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Die Deutschen und ihre Verwaltung VI

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Wirtschaft und Verkehr XII

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Land und Leute XI

Das Deutsche Kolonial-Lexikon vermerkt über das Schutzgebiet:

»Das Festland der Kolonie, einschließlich der 25 zu ihr gehörigen Inseln umfaßt 551,65 qkm (Bundesstaat Ham-burg 410 qkm), die Wasserfläche einschließlich der Arkonasee, bis zur Hochwassergrenze 576,5 qkm. Die größten der zum Schutzgebiet gehörigen Inseln sind Yintau, 28,8 qkm, wichtig durch die auf ihr in größerem Maßstabe betriebene Salzgewinnung aus dem Meer-wasser, Tolosan, 7,6 qkm, wichtig durch Kohlenvorkom-men, und Huangtau, 5,4 qkm, mit dem Festlande durch Wattland verbunden. Insgesamt überdecken die Inseln des Schutzgebiets 43,6 qkm.

…                                     

Nähert man sich der Kolonie von See her, so grüßen zur Rechten schon von weitem die einer Tiroler Dolomiten-kette vergleichbaren, nackten, zackigen Gipfel des Lau-schan, die im Lauting bis zur Brockenhöhe ansteigen und bis dicht an das Meer herangehen. Es folgen der Kaiserstuhl, die Prinz-Heinrich- und schließlich in nächster Nähe Tsingtaus die jetzt grün bewaldeten Iltisberge. Auf der gegenüberliegenden Seite wird der Eingang zur Kiautschoubucht, unmittelbar am Kap Jaeschke beginnend, von den Haihsibergen flankiert, denen sich das 800 m hohe imposante Perlgebirge an-schließt.

Tsingtau hat ein gemäßigtes Klima, das in den Wärme-graden an Süddeutschland erinnert, aber durch die in den einzelnen Monaten sehr stark voneinander abwei-chenden Niederschlagsmengen einen anderen Charak-ter erhält. Im Winter herrschen kalte und trockne, oft stürmische, nordwestliche Winde vor. In den Sommer-monaten, besonders im Juli und August, gibt der Süd-westmonsun mit starker Bewölkung und hoher Luft-feuchtigkeit dem Wetter sein Gepräge. Wolkenbruch-artige Regen sind nicht selten.

Die feuchte Hitze der Sommermonate Juli und August wird an vielen Tagen durch kühle Seebrise gemildert. Alles in allem genommen, ist Tsingtau den andern chinesischen Küstenplätzen gegenüber als klimatisch bevorzugt zu betrachten. Die stetig wachsende Zahl der Badegäste aus allen Teilen Chinas zeigt, daß diese Auf-fassung immer mehr Boden gewinnt.

Die Pflanzenwelt des Schutzgebiets erinnert stark an die deutsche. Viele Gattungen wildwachsender und ange-bauter Pflanzen sind in beiden Ländern durch dieselben oder nahe verwandte Arten vertreten.

Die Tierwelt spielt in dem dichtbevölkerten, wald- und heckenarmen Lande keine große Rolle. Großwild fehlt. Eine kleine Hasenart, nicht viel stärker als unsere hei-mischen Kaninchen, Steinhühner im Lauschan und Tung-Lauschan, gelegentlich ein Fuchs, Dachs, Marder, damit waren zur Zeit der Besitzergreifung die Jagdmög-lichkeiten erschöpft. Im Jahre 1904 sind zum erstenmal aus Schanghai eingeführte Fasanen in größerer Zahl ausgesetzt worden. Sie haben sich stetig günstig ent-wickelt. Die Wachtel, die das Schutzgebiet früher nur auf dem Zuge passierte, hat man seit dem Jahre 1902 in wachsender Zahl als brütenden Standvogel beobachtet. Auch bei den Kleinvögeln macht sich mit dem Heran-wachsen des Schutz, Nistplätze und Nahrung gewähren-den Waldes eine Zunahme an Zahl und Arten bemerk-bar. Durch Aushängen von Nistkästen und Abschießen von Raubzeug sucht die Forstverwaltung die Besiedlung des Forstgebietes mit insektenfressenden Vögeln zu beschleunigen. Auf den Watten im Norden und Osten der Bucht gibt es Reiher, Enten und kleineres Wasser-geflügel.

