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Straßen II

Um 1900 ist das Straßennetz in Togo bis weit ins Hin-terland schon gut ausgebaut, nur zwischen den beiden 50 Kilometer entfernten Küstenstädten Lome und Klein Popo gibt es keine Straße, sondern nur den Marsch über den Meeresstrand.

Auch die Einheimischen wissen die neu angelegten We-ge zu schätzen. Auf den neuen breiten Verbindungswe-gen lassen sich die Lasten viel besser als auf den alten schmalen Pfaden tragen.

Mit der Eröffnung der Bahnlinien seit 1905 steigt auch die Bedeutung der Straßen. Das für afrikanische Verhält-nisse gut ausgebaute Straßennetz in Togo ermöglicht ihren Bewohnern das einfache und schnelle Heranbrin-gen ihrer Waren auch zu den Bahnen. Zwei Straßen nehmen von der Bahnstation Palime ihren Ausgang. Die eine führt am Ostrand des Gebirges über Atakpame in das Hinterland nach Sokode und die zweite geht von Palime über die Station Misahöhe nach Kpandu; sie sollte zunächst die Landschaft Kpandu der Bahn er-schließen und wurde daher besonders gut ausgebaut. Von Kpandu führt der Westgrenze entlang eine Straße schwächeren Ausbaues nach Kete-Kratschi, der deut-schen Zollstation am Volta, der Grenze zur britischen Goldküste, und von da weiter über Bimbila, Jendi nach der nördlichsten Station Sansane Mangu. Diese Linie ist insofern von Bedeutung, als sie von der Goldküste her einen der wichtigsten Handelsartikel nach dem Sudan, die Kolanuß, aufnimmt und dadurch eine Verbindung mit den großen Sultanaten der Moschi und Haussa her-stellt.

Die Zollstation Kete-Kratschi und ihre Nebenstation Jendi sind Durchgangsposten für diesen innerafrikani-schen Handelsweg. Bunte Bilder des sudanesischen Afrika ziehen kaleidoskopartig an dieser Station vorü-ber, zeigen den Reichtum manchen farbigen Karawa-nenführers und Händlers aus dem Sudan.

Im Bezirk Kete-Kratschi ist aufgrund des geringen Güteraufkommens der Straßenausbau noch am wenig-sten vorankommen.

Wie im Westen, so wird auch im Osten des Schutz-gebietes die Küste mit dem Hinterland durch eine gute Straße von Lome nach Atakpame und von da mit der von Palime her führenden Straße nach Sokode verbunden.

Außer diesen das Togoland dem Verkehr erschließen-den Hauptadern wurden zahlreiche Eingeborenenpfade – einst unübersichtlich, schmal, vielfach gewunden – in breite, recht gangbare Wege verwandelt, so daß na-mentlich Südtogo schon ein recht erschlossenes Land darstellt.

Nach Kilometern zusammengestellt, verfügt im Jahre 1913 das Schutzgebiet über rund 1215 Kilometer fahrbare Straßen. Auf die einzelnen Bezirke verteilen sich diese Straßen wie folgt:

Das ausgedehnteste Straßennetz besitzt der Bezirk Ane-cho mit 694 Kilometern. Die Straßen haben eine breite von 3,5 bis 5 Metern und liegen teils auf Laterit-, teils auf Lehmboden. Die Lateritstraßen sind jederzeit, die Lehm-straßen nur in der Trockenzeit mit leichtem Fuhrwerk befahrbar.

Im Bezirk Lome Land sind 145 Kilometer Straßen mit einer Breite von 3,5 bis 4 Meter vollendet; sie sind teils beschottert, teils mit Laterit befestigt.

Der Bezirk Misahöhe besitzt 105 Kilometer fertige und teilweise beschotterte Straßen, die zum größten Teil für Lastkraftwagen befahrbar sind.

Die im Atakpamebezirk für Wagenverkehre geeigneten Straßen haben eine Gesamtlänge von 151 Kilometern. Sämtliche Straßen besitzen Schotterdecke.

Es ist erstaunlich, mit welch einfachen Hilfsmitteln das großzügige Straßennetz erstellt wird. Heißt es doch stets mit den im Verhältnis zu der Lösung harrenden gewal-tigen Aufgaben immer spärlichen Mitteln haushalten.

Einebnung und Trassierung werden mit Unterstützung der wenigen technisch vorgebildeten Beamten des Bau-amts Lome aufgenommen. Alles andere wird dann meist von dem Leiter des einschlägigen Bezirks neben seinen sonstigen Dienstgeschäften erledigt. Dabei ist zu berück-sichtigen, daß von diesen Männern kaum einer beruf-lich eine technische Ausbildung von der Heimat mit-bringt; sie kommen aus den verschiedensten Berufen, sind Offiziere, Landwirte, Ärzte. Beigegeben sind ihnen sogenannte Stations-Assistenten, weiße Hilfskräfte aus allen Berufen, Handwerker, Schlosser, Zimmerer, Mau-erer.

