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Verwaltung II

Am 19. September 1907 lehnt der Bezirksamtmann von Karibib es ab, dem Farmer Rapp von der Farm Neu-Schwabenland weiterhin einheimische Arbeiter zuzutei-len. In seiner Begründung schreibt der Bezirksamtmann an Rapp: »… muß ich Ihnen zu meinem Bedauern er-öffnen, daß ich nicht mehr in der Lage bin, Ihnen von Amts wegen Arbeitskräfte zu überweisen. Sie selber wissen, daß die Arbeitsverhältnisse auf Neu-Schwaben von jeher Gegenstand meiner ernsten Fürsorge waren. Nachdem Ihnen die zu wiederholten Malen überwie-senen Hereros sämtlich nach recht kurzer Zeit entlau-fen waren, habe ich es in Anbetracht der ausdrücklichen Vorschriften des Kaiserlichen Gouvernements nicht mehr verantworten können, Ihnen Kriegsgefangene [aus den Aufständen von 1904-07] zu überweisen, und habe mich nach Kräften bemüht, freie Kaffern für sie zu gewinnen, denen gegenüber ich ein Zwangsmittel, um sie zur Arbeit an einem bestimmten Platz anzuhalten, nicht habe. Ich habe große Mühe aufgewandt, die Leute zur Arbeitsaufnahme bei Ihnen zu bewegen, denn ich erachte mich als verpflichtet, einen jungen Farmer tunlichst zu unterstützen. Zu meinem Bedauern gelang es Ihnen nicht, die Leute an sich zu fesseln und so allmählich einen festen Stamm Arbeiter zu erziehen. Immer wieder entliefen Ihnen die Leute und es ist charakteristisch, daß sie sich häufig nicht im Felde ver-bargen, sondern zur Polizei kamen, um sich hier zu stel-len. Durchweg klagten die Leute über die Behandlung, insbesondere über Mangel an ausreichender Kost.

Ich habe durch Vernehmungen versucht, den wahren Ursachen der ungünstigen Arbeitsverhältnisse auf den Grund zu kommen und habe auf Grund dieser Ermitt-lungen s. Zt. den Herrn stellvertretenden Gouverneur Regierungsrat Dr. Hintrager in Ihrer Anwesenheit Vor-trag gehalten. Die Ihnen damals gegebenen Direktiven haben Sie offenbar nicht befolgen können, denn immer wieder entliefen Ihnen Leute. Aus dem ganzen Stande der Dinge muß ich entnehmen, daß Sie es noch immer nicht gelernt haben, mit Eingeborenen unzugehen. Es kommt dazu, daß nach ärztlicher Ansicht die Ernäh-rungsverhältnisse auf Neu-Schwaben von den auf ande-ren Farmen erheblich abzuweichen scheinen. Unter-stützt wird diese Annahme durch Zeugenaussagen.

Ich habe noch einmal am 16. 8. 07, als Sie fast ganz ohne Arbeitskräfte waren, mich schweren Herzens entschlos-sen, Ihnen 8 Kriegsgefangene zu überweisen. Auch die-se Leute haben bereits einen vergeblichen Fluchtver-such gemacht, und Sie haben sich nicht gescheut, die Weiber dieser Leute durchzuprügeln, also eine Hand-lungsweise, zu begehen, die nicht einmal von Amts wegen vollzogen werden darf. … wenn Eingeborene bereits so verzweifelt sind, daß sie der Polizei erklären, lieber wollen sie im Gefängnis bleiben und täglich geprügelt werden, als daß sie nach Neu-Schwaben gingen, wenn sie ferner erklären, im Falle zwangsweiser Zuführung würden sie bestimmt wieder entlaufen, und zwar ins Feld, nicht mehr zur Polizei, weil sie da keinen Schutz fänden, so muß es in der Tat mit der Einge-borenen-Fürsorge auf Neu-Schwaben schwach bestellt sein. Wie es vornehmlich zwar meine Pflicht ist, den Interessen der Farmer zu dienen, so ist es andererseits auch meine Obliegenheit, die Menschen-Rechte auch der Eingeborenen zu schützen.«  