Im Jahre 1897 betrug die [chinesische] Bevölkerung des Schutzgebiets etwa 83.000 Köpfe.«

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Die Inseln IV

Gehören die Inselwelten von Deutsch Neuguinea zu den großen pazifischen Bereichen von Melanesien und Mikronesien, zählt Samoa zum dritten großen pazifi-schen Bereich: Polynesien.

Die Samoainseln, auch Schifferinseln genannt, werden als die Perle der Südsee beschrieben. Sie liegen mitten im Pazifischen Ozean. Deutsch Samoa, der bei weitem größte Teil der samoanischen Inseln, liegt im Westen der ganzen Inselgruppe; im Osten, rund 200 Kilometer entfernt, liegen die übrigen Inseln der Samoa-Gruppe. Diese unterstehen den Vereinigten Staaten.

Deutsch Samoa hat vier bewohnte Inseln: Sawaii (1694 qkm), Upolu (1125 qkm), Manono (3 qkm), Apolima (1 qkm) und ein paar ganz kleine unbewohnte Inseln; alles zusammen 2842 qkm. Amerikanisch Samoa kommt auf 199 qkm.

Sawaii und Upolu sind gebirgig und vulkanisch. Es gibt Vulkanausbrüche auf Samoa. Die Flüsse bilden infolge des terrassenförmigen Aufbaues der Inseln häufig Was-serfälle. Das Klima ist tropisch. Eine üppige Vegetation findet sich auf den Inseln. Sogar die steilen Felswände sind mit Pflanzen bedeckt.

Die Tierwelt besteht ursprünglich bei Säugetieren nur aus Fledermäusen. Hunde, Katzen, Schweine und Ratten wurden erst durch Seefahrer auf die Inseln gebracht.

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Die Menschen VIII

Die mikronesischen Inseln sind nicht nur durch riesige Wasserflächen weit voneinander entfernt, sondern ebenso sind auch die Menschen kulturell voneinander entfernt. Die Lebensweisen der Ureinwohner sind ver-schieden, geprägt von der unterschiedlichen Geschich-te, Größe und Beschaffenheit ihrer jeweiligen Inselgrup-pen. Doch der Kannibalismus ist überall anzutreffen. Er war vielleicht früher Notwendigkeit. Durch die Einfüh-rung von Schweinen, Hühnern und Hunden durch die Weißen, die es heute in allen Eingeborenendörfern gibt, ist der Kannibalismus mehr zurückgedrängt als durch moralische und christliche Missionierung und nun auf kultische Menschenfresserei beschränkt. In geschnitz-ten Menschenfleischschüsseln aus dunklem Kaoriholz wird das mit Taro und Igname gekochte heilige Fest-gericht »Long Pig« aufgetragen. Geschnitzt sind auch die sonderbaren vierzackigen Gabeln dazu, mit denen man den »bakolo«, den einzelnen Bissen, ansticht. Alles, was mit Toten geschieht, ist für den Insulaner tabu und nur dem Priester vorbehalten. Derselbe kümmert sich aber auch darum, daß die Würzpflanzen, die seit alters her zum Braten des »langen Schweines« (alles Menschen-fleisch heißt in Ozeanien long pig, langes Schwein) benutzt und die zumeist um das Gemeinschafts- oder Männerhaus herum zu diesem Zweck kultiviert werden, gut gedeihen und das er sein gutes angemessenes Teil bekommt.

Der Weiße hat den Südseeinsulanern zwar Schwein, Huhn und Hund gebracht, aber auch alle möglichen Seuchen, an denen die Einheimischen in großen Zahlen zugrunde gegangen sind.

