Das Deutsche Kolonial-Lexikon schreibt über Dume:
»Dumestation, Militärstation auf der Njemplatte in Süd-kamerun. Sie ist die Hauptstadt des Dumebezirks und wurde im Jahre 1906 infolge des Aufstandes der Maka und Jebekole angelegt. Dumestation liegt am Dumefluß in verkehrsgeographisch günstiger Lage; denn dieser wird hier schiffbar und bildet den natürlichen Zugang bis in den äußersten Osten der Kolonie, in Verbindung mit dem Kadei-Ssanga. In 2 Marschtagen (60 km) er-reicht man von der Dumestation aus bei Abong-Mbang den Beginn der Schiffahrt auf dem Njong. Nicht weiter ist es nach Bertua im Nordosten, das eines der östlichen Handelszentren der Gummizone darstellt — In Dume-station befinden sich außer dem Bezirksamt und einer Kompagnie der Schutztruppe eine Postagentur und 3 europäische Faktoreien. Seit 1912 ist ein Schlafkranken-lager nach Dumestation gelegt worden.«
Im Oktober 1913 weilt Erich Robert Petersen in Dume und schreibt:
»Am dritten Tage nach dem Abmarsch von Abong-Mbang lagere ich im Dorfe Sibita am Fuße der mit vier Türmen bewehrten Feste, die breit und trotzig ins Tal des Dumes herniederschaut. Die große Station Dume, Bezirksamt, Post, Militär- und Polizeistation umfassend, sichert die nördliche Eingangspforte zum deutschen Kongogebiet. Der Dume fließt in den Kadei, der Kadei in den Sanga und der Sanga in den Kongo. Hier oben ist heißumstrittenes Land. Die Stammgebiete der räuberi-schen Maka, der nicht viel besseren Kaka, der schwa-chen, versprengten Bakum und der sudanesisch beein-flußten Baja berühren sich hier. Der Dumebusch sah mörderische Kämpfe, bis das Bezirksamt Ruhe und Frieden gebot. Vergeblich versuchten die Maka, den Bau der Station zu verhindern. Jetzt ist Dume ein sicherer Platz. Die mit dem wandernden Händlervolk der Haussa weit aus dem Norden zugereisten Gorbira haben sich für Handelszwecke im Schutze der Militärstation ein Dorf angelegt. Die weißen Kaufleute dagegen lieben nicht die Nähe der Offiziere, Beamten und Soldaten. Sie haben einige kleinere Läden für den Barverkauf eingerichtet, im übrigen aber die große Verwaltungs- und Militär-station gemieden.«
Georg Escherich erreicht im Oktober 1913 mit seiner hundertköpfigen Expedition Dume:
»Mittag ist schon vorüber, als auf kahl geschlagenem Hügel die aus roten Ziegeln erbaute Dume-Feste in Sicht kommt. Auf einem hohen Damm und auf festgefügter Brücke überschreiten wir am Fuße des Hügels den hochgehenden, zum Teil versumpften Dume-Bach, dann geht es auf steinigem, von Sisalagaven begrenztem Pfade hinauf zur Station. Der vor der Mauer stehende schwarze Posten präsentiert, ich reite [auf einem Maul-tier] durch das Bogentor, die Wache tritt an. Man sieht auf den ersten Blick schon, daß Zug darinnen ist, und daß mein Eintreffen bekannt und angesagt war. Ober-leutnant Harttmann, der Stationschef, ist bereits zum Mittagstische nach Hause gegangen. Also reite ich, nachdem die Expedition dem diensthabenden Stations-beamten übergeben war, zu dem etwa zehn Minuten entfernten, hübsch gelegenen Mattenhause. Schilder-haus und Wachposten sowie die auf hochragender Stan-ge wehende Stationsflagge bezeichnen die Wohnung des Kommandanten. Durch den Garten betrete ich die Veranda.«
Anwesend sind Oberleutnant Harttmann und Leutnant Bachmann, der Führer des Offizierspostens Baturi. »Dann [nach dem Mittagessen] begleiten mich die beiden zurück zur Feste, wo mir ein Turmzimmer im ersten Stock mit herrlicher Aussicht auf den Urwald zur Wohnung eingeräumt wird. Bretterboden und Glas-fenster. Wie wohl fühle ich mich in diesem fast uner-hörten Luxus!«
In Dume schließt Escherich seinen »Bericht zum Gou-vernement über die Spanisch-Muni-Expedition« ab und er schafft es »auch noch die letzten Sammlungen zu verpacken und nach Duala zurückzuschicken.« Eine Pause benutzt Escherich »zu einem Besuch im Haussa-Dorfe, wo heute Markt in einem großen, offenen Schup-pen stattfindet. Auf dem Boden sind auf langen Matten all die kleinen Bedürfnisse der Schwarzen, wie Zünd-hölzer, Zucker, Salz, Kerzen, Erdnüsse, Öl usw. ausge-breitet, die der betriebsame Haussa den stets kauflus-tigen Eingeborenen und Soldaten um teures Geld auf-hängt. Auch ein paar magere Buckelrinder stehen da-neben im sicheren Fenz. Sie sind von dem langen Marsche aus dem Norden stark mitgenommen, werden nun gut herausgefüttert und dann zu Geld gemacht.
