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Bezirk Aruscha

Das Deutsche Kolonial-Lexikon in gekürzter Form über den Bezirk Aruscha und die Nebenstelle Iraku:

Aruscha, Landschaft, Ort und Verwaltungsbezirk in Deutsch-Ostafrika. Die Landschaft Aruscha ist nur 90 qkm groß und liegt am SW-Fuß des Meru. Die zahlreichen kleinen Siedlungen breiten sich meist auf weiten Rodungen des Regenwaldes aus. Die Felder gehen bis auf 1800 m ü. d. M., andererseits längs der wasserreichen, geschickt zur Bewässerung verwandten Bäche bis zu 1300 m an den Rand der Steppe. Die Mehrzahl der Bewohner gehört zu den Wakuafi. Überall wird recht brauchbares Vieh gehalten.

Der Bezirk Aruscha ist 36.000 qkm groß, umfaßt den Meru und die Steppengebiete im N, W und S von ihm über Magad und Lawaja Mweri weit hinaus bis zum Westufer des Njarasa; auch ein Teil der Massaisteppe, Umbugwe, Iraku, Ngorongoro gehören noch zu Aruscha. Im Bezirk lebten 1913: 84.200 Eingeborene, 222 nicht-eingeborene Farbige, genau 500 (1. Januar) Europäer, wovon 180 unter 16 Jahren. Kein Bezirk Deutsch-Ost-afrikas hat so viel europäische Jugend, nirgends sonst ist die Zahl der weiblichen (207) so groß im Verhältnis zu der männlichen (293) weißen Bevölkerung, Aruscha ist der wichtigste Ansiedlungsbezirk. 1913 hatte Aruscha 95 selbständige Ansiedler (151 berufstätige von über 15 Jahren). Unter den 18 Handelsfirmen waren 8 farbige. 1909 waren in Aruscha etwa 327 qkm an Ansiedler verpachtet und verkauft. Das am Meru für diese Zwecke verfügbare Land wurde damals auf 1000 qkm geschätzt. Die Europäer in Aruscha besaßen 1913 in 100 Betrieben 6376 Rinder, 21.578 Schafe und Ziegen, 699 Schweine, 475 Esel, 75 Pferde, 17 Maultiere, 114 Strauße, die ins-gesamt etwa 370 qkm Weideland hatten. Im Besitze der Eingeborenen befinden sich 119.480 Rinder (nach an-derer neuerer Schätzung sogar 144.000), 401.180 Stück Kleinvieh, 4280 Esel. Im Bezirk liegen die Stationen Nkoaranga und Aruscha der Leipziger evangelischen Mission, Neu-Trier (bei Unibulu) der Weißen Väter. Die Bezirksnebenstelle Umbulu liegt in Iraku. In deren Ver-waltungsbereich gibt es noch viel für europäische An-siedlung geeignetes, freies Land.

Iraku, Landschaft in Deutsch-Ostafrika am oberen Rand der Ostafrikanischen Bruchstufe, dienach ihrem wich-tigsten Teil auch Mburu, Mbulu oder Umbulu genannt wird. Nach Westen durch den Hohenlohe-Graben be-grenzt, nimmt Iraku einen sich nach Norden ver-schmälernden Horst ein. Mit letzterem Namen wird jetzt der Sitz der Nebenstelle des Bezirksamts Aruscha be-zeichnet. 30 Mann Polizeitruppe, Post.


Der Artikel »Landstrassen im Bezirk Aruscha?« in der Kilimandjaro- und Meruzeitung vom 11. Januar 1913 beschreibt die Straßen im Bezirk:

»Ja, wenn es solche eigentlich gäbe. Bisher ist der Bezirk in dieser Hinsicht sehr stiefmütterlich behandelt wor-den. Sage und schreibe 2000 Rupie hatte der Wirt-schaftsetat des Bezirksamts Moschi bisher für den Be-zirk Aruscha übrig. Das reichte gewöhnlich gerade dazu aus, um die im Laufe der Aruscha-Moschistrasse gele-genen Triften einigermassen wieder in guten Zustand zu versetzen. Von Wege- und Strassenbau selbst kann im Aruschabezirk bis jetzt überhaupt nicht die Rede sein. Das, was sich heute Landstrasse nennt, sind lediglich die von den Wagen der Farmer allmählich ausgefahrenen Wege, auf denen sich mit der Zeit der gesamte Wagen-verkehr abspielte. Mit einer Fahrstrasse können diese durch Ochsenwagen eingefahrenen Fahrwege keines-falls verglichen werden. Ueber Stock und Stein, über Baumstümpfe und Flussläufe, bergauf und bergab füh-ren diese Fahrwege und machen einem regelmässigen Fuhrwerksverkehr ganz erhebliche Schwierigkeiten. Was wieder auf den Verkehr der hauptsächlich um den Meru gruppierten Farmdistrikte mit der Hauptstadt Aruscha von grossem Einfluss ist. Der Farmer, der gerne öfters eine schnelle Fahrt nach Aruscha unternehmen möchte, um Einkäufe in den kaufmännischen Geschäf-ten zu besorgen oder sonst wichtige Geschäfte abwik-keln möchte, er überlegt sich heute vielmals, ob es wirklich wert ist, sich dieserhalb die viele Mühe und Arbeit aufzuhalsen, die eine Wagenfahrt mit 5, 6 oder 8 Ochsengespannen nach Aruscha mit sich bringt. Meis-tens bleibt er lieber auf seiner Farm. Zur Regenzeit ist es überhaupt ein Unding, jene Fahrstrassen zu benützen, will man nicht ausser Schaden an Tier und Material das Drei- bis Vierfache an Zeit gebrauchen, was man sonst in der Trockenzeit für dieselbe Strecke notwendig hat. In den Wegeverhältnissen Aruschas Wandel zu schaffen, dazu wird es jetzt bald höchste Zeit. In der Hauptsache handelt es sich hier um den Fahrweg, der von Aruscha ausgehend westlich um den Meruberg führt bis nach Enga nanjuki im Nordosten des Berges und eine Ge-samtlänge von ca. 60 Kilometer aufweist. Da sich auf diesem Fahrweg fast der gesamte Verkehr zwischen den einzelnen Farmdistrikten und Aruscha abspielt, ferner Frachtwagen mit bis zu zehn Gespannen verkehren, so ist vor allen Dingen notwendig, dass derselbe auf seiner ganzen Länge auf eine Breite von 50 Meter ausgehauen wird. Ferner ist es erforderlich, dass sämtliche Baum-stümpfe und Steinblöcke auf diesem Fahrwege entfernt werden, da sie für die schweren Transportwagen eine ständige Gefahr des Umkippens sind. Und drittens ist es eine Notwendigkeit, dass der Fahrweg durch einen Vermessungsbeamten nivelliert wird und die massen-haften Steigungen, Gefälle und Biegungen die grösst-möglichste Verringerung erfahren, sodass es für den Frachtfahrer überflüssig wird, zur Erklimmung einer Steigung Vorspann zu nehmen. Hand in Hand hiermit wäre auch die Schaffung ordentlicher Triften vorzuneh-men, die nicht gleich beim Passieren des ersten Trans-portwagens zusammenbrechen und auch imstande sind, eine Regenzeit durchzuhalten. Die Hauptsache ist die, dass die Arbeiten ordentlich und fachmännisch ausge-führt werden, bisher konnte in dieser Hinsicht dank der geringen Mittel nur Pfuschwerk geleistet werden. Es muss berücksichtigt werden, dass der hier in Betracht kommende Fahrweg der Hauptzubringeweg aus den Farmdistrikten für die künftig in Aruscha endende Eisenbahn sein wird. An der Zeit ist es darum, dass man diese Strassenverbesserungsarbeiten baldigst in Angriff nimmt und damit nicht erst so lange wartet, bis die Bahn Aruscha erreicht hat.

Ueber das Fehlen von Fahrstrassen in den Farmdistrik-ten wird neuerdings von den Ansiedlern sehr geklagt. Das Bestreben der einzelnen Ansiedler, ihre Farm einzu-fenzen, um die nach ihrem Pachtvertrage vorgesehene Möglichkeit zu haben, dieselbe käuflich zu erwerben, legt bei dem Mangel an öffentlichen Fahrwegen dem Wagenverkehr ganz erhebliche Schwierigkeiten in den Weg. Ein Beispiel gibt uns der Farmdistrikt Engare ol Mutonje bei Aruscha. Hier müssen Ansiedler, um von Aruscha aus auf ihre Farm zu gelangen, Umwege bis zu zehn Kilometer nehmen, da ihnen überall Einfenzungen den Weg sperren. Bei Ausmessung der Farmen seiner-zeit ist hier scheinbar vergessen worden, auf einen sich später einstellenden Verkehr Rücksicht zu nehmen. Darum sollte man dies baldigst nachholen. 50 Meter breite Strassen dürfen da, wo es notwendig ist für den Verkehr der Eingeborenen und Ansiedler nicht fehlen, andernfalls wird die Entwickelung des betreffenden Bezirks nur gehindert. Das in letzter Zeit sich häufende Durchschneiden der Drahteinfenzungen durch Eingebo-rene und Europäer ist lediglich auf das Konto „Fehlen von Verkehrsstrassen innerhalb der Farmdistrikte“ zu setzen.«


Der Bezirk Aruscha wird offiziell am 1. April 1913 ein-gerichtet, mit der Nebenstelle Iraku im Westen des Bezirks. Tatsächlich aber ist mit Dr. Kaempfe seit Ende 1912 ein Bezirksamtmann ernannt, der auch seitdem seine Amtspflichten im neuen Bezirk erfüllt.

In chronologischer Abfolge sind hier über die Ereignisse im Bezirk Artikel der Kilimandjaro- und Meruzeitung aufgeführt:

11. Januar 1913

Die Sperre von Umbugwe und Iraku [wegen der Rin-derpest] macht sich im Geschäftsverkehr Aruschas in unliebsamer Weise bemerkbar. Besonders der Häute- und Fellhandel, der sich zwischen Umbugwe, Iraku und Aruscha bezw. Moschi abspielt, liegt augenblicklich ganz brach. Inzwischen haben sich riesige Mengen an Häuten und Fellen in den gesperrten Gebieten aufgehäuft und warten des Abtransportes nach Aufhebung der Sperre. Aehnlich liegt es mit Samli, während der Viehhandel ebenfalls gänzlich unterbunden ist.

Forststation. Nachdem der für die Dauer von drei Mo-naten zur Vermessung von Waldreservaten nach Iraku und Umbugwe beordert gewesene Förster hierher zu-rückgekehrt ist, können wieder Anträge auf Holznut-zung im Meru-Waldreservat gestellt werden.

Viehdiebstähle. … Es fehlt im Aruschabezirk an dem nötigen europäischen  Polizeipersonal, das mit Hilfe be-rittener Polizeiaskaris in solchen Diebstahlsfällen han-delnd eingreifen kann. Ein einziger Polizeiwachtmeister ist in Aruscha stationiert, der das Ausbilden bezw. Exerzieren der Askaris zu überwachen, den Polizeidienst versehen und ausserdem noch Vollstreckungsbeamter ausserhalb im Bezirk spielen muss, welches Amt ihn oft 50 — 60 Kilometer weit von Aruscha entfernt. Wenn ausserdem noch dieser Polizeiwachtmeister alle mög-lichen Arbeiten verrichten muss, so muss man zugeben, dass das Amt eines solchen Beamten eine unerfüllbare Arbeitsmenge aufweist.

Iraku

Die Boma in Umbulu, die erst vor ca. 1½ Jahren von einem Gouvernementstechniker errichtet wurde, soll bereits jetzt verschiedene Mängel aufweisen, die es dem Gouvernement ratsam erscheinen liessen, einen Regie-rungsbaumeister nach dort zu entsenden, der den Bau näher in Augenschein nehmen und über zu treffende Massnahmen entscheiden soll. Regierungsbaumeister König ist bereits Ende Dezember nach Iraku abgereist.

Die Samli-Ausfuhr aus Iraku und Umbugwe ist laut einer Bekanntmachung der Bezirksnebenstelle wieder gestattet, wenn das Samli vor der Ausfuhr unter Kon-trolle der Behörde auf mindestens 60 Grad Celsius er-hitzt wird, sodass dasselbe vollständig geschmolzen ist.

25. Januar 1913

Geldknappheit im Aruschabezirk

Man müsste nicht sehen wollen, wollte man nicht ein-gestehen, dass im Aruschabezirk seit Jahr und Tag eine solche Geldknappheit vorherrschend ist, wie sie eben auf die Dauer im wirtschaftlichen Leben nicht vorkom-men soll. Diese Geldknappheit setzte kurz nach der Beendigung der Moschibahn [Ende 1911] ein und hat sich bis heute eher verschärft denn vermindert. … Es fehlt … den Kolonisten, mangels eines Absatzgebietes für anzubauende Kulturen, an günstige Gelegenheit, in den Besitz von Bargeld zu gelangen. Und je weiter sich der Weiterbau der Nordbahn [nach Aruscha] hinaus-schiebt, desto gespannter wird die Geldkalamität wer-den.

Bezirksamtmann Dr. Kaempfe hat am 31. Dezember eine auf ca. 14 Tage berechnete Reise in den Bezirk unternommen, um sich eingehend über die Verhält-nisse in seinem neuen Wirkungskreis zu orientieren.

Eheschliessungen können von jetzt ab auch in Aruscha vorgenommen werden. Da die Nebenstelle seit wenigen Wochen eine selbständige Behörde geworden ist, so wurde dem Vorsteher derselben auch die Ermächtigung zu Eheschliessungen erteilt. Für die Ansiedler des Be-zirks ist diese Neueinrichtung von besonderem Vorteil, da sie zur Vornahme von Eheschliessungen nicht mehr die mit allerhand Umständlichkeiten verbundene Reise nach Moschi zu unternehmen brauchen.

Die Löwenplage macht sich auf der Strasse Aruscha-Umbugwe sehr unangenehm bemerkbar. Besonders der halbwegs auf dieser Strasse gelegene Rastort Bujuni ist als Löwensammelplatz verschrieen und wird von allen durchziehenden Karawanen gemieden. Ende Dezember wurden dort zwei Eingeborene und ein Somali von Löwen getötet.

Umbulu

Postagentur. Wie man uns mitteilt, wird dieser Tage die bereits vom Reichspostamt genehmigte Postagentur in Umbulu eingerichtet. Hierdurch wird einem schon lan-ge bestehenden Bedürfnis abgeholfen.

8. Februar 1913

Eingeborenen–Festtage.  Am 20. und 21. Januar feierten die Meru-Eingeborenen ihre Opferfeste. Die Opfer wur-den in Gestalt von Rindern dargebracht, die nach dem üblichen Zeremoniell durch Erhängen an einem Baum getötet wurden. In den verschiedenen Häuptlingsbezir-ken am Meruberg wurden an jenen beiden Tagen insgesamt ca. 200 Rinder durch Hängen getötet, deren Fleisch später die Eingeborenen verzehrten.

