Seit dem 3. Oktober 1895 besitzt das Deutsche Reich in der am Yangtsekiang gelegenen Stadt Hankau eine Konzession von 100 englischen Acres, was gleich 0,4 Quadratkilometer ist. Von diesem altenglischen Maß an Acres/Äckern – ein Acre/Acker ist gleich der Fläche, die an einem Tag von einem Bauern mit einem Ochsen beackert werden kann – besitzt England in Hankau 115 Acres, Frankreich 60 Acres, Rußland 60 Acres und Japan 32 Acres. Schließlich vermißt man aber 46 Hektar = 0,46 Quadratkilometer = 113,6 Acres für die deutsche Kon-zession in Hankau. Eine solche Konzession in China bedeutet ein vollständig dem Recht des Staates mit der Konzession unterworfenes Gebiet.
Hankau ist ein Zentrum von Handel und Wirtschaft in China und der größte Binnenhafen des Landes und so haben sich die Kolonialmächte in der Stadt von einer Million Einwohnern am mittleren Yangtsekiang ihre Einflußsphären gesichert. Die Konzessionsgebiete lie-gen aneinandergereiht am Fluß außerhalb der chine-sischen Stadt. So ist auch die deutsche Konzession in der Stadt in einer Länge von einem Kilometer am Ufer des mächtigen Flusses gedacht für die Sicherung des deut-schen Handels und Einflusses tief im Inland von China. Der jeweilige deutsche Konsul in Hankau ist auch gleichzeitig der Verwaltungschef der Konzession.
Der Ingenieur Gustav Leinung erstellt noch 1895 die erste Karte des Konzessionsgebietes. Die Regierung in Berlin beauftragt 1897 die Deutsch-Asiatische Bank mit der Entwicklung der Konzession. Der Regierungsbau-meister Schönsee kommt Ende 1898 nach Hankau, um im Auftrag der Deutsch-Asiatischen Bank einen Stra-ßenplan und die technische Infrastruktur zu entwerfen. Er ebnet das Gelände ein, läßt zum Fluß hin das Land um fünf Meter aufschütten und befestigt die Uferkante mit Sandstein. Schönsee schafft ein rechtwinkeliges Stra-ßenraster für die zu bauende Stadtanlage. 1899 gründet die Deutsch-Asiatische Bank die Hankau-Niederlas-sungs-Gesellschaft für den Verkauf der Grundstücke.
Prinz Heinrich von Preußen, der jüngere Bruder von Kaiser Wilhelm II, legt am 30. April 1899 den Grund-stein für den Kai, auf den auch die Uferstraße gesetzt wird und die den Namen Prinz-Heinrich-Ufer erhält.
Im Herbst 1899 richtet der Norddeutsche Lloyd eine Linie auf dem Yangtse bis nach Hankau ein. Der Dienst selbst ist kein nennenswerter wirtschaftlicher Erfolg, dennoch sind die Yangtse-Dampfer unentbehrlich als Zubringer für die ostasiatischen Reichspostdampfer des Lloyd, die Schanghai anlaufen.
Während des Aufstandes der Boxer meldet am 9. Okto-ber 1900 der Kommandant des Kanonenbootes Schwal-be, der die Stationärsgeschäfte in Hankau übernommen hat: »Nach meiner Einschätzung droht den Europäern in Hankau bei Anwesenheit einiger, wenn auch kleinerer Kriegsschiffe durch einen Aufstand des chinesischen Pöbels keine Gefahr.« Die Deutschen vor Ort sehen auch nicht die geringste Gefahr für sich in Hankau.
