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Bahn

Die erste Eisenbahn in Kamerun ist die Kleinbahn der Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Victoria am Kamerunberg. Sie hat eine Spurweite von 60 cm und dient der Beförderung von pflanzlichen Erzeugnissen der Plantagen der Gesellschaft zur Verschiffung von der Hafenstadt Viktoria. Ihr Betrieb beginnt 1902 mit einer Länge von 7 Kilometern. Die Planzungsbahn wird aber auch für den Personenverkehr genutzt. Ihr Betrieb beginnt 1902 mit einer Länge von 7 Kilometern. 1906 erreicht die Viktoria-Pflanzungsbahn mit Nebenstecken eine Gleislänge von 52 km, wovon die Hauptstrecke mit 23 km nach Soppo führt und verbindet Viktoria mit dem Zwingenberger Hof, einer Niederlassung der West-afrikanischen Planzungsgesellschaft bei Soppo, dem Sitz des Kommandos der Schutztruppe von Kamerun. Soppo liegt am Kamerunberg in gemäßigtem Klima in der Höhenlage des Berges vier Kilometer unterhalb von Buea, der Hauptstadt von Kamerun.

Die Bahn erreicht schließlich mit den Nebenstrecken eine Länge von 66 Kilometern und die Gleisanlage wird ausgebaut auf den Betrieb mit schwereren Lokomotiven für die Gebirgsbahn mit der Steigerung des möglichen Raddrucks auf die Gleise von 0,75 t auf 1,375 t.


Obwohl Kamerun die besten natürlichen Bedingungen für eine günstige Entwicklung besitzt, war es doch lange nicht so entwickelt, wie die Guineakolonien der anderen Kolonialmächte. Erst durch den Eisenbahnbau wird eine wirtschaftliche Entwicklung eingeleitet. Anfangs stand nur der Wasserweg als Transportmittel zur Verfügung. Die Durchdringung der Kolonie wurde außerordentlich gehemmt durch den Urwald, durch Stromschnellen und Wasserfälle und durch schroffe Gebirge.

Um 1900 ist Kamerun auch aufgrund seiner Unweg-samkeit noch nicht völlig der deutschen Herrschaft unterworfen und so ist der Bahnbau nicht nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten gedacht, sondern na- türlich auch Teil der deutschen Kolonialpolitik. Die Gründe für den späten Bahnbau sind eben die Gelän-deverhältnisse mit einem Urwaldgürtel von 200 bis 300 km Breite mit zahlreichen großen Wasserläufen und vielen Sümpfen, die dem Bahnbau die denkbar größten Schwierigkeiten bereiten. Dazu kommen die klimati-schen Verhältnisse, die Hitze und Feuchtigkeit, die lange Regenzeit mit heftigen Niederschlägen, die die Arbeit schwer beeinträchtigen und daß die Anwerbung und Verpflegung der eingeborenen Arbeiter auf große Schwierigkeiten stößt. Auch die den Eingeborenen gänzlich fremde Arbeit und die dafür beim Bahnbau notwendige Lebensweise entfernt von ihren Familien muß sich erst einspielen.

Die erste Bahn, die denn gebaut wird, ist die Manen-guba- oder Kameruner Nordeisenbahn. Im Jahre 1900 hat sich auf Anregung des Gouverneurs von Kamerun, Jesko von Puttkamer, ein Syndikat zur Gründung einer Gesellschaft für den Bau und den Betrieb für eine Eisenbahn ins Hinterland des Kamerungebirges ge-bildet. Die etwa 100 km lange Bahn soll von Viktoria an der Küste ausgehen und entlang den Ostabhängen des Kamerunberges bis Mundame am Mungo führen. Da 1901 die Victoria-Pflanzungsgesellschaft eine 60 km lange Kleinbahn mit 60 cm-Spurweite auf eigenem Gelände über den östlichen Abhang des Kamerun-berges plant würden zwei Bahnen ungefähr auf der gleiche Strecke laufen, mit entsprechend verminderter Ertragsfähigkeit für beide Bahnen, sodaß das Syndikat nun Duala als Ausgangspunkt seiner Bahn nimmt und entsprechende technische und wirtschaftliche Erkun-dungen für den Streckenverlauf vornimmt, der die Bahn ins Grasland von Kamerun führt, wo man hervor-ragende Bedingungen für den Anbau von Baumwolle erwartet. Am 8. September 1902 wird dem Syndikat die Vorkonzession für die Bahn erteilt und sie beginnt mit den Vorarbeiten, aber sie hat Schwierigkeiten in Deutschland genug Kapital für den Bahnbau zu finden. Das große Kapital ist noch nicht an Kolonialgeschäften interessiert.

Nach Abschluß der Vorarbeiten wird das Syndikat 1905 umgewandelt in die Kamerun-Eisenbahngesellschaft mit Sitz in Berlin, aber die bereits für Mai 1905 geplante Vorlage der Regierung für ein Gesetz wegen Übernahme einer Zinsbürgschaft für die Bahn findet ein vorzeitiges Ende wegen der Vertagung des Reichstages und so kann die Vorlage erst im Folgejahr erneut vorgelegt und verabschiedet werden. Durch Reichsgesetz vom 4. Mai 1906 erhält die Kamerun-Eisenbahngesellschaft die Konzession für Bau und Betrieb der Bahn für 90 Jahre und das Reich übernimmt eine Zinsbürgschaft für die Kapitalanleger der Bahngesellschaft. Auch eine Gewinn-beteiligung und ein Erwerbsrecht des Reiches auf die Bahn sind in der Konzession festgelegt.

In der Konzession steht unter anderem: »Der Gesell-schaft ist gestattet, in den Wäldern … ohne Entgeld Holz für den Bau, die Unterhaltung und Erneuerung des Unter- und Oberbaues der Bahn während der Konzes-sionsdauer zu entnehmen … . Ebenso darf die Gesell-schaft aus den Grundstücken, die dem Verfügungsrecht des Schutzgebiets unterliegen, Erde, Kies, Sand und Steine für den Bau, die Unterhaltung und die Er- neuerung der Bahn unentgeltlich entnehmen … . Die Gebäude und Anlagen der Bahn sind für die Dauer der Konzession von allen Grund- und Gebäudesteuern befreit. … Ferner ist der Gesellschaft Zollfreiheit gewährt für die zum Bau, zur Ausrüstung, Unterhaltung und zum Betriebe der Bahn und ihrer Anlagen erfor-derlichen Baustoffe, Maschinen, Werkzeuge, Geräte und sonstigen Gegenstände.«

Die Bauausführung wird der Deutschen Kolonial-Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Gesellschaft in Berlin in Gesamtunternehmung übertragen und im September 1906 beginnen die Bauarbeiten mit den bereits ge-nannten Schwierigkeiten für einen Bahnbau in Kame-run. Die Meterspurbahn beginnt auf der Halbinsel Bonaberi, welche gegenüber von Duala auf der anderen Seite des Flusses Wuri liegt, und nähert sich bis auf sieben Kilometer dem Haupthandelsplatz Mundame am Mungo, um dann weiter bis zum Manenguba-Gebirge, wo die Endhaltestelle auf 880 m Höhe liegt, zu führen. Viele Brücken müssen für die Bahn gebaut werden und beim Durchqueren eines Hochwaldes mit Bäumen von 60 m und höher auf den Streckenkilometern 35 bis 60 müssen Bäume gesprengt werden, da die nötige Technik zum Fällen solcher Baumriesen fehlt.

Die erste Teilstrecke der Bahn in einer Länge von 89 km kann am 1. August 1909 eröffnet werden. Ausgangs-punkt ist die wachsende Hafenstadt Bonaberi – ursprünglich ein ausgedehntes Negerdorf – die zum Stadtbezirk Duala gehört. Bonaberi hat nun Hafen- und Bahnanlagen, eine Postagentur, eine Eisfabrik und ein Sägewerk. Die evangelische Baseler Mission unterhält eine Schule in Bonaberi. Mit der Bahneröffnung am 1. August 1909 ist die erste Kolonialbahn in Kamerun in Betrieb.

Seit dem 10. Dezember 1909 wird die Strecke von Bonaberi bis Lum für den öffentlichen Personenverkehr regelmäßig von einem durchgehenden Zug befahren der Montags, Mittwochs, Freitags landeinwärts und Dienstags, Donnerstags und Sonnabends zur Küste verkehrt.