Neue Jagdreservate … In Nummer 7 des Amtlichen Anzeigers vom 29. Januar 1913 ist nun ein Spezialreservat für Nashörner abgegrenzt. Die Jagd auf Nashörner wird hierdurch im Ngorongorokrater verboten.


22. Februar 1913

Steuer-Einschätzungskommission. Entsprechend der Bedeutung Aruschas als selbständigen Bezirksneben-amts hat dieser Bezirk nun auch eine eigene Steuer-Einschätzungskommission erhalten, die die Gewerbebe-triebe zur Gewerbesteuer einschätzt. Bisher wurde die Steuereinschätzung für den Bezirk Aruscha stets von Moschi aus besorgt, was bei den Gewerbetreibenden oft in unangenehmer Weise empfunden wurde.

Ein Bazar in Engare nanjuki. Am 23. Januar veran-stalteten die in den Distrikten Engare nanjuki und Engare nairobi ansässigen Buren-Ansiedler einen Bazar, dessen Reingewinn der in Engare nanjuki befindlichen und von Buren unterhaltenen Europäerschule zugute kommen sollte. Die unter zahlreicher Beteiligung der Ansiedler vorgenommenen Festspiele für Kinder und Erwachsene, amerikanische Auktionen usw. machten den Veranstaltern alle Ehre und nahmen einen ange-nehmen fröhlichen Verlauf. Der Erfolg blieb aber auch nicht aus. Es kam ein Betrag von 1600. — Rupie zu-sammen, der dem Schulfonds einverleibt werden konnte. Ein gewiss erfreuliches Ergebnis, wenn man in Berücksichtigung zieht, dass dieses Geld von knapp 20 Ansiedlerfamilien zusammengetragen wurde. Es ist aber auch ein Beweis, dass die Buren gewillt sind, ihren Kindern auf alle Fälle einen Schulunterricht zu geben. Heute zählt die Schule in Engare nanjuki 32 Schul-kinder, während die in Donyo Sambu befindliche Regie-rungsschule zwischen 4 und 15 Kindern schwankt, je nach der Jahreszeit.

Strassenbeleuchtung. Mit der Strassenbeleuchtung, die man seit Jahren allenthalben in den Küstenstädten der Kolonie eingeführt hat, hapert es hier im Innern in den Ortschaften ganz gewaltig. Meistens beschränkt sich dort die Beleuchtung auf das oder die Regierungs-gebäude, während die Strassen der Ortschaft in tiefstes Dunkel gehüllt sind. Kommt man nach Alt-Moschi, Neu-Moschi oder Aruscha, überall tappt man zur Nachtzeit im tiefsten Dunkel die Strassen entlang, obwohl alle die-se Ortschaften einen ziemlichen Verkehr aufzuweisen haben. Ist es nicht möglich, in den Etat die geringen Mittel einzusetzen, die eine Strassenbeleuchtung, wenn auch noch so notdürftig, erfordert. Man muss doch an-nehmen, dass das, was an der Küste als selbstver-ständlich gilt, hier im Innern in geringerem Masse die gleiche Berechtigung hat.

8. März 1913

Grosse Dürre herrscht augenblicklich in den Steppen-gebieten südlich des Kilimanjaro und Meru, sodass die Masai mit ihren Viehherden bereits nördlich der Strasse Moschi-Aruscha an den Vorbergen des Meru weiden.

Personalnachrichten. Polizeiwachtmeister Eschberger wurde von Moschi nach Aruscha versetzt. Bureau-Assis-tent Kaufmann starb am 17. Februar an Herzschlag.

Vermessung. Da die Landvermessungsanträge im Aru-schabezirk in erheblichem Masse zunehmen, so ist Landmesser Erdmann für dauernd in Aruscha statio-niert worden.

Die Einschätzungskommission hielt am 27. Februar in Aruscha eine Sitzung ab, um die Steuersätze für das Jahr 1913 festzusetzen. Zu dieser Sitzung war auch Herr G. S. Steinhäuser von Umbulu erschienen, da die Steueran-gelegenheiten für den Bezirk Umbulu ebenfalls mit er-ledigt wurden.

Donjo Sambu-Engare nanjuki. Mit dem Ausbau des schlechtesten Teiles der westlich um den Meruberg laufenden Fahrstrasse, von Donjo Sambu bis Engare nanjuki, ist nun begonnen worden. Mit den Ansiedlern ist eine Vereinbarung dahin getroffen worden, dass das Bezirksamt die zum Wegebau notwendigen Arbeiter stellt, während die Ansiedler die Leitung der Wege-bauarbeiten und damit auch die Beaufsichtigung der Schwarzen zu übernehmen haben.

Sekenke

Die Goldausbeute in der Mine der Kironda-Goldminen-gesellschaft betrug im Monat Dez. 1912 Mk. 53000. Es wurden in jenem Monat verpocht 675 Tonnen Erz mit einem durchschnittlichen Goldgehalt von 28 Gramm.

22. März 1913

Einrichtung von Polizeiposten

Mit dem 1. April dieses Jahres sollen in den Bezirken Kilimanjaro und Meru verschiedene Polizeiposten er-richtet werden. Die Leitung dieser Posten soll je einem Polizeiwachtmeister anvertraut werden. Polizeiwacht-meister und Polizeiaskaris werden beritten gemacht. Die Verwaltung hat sich zu dieser Einrichtung entschlossen, da es unmöglich ist, auf die Dauer die weit zerstreut im Bezirk wohnenden Ansiedler wegen Verwaltungsange-legenheiten zwei bis drei Tagereisen weit nach dem Sitz des Bezirksamts oder der Bezirksnebenstelle zu beor-dern. Ebenso ist es für die Behörde wegen der grossen Unkosten und aus Mangel an Personal unmöglich, für jene Angelegenheiten einen Beamten einige Tagereisen weit zum Wohnsitz des Ansiedlers zu entsenden. Die-sem Uebelstande sollen nun die neuen Polizeiposten abhelfen, indem ihnen die Berechtigung zur Vornahme gewisser Verwaltungsgeschäfte erteilt wird. Zwei Polizei-posten sollen im Bezirk Aruscha ihren Platz finden. Hiervon wird ein Posten an den unteren Usa an der Masaireservatsgrenze zu liegen kommen. Ihm wird aus-ser Erledigung der Verwaltungsgeschäfte für die An-siedlungen in Leganga und Leudorf insbesondere die Regelung und Kontrolle des Verkehrs zu dem Masai-reservat obliegen. Ein zweiter Polizeiposten soll entwe-der in Donyo sambu oder Engare nanjuki errichtet werden, um in diesen beiden Ansiedlerdistrikten die ihr zustehenden Funktionen auszuüben.

Serumgewinnung. Das am Engare nanjuki gelegene provisorische Seruminstitut hat jetzt dauernd günstige Erfolge aufzuweisen. 5000-6000 Dosis Serum [gegen die Rinderpest] werden bereits jetzt monatlich von dem In-stitut gewonnen. … Trotz dieser günstigen Erfolge des Instituts reicht das Serum längst nicht dazu hin, um der Nachfrage gerecht zu werden. Erst die neue, im Bezirk Mpapua errichtete, Seruminstation wird hier mit der Zeit Abhilfe schaffen. Immerhin werden 2-3 Monate ins Land gehen, bis auch jene Station so weit ist, um Serum abgeben zu können.

Bezirksrat. Nachdem die Nebenstelle Aruscha mit dem 1. April ihre Umwandlung in ein Bezirksamt erfährt, so werden auch für diesen Bezirk die Bestimmungen be-treffend Bildung von Bezirksräten Gültigkeit erlangen. Die Aufforderung zur Wahl an die Bezirkseingesesse-nen wird zu gegebener Zeit durch das neue Bezirksamt erfolgen.

Die grosse Regenzeit hat im Bezirk Aruscha seit Anfang März mit andauernden heftigen Regengüssen ziemlich frühzeitig eingesetzt.

Einrichtung von Viehmärkten. Wie wir aus gut unter-richteter Quelle erfahren, werden nach dem 1. April in allernächster Nähe Aruschas öffentliche Viehmärkte eingerichtet. Die Verwaltung will den Masai Gelegenheit geben und dieserhalb auch auf sie einwirken, auf diesen Viehmärkten ihr überschüssiges Vieh zu verkaufen. Es würde damit weiter bezweckt, dass der sogenannte Zwi-schenhandel farbiger Händler zum grossen Teil besei-tigt würde. Es ist beabsichtigt, vorerst einen Viehmarkt in regelmässigen Intervallen am Büffelkopp (ca. 15 Kilo-meter von Aruscha) abzuhalten. Späterhin ist auch die Einrichtung eines ebensolchen Viehmarktes am unte-ren Usa in der Nähe Legangas in Aussicht genommen.

Die Notwendigkeit öffentlicher Viehmärkte … Heute ziehen aus dem Viehreichtum der Masai nur Farbige Nutzen. Da es ihnen frei steht, das Reservat zu betreten, so können sie dort ungestört ihre Vieh-Tausch- und -Kaufgeschäft erledigen. Dem Europäer hingegen ist bei Strafe das Betreten des Reservats untersagt. Durch Einrichtung von Viehmärkten an der Masaireservat-grenze würde die Verwaltung also nur einen gerechten Ausgleich schaffen.

Zehn Rupie für einen Zentner Frachtgut werden au-genblicklich den Transportfährern für die Strecke Neu-Moschi nach Aruscha gezahlt.

Von einem Gnu getötet. Von den für die Firma Hagen-beck eingefangenen Gnus, die sich auf der Farm Schulz befinden, zeigte dieser Tage eines der Tiere seinen bös-artigen Charakter, nahm einen Schwarzen an und tötete ihn.

Wegen Betrugs wurden letzte Woche zwei Farbige zu je drei Monaten Kette und 15 Hieben verurteilt, da sie sich mittels gefälschten Tickets eine Flasche Alkohol kauf-ten.

26. April 1913

Gründung einer Viehzucht-Genossenschaft

Es war eine stattliche Anzahl Ansiedler, die sich am 2. April im Aruschahotel vereinigte, um in ernster Weise über die Gründung einer Viehzucht-Genossenschaft zu beraten. Aus Daressalam war eigens zu diesem Zwecke der Landwirtschaftsreferent, Regierungsrat Schmidt, nach Aruscha gekommen, ebenso der Leiter der land-wirtschaftlichen Versuchsstation Kibongoto, Dr. Sin-ning.

Nachdem der Vorsitzende der Versammlung, Bezirks-amtmann Dr. Kaempfe, die Versammelten begrüsst hat-te, ergriff Regierungsrat Schmidt das Wort, um unter Hinweis auf das anerkennenswerte Wirken der An-siedler im Bezirk auf das eigentliche Thema, die Grün-dung einer Viehzuchtgenossenschaft überzugehen. Vor zwei Jahren sei bereits die Gründung einer solchen Genossenschaft in Moschi angeregt worden, konnte aber wegen gewisser, beim Gouvernement entstandener Bedenken nicht durchgeführt werden. An einer Ein-heitlichkeit in der Viehzucht fehle es noch sehr, und, will man zum Ziele kommen, so muss planmässig mit der Viehzucht vorgegangen werden. Dazu müssen aber Ansiedler und Gouvernement Hand in Hand arbeiten…

Die Viehzucht-Genossenschaft, zu der nach Aufforde-rung durch den Vorsitzenden sofort 25 der Anwesenden ihren Beitritt erklärten, soll aus zwei Abteilungen, Moschi und Aruscha, gebildet werden, die jede ihren Vorstand erhält, während jedoch beide Vorstände zu-sammenarbeiten. Vorsitzende sollen die jedesmaligen Bezirksamtmänner in Moschi und Aruscha sein.

Kaffeekultur am Meru. Wie sich die Kaffeekultur am Meruberge entwickelt, dafür gibt die jetzt stattfindende, jedoch noch nicht beendete Statistik einen kleinen Ueberblick. Nach dem vorläufigen Ergebnis hat die Zahl der angepflanzten Kaffeebäume bereits die erste Million überschritten. Das ist für die wenigen Jahre, seitdem hier mit dem Anbau von Kaffee begonnen wurde, als ein günstiger Erfolg zu bezeichnen, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass diese Arbeiten nicht von grossen Pflanzungsgesellschaften, sondern nur von den einzel-nen Ansiedlern mit beschränkten Mitteln geleistet wur-den.

Bei der Suche nach Farmland, so schreibt uns ein Kolonist, durchwanderte ich kürzlich auch den Bezirk Engare Nanjuki. Da konnte ich nun feststellen, dass jen-seits des Flusses Engare Nanjuki beträchtliche Kom-plexe guten Farmlandes vorhanden sind. Es handelt sich um die grossen Weidelandflächen an den äussersten Abhängen des Meruberges, wo sich überhaupt keine Eingeborenenniederlassungen befinden. Jene Weide-landkomplexe, auf deren einem Teil die Serumstation etabliert wurde, gehören jedoch dem Meru-Waldreser-vat an.

10. Mai 1913

Zur Landesausstellung

Bei seiner kürzlichen Anwesenheit in Aruscha machte Landwirtschaftsreferent Regierungsrat Schmidt, die An-siedler auf die Wichtigkeit der im August nächsten Jahres stattfindenden deutsch-ostafrikanischen Landes-ausstellung aufmerksam. Mit Recht wies er darauf hin, dass der Moschi-Aruschabezirk bereits Hervorragendes geleistet habe. Davon sei jeder überzeugt, der den Bezirk bereist habe. Aus diesem Grunde empfahl er den An-siedlern, aus ihrer Zurückhaltung herauszutreten und sich recht zahlreich an der Ausstellung zu beteiligen, damit auch die Aussenstehenden eine Ahnung erhalten von den Fortschritten des Bezirks.

In der Tat gibt die nächstjährige Ausstellung den An-siedlern die beste Gelegenheit, der breiten Oeffentlich-keit ihre Erfolge zu zeigen. Bei der ersten Ausstellung in Daressalam im Jahre 1904 befanden sich noch keine Ansiedler im Moschibezirk. Die Ansiedlung setzte erst im Jahre 1905 ein. Es gilt also im nächsten Jahre auf der Ausstellung zu beweisen, was der Moschi-Aruschabe-zirk innerhalb zehn Jahren mit den Ansiedlern geleistet hat im Gegensatz zu dem, was er seinerzeit ohne An-siedler leistete.

Vorläufig ist bei den Ansiedlern des Bezirks noch eine gewisse Zurückhaltung vorhanden betreffs einer Beteili-gung an der Landesausstellung. Dies hat seine Ursache in den in Aussicht stehenden grossen Kosten, die eine Beteiligung an der Ausstellung mit sich bringen würde. Der Merubezirk könnte, was Rindvieh-, Pferde- und Schafzucht anbetrifft, ganz hervorragend auf der Aus-stellung vertreten sein.