Das Deutsche Kolonial-Lexikon: Nach Beendigung des Eingeborenenaufstandes der Jahre 1904 ff stellte sich das Bedürfnis heraus, die Mitwirkung der Bevölkerung an der allgemeinen Landesverwaltung auf breiterer Grundlage zu organisieren. Dies geschah durch die Verordnung des Reichskanzlers, betr. die Selbstver-waltung in Deutsch-Südwestafrika, vom 28. Januar 1909. Durch sie wurde eine umfassende Selbstverwaltung in Form von Gemeindeverbänden und Bezirksverbänden eingeführt. Die Gemeinde- und Bezirksverbände sind öffentlichrechtliche juristische Personen. An der Spitze der Gemeinde steht der Gemeinderat mit dem Gemeindevorsteher als Vorsitzenden. Im Jahre 1913 gab es allein in Windhuk einen berufsmäßigen Gemeinde-vorsteher mit dem Titel „Bürgermeister“. An der Spitze des Bezirksverbandes steht der Bezirksamtmann oder, wenn der Bezirksverband einen selbständigen Distrikt umfaßt, der Distriktschef. Ihnen ist bei Wahrnehmung der Rechte und Pflichten des Bezirksverbandes ein Bezirksrat beigegeben. — An die Stelle des Gouverne-mentsrats ist nach der Selbstverwaltungsverordnung der Landesrat getreten. Er ist berufen, den Gouverneur bei der Wahrnehmung der Interessen des Schutzge-bietes zu unterstützen. Seine Mitglieder werden zur Hälfte von den Bezirksverbänden und zur Hälfte vom Gouverneur ernannt. Ferner gehören ihm die Bürger-meister der Städte Keetmanshoop, Lüderitzbucht, Swa-kopmund und Windhuk laut Ergänzungsverordnung vom 11. März 1914 an. Der Landesrat tagt unter dem Vorsitz des Gouverneurs oder eines von ihm ernannten Beamten und muß mindestens einmal im Jahre berufen werden. Er ist beratendes Organ für die jährlichen Vorschläge zum Haushaltungsplan der Schutzgebiets-verwaltung, für die vom Gouverneur zu erlassenden oder vorzuschlagenden Verordnungen, soweit sie nicht lediglich lokale Bedeutung haben, und für alle sonst vom Gouvernement zur Beratung vorgelegten Angele-genheiten. Beschließendes Organ ist der Landesrat inso-weit, als ihm vom Reichskanzler (Reichs-Kolonialamt) Angelegenheiten zur Beschlußfassung überwiesen sind. Das ist durch die Verordnung des Reichskanzlers vom 26. Juni 1913 geschehen. Nach ihr bedürfen Verord-nungen des Gouverneurs auf gewissen Einzelgebieten der vorherigen Zustimmung des Landesrats. Im übrigen sind zur Teilnahme der Bewohner an der Verwaltung der Eisenbahnrat und der Landwirtschaftsrat geschaffen worden. Während bis zum Ausbruch des Eingebore-nenaufstandes der Jahre 1904 ff eine nur unbedeutende Polizeimannschaft vorhanden war, ist seitdem eine Landespolizei in erheblicher Stärke geschaffen worden. Sie hat ihre Spitze in einem dem Gouverneur unter-stellten Kommandeur mit dem Range eines Stabsoffi-ziers. In Kupferberg bei Windhuk und in Spitzkoppe in der Nähe von Keetmanshoop sind Polizeidepots zur Ausbildung der Polizeimannschaften errichtet. Am 31. März 1913 bestand die Landespolizei aus 68 Polizei-wachtmeistern, 502 Polizeisergeanten, 30 Polizisten und 370 eingeborenen Polizeidienern. Mit Polizei besetzt waren außer 2 Depots und 3 Offiziersposten 111 Sta-tionen, das Distriktsamt Schuckmannsburg und das Bondelskommissariat. —


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Land und Leute IX

Die Marianen sind benannt nach Maria Anna von Öster-reich, die 1634 in Wiener Neustadt geboren durch Hei-rat mit Philipp IV – welcher ebenfalls aus dem Hause Habsburg stammte – , von 1649 bis 1665 Königin von Spanien war und von 1665 bis 1675, während der Minder-jährigkeit ihres Sohnes Karl II, war sie auch Regentin von Spanien und seinem Kolonialreich.