Nach einer Erkundungsfahrt auf dem Yangtse im Febru-ar-März 1903 schreibt der 2. Admiral des Ostasiatischen Kreuzergeschwaders, Graf Friedrich von Baudissin, über Hankau: »Die deutschen Interessen legen ein er-freuliches Zeugnis ab von der Fähigkeit, Gründlichkeit und Thatkraft des deutschen Kaufmanns. An dem Im-port und besonders an dem Exporthandel aus den Yangtse-Gebieten sind die Deutschen erst seit den 80er Jahren betheiligt, von dann aber in stetig steigenden Maaße, was indessen äußerlich erkennbar erst mit dem Auftreten der Handelsflagge und der Einrichtung regel-mäßiger Linien in die Erscheinung tritt. Während der englische Antheil an der Thee-Ausfuhr, dem früher alleinigen Export-Artikel größeren Maaßstabes, Schritt für Schritt zurückging, erkämpfen sich die deutschen Häuser langsam aber sicher die führende Rolle in der Ausfuhr der vielseitigen Artikel – von den Engländern noch heute mug and trug Artikel genannt – welche bis jetzt neben Seide das Fundament des Ausfuhrhandels Chinas bilden. Vom Thee-Handel abgesehen, welcher quantitativ meist in russischen Händen liegt, welche den, aus minderwertigen Sorten fabrizierten sog. Ziegel-thee nach und über Sibirien leiten, wird man mit der Behauptung nicht zu hoch greifen, daß annähernd ¾ des ganzen Import- und Exporthandels von Hankau in deut-schen Händen liegt.«
Über den Yangtse ist Hankau mit Schanghai verbunden und über den Fluß auch selbstverständlich zum Welt-meer. Die Hamburg-Amerika-Linie betreibt 1905 zwei Dampfer auf der Strecke Hankau-Schanghai. Bei Han-kau ist der Yangtse noch 700-800 m breit und für See-dampfer mittlerer Größe befahrbar.
Der Norddeutsche Lloyd führt 1905 die Linien Schang-hai-Hankau und Hankau-Ichang. Ichang ist nach Han-kau die zweitgrößte Stadt der Provinz Hubei und ist über Nebenflüsse mit dem Yangtse verbunden.
Als das Konsulat gerade fertiggestellt ist wird auch im Januar 1906 von Berlin die Gründung einer deutschen Stadtverwaltung genehmigt, die vom deutschen Konsul die Verwaltung der Konzession übernimmt. Die neue Selbstverwaltung errichtet ein Rathaus mit einer Poli-zeistation. Das Rathaus liegt an der Wilhelmstraße, die parallel zum Prinz-Heinrich-Ufer die Konzession durch-zieht. Die Firma Melchers & Co. wird mit der elektri-schen Straßenbeleuchtung und der Elektrifizierung der Konzession beauftragt, welche ab 1907 beginnt.
Durch die Eröffnung der Bahnverbindung nach Peking am 15. November verbessert sich auch die Verkehrslage von Hankau. Die Bahnlinie führt unmittelbar an der deutschen Konzession vorbei und ein Anschlußgleis führt in die deutsche Konzession hinein bis an den Kai am Yangtsekiang.
1908 verkauft die deutsche Niederlassungsgesellschaft endlich das letzte Land in der Konzession und löst sich auf. An der Wasserseite werden repräsentative Bauten errichtet und Lagerhallen für den eigentlichen Zweck der Konzession, den Handel. In zweiter Reihe hinter den herrschaftlichen Repräsentations- und Wohnhäusern am Prinz-Heinrich-Ufer und der Wilhelmstraße ent-stehen an der Friedrichstraße – der dritten großen Straßenachse durch die Konzession, alle jeweils 1075 m lang – die Wohnsiedlungen für die chinesischen Arbei-ter und Bediensteten der Europäer mit ihren Familien und die Markthalle. Sie bestehen aus zweistöckigen Reihenhäusern im Kolonialstil wie sie auch etwa in George Town/Penang und Singapur zu sehen sind.
Das Rathaus wird 1909 eröffnet. Die Straßen werden mit Bäumen bepflanzt. In der deutschen Konzession herrscht auch deutsche Ordnung und Sauberkeit. Opiumhöhlen sind verboten und Pferdeäpfel dürfen nicht auf den Straßen liegengelassen werden. Die von der deutschen Verwaltung angestellten indischen Poli-zisten sorgen für Ruhe und Ordnung nach deutschem Standard.
Die Volkszählung von 1909 in der deutschen Konzession erfaßt 130 Europäer, 235 Japaner, 516 bei Europäern angestellte Chinesen sowie 2050 weitere Chinesen; 42 europäische Wohnhäuser, 55 Lagerhäuser, 69 Zusatz-bauten, 23 Fabriken und 382 »chinesische Gebäude«.
