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Verkehr VI

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Die Deutschen und ihre Verwaltung III

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Die Menschen II

Es wütete ein ewiger Krieg um die Vorherrschaft auf den Inseln zwischen den Herrscherfamilien. Die Kriege der Samoaner sind allerdings nicht im westlichen Sinne zu verstehen. Otto Ehlers, ein Reiseschriftsteller, der 1895 Samoa besucht, schreibt:

»Das Benehmen der kämpfenden Parteien in Samoa ist in jeder Beziehung ritterlich. Man schlägt sich nur nach voraufgegangener Anfrage und kämpft weder nächtli-cherweise noch an Sonntagen. Die Frauen verkehren zwischen den Parteien ungehindert und bringen aus dem Lager, in dem sich ein Überfluß an Patronen be-findet, Munition in das, wo Mangel daran herrscht.«

Unter der deutschen Kolonialherrschaft werden dann die Kriege der Samoaner beendet.


Nach der Volkszählung von 1902 leben 32.612 Samoaner in Deutsch Samoa. Die Volkszählung von 1912 ergibt 34.432 Eingeborene.

Auch in die samoanische Bevölkerung dringt europäi-sches Leben ein. Das leuchtende Herdfeuer wird mehr und mehr durch die Petroleumlampe ersetzt. Ver-schließbare Truhen weisen auf ein Abbröckeln der traditionellen Ehrlichkeit hin. Nähmaschinen sind sehr geschätzt, denn die alte Mattenkleidung wird durch europäische Stoffe verdrängt.

Für die Deutschen mutet es sehr eigenartig an, wenn neben dem Hause eines samoanischen Großen ein ele-ganter Einspänner hält. Fast jeder Europäer besitzt Pferd und Wagen, ein Luxus, der bei den Samoanern, die sich das leisten können, Nachahmung gefunden hat. So sind auch die alljährlich stattfindenden Pferderennen vom größten Interesse der Samoaner begleitet.

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Verkehr V

Breite, wohlgepflegte Wege, die von der Verwaltung angelegt wurden, verbinden die saubergehaltenen Sie-delungen. 

1907 wird eine vier Kilometer lange Schmalspurbahn vom Inneren der Insel an die Ladebrücke für den Phos-phatumschlag zu den Schiffen im Westen der Insel gebaut. Im gleichen Jahr beginnt auch die Verschiffung des Phosphats.

Am 14. Juli 1908 wird ein deutsches Postamt eröffnet. Durch die 1908 etwa monatlich Nauru anlaufenden Dampfer der Pacific Phosphate Company kann auf der Insel eben etwa einmal im Monat Post empfangen und abgeschickt werden. Bis 1913 erhöht sich die Zahl der Phosphatdampfer auf etwa vier im Monat. Dazu fährt sechs Mal im Jahr der Reichspostdampfer Germania die Insel an.

Da Dampfer nicht an der Insel anlegen können, weil ein um die 200 Meter breites Riff die Insel umschließt, gibt es zwei Festmacherbojen für die Frachter. Von zwei La-debrücken aus werden die Dampfer dann mittels Leich-tern mit dem auf der Insel gewonnenen Phosphat be-laden. Da der Leichterverkehr bei westlichen Winden unterbrochen werden muß, kann es Wochen dauern, bis ein Dampfer voll beladen ist.

Häufig kommt es vor, daß Dampfer, die wegen der Besetzung der beiden Festmacherboyen keinen Liege-platz haben, unter Dampf vor der Insel treiben müssen. Es soll vorkommen, daß sie, um Zeit für Wartungs-arbeiten in Häfen zu sparen, bei langen Wartezeiten einfach die Feuer löschen, um antriebslos in See trei-bend Maschinen und Kesselanlagen instand zu setzen.