Die Marianeninseln liegen nördlich der Karolinen in schon gemäßigterem Tropenklima. Der Inselbogen der deutschen Marianen reicht über eine Länge von rund 700 km. Die meisten Inseln sind vulkanischen Ur-sprungs. Einige sind durch Korallen entstanden. Der Marianengraben östlich der Inseln weist mit einer Tiefe von 11.000 m die tiefste Stelle der Weltmeere auf. Bis auf die Insel Guam, der südlichsten Insel der Marianen welche den USA gehört, sind alle anderen Inseln Teil der Kolonie Deutsch Neuguinea. Die deutschen Marianen umfassen etwa 480 qkm.

Die deutschen Marianen werden um 1900 von etwa 2000 Eingeborenen, den Chamorro, bewohnt. Um 1912 wohnen die Chamorro in Häusern aus Brettern oder Steinwänden mit Pandanus- oder Wellblechdächern und leben ziemlich europäisch zivilisiert. In der Nähe der Wohnsitze liegen die Pflanzungen mit einer Laub-hütte, in der sich der Chamorro mit Vorliebe einem möglichst langen, ungestörten Nichtstun hingibt. Jede Ortschaft hat außerdem noch eine Kirche nach euro-päischem Muster, rot, weiß, blau ausgemalt und mit dem üblichen naiven Schmuck aus künstlichen Blumen, Spiegeln, Bildern und farbigem Papier ausgeziert.

Bis 1912 wächst die Bevölkerung der deutschen Mari-anen auf 3500 Eingeborene, von denen 2500 auf Saipan und 500 auf Rota in festen Siedelungen leben. Die übrigen verteilen sich auf andere Inseln. Der Bevölke-rungszuwachs ist durch die Umsiedlung von über 1000 Karolinern auf die Marianen und die Rückwanderung von Chamorro von der amerikanischen Marianeninsel Guam auf die deutschen Marianen entstanden. Die Rückwanderer waren zuvor vor den Spaniern zu den Amerikanern geflüchtet und wandern zurück in die nun von den Deutschen übernommenen ehemals spani-schen Inseln.

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Verkehr IV

Der Hafen von Malakal, in dessen Nähe die Regierungs-station Koror liegt, wie auch der Hafen von Angaur sind für den Auslandsverkehr geöffnet. Die Dampfer der Aus-tral-Japan-Linie laufen 8-wöchentlich regelmäßig An-gaur an. Im übrigen verkehren in diesem Hafen noch zahlreiche Phosphatdampfer der Deutschen Südsee-Phosphatgesellschaft. Nach Bedarf läuft auch der Reichspostdampfer Germania den Hafen von Malakal an.

Am 1. Mai 1910 verkauft der Norddeutsche Lloyd den kleinen 141 BRT-Dampfer Langeoog an die Deutsche Südseephosphat AG. Die Gesellschaft setzt das Schiff zwischen Angaur und der Karolineninsel Jap ein. Da sich die 1896 in Geestemünde gebaute Langeoog als zu klein für die Bedürfnisse der Gesellschaft erweist, wird sie durch die dreimal größere Wiegand ersetzt, ein Schiff von 495 BRT, 1902 in Lübeck erbaut. Die Langeoog ver-kauft die Südseephosphat AG 1911 nach China.

Für den Handelsverkehr der Palauinseln sind auch japa-nische Frachtsegler der Gesellschaften Nanjo Boeki und Koshin Co. zu Tokio unterwegs, die hauptsächlich Kopra nach Japan verschiffen.

Postanstalten befinden sich in Koror und Angaur.

Die Deutsche Südsee-Phosphatgesellschaft hat auf An-gaur eine Telefunkenstation errichtet, die mit ihrer gleichzeitig fertiggestellten großen Funkenstation auf Jap seit November 1909 in Verbindung steht und über den Anschluß von Jap an das internationale Seekabel-netz ist Angaur jederzeit weltweit verbunden.

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Verwaltung VI

Zu den 1899 vom Deutschen Reich von Spanien über-nommenen Palauinseln kommen 1901 auf Betreiben des Reichspostamtes, welches für die zukünftige Verlegung eines deutschen Telegraphenkabels im Westpazifik Stützpunkte im Südpazifik haben will, die weit südwest-lich der Palauinseln gelegenen Inseln Sonsorol, Merir und Pulo Anna, Tobi und das Helen-Riff. Diese Inseln sind von keiner Macht beansprucht und so werden sie im März und April 1901 von Deutschland vereinnahmt.