Im ganzen Pazifikraum gibt es uralte Steinbauten. Die merkwürdigsten sind die von Nan Mandol auf der für Südseeverhältnisse großen Insel Ponape. Doch die heu-tigen Pazifikbewohner verstehen gar nichts von Steinbe-arbeitung. Entweder handelt es sich bei den Erbauern der Steinbauten um ein anderes Volk oder die Kenntnis der Steinbearbeitung ist verlorengegangen.

An einheimischer Bevölkerung ergeben Zählungen und Schätzungen um 1910 etwa 52.000 Menschen in der deutschen Südsee.

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Die Inseln III

Der Begriff Südsee stammt vom Spanier Nunez de Bal-boa, welcher beim Überschreiten der Landenge von Pa-nama im Jahre 1514 ein Meer fand, das sich in südlicher Richtung ausdehnte. Der Name Südsee war so von selbst gegeben, den Balboa war über das Nordmeer (Mar del Norte), den Atlantischen Ozean, nach Amerika gekom-men, und so nannte er das neue Meer Mar del Sur.

Die deutsche Inselwelt in der Südsee wird auch Deutsch Mikronesien genannt, im Gegensatz zu Deutsch Mela-nesien, den deutschen Besitzungen in Neuguinea und der umliegenden Inselwelt. Mikronesien ist ein Sam-melbegriff für über 2000 tropische Inseln und Atolle, die im westlichen Pazifischen Ozean verstreut liegen. Die meisten Inseln Mikronesiens liegen nördlich des Äquators. Die Distanz von einem Ende Mikronesiens zum anderen beträgt fast 4000 Kilometer. Etwa in der Hälfte dieser Meeresfläche, der westlichen Hälfte, lie-gen sie Inseln von Deutsch Mikronesien. Das deutsche Südseegebiet umfaßt aber den Großteil der mikrone-sischen Inselwelt. Trotz der immensen Anzahl der Inseln – alleine 700 Karolineninseln – ist ihre Gesamtfläche vergleichsweise gering. Die Landfläche aller in deutschem Besitz befindlichen Inseln Mikro-nesiens beträgt etwa 1900 Quadratkilometer von 2670 Quadratkilometern der gesamten Landfläche Mikrone-siens. Die flächenmäßige Ausdehnung der deutschen Inselwelt in der Südsee entspricht in etwa der Größe des Kontinentes Australien, besteht aber im Verhältnis nur zu weniger als 3 % aus Land. Die bei weitem größte Fläche in diesem Raum macht das Wasser des Pazi-fischen Ozeans aus. 

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Wirtschaft XIII

Nur wenige weiße und japanische Händler sind auf den Palauinseln tätig. Der geringe Handel auf den Inseln er-streckt sich in der Hauptsache auf Kopra, die von den Eingeborenen aufgekauft wird. Abgesehen von der Deutschen Südsee-Phosphatgesellschaft auf Angaur bestehen eigentliche europäische Unternehmungen, so vor allen Dingen Plantagen, nicht. Die Inseln der Palau-gruppe sind nicht sonderlich fruchtbar, sodaß Kokospal-men nicht gut wachsen und deshalb europäische Han-delsfirmen kein Interesse an den Inseln haben. Die Aus-nahme bildet die weit im Süden der Hauptinseln liegen-de Insel Angaur, die aber wegen ihres Phosphatreich-tums bedeutend ist und nicht wegen einer land- oder forstwirtschaftlichen Nutzbarkeit.

Die Deutsche Südseephosphat-Aktiengesellschaft in Bremen baut das Phosphat auf Angaur ab. Diese Gesell-schaft wurde auf Grund einer Verständigung mit der deutschen Reichsregierung im Jahre 1907 durch den Norddeutschen Lloyd und die Deutsche Nationalbank in Bremen, sowie die Tellus-A.-G. für Bergbau und Hütten-industrie in Frankfurt a. M. und Wilhelm Müller & Co. in Rotterdam gebildet, das sich die Erforschung der Süd-seeinseln auf das Vorkommen von Mineralien, insbe-sondere Phosphaten, zur Aufgabe stellte. Die zu diesem Zwecke unter der Führung des Regierungsbaumeisters a.D. Schönian entsandte Expedition stellte auf verschie-denen Inseln Phosphatvorkommen fest, doch wurden abbauwürdige Lager nur auf Angaur in der Palauinseln und Feis in den Westkarolinen vorgefunden.

