern ein europäi-sches Hemd und Hose; doch begnügten sich verschie-dene, besonders unter den jüngeren Leuten beiderlei Geschlechts, mit der ihnen weit bequemeren und im Hinblick auf das feuchte Klima auch gesünderen, Ober-körper und Beine freilassenden Lendenbekleidung.«

Auch die Kanus der Leute werden an Deck geholt.

Erst nach Einbruch der Dunkelheit kann die Cormoran die 14 Übersiedler von den drei Inseln des auch kaum aus dem Wasser ragenden Mokil-Atolls aus ihren drei Kanus an Bord nehmen. »Froh, glücklich an Bord ge-langt zu sein, gesellten sie sich zu ihren Freunden von Pingelap.« Am nächsten Morgen ist das Schiff wieder in Ponape-Hafen und entläßt seine Gäste in die neue Hei-mat.

Anfang Januar 1913 ist die Cormoran nach einer Tour durch die deutsche Südseeinselwelt wieder auf Ponape. Kommandant Paul Ebert: »Meine erste Sorge war, mich nach dem Ergebnis der Überführung der Leute von Pin-gelap und Mokil, die Cormoran bei unserem letzten Besuche durchgeführt hatte, zu erkundigen und die von den Einwanderern auf Dschokadsch angelegten Dörfer zu besuchen. Ich fand vier dieser Dörfer auf Dscho-kadsch vor. Die Dörfer machten einen sauberen, ordent-lichen Eindruck, der Wegebau war auf der Insel gut gefördert, die letztere selbst mit der Hauptinsel durch einen Fahrdamm verbunden. Allerdings hatten die Leu-te ein gewisses Heimweh nach ihrer Heimartinsel noch nicht überwunden, so daß mit einer wechselseitigen Hin- und Rückwanderung einzelner Ansiedlergruppen gerechnet werden mußte.«

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Umsiedlungen

Mitte Februar 1911 ist der Aufstand auf Ponape nieder-geschlagen. Die Anführer der Jokojs werden erschossen. Der Stamm der Dschokadsch-Leute wird zunächst nach Jap und Angaur deportiert und schließlich ins Dorf Palau auf Babeltaob, der Hauptinsel der Palau-Gruppe, ver-bracht. Das Gebiet der Jokojs auf Dschokatsch wird mit Karolinern besiedelt. Das Lehensrecht der anderen auf Ponape lebenden Stämme wird aufgehoben und die Lehensmänner zu freien Eigentümern ihres Landes ge-macht. Ebenso werden die Naturalabgaben an die ehe-maligen Lehnsherren aufgehoben und dafür die Kopf-steuer an die deutsche Verwaltung eingeführt. Der We-gebau, der ein Hauptanlaß für den Aufstand war, und von der einheimischen Bevölkerung geleistet werden mußte, wird wieder aufgenommen. Ende 1911 werden noch einmal aufrührerische Elemente der Inselbevöl-kerung in die Verbannung geschickt.

Der Völkerkundler Karl Sapper schreibt 1913 über die Deportation der Dschokadsch-Leute und weitere Um-siedlungen auf den Pazifikinseln durch die deutsche Verwaltung:

»Es ist ja für den Europäer so außerordentlich schwer, den Eingeborenen und seine Einrichtungen ganz und gar zu verstehen, und darum ist ein Eingreifen in ihre sozialen Verhältnisse namentlich dann, wenn nicht zu-vor eine eingehende ethnologische Untersuchung der-selben stattgefunden hat, immer eine Tat, die unter Umständen trotz der besten Absichten seitens der Euro-päer doch dem Eingeborenen oder wenigstens einem Teil derselben Gewalt antun und damit den Keim der Unzufriedenheit in sein Herz setzen könnte!«

Über die Deportation der Jokojs schreibt Sapper weiter: »Aber dieselbe hatte gewisse gesundheitliche Folgen, die zeigen, wie vorsichtig man bei Transplantation von Menschen und Volksstämmen vorgehen muß. Die Karo-linier (Mortlock-Leute), die von Saipan aus nach Dscho-kadsch (Ponape) übersiedelten, schleppten dort eine in Saipan seit lange heimische Augenkrankheit ein, eben-so angeworbene Zentralkarolinier nach Nauru; die Dschokadsch-Leute ihrerseits brachten die Augen-krankheit zunächst nach Jap und dann nach Palau, wo sie sich weiter verbreitete. Wohl ist gegen die Krank-heit, namentlich dank der Untersuchungen von Dr. Le-ber und Dr. von Prowaczek, eine sichere Bekämpfungs-weise gefunden worden, so daß sie bei ärztlicher Be-handlung meist gutartig verläuft, aber der Fall an sich zeigt eben doch überzeugend, daß aus der Verpflanzung eines Volksstammes auch manche nicht gewünschte Folgen erwachsen können.