Die 107 km lange Strecke wird in 6½ Stunden zurück-gelegt, so daß sich eine Reisegeschwindigkeit von 16,5 Stundenkilometern ergibt. Seit dem 1. Januar 1911 wird der Fahrplan etwas beschleunigt: der wie früher 8 Uhr morgens von Bonaberi abfahrende Zug trifft nach-mittags bereits um 16:39 Uhr in der neuen Endstation Ndunge (km 151) ein.

Am 1. April 1911 wird schließlich die ganze Strecke von 160 km Länge bis Nkongsamba am Manenguba-Gebirge eröffnet. Nkong-samba selbst wird als Endhaltestelle der Manengubabahn gebaut und bekommt eine Telegra-phenanstalt.

Landeinwärts verkehrt der Zug von Bonaberi auf der eingleisigen Strecke Montags, Mittwochs und Freitags und zur Küste Dienstags, Donnerstags und Samstags. Abfahrtzeit ist in Bonaberi 8 Uhr morgens. Die Endsta-tion Nkongsamba erreicht der Zug um 17:13 Uhr nach-mittags. Für die komplette, 160 km lange Strecke ergibt sich also eine Fahrtdauer von 9½ Stunden, so daß sich die Reisegeschwindigkeit, einschließlich der auf den 18 Zwischenstationen reichlich bemessenen Aufenthalte, auf 17,3 Stundenkilometern erhöht. Die Talfahrt dauert hingegen nur 8 Stunden 40 Minuten. Abfahrt in Nkong-samba ist morgens um 7 Uhr, Bonaberi wird dann nach-mittags um 15:40 Uhr erreicht.

1911 steht in einer Ausgabe der Verkehrstechnischen Woche zu lesen: »Ferner war die Durchschneidung des breiten Urwaldgürtels durch die Bahn wesentlich für die sichere Beherrschung des Binnenlandes und die rasche Niederwerfung von Aufständen; insofern war der Bahn also auch eine hohe politische und strategische Bedeu-tung zuzuerkennen.«

Seit 1912 fährt die Bahn mit Gewinn. 1913 fahren bereits 159.333 Menschen mit der Bahn. In der Ersten Klasse 2779, in der zweiten Klasse 15.921, davon 8548 Weiße und 7373 Farbige und in der Dritten Klasse werden 149.981 Menschen befördert. Interessant ist die beinahe etwa gleichhohe Zahl von farbigen und weißen Fahr-gästen in der Zweiten Klasse, was für die wirtschaftliche Entwicklung auch der einheimischen Bevölkerung spricht.

Ebenso entwickelt sich der Güterverkehr von und zu den Plantagen mit Ölpalmen, Tabak und Kakao sehr gut und die Fracht von Holz. Beim Holz finden sich 1913 in der Statistik 8107 t Stammholz, 2948 t Brennholz und 905 t Ebenholz. 1913 fährt die Bahn bereits unter Vollast und befördert 14.896 Tonnen Fracht ins Landesinnere und 25.823 Tonnen Fracht zur Küste. Dazu werden 769 Stück Großvieh in beiden Richtungen befördert. Die weiteren Aussichten der Nordbahn sind also blendend.

1914 werden von der Reichspost Fernsprechdoppellei-tungen entlang der Nordbahn bis nach Nkongsamba verlegt.

Eine ursprünglich vorgesehene Verlängerung der Bahn bis zum Tschadsee muß 1914 vorläufig als undurch-führbar gelten wegen der Baukosten durch die hohen Gebirge auf der geplanten Strecke. Die Möglichkeit dieser Bahnverlängerung wird von der wirtschaftlichen Entwicklung von Kamerun abhängen. Die Verlängerung in nordöstlicher Richtung in die Landschaft Bamum bis Fumban wird erwogen und erscheint aussichtsreich.


Die Mittellandbahn Duala–Edea–Njong, deren Forde-rung in der großen Kolonialbahnvorlage im Reichstag von 1908 enthalten ist, bildet die Anfangs- und Stamm-strecke der künftigen, von der Küste ins Inland ge-richteten Erschließungsbahnen für Kamerun. Die Bahn dient zunächst der Öffnung des Südens und Südwestens des Schutzgebietes. Sie ist auch durch politische und militärische Interessen begründet und soll unter an-derem den Verkehr des dortigen Karawanenhandels übernehmen, folglich den Handel verbilligen und die Träger für andere Tätigkeiten freimachen. Die Bauaus-führung ist der Deutschen Kolonial-Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Gesellschaft übertragen. Hinsichtlich der tech-nischen Parameter ist die Tanganjikabahn in Deutsch Ostafrika Vorbild.  

Das von der Mittellandbahn durchquerte Bakokoland mit seinen Hauptausfuhrerzeugnissen Palmöl und Palmkernen gehört zu den fruchtbarsten Gebieten von Kamerun, in dem Gebiet zwischen dem Sanaga- und dem Njongfluß erstrecken sich große Waldbestände von Ölpalmen. Als weitere Bahnfrachten kommen Mais, Erdnüsse, Tabak und Kakao sowie zahlreiche Edel- und Bauhölzer in Betracht. Im Jaundebezirk werden der Bahn erhebliche Frachten an Pferden, Rind und Klein-vieh aus den Zuchtgebieten Adamaua und der Tschad-seegegend zufallen. Die dichtbevölkerten Bakoko- und Babimbi-Bezirke werden der Bahn lebhaften Personen-verkehr bringen. Die Bahn beginnt in Duala am Ufer des Wuri, wo ausgedehnte Kaianlagen für den Umschlag zwischen Bahn- und Seeverkehr hergestellt werden. Sie zieht sich dann im Bogen nach Südosten und über-schreitet den Dibambastrom auf einer 322 m langen eisernen Brücke. Weiterhin wird der wasserreiche Sanagastrom in zwei getrennten Armen überschritten: Der Nordarm erfordert eine Brücke mit vier eisernen Überbauten von je 57,6 m Stützweite; der Südarm dagegen hat bei einer Strombreite von 160 bis 170 m eine Wassertiefe bei Hochwasser von nicht weniger als 26 m und bietet daher für die Überbrückung ganz besondere Schwierigkeiten. Bei dieser ungewöhnlichen Wasser-tiefe wäre die Gründung von Strompfeilern mit be-sonders hohen Kosten und Gefahren verbunden. Deshalb entschließt man sich zu einem Überbau von einer einzigen Spannung von 160 m Weite aus einem Gitterbogen. Die eine Bogenhälfte wird vom Land aus vorgebaut, die andre auf schwimmenden Prähmen errichtet und mit Benützung der Strömung des Flusses in die richtige Lage eingeschwommen. Dieser Brücken-bau erfolgt in der zweiten Hälfte des Jahres 1911.

Während bei der Nordbahn die Baukosten je Kilometer noch bei 100.000 Mark lagen liegen sie bei der Mittel-landbahn bei rund 170.000 Mark für den Kilometer. Dies ergibt sich aus den erheblichen Schwierigkeiten der Arbeiterbeschaffung und des stark durchschnittenen, noch wenig erkundeten Geländes, aus den hohen Kos-ten der großen Stromübergänge und des erforderlichen schweren Oberbaues, der einem künftigen starken und schweren Lastenverkehr gewachsen sein muß.

Am unteren Ende der nur zeitweise schiffbaren Strom-strecke des Sanaga erreicht die Bahn nach 84 km Edea, der Sitz eines Bezirksamts. Die Stadt liegt am unteren Sanaga, am Eintritt des Flusses in das Tiefland, wo die 90 m hohen Edeafälle der Schiffahrt ein Ende bereiten. Infolgedessen ist Edea ein wichtiger Handels- und Umladeplatz, wo die Waren der Karawanen auf Schiffen weiterbefördert werden. Von Edea nach Jaunde verläuft eine fahrbare Straße. Die Zahl der Weißen im Bezirk Edea beträgt 1910/11 136. Davon sind die meisten in europäischen Faktoreien beschäftigt. Auch eine Plan-tage existiert in Edea. Außer dem Bezirksamt befinden sich in Edea die Polizei, eine Postagentur, ein Regie-rungsarzt, die Katholische Mission der Pallottiner und die evangelische Basler Missionsgesellschaft.

Die 84 km-Strecke Duala–Edea geht 11. April 1912 in Betrieb und die Strecke bis Bidjoka – Kilometer 153 der Bahnlinie – wird am 1. November 1913 dem Verkehr übergeben. Am 17. Juni 1914 kann die Bahnstrecke bis Eseka (173 km) eröffnet werden und am 1. August 1914 wird die Linie bis zur Bahnstation Njock (181 km) freigeben.