Die Palauinseln gehören zum Bezirk der Westkarolinen mit dem Bezirksamtmann auf der westkarolinischen Insel Jap. 1901 wird auf der Insel Koror der Palauinseln eine detachierte Hilfsstelle des Bezirks mit einem farbi-gen Leiter eingerichtet. 1905 wird ein Stationsleiter ein-gesetzt. Die Regierungsstation auf Koror befindet sich in Matalái auf der Nordspitze der Insel. Es gibt ein Standes-amt und eine Poststation, die beide vom Stationsleiter mitverwaltet werden.

Die Eingeborenenbevölkerung der Palauinseln wird auf 4000 Seelen geschätzt. Die weiße Bevölkerung ist gering. Außer dem Stationsleiter und einigen Missionaren sind nur wenige weiße und japanische Händler auf den In-seln.

1910 wird eine zweite Regierungsstation auf den Palau-inseln eingerichtet und zwar auf der kaum acht Qua-dratkilometer große Insel Angaur im Süden der Palau-inselgruppe. Angaur ist durch seine großen Phosphat-vorkommen von wirtschaftlicher Bedeutung. 1911 leben rund 600 Farbige – davon etwa 150 Eingeborene und ansonsten Arbeiter von anderen Inseln – auf Angaur. Hinzu kommen 28 Deutsche, ein Argentinier und 113 Chinesen.

Die Stationsleiter nehmen im Nebenamt die standes-amtlichen Geschäfte wahr und üben auch die Eingebo-renengerichtsbarkeit jeweils für ihren Bezirk aus. Hin-sichtlich der Fremdengerichtsbarkeit gehören die Palauinseln zum Bezirksgericht Jap und zum Oberge-richt Rabaul. Der Arzt der Deutschen Südsee-Phosphat-gesellschaft in Angaur übt auch regierungsärztliche Funktionen aus. Der Station Koror ist ein Regierungsarzt noch nicht zugeteilt, doch ist die Stationierung eines solchen 1913/14 in Aussicht genommen. 

Die Missionierung auf den Palauinseln liegt ausschließ-lich in den Händen der Rheinisch-Westfälischen Ordensprovinz der Kapuziner-Mission, die seinerzeit die Inseln von den spanischen Kapuzinermönchen über-nommen hat. Die Mission unterhält auch Schulen.

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Die Menschen VII

Dazu leicht gekürzt das Deutsche Kolonial-Lexikon:

Bevölkerung. Die Palauinseln sind dünn, doch von ei-nem kräftigen, schönen, ziemlich einheitlichen Men-schenschlag bevölkert. Von allen Karolinern sind die Palauinsulaner die hellfarbigsten. Die Frauen sind er-heblich heller als die Männer. Das Haar ist braun-schwarz und überwiegend langwellig, doch fehlt es auch nicht an kraushaarigen Individuen. Es sind sehr intelli-gente Leute, die, sauber, arbeitslustig und -willig, auf einer relativ hohen Kulturstufe stehen. – Der Archipel ist in acht Landschaften (pelu) eingeteilt, die voneinan-der unabhängig sind und ehemals fast in steter Fehde lebten. Die Landschaft Ngarkldeu mit Koror als Haupt-ort hat vor allen übrigen den Vorrang. Jede pelu besteht aus der Gemeinschaft von etlichen Familien, die jede von einem Oberhaupt nach außen hin vertreten wird. Diese Familien sind im Rang untereinander verschie-den. Die Familienoberhäupter und ihre Frauen führen besondere Titel. Diese Titel machen sich auch nach außen hin bemerkbar. So bestehen Unterschiede in der Kammtracht, in der Anordnung der Sitze in den Ver-sammlungen, der Größe der Sitzbänke, in dem Recht zum Betreten der hohen Plätze usw. Jede Familie hat ihr eigenes Totem, einen Fisch oder das Krokodil. In jeder pelu ist das Familienoberhaupt der ersten Familie gleichzeitig als aibedul der Oberhäuptling sämtlicher Männer; die älteste Frau dieser aibedul-Familie ist der weibliche Oberhäuptling aller Frauen, so daß die Frauen ihre eigene Regierung besitzen, in welche sich die Män-ner nicht zu mischen haben. Die jungen Leute tun sich zu Bünden, Kriegergemeinschaften, Klubs zusammen. Jeder Klub hat sein Versammlungshaus (bai), deren jede Gemeinde eins oder mehrere besitzt. Die männliche Bevölkerung, Junggesellen und Verheiratete, verteilt sich nachts in diese bai. Verheirateten Frauen derselben Gemeinde ist der Zutritt verboten. Der aibedul hat abso-lute Gewalt über Leben und Eigentum seiner Land-schaftsangehörigen, die er nach Belieben bestrafen kann. Er bewahrt auch den Staatsschatz auf. Staatsan-gelegenheiten werden gemeinsam im bai beraten, die Entscheidung in wichtigen Angelegenheiten ruht bei den Priestern, die als Vertreter der befragten Gottheit den Ausschlag geben. Die Priester sind gleichzeitig Ärzte und Zauberer. Überhaupt bilden die religiösen Anschau-ungen die Grundlage der gesellschaftlichen und politi-schen Einrichtungen der Palau. Diese Anschauungen beruhen in dem Glauben an übernatürliche Geister, deren Sitz in Tieren, Steinen, Bäumen gedacht wird. Ferner besitzt jeder Eingeborene noch einen besonde-ren Schutzgeist, auch jeder Ort und Platz im Lande hat einen speziellen kalit. – Das äußere Leben der Eingebo-renen und der Verkehr der Staaten unter sich wird durch eine große Anzahl von Gesetzen geregelt, welche die Sitten vorschreiben und sich ebenfalls auf religiöse Anschauungen stützen. Frauen genießen den ganz be-sonderen Schutz dieser Gesetze. Fast sämtliche Verge-hen, politische, soziale, religiöse, werden mit Geldbußen gesühnt. Die Strafgelder gehen in den Besitz des Häupt-lings über. Dieses Geld (audod) regiert in Palau alles und bedeutet alles, in seinem Besitz verkörpert sich der Reichtum. Es besteht aus gelben oder rotbraunen ge-brannten Erden, ein- und mehrfarbigen Glasflüssen, die in regelmäßige Formen geschliffen werden. Der Geld-verkehr ist so hoch ausgebildet, daß man sich ausge-zeichnet auf Leih-, Wechsel- und Zinsgeschäfte ver-steht. – Jede Familie hat ein eigenes Totem. Die Eltern suchen für den Sohn ein Mädchen, bei dem Geld und gute Familie den Ausschlag geben. Sehr vornehme Mäd-chen können sich ihre Ehemänner selbst aussuchen. Der Mann muß das Mädchen kaufen. Im übrigen muß der Ehemann seine Frau für jeden Beischlaf bezahlen. Kinder sind geschätzt; namentlich sind Töchter will-kommen, weil damit der Wohlstand der Familie geho-ben wird. Schon in frühster Jugend lernt das Mädchen, sich gegen Bezahlung mit Knaben und Männern einzu-lassen. Bei Vollendung der Pubertät verläßt es die Hei-matgemeinde und geht zu einer anderen Dorfgemein-schaft, wo es als Hausgenossin (armengol) in einen Männerklub eintritt. Ein Klubmitglied hält das