Die vorhandene Phosphatmenge auf Angaur wird auf 2½ Millionen Tonnen geschätzt. Für die Gewinnung und Verarbeitung des Phosphates beschäftigt die Gesell-schaft ca. 800 bis 900 Eingeborene, welche mit einem eigenen Dampfer in den Ost- und Westkarolinen ange-worben werden. Als Handwerker sind jeweilig ca. 70-90 Chinesen auf Angaur tätig. Da das Phosphat an der Oberfläche liegt, sind Abbau und Gewinnung einfach. Das Phosphat wird wie etwa in der Sandgrube mittels Hacke und Schippe ausgegraben. Alsdann wird das Phosphat, um ihm einen Teil seines natürlichen Was-sers zu entziehen, gelagert und schließlich in Trocken-öfen an Ort und Stelle noch völlig getrocknet. Als Heiz-material werden Kohlen verwendet. Nachdem das Phos-phat getrocknet ist, ist es fertig zur Verschiffung. Die Verladung erfolgt durch mechanische Verladeanlagen, die eine Leistungsfähigkeit von ca. 400-500 t pro Stunde haben. Die ersten Jahre sind Baujahre gewesen. Jetzt ist die Anlage ausgebaut, und man kann nun mit einer Ver-schiffung von ca. 100000 t pro Jahr rechnen. Die Produk-tion betrug im Jahre 1912 ca. 60000, 1913 ca. 90000, 1914 ca. 100000 t.

Ein beträchtlicher unterschied zum Phosphatabbau auf Nauru liegt darin, daß das Phosphat auf Angaur wesent-lich mehr Feuchtigkeit enthält als jenes auf Nauru, weil es zum Teil sogar aus sumpfigen Gelände herausgeholt werden muß. Infolgedessen sind erheblich mehr künst-liche Trocknungsanlagen erforderlich.

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Verkehr XI

Auf Saipan ist eine Postanstalt. Die einheimischen Post-beamten der Kaiserlichen Post bekommen entspre-chende Mützen zum Zeichen ihres Dienstes.

Verkehrsmittel sind Kanus (Einbaum), europäische Boote, auf dem Lande der Reitochse und die mit Ochsen bespannte careta, die als Personen- und Lastenfahrzeug verwendet wird. Bezirksamtmann Georg Fritz läßt für den Landverkehr Straßen bauen.

Der Haupthafenplatz der deutschen Marianen liegt auf Saipan etwas nördlich von Garapan bei Tanapag. Durch die natürlichen Gegebenheiten der Nähe Japans ist Ja-pan die wirtschaftlich aktivste Nation in der Inselwelt. Jahrelang sind die Deutschen sogar auf die halbwegs regelmäßigen japanischen Schiffsverbindungen ange-wiesen, und Yokohama ist die Verbindung zur Welt. Die vom Reich subventionierte Linie der Jaluit-Gesellschaft wird 1903 erweitert, sodaß sie Deutsch Mikronesien mit Hongkong und Sydney verbindet, aber die Linie ver-kehrt nur dreimal jährlich. Seit Ende 1904 läuft der Reichspostdampfer Germania Saipan jährlich sechs-mal an und verbindet die Marianen mit Deutsch Neu-guinea, Hongkong und Sydney.