Da werden die größten Straßendämme mit einwand-freien Böschungen aufgeführt, dort mächtige Einschnit-te durch das Gelände gezogen, hier wohlberechnete Durchlässe eingefügt, anderwärts Brücken aller Kon-struktionen, von einfachsten Holzbrücken bis zu kom-plizierten, ausgeklügelten Hängebrücken, gebaut. Das alles geschieht mit schwarzen Arbeitskräften, die erst zu jedem Handgriff angelernt werden mußten, sonst wäre es unmöglich gewesen, mit den vorhandenen einfachen Hilfsmitteln solche Werke zu vollenden.

Völlige Sicherheit herrscht auf den Straßen Togos. Da, wo einst vor der deutschen Besitzergreifung auf schma-len Negerpfaden Raub, Mord und gegenseitiges Erschla-gen gang und gäbe war, kann nun jeder Mann, jede Frau, jedes Kind, gleichviel welchem Stamme zugehörig, ob aus entfernten Haussaländern oder aus dem eigenen Lande kommend, unbehelligt des Weges ziehen, von Süd nach Nord, von Ost nach West. Gerade dieses Moment der Sicherheit trägt bei dem wohlentwickelten Verkehrsnetz zur ständigen Entwicklung des Handels bei.

Niemals aber hätte das in glänzendem und stets stei-gendem Ausbau begriffene Verkehrsnetz des Landes die gegebene jährliche Steigerung des Gesamthandels her-beiführen können, wenn nicht eine kluge Verwaltung den Mangel eines Hafens ausgeglichen und die Verbin-dung des Festlandes mit dem Meer durch die technisch hervorragend konstruierte, 300 Meter lange, im Jahre 1904 fertiggestellte Landungsbrücke in Lome vermittelt hätte. Die ungewöhnlich starke Meeresbrandung, wel-che das Verbringen der Güter mit Booten zu und von den Schiffen außerordentlich erschwerte und mit gro-ßen Verlusten verband, wurde durch diese Landungs-brücke mit ihrem Anschlußgleis an die Bahn und ihren drei Dampfdrehkranen bezwungen. Nach Eröffnung die-ser Brücke haben die Schiffe die Küstenstadt Anecho nicht mehr angelaufen. Um nun den Handel der dorti-gen Kaufleute nicht zu beeinträchtigen, werden die Ein- und Ausfuhrgüter auf der Küstenbahn Lome – Anecho kostenlos befördert.

Der Deutsche Kolonialatlas mit Illustriertem Jahrbuch von 1914 schreibt im Kapitel Die Entwicklung Togos im Jahre 1913:

»Das beste Zeichen für den Einzug der Kultur in der Togokolonie ist die zunehmende Verwertung des Kraft-wagens. Der Gouverneur hat verschiedene seiner Infor-mationsreisen im Auto unternommen und hat auch im Oktober dem Staatssekretär Dr. Solf gelegentlich seines zehntägigen Aufenthaltes in der Kolonie beträchtliche Teile derselben im Kraftwagen gezeigt. Zum Teil ver-kehren auch schon Lastkraftwagen.«


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Die Landungsbrücke

Da Togo keinen Hafen hat werden Menschen und Wa-ren durch die schwere Brandung der westafrikanischen Küste mit Brandungsbooten zum Strand oder zum Schiff befördert. Die geruderten Brandungsboote sind mit Be-satzungen aus Krunegern besetzt, die für je ein Jahr an-geworben werden und wenn gerade keine Bootsfahrten anliegen von den bootsbetreibenden Faktoreien mit an-deren Arbeiten beschäftigt werden. Doch die Verwen-dung der Brandungsboote ist für den wachsenden Ver-kehr ungenügend, mit Verlusten an Gütern in der Brandung verbunden, kostet obendrein immer wieder Menschenleben und ist zeit- und kostenaufwändig – wegen schwerer See kann manchmal tagelang kein Waren- und Menschentransport stattfinden. Dazu muß ein Brandungsboot auch alle zwei Jahre wegen Ver-schleiß ersetzt werden. Eine Landungsbrücke wird als Lösung des Problems angesehen. Mitte 1897 beginnen die Vorarbeiten für die Landungsbrücke. Lome, ein verkehrstechnisch günstigerer Ort als der bisherige 50 Kilometer vom Lome entfernte Haupthafenplatz Klein Popo, wird der Standort der Landungsbrücke. Mit dem Bau der Brücke wird 1902 begonnen. Die Eröffnung findet am 27. Januar 1904 statt, dem 45. Geburtstag von Kaiser Wilhelm II.

