Im Jahre 1900 wird zur Sicherung des Landfriedens in der Gegend westlich des Kilimandjaro der Militärposten und Ort Aruscha gegründet. 1904 erfolgt eine bedeuten-de Erweiterung der Militäranlage durch den Bau eines Forts, in das eine der zwölf Kompanien des Schutztruppe von Deutsch Ostafrika gelegt wird, die 1. Kompanie. Die Versorgung von mehreren hundert Soldaten und Trä-gern der Kompanie läßt auch die Bevölkerung des Ortes und natürlich den Ort selbst anwachsen. 1910 beginnt dann der Ausbau von Aruscha zur Stadt mit der Fest-legung eines Bebauungsplanes für Aruscha.
In der Kilimandjaro- und Meru-Zeitung erscheint in ihrer allerersten Ausgabe vom 11. Januar 1913 der Artikel »Die „Stadt“ Aruscha«, der anschaulich die entstehende Stadt zum Jahreswechsel 1912/13 beschreibt:
»Eine günstige Lage als zukünftiger Endpunkt der Nord-bahn, ein gesundes europäisches Klima, vorzügliche Trink- und andere Wasserverhältnisse, Mittelpunkt des grössten Ansiedlerbezirks, das sind Hauptpunkte, die Aruscha vor anderen Orten der Kolonie voraus hat und auf Grund deren es einer grossen Zukunft entgegen-geht.
Den auf ca. 1400 Meter Meereshöhe gelegenen Ort Aru-scha können wir heute als den gesündesten Ort des Schutzgebiets bezeichnen, das Klima ist dort für Euro-päer wie geschaffen und nur in den heissesten Monaten kann in den heissesten Tagesstunden die Sonnenwärme hie und da unangenehm empfunden werden. Selten nur sieht man einen Europäer im Tropenhut, gewiss ein Zeichen, dass die Hitze nicht allzu empfindlich wird. Diesen besonders günstigen klimatischen Verhältnissen scheint man auch seitens des Gouvernements beson-dere Beachtung zu widmen.
Wie bekannt, soll demnächst die Nordbahn von Neu-Moschi bis nach Aruscha weitergebaut werden. Bis Os-tern wird wohl der Reichstag über die für den hiesigen Bezirk wichtige Frage entschieden haben. Wie jeder-mann in den Nordbezirken von der Notwendigkeit die-ses Bahnbaus überzeugt ist, so scheint auch das Gou-vernement bestimmt mit der Bewilligung der Mittel für denselben zu rechnen. Denn beizeiten macht es bereits Vorbereitungen, um der durch Erscheinen der Bahn entstehenden Verkehrshebung und Entwickelungsperi-ode Aruschas Rechnung zutragen. Bereits vor 2½ Jahren wurde für Aruscha ein Bebauungsplan ausgearbeitet, der die hauptsächlichsten Strassenzüge für die zukünf-tige Stadt festlegte. Vor wenigen Monaten wurden wei-tere Strassen festgelegt und dem Strassennetz eingefügt. So weit bis jetzt ersichtlich, scheint der Bebauungsplan die Ausdehnung des Ortes in der dem Meruberg entge-gengesetzten Richtung nach der Steppe zu anzustreben. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, dass die zur Fest-legung der Bahntrace von Ingenieuren der Bahnbau-firma unternommenen Expeditionen in jener Gegend den Bahnhof projektierten. Jenes von den Ingenieuren für die Bahnhofsanlagen bestimmte Terrain darf man vorläufig nicht als endgültige Entscheidung ansehen. Hat sich schon der Gouverneur bei seiner letzten Anwesenheit im hiesigen Bezirk in sehr vernünftiger Weise dahin ausgesprochen, dass die Bahntrace aus der Steppe heraus näher an die Berglandschaften verlegt werden soll, so ist auch zu erwarten, dass der zukünftige Bahnhof Aruscha mehr an den Berg heran zu liegen kommt. Insbesondere ist dies auch deshalb notwendig, damit die Bahnanlagen in den Schutzkreis des Forts zu liegen kommen. Platz für ausgedehnte Anlagen ist dies-seits des Temibaches genügend vorhanden.