Wie Regierungsrat Schmidt erwähnte, ist unserem Kronprinzen das Protektorat über die Ausstellung und dem Herzog Albrecht von Mecklenburg das Ehren-präsidium über das Ausstellungskomitee angetragen worden. Beide Antworten stehen jedoch noch aus.

Die diesjährige Kaffee-Ernte scheint, so weit man bis jetzt übersehen kann, eine vorzügliche zu werden. Die Früchte haben durchweg auf den bis jetzt ertragreichen Pflanzungen in überreichem Masse angesetzt. In ca. sechs Wochen hofft man bereits mit der Ernte beginnen zu können. Eine Hauptfrage, um die Ernte schnell unter Dach und Fach zu bringen, ist für die Pflanzer selbst-verständlich die Arbeiterfrage. Das Bezirksamt Aruscha zeigt sich nun in dieser Frage den Pflanzern entgegen-kommend. Es hat sich dazu bereit erklärt, ihnen für die Zeit der Kaffee-Ernte eine grössere Zahl Umbugwe-Arbeiter zur Verfügung zu stellen.

Hierdurch wird natürlich den Kaffeepflanzern eine bedeutende Erleichterung geschaffen. Auch der Regie-rung selbst ist damit ein Dienst getan. Denn den Um-bugweleuten fehlt es bisher an lohnender Beschäfti-gung in Europäerbetrieben, die es ihnen gestattet, ihre Steuer in bar zu entrichten.

Die europäische Bevölkerung des Bezirks Aruscha hat nach den neuerlichen Feststellungen bereits die Zahl 500 erreicht. Hiermit steht der Bezirk demnach unter allen Bezirken des Schutzgebiets an vierter Stelle. Die starke europäische Bevölkerung ist ein Zeichen dafür, dass der Merubezirk ganz beträchtliche Entwickelungs-möglichkeiten aufzuweisen hat, sonst würde so weit ab von jeder Bahnverbindung die Besiedelung solch’ güns-tigen Fortschritt nicht gezeitigt haben. Die Zahl der euro-päischen Bevölkerung Moschis wird heute um ein ge-ringes höher sein als Aruscha, allenfalls werden in dem dortigen Bezirk ca. 600 Europäer ansässig sein. Rechnet man Aruscha — da es bis jetzt noch nicht offiziell zum Bezirksamt erhoben wurde — weiterhin zum Bezirk Moschi, so ergiebt sich, dass dieser Bezirk heute bereits Daressalam mit seinen 1050 Europäern überflügelt hat. Mit der Zahl von rund 1100 Europäern weist der Moschi-bezirk mehr als den fünften Teil der gesamten europä-ischen Bevölkerung des Schutzgebietes auf, ein gewiss erfreuliches Zeichen. Zieht man unter diesem Umstände noch einen weiteren Vergleich, so kommen wir zu dem Ergebnis, dass die drei von der Nordbahn durchzogenen und an ihr interessierten Bezirke Moschi, Wilhelmstal und Tanga heute mit rund 2000 Europäern bereits fast die Hälfte der Europäerbevölkerung Deutsch-Ostafrikas beherbergen. Diese Tatsache gibt uns den Masstab, wel-che Bedeutung und Rolle in dem Wirtschaftsleben des Schutzgebietes gerade der Norden dereinst zu spielen berufen ist, abgesehen von der Bedeutung, die er heute bereits hat.

Botenpost nach Umbulu. Seit dem 25. März ist in Um-bulu eine Postagentur errichtet worden. Es findet nun-mehr eine regelmässige Postbeförderung mittels Boten-post zwischen Aruscha und Umbulu statt, die Post von Aruscha nach Umbulu monatlich zwei bis drei Mal befördert und zwar je nach Eintreffen der Europapost.

Mit dem Brückenbau soll in diesem Jahre der erste Anfang gemacht werden. Vorerst soll eine für Trans-portfuhrwerke befahrbare Brücke, wahrscheinlich über den Tengeru, gebaut werden, der in den nächsten Jah-ren, entsprechend den Etatsmitteln, weitere folgen sol-len. Es ist mithin Aussicht vorhanden, dass wir inner-halb weniger Jahre über alle im Laufe der Moschi-Aruscha-Strasse befindlichen Bergflüsse feste befahr-bare Brücken erhalten.

Gerichtstag. Auf dem am 21. April stattgefundenen Gerichtstag kamen einige Strafsachen zur Verhandlung, die wir an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen wollen.

Als zweiter Fall kam wieder ein Unfug mit dem Schiess-gewehr zur Verhandlung. Der erst achtzehnjährige Farmgehilfe G. hatte am 19. Dezember v. Js. einen Schwarzen durch einen Schuss aus einem Teschin [kleinkalibrige Waffe] am Bauche leicht verletzt und wurde dieserhalb wegen vorsätzlicher Körperverletzung unter Anklage gestellt. Obwohl der Staatsanwalt den Angeklagten für schuldig ansah und gegen ihn eine Gefängnisstrafe von drei Wochen beantragte, damit einmal gegen die Menschenschiesserei ein Exempel statuiert werde, war der Gerichtshof der Ansicht, dass nur eine fahrlässige Körperverletzung stattgefunden habe und er verurteilte den Angeklagten deswegen zu einer Geldstrafe von 30 Rupie. — Der Bur J. J. Pinaar stand unter der Anklage des Betrugs. Pinaar, der infolge seiner andauernden Resistenz gegenüber behördlicher Massnahmen polizeilich vorgeführt werden musste, hatte, wie in der Verhandlung festgestellt wurde, im Juli 1912 auf die gemeinste Art einem Schwarzen eine Uhr abgeschwindelt. Ihm zur Beförderung anvertraute Briefe gab er als Pfand für die Uhr. Obwohl P. später, als er sah dass die Behörde die Rechte des Schwarzen energisch wahrnahm, die 9 Rupie für die Uhr bezahlte, so erkannte das Gericht doch auf vollendeten Betrug und verurteilte den fast mittellosen Angeklagten zu einer Geldstrafe von 100 Rupie. Der Staatsanwalt hatte eine Woche Gefängnis beantragt. (Solche Subjekte müssen aus dem Lande heraus — Die Redaktion) —

Leganga

Eselzucht. Die vor einigen Monaten von hiesigen An-siedlern aus Palästina importierten sogenannten Cy-pernesel haben allenthalben Anklang gefunden, beson-ders weil man von einer Kreuzung dieser Tiere mit dem Schensiesel ein vorzügliches Produkt erwartet. Es sind nun neuerdings Bestrebungen im Gange, die auf eine vermehrte Einfuhr jener Cypernesel hinauslaufen. Auch das Kaiserliche Gouvernement möchte zu Versuchs-zwecken einige solcher Tiere ankaufen, um damit Rein-zucht und Kreuzungszucht auf den Versuchsstationen zu betreiben. Auf Veranlassung der verschiedenen Inte-ressenten haben nun wieder dieselben Ansiedler in Le-ganga es in die Hand genommen, einen grossen Esel-transport von Palästina nach Deutsch-Ostafrika in die Wege zu leiten. Bis heute liegen bereits Bestellungen von ca. 30 Tieren vor, jedoch ist zu hoffen, dass sich diese Zahl noch vergrössern wird. Der Eseltransport soll etwa um die Zeit des November in Deutsch-Ostafrika eintreffen.

24. Mai 1913

Wildreservat und Wildwärter

Man schreibt uns: „Vor wenigen Wochen hat die Ver-waltung im Aruschabezirk östlich des Natronsees ein grosses Wildreservat geschaffen, wohl das grösste im ganzen Schutzgebiet. Denn es hat eine Ausdehnung von annähernd 10.000 Quadratkilometer. Man musste an-nehmen, dass für ein solches Wildreservat auch die Zahl der Wildwärter erheblich vermehrt wird. Dies ist bis jetzt noch nicht der Fall, aber demnächst soll eine grössere Zahl farbiger Wildwärter eingestellt werden, um die Polizei in jenem Gebiete auszuüben. Die Wild-wärter sollen so zahlreich sein, damit ein für alle Mal die noch immer vorkommenden Jagdvergehen unterbun-den werden.

Hierzu sind einige Ausführungen am Platze. Bisher wurde es vom Gouvernement so gehandhabt, dass nur Schwarze als Wildwärter in den verschiedenen Reserva-ten fungierten. Der weitaus grösste Prozentsatz aller Ahndungen von Jagdvergehen gründete sich auf die Aussage dieser schwarzen Wildwärter. Dass dabei nicht immer wahrheitsgemässe Aussagen gemacht wurden, wird man bei der lügnerischen Veranlagung der Schwarzen zugeben müssen. Da nun hier im Aruscha-bezirk zum ersten Mal in der Kolonie ein grosses Wild-reservat angelegt wurde, analog denen in der englischen Nachbarkolonie, so könnte doch jetzt der Frage näher getreten werden, weisse Wildwärter anzustellen. … Diese weissen Wildwärter müssten ihre festen Stand-orte haben, dann aber — im Besitze der nötigen Reit-tiere*) — … Bereits seit mehreren Jahren hat man in Britisch-Ostafrika die weissen Wildwärter neben den schwarzen Wildwärtern eingeführt, und diese Einrich-tung hat sich bis jetzt vorzüglich bewährt. … Auf diese Weise kann am Besten der Wildschutz ausgeübt wer-den. Vielleicht sieht sich unsere Regierung das System der englischen weissen Wildwärter etwas näher an, da-mit es hier im deutschen Gebiet Nachahmung findet.**)“

*) Geht nicht ! Tsetse. —

**) So könnte man auch die schwarzen Wärter kontrol-lieren, die alle wildern. — Die Redaktion 

Betreffs der Schulfrage in Engare ol Mutonje soll jetzt ein Schritt vorwärts getan werden. Wie verlautet, beab-sichtigt das Gouvernement schon jetzt mit dem Schul-unterricht der Europäerkinder dortselbst zu beginnen. Dieser Unterricht soll vorläufig wöchentlich zwei Mal abgehalten werden, da es an Lehrkräften mangelt. Der Regierungslehrer von Donyo Sambu hat auch den Schul-unterricht in Engare ol Mutonje zu erteilen. Mit Beginn des neuen Etatsjahres ist in Aussicht genommen, spe-ziell für Engare ol Mutonje eine Schule zu errichten und einen Lehrer dort zu stationieren.

7. Juni 1913

Einheitliche amtliche Festsetzung der Arbeiterlöhne

Neben der Arbeiterfrage ist bekanntlich die Lohnfrage ein sehr wichtiger Punkt für die Rentabilität eines Un-ternehmens.

Dass sich die Lebenshaltung der Eingeborenen in keiner Weise verbessert oder verändert, trotzdem die Löhne riesig In die Höhe gehen, dafür gibt uns ein spezielles Beispiel der Bezirk Aruscha. Vor acht Jahren als sich eben die ersten Ansiedler im Bezirk niederliessen, da hatte der Monatslohn für einen Arbeiter die Höhe von 1 Rupie. Die Kleidung der Aruscha- und Meruleute war zu der Zeit die denkbar einfachste. Den Männern diente ein Stück Amerikano und den Frauen eine Art Lederschurz als Kleidung. Heute beträgt der Monatslohn eines Arbei-ters 5, 6 und 7 Rupie. Er ist also in einem Zeitraum von acht Jahren um das Fünf-, Sechs- und Siebenfache ge-stiegen. Aber in der Lebenshaltung der Eingeborenen hat sich bis dato nichts geändert, die Weiber tragen jetzt wie ehedem ihren Lederschurz und die Männer ihr Stück Amerikano als Kleidung. Man muss eingestehen, dass die Löhne im Bezirk Aruscha eine äusserst unge-sunde Steigerung erfahren haben. Schreitet die Steige-rung der Löhne in dem bisherigen Masse vorwärts, so werden die Ansiedler schweren Zeiten entgegengehen. Die Rentabilität der schon vorhandenen und noch im Entstehen begriffenen Kaffeepflanzungen z. B. ist bei den heuer im Verhältnis zur Küste und Usambara noch niedrigen Arbeitslöhnen eine sichere.

Der Bezirk Aruscha ist für die amtliche Festsetzung eines Minimal- und Maximal- Arbeitslohnsganz beson-ders geeignet. Denn, ob die Löhne hoch oder niedrig sind, sie werden auf die Lebenshaltung der Eingebore-nen nicht die geringste Wirkung ausüben. Ob das eine oder andere der Fall, der Eingeborene wird immer das Geld nur zur Vergrösserung seines Viehbesitzes ver-wenden. Sein ganzes Sinnen und Trachten geht nur darauf aus, möglichst viel Vieh zu erwerben. Vieh ist sein Vermögen. Nur mit Vieh kann sich der Eingeborene seine Weiber kaufen. Ansprüche, wie sie der Küsten-neger macht, werden die Aruscha- und Meruleute schwerlich nachzuahmen versuchen.

Die neue Karantäneweide wird nun wegen Tsetse-gefahr doch nicht an den Büffelkopp [ca. 15 Kilometer von Aruscha], wie zuerst beabsichtigt, zu liegen kom-men, sondern an den nur ca. acht Kilometer von Aru-scha entfernten Oldonyo Muriet. In unmittelbarer Nähe jenes Berges befinden sich etwa 2000 Hektar guten Weidelands, das sich vorzüglich für eine Viehkarantäne eignet. Da der jährliche Viehdurchtrieb Aruschas auf 4000 Haupt geschätzt wird, so ist es notwendig, stets eine grössere Fläche Weideland zur Hand zu haben. … Vorgesehen ist, dass das zum Weitertransport be-stimmte Vieh 20 Tage in Karantäne bleiben muss.

Gerichtstag. Am 10. Juni findet in Aruscha Gerichtstag des Kaiserlichen Bezirksgerichts Moschi statt.

Personalien. Der Hilfsbeamte beim Kais. Gouverne-ment, Hager, traf am 13. Mai in Aruscha ein und reiste am 20. Mai nach Umbulu ab, um die Leitung der dor-tigen Bezirksnebenstelle zu übernehmen. Lehrer Breit-kreuz traf am 15. Mai in Aruscha ein zur Uebernahme der Europäerschule in Donyo Sambu.

Trockenheit in der Regenzeit. Während in diesem Jahre im Gebiete des Kilimanjaro und Meru beträcht-liche Regenmengen niedergingen, haben die Gebiete westlich des Meru, von Rascha Rascha ab nach Enga-ruka und Umbugwe zu, fast gar keinen Regen erhalten, sodass augenblicklich eine ziemliche Trockenheit dort-selbst herrscht, die noch schlimmer wird, da die Regen-zeit jetzt zu Ende ist.