Mädchen aus, doch verkehrt es auch mit den übrigen Männern. Diese Hetärenzeit der armengol gilt als Schulzeit. Erst danach heiratet das Mädchen, wenn es nicht vorzieht, für immer armengol zu bleiben. – In den letzten Jahren, wo die [deutsche] Regierung gegen das Hetärenwesen einschreitet, bessern sich die Verhältnisse, und die Geburtenziffer nimmt zu. – Die Siedlungen der Palau-leute sind Haufendörfer. Mehrere Gehöfte bilden ein solches Dorf, eine Anzahl Dörfer eine Landschaft. Ein Staat besteht aus mehreren Landschaften. Die einzelnen Dörfer sind durch saubere, gute, zum Teil gepflasterte Wege miteinander verbunden. Besonders schöne breite Straßen durchziehen die Hauptdörfer, in deren Mitte sich auf künstlichen, mit Steinen bekleideten Werften die großen Versammlungshäuser erheben. Solch ein Haus hat zuweilen Abmessungen von 20×5 m im Geviert und 7-8 m Höhe. Ein gewaltiges Mattendach mit vorn-überhängenden spitzen Giebeln deckt das Haus; an den Seiten hängt es bisweilen bis zum Erdboden herab. An den Giebelwänden, an den Bindern und Querbalken im Hause wird reicher ornamentaler Bilderschmuck ange-bracht, der in kunstvollen und naturgetreuen Flachre-liefs die einzelnen Begebenheiten im Palaulande, Sagen und Märchen, erotische Darstellungen festhält. Lebens-große weibliche Figuren mit gespreizten Beinen werden über der Giebeltür angebracht, daneben hängen Phalli. – Die einzelnen Familien wohnen in Gehöften, die aus ei-nem oder zwei zierlich gebauten Familienhäusern (blai), etlichen Wirtschaftsgebäuden und gelegentlich einem Geisterhaus bestehen. – Jedes große Dorf besitzt an der Seeseite einen langen, aus Korallensteinen erbauten Landungssteg, dessen Länge sich der Macht und dem Ansehen der Ortschaft anpaßt. – Eine Arbeitstrennung ist nur teilweise durchgeführt. Frauensache ist der Taro-anbau, die Pflege der Gelbwurz, Mattenflechten, Her-stellung der Schurze, Töpferei; Männer betreiben die Pflege der Betel-, Kokospalmen und Tabakpflanzungen, ernten die Brotfrüchte, üben den Fischfang aus, stellen Geräte aller Art und Waffen her, doch gibt es besondere Handwerker für den Haus-, den Bootbau und die Her-stellung des hölzernen Geschirrs. Männer bereiten auch die tägliche Nahrung. Als Genußmittel stehen Tabak, Betelnuß und Betelpfeffer in gleichem Ansehen. – Spiel und Sport sind sehr beliebt und werden mit dem Tanz gern ausgeübt. Viele Festlichkeiten. – Betriebsamkeit und Fleiß der Palauleute haben zur Ausbildung eines regelrechten Handels geführt. So verhandelt z.B. der Norden Palaus die dort hergestellten Schmucksachen über die ganze Gruppe. Die vulkanischen Inseln versor-gen die weniger reichen südlichen, meist gehobenen Koralleninseln der Gruppe mit Taro gegen Textilpro-dukte, Matten und Segel. – Die geistige Kultur steht in Palau in hoher Blüte. Von Mund zu Mund lebt dort eine unerschöpfliche Menge von Liedern, Epen, Erzählungen profanen und religiösen Inhalts fort. – Auch die materi-elle Kultur ist reich. An allen Gegenständen und Gerä-ten ist ein hoher Kunst- und Formensinn der Eingebo-renen zu beobachten. Allerdings haben schon viele japa-nische und europäische Waren aller Art bei den Palau-leuten Aufnahme gefunden. Der Betelkorb. Er ist der unzertrennliche Begleiter von Jung und Alt in Palau. Betelnüsse, Betelblätter, Kalkbehälter und für alte Leute Nußspalter, Stößel und Mörser bilden seinen Inhalt. – Lampen, in denen Kokosöl in Dochten verbrannt wird. – Mit primitiven Geräten stellte man ehemals die Gebrauchsgegenstände aller Art her. Heute gebraucht man eiserne Werkzeuge. – Schleuder und Speer sind die Hauptwaffen der Eingeborenen; der Bogen wird fast nur zur Vogeljagd verwendet. Einen ähnlichen Gebrauch macht man von dem durch die Spanier eingeführten Blasrohr. – Als Verkehrsmittel sind dreierlei Fahrzeuge im Gebrauch: flache Bambusflöße, die mit Stangen vor-wärts bewegt werden; Paddel- und Segelkanus. Diese Kanus sind Einbäume mit Auslegern versehen. Sie sind rot und weiß bemalt und werden in verschiedenen Grö-ßen, vom Einsitzer bis zum 40 Mann fassenden Kriegs-kanu gebaut. Die Segelkanus führen außer Paddeln, Mast und dreieckige Mattensegel.