Welches Interesse in den letzten Jahren der zukünftigen Bahn-Endstation Aruscha allseits entgegen gebracht wird, geht daraus hervor, dass bereits wenige Monate nach Bekanntgabe des seinerzeit auf Veranlassung des Gouvernements festgelegten Bebauungsplans ziemlich alle darin vorgesehenen Baugrundstücke belegt wur-den, woran sich zu gleichen Teilen Firmen und Privat-leute beteiligten. Heute ist kaum mehr ein Baugrund-stück zu haben. Da der weitaus grösste Teil jener Bau-grundstücke bereits seit einem Jahr und darüber „be-legt“ ist, ohne dass von den Interessenten irgendwie Anstalten getroffen wurden, die auf eine beginnende Bebauung der Grundstücke schliessen lassen, so kann man diese Art der „Grundstückbelegung“ nicht recht verstehen. Ein Vorteil wird für den Ort dadurch nicht geschaffen und später erscheinende Baulustige eventu-ell an ihrem Vorhaben gehindert. Meistens ist das soge-nannte „Belegen“ von einem oder mehreren Grund-stücken nur ein Deckmantel für spätere Spekulation. —
Das Gouvernement beabsichtigt in der Folgezeit hier in Aruscha verschiedene Bauten. Unter anderem ist der Bau eines grossen Hospitals für Europäer vorgesehen, wozu Aruscha infolge seines vorzüglichen gesunden Klimas ganz besonders geeignet ist. Da Aruscha nach Herstellung der Bahnverbindung von der Küste aus innerhalb achtzehn Stunden zu erreichen ist, so wird das zu errichtende Hospital in Zukunft für Kranke und Rekonvaleszenten von der Küste und den an der Nord-bahn gelegenen Bezirken in erster Linie in Betracht kommen, besonders dann, wenn die Bahndirektion sol-chen Personen nach dem Muster der Ugandabahn nur halbe Preise zahlen lässt. Moskitos gibt es in Aruscha noch nicht, da sie hier nicht dieselben Lebensbedin-gungen finden wie in tiefer gelegenen Landstrichen. Aus diesem Grunde kann der Europäer ohne Moskito-netz die Nachtruhe pflegen. Mit dem Erscheinen der Eisenbahn werden sich zwar auch diese schlimmen Feinde des Tropenmenschen einstellen, aber dort kei-nen Lebensboden finden.
Die Wasserverhältnisse in Aruscha sind besonders gün-stige. Der Ort wird von zwei Bergflüsschen durchzogen, die das ganze Jahr hindurch in ausreichender Menge Wasser führen. Wasser ist in so reichlichen Mengen vorhanden, das die zu beiden Seiten der Strassen aus-gemauerten Wasserrinnen ununterbrochen von dem aus jenen Flüsschen hergeleiteten Wasser durchgespült werden. Auf die Reinerhaltung des in jenen Flüsschen mitgeführten Wassers scheint man leider sowohl in den oberhalb Aruscha gelegenen Ortschaften der Eingebo-renen als auch in Aruscha selbst nicht immer die nötige Sorgfalt walten zu lassen. Es ist doch selbstverständlich, dass weder Abwässer noch Kloakenspülungen mittels Gräben in die Flussbette geleitet werden dürfen (wie in der Boma) und dort das Wasser aufs Gröbste verun-reinigen. Denn es muss in Berücksichtigung gezogen werden, dass von weiter unterhalb wohnenden Eingebo-renen dieses Wasser zum Kochen und Trinken benutzt wird. In dieser Hinsicht eine ständige Kontrolle auszu-üben, wäre für Aruscha sehr am Platze.
Mit Trinkwasser ist Aruscha jetzt und auch für spätere Zeiten versorgt. Verschiedene sehr ergiebige Quellen liefern ein ärztlich begutachtet einwandfreies Trinkwas-ser. Man scheint sich regierungsseits mit dem Gedan-ken zu tragen, die ergiebigsten Quellen zu fassen und zu einer Wasserleitung auszubauen, die durch sämtliche Strassen geführt werden soll. Um diese Angelegenheit genauer zu prüfen und auf Grund genauer Inaugen-scheinnahme der örtlichen Verhältnisse einen Plan aus-zuarbeiten, hielt sich Regierungsbaumeister König in den letzten Tagen des Dezember kurze Zeit hier auf. Da für die Schaffung einer Wasserleitung das günstige Gefälle innerhalb des Ortes Aruscha sehr zustatten kommt, so liessen sich diese Arbeiten sowie die Anle-gung öffentlicher Brunnen ohne grosse Schwierigkeiten und Unkosten vornehmen. —
Als Nebenstelle des Bezirksamts Moschi war Bezirk und Ort Aruscha, was die etatsmässigen Aufwendungen betrifft, stets das fünfte Rad am Wagen. Dieser Zustand scheint jetzt vorüber zu sein und andere Zeiten werden für Aruscha kommen. Wenn auf die Dauer in kleinerem Masse alle jenen Aufwendungen für Aruscha gemacht werden, die man alljährlich für andere Bezirke bereit hat, so wird im Laufe der nächsten fünf Jahre am Fusse des Meruberges eine Stadt erstehen, die sich dem eng-lischen Nairobi in unserer Nachbarkolonie würdig an die Seite stellen kann. Sache unserer Regierung ist es selbstverständlich auch, dafür Sorge zu tragen, dass sich die Niederlassung europäischer Ansiedler im Bezirk ständig weiter ausdehnt und nicht ins Stocken gerät.«
Über das Leben in Aruscha und das Wachsen der Stadt gibt die Kilimandjaro- und Meru-Zeitung ein lebhaftes Bild. Die Kilimandjaro- und Meru-Zeitung erscheint seit Januar 1913 alle vierzehn Tage als Beilage der Usam-bara-Post. Im Folgenden finden sich Artikel aus der Kilimandjaro- und Meru-Zeitung.
11. Januar 1913
Einholen des neuen Kompagniechefs. In der Frühe des 29. Dezember rückte die erste Kompagnie unter klingendem Spiel aus, um ihren neuen Kompagniechef, Hauptmann Willmann, einzuholen. Nach zwei Stunden rückte sie mit dem neuen Kompagniechef an der Spitze wieder in die Garnison ein.