Personalmangel und Wegebau. Obwohl dem hiesigen Bezirksamt beträchtliche Etatsmittel für den Wegebau zur Verfügung stehen, ist es zur Zeit nicht in der Lage, die Wegebauarbeiten in dem Masse in Angriff zu neh-men, wie es beabsichtigt ist, aus Mangel an Europäer-personal. Obwohl seit Monaten ein zweiter Polizeiwacht-meister für Aruscha angefordert ist, wurde dem Antrage seitens des Gouvernements bisher nicht stattgegeben. Der einzige hier vorhandene Polizeiwachtmeister ist so mit Arbeiten überbürdet, dass der Antrag nach einem zweiten solchen Beamten schon lange seine Berechti-gung hatte. Da in Ermangelung anderer Beamter nur der Polizeiwachtmeister mit der Ausführung der Wegebau-arbeiten betraut werden kann, so müssen dieselben vor-läufig aufgeschoben werden. Es wäre zu wünschen, dass, was Personalforderungen betrifft, den dringendsten Be-dürfnissen des hiesigen Bezirks seitens des Gouverne-ments Rechnung getragen wird, damit das Bezirksamt in die Lage kommt, die jetzt nach der Regenzeit sehr um-fangreichen Wegeinstandsetzungsarbeiten, Bauten von Triften und anderen Flussübergängen, vorzunehmen. Die Erledigung dieser umfangreichen Arbeiten ist Vor-bedingung für die Wiederaufnahme eines geregelten Transportwagenverkehrs.

Um Waldreservats-Erklärungen vorzunehmen, be-gibt sich Anfang Juni der hiesige Forstbeamte nach Engaruka und an den Grabenrand.

Zwei Polizeiwachtmeister treffen Anfang Juni in Aru-scha ein, um für die zu errichtenden Polizeiposten Ver-wendung zu finden.

Die Landesaufnahmen des Vermessungstrupps der Nordbezirke sollen nun auch auf das Merugebiet aus-gedehnt werden. Dieser Tage ist mit den Arbeiten in Donyo Sambu, am westlichen Meru, begonnen worden.

Der Sanja und seine Opfer. Von allen den Flüssen zwischen dem Kikafu und Aruscha ist der Sanja bei den Eingeborenen der gefürchteste. Und das nur infolge seiner Brückenlosigkeit. Zur Trockenzeit ein seichtes Wasser von kaum 20 Zentimeter Tiefe, wird der Sanja zur Regenzeit ein reissender Strom. … Vor 10 Tagen haben wieder drei Eingeborene im Sanja ihr Leben lassen müssen. Vor drei Wochen gelang es mit Mühe ca. 150 m unterhalb einen Postsack mit Post nach Aruscha wieder aus den Sanja zu fischen. Täglich müssen im Durchschnitt 150 Menschen den Sanja passieren. Da wäre es doch wohl der Mühe wert, einen Fussteg über den Fluss herzustellen, der das Passieren desselben zu jeder Zeit möglich macht. Diese keine grosse Kosten verursachende Arbeit kann mit wenigen Arbeitern in einem Tage bewerkstelligt werden. Das Bezirksamt Mo-schi täte gut, diesen Uebelstand am Sanja sobald wie möglich zu beseitigen, damit endlich einmal die Ver-luste aufhören, die alljährlich den Geschäftsleuten im Moschi- und Aruschabezirk durch das Verlieren von Lasten im Flusse entstehen.

Vom Kikafu. Nunmehr ist entschieden worden, dass über den Kikafu keine Brücke gebaut wird. Die im Vor-jahre unterbrochenen Arbeiten zur Verbesserung der Zufahrtsstrassen sind wieder aufgenommen worden und binnen weniger Tage erledigt Es ist die Sprengung von ca. 600 Kubikmeter Steinen erforderlich. Nach Fer-tigstellung dieser Arbeiten ist für den Transportwagen-verkehr eine ziemliche Erleichterung geschaffen. Hof-fentlich vergisst man nicht, die an jenem Flussübergang im Flussbette liegenden grossen Steinblöcke zu entfer-nen.

Menschen als Lasttiere. Man schreibt uns: Alljährlich zur Regenzeit, wenn der Transportwagenverkehr zwi-schen Neu-Moschi und Aruscha auf ca. vier Monate unterbrochen ist, entwickelt sich ein besonders reger Trägerverkehr zwischen diesen beiden Orten. So auch in diesem Jahre. Auffallend ist es, dass an diesem Träger-verkehr fast nur Inder interessiert sind. Sie nutzen die Anwesenheit zahlreicher Träger, Leute des Kondoa-Irangibezirks und Umbulubezirks, weidlich aus, um ihre Warenlasten nach Aruscha und Umbulu zu befördern. Da kann man nun die Beobachtung machen, dass die Lasten der indischen Kaufleute durchweg ein Gewicht von 80 Pfund und noch mehr aufweisen, ein Gewicht, das jedes normale Mass übersteigt. Einen Mitleid erwek-kenden Eindruck hinterlässt es, wenn man beobachtet, wie sich die Träger, oft schwächliche Leute, mühevoll mit diesen schweren Lasten durch die Steppe schleppen. Wobei sie durchweg das Mehrfache an Zeit gebrauchen, als es bei normalen Lasten möglich ist. Die Lastenbe-förderung, so wie sie von den Indern gehandhabt wird, ist nichts weiter als eine Menschenschinderei schlimmster Art zu Gunsten ihres Geldbeutels.

Es existiert eine Gouvernementsverfügung für die Dienststellen, dass deren Lasten kein grösseres Gewicht als 60 Pfund aufweisen dürfen. Es hat sich ferner seit Jahren bei den europäischen Geschäftsleuten des Schutzgebiets der Brauch eingebürgert, Trägerlasten nicht schwerer als 60 Pfund zu machen. Während also Europäer und Behörden es sich zur Pflicht machen, den in ihren Diensten stehenden Trägern angemessene, normale Lasten zur verabfolgen, machen die Herren Inder mit ihrer bekannten Gaunerhaftigkeit gerade das Gegenteil. Wenn irgendwo, so ist hier eine Verordnung am Platze, die das Höchstgewicht für Trägerlasten all-gemein festsetzt. In der jetzigen Zeit der Arbeiterwohl-fahrtsgesetze hat der Erlass einer solchen Bestimmung seine vollste Berechtigung und sie würde dazu beitra-gen, dass unnötig Menschenmaterial ruiniert wird.

21. Juni 1913

Bezirksamt Aruscha. Laut Verfügung des Gouverneurs ist nunmehr die bisherige Bezirksnebenstelle Aruscha in ein Bezirksamt umgewandelt worden. Dadurch ist ei-nem lange gehegten Wunsch der Ansiedler des Bezirks entsprochen worden.

Serumstation Engare nanjuki. Wie man uns mitteilt, ist es dem Leiter der Serumstation in Engare nanjuki, Tierarzt Dr. Huber, gelungen, ein Monatsquantum von 10.000 Dosis Serum herzustellen. Bei diesem Quantum soll es aber nicht sein Bewenden haben. Dr. Huber strebt vielmehr danach, mit Hilfe seiner beiden Assistenten das Monatsquantum allmählich bis auf 15.000 Dosis Serum zu erhöhen. Man darf die Hoffnung aussprechen, dass das Gouvernement diese Arbeiten anerkennen wird und die Absicht fallen lässt, diese nun tadellos funktionierende provisorische Serumstation wieder auf-zuheben. Es ist vielmehr zu wünschen, dass diese Station einen dauernden Charakter annimmt und mit der Zeit zu dem eigentlich für Daressalam ausersehenen Serum-institut ausgebaut wird. Bisher besteht die Serumstation in Engare nanjuki nur aus einigen nach Eingeborenen-art hergestellten Unterkunftsräumen. Einige Verbesse-rungen in dieser Hinsicht wären hier sehr am Platze. — Seitens des Gouvernements ist beabsichtigt, demnächst auch die Gewinnung von Pferdesterbe-Serum in die Wege zu leiten, um später damit praktische Versuche in der Bekämpfung der Pferdesterbe vorzunehmen. Ob diese Arbeiten auch in Engare nanjuki vorgenommen werden sollen, ist noch nicht entschieden.

5. Juli 1913

Der Zug nach dem Westen

Man schreibt uns: „Mit den zur Ansiedlung verfügbaren Ländereien am Meru und Kilimanjaro wird es immer knapper. Es ist deshalb schon notwendig, dass Ansied-lungslustige ihre Blicke weiter westwärts richten in die Gebiete jenseits des Grabenrandes. In der bekannten Denkschrift über die Besiedlung Deutsch-Ostafrikas gibt der Gouverneur Dr. Schnee einen Fingerzeig, wo die Niederlassung deutscher Ansiedler mit ausreichendem Kapital ihm angezeigt erscheine. Er verweist auf die verhältnismässig wasserreiche Landschaft Engotjek jen-seits des Grabenrandes, die ca. 250 Kilometer westlich der Bahnstation Moschi gelegen ist. Diese Landschaft soll, ebenso wie andere im Bezirk Umbulu gelegene, für Ansiedlung von Europäern geeignete Landstriche für deutsche Ansiedler reserviert bleiben. Wenigstens konnte man so aus der Denkschrift des Gouverneurs herauslesen. Dieselbe Ansicht ist auch kürzlich einem angesehenen Kolonisten, einem Ausländer gegenüber, von amtlicher Seite zum Ausdruck gebracht worden. Man dürfte erwarten, dass bei solcher Fürsorge sich in genügender Zahl deutsche Ansiedlungslustige einstel-len werden, die auf jene für sie reservierten Ländereien reflektieren würden, insbesondere wo es für sie in den küstennahen Bezirken immer schwieriger wird, Land zu erhalten. Doch vorläufig ist nichts von dem zu bemer-ken. Und zwar aus dem einfachen Grunde, weil jene Siedelungsgebiete zu weit ab liegen von jeder Verkehrs-gelegenheit.

Neuerdings macht sich bei den Burenansiedlern des Kilimanjarobezirks ein besonderes Interesse bemerkbar für die Ländereien jenseits des Grabenrandes. Da, wie vorwähnt, Umbulu und Engotjek deutscher Besiedlung vorbehalten bleiben sollen, so haben sie ihr Augenmerk auf die Landschaft Mangati gerichtet. Verschiedene ha-ben bereits Landflächen belegt und werden demnächst mit Hab und Gut nach dort übersiedeln. Mangati, ein wasserreicher Landstrich mit gutem Kultur- und Wei-deland, weist durchschnittlich eine Höhenlage von 1400 — 1600 Meter auf, grenzt unmittelbar an den Bezirk Umbulu, gehört jedoch schon zum Verwaltungsbezirk Kondoa-Irangi. So weit bekannt, zeigt sich die Verwal-tung diesen Ansiedlungsbestrebungen der Buren im Kondoa-Irangi-Bezirk entgegenkommend. Ebenso wie die im Jahre 1904 mit den Buren einsetzende Besiedlung der Ländereien am Meru usw., also hunderte Kilometer von einer Bahnstation entfernt, zahlreiche deutsche An-siedler nach sich zog, wird auch die jetzt beginnende Besiedlung der Landstriche am Grabenrande mit der Zeit auch eine ebensolche Wirkung ausüben. So bilden die Buren gewissermassen den Vortrupp für die Besiede-lung jener Ländereien. Der Zug nach dem Westen wird tatsächlich auch dieses Mal wieder durch sie eingeleitet, und hoffentlich sind wir in nicht zu langer Zeit in der Lage, über erfreuliche Fortschritte der jetzt beginnen-den Besiedelung zu berichten.“

    Nachschrift der Redaktion. Wir können uns leider nicht ganz mit den Ausführungen des Herrn Verfassers einverstanden erklären. Die Pionierarbeit der Buren war in Südafrika, einem Lande, das ganz andere Bedingun-gen hat, fraglos eine erfolgreiche. Sie war es aber in Deutsch-Ostafrika, einem tropischen Lande, nicht. Es mag ja allerdings auch sehr viel an dem Umstände gelegen haben, dass nach Deutsch-Ostafrika nicht die vermögenderen Buren wanderten, sondern die weniger vermögenden. Und ohne Geld ist in Ostafrika eben nichts anzufangen. Am allerwenigsten, wenn man Vieh züchten will, was einmal Anfangskapital verlangt, Zeit und hiermit Geld zum Abwarten der Erträge kostet und, last not least, wo so viele Nackenschläge durch Seuchen kamen, wie gerade im Falle der Burensiedlung am Me-ru. Gerade diejenigen Buren, welche Zuchtvieh von Süd-afrika mitbrachten, sind vom Unglück andauernd ver-folgt worden. Und nun wollte ihnen die Regierung das hineingesteckte Geld, das zu zeigen ihnen die Seuchen zur Unmöglichkeit gemacht haben, nicht einmal an-rechnen. Wenigstens kamen einige solche Fälle unter dem vorigen Leiter des Bezirks vor.

    Sollte nicht vielmehr der Wildreichtum der Gurui-Berg-Gegend, insbesondere der Reichtum der Sümpfe von Mangati an Flusspferden, der Grund zur Ueberwan-derung sein? Gerade jetzt, da Aussicht ist, dass die Bahn wenigstens Aruscha erreichen wird, ist sehr schwer ein Abwanderungsmotiv zu finden.

Feststellung des Kultur- und Weidelandes am Meru. Wie bekannt wird, hat das Gouvernement den landwirt-schaftlichen Sachverständigen und bisherigen Leiter der Versuchsstation Kibongoto, Dr. Sinning, damit be-auftragt, durch eingehende Inaugenscheinnahme der Landschaften am Meru und auch sonst im Bezirk Aru-scha festzustellen, wieviel Kulturland und Weideland noch vorhanden ist, das an europäische Ansiedler abge-geben werden könnte. Es liegt in der Absicht des Gou-vernements, im Sinne der Bestimmungen der Kron-landsverordnung vom 10. Februar 1896 pro Kopf der Bevölkerung eine gewisse Landfläche zu reservieren, deren Bebauung oder Nutzung den Unterhalt der Einge-borenen auch mit Rücksicht auf künftige Bevölkerungs-zunahme sichert. Diese eingehenden Arbeiten werden mindestens sechs Monate in Anspruch nehmen. Von ihrem Ergebnis hängt es ab, ob und in welchem Um-fange am Meruberg noch Kulturland oder Weideland an Ansiedler abgegeben werden kann.

In welchem Zustande sich die Wege und Flussüber-gänge der Fahrstrasse nach Moschi zur Zeit befinden, davon kann man einen Begriff bekommen, indem man erfährt, dass die ersten, am 20. Juni hier eingetroffenen Transportwagen für die Zurücklegung der 85 Kilometer von Neu-Moschi nach Aruscha 15 Tage brauchten. Und das, obwohl die Regenzeit bereits seit über einem Monat vorüber ist. Für die Weiterbeförderung der Wagen vom Tschaifluss bis nach Aruscha waren ganz besondere Kraftanstrengungen notwendig und meist mussten 40 — 60 Ochsen vor einen Wagen gespannt werden.

Aus Anlass des Regierungsjubiläums unsers Kaisers [25. Jahrestag] fand am Vormittag des 16. Juni Appell der 1. Kompagnie sowie der Polizeitruppe statt, wobei die Askaris auf die Bedeutung des Tages aufmerksam ge-macht wurden.

