Benannt ist Leudorf nach August Leue, der bis 1899 als Beamter und Offizier in Deutsch Ostafrika tätig war und dann bei Aruscha am Meru als Farmer siedelte. Der Ort Leudorf ist das Zentrum im deutschen Ansiedlungs-gebiet Leganga.
Das Deutsche Kolonial-Lexikon:
Leudorf oder Leganga, Ort in Deutsch-Ostafrika am Südhang des Meru in 1250 m Meereshöhe. Das ost-afrikanische Besiedlungskomitee der Deutschen Kolo-nialgesellschaft gründete hier 1906 eine Ansiedlung von Deutsch-Russen; reichsdeutsche Farmer kamen allmäh-lich hinzu. Die Leitung des kleinen Gemeinwesens über-nahm August Leue. Jetzt leben hier auf rund 30 qkm gesunden und fruchtbaren Landes etwa 80 Europäer von Ackerbau und Viehzucht. Der Versuch des genann-ten Komitees ist gut gelungen. Die Regenmenge beträgt 1165 mm im fünfjährigen Mittel. In Leudorf sind Kirche, Schule, Post.
Die Kilimandjaro- und Meru-Zeitung meldet am 25. Ok-tober 1913:
Pfarramt. Wie wir erfahren, wird Leudorf, das bereits seit einigen Jahren eine Kirche besitzt, in allernächster Zeit auch ein evangelisches Pfarramt erhalten. Das säch-sische Landeskonsistorium hat den Pastor Deler abge-ordnet, um als Pfarrer in Leudorf eingesetzt zu werden. Pastor Deler hat bereits Ende September die Ausreise angetreten und wird noch im Laufe dieses Monats in Leudorf eintreffen.
Am 6. Dezember 1913 steht in der Zeitung:
Ein Schadenfeuer äscherte am 2. November das Wohn-gebäude des Ansiedlers K. ein. Ein grosser Teil des Mobi-liars konnte gerettet werden.
Auch über die Verhältnisse im Gebiet Leganga gibt die Kilimandjaro- und Meru-Zeitung Auskunft. Am 19. Juli 1913 erscheint der folgende Artikel in der Zeitung:
Sanierung? Das Ansiedlungsgebiet zwischen dem Tschaifluss und dem Usa hat, besonders in der Regen-zeit, durch Wasseransammlungen und daraus entste-hende Versumpfungen schwer zu leiden. Es fehlt den herniedergehenden Wassermengen an natürlichen Ab-flusskanälen und so sucht es sich selbst seinen Weg bis zur Fahrstrasse, um dann diese als Abflusskanal zu be-nutzen und alle Niederungen links und rechts derselben aufzufüllen. Sämtlich tiefer gelegenen Flächen in jener Landschaft stehen nach der Regenzeit noch Monate lang unter Wasser, um erst allmählich zu versumpfen. Durch diese Versumpfungen werden ganz ungesunde Verhältnisse geschaffen. Sie geben die Brutstätte ab für Moskitos usw. und sind so die Urheber für die häufig vorkommenden Malariaerkrankungen. Um den Ursa-chen der häufigen Malariafälle auf den Grund zu gehen, wurde vor wenigen Wochen der Stationsarzt von Aru-scha damit beauftragt, eine eingehende Inaugenschein-nahme der in Betracht kommenden Ländereien vorzu-nehmen und gleichzeitig festzustellen, ob die eventuell vorhandenen Versumpfungen natürlicher Art sind oder ob Unterlassungsünden der Ansiedler dazu beigetragen haben. Wie verlautet, hat die erfolgte ärztliche Besichti-gung der Ländereien klar ergeben, dass die zahlreichen Versumpfungen nur dem gänzlichen Fehlen natürlicher Abflussgräben zuzuschreiben sind. Um in Leganga ge-sundere Verhältnisse herbeizuführen, hat sich die Anle-gung zahlreicher Entwässerungsgräben als unbedingt erforderlich erwiesen. Der Ausführung dieser Arbeiten stehen keine besonderen Hindernisse im Wege. Im-merhin sind die dafür notwendigen Mittel derart, dass man Abstand nehmen muss, diese Arbeiten den ohne-hin nicht besonders bemittelten Ansiedlern aufzubür-den. Man kann nur Wünschen, dass das Gouvernement diese Sanierungsarbeiten selbst in die Hand nimmt und baldigst für eigene Rechnung ausführen lässt, damit endlich gesunde Verhältnisse in diesem aussichtsrei-chen Ansiedlungsdistrikt eintreten. —
Des weiteren finden wir über Leganga in der Kiliman-djaro- und Meru-Zeitung an bezeichnenden Nachrich-ten:
8. März 1913: Neuer Weg. Da in letzter Zeit verschiedent-lich Klagen laut wurden über Wegesperrungen, die den Verkehr zwischen Leganga und Engare nanjuki hinder-ten, so begab sich vor vierzehn Tagen Bezirksamtmann Kämpfe persönlich in jene Gegenden, um mit den in Betracht kommenden Farmern Rücksprache zu nehmen und sich über die Verhältnisse zu orientieren. Der Bezirksamtmann hat darauf die Anlegung eines neuen Weges für Fussgänger und Reiter angeordnet, der eine Verbindung zwischen Engare nanjuki und Leganga her-stellen soll. Zu diesen Wegebauarbeiten müssen die interessierten Ansiedler zu gleichen Teilen beitragen, ebenso wird sich das Bezirksamt daran beteiligen. Durch Schaffung dieses neuen Weges wird einem dringenden Bedürfnis entsprochen.
26. April 1913: Küstenfieber ist auf den Farmen Bohl-mann und Hellweg in Leganga festgestellt und deshalb die Sperre über die beiden Farmen verhängt worden.
10. Mai 1913: Ein Wolkenbruch ging in der Nacht vom 4. zum 5. April über Leganga nieder, und hatte durch die beträchtlichen Regenmengen ziemlichen Schaden auf den Aeckern und in den Obstgärten angerichtet. Die Regenmessung war in jener Nacht 280 Millimeter. Auf der kurzen Strecke von nur wenigen Kilometern stieg der Usa bis 3 Meter über seinen normalen Stand und riss die Brücke und an den Ufern Erdreich in beträchtlichen Menge mit sich.
Ebenfalls 10. Mai 1913: Die „Meruschützen“, Abteilung Leganga, hielten am 13. April in Leganga eine Versamm-lung ab, um über Vorstandsangelegenheiten und Anle-gung eines Schiesstandes Beschluss zu fassen.
2. August 1913: Leganga Ein wertvoller Shorthorn-Bulle, aus Südafrika importiert, der seinem Besitzer 1800,—Rupie kostete, ist dieser Tage eingegangen.
6. Dezember 1913: Wegen Rinderpest ist über die Farm Henneke in Leganga die Sperre verhängt worden.