Major Charisius, der am 14. Januar die Heimreise nach Europa antritt, wird nicht wieder in das Schutzgebiet zurückkehren. Nach sechszehnjähriger Afrika-Dienst-zeit beabsichtigt er, aus der Schutztruppe für Ostafrika auszuscheiden.
„Meruschützen“. Am 15. Dezember [1912] fand hier eine Versammlung der Abteilung Aruscha der „Meruschüt-zen“ statt in der die Statuten festgelegt und der Vorstand gewählt wurde. Bei der Festlegung der Statuten wurde denselben eine solche Fassung gegeben, dass auch nichtdeutschen Kolonisten der Beitritt zu den „Meru-schützen“ möglich ist. Nach den Bestimmungen soll vorläufig monatlich eine Schiessübung abgehalten wer-den.
Zur Arztfrage in Aruscha. Vor kurzem ist seitens des Gouvernements eine Antwort an den Vorstand des Wirtschaftlichen Vereins vom Meru erfolgt auf die seinerzeit von diesem im Auftrage der Ansiedler des Bezirks im Gouvernementsrat vorgebrachten Beschwer-den. Das Schreiben des Gouverneurs äussert sich dahin, dass, sobald das eben in Bau befindliche Arztwohnhaus fertig gestellt ist die Stationierung eines verheirateten Arztes nach Aruscha erfolgt. Wenn auch noch einige Monate darüber ins Land gehen, so ist immerhin mit Bestimmtheit darauf zu rechnen, dass der Wunsch der hiesigen Europäer in Erfüllung geht.
25. Januar 1913
Am gegenüberliegenden Eingang der Boma von Aru-scha liegt ein zweistöckiger Gebäudekomplex mit Maga-zinen, Postagentur, Schauri-Raum, Kanzlei, Kassen-raum, Messe, Schreiner-Werkstatt, Polizei-Büro und Europäergefängnis. Die Kilimandjaro- und Meru-Zeitung schreibt:
Postverlegung. Am 1. Februar wird die Postagentur Aruscha aus dem Bomagebäude nach dem Thieleschen Hause im Zentrum des Ortes verlegt werden, wo seitens der Post entsprechende Räumlichkeiten gemietet wur-den.
Obergericht. Am 23. Januar wird in der Berufungsin-stanz in zwei Fällen vor dem Kaiserlichen Oberrichter in Aruscha verhandelt werden. Dies ist der erste Fall, dass der Kaiserliche Oberrichter in Aruscha Gerichtstage abhält.
Arztwechsel. Um den Wünschen der Ansiedler des Bezirks Aruscha entgegen zu kommen, hat das Gouver-nement den bisher in Daressalam tätig gewesenen ver-heirateten Stabsarzt Dr. Seiffert als Regierungsarzt für Aruscha bestimmt, während der bisherige Arzt Dr. Schrecker nach Mahenge versetzt wurde.
Eheschliessungen können von jetzt ab auch in Aruscha vorgenommen werden. Da die Nebenstelle seit wenigen Wochen eine selbständige Behörde geworden ist, so wurde dem Vorsteher derselben auch die Ermächti-gung zu Eheschliessungen erteilt. Für die Ansiedler des Bezirks ist diese Neueinrichtung von besonderem Vor-teil, da sie zur Vornahme von Eheschliessungen nicht mehr die mit allerhand Umständlichkeiten verbundene Reise nach Moschi zu unternehmen brauchen.
Die Löwenplage macht sich auf der Strasse Aruscha-Umbugwe sehr unangenehm bemerkbar. Besonders der halbwegs auf dieser Strasse gelegene Rastort Bujuni ist als Löwensammelplatz verschrieen und wird von allen durchziehenden Karawanen gemieden. Ende Dezember wurden dort zwei Eingeborene und ein Somali von Lö-wen getötet.
8. Februar 1913
Kaisers Geburtstagsfeier. Der Geburtstag Seiner Ma-jestät des Kaisers wurde in Aruscha in der herkömm-lichen Weise gefeiert. Am Vorabend dieses Tages ver-anstaltete die hier garnisonierende 1. Kompagnie einen Zapfenstreich, der die rege Anteilnahme der Bevölke-rung fand. In aller Frühe des 27. Januar wurden die Bewohner des Ortes durch das Wecken der Spielleute der Kompagnie aus dem Schlafe gerüttelt. Für die far-bige Bevölkerung war um 9½ Uhr vormittags im Gebäu-de des Bezirksamts Festbarasa, wobei der Bezirksamt-mann an die Versammelten eine Ansprache hielt. Um 10 Uhr fand auf dem Exerzierplatze Parade über die erste Kompagnie und die Polizei statt, die einen exakten Ver-lauf nahm. Während nachmittags für die farbige Bevöl-kerung die sogenannten Volksbelustigungen veranstal-tet wurden, versammelten sich abends 8 Uhr die Euro-päer von Aruscha und nächster Umgebung im Meru-hotel zu einem gemeinsamen Bierabend, um den Ge-burtstag Sr. Majestät zu feiern. Im Laufe des Abends hielt Bezirksamtmann Dr. Kaempfe die Festrede, die allgemeinen Beifall fand und in ein Hoch auf unseren Kaiser ausklang. —
Gerichtstage. Bezirksrichter Dr. Poeschel wird Mitte Februar wieder in Aruscha Gerichtstage abhalten.