Angesichts dieser Erfahrungen an sich aber muß man einer weitausgreifenden Maßregel der Kolonialregie-rung von Deutsch-Neuguinea mit einiger Sorge entge-gensehen: es ist daß die seit Jahren ins Auge gefaßte und zum Teil schon durchgeführte Transplantation der Bevölkerung der niedrigen Inselchen Mikronesiens nach größeren hohen Inseln des Archipels. Der offizielle Bericht von 1911/12 schreibt darüber: »es war vor allem immer wieder das entsetzliche Elend und die vollkom-mene Hilflosigkeit dieser Insulaner nach den Taifunen, die von Zeit zu Zeit über die niedrigen Inseln hinweg-brausen und zusammen mit der nachfolgenden Flut-welle alles vernichten, die den Gedanken nahelegten, diese Leute an weniger gefährdete Plätze zu bringen. Die Inselbewohner hängen aber mit einer rührenden Liebe und bewundernswürdigen Zähigkeit an ihrer Heimat, und mehrere Versuche, ihnen günstige Wohnsitze zu-zuweisen, sind fehlgeschlagen. Trotzdem ist zu hoffen, daß es in vorsichtiger geduldiger Arbeit gelingen wird, die Verlegung der Wohnplätze durchzuführen. Im Be-richtsjahr ist wiederum an einigen Plätzen mit dieser Aufgabe begonnen worden. Es sind in Ponape in der Landschaft Dschokadsch Zentralkaroliner angesiedelt worden, die sich zunächst auch ganz wohl fühlen, dann sind von anderen Inseln der Zentralkarolinen Eingebo-rene nach Saipan gesandt worden. Dort sitzen seit lan-gem schon stamm- und sprachverwandte Leute, von de-nen die Neuankömmlinge sofort aufgenommen worden sind.

Die Zusammenschiebung auf den großen Inseln wird nicht nur die Taifungefahr mindern, sondern vor allem auch den Lebensmut dieser in ihrer Vereinsamung und Abgeschlossenheit verkümmernden Inselbewohner wiederherstellen; es wird eine größere Blutmischung möglich sein, als auf den kleineren verkehrslosen Atollen und auch die Verwaltung wird besser in der Lage sein, sich mit dem Schicksal dieser liebenswürdigen und intelligenten Bevölkerung zu befassen. Das Land, das durch die Versiedlung frei wird, soll zusammen mit dem jetzt brachliegenden in intensive Plantagenkultur genommen und zu diesem Zweck an kapitalkräftige Un-ternehmer verpachtet werden«.

Es ist ein sorgfältig durchdachtes Programm, das in diesen Worten zum Ausdruck gelangt, ein Programm, das durchaus von menschenfreundlichen Motiven be-herrscht wird, zugleich aber auch den Vorteil der Ver-waltung ins Auge faßt. So sehr ich all dies anerkenne, so muß ich doch meinerseits hinzufügen, daß es sich hier um ein Experiment handelt, von dessen gutem Ausgang ich mich noch nicht habe überzeugen können.«

Sapper fügt dem hinzu: »Aber werden dann nicht die Arbeiter dieser Gesellschaft, die doch wohl wieder Mi-kronesier sein werden und zwar als angeworbene junge Männer geradezu die Blüte ihrer jeweiligen Heimatsbe-völkerung darstellen, eben den Gefahren von Taifunen und mangelnder ärztlicher Hilfe überliefert werden müssen, denen man die ursprüngliche Bevölkerung entreißen will? Es ist schwer, bei solcher Sachlage einen entscheidenden Vorteil aus der Transplantation heraus-zurechnen, selbst wenn man zugibt, daß diese Arbeiter-bevölkerung nur je einen Teil des Jahres auf der betref-fenden Insel weilen müßte. Alles in allem halte ich das Projekt, wie schon erwähnt, für ein Experiment von zweifelhaftem Erfolge und sollte meinen, daß es für die Gesamtbevölkerung Mikronesiens sicherere Früchte trüge, wenn man sie auf ihren angestammten Inseln be-ließe, solange sie nicht selbst den dringenden Wunsch einer Übersiedlung zeigen …«

In einer weiteren Anmerkung hält Sapper fest: »Wenn im amtlichen Bericht von 1912/13 es als eine Aufgabe der Verwaltung angesprochen wird, eine soziale Umgestal-tung der Stämme im Inselgebiet vorzunehmen, nament-lich das Ansehen der Frau in der Familie zu heben und dergleichen mehr, so ist bei der Ausführung dieser Ideen allergrößte Vorsicht notwendig und vorherige gründliche ethnologische Untersuchung der Gebräuche unentbehrlich.«

»Unbedenklich erscheint« Sapper »dagegen die Versie-delung«, die 1912 amtlich gemeldet wird. So wurden in den Westkarolinen östlich von Jap 495 von Taifunen betroffene Bewohner der Ullulsi-Gruppe von neun auf vier Eilande konzentriert, die 616 Menschen zählende Bevölkerung der vorher sechs bewohnten Oleai-Inseln wurden auf die drei Inseln Fallalap, Natagal und Fallalis zusammengezogen und in der Ifalik-Gruppe wurden die 241 Einwohner von zwei Inseln auf der Insel Flalap zusammengeführt.

Auch die Franzosen führen auf ihren Südseeinseln gleichermaßen Umsiedlungen durch.