Das Deutsche Kolonial-Lexikon:
Der Bezirk Tabora ist mit 104.000 qkm bei weitem der größte Bezirk von Deutsch Ostafrika. Die Bevölkerung des Bezirks wurde Anfang 1913 auf 437.500 geschätzt, wozu 756 nichteingeborene Farbige (496 Inder, 214 Ara-ber) und 336 Europäer kamen. Letztere Zahl war freilich ungefähr zu einem Drittel durch den Bahnbau bedingt. Das Bezirksamt im Ort Tabora hat zwei Nebenstellen: Schinjanga und Uschirombo, denen jeweils eine Anzahl der kleinen Sultanate unterstehen. Es gibt im Bezirk 12 Missionsstationen. — An Europäer waren 1908 3,5 qkm verpachtet und verkauft; 1909/12 wurden vom Gouver-nement 4,9 qkm verkauft, 4,3 verpachtet. Der Viehbe-stand des Bezirks ist ziemlich gut, wenn auch geringer als in den nördlichen Nachbarbezirken. Die Eingebo-renen besaßen 1913 schätzungsweise 217.930 Rinder, 240.850 Stück Kleinvieh, 1460 Esel. Der Besitz der Europäer an Vieh war in 12 Betrieben 846 Rinder, ganz wenig Kleinvieh, 79 Esel und Maultiere.
Im Jahre 1900 spricht der Ingenieur Hauptmann Rudolf Ganßer, Bezirkschef in Tabora, von der Notwendigkeit der Entwicklung seines Bezirks und meint damit nicht nur die koloniale Erschließung und Ausbeutung des Landes, sondern auch die planvolle Entwicklung von Infrastrukturen wie Wegen, Brunnen, Transportsyste-men, Märkten und so weiter. Er betrachtet seinen Bezirk nicht nur mit den Augen des Militärbefehlshabers und obersten Verwaltungsbeamten, sondern wesentlich auch mit denen des Ingenieurs. Dabei hat er als Wider-stand das selbstgenügsame Leben der Eingeborenen, die seine europäische Sicht für eine Entwicklung aus ihrem kulturellen Hintergrund nicht so einfach begrei-fen. Auch hat er bei seinen Bestrebungen die daraus entstehenden Schwierigkeiten und Konflikte mit seinen deutschen Mitarbeitern, allgemeine Verständigungs-probleme mit den Eingeborenen und eine mehr oder weniger selbstherrliche Verwaltungszentrale im fernen Daressalam als Hindernis, und die Herren in Berlin, die ihre Entscheidungen am ›grünen Tisch‹ fällen.