Zwar läuft der Reichspostdampfer Germania die Mari-anen regelmäßig an und transportiert auch Fracht, aber die Frachtkosten von den Marianen bis nach Europa und Deutschland sind wegen der riesigen Entfernungen unverhältnismäßig hoch. So berichten die Mitteilungen der Gesellschaft für Erdkunde und Kolonialwesen zu Straßburg im Elsaß für das Jahr 1913:

»…die Marianen entbehren zufriedenstellender Fracht-verbindungen noch ganz und sind in der Hauptsache auf Segelschiffe der japanischen Gesellschaften Nanjo Boeki und Koshin Co. zu Tokio angewiesen (die auch nach Palau zu fahren pflegen); infolgedessen liegt der ganze Handel in japanischen Händen, und so wird es bleiben müssen, bis es etwa den Bemühungen der Verwaltung gelingen wird, ein kapitalkräftiges deut-sches Unternehmen ins Leben zu rufen. Freilich werden die großen Entfernungen, die relative Kleinheit der bearbeitbaren Flächen der einzelnen Inseln und noch mehr die geringe Zahl arbeitsfähiger und -williger Männer auf den Marianen eine große Erschwerung für die Erreichung einer nennenswerten Rentabilität eines solchen Unternehmens bilden.«

Wegen der geringen wirtschaftlichen Leistung und Be-deutung der Inseln ist eine Änderung der bestehenden Verkehrslage nicht abzusehen, da sich eine deutsche Reederei bei so geringer Aussicht auf Gewinn für ein Engagement in den Marianen wohl nicht finden wird.

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Wirtschaft XI

Das Deutsche Kolonial-Lexikon über die Wirtschaft auf den Marianen:

»Die Hauptinseln sind Saipan, Tinian, Rota, und sodann kommen für den Handel noch Anatahan, Alamagan, Pa-gan und Agrigan in Frage. Der Haupthandelsartikel in den Marianen ist, wie überall in der Südsee, die Kopra. Der Hauptort für den Handel ist Garapan auf der Insel Saipan, dort sind vier Handelsfirmen und zwar 1 deut-sche, 2 japanische und 1 spanische tätig. Für die Einfuhr kommen dieselben Artikel in Frage, wie in den Karo-linen. Es sind vor allen Dingen Nahrungsmittel, Kon-serven, Kleiderzeuge, Haus- und Wirtschaftsgegenstän-de, Handwerkszeuge und dergleichen, die von den Ein-geborenen gekauft werden. Außer den erwähnten Han-delsgesellschaften befinden sich europäische Unterneh-mungen auf den Inseln nicht.«

Bezirksamtmann Georg Fritz läßt Pflanzungen anlegen und fördert die Gründung von kleinen Unternehmen durch geschäftstüchtige Chamorro und die wenigen deutschen Siedler auf den Marianen.

Auf einigen der Inseln der nördlichen Marianen wer-den von Japanern Seevögel gejagt, um ihre Federn über Japan nach Paris als Schmuck für Damenhüte zu ver-kaufen. 

Die Eingeborenen kultivieren außer der Kopra vor allem Süßkartoffeln, Taro, Yams, Bananen sowie auch Oran-gen, Mais, Tabak, Erdnüsse, Zuckerrohr, Brotfrucht und etwas Kaffee. Rinderzucht wird auf den Inseln Rota und Saipan betrieben.

Nach den Taifunen des Jahres 1905 werden auf Anre-gung von Bezirksamtmann Fritz von den Bezirksämtern der Marianen und der Westkarolinen einige Karoliner von den niederen Atollen zu den Marianen gebracht, in der Annahme, daß sie dort bessere Lebensbedingungen finden werden. Diese spontane Maßnahme führt zu der Überlegung, daß die Ansiedlung von Karolinern die wirtschaftliche Entwicklung der dünn besiedelten Mari-anen fördern könnte. Von 1905 bis 1911 werden zumeist gegen ihren Willen 1000 Karoliner auf den Marianen angesiedelt. Die Karoliner vertragen die Veränderung der Umwelt und des kühleren Klimas schlecht. Viele der Umsiedler werden krank, und die Sterblichkeit ist er-schreckend hoch.     