Die Kaffeeplantage Faerber am Dulutisee ist für den Preis von 22.000 Rupie von Herrn Hueter käuflich er-worben worden.

Zelträuber waren wieder in der Nacht vom 13. zum 14. Juni in Tätigkeit. Sie nahmen aus dem Zelt des hier lagernden Europäers W. einen der drei Koffer und zwar gerade den, in dem sich die Geldkassette befand, er-brachen den Koffer ca. 50 Meter vom Zelt, entnahmen die Geldkassette und verschwanden. Die Kassette ent-hielt für 300 Rp. Silbergeld.

Den „wilden Jägern“, die sich das Recht herausneh-men, jedes ihnen zu Gesicht kommende Wild zu be-knallen, scheint jetzt etwas strenger auf die Finger gese-hen zu werden. Einer dieser „Jäger“, der Farmgehilfe Sp. aus Leganga, hatte sich am 11. Juni vor dem Strafrichter zu verantworten, weil er ein Nashorn erlegt hatte, der Behörde jedoch keine Nachricht davon gab. Und zwar aus Angst, wie er sagte, dass er deswegen bestraft wer-den würde. Das Horn bewahrte er wohlweislich ver-steckt in seiner Wohnung auf. Sp. wurde wegen Verge-hens gegen die Jagdverordnung mit einer Geldstrafe von 450 Rp. und zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Hoffentlich übt diese strenge Strafe abschreckende Wirkung aus.

Umbulu

Der Geschäftsbereich der Bezirksnebenstelle Umbulu hat jetzt folgende Grenzen erhalten: Im Süden von der Bezirksgrenze Kondoa-Irangi-Aruscha das trockene Flussbett der Tarangire aufwärts bis zur Wegekreuzung Aruscha-Umbugwe dem östlichen Flussbett des Taran-gire folgend. Von dort bis zu dem Punkt, an dem sich der Essidetti in der Steppe verliert. Von da den Essidetti aufwärts zum Loolmalassin und von dort bis zur West-grenze des Bezirks in gerader östlicher Richtung.

19. Juli 1913

Mit der Kaffee-Ernte ist allenthalben im Bezirk bereits begonnen worden. Ueber das voraussichtliche Ergebnis der Ernte lässt sich vorläufig nichts Bestimmtes sagen. Immerhin muss mit einer um ca. 50 Prozent höheren Ernte als im letzten Jahr gerechnet werden.

Sekenke

Die Goldausbeute in der Mine der Kironda-Goldminen-Gesellschaft betrug in April 46.500 Mark. Es wurden 740 Tonnen Erz verpocht mit einem durchschnittlichen Goldgehalt von 22,5 Gramm per Tonne.

2. August

Rindviehzucht-Genossenschaft Moschi-Aruscha

Am 12. Juli fand im Meruhotel zu Aruscha die erste Versammlung des Bezirksvereins Aruscha der vor kurzem gegründeten „Rindviehzucht-Genossenschaft Moschi-Aruscha“ statt. … Am 20. Juli hat der Bezirks-verein Moschi im Weru-Weru-Hotel ebenfalls die Statutenberatung sowie die Wahl des Vorstandes und der Körkommissare vorgenommen.

Bahnerkundung Aruscha-Viktoriasee

Bei den Beratungen über die Nachtragsetats für das Schutzgebiet im Januar ds. Js. beschloss bekanntlich der Gouvernementsrat einstimmig, dass der Gouverneur nach Massgabe der zur Verfügung stehenden Etatsmit-tel Erkundungen anstellen lasse über eine Bahntrasse von Aruscha nach dem Viktoriasee. Diese Erkundungs-arbeiten sollen nunmehr ausgeführt werden. Wie uns berichtet wird, traf die Erkundungskommission bereits am 22. Juli in Aruscha ein. Derselben gehören an der Eisenbahnkommissar der Nordbahn Ingenieur Kroeber, Ingenieur Frisch der Bahnbaufirma Holzmann & Co. sowie ein Techniker. Von Aruscha aus, wo die Arbeiten beginnen werden, wird sich Bezirksamtmann Dr. Kaempfe der Kommission für die Dauer ihrer Arbeiten innerhalb des Bezirks Aruscha anschliessen. Sobald die Erkundungskommission den Bezirk Muansa erreicht, wird ihr der dortige Bezirkschef beigeordnet werden. Soweit bekannt, bewegen sich die Arbeiten der Kom-mission nur in dem Rahmen einer allgemeinen Trassen-erkundung für eine Bahn Aruscha-Viktoriasee. Ihre Ar-beiten werden zum Teil erleichtert durch bereits früher von Ingenieuren der Bahnbaufirma Lenz & Co vorge-nommene Trassenerkundungen nach dem Natronsee.

    Notwendig ist es, dass dieser allgemeinen Erkundung baldigst eine speziellere Erkundung folgt, da nur sie die genauen Unterlagen schaffen kann, die bei der Beratung des nächstjährigen Etats im Reichstage als Information zu dienen haben in dem Widerstreit, der ohne Zweifel entstehen wird bei den Forderungen für die Kagera-bahn.

    Einschlägiges Material ist durchaus notwendig, wenn sich die Reichstagsabgeordneten darüber schlüssig wer-den müssen, ob sie die Mittel bewilligen sollen für eine Zweigbahn Tabora-Kagera oder ob sie nicht diese Mittel besser verwenden für die Fortsetzung der Nordbahn bis zum Viktoriasee.

Polizeiposten Ndatu. Das Bezirksamt Aruscha macht bekannt, dass am 9. Juli ein Polizeiposten in Ndatu in der Landschaft Mboli in unmittelbarer Nähe des Pembe-flusses ca. 20 Minuten von der Mission Nkoaranga er-richtet worden ist. Der Bereich des Postens erstreckt sich auf das Gebiet von der Bezirksgrenze Moschi-Aruscha westlich zum Nduruma und auf das Farmgebiet Engare Nanjuki. Aufgabe des Postens ist ausser den Wegebauten und der Arbeiterkontrolle die Erledigung von Arbeiterschauris von nicht prinzipieller Bedeutung. Dem Posten ist entsprechende Strafgewalt erteilt wor-den.

Ein schwer beladener Transportwagen stürzte am 9. Juli beim Ueberfahren der Trift über den Temi um und entlud die ganze Ladung in das an jener Stelle verhält-nismässig tiefe Wasser. Obwohl die Ladung schleunigst aus dem Wasser entfernt wurde, ist sie, da meist Baum-wollwaren, ziemlich beschädigt worden.

Prämie für Esel-Einfuhr. Das Gouvernement, das neu-erdings für Tierzuchtbestrebungen im Schutzgebiet ein besonderes Interesse zeigt, hat jetzt für die Einfuhr von Cypernesel während des Etatsjahres 1913 eine Prämie von 1000 Rupie bewilligt.

Wegen Küstenfiebers wurde die Quarantäneweide der Farm Trappe-Ngongongare gesperrt. Ebenfalls wurde über das Somalidorf bei Aruscha von neuem die Küsten-fiebersperre verhängt.

Die Schafpocken sind unter der Herde des Buren van Schoor ausgebrochen und deshalb wurde über dessen Farm die Sperre verhängt.

Eine Hebammenschwester für den Aruschabezirk. Der Wunsch der im Bezirk wohnenden zahlreichen verhei-rateten Ansiedler, das Gouvernement möge in Aruscha eine Hebammenschwester stationieren, hat Aussicht in Erfüllung zu gehen. Ein während der letzten Tagung des Gouvernementsrats gestellter Antrag auf Einstellung der notwendigen Mittel in den nächstjährigen Etat für Stationierung einer Hebammenschwester in Aruscha wurde einstimmig angenommen. Vorbehaltlich der Be-willigung des Etats wird also im nächsten Jahre einem dringenden Bedürfnis abgeholfen werden.

Ein neues Waldreservat. Die Mondulberge, ca. 30 Kilo-meter westlich Aruscha, sind zum Waldreservat erklärt worden. Die Flächengrösse dieses Waldreservats be-trägt 6060 Hektar. Die Grenzen sind: Osten und Süden vermarkte Grenzen mit den Farmen Legrange, Risse und Glaubitz vom Meandet bis zum Oldonyo Lolelescho. Westen und Norden vermarkte Grenze mit der Farm Hartmann vom Oldonyo Lolelescho bis zum Meandet.

16. August 1913

Ungenügende Mittel für den Strassenbau

Die Verhältnisse, wie sie nun einmal in Moschi und Aru-scha liegen, zwingen diese beiden Bezirke, ihr besonde-res Augenmerk gerade dem Wege- und Brückenbau zuzuwenden. — Zahlreiche Flussläufe verlangen feste Brücken, hunderte von Kilometern Strassen —  nur dem Namen nach — harren der Unterhaltung, damit nur einigermassen auf ihnen der Wagenverkehr möglich ist. Weitere hunderte Kilometer warten überhaupt erst noch auf ihre Entstehung. Wenn man bei solchen Ver-hältnissen den Bezirken zutraut, dass sie mit Bagatellen von Etatsmitteln ihren Aufgaben gerecht werden sollen, so verlangt man von ihnen Unmögliches.

Ein für den Bezirk Aruscha sehr wichtiger und darum für die Nordbahn nicht minder wichtiger Strassenbau harrt noch seiner Ausführung, das ist der Ausbau des Weges von Aruscha bis nach Umbugwe an den Graben-rand. Es handelt sich hier um die Schaffung einer Zu-fahrtsstrasse, die Transportwagenverkehr mittels Och-senwagens ermöglicht und dadurch die wirtschaftlich reichen Gebiete des Bezirks Umbulu dem zukünftigen Bahnendpunkt näher bringt. Die erheblichen Kosten, die dieser Strassenbau (unbeschotterte Strasse) verur-sacht, lassen es ratsam erscheinen, dass das Gouverne-ment diesen Bau selbst in die Hand nimmt. Das Vorhan-densein grösserer Durststrecken auf der Route Aruscha-Grabenrand macht auch die Schaffung verschiedener Tränkstellen für das Zugvieh erforderlich, wozu Was-serbohrungen notwendig sind. Dieser Strassenbau er-heischt dringend seiner Ausführung. Er würde nach seiner Fertigstellung zahlreiche Ansiedler in die Lage versetzen, sich durch Transportfahren nach dem Umbu-lubezirk und zurück einen lohnenden Nebenerwerb zu verschaffen und weiterhin den grossen Trägerapparat überflüssig machen, der heute zum Transport von Wa-ren den Weg Aruscha-Umbugwe-Umbulu bevölkert.

Endlich könnte die Bezirksverwaltung den sich immer mehr häufenden Anträgen auf Abgabe von Farmland gerecht werden und die an jene Strassen stossenden Ländereien verpachten, nachdem demnächst dort auch die Wassererschliessungsarbeiten einsetzen werden.

Der Bezirk Aruscha ist mit seinen kargen Mitteln in die-sem Jahre nicht in der Lage, Strassenneubauten vor-zunehmen, insbesondere nicht mit dem Bau der Strasse nach dem Grabenrand zu beginnen, er muss sich ledig-lich darauf beschränken, die notwendigsten Instandset-zungsarbeiten der Moschistrasse und eine Korrektur der Strasse Aruscha-Donyo Sambu-Engare nanjuki vor-zunehmen.

Zur Burenansiedlung in Mangati

wird uns noch von geschätzter Seite geschrieben: Die Befürchtung, die die Redaktion in der Nachschrift zu dem Artikel „Der Zug nach dem Westen“ in No. 13 dieses Blattes zum Ausdruck bringt, wonach vielleicht die wild-reiche Gegend am Gurui-Berg der Anziehungspunkt für die Ansiedelungslustigen ist, scheint nicht ganz unbe-rechtigt zu sein. Denn auch das Gouvernement scheint diese Befürchtung zu hegen und hat darum beizeiten etwaigen Absichten einen Riegel vorgeschoben. Wie verlautet, hat es den Bezirksämtern Moschi und Aru-scha die Anweisung gegeben, diejenigen Buren, welche die Absicht haben, sich im Kondoa-Irangi Bezirk anzu-siedeln, darauf aufmerksam zu machen, dass sie in wildreichen Gegenden kein Land erhalten können. Es soll damit keineswegs zum Ausdruck gebracht werden, dass den Buren überhaupt kein Land abgegeben wird; das Gouvernement trifft damit lediglich eine Vorsichts-massregel, um sie vor der Versuchung zu schützen im Uebermasse ihrer nur allzubekannten Jagdleidenschaft zu fröhnen, die sie in Widerspruch mit den Jagdgesetzen bringen könnte. — Unter den nach dem Mangati-Dis-trikt übersiedelnden Buren sind verschiedene, die erst kürzlich ihre Farmen an deutsche Ansiedler verkauft haben und jetzt im Begriffe sind, mit dem erzielten Erlös sich ein neues Heim zu gründen.

Wassererschliessung

Es ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass es in den Gebieten westlich des Meru, die jetzt kein offenes Wasser aufweisen, unterirdische Vorräte in grösseren Mengen gibt. Besonders kommen in dieser Hinsicht die auf den Karten als „abflussloses Gebiet“ bezeichneten Landstriche zwischen den Mondulbergen und dem Grabenrand in Betracht. Dort ist die Möglich-keit vorhanden, dass sich ein zusammenhängender Grundwasserstand in nutzbarer Tiefe vorfindet. Weiter kommen für umfangreiche Wasserbohrungen in Be-tracht die ausgedehnten Steppengebiete westlich des Grabenrandes. Hier wie dort wurden die Weideflächen in früheren Jahren in ausgedehntem Masse von den Masai für ihre Rinderherden in Benutzung genommen und auch sie hatten sich in jenen trockenen Gebieten das Wasser für ihre Rinder durch Graben von Brunnen verschafft.

Dass in Steppengebieten reichliche Wasservorräte vor-handen sein können, das beweist uns das wasserarme Ugogogebiet. Dort wird von den Wagogo das Wasser für ihr zahlreiches Vieh fast ausschliesslich in den von ihnen gegrabenen Brunnen gewonnen. —

Wie man hört, sind die Bohrgeräte für die demnächst beginnenden Wassererschliessungsarbeiten bereits eingetroffen. Mit den Arbeiten soll ein Bohrmeister des Gouvernements betraut werden. Die ersten Bohrungen sollen in dem bereits obenerwähnten Gebiet westlich der Mondulberge, ca. 50 Kilometer westlich Aruscha, vorgenommen werden.

Man schreibt uns: Durch die Vergebung fast allen in ummittelbarer Nähe vorhandener Wasserläufe sich be-findlichen Farmlandes und in Anbetracht der ständig wachsenden Nachfrage nach Farmland erscheint es wünschenswert, dass die Regierung den vorzüglichen, jedoch wasserarmen Weidelandflächen im Norden der Kolonie, die sich für Farmwirtschaft eignen, ein beson-ders Augenmerk schenkt und auf ihre Erschliessung bedacht ist. Dazu gehört in erster Linie die Wasserer-schliessung d. h. Ausfindigmachung von Wasserstel-len, Erbohrung bezw. Feststellung unterirdischer Was-seradern, Anlegung von Brunnen usw.