1912 beginnt die Firma Telefunken mit der Errichtung einer Funkstation auf Nauru. Am 17. Oktober 1912 treffen der den Bau leitende Ingenieur und der Turmmonteur auf Nauru ein. Die Bauarbeiten werden durch Unfälle und Unwetter behindert. Zunächst behindern starke Regenfälle den Baubeginn. Extreme Trockenheit sorgt ab Ende Februar 1913 dafür, daß es kaum noch Wasser gibt, um Beton herzustellen. Der Telefunkenbautrupp behilft sich schließlich mit Brackwasser aus nahege-legenen Höhlen. Ein Lastwagen fällt beim Transport vom Schiff an Land zweimal ins Wasser, da einmal die Krankette bricht und das andere Mal der Haken des Schiffskrans entzweispringt. Dazu kommt der übliche Arbeitermangel. Die Eingeborenen Naurus werden durch die deutsche Verwaltung zum Teil unter Straf-androhung wie Gefängnis und Deportation zur Arbeit an der Funkstation gedrängt.  

Am 1. Dezember 1913 kann dann die Station gleichzeitig mit einer Funkanlage auf den Jap-Inseln eröffnet wer-den. Die Funkanlage ist mit einer schirmförmigen An-tenne ausgerüstet, die von einem 120 Meter hohen eisernen Gitterturm getragen wird. Die Reichweite be-trägt etwa 3400 Kilometer womit die Funkstation auf Jap erreicht werden kann. Jap wiederum ist durch Seekabel an das internationale Telegraphennetz angeschlossen, sodaß nun Nauru in kürzester Zeit weltweite Nach-richtenverbindung hat.

Mit der Inbetriebnahme der Funkstationen Jap und Nau-ru ist die erste Teilstrecke des entstehenden deutschen Funknetzes in der Südsee dem öffentlichen Verkehr übergeben. 

Für den Funkverkehr mit Schiffen im Nahbereich von Nauru bestehen Zusatzstationen mit T-förmigen Luftlei-tern.

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Wirtschaft IV

Das traditionelle Wirtschaftsgut von Nauru ist Kopra, die von einigen Handelsstationen den Eingeborenen abgekauft wird. Zur Bekämpfung einer Kokospalmen-krankheit ist auch der deutsche Völkerkundler Paul Hambruch im Auftrag der Jaluit-Gesellschaft seit 1908 auf der Insel.  

Mit dem 1906 begonnenen Abbau des Phosphates der Insel durch die englisch-deutsche Pacific Phosphate Company werden auch Einrichtungen für die nach Nau-ru geholten weißen und farbigen Arbeitskräfte geschaf-fen. Insbesondere werden Vorkehrungen in hygieni-scher Hinsicht getroffen. Eine Kanalisationsanlage mit Salzwasserbetrieb wird gebaut. Für die Krankenpflege sind die nötigen Hospitalbauten vorhanden. So schlep-pen für den Phosphatabbau angeworbene Zentralkaro-linier eine Augenkrankheit nach Nauru ein.

Eine Kondensationsanlage dient zur Gewinnung von frischem Süßwasser in regenarmen Zeiten. Auch Eis-maschinen, eine Sodawasserfabrik und Kühlräume so-wie elektrisches Licht sind vorhanden.

1907 werden 11.000 Tonnen Phosphat exportiert, 1910 sind es schon 142.000 Tonnen. 1913 werden 46 Dampfer abgefertigt, die 138.725 t Phosphat mitnehmen. Durch die Wetterbedingungen schwankt die Phosphatgewin-nung.

Die Phosphat-Gesellschaft beschäftigt 1913 auf Nauru um die 60 Weiße, 100 Chinesen und 650 Karoliner. 1914 sind es neben den Weißen 550 Chinesen und 500 Karoliner. Die Chinesen und Karoliner leben auf Nauru streng getrennt von der einheimischen Bevölkerung.


Der Abbau des Phosphats ist sehr einfach durch Tagebau zu bewerkstelligen. Die Ertragsfähigkeit ist allerdings sehr von der Witterung abhängig. Trockene Jahre brin-gen reichen Ertrag, regenreiche verlaufen ungünstiger. Die Gesellschaft ist nämlich vertraglich verpflichtet, Phosphat zu liefern, dessen Feuchtigkeitsgehalt fünf Prozent nicht übersteigt.

Da die künstliche Trocknung in den Trockenöfen den Betrieb sehr verlangsamt, wird in der Regel nur ein Teil des Phosphats künstlich getrocknet, der dann mit nur natürlich getrocknetem, von höherem Feuchtigkeits-gehalt vermischt wird. Je größer die Schwierigkeiten der natürlichen Trocknung durch feuchte Witterung, desto geringer der Ertrag.