Dem Freiwilligenkorps „Meruschützen“ ist vom Gouverneur auf die ihm zugegangene Nachricht von der Gründung desselben ein Schreiben zugegangen, worin Se. Exzellenz sich bereit erklärt, das Korps nach Mög-lichkeit zu unterstützen. Der Gouverneur hält die He-ranziehung der im Schutzgebiet wirtschaftlich tätigen Europäer zur Verstärkung der Wehrkraft für ausser-ordentlich wichtig. Da in den Etats von 1912 u. 1913 noch keine Mittel vorhanden sind, so können vorläufig nur durch Abgabe von Waffen und Munition, Ueberlassung des Schiesstandes in Aruscha sowie Gestellung von Anzeigerpersonal die Bestrebungen des Freiwilligen-korps gefördert werden. Für die Mitglieder können Ka-rabiner 08 zum Preise von 51.69 Rupie und S-Patronen zu 10 Rupie für 100 Stück loko Daressalam vom Kom-mando der Schutztruppe bezogen werden. Im Etat 1914 will der Gouverneur Mittel beantragen, um den Mit-gliedern von Freiwilligenkorps Waffen und Munition kostenlos liefern zu können. Ebenso will er schon jetzt ein Muster für die Satzungen sowie Vorschläge für die Mobilmachungsvorarbeiten ausarbeiten lassen. Aufga-be der Freiwilligenkorps wird es nach Ansicht des Gou-verneurs zur Zeit nur sein können, im Falle von Unru-hen der Eingeborenen die europäischen Ansiedlungen zu schützen und zu verteidigen. Sobald das gegenwärtig dem Reichstage zur Beschlussfassung vorliegende neue Schutztruppengesetz in Kraft tritt, wird eine weitere Ausgestaltung der Freiwilligenkorps voraussichtlich möglich sein. —
Personalien. Stabsarzt Dr. Seiffert traf am 17. Januar in Aruscha ein, um das Amt als Regierungsarzt zu über-nehmen, Oberarzt Dr. Schrecker reiste am 22. Januar zur Küste. Regierungsbaumeister König traf am 20. Januar von Umbulu kommend hier ein und setzte zwei Tage später die Reise zur Küste fort. Oberrichter Graf Bethusy-Huc kam am 21. Januar hier an und reiste am nächsten Tage wieder nach Moschi ab.
22. Februar 1913
Die erste Kompagnie hat am 3. Februar einen auf meh-rere Wochen berechneten Uebungsmarsch angetreten, bei welcher Gelegenheit auch gefechtsmässiges Schie-ssen abgehalten wird. Wie verlautet, soll der Marsch bis Umbugwe führen, von dort zur englischen Grenze, dann zum Kilimanjaro und zurück durch das Masaireservat nach Aruscha.
Bahnhof Aruscha. Um den Platz genau festzulegen, auf dem der zukünftige Bahnhof Aruscha zu liegen kommt, war letzte Woche ein Ingenieur der Bahnbaufirma hier anwesend. Der Bahnhof wird demnach doch unterhalb Aruscha zu liegen kommen, wodurch die eventuell spä-ter vorzunehmende Verlängerung der Bahn nach Wes-ten keine technischen Schwierigkeiten erleidet.
22. März 1913
Die Bautätigkeit in Aruscha scheint infolge der kom-menden Bahn jetzt auch etwas mehr in Fluss zu kom-men. Das neue Arzthaus geht in wenigen Tagen seiner Vollendung entgegen. Ebenso wird das neue Schlacht-haus in wenigen Tagen fertiggestellt und wahrschein-lich schon am 1. April in Benutzung genommen zu werden. Weiterhin soll demnächst mit dem Bau eines weiteren Beamtenwohnhauses begonnen werden. Auch die private Bautätigkeit beginnt sich zu rühren. Die Fir-ma Bloom wird in wenigen Wochen mit dem Bau eines neuen modernen Hotelgebäudes beginnen.
26. April 1913
Ueber die Marktverhältnisse in Aruscha schreibt man uns: Während man an allen den Orten, wo öffentliche Märkte eingerichtet sind, die Beobachtung machen kann, dass die Eingeborenen mit ihren Produkten zum Markt kommen und diese dort feil halten, hält man in Aruscha vergebens nach diesen Eingeborenenhökern Umschau. Nur Händler (Küstenleute) beleben dort den Markt, kaufen für ein Geringes die Produkte von den Eingeborenen und nehmen dann ganz beträchtliche Preissteigerungen vor, so unnötig die Lebensmittel ver-teuernd. Sollte es nicht möglich sein, durch stetes Ein-wirken auf die Eingeborenen durch die Mangis [Häupt-linge] und beim Schauri sie allmählich so weit zu brin-gen, dass sie ihre Produkte auf dem Markte selbst ver-kaufen?
