Zunächst war Wißmannhafen an der Bucht von Kassanga ganz im Süden des Tanganikasees 1898 als Werftplatz für den Zusammenbau des mühselig in Einzelteilen herangebrachten Dampfers Hedwig von Wißmann ausgesucht worden. Als erstes wurden einige Grasgebäude errichtet und dann begann 1899 der Bau der Werft. Gleich in der Nähe baut dann die Schutz-truppe eine Boma, die vom Gouvernement in Dares-salam den Namen Bismarckburg bekommt und der dazugehörige Militärbezirk ebenso. Der Turm der Boma auf der Spitze der südlichen Halbinsel, die die Bucht von Kassanga umschließt, wird allerdings von einem Erd-beben wieder zerstört.
Das Deutsche Kolonial-Lexikon schreibt:
»Bismarckburg ist ein Ort in Deutsch-Ostafrika am Ostufer des Tanganjika 810 m ü. d. M. in der Landschaft Urungu, deren zu Deutsch-Ostafrika gehöriger Teil (der größere zu Rhodesia) mit Ufipa eine natürliche Einheit bildet. Ehemals war Bismarckburg der Sitz der Ver-waltung des gleichnamigen Militärbezirks, dann Neben-stelle des Bezirksamts. Seit 1. April 1913 ist Bismarckburg Sitz eines Bezirksamts. Der von den kleinen Dampfern benutzte Wissmannhafen, an dem Bismarckburg liegt, wäre ganz brauchbar, wenn er nicht nach N und NW zu offen läge. Trotz der Nachbarschaft von Nord-Rhodesia und der weiteren von Katanga [Belgisch Kongo] ist der Handel ganz unbedeutend, Gesamtwert 1912: 39000 Mark. Bismarckburg hat Post, Station des von Kapstadt ausgehenden Telegraphen (African Transcontinental Telegraph Co.), fünf Inderläden.«
»Bismarckburg am Wißmannhafen« wäre eigentlich ganz unbedeutend ginge nicht das Kabel nach Südafrika als zweite unmittelbare Verbindung Deutsch-Ostafrikas zur Welt über Kapstadt (das wichtigere Kabel ist das Kabel Daressalam-Bagamojo-Sansibar-Aden-Europa) durch Bismarckburg und weil es eben seit 1913 Hauptstadt des Bezirks Bismarckburg ist, dem mit 90.400 qkm zweitgrößten der 22 Bezirke Deutsch-Ostafrikas.