Durch einfache, leicht versetzbare Bedachungen sucht man unter den unter Bearbeitung genommenen Gelän-destücken dieser Schwierigkeit Herr zu werden. Lang-anhaltende Trockenheit ist daher für die Phosphatge-winnung außerordentlich günstig, um so mehr leiden die Kokospalmen darunter und die Kopraausfuhr sinkt dann bis auf Null.

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Die Insel

Nauru ist die westlichste Insel der Gilbertgruppe und am Äquator gelegen. Die rundliche Insel hat eine Fläche von 20,1 Quadratkilometern und besitzt Höhen von bis zu 70 m, einen kleinen See, den Arenibek, und zahl-reiche Höhlen. Ein Riff von 150-300 m Breite umgibt die Insel. Nauru hat große Lager von Phosphat.

Die wichtigste Pflanze der Insel ist die Kokospalme, wel-che in einem äußeren und einem inneren Ring den Strand und den Binnensee Arenibek umsäumt. Sonst ist die Vegetation dürftig und besteht aus Pandanus, Papa-yas, Wassermelonen und den auf Koralleninseln ver-breiteten Sträuchern und Gräsern.

An Tieren finden sich auf der Insel nur Insekten und Seevögel.

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Die Insel

Nauru liegt am Äquator und ist die westlichste Insel der Inseln der Gilbertgruppe. Sie ist ein rundliches Eiland mit großen Lagern von phosphorsaurem Kalk. Nauru hat eine Fläche von 21 Quadratkilometern und besitzt Höhen von bis 70 m, einen kleinen See, den Arenibek, und zahlreiche Höhlen. Ein Riff von 150-300 m Breite umgibt die Insel.

Das wichtigste Gewächs der Insel ist die Kokospalme, welche in einem äußeren und inneren Ring den Strand und den Binnensee umsäumt. Sonst ist die Vegetation dürftig und besteht aus Pandanus, Papayas, Wasserme-lonen und den auf Koralleninseln verbreiteten Sträu-chern und Gräsern.

An Tieren finden sich auf der Insel nur Insekten und Seevögel.

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Ereignisse

Im August 1911 kommt es zu einem Streik auf den Mar-shall-Inseln, dem ersten Streik in ganz Deutsch Neugui-nea überhaupt.

Die Löhne auf den Marshall-Inseln zählen schon zu den höchsten im ganzen Schutzgebiet, aber aufgrund der günstigen Bedingungen für die Arbeiter zum Zeitpunkt des Streiks fordern sie eine Erhöhung des Tageslohns von zwei Mark auf vier Mark.

Die Streikenden nutzen einen günstigen Moment aus, als vor Jabor gleichzeitig drei Dampfer der Burns-Philp-Linie, der Motorschoner Atlas und der Reichspostdamp-fer Germania liegen und abgefertigt werden müssen. Die Forderung der Streikenden muß teilweise bewilligt werden.


Anfang Januar 1912 fährt der Kreuzer Cormoran die Atolle Eniwetok und Ujelang an. Der Stationsleiter von Jaluit hatte eine Requisition an den Kommandanten der Cormoran gerichtet, weil schwere Stürme über Eniwe-tok und das 120 Seemeilen nordöstlich davon gelegene Ujelang gezogen sein sollen und man will vorsichts-halber den Atollen einen Besuch abstatten, um die Lage dort zu erkunden. Es muß befürchtet werden, daß die Einwohner zu Schaden gekommen sind oder mindes-tens an Nahrungsmittelknappheit leiden. Der Komman-dant der Cormoran nimmt die Requisition an und so werden dem Kriegsschiff von der Regierungsstation Jaluit Proviant für diese Atolle mitgegeben.