In den Etat für 1913 hat nun das Gouvernement zum ersten Male Mittel eingesetzt für die Wassererschlies-sung in den für Farmen geeigneten Landstrichen.

Leider sind die Mittel, die für die Wassererschliessung in den Etat eingesetzt sind, so knapp bemessen, dass es kaum Zweck haben wird, mit den Arbeiten erst zu be-ginnen. Lumpige 30.000 Mark sind für diese Arbeiten ausgeworfen worden, wofür sich eventuell je nach der Beschaffenheit des Bodens bis zu einem halben Duzend Bohrungen vornehmen lassen. (Bei den Wasserbohrun-gen in Togo 1906 stellt sich eine Bohrung auf 40.000 Mark. Die Red.) Auf jeden Fall müssen in den nächsten Jahren weit grössere Mittel angefordert werden, wenn es die Regierung ernst meint mit der Wassererschlies-sung geeigneten Farmlandes. Will sie die westlich des Meru gelegenen ausgedehnten Weidelandflächen der europäischen Besiedelung zugängig machen, so muss eine von ihr durchgeführte systematische Untersu-chung und Feststellung der Wasserverhältnisse vorher-gehen, es muss eine systematische Abbohrung der Landflächen durch Bohrmeister auf Anordnung des Geologen vorgenommen werden. Denn ist erst den kommenden Ansiedlern bekannt, wo und in welcher Tiefe sie auf dem zur Abgabe bereit stehenden Farmland Wasser finden können, dann wird auch die Besiedelung der ausgedehnten Weidelandflächen in raschem Tempo vor sich gehen.

Brücke am Kikafu

Endlich, endlich ist auch der Aufstieg am linken Kikafu-ufer für Rp. 1800, — fertig gestellt worden, sodass es jetzt möglich ist, den Kikafu bei Niedrigwasser ohne Lebens-gefahr mit Wagen zu passieren. Die Auffahrt am rechten Ufer wurde schon vor längerer Zeit gebaut. Die hinein-konstruierten kunstvollen Serpentinen, die sogar Stel-len mit verlorenen Steigungen aufweisen, passen nicht für die Burenwagen mit ihren langen Gespannen. Ein gerader Aufstieg wäre zweckmässiger gewesen.

Der baldige Bau einer eisernen Brücke, die etwa 12.000 Rp. kosten dürfte, ist eine unbedingte Notwendigkeit Besonders, nachdem jetzt auf dem ganzen Wege von Moschi bis zur Viehboma solide Brücken existieren, wäre es unverantwortlich, wenn man den Bau der Kika-fubrücke wieder verzögen wollte. Der ganze Verkehr nach dem Meru und dem West-Kilimanjaro kann sonst durch die nächste grosse Regenzeit wieder unterbunden werden. Allein wegen des bevorstehenden Bahnbaus nach Aruscha müsste diese Brücke gebaut werden, da sonst der Transport der Güter für die Vorbaustrecke zu teuer kommt.

Zweckmässig wäre es dann, wenn man den Weg nach Aruscha etwa 2 km lang auf die neue Strasse nach Kibongoto verlegte, um dadurch 2 Zackentäler zu um-gehen.

Umbulu

Neue Missionsstation. Die bereits seit Jahren im Distrikt Umbulu tätige Mission der „Schwarzen Väter“ ist nunmehr dabei auch in dem Distrikt Umbugwe eine Missionsstation zu errichten, um dort mit ihrer Missi-onstätigkeit zu beginnen.

30. August 1913

Bezirksratswahl für Aruscha

Nach Anordnung des Gouvernements ist für den Bezirk Aruscha ein Bezirksrat zu bilden auf Grund der Verordnung des Reichskanzlers betr. Bezirksräte in Deutsch-Ostafrika. Wahlberechtigte, das heisst Reichs-angehörige männl. Geschlechts, die das 25. Lebensjahr vollendet haben und bis zum 31. Dezember 1912 seit mindestens 1 Jahr (also vom 31. Dezember 1911 ab) ihren Wohnsitz im Bezirk Aruscha gehabt und ihn bis zur Wahl nicht aufgegeben haben, wollen sich beim Be-zirksamt vom 15. August bis 15. September 1913 in die Wählerliste auf Grund schriftlicher oder mündlicher Anmeldung, unter Angabe des Alters und der Dauer des Wohnsitzes im Bezirk, eintragen lassen. Wer eine etwa auf ihn fallende Wahl nicht anzunehmen beabsichtigt, hat dies bei der Anmeldung anzuzeigen. Die Namen die-ser Wähler werden bekannt gegeben. Einsprüche gegen die Wählerliste, die vom 16. bis zum 30. September ds. Js. beim Bezirksamt zur Einsicht ausliegt, sind bis spätes-tens 21. Oktober 1913 bei dem Vorsteher des Bezirksamts anzubringen. Ueber den Einspruch entscheidet eine Kommission.

Die Wahl hat in der Weise zu erfolgen, dass der Wähler in einem Wahlbriefe die Namen von sechs wählbaren Personen verzeichnet. Der Wahlbrief ist in einem ver-schlossenen Briefumschlag, der auf der Rückseite Na-men und Wohnort des Wählers zu enthalten hat, unter der Adresse: „An die Wahlkommission bei dem Bezirks-amt zu Aruscha“ einzusenden oder einzureichen, und zwar in der Zeit vom 4. bis 25. November 1913. Nach dem 25. November eingehende Wahlbriefe finden keine Berücksichtigung. —

Wirtschaftlicher Verein vom Meru

(Bericht über die Sitzung vom 15. August, nachm. 3 Uhr im Meruhotel Aruscha.)

… Weiter erwähnte der Vorsitzende, dass er im Gouver-nementsrat ebenfalls den Antrag gestellt habe auf Ver-doppelung der für das erste Jahr für den Bau der Bahn nach Aruscha bereit gestellten Mittel. Zwecks Orientie-rung über die im nächsten Jahre in Daressalam statt-findende Landesausstellung werden an die anwesenden Mitglieder die vom Ausstellungskomitee übersandten Drucksachen verteilt (Arbeitsplan der Ausstellung, Ausstellungsbedingungen, Anmeldung zur Ausstellung, Handelsübersicht von Deutsch-Ostafrika.) Der Vorsit-zende empfahl den Mitgliedern des Wirtschaftlichen Vereins, dringend, sich an der Landesausstellung zu beteiligen. Es wurde darauf der Beschluss gefasst, dass sich der Verein an der Ausstellung beteiligt und nach Möglichkeit eine geschlossene Gruppe für sich bilden wird damit die Erfolge im Meru-Ansiedlungsgebiet dem Ausstellungsbesucher eindrucksvoller vor Augen ge-führt werden. Gleichzeitig wurde Beschluss gefasst, sich an dem Unkostenfonds der Ausstellung mit einem Beitrag von 300 Rp. zu beteiligen. Ebenfalls wurden für Platzmiete 200 Rp. ausgeworfen.

Zu der demnächst in Neu-Moschi stattfindenden Tagung des Landesverbandes von Deutsch-Ostafrika wurde be-schlossen, 7 Delegierte zu entsenden.

Auf der Versammlung wurde der Antrag gestellt, das Gouvernement zu ersuchen, Vorkehrungen zu treffen, damit farbigen Bewohnern des Merugebietes der Anbau von Kaffee verboten wird. Der Antragsteller begründete seinen Antrag damit, dass der schon jetzt von verschie-denen Farbigen begonnene Kaffeeanbau nur zu sehr dazu geeignet ist, dem Diebstahl von Kaffee Vorschub zu leisten. Beginnen auch die Farbigen mit dem Kaffeean-bau, so werden in Zukunft die Ansiedler schwer zu lei-den haben unter Diebstählen, die man nicht zu verhüten in der Lage sei. Berücksichtigt man z.B. in welchem Masse an der Küste und auf Sansibar die sogenannte „stille Teilhaberschaft“ der Schwarzen an der Erträgnis-sen der Kokospalmenplantagen Verbreitung gefunden hat, indem 50 und mehr Prozent der Ernte durch Dieb-stahl vorloren gehen, so kann dem Wunsche des Antragssteller eine Berechtigung nicht abgesprochen werden. Der Antrag wurde zum Beschluss erhoben.

Ein weiter Antrag ging dahin, das Gouvernement zu Er-suchen, eine Verfügung zu erlassen, die die Verwen-dung von Schraubenmuttern durch Eingeborene zum Keulenanfertigen verbietet. Der Vorsitzende schlug vor, diese Angelegenheit dem Bezirksamt zur Erledigung zu Überlassen, worauf der Bezirksamtmann entsprechende Massnahmen zusagte.

Vom Gouverneur war ein Schreiben eingetroffen, worin er davon Mitteilung macht, dass eine Hebamme in Aru-scha stationiert werden soll. Weiter teilte der Gouver-neur mit, dass nach Fertigstellung der Bahn bis Aruscha die bereits jetzt vorhandene Hospitalanlage zu einem grossen Europäerhospital ausgebaut werden soll.

Aasjägerei. Kaum sind die neuen Bestimmungen der Jagdverordnung in Kraft getreten, so wird uns auch schon über einen unerhörten Fall von Aasjägerei berich-tet wie am 10. August ca. sechs Marschstunden von Aru-scha von zwei Deutschen gesündigt wurde. Diese Leute hatten sich die Erlegung von Zebras vorgenommen und verfolgten nun die dort zahlreichen Zebraherden zu Pferde. Sobald die beiden „Jäger“ bis auf 600 — 800 Meter an die Zebras herangekommen waren, wurde abgesessen und sofort auf die Zebras ein Schnellfeuer mit ihren Magazingewehren eröffnet. Dieses Jagen und Schnellfeuer auf die Zebras wurde mehrere Male von ihnen wiederholt, mit dem einzigen Erfolg, dass zahlrei-che Tiere krank geschossen wurden, wovon die vielen Schweisspfade nur zu beredtes Zeugnis ablegten. Ihre „Jagd“ hatten jene beiden Deutschen mit solcher Gewis-senhaftigkeit ausgeübt, dass sie nicht im Geringsten Rücksicht auf in nächster Nähe von ihnen jagende Per-sonen nahmen, denen die Kugeln nur so um die Köpfe sausten, dass ihre einzige Rettung das Niederlegen auf den Erdboden war. Da über diesen einzigartigen Vorfall bereits Anzeige erstattet wurde, so mögen wir an dieser Stelle nur dem Wunsche Ausdruck geben, dass gegen solche „Aasjägerei“ aufs Schärfste eingeschritten wird.

Meruschützen. Am 15. August hielt das Freiwilligen-korps „Meruschützen“ seine erste Generalversamm-lung im Meruhotel zu Aruscha ab.

Zu erwähnen sei noch, dass, sollte demnächst die Grün-dung eines Freiwilligenkorps auch im Bezirk Tanga zu Stande kommen, in den vier Nord- und Grenzbezirken im Notfall rund 400 Mann zur Verfügung stehen werden zur Verteidigung der Nordbahn. Man kann daraus ent-nehmen, in welchem Masse die Freiwilligenkorps zum Schutze der Kolonie im Ernstfalle beizutragen in der Lage sind.

Bezirksamtmann Dr. Kaempfe hat am 20. August Aruscha verlassen, um sich der am Grabenrand tätigen Eisenbahn-Erkundungskommission anzuschliessen. Gleichzeitig wird er in der Gegend von Sonyo einige Landvergebungen vornehmen.

Zur Inspektion der Postagenturen in Leudorf und Aru-scha war Postinspektor Steffens am 16. und 17. August in Aruscha anwesend.

Der Somaliniederlassung bei Aruscha, deren Aufhe-bung kürzlich im Wirtschaftlichen Verband erörtert wurde, wird eine weitere Ausdehnung nicht gestattet werden. Das den Somalis zur Niederlassung zur Verfü-gung gestellte Land wird demnächst vermessen werden.

Schule Engare ol Mutonje. Um die Angelegenheit betr. Errichtung der Europäerschule in Engare ol Mutonje endgültig zu regeln, traf Schulinspektor Randow am 19. in Aruscha ein.

Ein gefährlicher Leopard. Als sich am 16. August in der Frühe zwei Askari mit einer Kette zur unweit Aruscha gelegenen Arbeitsstelle begeben wollten, sprang plötz-lich ein ausgewachsener Leopard aus dem Busch und machte Miene, sich auf die Kettengefangenen zu stür-zen. Ein Askari gab sofort einen Schuss auf den Leo-parden ab, verfehlte jedoch das Ziel, sodass das Raubtier flüchten konnte. — In letzter Zeit sind bereits verschie-dene Nachrichten vom Meru eingetroffen, wonach Ein-geborene von Leoparden angefallen und auch getötet wurden.

Amtlicher Anzeiger für Aruscha. Wie verlautet, wird das Bezirksamt Aruscha demnächst mit der Herausgabe eines Amtlichen Anzeigers beginnen, ähnlich dem des Bezirkes Moschi, in dem die Anordnungen des Bezirks-amts sowie sonstige Verordnungen usw. bekannt gege-ben werden.

13. September 1913

Farmerversammlung in Aruscha

Aus Anlass der Anwesenheit des Geheimrats Dr. v. Oster-tag vom Kaiserl. Gesundheitsamt zu Berlin fand am 2. September im Meruhotel zu Aruscha eine Farmerver-sammlung statt, zu der eine stattliche Anzahl Ansiedler erschienen waren. Es galt durch persönliche Ausspra-che Klarheit zu schaffen über die Wünsche und Bestre-bungen der Ansiedler auf dem Gebiete der Viehzucht sowie über die zur Bekämpfung der Viehseuchen einzu-schlagenden Wege.

Nachdem zu Beginn der Versammlung der stellvertre-tende Bezirksamtmann, Sekretär Braul, die Anwesen-den begrüsst hatte, machte Geheimrat v. Ostertag die Mitteilung, dass er auf Veranlassung des Gouverneurs vom Reichskolonialamt berufen wurde, Deutsch-Ostaf-rika zu besuchen, um hier die Organisation des Vete-rinärwesens der Viehseuchenbekämpfung usw. zu stu-dieren. Den besonderen Anlass hierzu gab der Ausbruch der Rinderpest. Es gälte für ihn, sich in erster Linie darü-ber zu unterrichten, ob die veterinärärztlichen Einrich-tungen im Schutzgebiet so vollständig sind, dass die Vermögen, die seitens der Kolonisten in Vieh angelegt sind, auch hinreichenden Schutz gegen Gefährdung durch Seuchen gewähren. Gerade im Bezirk Aruscha mit seinen beträchtlichen und, wie er sich bisher über-zeugen konnte, in gutem Gesundheitszustande befind-lichen Viehherden, könne er sich die beste Auskunft hierüber holen.