10. Mai 1913
Strassenbeleuchtung. Demnächst wird der Ort Aru-scha eine Strassenbeleuchtung erhalten. Es ist beabsich-tigt, für diesen Zweck Spiritusglühlichtlampen zu ver-wenden. Vorerst sollen vier solcher Lampen an den Hauptstrassenkreuzungen Aufstellung finden.
Ungleiches Mass. Als vor zwei Jahren in Neu-Moschi die Bauplätze vergeben wurden, hatte man bekanntlich an die Abgabe der Bauplätze auch Bedingungen ge-knüpft. … Das Beispiel Aruschas zeigt doch, dass sich auch die Herren Inder den Anordnungen der Behörde anbequemen und Steinhäuser bauen, wenn es verlangt wird.
7. Juni 1913
Die Vermessungsarbeiten innerhalb des Stadtbezirks Aruscha werden in diesen Tagen wieder aufgenommen. Insbesondere soll die genaue Festlegung und Vermes-sung der Eingeborenenstadt vorgenommen werden, da-mit mit deren regelrechten Bebauung begonnen werden kann.
Eingeborenenhospital. Nachdem im vorigen Jahre ein kleines Hospital für Europäer errichtet wurde, wird jetzt auch mit dem Bau eines Eingeborenenhospitals begon-nen werden. Das bisherige aus Lehmhütten bestehende Eingeborenenhospital entspricht nicht mehr den jetzi-gen Auforderungen, infolgedessen wird das neue Ge-bäude räumlicher und aus Steinen gebaut werden.
Schiessverbot. Da das Schiessen innerhalb des Ortes Aruscha in letzter Zeit so überhand nahm, dass man allenthalben der Gefahr ausgesetzt war, angeschossen zu werden, hat das Bezirksamt eine Verfügung erlassen, die das Schiessen innerhalb des Ortskreises Aruscha verbietet und Zuwiderhandlungen mit Strafe bedroht.
Zur Besichtigung der 1. Kompagnie traf am 19. Mai der stellvertretende Kommandeur der Schutztruppe, Major Kepler, in Aruscha ein. In seiner Begleitung befand sich Leutnant Müller. Die Kompagnie holte den Komman-deur mit klingendem Spiel ein. Der Major liess sich innerhalb zwei Tagen verschiedene Felddienst- und Schiessübungen der Kompagnie vorführen und mar-schierte am 21. Mai nach Kondoa-Irangi ab, um auch die dortige Kompagnie zu besichtigen.
21. Juni 1913
Ein Löwe machte in den ersten Tagen des Juni Aruscha unsicher, er dehnte seine Streifzüge bis in den Ort hi-nein aus. Einmal in eine ihn gestellte Falle geraten, ent-kam er wieder unter Zurücklassung einiger Hautfetzen. In der Nacht vom 6. zum 7. Juni setzte sich eine starke Löwin in der Falle fest, wo ihr in der Frühe durch einen Fangschuss ein Ende gemacht wurde.
Zwei geriebene Gauner hatten sich am 9. Juni vor dem Strafrichter in Aruscha zu verantworten. Angeklagt wa-ren, die Buren H. A. Roetz und J. J. Pinaar wegen ver-schiedener Betrügereien etc., die sie im Laufe des letz-ten Jahres ausgeübt hatten. Roetz hatte es verstanden, durch allerhand falsche Aussagen die Behörden irre zu führen und die Anklagen, die gegen ihn erhoben wur-den, seinem Vetter in die Schuhe zu schieben, der ins Englische gewandert sei, in Wirklichkeit jedoch gar nicht existierte. Nachdem man endlich hinter seine Schliche gekommen, wurde R. vor fünf Wochen wegen Fluchtverdacht in Untersuchungshaft gesetzt. Pinaar, der erst vor sechs Wochen wegen Betrugs verurteilt wurde, musste auch dieses Mal wieder polizeilich vorge-führt werden. Roetz hatte im September 1912 dem Wali von Muansa, der mit einer grösseren Viehherde nach Aruscha kam, 35 Rinder im Werte von 1100 Rupie in betrügerischer Weise abgeschwindelt, verkaufte diese Rinder dann für ein billiges Geld und verschwand. … Pinaar hatte fernerhin im Januar 1911 einem Europäer unter falschen Vorspiegelungen ein Fahrrad abge-schwindelt und in gleicher Weise im Januar 1912 einem anderen Europäer ein Gewehr. Für alle diese Straftaten hatte der Staatsanwalt erhebliche Strafen beantragt, und zwar in Anbetracht dessen, dass zum Teil Farbige die Betrogenen waren, was geeignet ist, das Ansehen des weissen Mannes in diesem Lande zu schädigen. Er be-antragte insgesamt für Roetz 1 Jahr 8 Monate 14 Tage Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust; für J. J. Pinaar 1 Jahr Gefängnis und 1 Jahr Ehrverlust. Das Gericht gab diesem Antrage statt und verurteilte R. wegen Betrugs in zwei Fällen, Unterschlagung in einem Fall und eines Jagd-vergehens zu einer Gesamtstrafe von 1 Jahr 9 Monate Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat Unter-suchungshaft. Gegen J. J. Pinaar wurde wegen Betrugs in drei Fällen auf 1 Jahr Gefängnis und 1 Jahr Ehrverlust erkannt. Beide Angeklagte, die auf weitere Rechtsmittel verzichteten, wurden sofort in Haft genommen, um zur Verbüssung ihrer Strafen nach Tanga transportiert zu werden.