Eniwetok hat eine Lagune von rund 1000 qkm Fläche mit einem Durchmesser von bis zu 37 Kilometern, die umsäumt ist von 40 Inseln mit zusammen 6 qkm Land-fläche mit einigen hundert Einwohnern. Am 3. Januar erreicht die Cormoran die Hauptinsel Eniwetok vom Atoll Eniwetok. Kommandant Paul Ebert schreibt über die Einfahrt in die Lagune:

»Obgleich wir hier nirgends unter 20 Meter Wassertiefe feststellten, war bis auf den Grund in dem kristallklaren Wasser alles auf das deutlichste erkennbar. Mehrfach boten sich aufregende Momente, wenn das Schiff, sich auf der langen Ozeandünung mächtig hebend und sen-kend, über riesige Korallenblöcke dahinfuhr, die dicht unter dem Kiel zu liegen schienen und deren Berührung für den braven Cormoran unfehlbare Vernichtung be-deutet hätte.«

Die Jaluit-Gesellschaft ließ die Inseln von den Eingebo-renen mit Kokospalmen bepflanzen. Die Bewohner wer-den zweimal jährlich mit Lebensmitteln versorgt und die Kopra abgeholt und so sind die früher unsicheren Ernährungsverhältnisse der Eingeborenen nun gesi-chert.

Kommandant Ebert: »Gegen achteinhalb Uhr früh ka-men wir dann glücklich nördlich der Hauptinsel [Eni-wetok] zu Anker, und ich begab mich alsbald mit einer Jolle in Begleitung einiger Offiziere und Leute an Land.

An der Landungsstelle war die etwa 40 Köpfe umfas-sende Einwohnerschaft mit ihrem Häuptling Piter ver-sammelt. Es war ein faules, habgieriges und ungefälliges Volk, das uns bei der Abfahrt nicht einmal beim Zuwas-serbringen unseres Bootes behilflich sein wollte. Teil-weise wurde noch die alte Mattentracht getragen, wie auch die Segelkanus noch mit Mattensegeln ausgerüs-tet waren. Von einem stärkeren Sturm hatte man nichts gemerkt. Eine Wanderung über die Insel zeigte uns in guter Verfassung dastehende Kokospflanzungen. Auf-fallend war die ziemlich beträchtliche Höhe der Insel – bis zu sieben Metern. – Geradezu jämmerlich waren die Wasserverhältnisse. Ein unsauberes, roh gebuddeltes Loch von etwa Metertiefe, mit schmutzigem Brackwas-ser gefüllt, diente gleichzeitig als Trink- und Wasch-platz. Für die Ungeheuerlichkeit dieses Zustandes schien unseren eingeborenen Begleitern jedes Ver-ständnis zu fehlen.

Auf der Rückfahrt zum Schiff wurden wir von einem schrecklichen Fliegenschwarm hartnäckig verfolgt, des-sen wir uns durch heftiges Schlagen und Wedeln mit den Kleidungsstücken zu entledigen suchten, um die Eindringlinge nicht mit an Bord zu schleppen.«

Die Cormoran erhält Besuch von einem Kanu von Eni-wetok-Bewohnern für ein Tauschgeschäft von tobacco gegen rote Korallenzweige. Gut mit Tabak versorgt klet-tern die Eniwetoker wieder in ihr längsseits angebunde-nes Kanu und freundlich winkend segeln sie heimwärts.

Am 4. Januar erreicht die Cormoran Ujelang, ein 13 See-meilen langes Atoll mit einem Dutzend Inseln und der Hauptinsel Ujelang. Der Erste Offizier geht mit einigen anderen Offizieren an Land und sie finden Herrn Schnuhr und seine Leute wohlauf. Ujelang ist allerdings von zwei schweren Stürmen getroffen worden. 850 Kokospalmen sind umgeweht und die Brotfrucht-bäume. Von allen stehen gebliebenen Palmen sind sämtliche Kokosnüsse und Blüten herabgeweht.

Herr Schnuhr ist sehr überrascht von dem Besuch. Nor-malerweise kommt einmal im Jahr Kapitän Olsen mit seinem Schoner der Jaluit-Gesellschaft vorbei, holt die Kopra ab und bringt Lebensmittel, Tabak, Mehl und Konserven. Als dem Deutschen klar wird, daß dieses Kriegsschiff tatsächlich seine Inseln anläuft, läßt er sich noch schnell die Haare von einer alten Frau schneiden, ein Junge wetzt währenddessen Rasiermesser und sucht die Seife, ein anderer weißt die ziemlich verschimmel-ten Schuhe mit Schlemmkreide und ein Mädchen holt den weißen Tropenanzug aus seiner Kiste und bügelt ihn schnell auf einer Decke auf dem Fußboden. Die Stube wird ausgefegt und die von den vielen Hühnern zerzauste nähere Umgebung der Hütte glatt gefegt und auch die Kanaker binden sich für den Staatsempfang ein Lavalava um. Schnell wird noch die schwarzweißrote Reichsflagge gehißt und schon ist auch das Boot des Kriegsschiffes am Landesteg.  