Der Deutsche Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahr-buch von 1914 schreibt im Kapitel »Die Entwicklung Kameruns im Jahre 1913«: 

Der Erwartung entsprechend, hat sich der Verkehr auf der am 1. April 1911 eröffneten Nordbahn günstig ent-wickelt. Die Mittelbahn schreitet nur langsam vorwärts, weil der dichte Urwald die Arbeiten außerordentlich aufhält. Das Ziel am Njong-Fluß soll erst im Jahre 1916 erreicht werden. Zurzeit sind 153 km in Betriebe, eine Strecke bis kurz hinter Edea.

Die Zahl der beim Bahnbau beschäftigten Vertragsarbei-ter und Tagelöhner betrug durchschnittlich 5000. Ver-pflegung und Unterbringung der Vertragsarbeiter wur-den seitens des Gouvernements durch Arbeiterkom-missare überwacht und geregelt.

Durch Anlage einer Feldbahn seitlich der Bahnachse und durch Anwendung von Trockenbaggern für die Erdbewegung in größeren Einschnitten soll ein be-schleunigter Vortrieb der Bahn erzielt werden.

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Wirtschaft

Im März 1913 hält Hauptmann Hirtler, ehemals Offizier der Schutztruppe in Kamerun, einen Vortrag in Straß-burg über die Kolonie und sagt über ihre Schutztruppe, daß die Truppe Kamerun nicht nur erobert hat, sie hat sie auch erschlossen. Hirtler sagt, daß der Offizier drau-ßen nicht nur Soldat ist, er ist Arzt, Verwaltungsbe-amter, Sammler, Geograph, Astronom, Landwirt, baut Häuser, Wege usw. in kurzem gesagt: Alle Kulturauf-gaben war er zu lösen berufen.

Hirtler spricht auch über die Eisenbahnen in Kamerun und weist ihnen eine hohe Bedeutung zu. In Verbin-dung mit den Bahnen sieht er den Hafen von Duala, den er für vorzüglich hält, sobald die Barre, die flache Sand-bank vorm Hafen, entfernt sein wird. Er glaubt, daß die Verwirklichung der Bahn-Pläne in Verbindung mit dem weiter fortschreitenden Ausbau der Verkehrsstraßen dazu beitragen wird, die Kolonie in absehbarer Zeit ganz unabhängig vom Mutterland bezüglich Geldzuschüs-sen zu machen, wenn durch eine nicht überstürzte Eingeborenen-Politik friedliche Verhältnisse in Kame-run erhalten bleiben.

Er weist in seiner Rede die noch in weitesten Kreisen beliebte Unterschätzung der Farbigen zurück und findet warme Worte für die Eingeborenen. Hauptmann Hirtler hält das alte Wort Hermann Wissmanns, der in den 1880er und 1890er Jahren Afrikaforscher und Kolonial-beamter war: „Behandeln Sie den Eingeborenen als Menschen“, auch heute noch für die beste Mitgabe an den, der ins Innere von Kamerun geschickt wird.


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Schutztruppe

Wie die Schutztruppen in den anderen Kolonien ist auch die Kameruner Schutztruppe, um nicht einfach nur neben dem militärischen Drill und Geländeübun-gen die meiste Zeit sinnlos in der Kaserne zu verbrin-gen, mit vielen nützlichen Arbeiten beschäftigt, haupt-sächlich Bauarbeiten aller Art und Wegebau, die den Soldaten auch handwerkliche Fähigkeiten für die Zeit nach ihrem Soldatendasein mitgeben und so auch die Kasse des Schutzgebietes entlasten und zur wirtschaft-lichen Entwicklung beitragen.

In den Stationen der Truppe wird sorgfältig auf Gesund-heitspflege und Seuchenbekämpfung geachtet. Kranke Soldaten sind weder im Kampf noch für die Arbeits-leistungen der Schutztruppe zu gebrauchen. Die Wohn-stätten, Küchen, Trinkwasser- und Abortanlagen stehen unter ständiger Kontrolle und auch Körper und Klei-dung der Soldaten werden regelmäßig untersucht.

Eine große Veränderung ergibt sich als mit der Über-nahme von Neukamerun 1912/13 Kompanien der Schutz-truppe zur militärischen Sicherung und Verwaltung in das neue Gebiet der Kolonie verlegt werden. Entspre-chend wird die Truppe im alten Kameruner Gebiet ausgedünnt. Der Reichstag beschließt daher mit der Gebietsübernahme auch die Vergrößerung der Schutz-truppe von 10 auf 12 Kompanien.   

Ein Bericht vom August 1913 des Kommandanten des Kleinen Kreuzers Bremen stellt unter anderem fest, daß in der ganzen Kolonie der Landfriede hergestellt sei. Kämpfe zwischen den Stämmen oder Aufstandsver-suche werden von der Kolonialregierung auch offen-sichtlich nicht erwartet, denn von den 12 Kompanien der Schutztruppe mit insgesamt etwa 1750 Mann – fast zu 90 % farbige Soldaten – ist überhaupt nur eine einzige militärisch einsatzfähig, die 4. Kompanie in Soppo. Die meisten anderen sind im Verwaltungsdienst im Inneren der Kolonie eingesetzt. Das Gouvernement will aber allmählich den gesamten Verwaltungsdienst, der derzeit von der Schutztruppe ausgeführt wird, durch Polizei-soldaten ausüben lassen, so daß die Schutztruppe wieder zu ihrer eigentlichen Aufgabe, der militärischen Siche-rung im Inneren, fähig ist.

Kamerun ist eine sehr große Kolonie mit geschätzten über vier Millionen Eingeborenen als Einwohnern und hat aber 1913 nur eine Kompanie mit etwa 120 eingebo-renen Soldaten und ein paar deutschen Offizieren als Kampftruppe einsatzfähig. So sieht es das Gouverne-ment als geraten an als Demonstration militärischer Stärke 150 Marinesoldaten der im August 1913 gerade zu Besuch in der Kolonie weilenden SMS Bremen die bei-den Eisenbahnlinien der Kolonie einmal abfahren zu lassen, um die Inlandbewohner mit der Masse an wei-ßen Soldaten zu beeindrucken.

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Wirtschaft und Verkehr

Der Süden Togos und der Norden sind von der Bevöl-kerung her verschieden. Ist der Süden seit Jahrhun-derten den Verkehr mit Weißen gewöhnt und vom einheitlichen Stamm der Ewe bewohnt, so ist der Nor-den mohammedanisch, von verschiedenartigen mehr kriegerischen Stämmen bewohnt und in der allgemei-nen Entwicklung weit zurück. Die deutsche Regierung will dort im Norden ungestört ihr Aufbauwerk in ihrem Sinne durchführen. Neben der Erschließung des Landes durch Straßenbau mit Hilfe der durchzusetzenden Steuerarbeit werden in den Versuchsgärten der Statio-nen die Anbaumöglichkeiten von exportfähigen Tropen-erzeugnissen wie Kaffee, Kakao und Sisal auf groß ange-legten Versuchsfeldern erforscht. Der Anbau von Baum-wolle, die Kultur von Ölpalmen, Erdnuß und die Nut-zung der Früchte des im Hinterland häufig vorkom-menden Schibaums wird untersucht und die Hebung der im Norden verbreitet vorhandenen Viehzucht ins Auge gefaßt. Die Häuptlinge im Sperrgebiet müssen die ihnen gegebenen Belehrungen über die Vermehrung oder Einführung von exportfähigen landwirtschaftli-chen Erzeugnissen an die Bevölkerung weitervermit-teln für die Zeit der Wiedereröffnung und Erschließung des Landes im Sinne der deutschen Herrschaft. Auch 1914 ist das nach den Maßgaben der deutschen Verwal-tung zu entwickelnde Sperrgebiet im Norden noch für den über den erlaubten Verkehr hinausgehenden ein-heimischen südtogolesischen wie weißen Einfluß durch Handel und Mission entzogen. Mit dem Verbot der christlichen Missionierung im Norden ist auch ein Zusammenstoß mit dem sich dort ausbreitenden Islam vermieden und entsprechende Unruhe verhindert. 1914 wird aber die Aufhebung des Sperrgebietes erwogen auch mit Hinsicht auf den für 1915 geplanten Beginn der Verlängerung der Hinterlandbahn Lome-Atakpame in die Nordbezirke. So ist das Ende der Sperrung der beiden Nordbezirke abzusehen. Auch geht man davon aus durch die Hinterlandbahn das Eisenerzgebiet bei Bassari für den Abbau erschließen zu können. Zahl-reiche Berichte über die Notwendigkeit der Fortsetzung des Bahnbaus bis Banjeli im Eisenerzgebiet gehen an das Reichskolonialamt ab, aber der Reichstag zögert immer wieder mit der Bewilligung der erforderlichen Mittel. Überall in der Umgebung von Banjeli stehen die aus Lehm gebauten einige Meter hohen runden Hochöfen. Die dort lebenden Bassari verhütten das Eisenerz in den kleinen Hochöfen, die mit Holzkohle befeuert sind, wohl schon seit Jahrhunderten zu Eisen und verkaufen es oder schmieden es selbst weiter zu Waffen, Acker-hacken, Schmuck und anderen eisernen Gegenstän-den. Passend dazu wird im Bassari-Land und im süd-östlich angrenzenden Sokode-Gebiet des Tschaudjo-Reichs hervorragendes Hirsebier gebraut und zur Geschmacksverbesserung mit Honig versetzt. In mäch-tigen Tontöpfen, die den weiten Transport lohnen, wird das von den Frauen ausgeübte Brauwesen auch von Frauen zu den Märkten der Bassari gebracht, wo die Schmiede und Erzgießer zu den Hauptabnehmern des Bieres gehören.