Aufhebung der Sperre. Durch Erlass des Gouverneurs vom 16. Mai ist die am 14. September 1912 über den Be-zirk Aruscha infolge Auftretens der Rinderpest verhäng-te Sperre wieder aufgehoben worden. Für den Bezirk Umbulu bleibt jedoch die Sperre wie bisher bestehen.
Wegen Küstenfieberverdachts ist über die Farm Em-menes in Engare ol Mutonje die Sperre verhängt wor-den.
Pferdesterbe. Dieser Tage konnte in Aruscha tierärzt-lich festgestellt werden, dass ein Maultier an Pferde-sterbe eingegangen ist. Bisher war man der Ansicht, dass Maultiere von der Pferdesterbe verschont bleiben.
19. Juli 1913
Der Bau eines Wohngebäudes für den Bezirksamtmann ist in Angriff genommen worden.
Askarihäuser. Um bessere Unterkunftsräume für die Polizeiaskaris zu schaffen, beabsichtigt das Bezirksamt, in diesem sowie in den nächsten Etatsjahren allmählich ausreichende Wohnräume aus Ziegelsteinen zu errich-ten. Solche Ziegelbauten sind entgegen den jetzt in Benutzung befindlichen, mit Bananenbast gedeckten Lehmhütten von grosser Dauerhaftigkeit. Für die Kom-pagnie-Askaris würde es sich empfehlen, ebenfalls, an die Erbauung solcher Wohnhäuser zu denken.
2. August 1913
Das Schlachthaus mit der Fleischmarkthalle wurde am 10. Juli dem Verkehr übergeben.
16. August 1913
Ungenügender Postraum. Man schreibt uns: Erst weni-ge Monate sind es her, dass die hiesige Postagentur aus dem Gebäude der Bezirksnebenstelle in ein Mietshaus übersiedelte, und schon stellt sich die Unzulänglichkeit des neuen Domizils heraus. In einem Räume von ca. 5 X 5 Meter ist die Postagentur untergebracht, sodass nach Aufstellung des allernotwendigsten Inventars die Bewe-gungsfreiheit für die Beamten eine sehr beschränkte ist. Will jemand ein Gespräch vornehmen, so muss er, um an den Fernsprecher zu gelangen, gewöhnlich erst über einen Berg von Postpaketen hinwegklettern. Trifft grö-ssere Post (Europapost) ein, so weiss sich der dienst-tuende Beamte nicht anders zu helfen, als die Postsäcke mit ihrem wertvollen Inhalt auf der Barasa [Veranda] unter Aufsicht liegen zu lassen, um dieselben dann ein-zeln in das Dienstzimmer zur Bearbeitung zu nehmen. Damit die Postagentur sich einigermassen postmässig einrichten kann und der Postverkehr nicht gestört wer-den soll, ist die Mietung eines zweiten Dienstraumes unbedingt erforderlich.
Meruschützen. Die erste Jahresversammlung des Frei-willigenkorps Meruschützen findet am 15. August in Aruscha statt.
Auch ein Fortschritt! Seit wenigen Tagen auf hohem Mast die erste Petroleum-Glühlichtlampe zur Probe! Weitere Lampen werden in kürze aufgestellt und dann hat endlich Aruscha eine Strassenbeleuchtung.
13. September 1913
Schlechte Marktverhältnisse herrschen zur Zeit in Aruscha. Seitdem vor wenigen Wochen die neue Fleischmarkthalle und das Schlachthaus in Betrieb genommen wurde, führt die alte Markthalle nur ein trostloses Dasein. Nur vereinzelt kann man darin Ver-käufer vorfinden, während der frühere Zustrom von Eingeborenen der Landschaften mit Nahrungsmitteln fast vollständig aufgehört hat. Die Eingeborenen sind der Ansicht, dass ein Markt überhaupt nicht mehr existiert, was in dem Umstande zu suchen ist, dass die Fleischmarkthalle von der anderen Markthalle getrennt und ca. 300 Meter von dieser gelegen ist. Mit Rücksicht auf die Nahrungsmittelversorgung, auch wohl der As-karis, ist eine ständige Belehrung der Eingeborenen über den Zweck der Markthalle und den Nutzen, den sie durch Verkauf ihrer Produkte dortselbst erzielen kön-nen, sehr am Platze.
Das hiesige Schlachthaus soll demnächst noch einen Anbau erhalten, in dem das Schlachten von Schweinen vorgenommen werden soll.
Reiseerleichterung ist allen geboten, welche die Strek-ke Moschi — Aruscha zurückzulegen haben. An dem bekannten Lagerplatz am Sanja hat Herr Hönigmann ein mit allem Komfort des Pori ausgestattetes Rasthaus erbaut. Man darf jetzt beruhigt die Träger für Zelte und auch für Betten zu Hause lassen; denn die drei Stationen Weruweru, Sanja und Usa sind für Unterkunft der Rei-senden hergerichtet. Die Aufnahme an allen drei Orten ist derart, dass man ihre Benutzung nur empfehlen kann. Durch die Eröffnung der Gasträume am Sanja ist die Reihe der Unterkunftsmöglichkeiten auf der Strecke Moschi — Aruscha geschlossen, so dass tatsächlich der Reisende ohne Zelt von Moschi nach Aruscha gelangen kann.