Normalerweise trägt Herr Schnur nur Lavalava und Strohhut auf seinem braungebrannten Körper. Er ist ganz und gar ein Südseeinsulaner geworden, der vor 28 Jahren Deutschland verlassen hat und seit 15 Jahren auf Ujelang wohnt. Er hat ein Palmenblätterhäuschen, das ihm völlig reicht, und Arbeiter aus Jaluit und Ponape für die Kokosplantage. Als König in seinem kleinen Insel-reich ist er bestens mit allem vertraut, er weiß, auf wel-cher Insel die Riesenschildkröten gefangen werden können und paßt auf, daß für seinen Mittagstisch, wenn von ihm gewünscht, eine Schildkröte serviert wird, ohne das der Bestand dadurch gefährdet ist. So weiß er wo die Kokoskrabben für seinen Speiseteller zu finden sind und Jams, Bananen und Kokosmilch gibt es genug. Auch Hühner werden gehalten und Fisch gibt es selbstver-ständlich auch genug und sein Dienstpersonal kümmert sich um alles.

Seine Tageszeitung ist sein Barometer, das er täglich ab-liest und danach sein Volk auf die verschiedenen Arbei-ten verteilt, wie Kokosnüsse öffnen, das Fleisch heraus-schneiden und zum Trocknen ausbreiten, Fischernetze flicken und dergleichen. So ist der Inselkönig glücklich mit seinem Leben und sein einziges ernsthaftes Pro-blem hat er auf seine Weise gelöst. Wenn der Schoner einmal im Jahr so im Juni vorbeikommt bringt er vier-hundert Flaschen Bier mit. Eigentlich reichen Schnuhr 365 Flaschen und in Schaltjahren 366. Aber der Schoner kommt natürlich nicht pünktlich und so hält er einen kleinen Biervorrat in Reserve. Das Problem ist nun die Kühlung des Bieres. Deshalb hat er in seiner einfachen Bretterhütte als einzigen Schmuck unter Glas und Rah-men eine Winterlandschaft an der Wand hängen. Davor ist ein kleines Wandbrett auf das morgens die schwarze Mary eine volle Bierflasche vor die Schneelandschaft stellt. Abends bildet sich der Inselherr dann ein, daß das Bier gut gekühlt zum trinken ist.

In diese glückliche Welt des Insulaners bricht nun das Kriegsschiff ein. Die Eingeborenen staunen, daß sich ihr Herr am Steg unbewaffnet den landenden Soldaten ent-gegenstellt. Erstaunt ist der Inselherr, daß es ein deut-sches Kriegsschiff ist, hat er doch in dieser Weltferne einen Kreuzer der meerebeherrschenden englischen Flotte erwartet.

Schnuhr führt die gelandeten Offiziere und Matrosen über seine Insel und schließlich sitzen die Offiziere mit ihm am Tisch. Die Herren der Handelsgesellschaft auf Jaluit hatten den Offizieren gesagt: „Der sitzt schon seit fünfzehn Jahren in Ujelang, der muß mal runter, das hält ja kein Mensch aus!“

„Also Herr Schnuhr, Sie kommen doch mit uns? Sie sind bis Ponape unser Gast. Sehen sie mal, so gut paßt das nie wieder. Sie bleiben dann in Ponape ein paar Tage, dann kommt gerade der Postdampfer, mit dem gehen sie nach Jaluit, und dann fahren Sie in sechs Wochen mit Käpt’n Olsen wieder zurück!“

„Nein, nein, das ist gänzlich ausgeschlossen. Sehen sie mal, auf Ponape und Jaluit sind lauter fremde Men-schen, – was soll ich dort, hab’ ja gar nischt dort ver-loren. – Und wer soll denn hier den Tabak an die Arbeiter verteilen, – nein, das ist gänzlich ausgeschlossen. Vielen Dank, aber lassen Sie mich, bitte, hier. Lassen Sie mich, bitte, in Ujelang! Was soll ich bei den fremden Men-schen?“

Zufälligerweise hatte Schnur für diesen Tag Auftrag ge-geben eine Riesenschildkröte und ein paar Kokoskrab-ben, die übrigens wie Hummer schmecken, zu holen und nun schenkt er diese Gaben der Natur mit einigen Eiern seinen Besuchern, die ihn natürlich auf seiner Insel belassen.