Durch ihre Länge von gut 350 m kann die gefährliche Brandung in Ufernähe überbrückt werden und am mee-resseitigen Ende, vor der Brandungszone im noch ruhi-gen Meerwasser, ist die Brücke als eine Plattform aus-gebildet, die zum Umschlag von Waren und Menschen dient. Die Landungsbrücke besteht aus Eisenwerk. Ihre Pfähle sind durch Beton geschützt. Die Breite der Brandungszonenüberbrückung mit zwei Gleisen darauf für den Verkehr von Eisenbahnwaggons beträgt sechs Meter. Die Plattform ist 10 m breit. Auf der Plattform besorgen Dampfdrehkräne den Umschlag von Waren und den Umstieg von Personen. Die Personenbeför-derung aus den Booten auf die Brücke und umge-kehrt geschieht mit Hilfe von Holzgondeln, die von den Kränen bewegt werden. Der Betrieb beginnt mit zu-nächst einem Dampfkran auf der Brücke und weitere und verbesserte Kräne kommen im Laufe der Zeit dazu.

Aufgrund des erheblichen Seegangs ist es zu riskant, mit Hochseeschiffen direkt an der Brücke anzulegen, sodaß sich diese nur auf ein bis zwei Schiffslängen der Brücke nähern. Der Transport zwischen Schiff und Brückenkopf erfolgt wegen des fast immer herrschenden Seeganges mit Booten von 3 t Ladungsfähigkeit.

Passagiere – ausgenommen Post- und Regierungs-beamte und Marineangehörige – lösen Fahrscheine, »Bootskarten«,  im Wert von drei Mark pro Person für die kurze Überfahrt zwischen Brücke und Dampfer. Güterwaggons können über die zwei Gleise, die direkten Anschluß zum Bahnhof von Lome haben, bis zu den Kränen am Brückenende gefahren werden. Am land-seitigen Ende der Brücke steht das Zollgebäude. Den Rangierbetrieb besorgt eine Tenderlokomotive der Ber-liner Firma Borsig.

Auch die Post kann nun über die Landungsbrücke abge-fertigt werden, die bisher in wasserdichten Fässern von den Brandungsbooten von oder zu den Schiffen gerudert wurde. In Säcken an Bord der Brandungsboote wäre die Post völlig durchnäßt worden. Postdampfer – kenntlich durch Postflagge – sind zudem bevorzugt vor anderen Schiffen abzufertigen.

Durch die Landungsbrücke kann jetzt auch schweres Gerät für den Eisenbahnbau in der Kolonie angelandet werden und der Bahnbau von Lome aus beginnt.   

Im Juli 1905 wird die Reede von Klein Popo gesperrt, dem bisherige Haupthafenplatz von Togo, mit der gleichzeitigen Eröffnung der Küstenbahn von Lome nach Anecho – Klein Popo war gerade in Anecho um-benannt worden. Der ganze Güterumschlag und Zoll-verkehr ist nun in Lome vereinigt. Um den Handel der Kaufleute in Anecho nicht zu beeinträchtigen, werden die Ein- und Ausfuhrgüter auf der Bahnlinie Lome-Anecho kostenlos befördert.

Die Landungsbrücke ist den unberechenbaren atlanti-schen Brechern ausgesetzt und die Eisenkonstruktion muß öfters erneuert werden. Am 17. Mai 1911 wird die Landungsbrücke in einem mächtigen Sturm aber schwer beschädigt. Der mittlere Brückenabschnitt stürzt ins Meer. Ein Augenzeuge berichtet:

»Die stolze, etwa 350 m lange Landungsbrücke war etwa 200 m abgehoben … Die Wogen begruben zeitweise die ganze Brücke und hüllten sie in Schaum und Gischt. Die Köpfe der beiden auf den vorderen Teilen stehenge-bliebenen Kräne (etwa 12 m über Meeresspiegel) sind sehr oft nicht zu sehen. Nach einem gewaltigen Brecher ist auch das auf dem Kopfe befindliche Brückenhaus verschwunden … 13 auf der Brücke stehende Wagen der Togo-Eisenbahn mit Produkten wurden mit in die See geworfen. Jeder der beladenen Wagen hatte ein Gewicht von ungefähr 11.000 kg … Kurz nach 6 Uhr früh stürzten auch die Joche 7 und 8 mit noch zwei Wagen nach. In diesen Wagen befanden sich besonders wertvolle Landeserzeugnisse wie Gummi, Baumwolle und Elfen-bein … Die großen auf der Brücke befindlichen Lan-dungsboote sind nicht wieder zum Vorschein gekom-men…«

Drei Drehkräne, einige Landungsboote und 15 Bahnwag-gons mitsamt ihrer Ladung sind verloren. Zwei Dreh-kräne auf der Landungsplattform bleiben erhalten. Da-mit ist der Landungsbetrieb über die Brücke bis zur Wiederherstellung der Landungsbrücke für mehr als ein Jahr schwer behindert. Der Verkehr muß wieder mittels Booten über den Strand erfolgen.