Hankau ist der zentrale Anlaufpunkt für die Station der deutschen Yangtse-Patrouille auf dem mittleren Yang-tsekiang, aber in Hankau ist kein Kanonenboot ständig stationiert. Nach dem Boxeraufstand ist zwar ständig ein Schiff in Hankau, dann aber wird mit Einverständnis des Kaisers die Station seit Frühjahr 1903 nach Bedarf besetzt. Die Deutsche Vereinigung in Hankau will aber einen festen Stationär vor Ort und will natürlich auch aus Stolz nicht hinter der Station Schanghai nachstehen, wo ständig ein deutsches Kriegsschiff auf Posten ist für die an die tausend Deutschen und ihre Handelsinte-ressen in der größten Hafenstadt Chinas.
Deutsche Kriegsschiffe auf Besuchsfahrt, wie das Kano-nenboot Thetis, fahren auf dem Yangtsekiang bis nach Hankau. So die Thetis ab dem 28. April 1902 mit dem Chef des deutschen Ostasiengeschwaders Vizeadmiral Richard von Geißler an Bord über Nanking, der südli-chen Hauptstadt Chinas, nach Hankau, um Flagge zu zeigen und kehrt dann in die deutsche Marinebasis Tsingtau zurück.
Ein besonderer Besuch der deutschen Flotte in Hankau findet vom 8. bis 12. Juni 1904 statt, als der Admiral des Ostasiatischen Geschwaders auf seiner alljährlichen Yangtse-Reise – 1904 und 1905 ist der Kommandierende Admiral des Geschwaders Vizeadmiral Curt von Pritt-witz – bei seiner Fahrt auf dem Yangtse mit seinem Flaggschiff, dem Großen Kreuzer Fürst Bismarck, und dem kleineren Großen Kreuzer Hertha in Hankau ist. Trotz des Tiefgangs von 8,50 m der Fürst Bismarck kann Admiral von Prittwitz, bedingt durch den hohen Wasserstand des Yangtse, mit den beiden modernen Kriegsschiffen Hankau erreichen und so auch einen Prestigegewinn für Deutschland erzielen.
Auch Prinz Adalbert von Preußen, der dritte Sohn des Kaisers, ist als Marineoffizier bei der Besuchsfahrt da-bei, was die Ehre für die deutsche Kolonie in Hankau noch einmal erhöht. Selbstverständlich werden bei der Yangtse-Fahrt vom Admiral chinesische Potentaten an Bord geladen, um ihnen Macht und Größe des Deut-schen Reiches anschaulich vor Augen zu führen. Auch die anderen Kolonialmächte in China suchen natürlich mit einer Flottenpräsenz in chinesischen Gewässern Eindruck zu machen.
Im März 1907 ersucht die Deutsche Vereinigung Han-kau den Reichskanzler in einem Schreiben um die Sta-tionierung eines Kriegsschiffes in Hankau. Seit der Ab-fahrt des Kanonenbootes Iltis am 27. November 1906 ist kein größeres deutsches Schiff mehr in Hankau gewe-sen. »Zwar sind inzwischen die kleinen Flußkanonen-boote Vaterland und Vorwärts gelegentlich für kurze Zeit hier gewesen, jedoch ist die Handvoll Leute, welche diese im Ernstfall landen können, zu gering, als daß sie in die Waagschale fallen würde.« Die Flußkanonenboote haben 30-50 Mann Besatzung, während die Kanonen-boote 130 Mann Besatzung aufweisen. Um den »chine-sischen Pöbel«, wie die Deutsche Vereinigung schreibt, einzuschüchtern, seien nur die größeren Schiffe geeig-net.
Immer wieder kommt es in Hankau zu Unruhen, die hauptsächlich mit innerchinesischen Problemen zu tun haben. Die etwa 200 Reichsdeutschen im Raum Hankau fürchten um ihre Geschäfte, die oft auf Hamburger Firmen basieren und so unterstützt auch der Ostasia-tische Verein in Hamburg die Bitte um eine dauernde Stationierung eines deutschen Kriegsschiffes in der Stadt.
Der Chef des Ostasiatischen Geschwaders, Konteradmi-ral Alfred Breusing, erkundigt sich über die Verhältnisse in Hankau und kommt zu dem Schluß, daß keine be-sondere Gefahr für Leben und Eigentum der Deutschen im Raum Hankau vorliege und so auch keine dauernde Stationierung eines deutschen Kriegsschiffes dort not-wendig sei.