Der glückliche Schnur winkt dem davondampfenden Schiff noch lange mit seinem Strohhut frohe Abschieds-grüße nach.  

Die wertvollen meteorologischen Beobachtungen von Schnuhr für die Deutsche Seewarte in Hamburg werden vom Kommandanten der Cormoran der Seewarte zuge-stellt.

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Siedlungen

Jaboran

Jaboran ist die Europäer-Siedlung auf der Nordspitze der Insel Jabor im Jaluit-Atoll. Das Jaluit-Atoll besteht aus 91 Inseln mit 11 qkm Landfläche. Das Atoll umschließt eine Wasserfläche von 690 qkm. Jabor ist die größte Insel des Jaluit-Atolls. Jaboran liegt an der Südostdurchfahrt zur Lagune von Jaluit. Jaboran verfügt über mehrere Lan-dungsbrücken sowie eine Post- und Kohlenstation. Hier befindet sich die Hauptniederlassung der Jaluit-Gesell-schaft und Niederlassungen von Missionsgesellschaf-ten. Jaboran ist auch der Sitz der Regierungsstation für die Marshall-Inseln.

Die weiße Bevölkerung auf der Insel Jabor beläuft sich auf etwa 30 Personen. Es sind Regierungsbeamte, die Angehörigen der Missionen und die Angestellten der Jaluit-Gesellschaft, des einzigen europäischen Unter-nehmens, das auf Jaluit besteht.

Das ›Germania-Hotel‹ und die Wohnhäuser der Deut-schen bilden die Treffpunkte des gesellschaftlichen Lebens in Jaboran. Bei einem Bierabend beim Stations-leiter können auch eingeborene Häuptlinge mit ihren Frauen geladen sein und junge Mädchen führen Tänze unter Begleitung ihres Gesanges vor.

Am Strand von Jaboran entlang läuft eine Häuserreihe der Weißen und Hütten der Eingeborenen. Die Nieder-lassung der Eingeborenen liegt an der nördlichsten Spitze von Jabor mit der Residenz des alten Häuptlings Litokwa.

Die Hundehütten ähnlichen Aufbauten der Auslieger-boote, die auf den Booten als Schlafplätze dienen, sieht man auch häufig an Land vor den Hütten der Ein-heimischen stehen. Ein Weg nach Süden von Jaboran führt nur eine halbe Stunde wegs bis zur ›American town‹, eine verlassene Handelsniederlassung einer Firma aus San Francisco, wo die australische Burns-Philp-Linie ein Kohlenlager unterhält.

Von einem vor Jabor vor Anker liegendem Schiff kann man bis auf den Grund des durchsichtigen, klaren Was-ser der Lagune schauen und zahllose Schwärme von Fischen beobachten, darunter große, bläulich strah-lende Exemplare, die nachts wie ein Widerschein der Sterne im Wasser leuchten. Auch Seeschlangen kann man beobachten.

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Umsiedlungen I

Am 30. Juni 1911 erreicht die SMS Cormoran Ponape. Der Hauptgrund für das Erscheinen des Kriegsschiffes ist eine nochmalige Machtdemonstration gegenüber der einheimischen Bevölkerung nach dem Aufstand der Jokojs ein halbes Jahr vorher. Doch die Lage hat sich voll-kommen beruhigt und die Cormoran wird vom Bezirks-amtmann für eine anderweitige Angelegenheit ge-braucht, die aber auch im Zusammenhang mit dem Aufstand steht. Durch die Deportation der Dschokadsch-Leute auf die Palau-Inseln ist die dem Hafen von Ponape vorgelagerte Insel nun fast entvölkert und Bezirksamt-mann Regierungsrat Dr. Kersten will nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und die von Taifunen bedroh-ten Bewohner von kleinen Atollen nach Dschokadsch umsiedeln und so die Bewohner vor den Naturkatastro-phen schützen und gleichzeitig die Dschokadsch-Insel wieder besiedeln. Da die Umsiedlung freiwillig erfolgen soll sind Häuptlinge der östlich von Ponape liegenden kleinen Atolle Pingelap und Mokil beim Bezirksamt anwesend und haben sich erboten, einen Teil ihrer Stammesangehörigen zur freiwilligen Übersiedlung zu veranlassen. Es fehlt aber an Fahrgelegenheiten und so bittet Kersten den Kommandanten der Cormoran diese Aufgabe zu übernehmen. Paul Ebert, der Kommandant von Cormoran:

