Die Hafenstadt Bagamojo ist eine alte arabische Han-delsstadt mit Karawanserei. Die Stadt ist die erste Haupt-stadt von Deutsch Ostafrika bevor 1890 Daressalam diese Rolle übernimmt. Der im Jahr 1894 begonnene Neubau des deutschen Kaiserlichen Bezirksamts wird am 1. Dezember 1897 bezogen. Der Bau hat eine geräu-mige Eingangs- und Vorhalle, welche als Schaurihalle der Eingeborenen-Gerichtsbarkeit genutzt wird. Im Erdgeschoß rechts liegen die Geschäftsräume des Bezirks-amts, links Kassenraum, Apotheke und Maga-zine für das Medizinalwesen. Beide Flügel werden durch Küchenräume abgeschlossen. Im Obergeschoß gibt es die beiden Messeräume für Beamte und Unterbeamte, eine Wohnung für Verheiratete sowie mehrere Jung-gesellenzimmer. Die beiden Flankierungstürme dienen der Aufnahme von Wasserbehältern.
1895 wird aus Mitteln des indischen Großkaufmanns Sewa Hadji eine von einem deutschen Lehrer geleitete Schule mit Waisenhaus errichtet. Im Oktober 1895 er-öffnet auch die deutsche Regierungsschule für Farbige.
Bagamojo ist mit seinem flachen Sandstrand bestens geeignet für den Verkehr mit Dhaus, für die modernen Schiffe sind solche Verhältnisse allerdings ungeeignet. Tiefergehende Fahrzeuge müssen kilometerweit vom Ufer entfernt auf der offenen Reede ankern, was natür-lich das Laden und das Löschen aufs äußerste erschwert. Mit der Fertigstellung der Ugandabahn in Britisch Ost-afrika 1904 verliert Bagamojo einen großen Teil seiner Ausfuhr und Teile seiner Einfuhr an die am deutschen Teil des Viktoriasees gelegenen Städte Bukoba und Muansa, über die nun viel schneller und billiger als über den Karawanenweg der Verkehr in den Nordosten von Deutsch Ostafrika abgewickelt wird. Mit dem Bau der Mittellandbahn seit 1905 vom südlich von Bagamojo gelegenen Daressalam verliert Bagamojo auch noch den Rest seines Handels in das ferne Innere.
Richard Kaundinya ist Mitte 1907 in Bagamojo. Er schreibt:
»In der Umgegend von Bagamoyo wurde unter Anlei-tung des Bezirksamtes von den Negern ziemlich viel Baumwolle gepflanzt. Die Deutsch-Ost-Afrikanische Gesellschaft hatte eine Baumwollentkernungsanlage errichtet, in welcher die aufgekaufte Baumwolle ent-kernt und in Ballen gepreßt wurde. Gerne nahm ich die Gelegenheit wahr, mich dort umzusehen. Es waren schon recht schöne Anfänge gemacht.«
Das Deutsche Kolonial-Lexikon: Bagamojo. Die Stadt Bagamojo verdankt der Lage gegenüber Sansibar, des-sen Westküste knapp 40 km entfernt liegt, ihre wäh-rend der Araberherrschaft recht erhebliche Bedeutung. Die offene Reede, der sehr breite, flache Sandstrand waren dem Verkehr durch die Dhaus eher förderlich. Bagamojo war der Ausgangspunkt nach Tabora für die großen Trägerkarawanen, der Sitz bedeutender Inder-firmen. Nachdem 1889 Wissmanntruppe und Marine gemeinsam das bei Bagamojo angelegte befestigte Lager des Halbarabers Buschiri gestürmt hatten, begann auch intensive Tätigkeit seitens des europäischen Kauf-manns. Bagamojo wurde Sitz eines Bezirksamtes. Mit dem Beginn des Baues der von Daressalam ausgehenden Mittellandbahn begann Bagamojos Bedeutung endgültig zu sinken, zugleich die Zahl seiner Bevölkerung, die jetzt noch gegen 6000 beträgt. Immerhin ist Bagamojo auch heute noch eine wichtige Handelsstadt; 25 Firmen, darunter zwei große europäische, sind vertreten; 1912 betrugen die Werte der Einfuhr 0,806 Millionen Mark, die der Ausfuhr 0,315, Summa 1,171 Mill. M (gegen 3,086 im Jahre 1908); die Einfuhr von Textilwaren usw. ergab 0,508, die Ausfuhr von Ölfrüchten 0,192. Der Schiffsver-kehr von Bagamojo war 1908: 149 einlaufende Dampfer mit 198.305 Registertonnen (später nicht mehr geson-dert veröffentlicht); dazu kamen 689 einlaufende Dhaus mit 15.369 t Rauminhalt, 1912: 402 mit 8465 t. Bagamojo ist Landungsstelle des von Daressalam kommenden Küstenkabels und hat Überlandtelegraph nach Norden und Post. Die Regenmenge beträgt 1074 mm (15jähr-liches Mittel). Die älteste Europäerniederlassung in Bagamojo ist die 1869 begründete Station der Väter vom Heiligen Geist.