Als im November 1908 der deutsche Gemeinderat von Hankau, unterstützt vom deutschen Konsul in Hankau, die Bitte um einen Stationär wiederholt und dafür gleich einen Kleinen Kreuzer verlangt, reagiert der neue Ge-schwaderchef, Admiral Carl Coerper, wie sein Vorgän-ger, er schickt zunächst ein Kanonenboot nach Hankau und stellt fest, daß für einen Stationär keine Notwen-digkeit bestehe, da die Lage in Hankau ruhig ist. An den Admiralstab in Berlin schreibt Coerper, daß die »Einga-ben, Requisitionen und Agitationen« aus Hankau nicht eher ruhen würden, bis eine Gleichstellung mit Schang-hai erreicht ist.
Tatsächlich besuchen nun vermehrt deutsche Kriegs-schiffe Hankau, aber eine Gefährdung ist in Hankau nicht abzusehen, die natürlich auch die anderen Mächte vor Ort betreffen würde und die im Notfall ebenfalls sofort Schiffe nach Hankau schicken würden und so auch dem Schutz der Deutschen in Hankau dienlich wären. Der Geschwaderchef muß mit seinen Kräften haushalten und muß auch dem Druck der deutschen Wirtschaftslobby wiederstehen und so bekommt Han-kau kein ständig anwesendes Kriegsschiff.
Am 21. Januar 1911 kommt es in der englischen Kon-zession von Hankau zu Unruhen wegen eines unklaren Todesfalles eines chinesischen Rikschakulis, der unge-rechtfertigt von der chinesischen Bevölkerung der eng-lischen Polizei angelastet wird. Die Engländer haben das Landungskorps eines ihrer Kanonenboote und ihre Freiwilligenkompanie zum Schutz zur Verfügung und rufen die Deutschen zu Hilfe, die ebenfalls über eine Freiwilligenkompanie und über das Landungskorps des Kanonenbootes Jaguar verfügen. Die Engländer stoppen schließlich die über den Bund, der Promenadenstraße am Fluß, in die europäischen Niederlassungen eindrin-gende Menschenmasse von etwa 6000 Chinesen, indem sie das Feuer auf die Chinesen eröffnen. Nach seinem Eintreffen verstärkt das deutsche Landungskorps die englische Schützenkette, braucht aber selbst nicht mehr das Feuer zu eröffnen. Chinesische Truppen überneh-men nun die Sicherung der europäischen Niederlas-sungen und die beiden deutschen Militärverbände sichern in der Nacht noch ebenso die Niederlassungen und führen Patrouillengänge aus. Am nächsten Tag geht das Landungskorps auf die Jaguar zurück und die Frei-willigenkompanie findet sich wieder an ihren Arbeits-plätzen ein.
Für die infanteristische Ausbildung der Besatzungen deutscher Kriegsschiffe bei ihren Besuchen in der Stadt am Yangtse stellt sich die deutsche Freiwilligenkom-panie von Hankau bei Feldübungen in der Nähe der Stadt als Manövergegner zur Verfügung.
Zur Unterhaltung der deutschen Kriegsschiffbesatzun-gen bei ihren Aufenthalten in Hankau richtet der deut-sche Frauenverein ein Zimmer für die Seeleute ein mit Lektüre und Gesellschaftsspielen, da »Hankau den Leu-ten nur sehr wenig bietet«. In einem Bericht des Ost-asiatischen Kreuzergeschwaders vom April 1911 steht über das Hankauer Seemannszimmer zu lesen: »Die Mannschaften erhalten hier Butterbröte, Kuchen und Kaffee und können gegen Bezahlung Bier und Zigarren entnehmen.«
Beim Ausbruch der Chinesischen Revolution im Herbst 1911 versammelt sich in Hankau eine internationale Flotte zum Schutz der Interessen der ausländischen Mächte am Yangtse. An deutschen Kriegsschiffen liegen bereits das Flußkanonenboot Vaterland, das Kanonen-boot Tiger und der Kleine Kreuzer Leipzig in Hankau, welche für den Wach- und Polizeidienst in der deut-schen Niederlassung ihre Landungskorps stellen. Mitte Oktober treffen auch das Torpedoboot S 90 und das Kanonenboot Iltis von Nanking kommend mit dem neuen Chef des Ostasiengeschwaders, Konteradmiral Günther von Krosigk, in Hankau ein.