In den von ihnen bewohnten Ebenen des Nordens der Kolonie Togo führen die Kabre und Losso eine jeden Boden ausnutzende intensive Landwirtschaft und wer-den als die tüchtigsten Ackerbauern im tropischen Afrika angesehen. Auf hügeligerem Gelände sind die Abhänge terrassenförmig angelegt. Offensichtlich machte Mangel an fruchtbarem Land sie zu hervor-ragenden Ackerbauern. So ist angedacht die Kabre und Losso auch außerhalb ihres Siedlungsgebietes an der Strecke der noch zu bauenden Hinterlandbahn anzu-siedeln, um mit ihrer intensiven Landwirtschaft auf noch ungenutzten Böden der nördlichen Kolonie ex-portfähige Güter zu erzeugen.

Wird die Erdnuß in ganz Togo in geringen Mengen angebaut, so ist sie in den trockenen Nordbezirken für die Bevölkerung doch wichtiger als im Süden, da sie im Norden, wo keine Ölpalme wächst, auch als Öllieferant dient. Die deutsche Verwaltung der Nordbezirke ver-spricht sich von der geplanten Verlängerung der Bahn in den Norden vom vorgesehenen erweiterten Erdnuß-anbau dann ein gutes Exportprodukt.

Die beiden menschenreichsten Landschaften des Be-zirks Mangu, die Landschaften Moba und Gourma mit zusammen 100.000 Eingeborenen, sind auch die Haupt-anbaugebiete für Erdnuß im Norden. Aus Mangel an anderen exportfähigen Kulturen kann die Erdnuß eine große Zukunft im Gebiet haben. Anfang 1914 wird auf dem Hamburger Markt für 100 Kilo geschälte Erdnuß aus Westafrika 32 Goldmark gezahlt, für 100 Kilo Mais dagegen nur 11,8 Goldmark. Die Hochwertigkeit der Erdnuß läßt also auch die Kosten des langen Bahn-transports aus Nordtogo zur Verschiffung nach Lome zu.

Da es in den Nordbezirken der Kolonie keine Tsetse-fliege gibt wird Vieh gehalten. Es handelt sich bei den heimischen Rindern um zwei Rassen von einer Schulter-höhe von je nur 100 cm bis 110 cm. Der größte Vieh-bestand existiert im Bezirk Mangu-Jendi, wo 1908 bei einer Viehzählung ein Bestand von rund 50.000 Stück festgestellt wurde. Bei der gleichen Zählung wurden im Bezirk Mangu-Jendi auch rund 200.000 Schafe gezählt.


In den Bezirken Sokode-Bassari, Mangu-Jendi und Kete-Kratschi ist das Bedürfnis für befahrbare Straßen noch gering. Es wurde daher auch nur im Sokodebezirk die südliche Hauptverbindungsstraße Sokode-Atakpame bis zur Bezirksgrenze und die Straße Aledjo-Bafilo für Wagenverkehr ausgebaut und beschottert. Die Gesamt-länge der fahrbaren Straßen beträgt 120 Kilometer.

Zwei Straßen nehmen von der Bahnstation Palime im Süden Togos ihren Ausgang nach Norden. Die eine führt am Ostrand des Gebirges über Atakpame in das Hinter-land nach Sokode und die zweite gut ausgebaute Straße geht von Palime über die Station Misahöhe nach Kpandu. Von Kpandu führt der Westgrenze der Kolonie entlang eine Straße schwächeren Ausbaues nach Kete-Kratschi, der deutschen Zollstation am Volta, der Grenze zur britischen Goldküste, und von da weiter über Bimbila, Jendi nach der nördlichsten Station Sansane-Mangu.

Wegen des Erfolges des Togo-Kapoks auf dem deut-schen Markt seit 1910 läßt die Station Mangu die Straße Mangu-Jendi alleeartig mit dem schnellwachsen den Seidenbaumwollbaum bepflanzen.


Bereits 1909 kann man auch wegen der guten Erfah-rungen mit dem ersten Forst im Süden Togos zwei weitere Aufforstungen beginnen. Diesmal im hohen Norden des Schutzgebietes in den Bezirken Sokode Bassari und Sansane Mangu. Die Aufforstung in Sokode Bassari wird allerdings 1910 wieder eingestellt, weil die Trasse der Hinterlandbahn durch das Gelände des zu-künftigen Waldes gelegt werden soll und man erst die endgültige Festlegung der Trasse abwarten will, um nicht Wald anzulegen, der dann dem Bahnbau wieder zum Opfer fällt.

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Die Deutschen und ihre Verwaltung

Am 5. Oktober 1907 werden die beiden nördlichen Bezirke Sokode-Bassari und Mangu-Jendi als »gesperr-tes Gebiet« erklärt. »Fremden, d. h. Nichteingeborenen und solchen Farbigen, welche nicht zu dem gesperrten Gebiet gelegenen Landschaften gehören, ist der Aufent-halt in dem gesperrten Gebiet verboten.

Der Bezirksleiter, welchem das gesperrte Gebiet unter-steht, ist ermächtigt, den landesüblichen Verkehr der eingeborenen Bevölkerung zwischen dem gesperrten Gebiet und anderen Landschaften und den Durchzug farbiger Händler durch das gesperrte Gebiet zu ge-statten.

Abgesehen hiervon kann der Gouverneur in besonde-ren Fällen auf Antrag Weißen und dem sie begleitenden farbigen Personal den Aufenthalt in dem gesperrten Gebiet erlauben.

Die Erteilung der Erlaubnis kann an Bedingungen, insbesondere die Einhaltung gewisser Verkehrswege, die Vermeidung bestimmter Örtlichkeiten, die Erfül-lung besonderer Auflagen hinsichtlich des Verkehrs mit den eingeborenen Stämmen und deren Häuptlingen geknüpft werden.«

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Film

Im Herbst 1912 geht der ehemalige Großwildjäger Hans Schomburgk auf Filmexpedition nach Liberia, einem Land in dem auch deutsche Tierfänger für Hagenbeck unterwegs sind, für eine neue Form des Filmens, das Festhalten des ursprünglichen Lebens der Afrikaner vor dem Untergang ihrer Kultur durch die europäische Zivilisation. Da Schomburgk auch eine Einladung der deutschen Kolonialverwaltung in Togo zum Filmen in der Kolonie hat, fährt er von Liberia weiter nach Togo, um auch dort das ursprüngliche Leben der Afrikaner vor dem Untergang ihrer Kultur zu drehen. Auf Ein-ladung des Chefs für den Aufbau der Großfunkstation in Kamina bei Atakpame, Freiherr Anton von Codelli, fährt die Drei-Mann-Filmcrew von Lome die 160 Kilometer lange Strecke zur Baustelle von Kamina mit der Kakao-bahn. Von dort marschiert das Filmteam mit einer Trä-gerkolonne auf der Straße nach Sokode in das Sudan-gebiet, das Steppengebiet der Kolonie. Durch Krankheit in Kamina aufgehalten folgt Schomburgk seinem Film-team erst später nach, auf Codellis Motorrad mit Bei-wagen. Um der Tageshitze zu entgehen fahren Codelli und Schomburgk bei Nacht und wechseln sich bei der anstrengenden Fahrt im flackernden Lichtkegel einer schwachen Karbidlampe am Steuer ab. In Sokode wer-den Sudanpferde gekauft für die Beweglichkeit der Filmcrew in der Savanne. Vom Norden Togos muß Schomburgk dann aber dringend nach Hamburg und London, wegen Problemen mit der Qualität des nach Europa gesandten Filmmaterials und dadurch entste-henden Finanzschwierigkeiten für das Filmunterneh-men.