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Die Inseln II

Die Palau-Inseln liegen etwa 900 Kilometer südöstlich der Philippinen und gehören zu den westlichen Karo-linen. Sie haben tropischfeuchtes Meeresklima und bestehen aus sieben größeren, bewohnten und mehr als 300 kleineren, unbewohnten Inseln mit einer Fläche von 459 qkm. Davon entfallen 376 qkm auf die Haupt-insel Babeldaob.

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Verwaltung V

Über den Bezirk der Ostkarolinen berichtet das Deut-sche Kolonial-Lexikon 1914:

»Ostkarolinen, Amtsbezirk der Karolinen, zu dem die Inseln Ponape, Kusaie, Truk, Pingelap, Mokil, Ngatik, Oroluk, die Nomoigruppe mit der Hauptinsel Lukunor, die Hallinseln, Ost-Fajo, Namonuito, Pulap und Poloot gehören. Sie sind verwaltungsseitig mit den Marshallin-seln und Nauru zu einem Bezirk unter der Leitung eines Bezirksamtmanns vereinigt, der seinen Sitz am Santia-gohafen (Langarhafen) auf Ponape hat. Dort befindet sich die europäische Niederlassung, die schlechthin die „Kolonie“ genannt wird. Außer in Ponape besteht noch in der Trukgruppe eine Regierungsstation, die dem Bezirksamtmann in Ponape unterstellt ist. Die lokale Verwaltungstätigkeit für die Ostkarolinen übt der Bezirksamtmann bzw. auf der Trukgruppe der Stations-leiter aus. Beiden obliegt auch in den betreffenden Bezirken die Eingeborenengerichtsbarkeit. Im Neben-amt ist der Bezirksamtmann zugleich auch noch Bezirksrichter für den Amtsbezirk der O. Das Ober-gericht für die O. befindet sich in Rabaul. Regierungs-ärzte sind tätig in Ponape sowie auf Truk. Die see-mannsamtlichen Geschäfte liegen gleichfalls in der Hand des Bezirksamtmannes. Eine Polizeitruppe, die aus Neuguinealeuten besteht, sorgt für Aufrechterhaltung der Ordnung auf Ponape. Die weiße Bevölkerung der O. beträgt einschließlich der Marshallinseln und Nauru 264, darunter 195 erwachsene männliche und 52 weib-liche Personen. Die eingeborene farbige Bevölkerung wird auf Ponape auf 3500 Personen, auf Truk auf rund 15500, auf Kusaie auf 600 und auf den sonstigen zur Gruppe der O. gehörigen Inseln auf ca. 7000 geschätzt. Mischlinge wohnen im Bezirk der O. einschließlich der Marshallinseln und Nauru 152 an der Zahl. Regierungs-schulen bestehen in der Gruppe der O. noch nicht. An Missionen sind tätig die katholische Kapuzinermission, ferner die protestantische Liebenzeller Mission, sowie auf Kusaie noch die amerikanische Bostonmission; die Missionen unterhalten an den wichtigsten Plätzen Ein-geborenenschulen.«

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Verwaltung IV

Zum Bezirksamt der Westkarolinen werden 1907 noch die Bezirksämter der Marianen und der Palauinseln hinzugefügt und die beiden letzteren zu Stationen des Bezirksamtes der Westkarolinen herabgestuft.

Das Deutsche Kolonial-Lexikon berichtet 1914 über die Verwaltung der Westkarolinen:

»Westkarolinen – Sie bilden zusammen mit den Palau-inseln und den Marianen unter der verantwortlichen Leitung des Gouverneurs einen selbständigen Verwal-tungsbezirk, dem ein Bezirksamtmann vorgesetzt ist. Dieser hat seinen dienstlichen Sitz auf der Insel Jap. Der Westkarolinen-Bezirk gliedert sich in 4 Lokalverwaltun-gen, die eine mit dem Sitz in Jap, die von dem Bezirks-amtmann daselbst wahrgenommen wird, eine Station auf Korror für die Palauinseln mit Ausnahme von An-gaur, das eine eigene Station hat, und eine Station auf Saipan für die Marianen. Das Bezirksgericht und das Seemannsamt befinden sich gleichfalls in Jap, und zwar werden die Geschäfte dieser Behörden durch den Bezirksamtmann im Nebenamt mit besorgt. Standesäm-ter bestehen in Jap, Saipan, Korror und Angaur. Standes-beamter ist jeweils der lokale Verwaltungsbeamte. In den eben genannten Orten, Korror ausgenommen, ist jeweils auch ein Regierungsarzt stationiert. Für die ober-richterlichen Geschäfte ist der Kaiserliche Oberrichter in Rabaul zuständig. Die Eingeborenengerichtsbarkeit auf den einzelnen Inseln der Gruppe wird von den loka-len Verwaltungsbeamten ausgeübt. Die Missionierung der Westkarolinen liegt heute noch ausschließlich in den Händen der katholischen Kapuziner-Mission, die auf allen wichtigeren Plätzen Stationen unterhält, denen nach Bedarf Schulen angegliedert sind. Regierungs-schulen befinden sich außer in Saipan (Marianen) im Bezirk der Westkarolinen noch nicht.«


