Mitte November 1905 trifft Regierungsarzt Dr. Ludwig Külz in Akonolinga ein:
»Das Stationshaus sowie die anderen Gebäude dieses erst seit ungefähr Jahresfrist von Jaunde aus vorge-schobenen Postens [mit 30-40 Soldaten] sind vorläufig nur aus dem Baumaterial der Eingeborenen: Palmrippen und Matten, aber in riesigen räumlichen Dimensionen, erbaut. So enthält das Hauptgebäude neben einer Mit-telhalle vier geräumige Zimmer, von denen L. [»Feld-webel Liebert, ein martialischer, alter pommerscher Grenadier mit mehr als zehnjähriger Kameruner Dienstzeit.«] zwei zu bewohnen scheint; in einem der beiden leerstehenden habe ich mich selbst eingenistet. Außer einem Dolmetscher und den schwarzen Soldaten vervollständigen die auf dem weiten Hofe arbeitenden Gefangenen das Stationspersonal. Hinter dem Hofe fällt das Gebäude leicht ab bis zu dem dicht vorüberflie-ßenden Njong. Auf seinen beiden Ufern zieht sich nur ein schmaler Streifen sumpfigen Graslandes entlang, an den sich wieder weite, unabsehbare Waldflächen an-schließen.
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Zwei Firmen haben in der Nähe des Postens eine Zweig-niederlassung gegründet; eine von ihnen ist augenblick-lich mit einem Europäer besetzt, der einzigen weißen Seele, die außer mir hier noch haust.
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Eine kleine Abwechslung in meine Verlassenheit brach-te heute morgen die Ankunft eines Dampfbootes auf dem Njong. Hier, wo die Regierung noch kaum Herr im Hause ist, wo vor kurzem noch weiße Faktoristen ange-schossen und aufgefressen wurden, wo noch durch keinen sicheren Weg das Land erschlossen wurde, da dringt der Unternehmergeist des deutschen Kaufmanns allen Gefahren zum Trotz bereits vor. Die Gesellschaft Südkamerun hat zur Erleichterung des Handels in ihrem großen Konzessionsgebiete unter ungeheuren Schwierigkeiten vor kurzem zwei kleine Dampfer auf den Njong gebracht, die abwechselnd von Onanabese aufwärts bis hierher und bei günstigem Wasserstande noch weiter fahren können. Freilich ist die ganze Strecke nur während der wasserreichen 5—6 Monate des Jahres schiffbar. Außer dem deutschen Kapitän St. kam noch ein zweiter Europäer H. mit ihm an, der von hier aus noch weiter flußaufwärts zum sogenannten oberen Njongdepot seiner Firma reisen wird. Zur Be-deckung waren dem Boote vier schwarze Soldaten bei-gegeben, da es in letzter Zeit mehrfach vorgekommen sein soll, daß aus dem Gebüsche des Flußufers heraus auf den vorüberfahrenden Dampfer geschossen wurde.«
1913 heißt es über Akonolinga: »Hier in Akonolinga ist täglich großer Markt. Von weither kommen Frauen mit den landesüblichen Nahrungsmitteln, auch mit Früch-ten, Hühnern, Fischen und Eiern. Die Preise für die Hauptlebensmittel sind vorgeschrieben, es wickelt sich unter der Aufsicht schwarzer Polizisten alles in Ord-nung, aber in unbeschreiblicher Fröhlichkeit ab. Buntes Markttreiben mitten in Kamerun! … Zwischen Akono-linga und Abong-Mbang besteht lebhafter Kanuverkehr, der ganze Warentransport geht auf dem Wasserwege vor sich.«
Das Deutsche Kolonial-Lexikon schreibt 1914 über:
Akonolinga, Ort in Kamerun am Njong, Östlich von Jaunde gelegen. Er liegt bereits außerhalb des Urwaldes, der hier am mittleren Njong einen Bogen nach Süden offen läßt. Der Njong ist in Akonolinga schiffbar, auf-wärts bis zum sogenannten Oberen Njongdepot, abwärts bis fast zu den Tappenbeckschnellen. Es ist durch eine Talstraße mit Jaunde verbunden. — Akonolinga gehört zum Verwaltungsbezirk Jaunde, mit dem es, wie gesagt, durch eine Talstraße und durch Telegraph verbunden ist, besitzt eine Regierungsstation, eine Postagentur und mehrere Faktoreien, z. B. der Gesellschaft Südkamerun und von Pagenstecher.