Abgesehen von seinem völligen Fehlen von Kenntnissen der Arbeit als Kameramann und Regisseur wiederholte Schomburgk auch den Fehler von Schumann von 1908 in Deutsch Ostafrika, die gedrehten Streifen in den Tropen entwickeln zu wollen, statt die unentwickelten Filme nach Europa zur Entwicklung zu versenden. In London schaut er seine Filmversuche an und sie sind sowohl von der technischen Seite des Filmens miß-lungen als auch von der künstlerischen Gestaltung. Von der Filmaufnahmetechnik, von Einstellungen und Szenenlängen hat er noch keine Ahnung. In Europa wird entschieden nicht nur Dokumentarfilme des Lebens der afrikanischen Bevölkerung zu drehen, um die schnell verschwindende Kultur der Einheimischen mit der Filmkamera festzuhalten, sondern in Togo auch einen Spielfilm zu machen, der an der Kinokasse Geld ein-bringt. So nimmt Schomburgk bei der Rückfahrt nach Togo die deutsche Schauspielerin Meg Gehrts mit und einem erfahrenen Kameramann, den Engländer Jimmy Hodson.

Als das Schiff Lome erreicht, weht die gelbe Flagge über der Stadt. An der Küste Togos herrscht Gelbfieber, die tückischste aller tropischen Infektionskrankheiten. Nur wenige der Infizierten überleben die Erkrankung, die durch den Stich einer Mücke verursacht wird. Gegen den Stich der Malaria-Mücke kann man sich mit Chinin schützen, gegen die Mücke, die das Gelbfieber über-trägt, gibt es aber bisher kein vorbeugendes Mittel.

Über die noch nicht wiederhergerichtete Landungs-brücke von Lome – die weit ins Meer vorgetriebene Brücke ist durch eine Orkansee im Mittelteil schwer beschädigt worden, und dort sind die Pfeiler noch nur notdürftig überbrückt (Vollständige Wiedereröffnung am 1. November 1912) – geht es in die Stadt. Die Stim-mung in Lome ist durch die Gelbfieberepidemie ge-drückt. Nichtsdestotrotz beginnt die Filmarbeit. Schom-burgk dreht nun in Togo Reisefilme, völkerkundliche Filme und kurze Spielfilme, darunter die ersten Spiel-filme mit afrikanischen Schauspielern.

Meg Gehrts ist nun die erste weiße Frau, die Togo von Süd nach Nord durchquert. Sie reitet auf einem Bornu-hengst der Karawane der Filmemacher voran und so wird die Blondine auch die erste Filmschauspielerin im Inneren Afrikas, wo sie auf ihrem feurigen Hengst über die flimmernde Steppe vor der Kamera herumjagt.

Im Norden Togos bekommt Schomburgk ein schweres Tropenfieber, aber er hat Glück, der aus Atakpame herangeholte Regierungsarzt schickt ihn nicht nach Europa zur „Genesung“, was im Allgemeinen heißt zum Sterben, und auch der Bezirksamtmann rät ihm jetzt nicht „abzukratzen“, weil er dann nur Scherereien hätte, wie etwa die Herrichtung des Friedhofs für das Be-gräbnis. Schomburgk solle also gefälligst das Sterben unterlassen. Schomburgk hält sich an die Ermahnung des deutschen Beamten und ist zwei Wochen später wieder im Sudan unterwegs. Bald filmt er in Bafilo das Weberhandwerk und die Herstellung von Schmuck-gürteln aus Palmnüssen. Weiter im Norden, in Sansane Mangu, wird von den Polizeisoldaten der deutschen Station dort und von hunderten einheimischen Reitern ein Überfall auf die Station nachgestellt und gefilmt, wie er zu Zeiten der arabischen Sklavenjagden und der Kämpfe der einheimischen Herrscher untereinander üblich war.

Eine Vielzahl von technischen Schwierigkeiten des Fil-mens in den Tropen ist zu überwinden. Ein Problem ist die Sonnenhitze, die die hölzernen Kameraapparate verzieht. Schomburgk: »Selbstverständlich haben wir versucht, unsere Apparate nach Möglichkeit gegen die Sonne zu schützen. Die Sorgen, die wir damit hatten sind überhaupt nicht zu beschreiben. An allen möglichen Stellen sprang in der trockenen Hitze das Holz. Jeden Abend saßen wir vor unserem Zelt und füllten die Sprünge mit Siegellack aus. Am Tage zur Aufnahme wickelten wir mehrere Lagen Bananenblätter um die Apparate. Trotzdem wurde nach kurzer Zeit der Siegel-lack weich und tropfte herunter.«

Um die belichteten Filme ohne Schaden nach Europa zu bringen entwickelt Hans Schomburgk einen besonde-ren Filmkühltransportkasten. So entsteht aus all dem Filmmaterial auch der 75-Minuten-Film Im deutschen Sudan

Zurück in den Süden von Togo geht es ab Sokode auf einem Lastwagen, der nun einigermaßen regelmäßig die Strecke Sokode-Atakpame abfährt. Von Atakpame, dem Endhaltepunkt der Hinterlandbahn, fahren sie zurück nach Lome, während sie Richtung Norden über die Kakaobahn gekommen waren. Sie haben auf der Bahn-fahrt auch zwei Straußenvögel dabei als Geschenk für den Hamburger Zoo. Im März 1914 kommt das Filmteam wieder in Europa an.

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Leben in Lome

Der Forstbeamte Oskar Metzger, seit 1906 in Togo, beschreibt das Leben und Markttreiben in Lome: In der Regel treffen die Woermann-Dampfer in den frühen Morgenstunden vor der Reede Lomes ein und schiffen ihre Reisenden in den Vormittagsstunden aus. Dem Neuangekommenden wird daher die um diese Zeit geringe Belebtheit der Straßen mit Weißen auffallen. Alle sitzen bei der Arbeit; der Kaufmann sowohl wie der Beamte.

Nur im Eingeborenen-Viertel und auf dem von den Eingeborenen beschickten Markt ist es um diese Zeit anders. Hier herrscht den ganzen Tag regstes Leben und Treiben, vor allem auf dem hübschen, schattigen Markt-platz. So ein Eingeborenen-Markt ist eine einzige Sym-phonie von feilschendem Lärm.

Die Lebhaftigkeit und Ausdauer bei der Abwicklung oft gerade des kleinsten Geschäfts ist dem neuankom-menden Europäer unverständlich und gibt ihm schon beizeiten Einblick in eine der Grundauffassungen des Negers, dem im allgemeinen der Begriff Zeit fehlt. Es ist außerdem erstaunlich, welch ausgeprägter, angebore-ner Geschäftssinn den Eingeborenen von Togo, ganz besonders dem Südtogo bewohnenden Stamm der Ewe-Neger innewohnt. Da wird zum Beispiel eine Kiste, in der die Produkte zum Markt gebracht werden, hingestellt, eine Emailschüssel darauf, und schon ist der Markt-stand aufgebaut. Eine andere, in Lome selbst ansässige Eingeborene, bereits etwas vornehmer wie das Weib aus dem Busch, bringt einen Tisch mit, auf dem sie ihre Ware möglichst aufreizend zur Schau stellt. Wieder andere legen eine Bastmatte auf den Boden und breiten ihre Habe aus.

Ein kleines Mädchen, erwerbstüchtig, verkauft Würfel-zucker, stückweise. Da sieht man kleine Bündel Feuer-holz, dürres Astholz, von den Weibern in einer drei bis vier Bündel fassenden Last auf dem Kopf oft stunden-weit zu Markt gebracht. Ein nicht allzu großes Bündel reicht knapp zur Bereitung einer Mittagsmahlzeit für den Weißen. Brennholz ist in der Stadt rar.

Die verschiedensten Lebensmittel wie Maisbrot, Jams, Erdnüsse, geröstete Maiskolben, Zuckerrohr, Bananen, Ananas, Orangen, Zitronen, Papaya, Fleischklöße, dazu für die Feinschmecker Palmölsauce oder grüne Fisch-sauce, Zwiebeln, Mehl werden feilgeboten.