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Der Leiter der Station, Oberleutnant Harttmann, war gleichzeitig Führer der im Bezirk [einer der 23 Bezirke in Kamerun] liegenden 9. Kompanie der Schutztruppe. Ihm unterstehen an militärischem Personal:
1—2 Offiziere, etwa 6 weiße Unteroffiziere und die Far-bigen der Kompanie: 12 Unteroffizier und 113 Mann; ferner der Sanitätsoffizier der Kompanie, 1—2 weiße Sanitätsunteroffiziere, mindestens 2 farbige Sanitäts-soldaten;
ferner an Zivilpersonal:
Beamte (1 Sekretär, 1 Bürogehilfe, 2 Polizeimeister, 1 Gärtner), farbige Handwerker (Maurer, Tischler, Schlos-ser, Schneider, Schuhmacher, Gärtner usw.), Amtsboten und Polizisten, Schreiber, farbige Hilfslehrer.
Außerdem befinden sich in Dume und Njassi [Diese Orte haben eine Telefonverbindung miteinander] je eine mit farbigen Postgehilfen besetzte Post- und Telegraphen-agentur, die aber nur disziplinär dem Stationschef un-terstehen. In Bezug auf ihren Post- und Telegraphen-betrieb sind sie der Postagentur Jaunde zugeteilt.
Die Aufgaben des Bezirkschefs sind etwa folgende: Auf-rechterhaltung von Ruhe und Ordnung, Ausübung der summarischen Gerichtsbarkeit über die Eingeborenen des Bezirks, Schutz des Handels, aber auch gleichzeitig Kontrolle gegen jede Art von Auswüchsen oder Über-griffen der handeltreibenden Europäer, Straßen und Brückenbau, Förderung und Erziehung der Eingebore-nen zu produktiver Arbeit.
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Großes Verdienst hat sich Oberleutnant Harttmann auch durch Einführung des deutschen Schulunterrich-tes erworben, indem er, ohne irgendwelche Mittel vom Gouvernement zur Verfügung zu erhalten, sofort nach Übernahme der Geschäfte aus eigener Kraft eine Art Regierungsschule in Dume eingerichtet hatte. Als Schü-ler wurden zunächst die Söhne der angesehensten Häuptlinge aufgenommen, insgesamt etwa 50 Schüler. Jeder bezahlte monatlich 50 Pfennig Schulgeld und mußte die Kosten für Beschaffung einer Fibel und einer Schiefertafel selbst tragen. Der farbige Hilfslehrer wur-de aus dem Schulgeld gelohnt. In der ersten Zeit mußte den Schülern Verpflegung aus dem Heimatdorf geliefert werden; später wurden sie aus den selbst angelegten Farmen kostenlos verpflegt. Schulhaus und Wohn-häuser bauten sich die Schüler ebenfalls selbst, so daß keinerlei Kosten für Einrichtung und Unterhalt der Regierungsschule entstanden. Jeden Morgen von 6 bis 10 Uhr war Unterricht in Deutschschreiben, Lesen, Rechnen, Singen; für den Rest des Tages wurden die Schüler als Lehrlinge in die verschiedenen Handwerks-stätten des Bezirksamtes verteilt und lernten je nach Wunsch und Neigung das Handwerk als Schreiner, Schuhmacher, Schneider, Korbflechter, Schmied, Mau-rer, Gärtner. In Pflanzschulen wurde an 2 bis 3 Nach-mittagen in der Woche unter Aufsicht eines gelernten farbigen Gärtners gearbeitet.
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Zum ersten Male erfuhr ich in Dume auch einiges über die Schlafkrankheit, diese furchtbare Geißel Mittelafri-kas. In Dume selbst war ein Schlafkrankenlager einge-richtet, in dem die Schlafkranken gesammelt und be-handelt wurden. Der Stationsarzt, Dr. Eckert, nahm auf seinen Dienstreisen Untersuchungen der Eingeborenen in ihren Dörfern vor und lieferte Schlafkranke im Lager ein. Der dicht bewaldete Süden des Dume-Bezirkes war stark verseucht, der Norden ziemlich frei von Schlaf-krankheit. Das Bestreben der Bezirksleitung ging dahin, den Verkehr zwischen Süden und Norden einzuschrän-ken und zu kontrollieren, um eine Verschleppung der Seuche nach dem Norden zu verhindern.
Auch für den Ausbau der Station selbst war bereits viel geschehen. Die ursprünglich aus Buschmaterial gebau-ten Europäerhäuser sowie das Lazarett wurden, wie die Feste, allmählich durch Steinbauten ersetzt, wozu die Ziegel selbst gebrannt wurden. Türen und Fensterstök-ke, Fußböden und sonstige Schreinerarbeiten lieferte eine gut eingerichtete Tischlerei, die Beschläge und sonstige Eisenarbeiten dazu eine mit den notwendigsten Werkzeugen ausgestattete Schlosserei.
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Ein einzig schöner Platz befindet sich im Garten des Stationschefs. An dem zum Dume-Bach abfallenden Hange, auf vorgeschobener Terrasse, ist ein kleiner Sitzplatz angebracht. Er gewährt wundervolle Aussicht auf die im Abendsonnenschein schimmernde Feste, auf das dichtbewaldete Dume-Tal, auf die Farmen, auf das Haussadorf und den alles umschließenden Urwald. Dort wollten wir einen kleinen Abendschoppen einnehmen, zu dem der Stabsarzt ein paar Flaschen Pilsner Urquell gespendet hatte. Erst als die Schatten der Nacht sich über dem Dume-Tal einlagerten, brachen wir auf, um uns noch für das eigentliche „Geburtstagsessen“ [Ge-burtstag des Stationschefs Harttmann] zu richten. Heute wollten wir mal feiern nach Herzenslust! Heute ist heut! … «