»Angesichts der Wichtigkeit der Angelegenheit ent-schloß ich mich, der Bitte des Bezirksamtmanns zu entsprechen und den Transport mittels Cormoran zu bewerkstelligen. Am Sonnabend, den 1. Juli, nahm ich im Bezirksamt an einer Versammlung teil, in der der Bezirksamtmann den Häuptlingen von Pingelap und Mokil in meiner Gegenwart die letzten Anweisungen gab; die Abfahrt dorthin wurde auf Dienstag, den 4. Juli, acht Uhr festgesetzt. Ein malerisches eigenartiges Bild, diese Versammlung: In der Mitte, auf Stühlen sitzend, der Bezirksamtmann und ich, zur Seite der Dolmetscher; am Boden im Halbkreis mit untergeschlagenen Beinen hockend die Häuptlinge, mit klugen, aufmerksamen Augen an den Lippen des Sprechers hängend, im Hin-tergrunde auf den Stufen der offenen Veranda der weib-liche Anhang der Abgesandten.«

Am 6. Juli holt die Cormoran 77 Umsiedler von den drei Inseln des Pingelap-Atolls ab. Mit ihren Kanus vollbe-laden mit Hausrat, Hunden, Schweinen und Hühnern steuern sie das Kriegsschiff an. Der Kommandant:

»Von nervigen Fäusten hilfsbereiter Matrosen wurde nach und nach die ganze braune Gesellschaft an Bord des Cormoran gezogen, wo sich das fröhliche Völkchen unter dem an Deck aufgespannten Sonnensegel bei gegenseitigem Necken und Scherzen bald unbefangen häuslich einrichtete. Der Sorge um die Verpflegung der Leute war ich enthoben, weil sie sich ihre aus Früchten bestehende Nahrung verabredungsgemäß selbst mitge-bracht hatten. Die Bekleidung der Frauen bildete meist das unter dem Einfluß der Missionare eingeführte, scheußliche Hemdkleid, bei den Männern ein europäi-sches Hemd und Hose; doch begnügten sich verschie-dene, besonders unter den jüngeren Leuten beiderlei Geschlechts, mit der ihnen weit bequemeren und im Hinblick auf das feuchte Klima auch gesünderen, Ober-körper und Beine freilassenden Lendenbekleidung.«

Auch die Kanus der Leute werden an Deck geholt.

Erst nach Einbruch der Dunkelheit kann die Cormoran die 14 Übersiedler von den drei Inseln des auch kaum aus dem Wasser ragenden Mokil-Atolls aus ihren drei Kanus an Bord nehmen. »Froh, glücklich an Bord ge-langt zu sein, gesellten sie sich zu ihren Freunden von Pingelap.« Am nächsten Morgen ist das Schiff wieder in Ponape-Hafen und entläßt seine Gäste in die neue Hei-mat.

Anfang Januar 1913 ist die Cormoran nach einer Tour durch die deutsche Südseeinselwelt wieder auf Ponape. Kommandant Paul Ebert: »Meine erste Sorge war, mich nach dem Ergebnis der Überführung der Leute von Pin-gelap und Mokil, die Cormoran bei unserem letzten Besuche durchgeführt hatte, zu erkundigen und die von den Einwanderern auf Dschokadsch angelegten Dörfer zu besuchen. Ich fand vier dieser Dörfer auf Dscho-kadsch vor. Die Dörfer machten einen sauberen, ordent-lichen Eindruck, der Wegebau war auf der Insel gut gefördert, die letztere selbst mit der Hauptinsel durch einen Fahrdamm verbunden. Allerdings hatten die Leu-te ein gewisses Heimweh nach ihrer Heimartinsel noch nicht überwunden, so daß mit einer wechselseitigen Hin- und Rückwanderung einzelner Ansiedlergruppen gerechnet werden mußte.«