Eine Sorte für sich sind die Fischweiber; sie sind leicht auffindbar, so man dem durchdringenden Geruch ihrer Ware nachspürt. Von den Weißen werden die kleinen getrockneten Fische als Stinkefische bezeichnet, die für den Küsten-Neger eine Delikatesse bedeuten und sicht-lich um so lieber gekauft und verspeist werden, je bes-tialischer ihr Geruch ist.

Natürlich fehlt auch nicht der Alkohol! Seine harm-losere Form ist der weißlich-grüne, etwas süßlich schmeckende Palmwein, hergestellt aus dem Saft der Ölpalme. Er wird in schönen, oft bis zu einem halben Meter hohen Kalebassen, die aus einem großen, meist eiförmig gestalteten Flaschenkürbis durch Aushöhlen gefertigt werden, seltener in den schweren, selbstge-formten Tonkrügen von den Weibern aus dem nördlich gelegenen nahen Ölpalmen-Gebiet auf dem Kopf zu Markte getragen.

An sonstigen europäischen Erzeugnissen werden die von den schwarzen Schönheiten jeden Alters als Schmuck so sehr begehrten farbigen Glasperlen, mit möglichst schreienden Farben bedruckte Tücher, Tabak in Blättern und Rollen, Pulver, sogenannte Dänenflinten – das sind Vorderlader mit Steinschloß – , Messer aller Art, Spiegel und verschiedener anderer Tand feilge-halten. Diese Gegenstände werden meist von handels-tüchtigen Küstenbewohnern bei den Faktoreien auf Kredit, von Kapitalkräftigen sogar in bar erstanden und dann am Markt an die Buschleute verkauft; das sind für den eingebildeten Küsten-Neger alle Eingeborenen wenige Kilometer landeinwärts.

Schwarze Polizisten sorgen in diesem bunten, lärmen- den Getriebe für Ordnung.

Appetitlich und würdevoll geht es auf dem Fleischmarkt zu. Diesen beherrschen vorwiegend die mohammeda-nischen Haussa. Da gibt es Hammel-, Ziegen- und Schweinefleisch, sehr selten auch einmal Rindfleisch, da in Südtogo wegen der Tsetse-Fliege keine Rinder-zucht getrieben werden kann. Ein in Lome geschlach-tetes Rind stammt daher zumeist aus Nordtogo, von wo es in einem mehrere hundert Kilometer weiten Marsch herangetrieben wurde. Die »Großabnehmer« auf dem Fleischmarkt sind, wenn sie bei den Weibern aus dem Busch nicht Hühner einkaufen, die Köche der Weißen; sie erstehen hier für ihres Herrn Mahlzeit das Fleisch. Bis sie damit zu Hause sind, ist es meistens um einige Fünfpfennigstücke, je nach der Nachsicht oder Uner-fahrenheit ihrer Herren, teurer geworden. Die Eingebo-renen erstehen an den Fleischständen meistens nur kleine Stücke, die an Holzspießen über dem Feuer ge-röstet und mit sichtlichem Genuß verzehrt werden.

Für die Landbewohner ist die Fahrt zum städtischen Markt, auf den sie ihre Erzeugnisse bringen, auch eine Zerstreuung und Freude. Für die junge, marschtüchtige Generation gehört es gewissermaßen zum guten Ton, in der Landeshauptstadt gewesen zu sein; sie kommt daher aus allen Bezirken, sogar aus den nördlichsten Gebieten, vierhundert bis fünfhundert Kilometer weit, nach Lome. Den Firmen an der Küste ist dadurch zum Teil der Auf-kauf im Lande erspart. Da kommen die Leute aus der Ölpalmenzone angerückt, oft dorfweise, in den Kalebas-sen das Palmöl, die bereitgestellten großen Fässer füllen sich ebenso wie die Säcke mit den Palmkernen. Die Menschen aus den entfernter gelegenen Kautschukge-bieten schleppen dieses Naturprodukt herbei. Wieder andere bringen Lasten voll Mais.

Viele Eingeborene setzen ihre Waren lieber auf dem Markt selbst ab, anstatt bei den Faktoreien. Dem tragen die Firmen Rechnung, indem sie auf dem Marktplatz ihre farbigen Vertreter aufstellen, die mit großem Ge-schick und mit ebenso großer Lebhaftigkeit sich ihrer Aufgabe gewachsen zeigen und dem bei der Konkur-renzfirma angestellten farbigen Bruder die Ware weg-schnappen.

Besonders die Hinterländler, die Leute aus den nörd-lichsten Bezirken und sogar über die Nordgrenze des Schutzgebietes hinaus, aus der Landschaft Gourma, kaufen Salz, Tabak, Pulver, Dänenflinten, Glasperlen, kurz, die verschiedensten Waren europäischen Ur-sprungs, um sie in der Heimat wieder abzusetzen. Häufig begegne ich auf meinen Reisen ins Innere des Landes auf den großen, das ganze Schutzgebiet der Länge nach von Süden nach Norden durchziehende Straßen den Bewohnern des Nordens mit einer schweren Last auf dem Kopfe, Richtung Küste, und – ebenso schwer bepackt – von der Küste heimwärts ziehend. Das schon geübte Auge erkennt die einzelnen Stämme, auch die Fremdlinge von außerhalb des Lan-des, und freut sich über die zunehmende Entwicklung des Handels.

Außer dem Markt in Lome hat Südtogo noch Märkte ähnlicher Gestaltung am Endpunkt der Küstenbahn in Anecho and an den Endstationen der beiden ins Innere führenden Bahnlinien, in Palime und in Atakpame. Ergänzend zu diesen Großmärkten dienen dem Handel und Aufkauf der Landesprodukte die kleineren Dorf-märkte.

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Verkehr

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Waldwirtschaft

Am 17. April 1906 setzt das Gouvernement von Togo Prämien aus für die Anpflanzung von Frucht- und Nutzholzbäumen, die allerdings fast ausschließlich den Missionen für ihre Schulen und Gemeinden zugute kommen.

Im Haushaltsplan der Kolonie für das Jahr 1906 sind auch die Mittel für die Entsendung eines Forstfach-mannes aus Deutschland eingesetzt. Gouverneur Graf Zech begründet diesen Schritt mit der Notwendigkeit, das spärlich bewaldete Schutzgebiet durch Aufforstung von Teilen seiner unbewohnten und unbebauten Steppengebiete wieder zu bewalden.

Der dann nach Togo berufene Forstbeamte Oskar Metzger stellt die Waldbestände des Schutzgebietes fest und kommt zu dem Ergebnis, daß schätzungsweise 60 % des Landes, gleich 52.000 qkm, aus Baumsavannen mit über 100 verschiedenen Baumarten besteht. Im äußer-sten Norden der Kolonie ist eine Baumsavanne aus Akazien zu finden. An Regenwäldern gibt es nur noch 600 qkm und 750 qkm sind mit Galeriewäldern – Uferwäldern an Flüssen – bestanden. Also nur noch 1½ % der Gesamtfläche der Kolonie besteht aus Wäldern. Metzger geht davon aus, daß in Jahrhunderten die einheimische Bevölkerung die Wälder für die Gewin-nung von Ackerflächen mit Feuer und Axt gerodet hat, so wie sie es noch immer tut. 1907 wird die erste große Aufforstung vorbereitet; in der Landschaft Nuatjä im Bezirk Atakpame in Südtogo. In 20 bis 25 Jahren soll dort ein Gebiet von 280 qkm aufgeforstet werden. Außerdem will man mit dem Wald die wasserwirtschaftlichen Verhältnisse der Gegend verbessern und den Zufluß von Wasser für das hier liegende Quellgebiet des Flusses Haho, der durch Südtogo fließt, erhöhen, zum Nutzen der Wasserverbraucher im Süden Togos. Dem Förster Fritz Gropp gelingt es in wenigen Jahren, fern der Zivilisation in der Wildnis lebend, einen Nutzwald im geplanten Aufforstungsgebiet anzulegen. Es ist ein Wald aus verschiedenen wertvollen heimischen Baumarten. Einzig der Tiekbaum aus Indien wird als landfremdes Gewächs gesetzt, wegen seines wertvollen Holzes für den Schiffbau. Seine Anpflanzung auf den Versuchs- gärten in Togo ist gut gelungen und so kann 1907 für den neuen Wald bereits auf reichlich Saatgut des indischen Baumes aus den Anpflanzungen in den Versuchsgärten zurückgegriffen werden.