Die feierliche Ankunft des neuen Gouverneurs von Togo, Adolf Friedrich zu Mecklenburg, am 28. August 1912 erfolgt auf der noch im Wiederaufbau befindlichen, aber schon fast fertigen Brücke. Am 1. November 1912 kann die Anlage wieder voll in Betrieb genommen wer-den. Der neuerrichtete Brückenbereich wurde in ver-stärkter Bauweise um den eingestürzten Abschnitt herumgeführt. Dadurch erhält die vormals gerade Brücke zwei S-Kurven und verlängert sich auf 360 m. Die Verladeplattform wird auf 15 m verbreitert und ist nun mit zwei Kränen mit einer Hubkraft von drei Tonnen und einem Kran mit einer Hubkraft von sechs Tonnen versehen.

Doch auch die nun im Verladebereich verbesserte Landungsbrücke wird bald dem wachsenden Verkehr nicht mehr gerecht werden können und der Bau einer zusätzlichen zweiten, größeren Landungsbrücke neben der bisherigen wird erwogen als auch die Anlage eines Hafens. Eingehende Untersuchungen beider Möglich-keiten sind um 1912/13 bereits angestellt.

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Gesundheit I

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Transportprobleme

Ein grundsätzliches Verkehrsproblem Togos um die Jahrhundertwende beschreibt der Arzt Ludwig Külz 1902:

»Das Togohinterland besitzt große Reichtümer an Rin-derherden, aber der Transport dieser Tiere zur Küste ist bisher unmöglich, weil sie während desselben der An-steckung mit einer Seuche ausgesetzt sind, der Nagana, die ausnahmslos zum Tode führt; oft allerdings nach langem Siechtume. Hier in Togo sowohl als in Ostafrika und Kamerun herrscht in verschiedenen Distrikten die-se Tierkrankheit, die nicht nur Rinder, sondern auch Pferde zu befallen pflegt. Die Krankheit wird den Tieren vermittelt durch den infizierenden Stich der Tsetse-fliege. Die unmittelbare Küstengegend selbst ist in Togo frei von Nagana.

Abgesehen davon, daß durch diese Seuche das Hinab-treiben von Viehbeständen zur Küste für Schlacht- und Exportzwecke unmöglich gemacht wird, steht sie auch ihrer Nutzbarmachung als Zugtiere für den Lastverkehr oder den landwirtschaftlichen Betrieb entgegen. So-lange wir daher über keine Eisenbahnen oder mit dem Automobil befahrbaren Straßen verfügen, müssen alle Produkte kostspielige Beförderung auf dem Kopfe des Negers über sich ergehen lassen.«

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Eisenbahnen I
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Bahnen
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Straßen I

Gerne würde man Reittiere halten, aber die Krankheit, die die Tsetsefliege überträgt, tötet alle Maultiere und Pferde. Die wenigen Dutzend Reittiere der Schutztruppe in der Kolonie, von Beamten und einigen Weißen über-leben nur, weil sie in tsetsesicheren Ställen gehalten werden und über Nacht diese Ställe nicht verlassen dürfen. Esel sind widerstandsfähiger gegen die Tsetse und sind in größeren Stückzahlen vorhanden. Besonders schöne Maskat-Esel werden aus Arabien importiert.

Weitere Krankheiten von Nutztieren sind die dauernd von der Regierung bekämpfte Rinderpest, die Pferde-sterbe, Rotz der Pferde, Milzbrand und das durch eine Zeckenart übertragene ostafrikanische Küstenfieber, das hauptsächlich zur Schlachtung an die Küste ge-triebene Rinderherden befällt und durch wiederholte Zeckenbäder der Rinder verhindert werden kann. 

Straßen sind in der Nähe europäischer Ansiedlungen und als Verbindungswege zwischen den Hauptorten ausgebaut oder wenigstens durch den Busch geschla-gen.

Seit 1913 sind Lastkraftwagen der Berliner Firma NAG erfolgreich bei der Schutztruppe in Ostafrika im Einsatz. Es gibt ansonsten nur sehr wenige Motorfahrzeuge in der Kolonie. Mit dem Dampfer Feldmarschall, der am 2. August 1914 in Daressalam eintrifft, kommen noch ein paar Kraftfahrzeuge in das Schutzgebiet. 

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Bezirk Tabora

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Missionen IV