Die Wirtschaft auf den Marianen ist nur schwer anzu-kurbeln. Die Bevölkerung ist an reine Selbsterhaltungs-wirtschaft gewöhnt und kann nur schwer zu Lohnarbeit bewogen werden. Die Einführung einer Kopfsteuer zur Finanzieren der öffentlichen Arbeiten wie Straßenbau und der Anreiz durch importierte Konsumgüter, die hauptsächlich aus dem verhältnismäßig nahen Japan kommen, schaffen langsam einen Wandel. Aber für ei-nen wirtschaftlichen Aufschwung ist die Bevölkerung zu gering, und es wird auf verschiedenen Wegen versucht, die Einwanderung zu fördern und damit hauptsächlich Arbeiter für die planmäßig angelegten Kokosplantagen zu gewinnen. Am erfolgreichsten ist das Werben um Chamorros von der amerikanischen Marianeninsel Gu-am. Viele Chamorros waren vor den Grausamkeiten in der Endphase der spanischen Herrschaft auf den Mari-anen ins amerikanische Guam geflüchtet. Die in Jahr-hunderten unter spanischer Herrschaft katholisierten Chamorro leiden nun unter den antikatholischen Kampagnen der amerikanischen Herren auf Guam und kehren in die nun deutschen Marianen zurück.


Ein großes Unternehmen auf den Marianen ist die Pagan-Gesellschaft. Die Insel Pagan ist mit den kleine-ren Nachbarinseln Alamagan und Agrigan an die Pagan-Gesellschaft verpachtet, die vorwiegend mit Kopra han-delt. In geringerem Umfang werden auf den verpach-teten Inseln auch Mais, Süßkartoffeln, Ananas und Ba-nanen angebaut, aber auch Tabak, Maniok und Baum-wolle. Die Gesellschaft ist vertraglich verpflichtet ihre Anpflanzungen auf den Inseln beständig auszuweiten. Agrigan wird von den Inselpächtern als die fruchtbarste der drei gepachteten Inseln angesehen. Bezirksamt-mann Georg Fritz schreibt:

»Pächterin ist die aus zwei Chamorros und einem in Sai-pan ansässigen und verheiratheten Japaner bestehen-den Gesellschaft Págan, die auf einem eigenen Segel-schiff die Kopra nach Japan verschifft. Der jährliche Pachtpreis für die drei Inseln Alamágan, Págan, und Agrigan beträgt 8000 Mark; ohne besondere Vergüns-tigungen haben die Pächter vielmehr eine Reihe weite-rer für die Verwaltung werthvoller Verpflichtungen übernommen und gehen bereitwillig auf alle Wünsche derselben in Bezug auf die Pachtinseln, die Benutzung ihres Schiffes zu dienstlichen Zwecken u.s.w. ein.«

Im Mai 1901 besucht Bezirksamtmann Georg Fritz die Insel Pagan. Er schreibt:

»Eine Arbeiterbevölkerung von 137 Seelen wohnt in etwa 30 Hütten… Sie reicht jedoch zur vollständigen Einbrin-gung der Kopraernte nicht hin; die Jahresproduktion beträgt etwa 200 Tonnen.«

Fritz beschreibt Pagan zusammen mit der Hauptinsel Saipan der deutschen Marianen als »ihre werthvollsten Inseln«, sieht aber gleichzeitig ihre »Nutzbarmachung« als nicht voll gegeben »so lange ihre Bevölkerung eine so geringe ist wie heute«. 

1905 wird statt des Japaners ein Deutscher Mit-Gesell-schafter in der Pagan-Gesellschaft. Im Juli und Septem-ber 1905 und im September 1907 zerstören schwere Taifune die Kokospflanzungen des Unternehmens.

Nach Schätzungen von 1912 sind auf Pagan 385 Hektar Kokospflanzungen vorhanden. Im Dezember 1913 richtet ein Taifun erneut schwere Zerstörungen in den Kokos-pflanzungen an. Hierdurch gerät die Pagan-Gesellschaft in wirtschaftliche Schwierigkeiten, sodaß die Pflanzun-gen nicht mehr systematisch bewirtschaft werden kön-nen.