Aus der Beobachtung des artenreichen einheimischen Urwaldes verspricht man sich durch die Anpflanzung eines Mischwaldes einen gegen Schädlinge widerstand-sfähigen gesunden Wald. In Deutschland hat man mit den Forsten aus nur einer Baumart schon schlechte Erfahrungen gemacht. So wird aus den modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Waldwirt-schaft in Deutschland und aus dem Urwald in Togo der neue Wald angelegt und bewirtschaftet. Durch die Anlage eines Mischwaldes kann auch ein ständiger Blattfall für die Humusbildung erreicht werden, die durch die schnelle Zersetzung von Pflanzenmaterial im tropischen Klima unterstützt wird.  

Bis 1914 hat man unter Einbezug kleiner noch vorhan-dener Waldreste einen 30 Quadratkilometer großen Wald geschaffen und will jährlich zehn Quadratkilo-meter dazu anlegen. Eine gute Bewässerung und die tropischen Wetterverhältnisse lassen den Wald schnell wachsen. Je nach Baumart erwartet man nach 50 bis 80 Jahren die Ernte wertvollsten Holzes. Auch eine 14 Kilometer lange Schmalspurbahn für die Abfuhr des jetzt schon gewinnbaren Holzes zum nächsten Bahnhof in der Stadt Nuatjä ist verlegt. 

Waren in den ersten zwei Jahren der Waldaufforstung Steuerarbeiter eingesetzt, so kann man bald freie Arbeitskräfte gewinnen, die sich beim Wald ein Dorf bauen dürfen – nach deutschen Geboten der Reinheit, um der Ausbreitung von Krankheiten vorzubeugen – und ihnen wird Farmland beim Dorf gegeben, für den Anbau von Lebensmittel für sich und ihre Familien, und ihnen wird auch die notwendige Arbeitszeit für die eigene Landwirtschaft frei gegeben. Förster Gropp ach-tet auch darauf den Dorfbewohnern gelegentlich ein von ihm geschossenes Wild als Festbraten zu spendieren. So gewinnt man mitten in der Wildnis einen Stamm von Waldfacharbeitern.

1909 beginnt man auch in der neuen Waldung mit Regenmessungen, um die ebenfalls beabsichtigte Ver-besserung des Klimas des Landes mit wissenschaft-lichen Daten nachweisen zu können. Dafür soll schließ-lich eine ganze meteorologische Station im neuen Wald entstehen und die 1914 in Deutschland bestellten Apparaturen für die ständige Messung der Lufttem-peraturen und der Luftfeuchtigkeit sollen sowohl im Wald als auch einige Kilometer weiter in der Baum-savanne aufgestellt werden, um Vergleichszahlen zu gewinnen.

Schon 1911 schickt die britische Regierung Dr. Unwin, den Chef des Forstwesens des britischen Protektorates Südnigerien, nach Togo zur Besichtigung und Ein-schätzung des deutschen Waldes. In seinem 1912 erschienenen Report on the Afforestation of Togo with teak and African timber trees beziffert Unwin den Wert des 1911 gerade einmal vier Jahre alten Wald auf »mindestens 200.000 Goldmark«. Bis dahin waren vom deutschen Gouvernement 35.000 Goldmark für die Schaffung des Waldes eingesetzt worden.

Die Aufforstungen bedeuten für die Kolonie langfristige Investitionen, die sich erst in vielen Jahrzehnten aus-zahlen können, und beweisen den weit vorausschau-enden Blick des Gouverneurs Zech. Gleichzeitig ist die deutsche Forstverwaltung bestrebt, die gesamte Holz-wirtschaft des Schutzgebietes in ihre Hände zu be-kommen, denn der wilde Holzeinschlag durch die Weißen für ihre Bedürfnisse, den sie bei schwarzen Holzfällertrupps in Auftrag geben, schädigt ebenfalls die Wälder, insbesondere auch durch Zerstörungen am Wald durch unsachgemäßes Fällen und Verarbeiten des geschlagenen Holzes.

Mit der »Schutzwaldverordnung« vom 5. August 1912 kann jede Bewaldung in Togo unter staatlichen Schutz gestellt werden, sofern der Wald der Wasserwirtschaft dient oder sonstige für den Umweltschutz wichtige Gründe vorliegen. Paragraph 3 der Verordnung lautet: »Vor Erlaß der Bekanntmachung [einen Wald zum Schutzwald zu erklären] hat zur Prüfung der Frage, ob die Erhaltung einer Waldung im öffentlichen Interesse liegt, eine amtliche örtliche Besichtigung stattzufinden, zu der der Waldeigentümer und sonstige Nutzungs-berechtigte hinzuzuziehen und mit ihren Anträgen zu hören sind.« Und nach Paragraph 4 der Schutzwald-verordnung müssen enteignete Waldbesitzer oder Nutzungsrechte entschädigt werden. Seit 1913 bereist ein Forstassessor Waldgebiete, die würdig des Schutzes sein könnten, und als erster Wald wird im Juni 1914 eine Waldung südwestlich der Station Misahöhe zum Schutz des Quellgebietes des Flusses Avé zum Schutzwald erklärt.

Im April 1914 kann die Forstverwaltung endlich die Waldnutzung vollständig in ihre Kontrolle nehmen, durch die Verordnung des Gouverneurs: »Die Gewin-nung von Brennholz zur Heizung von Maschinen und maschinellen Anlagen sowie von Schnittholz bedarf der Genehmigung des Gouverneurs.«


Die Kolonie fördert den Export von Kapok durch das Setzen von Seidenbaumwollbäumen. Aus den feinen Fasern in den Kapseln, die die Samen des Seiden-baumwollbaumes umhüllen, wird Kapok – Pflanzen-daunen – gewonnen, für Polsterungen, als Füllmaterial und für Rettungsringe, da er sehr leicht ist und kein Wasser annimmt. 1910 werden als erster Versuch annähernd 100 Ballen Kapok im Gewicht von je 125 Kilo vom Gouvernement nach Deutschland auf den Ham-burger Markt verschifft und kann sich dort gut gegen den Kapok aus dem holländischen Java behaupten. Durch den Erfolg des Togo-Kapok lenkt das Gouver- nement die Aufmerksamkeit der Bevölkerung verstärkt auf die Gewinnung der Kapokfrucht. Die Bezirksleitung von Kete-Kratschi läßt um verschiedene Dörfer von 1911 bis 1914 rund eine viertel Million Kapokbäume an-pflanzen. Durchschnittlich ab dem sechsten Jahr fängt der Kapokbaum an Früchte zu tragen. Die an den Flüssen lebende einheimische Bevölkerung nutzt das weiche und leichte Holz des Seidenbaumwollbaumes gerne zur Herstellung von Kanus.

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Landwirtschaft

Die landwirtschaftliche Erzeugung der Kolonie liegt fast ausschließlich in den Händen der Einheimischen. Nur drei deutsche Plantagengesellschaften gibt es im Land, 1904, 1907 und 1911 gegründet. Die Pflanzungsgesell-schaft Kpeme (1904) hat ihre Kokospflanzungen bei Kpeme an der Küste. Die Agu-Pflanzungsgesellschaft (1907) hat ihre Pflanzungen am Agu und betreibt als Hauptkulturen Kakao und Baumwolle. Die Togo-Pflanzungsgesellschaft (1911) hat ihren Betrieb nahe der Küste in Kpeme und kultiviert vorherrschend Kokos-palme, Baumwolle und die Sisalagave. 1343 Hektar Land sind 1913 in Togo unter Plantagenkultur.

Die Ausfuhren Togos betreffen die für ein tropisches Land typischen Produkte wie Ölpalmkerne und Palmöl. Diese über See getätigten Ausfuhren belaufen sich bei den Palmkernen im Jahre 1905 auf 2965 Tonnen, 1908 4963 und 1911 13.247, fallen dann aber wegen der geringen Regenfälle des Jahres 1912 auf 7087 Tonnen 1913 ab. Das gleiche ist beim Palmöl zu sehen: 1905 422 Tonnen, 1908 1331, 1911 3965 und 1913 1135 Tonnen. Von der Dürre des Jahres 1912 sind natürlich auch alle anderen landwirtschaftlichen Güter betroffen. In gerin-gen Mengen werden auch Kautschuk, Rohbaumwolle, Erdnüsse und Kopra gewonnen. An Elfenbein wird 1908 noch 5,3 Tonnen exportiert und 1912 2,4 Tonnen. Der Anbau des begehrten Kakao macht Fortschritte. 1904 10,6 Tonnen, 1910 werden 137 Tonnen Kakao ausgeführt, 1912 sind es schon 283 Tonnen und 335 Tonnen im Jahr 1913. Das »Kakaofieber« ist aus der Nachbarkolonie Goldküste herübergekommen. Der Boom beim Anbau von Kakao durch die einheimische Bevölkerung läßt sich aus dem hohen Wert von Kakao erklären. Zum Beispiel wird je nach Qualität 50 bis 60 Goldmark für 50 Kilo Kakao Anfang 1914 am Hamburger Markt erzielt, während beim Anbau von Ölpalmen je nach Qualität in Hamburg zur gleichen Zeit 20 bis 50 Goldmark für 50 Kilo Palmöl gezahlt werden. Allerdings ist der Anbau von Kakao wesentlich schwieriger und anfälliger gegen Schädlinge als der von Ölpalmen. Die togolesischen Bauern sehen jedenfalls ganz genau auf die Preise für ihre Waren auf dem Weltmarkt und bauen ent-sprechend an.