Ueber die bisher gemachten Erfahrungen mit der Straussenzucht machte einer der Anwesenden nähere Angaben. Er hat insgesamt für Rp. 3000,— Federn nach der Kapkolonie gesandt und dort sehr gute Preise erzielt (Weisse Federn 140—160 M per Pfund, schwarze Federn 10—12 Schilling per Pfund, Schwanzfedern 10—20 Schil-ling per Pfund.) Es steht fest, dass unser wilder ostaf-rikanischer Strauss viel grösser ist und bessere Federn liefert als der wilde südafrikanische und der mit Feld-kost in der Karroo gezüchtete Strauss. Seine Federn er-reichen eine Länge bis zu 32 Zoll, während die Federn des südafrikanischen Strausses nur eine Länge von 28 Zoll erreichen. Von verschiedenen der Anwesenden wird dringend gefordert, dass das Gouvernement bei Erteilung der Fangerlaubnis für Strausse die Zahl der zu fangenden Strausse bedeutend heraufsetzen möge, denn erst dann wird dem Ansiedler die Möglichkeit gegeben, die Zucht mit Erfolg zu betreiben. Mit einer Fangerlaubnis von 50 Straussen, die allenfalls dem Züchter ein halbes Dutzend brauchbare Vögel liefert, ist heute nichts anzufangen. Geheimrat v. Ostertag teilte seine in Südafrika gemachten Beobachtungen über Straussenzucht mit und erwähnt dabei die ausseror-dentliche Rentabilität der südafrikanischen Straussen-zucht. Er warnte jedoch, jeder, der die Straussenzucht nicht kennt und sich nicht über ihre Erfordernisse ge-nau unterrichtet hat, solle die Finger davon lassen, denn die Straussenzucht stelle ganz besondere Anforderun-gen an die Kenntnisse des Züchters.

27. September 1913

Ein ausserordentlicher Personalmangel herrscht zur Zeit beim Bezirksamt Aruscha, über diese Tatsache kann man sich mit dem besten Willen nicht hinwegsetzen. Tagaus, tagein sieht man bis spät abends, oft bis Mit-ternacht, Beamte in ihren Diensträumen tätig sein, um die sich immer mehr häufenden Dienstgeschäfte zur erledigen; aber auch diese 12 bis 16 stündige Arbeitszeit täglich scheint hierfür noch nicht auszureichen. Seit-dem Aruscha ein selbständiger Bezirk geworden, haben die Geschäfte des Bezirksamts von Monat zu Monat eine beträchtliche Zunahme aufzuweisen. Hierfür ist in ers-ter Linie die ständig zunehmende europäische Ansied-lungsbevölkerung massgebend, wobei zu berücksichti-gen ist, dass ein grosser Teil derselben die deutsche Sprache nicht beherrscht, was zu allerhand, auf die Erle-digung der Dienstgeschäfte störend wirkenden, Unzu-träglichkeiten führt. Ein beträchtliches Arbeitspensum beansprucht insbesondere die Erledigung der zahlrei-chen Landangelegenheiten, Kauf- und Pachtverträge usw. Infolge der vorhandenen grossen Ansiedlerbe-völkerung nehmen auch die Arbeiterangelegenheiten einen breiten Raum der Geschäfte ein. Seitdem in Mo-schi ein Bezirksgericht errichtet ist, haben die Gerichts-sachen einen bedeutenden Umfang angenommen. Während für den Bezirk Moschi das Bezirksgericht selbst die Zustellungen, Ladungen und Vernehmungen vornimmt, muss für den Bezirk Aruscha diese Arbeiten das Bezirksamt ausführen. Zieht man heute einen Ver-gleich zwischen der Zahl der Beamten in den Bezirken Aruscha und Moschi, so ergiebt sich folgendes Bild: Aruscha 1 Amtmann, 1 Sekretär, 1 Assistent, 2 Kanzlisten; Moschi: 1 Amtmann, 1 Bezirksrichter, 4 Sekretäre, 2 As-sistenten, 1 Kanzlist. Es besteht also zwischen den beiden Bezirken ein bedeutender Unterschied in dem vorhan-denen Beamtenpersonal, der zu Ungunsten Aruschas ausfällt. Und das, trotzdem die Gesamtgeschäfte Aru-schas die des Bezirks Moschi bei Weitem überflügelt haben.

Der erste Transport Cypern-Esel geht, wie uns mitge-teilt wird, im Laufe des Oktober von Suez ab und wird im November in Tanga eintreffen. Diesem Transport von 50 Eseln wird in aller kürze ein weiterer Transport folgen.

Nordbahn-Erkundung

Wie uns von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, hat das Gouvernement die Mittel, die für die Erkundung der Nordbahn Aruscha-Viktoriasee ausgeworfen waren, neuerdings bedeutend erhöht. Es stehen jetzt für die Arbeiten der Erkundungskommission 60.000 Mark zur Verfügung. Die Mittel sind also fast verdoppelt worden. Es ist mithin zu erwarten, dass die Erkundungskom-mission jetzt in der Lage ist, über den Rahmen einer allgemeinen Bahnerkundung hinaus alle die Arbeiten vorzunehmen, die zur Beurteilung über die Notwendig-keit und Möglichkeit des Bahnbaus Aruscha-Viktoriasee erforderlich sind.

Umbulu

Dem Bezirk Umbulu wird in letzter Zeit allenthalben ein besonderes Interesse entgegengebracht. Nicht nur Ansiedelungslustige nehmen auf der Suche nach geeig-netem Land auch den hiesigen Bezirk in Augenschein sondern auch die Handeltreibenden haben ihn als ganz besonderes Arbeitsfeld bereits in Bearbeitung genom-men. Während bisher nur indische Kaufleute sich im Bezirk betätigten, haben sich neuerdings auch zwei eu-ropäische Handelsfirmen in Umbulu etabliert, von de-nen die Firma G. Bloom zur Zeit einen steinernen Neu-bau errichtet. Die hauptsächlichsten Handelsobjekte im Umbulubezirk sind zur Zeit Vieh, Samli, Häute und Felle. Infolge der Rinderpestsperre sind gerade diesem Han-del Beschränkungen aufgebürdet, die seine Entfaltung arg beeinträchtigen. Ein Uebel ist es weiter für die dor-tigen Handeltreibenden, dass ihnen nicht gestattet wird, ihre Handelsware per Ochsenwagen von Aruscha bis an den Grabenrand zu befördern. Trotz der schlechten Fahrstrasse würden sich genügend Frachtfahrer für den Transportverkehr bereit finden, doch leider schiebt dem auch hier die Rinderpestsperre einen Riegel vor.

11. Oktober 1913

Vorweltliche Tiere! Bei seiner Studienreise vor zwei Jahren gelang es dem Professor Dr. Kattwinkel in der Gegend des Grabenrandes Spuren vorweltlicher Tiere festzustellen. Am 22. September ist nun Dr. Reck, der zuletzt die Ausgrabungen der Saurierfunde bei Lindi leitete, von Aruscha nach dem Grabenrande marschiert, um über den geologischen Ausbau des in Betracht kom-menden Gebiets, besonders in den Ausläufern des Grabenrandes eingehende Untersuchungen anzustel-len. Sollten diese Untersuchungen greifbare Resultate erzielen, so ist seitens wissenschaftlicher Kreise in der Heimat beabsichtigt, eine ähnliche Forschungsexpedi-tion auszurüsten, wie dies im Interesse der Bergung der Saurierfunde am Tendaguraberge bei Lindi geschah.

25. Oktober 1913

Ueber die weitere Vergebung von Kulturland am Meru

… In den letzten drei Jahren ist die Entwicklung hier am Meru eine ganz ausserordentliche gewesen. Alles ver-fügbare Kulturland ist verteilt und darauf mit aller Energie die Anlage von weiten Kulturflächen erfolgt. Dazu kommt, dass weitere bedeutende Flächen in den letzten 1½ Jahren aus kapitalschwachen Händen in kapitalkräftige übergegangen sind, welcher Prozess noch keineswegs sein Ende erreicht hat. An Stelle der notgedrungen geringen Anstrengungen der früheren Besitzer ist auch auf diesen Ländereien die intensivste Bearbeitung mit vielen Arbeitern durch die neuen Besit-zer getreten.

Wiederaufhebung des Polizeipostens Ndatu

Am 9. Juli d. J. hatte das Bezirksamt Aruscha in Ndatu in der Landschaft Mboli am Meru einen Polizeiposten eingerichtet. Nunmehr erfahren wir, dass das Bezirks-amt infolge zu geringer Betriebsmittel für das laufende Etatsjahr genötigt ist, diesen Polizeiposten wieder auf-zuheben. Unter den zahlreichen östlich des Nduruma ansässigen Ansiedlern erwartete man durch diesen Pos-ten insbesondere eine Besserung der Arbeiterverhält-nisse. Und eben sind die ersten Anzeichen einer solchen zu bemerken, da entschliesst man sich schon wieder den Posten aufzuheben. Im Interesse der zahlreichen europäischen Wirtschaftsbetriebe wäre es dringend zu wünschen, wenn hier irgend ein Ausweg gefunden wird, der das Weiterbestehen jenes Polizeiposten ermöglicht. Insbesondere sollte man dabei in Betracht ziehen, dass die Wiederaufhebung einer Regierungsstation, mag sie auch von noch so geringer Bedeutung sein, bei den Eingeborenen keinen günstigen Eindruck hinterlassen wird.

Bargeldmangel. In dem Bezirk Aruscha ist ein andau-ernder Bargeldmangel festzustellen. Banknoten in Bar-geld umzuwechseln, ist fast unmöglich, und dies, trotz-dem seitens der Bezirkskasse sehr grosse Summen Silbergeld in den Verkehr gebracht werden. Die Ursache in dem ständigen Mangel an Bargeld ist wohl darin zu suchen, dass die Eingeborenen ganz beträchtliche Men-gen Silbergeld in Händen haben, das sie zum Einkauf von Vieh verwenden wollen. Gerade dieser Umstand sollte der Anlass dazu sein, dass der Umlauf von Bargeld durch die Bezirkskasse um ein Bedeutendes vermehrt wird. Durch einen Bargeldmangel leidet immer nur der Geschäftsverkehr, und das muss vermieden werden.

Bezirksamtmann Dr. Kaempfe traf am 8. Oktober von seiner ca. achtwöchentlichen Reise mit der Eisenbahn-erkundungskommission zurückkehrend, in Aruscha wie-der ein.

8. November 1913

Wirtschaftlicher Verein von Meru

(Bericht über die Sitzung vom 21. Oktober ds. Js.)

Als dritter und wichtigster Punkt stand ein Antrag zur Beratung, der auf die kürzlich von Dr. Foerster in der Usambara-Post angeregten Frage des wirtschaftlichen Zusammenschlusses der deutschostafrikanischen Kaf-fee-Produzenten fusst: „Der Verein möge zu der von Dr. Foerster am Kilimanjaro angeregten Organisation einer Kaffeeverkaufsgenossenschaft Stellung nehmen und das Notwendige in die Wege leiten um in dieser Ange-legenheit mit dem Kilimanjaro-Verein Fühlung zu neh-men.“ Im Allgemeinen fand die Foerstersche Idee An-klang bei den Anwesenden, nachdem einer der Mitglie-der darüber Aufschluss gab, in welcher Weise die Idee zu verwirklichen sei. Auch erklärte sich dieses Mitglied bereit, auf eigene Kosten in Hamburg einen Kostenan-schlag anzufordern betr. die Anlage einer Aufberei-tungsanstalt mit den dazu gehörigen Baulichkeiten, Maschinen (Schäl-, Polier- und Sortiermaschinen) sowie einen Kaffee-Experten. Es wurde schliesslich eine Kom-mission gewählt, die sich in der Frage der Kaffeever-kaufsgenossenschaft mit dem Kilimanjaro-Verein in Verbindung setzen und das nötige Material und Unter-lagen bis zur nächsten Versammlung sammeln soll.

Da noch verschiedene Pflanzer am Meru unter Arbeiter-mangel zu leiden haben und sie danach streben, land-fremde Arbeiter zu erhalten, so hat das Bezirksamt in ihrem Interesse die Bezirksämter Tanga und Wilhelms-tal um Mitteilung darüber ersucht, ob dort arbeitsfreie Leute vorhanden sind und ob dieselben unter bekannt zu gebenden Bedingungen nach Aruscha abgegeben werden können. Es ist vielleicht möglich, dass infolge der Kautschukkrisis in Usambara frei werdende Leute hier im Aruschabezirk weiter beschäftigt werden kön-nen.

Vergebung von Arbeiten und Lieferungen

Zu dem in Nr. 20 [11. Oktober] veröffentlichten Artikel betr. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen geht uns noch eine Zuschrift zu, die sich mit der in den Bezirken Moschi und Aruscha üblichen Methode des Requirie-rens von Nahrungsmitteln beschäftigt. „Es ist“, so besagt die Zuschrift, „in den Bezirken Moschi und Aruscha zur Methode geworden, dass die für die Verpflegung von Kettengefangenen und auch sonst für den eisernen Bestand notwendigen Nahrungsmittel, in erster Linie Mais, in den Eingeborenenlandschaften requiriert wer-den. D. h. die Häuptlinge erhalten den Auftrag, täglich eine bestimmte Anzahl von Lasten beim Bezirksamt abzuliefern, und diese üben selbstverständlich durch ihre Akiden auf die Eingeborenen einen Druck aus, damit das nötige Quantum abgeliefert wird. An und für sich wäre ja nichts gegen diese Methode einzuwenden, wenn sie nicht einen Haken hätte. Während sich der Privatmann bemüht, beim Aufkauf der Nahrungsmittel den Verhältnissen entsprechend angemessene Preise den Eingeborenen zu bezahlen, wird von der Behörde für ihren Einkauf der Preis einfach festgesetzt, und die-ser Preis ist fast um die Hälfte niedriger als der von den Privatleuten gezahlte. Das sollte nicht sein. Vom Stand-punkte der „sparsamen“ Behörde aus muss man ihr Recht geben, wenn sie darnach strebt, die Naturalien so billig wie möglich einzukaufen. Könnte sie aber zu die-sem Ziele auf einem viel leichteren Weg nicht ebenso gut gelangen? Aus welchem Grunde werden die Natura-lienlieferungen für die Verpflegung von Kettengefange-nen und Arbeitern nicht vergeben? Die Bezirke Moschi und Aruscha benötigen für diese Zwecke insgesamt jährlich annähernd 4000 Zentner Mais. Wie wäre es nun damit, wenn diese Quanten Mais alljährlich einige Monate vor Beginn des Rechnungsjahres öffentlich ausgeschrieben werden, damit sich die Ansiedler darum bewerben können? Dies wird m. E. der einzig richtige Weg sein, um zu angemessenen billigen Preisen in den Besitz der notwendigen Naturalien zu gelangen. Nicht notwendig wäre es dann, ausser durch Häuptlinge und Akiden auch noch eine grössere Anzahl Askaris in die Landschaften zu senden, um die Naturalien zu requirie-ren. Alles in Allem würde der für die heutige Methode des Requirierens von Naturalien erhebliche Kräftever-brauch einfach wegfallen und einen Ausgleich schaffen, für die eventuell bei der öffentlichen Vergebung zu zah-lenden, um ein geringeres höheren Marktpreise.“

Noch mehr Wildreservate!