Der erste Amtmann der Westkarolinen wird Arno Senfft. Er nimmt seinen Sitz auf Jap und richtet das Bezirksamt innerhalb der gemauerten spanischen Befestigung ein, ein einstöckiges Gebäude aus rotem Backstein. Die alltäglichen Regierungsgeschäfte über-läßt Senfft einem Ältestenrat aus acht Häuptlingen.

Mit der Übernahme der Japinseln durch Deutschland von Spanien 1899 wechseln auch die Kappuzinermön-che des Ordens bis 1904 von Spaniern zu Deutschen. Es bleibt aber Pater Salerius, der schon vor 1899 auf Jap war und ein Deutscher ist.


1907 wird der Bezirksamtmann der Westkarolinen gleichzeitig Vizegouverneur von Deutsch Neuguinea. Vor 1907 hatte der Bezirksamtmann der Ostkarolinen diesen Titel.

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Verkehr III

Der Verkehr zwischen den Inseln wird von Segel- und Motorschonern durchgeführt.

In Jaboran auf dem Jaluit-Atoll gibt es die einzige Poststation der Marshallinseln. Ein kleiner Segelscho-ner der Jaluit-Gesellschaft bringt die Post der Marshall-inseln nach Ponape in den Ostkarolinen und holt die Post für die Inseln dort ab. Ponape wird alle zwei Monate von einem spanischen Dampfer, der auf der Linie Pona-pe-Manila verkehrt, angelaufen und stellt so die Verbin-dung zum weltweiten Postverkehr für die Marshall-inseln her. Anfang 1901 richtet dann die Jaluit-Gesell-schaft eine eigene Postdampferlinie nach Hongkong und Sydney von und nach den Marhallinseln ein, die vom Deutschen Reich subventioniert wird. Der dafür eingesetzte Dampfer Oceana (684 BRT, 57 m lang) läuft am 9. Dezember 1903 an einem Riff vor Jaluit auf Grund. Das Schiff wird mit einer Notreparatur wieder in Fahrt gebracht, was eine Verzögerung im Fahrplan von über einer Woche zur Folge hat. Als das Schiff am 21. Januar 1904 in Sydney eintrifft, stellt sich heraus, daß die not-wendigen Reparaturen zu teuer kommen würden. Die Jaluit-Gesellschaft gibt daraufhin für ihren Postdamp-ferdienst bei der Germaniawerft in Kiel die speziell für diesen Zweck gebaute Germania (1096 BRT, 64 m lang) in Auftrag, aber daß Schiff kann erst im Dezember 1904 seinen Dienst aufnehmen. Bis dahin chartert die Jaluit-Gesellschaft die Medan (779 BRT, 61 m lang) vom Norddeutschen Lloyd.

Japanische Segelschiffe liefern die auf den Marshallin-seln gewonnene Kopra nach Japan, dem nächstgelege-nen Abnehmer für Kopra.

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Wirtschaft X

Der Handel in den Marshallinseln beruht in der Haupt-sache auf dem Haupterzeugnis der Südsee, der Kopra. Das größte Handelsunternehmen in der Inselgruppe ist die Jaluit-Gesellschaft, die auf den verschiedenen Inseln Händler angestellt hat, um von den Eingeborenen die Kopra aufzukaufen. Neben den deutschen Handelssta-tionen gibt es noch ein paar amerikanische und briti-sche Handelsstationen auf den Inseln.

An Pflanzungsunternehmungen ist die Jaluit-Gesell-schaft führend.

Bei der Einfuhr nehmen wie in den übrigen Inselgrup-pen der Südsee Nahrungsmittel, Gewebe und Beklei-dungsstücke, Eisenwaren, Holz und Baumaterialien den größten Teil ein.

Die Eingeborenen beschäftigen sich mit Fischfang und bringen auch in geringem Umfang Haifischflossen und Perlschalen an. Zum eigenen Bedarf pflanzen sie die auch auf den anderen Inseln der Südsee üblichen Knollenfrüchte.