Während insbesondere die großen Schiffe wegen des fallenden Wasserstandes des Yangtse zum Winter hin die Stadt verlassen und zu anderen Flußstädten beordert werden, um in den Wirren der Chinesischen Revolution dort Sicherungsaufgaben zu übernehmen, verbleibt die Iltis bis zum März 1912 in Hankau. Das Kreuzerge-schwader schickt aber im November 1911 noch 50 Mann mit zwei Maschinengewehren von den Großen Kreu-zern Scharnhorst und Gneisenau nach Hankau zum Schutz der Deutschen dort. Die Deutsche Vereinigung Hankau will aber noch 200 Mann mehr und richtet in der Sache sogar ein Telegramm an den Kaiser, aber der Admiralstab hält den vorhandenen »Schutz gegen den Pöbel« für ausreichend und für den Fall eines Angriffes von chinesischen Truppen würde auch die erbetene Verstärkung nicht ausreichen: »In diesem Falle müßte die deutsche Vereinigung den Rückzug auf die Schiffe in Betracht ziehen.«
Die Revolutionäre achten aber unbedingt die Ausländer und ihr Eigentum, um nicht durch das Eingreifen der ausländischen Mächte ihre Revolution zu gefährden. Obwohl alle anderen Mächte ihre Truppen aus Hankau abziehen, da sich die Lage vollkommen beruhigt hat, bleibt auf »allerhöchsten Befehl seiner Majestät« der deutsche 50 Mann-Trupp in Hankau, die Schiffsmann-schaft wird aber durch Soldaten aus der Garnison in Kiautschou ersetzt. Quartier der Truppe ist das Rathaus der deutschen Niederlassung und im Mai 1913 denkt man an den Bau von Baracken für die Truppe, da mit einem »Verbleiben des Detachments noch weiter ge-rechnet werden muß.«
Im deutschen Konsulatsbezirk Hankau sind im Jahre 1900 11 deutsche Firmen ansässig. Bis 1912 steigt die Zahl der deutschen Unternehmen im Bezirk auf 28.
Die Zeitung der Stadt, The Hankow Daily News für die europäische Leserschaft, wird von einem Deutschen herausgegeben.
In der deutschen Konzession entsteht 1913 die deutsche Schule und der Bau der deutsch-chinesischen Techni-schen Hochschule beginnt.
1914 leben etwa 300 Deutsche in Hankau – im Jahre 1900 waren es etwa 100 – , wovon jedoch nur um die 100 in der deutschen Konzession wohnen. Die meisten Deutschen wohnen und arbeiten in der britischen Niederlassung, da diese näher an der chinesischen Geschäftsstadt liegt. Zur gleichen Zeit leben etwa 300 Briten, 170 Russen, 75 US-Amerikaner, 70 Italiener und 65 Franzosen in Han-kau. In der deutschen Konzession wohnen zu dieser Zeit außer den rund 100 Deutschen an die 100 Briten, gegen 80 andere Weiße, ein Dutzend Filipinos, etwa 150 Ja-paner und über 10.000 Chinesen.
Am 1. Juli 1914 sendet der Hankauer Konsul Ernst För-ster Reichskanzler Bethmann Hollweg den Vorschlag in Hankau neben dem Generalkonsulat in Schanghai ein zweites deutsches Generalkonsulat zu schaffen, nach-dem zum 1. Juli auch Belgien und Italien ihre Konsulate in der Stadt zu Generalkonsulaten erhoben haben und nun Deutschland als einzige ausländische Macht nur ein Berufskonsulat habe und deshalb auch nicht der deut-sche Konsul Vorsitzender des konsularischen Korps von Hankau werden könne und er nun in seiner Stellung gegenüber den anderen Mächten zurückgesetzt ist. Die Lage ist um so bedenklicher, da der deutsche Handel den größten Anteil des ausländischen Gesamthandels Hankaus ausmacht und nach »neuesten Feststellun-gen« die deutsche Kolonie die zahlreichste ist. Noch wichtiger als die Stellung gegenüber den anderen Mächten ist Förster allerdings der Eindruck auf die Chinesen:
»Auch ihnen ist die Bedeutung des deutschen Handels in Hankau wohl bewußt. Wenn sie nun sehen, daß Mächte, die auf dem Yangtse kaum Interessen haben, ihre Konsulate in Generalkonsulate umwandeln, so liegt die Gefahr nahe, in dem deutschen Verhalten eine Nichtachtung gegenüber China zu sehen.«
Im August/September 1914 soll der moderne Kleine Kreuzer Emden Hankau anlaufen und seine Anwesen-heit wird zweifellos das deutsche Ansehen in der Stadt stärken.