Eine zweite Sodawasserfabrik, die ebenfalls vorzüg-liche Soda fabriziert, hat sich seit wenigen Tagen in Aru-scha etabliert.
Mühlen. Innerhalb der letzten acht Wochen sind in Aruscha von Europäern zwei Mühlen errichtet worden, die infolge des zunehmenden Getreideanbaus durch eu-ropäische Farmer, sowie des ausgedehnten Maisanbaus der Eingeborenen sich mit der Zeit eines regen Zu-spruchs erfreuen dürften. Beide Mühlen werden mittels Wasserkraft, hervorgerufen durch Wasserräder, betrie-ben.
27. September 1913
Wie sich die Post Gespräche bezahlen lässt! In Aru-scha findet zur Zeit eine eigenartige Gebührenerhebung über „nicht stattgefundene“ Gespräche statt. Dieser Tage bestellte ich bei der Postagentur in Aruscha ein Gespräch mit einer in Neu-Moschi befindlichen Person, die zufällig an das dortige Ortsfernsprechnetz ange-schlossen ist. Die Post in Neu-Moschi stellte die Verbin-dung her. Die verlangte Person war jedoch nicht anwe-send und infolgedessen konnte das Gespräch nicht ausgeführt werden. Trotzdem erhob die Post in Aruscha eine Gebühr von 1 Rp. Auf Vorhaltungen hin, wie dies käme, da ich weder den Apparat berührt und nicht einmal ein Wort hineingesprochen hätte, erklärte nur der Beamte, dass die Gebührenerhebung geschehe auf Veranlassung seines Vorgesetzten in Neu-Moschi, und nach dessen Angabe zu Recht.
Ich habe zahlreiche Gespräche an der Küste zwischen Daressalam und Tanga ausgeführt und nur mit an das Ortsfernsprechnetz angeschlossene Firmen, es ist je-doch stets erst dann die Gebühr erhoben worden, nachdem man mit der betreffenden Person, die man sprechen wollte, auch wirklich das Gespräch ausgeführt hatte. Oft dauerte es 2 Tage, bis dieses Gespräch möglich war. Diese eben angeführte Gebührenerhebung über „nicht stattgefundene“ Gespräche steht nicht vereinzelt da. Sie ist eine durchaus ungerechtfertigte und nur dazu geeignet, das Publikum von der Fernsprecheinrichtung fernzuhalten.
8. November 1913
Die Feier des Geburtstages Ihrer Majestät der Kai-serin wurde am Vorabend, den 21. Oktober, eingeleitet durch einen Zapfenstreich, ausgeführt von den Spiel-leuten der 1. Kompagnie. In der Frühe des 22. Oktober war grosses Wecken. Unter den Klängen „Freut Euch des Lebens“ wurden die Einwohner der Stadt aus dem Schlafe gerüttelt. Um 9½ Uhr vormittags hielt der Bezirksamtssekretär Braul im Beisein zahlreicher Euro-päer im Schauriraum der Boma für die farbige Bevölke-rung Festbarasa ab. Inzwischen hatten die 1. Kompagnie sowie die Polizeiabteilung auf dem nahen Exerzierplatz Paradeaufstellung genommen. Punkt 10 Uhr erschien in Vertretung des abwesenden Kompagniechefs Oberleut-nant von Chappuis in Begleitung des Bezirksamtssek-retärs Braul, um die Parade abzunehmen. Nach einma-ligem Vorbeimarsch rückten die Truppen wieder in ihre Quartiere ab. Am Nachmittage des Festtages fanden auf dem Exerzierplatz für die Eingeborenen die üblichen Volksbelustigungen statt, während sich am Abend die Europäer des Bezirks in grosser Anzahl im Meruhotel zusammenfanden, um gemeinsam den Geburtstag un-serer Kaiserin zu feiern. Der Abend hatte auch insofern seine besondere Anziehungskraft ausgeübt, als musika-lische Kräfte zum ersten Male Proben ihres Könnens ablegten, die allgemein beifällig aufgenommen wurden. Im Verlaufe der Feier nahm Bezirksamtssekretär Braul Gelegenheit, um in kurzer Rede unserer Kaiserin zu gedenken. Erst in später Nachtstunde hatte die harmo-nisch verlaufene Feier ihr Ende gefunden.
Die knappen Mittel des S-Fonds [Selbstbewirtschaf-tungsfond] haben nun auch das hiesige Bezirksamt ver-anlasst, für das laufende Etatsjahr die weitere Prämien-zahlung für erlegte Raubtiere usw. einzustellen. Es wer-den also vorläufig bis 1. April nächsten Jahres Schuss-prämien nicht mehr gezahlt.
