Neben der Erschließung Chinas für die deutsche Wirt-schaft durch einen deutschen Hafen an der chinesi-schen Küste war der hauptsächliche Grund für die Nahme der Bucht von Kiautschou und seines nahen Hinterlandes als Kolonie die Schaffung eines deutschen Marinestützpunktes in Ostasien.
Wegen der starken deutschen Wirtschaftsaktivitäten im Pazifikraum ist zu deren Schutz auch die deutsche Marine im Einsatz. Nur war die Flotte auf japanische und englische Basen für ihre Schiffe im westlichen Pazifik angewiesen. So hatte man schon länger die Küste Chinas erkundet und einen passenden Ort für die Anlage eines eigenen Kriegshafens gesucht. Schließlich wählte man die Bucht von Kiautschou. Die Bucht von Kiautschou hat den Vorteil der nördlichste eisfreie Bereich an der chinesischen Küste zu sein, sodann liegt die Bucht so weit nördlich, daß sie von Taifunen verschont bleibt und es ist möglich in der Bucht einen Hafen anzulegen. Es fehlte nur noch ein Anlaß für die Übernahme der Bucht in deutschen Besitz. Der Mord an zwei deutschen Missionaren in China Anfang November 1897 war dann der willkommene Grund für die Besetzung der Bucht und ihres Hinterlandes.
Marinepfarrer Weicker gibt Auskunft über das Ostasia-tische Kreuzergeschwader nach dem Stand von 1907:
»Das Kreuzergeschwader der ostasiatischen Station be-steht zurzeit aus dem Großen Kreuzer Fürst Bismarck, den kleinen Kreuzern Leipzig, Niobe und Arcona, den Kanonenbooten Iltis, Tiger, Luchs, Jaguar, den Fluß-kanonenbooten Tsingtau, Vaterland, Vorwärts und den Torpedobooten S 90 und Taku. Alle diese Schiffe sind auf verschiedene „Stationen“ verteilt und es ist dabei ihr Reiseplan so eingerichtet, daß sie mit einer gewissen Regelmäßigkeit an allen Plätzen der Küste und des Jangtse die Flagge zeigen. Von den Flußkanonenbooten ist Tsingtau bei Kanton auf dem Westfluß und seinen Nebenflüssen, Vaterland und Vorwärts sind auf dem Jangtse stationiert. Diese Flußkanonenboote haben ihr Auge besonders auch auf die Flußpiraten gerichtet, deren räuberischen Überfällen alljährlich manche Dschunke zum Opfer fällt, sei’s daß sie geplündert und versenkt wird, sei’s daß sie durch „schweres Lösegeld“ ihre Freiheit sich erkaufen muß. Wichtige Dienste leisten diese sehr flach gehenden Boote durch ihre Erkundungsfahrten auf Nebenflüssen und Kanälen tief ins Land hinein, von denen sie zahlreiche geographische Einzelheiten und wichtige Berichte über wirtschaftliche Zustände mit zurückbringen.«
1913 besteht das Ostasiatische Kreuzergeschwader aus den Großen Kreuzern Scharnhorst und Gneisenau, den drei Kleinen Kreuzern Leipzig, Nürnberg und Emden, den vier Kanonenbooten Iltis, Jaguar, Tiger und Luchs, den drei Fluß-Kanonenbooten Tsingtau, Vaterland und Otter, den beiden Torpedobooten Taku und S 90 und der 1910 zum Begleitdampfer für das Geschwader ausge-rüsteten Titania. Seit 1907 ist die deutsche Flotte im Pazifik insbesondere mit den beiden modernen Großen Kreuzern verstärkt worden und auch für repräsentative Aufgaben mit den neuen Schiffen gut aufgestellt.
Die Ostasiatische Station hat aber auch in der deutschen Marine regelmäßig die höchste Quote an Neuerkran-kungen bei Geschlechtskrankheiten. Natürlich gibt es auch die üblichen kuriosen medizinischen Fälle, wie auf der SMS Hertha 1902, auf der ein Heizer seinen Kame-raden das Messerschlucken vorführt und dabei eine Ga-bel verschluckt, die dann operativ entfernt werden muß.
Auf den Schiffen des deutschen Ostasiengeschwaders sind die Köche und Wäscher Chinesen, was Geld und deutsche Soldaten einspart.