Wie man uns aus guter Quelle mitteilt, hat der Bezirk Aruscha die Aussicht, demnächst mit einem weiteren Wildreservat beglückt zu werden. Es handelt sich um einen Distrikt, der anlässlich der Eisenbahnerkundung als besonders wildreiche Gegend festgestellt wurde und am Grabenrande ca. vier Marschstunden von der Eisen-bahntrace gelegen ist.

(Auf diese Weise verekelt man Jagdreisenden den Nor-den. Andauernd Jagdreservate in den Bezirken Aruscha und Moschi. Der Kilimanjaro, der Meru, das grosse Re-servat am Natronsee, das Nashornreservat in Ngoron-goro, das Elefantenreservat in Umbulu. Wie viele denn noch? — Die Red.)

22. November 1913

Getreidebau und –Absatz

Wie wir bereits kürzlich melden konnten, findet der Getreideanbau bei den Ansiedlern zunehmende Beliebt-heit. In erster Linie ist es Roggen, der angebaut wird. Nach einer Schätzung wird die Roggenernte am west-lichen Kilimanjaro, hauptsächlich aber am Meru, in die-sem Jahre insgesamt 1500 Zentner erreichen. Ist dieses Quantum Roggen auch vorläufig nur als gering anzu-sehen, so machen sich doch schon Anzeichen bemerk-bar, aus denen zu schliessen ist, dass die Unterbringung der Ernte in den Bezirken Moschi und Aruscha auf Schwierigkeiten stösst. Dies ist in erster Linie von den Handelshäusern an der Küste zu beachten. Ueber den Stand, ein nur für den eigenen Bedarf naturalwirt-schaftlich arbeitender Kleinbetrieb zu sein, sind unsere Ansiedler bereits hinaus. Sie hatten zunächst begonnen, für den lokalen Markt zu produzieren und dabei für ihr Getreide ganz annehmbare Preise erzielt. Heuer wird in Aruscha für den Zentner Roggenmehl der Preis von zehn Rupie gezahlt. Dieser für die hiesigen Verhältnisse ganz annehmbare Preis wird sich auf die Dauer nicht aufrecht erhalten lassen, insbesondere dann nicht, wenn die Ansiedler sich anschicken, grössere Flächen mit Getreide anzubauen. Anstalten werden hierzu be-reits gemacht und man kann damit rechnen, dass im nächsten Jahre etwa die doppelte Roggenernte auf den Markt gebracht wird. Eine solche Ernte geht aber weit über den lokalen Bedarf der Bezirke Moschi und Aru-scha hinaus, mit ihr kann auch fast der gesamte übrige Markt des Schutzgebiets gedeckt werden.

Ueber die weitere Vergebung von Kulturland am Meru

… Es befinden sich am Meru seit Jahren grosse Farm-ländereien in den Händen von Pächtern, und trotzdem sucht man auf ihnen vergebens nach Anzeichen kultu-reller Betätigung. Es befinden sich weiterhin seit Jahren in Pächtershänden grosse Komplexe Kulturland, deren Umfang in keinem Verhältnis steht zu dem, was wirklich darauf geschaffen wurde. Auch diese brachliegenden Ländereien neuen Siedlern zugängig zu machen, dar-nach sollte seitens der Verpächterin — des Gouverne-ments — gestrebt werden.

Kaffee-Ernte im Merudistrikt. Soweit sich bis jetzt übersehen lässt, werden die im Merudistrikt liegenden Kaffeepflanzungen in dieser Ernteperiode ein Erträgnis 2500 bis 2800 Zentner Kaffee liefern. Die Zahl der im Ertragsalter stehenden Pflanzungen ist noch gering, doch ist im nächsten Jahre ein weiterer Fortschritt zu erwarten. Mit dem nächsten Jahre kann man auf eine Ernte von mindestens 5000 Zentner Kaffee rechnen. Die ersten Sendungen Merukaffee sind bereits zur Verschif-fung gelangt.

Ein Viehraub durch englische Masai hat neuerdings stattgefunden. Am 26. Oktober wurden dem Ansiedler Malan in Engare nanjuki 22 Ochsen durch Masai abge-trieben. Die sofort aufgenommene Verfolgung der Spu-ren bis zur englischen Grenze hatte keinen Erfolg, denn die Viehdiebe hatten bereits einen zu grossen Vor-sprung. (Wann werden endlich die zur Verhinderung der Viehräubereien notwendigen Grenzposten an der englischen Grenze etabliert? Die Red.)

Ein furchtbares Blutbad haben Löwen in der Nacht des 27. Oktober unter der Schafherde des Farmers Ebner in Donyo Sambu angerichtet. Wie gewöhnlich hatte der Farmer seine Schafe im Freien ohne die nötige Beauf-sichtigung lagern. In jener Nacht machten sich anschei-nend mehrere Löwen über die Schafherde her und lies-sen von 200 Schafen nur noch 80 Stück übrig. 45 Schafe liessen sie tot am Platze liegen. Die Löwenmahlzeit ging so ruhig vor sich, dass der Besitzer der Schafe erst am nächsten Morgen die Bescherung sah.

Um den Straussenfang einheitlich zu regeln, sind die Bezirksämter Moschi und Aruscha übereingekommen, dass die für einen Bezirk erteilte Fangerlaubnis für Strausse, soweit sich dieselbe auf Grenzgebiete bezieht, auch für den anderen Bezirk mitgelten soll. Anträge auf Straussenfangerlaubnis sind bis zum 1. Juni eines jeden Jahres bei den Bezirksämtern einzubringen. Später ein-treffende Anträge werden nicht berücksichtigt oder bleiben bis zum nächsten Jahre liegen. Die Fangerlaub-nis erstreckt sich meist bis zum 31. Dezember des in Betracht kommenden Jahres.

Umbulu

Ngorongoro. Die über den Ngorongorokrater verhängte Sperre ist wieder aufgehoben worden.

Englischen Masai, die mit ihrem Vieh auf deutschem Gebiet weideten, ist eine grössere Anzahl Vieh durch den Askariposten in Sonjo abgenommen worden.

6. Dezember 1913

Kreditnotwendigkeit. Um sich über die Notwendigkeit eines Kreditinstituts für Deutsch-Ostafrika analog dem der deutschsüdwestafrikanischen Kolonie schlüssig zu werden, werden zur Zeit auf Veranlassung des Gouver-nements von den Lokalbehörden die nötigen Unter-lagen verschafft. Zu diesem Zwecke fand am 22. Novem-ber im hiesigen Bezirksamtsgebäude [in Aruscha] eine Konferenz statt, zu der verschiedene Kaufleute und Farmer des Bezirks geladen waren. Als Ergebnis der Konferenz wurde festgestellt, dass die baldige Schaffung eines Kreditinstituts ein unaufschiebbares dringendes Erfordernis ist.

Wilderer bei der Arbeit. Am 21. November wurde bei Engare nanjuki ein Bur auf frischer Tat ertappt, als er eben einen Wagen voll Wild, dass er in der Steppe ge-schossen, nach Hause transportieren wollte. Da dersel-be einen Jagdschein nicht besass, so wird die Angelegen-heit noch ihr gerichtliches Nachspiel haben.

Immer langsam voran! Bereits seit einem Jahre, so schreibt man uns, wird den Viehhändlern der Mund wässerig gemacht, dass in den Bezirken Moschi und Aruscha an der Masaireservatsgrenze Viehmärkte ein-gerichtet werden, damit die Masai in die Lage kommen unter der Aufsicht der Behörde ihr überschüssiges Vieh zu veräussern, sowie den Viehhändlern Gelegenheit gegeben ist, Vieh zu angenehmen Preisen zu erstehen. Leider hat man bis heute noch nicht die geringsten An-stalten dazu gemacht. Und doch wäre gerade jetzt die gegebene Zeit zur Einrichtung solcher Viehmärkte, wo allenthalben durch Sperren [wegen Viehseuchen] dem Viehhandel die grössten Schwierigkeiten entstehen. Darf man überhaupt noch auf die Einrichtung solcher Viehmärkte rechnen? — Weiter sind bereits seit Jahres-frist für die Einrichtung der neuen Quarantäneweide bei Aruscha 3000 Rupie bereit gestellt, ein Bruchteil nur, der für diesen Zweck notwendigen Kosten. Aber weder mit der Einfenzung jener Weide, noch mit der Anlegung von Wassergräben und dem Bau des Dipptanks dort-selbst ist bisher begonnen. Geht es mit der Anlegung der Quarantäneweide bezw. – Station in dem bisherigen Tempo weiter, so können wir vielleicht in drei Jahren am Ziele angelangt sein. Nur immer langsam voran. — — — !

20. Dezember 1913

Landvergebung am Meru

… Ist das Spekulation im Sinne der Regierung, wenn ein Mann, der vor 4 oder 6 Jahren unter den schwierigsten Verhältnissen hier anfing, als die Bahn noch 14 — 18 Tagereisen von hier entfernt war, als es weder Apotheke, noch Schuster, noch Schneider, noch Schmied gab, als von den paar Europäern, die hier sassen, keiner wusste, was gedeiht, und was sich lohnt, wenn ein solcher Mann nach Jahren voll von Arbeit, Entbehrungen und Enttäu-schungen, nachdem er sein geringes Kapital mit Ver-suchen aufgebraucht hat, die Gelegenheit wahrnimmt, sein Land oder das Anrecht darauf zu einem Preis zu verkaufen, der heute hoch erscheint, den man aber in einigen Jahren, als spottbillig bezeichnen wird. Wo-durch ist denn das Land so im Wert gestiegen? Etwa durch die Unterstützung und Hilfe, die die Regierung den Pflanzern hat angedeihen lassen? Durch die wun-derbaren Strassen und Brücken, die sie geschaffen hat? Durch die energische Heranziehung der Schwarzen zur Arbeit? Nein, von all dem hat die Regierung nichts ge-tan! Wenn trotzdem das Merugebiet so aufgeblüht ist, so ist dies neben seiner landschaftlichen Schönheit und seinem gesunden Klima in erster Linie dem Unterneh-mungsgeist und der Ausdauer seiner ersten Pioniere zu verdanken.

Schutz dem Masaivieh

Rings um das Masaireservat entdeckt man Seuchenherd auf Seuchenherd und eine Sperre nach der anderen wird über diese verseuchten Gebiete verhängt.

Das dringendste Erfordernis für das Masaireservat ist heute die Stationierung mindestens eines Tierarztes mit einem Assistenten.

Deutsch-Südwest hatte im letzten Jahre rund 175.000 Haupt Rindvieh und 1 Million Haupt Kleinvieh (Ziegen und Schafe). Zum Schutze dieses Viehbestandes stehen der Kolonie sage und schreibe 22 Tierärzte zur Verfü-gung. Nach allgemeiner Schätzung (die nach anderssei-tig gemachten Erfahrungen durch eine Zählung weit übertroffen werden kann) ist der Viehbesitz der Masai rund 200.000 Haupt Rindvieh und annähernd 1 Million Schafe und Ziegen. Der Viehbestand im Masaireservat ist also dem der Kolonie Deutsch-Südwestafrikas gleich. Und trotzdem ist zu seinem Schutze kein einziger Tier-arzt vorhanden!

Besteuert die Opferrinder!

Man schreibt uns: Zur Zeit, wo allenthalben den Einge-borenen reichlich Pombe zur Verfügung steht, haben diese auch mit ihren Opferfesten wieder eingesetzt. Die grausame Sitte der Eingeborenen am Meruberge, all-jährlich bei ihren Opferfesten eine grössere Anzahl Rin-der durch Aufhängen an Bäumen zu töten, hat schon oft die Entrüstung und den Abscheu nicht nur der Euro-päer, sondern auch der Farbigen herausgefordert. Die Prozedur des Aufhängens der Rinder ist eine dermas-sen gemeine Tierquälerei, dass man sich wundern muss, warum hiergegen überhaupt noch nicht einge-schritten worden ist.

Die Zahl der Rinder, die bei solchen Festen geopfert wer-den, geht meist nach Dutzenden. Ja, es werden oft 50 und mehr Rinder an einem Tage aufgehängt.

Glaubt sich die Regierung nicht in der Lage, diese Opfer-feste ganz zu unterbinden (zu den Opferfesten, also zum Hängen der Rinder, wird stets die Erlaubnis des Bezirks-amts eingeholt, d. Red.), so soll zum Mindesten eine ganz erhebliche Besteuerung jener zum Aufhängen bestimm-ten Rinder vorgenommen werden, eine Besteuerung, die geeignet ist, mit der Zeit die grausame Sitte der Eingeborenengänzlich zu unterbinden und damit dem Volksvermögen Werte zu erhalten. —

Bezirksratswahl. Wie man uns mitteilt, sind auf Grund der kürzlich stattgefundenen Bezirksratswahl zu ordent-lichen Mitgliedern des Bezirksrats ernannt worden die Herren: Pastor Schachschneider, Bauunternehmer Thiele und Farmer Reumuth. Zu stellvertretenden Mitgliedern wurden ernannt die Herren: Pflanzer Ufert, Hauptmann a. D. Leue und Farmer Siedentopf.

Vermessen von Grundstücken. Wie uns mitgeteilt wird, nimmt die Erledigung von Land- und Grund-stücksanträgen, insbesondere was die Vermessung der beantragten Grundstücke und Ländereien betrifft, sehr geraume Zeit in Anspruch. Die in unregelmässigen Zeit-abständen von Moschi nach dem Aruschabezirk kom-menden Vermessungsbeamten halten sich in der Regel nur kurze Zeit im Bezirk auf, meistens kehren sie nach Vermessung nur einiger Landflächen in wenigen Tagen wieder nach Moschi zurück, um die übrig gebliebenen Vermessungsarbeiten einem nächsten Wiederkommen vorzubehalten. So vergehen oft viele Monate, bis Land-anträge erledigt sind. Ist es nicht möglich, dass von Moschi ein Vermessungsbeamter abkommandiert und ständig in Aruscha stationiert wird? Es wird dauernd für ihn genügend Arbeit dort vorhanden sein.

Eine neue Fahrstrasse. Wie verlautet, beabsichtigt das Bezirksamt [Aruscha] eine neue Fahrstrasse anzulegen, die Engare nanjuki mit der Moschistrasse verbinden soll. Hoffentlich wird diese Absicht baldigst in die Wirk-lichkeit umgesetzt, denn eine solche Fahrstrasse ist von dringender Notwendigkeit.