22. November 1913
Die neue Kaserne für Polizeiaskaris geht ihrer Vollen-dung entgegen. Es handelt sich um einen 55 Meter langen Bau, der aus Backsteinen aufgeführt und mit Wellblech gedeckt wird. Hoffentlich werden für die Kompagnieaskaris ähnliche Kasernements in nicht zu langer Zeit aufgeführt.
6. Dezember 1913
Fürstlicher Besuch. Am 14. November trafen Ihre Kgl. H. H. die Prinzen Leopold und Konrad von Bayern in Aruscha ein, nachdem sie, von Neu-Moschi kommend, für acht Tage der Jagd obgelegen. Zum Empfange der fürstlichen Jäger war die hiesige Garnison — 1. Kom-pagnie und Polizeitruppe — ausgerückt und hatte un-weit Aruscha Aufstellung genommen. Beim Heranna-hen der Prinzen präsentierten die Truppen, während Erstere die Front abschritten. Prinz Leopold liess sich vom Bezirksamtmann Dr. Kämpfe die zum Empfange anwesenden Beamten vorstellen und dann ging es mit klingendem Spiel in die Garnison zurück, wo nach Vor-beimarsch der Truppen die hohen Herrschaften im Fort Wohnung nahmen. Am Nachmittage hatten sich etwa 500 Masaikrieger auf dem Exerzierplatz versammelt, um ihre interessanten Ngomas aufzuführen, die mit re-gem Interesse von den Prinzen in Augenschein genom-men wurden. Kurz nach 8 Uhr abends wurde plötzlich Alarm geschlagen, Leuchtkugeln erhellten die Umge-gend des Forts taghell und nach nicht zehn Minuten waren alle Verteidigungsstellen eingenommen und die Truppe marschbereit. Diese exakte und schnelle Mobil-machung kleineren Stils fand das Lob des Prinzen Leo-pold. Bald ertönte auch das Signal „Das Ganze halt“ und die Askaris marschierten in ihre Quartiere ab. In der Frühe des 15. November wohnten die Prinzen in der Um-gegend Aruschas auch noch einer Felddienstübung der hiesigen Garnison bei, von der sie noch im Laufe des Vormittags nach Aruscha zurückkehrten. Am Nachmit-tage des 15. Oktober verliessen die hohen Herrschaften wieder Aruscha, um sich den wildreichen Gegenden westlich Aruschas zuzuwenden und dort dem edlen Waidwerk obzuliegen. Vorausgezogen war bereits eine Karawane von ca. 250 Trägern, die wegen ihrer Grösse berechtigtes Erstaunen der Schwarzen hervorrief.
Die prinzliche Jagdsafari begiebt sich von Aruscha in die Wildgegenden nördlich des Manyarasees, von dort nach Umbulu, später über Engaruka nach dem Natron-see. Von hier aus ist noch die Jagd in den Gebieten westlich Sonjo beabsichtigt, worauf die Rückkehr nach Aruscha stattfindet. —
Prinz Leopold zeigte während seiner nur kurzen Anwe-senheit in Aruscha ein ganz besonderes Interesse für die hiesigen Verhältnisse und liess sich von Bezirksamt-mann Dr. Kämpfe eingehend darüber orientieren. Bei Rückkehr der Prinzen nach Aruscha, Mitte Januar, wird es sich ermöglichen lassen, im Rahmen eines Dämmer-schoppens mit den hiesigen Kolonisten die hohen Herr-schaften noch etwas näher mit den hiesigen Ansied-lungsgebieten vertraut zu machen.
20. Dezember 1913
Wohnungsmangel. Trotzdem soeben das Wohnge-bäude für den Bezirksamtmann fertiggestellt ist, fehlt es immer noch an ausreichenden Unterkunftsräumen für die Beamten. Mit dem Bau eines weiteren Beamten-wohnhauses müsste sofort begonnen werden, damit Unannehmlichkeiten der Art vermieden werden, dass verheiratete Beamte mit einem einzigen Zimmer vorlieb nehmen müssen.
Die Transportschwierigkeiten, die dadurch entstan-den sind, dass vor Monatsfrist die Simultanimpfung der Transportochsen angeordnet wurde, werden erst in ei-nigen Wochen wieder behoben sein. Abgesehen davon, dass die Zugochsen nach der Impfung mindestens Ruhe haben müssen, hat jetzt auch die kleine Regenzeit ein-gesetzt, die selbstverständlich den Transportverkehr ganz unterbindet. Das Ergebnis dieser Unterbrechungen ist, dass sich zahlreiche Wagenladungen von Waren für hiesige Kaufleute bestimmt, in Neu-Moschi ansammeln. Dadurch werden die hiesigen Geschäftsleute in nicht geringer Weise geschädigt.
Das Deutsche Kolonial-Lexikon schreibt 1914 über Aru-scha: Seit 1913 ist Aruscha Sitz eines Bezirksamts, dessen Gebiet von Moschi abgetrennt wurde. 10 Kaufläden von Weißen, Goanesen, Indern, zwei Gasthäuser, Apotheke, Post und Telegraph entsprechen der wirtschaftlichen Stellung Aruschas als Mittelpunkt des Europäersiede-lungsgebietes am Meru. … Die Usambarabahn soll bis Aruscha verlängert werden.