Der für die Forstwirtschaft im Lande zuständige Refe-rent Oskar Metzger hat aber schon 1911 in seiner Schrift Die Forstwirtschaft im Schutzgebiet Togo darauf hinge-wiesen, daß der Kakaoanbau der fruchtbare Waldböden braucht und die Wasserbedingungen des Waldes, Wald in dem waldarmen Land zerstört. Mit der Schutz-waldverordnung von 1912 ist dann die Handhabe für ein übermäßiges ausgreifen des Kakaoanbaus gegeben.

Bei der Baumwolle werden 1904 108 Tonnen ausgeführt und seit 1909 durchschnittlich 500 Tonnen im Jahr. Für die Gewinnung von Baumwolle aus Rohbaumwolle werden von 1906 bis 1908 acht Entkernereien in den Baumwollanbaugebieten aufgebaut, um dadurch die Transportpreise zu senken, was den Anreiz zum Anbau für Baumwolle erhöht und der erste Schritt der Baum-wollverarbeitung gleich im Land fördert auch Handel und Wandel in der Kolonie. 1912 wird von der land-wirtschaftlichen Abteilung des Gouvernements die systematische Saatzucht für Baumwolle in drei Saat-zuchtstationen eingeführt. 

Interessant ist die Entwicklung beim Mais. Wird 1906 7439 Tonnen ausgeführt, so 1908 29.989, 1910 3394, 1912 344 aber 1913 wieder 2492 Tonnen. Der Maisanbau liegt vollständig in den Händen der Einheimischen, die sich unmittelbar auf die Ankaufpreise auf den internatio-nalen Märkten für Mais in ihrem Anbau und Verkauf ausrichten. Das ungünstige Verhältnis vom Gewicht zum Wert beim Mais läßt ihn nur bei guten Transport-wegen noch auf dem Weltmarkt verkaufsfähig machen. So erstreckt sich der Anbau von Exportmais hauptsäch-lich an den Gewässern und den Bahnlinien im Süden Togos. Wie die Kokospalme ist auch der Mais erst durch die Portugiesen im 16. Jahrhundert nach Afrika gekom-men und hat in den südlichen Bezirken die einheimi-sche Hirse verdrängt. Die Kokospalme wurde aus Süd-ostasien nach Afrika und die Karibik gebracht und der Mais kam von den Indianern Mittelamerikas durch die Portugiesen und Spanier in die Welt.


Die Viehzucht beschränkt sich aufgrund der Verbrei-tung der Tsetsefliege auf die Nordbezirke. Nur Kleinvieh kann sich überall halten und so sind Schafe, Ziegen und Schweine überall in der Kolonie vorhanden. Zur Ver- besserung des heimischen kleinen schwarzen Land-schweins hat 1908 die Landeskulturanstalt in Nuatjä Berkshire-Eber aus Deutschland eingeführt. Durch die Kreuzung mit dem heimischen Landschwein ist eine frühreife und mastfähigere Rasse entstanden, deren Ferkel von den Einheimischen der Umgebung zur Verbesserung ihrer Landschweine gekauft werden.

Die Hühnerzucht ist überall im Land hochentwickelt, denn ein Huhn im Topf ist jedermanns anliegen. Nur die Eierlegequalitäten der heimischen Hühner sind nicht besonders. Die Verwaltung hat zunächst die Europäer an der Küste von Togo auf die Möglichkeiten der Hühner-zucht aufmerksam gemacht. So gründet sich 1908 in Lome ein Hühnerzüchterverein und erzielt mit aus Deutschland importierten hochgezüchteten Rassen gute Erfolge. Die eingeführten Hühner sind gute Legehennen und die schnell mit den heimischen Hühnern ent-standenen Kreuzungen ergeben ein wesentlich verbes-sertes Landhuhn für die schwarze Bevölkerung.

Im ganzen Land gibt es nur die nur wenig ertragreiche Hackkultur. Selbst in den Gegenden mit Viehzucht gibt es keinen Pflug. So wird 1906 von der Ackerbauschule in Nuatjä eine Anzahl der alljährlich eingestellten jungen Eingeborenen aus den viehreichen Bezirken für den dreijährigen Lehrgang auch in der Handhabung des Pflugs ausgebildet. Nach dem Lehrgang werden sie in verschiedenen Bezirken angesiedelt und bekommen Ackerland, Pflug und Zugvieh gestellt, aber sie kehren schnell zum Hackbau zurück. Das Vieh wird von den Einheimischen nicht als Zugtier verwendet und so ist die Abrichtung von Zugtieren unbekannt. So ist der Versuch der Einführung der Pflugkultur vorerst gescheitert.


Die Jagd spielt für die Ernährung der einheimischen Bevölkerung keine große Rolle. Im Süden von Togo ist der Wildbestand aufgrund der hohen Besiedlungsdichte sowieso gering; im dünn besiedelten Norden, wo sich das typische afrikanische Wild wie Affen, Löwen, Leo-parden, Geparden, Hyänen, Büffel, Antilopen, Elefanten, Flußpferde und Krokodile befindet, wird wesentlich mehr gejagt. Einerseits die Pürschjagd auf Antilopen, Büffel und Elefanten, zum anderen die den Wildbestand gefährdende Treibjagd in Verbindung mit Grasbränden. In der Trockenzeit, wenn das Steppengras vollständig vertrocknet ist, meist Mitte Januar, versammeln sich die waffenfähigen Männer und die Jugendlichen einer Ort- schaft oder einer Gegend und ziehen in die unbewohnte Steppe, wo sie eine große Fläche im weiten Kreis herum anzünden und das Feuer Richtung des Inneren der Fläche brennen lassen, wo sich die flüchtenden Tiere versammeln, bis sie aus der Enge ausbrechen und dabei von der Schützenkette beschossen werden. Es wird alles geschossen, einschließlich der trächtigen Tiere und Muttertiere und ihre Jungtiere.

Bei einigen Stämmen werden auch lange Netze bei der Treibjagd verwendet.

Wurde früher nur mit Speer und Pfeil und Bogen gejagt, so wird jetzt mehr und mehr mit der Dänenflinte auf Jagd gegangen. Dieses den Eingeborenen erlaubte primi-tive Gewehr ist immerhin treffsicherer als die ursprüng-lichen Jagdwaffen der Schwarzen. Im Süden beherr-schen oft nur noch alte Leute den Umgang mit den traditionellen Waffen und auch im Norden hält das Gewehr mehr und mehr Einzug. Jährlich werden um die 10.000 Dänenflinten nach Togo eingeführt, aber 1910 sind es schon 17.000. Mit der Steigerung des Verkaufs der Gewehre geht die Verminderung des Wildbestandes Hand in Hand. Die Verwaltung kann sich aber trotzdem nicht zu einer Einschränkung des Verkaufs der Gewehre entschließen, um keinen Unmut in der Bevölkerung zu erzeugen und sie will außerdem nicht dem Waffen-schmuggel über die langen kaum zu kontrollierenden Grenzen des Landes Vorschub leisten. Auch andere Maßnahmen der Jagdeinschränkung werden erwogen, aber für nicht sinnvoll erachtet, bis in zukünftiger Zeit durch eine allgemeine Hebung der Bildung der Bevöl-kerung ein Verständnis für Jagdeinschränkungen zum Schutz der Tierwelt vorhanden ist.

Was aber vom Gouvernement getan wird ist die Ein-richtung von Wildreservaten in unbewohnten Gegen-den mit der »Verordnung über die Anlage von Wildschongebieten« vom 26. Juli 1913. Bereits im Juli werden die ersten beiden Schongebiete erklärt und im Mai 1914 wird auch die große Aufforstung in der Landschaft Nuatjä zum Wildschongebiet.