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Bezirk Wilhelmstal

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Politische Übernahmeaussicht

Im Juli 1914 ist der Stand der Dinge bei der Übernahme der Deutschland zufallenden portugiesischen Kolonien, daß außenpolitisch die Übernahme seit dem August 1913 gesichert ist und für die wirtschaftliche Übernahme laufen die Vorbereitungen. Von der im Februar 1914 gegründeten Dachorganisation Übersee Studiensyn-dikat ist Angola seit April des Jahres in seinen Wirt-schaftsbereichen unter der deutschen Industrie aufge-teilt. Eine deutsche Wirtschaftskommission befindet sich in der großen westafrikanischen Kolonie Portugals, um vor Ort die wirtschaftliche Lage zu sondieren. Der Norden vom deutschen Teil von Mosambik ist seit Mai 1914 mit dem Kauf der Nyassa Kompanie durch das Reich wirtschaftlich bereits in deutscher Hand. Die beiden kleinen westafrikanischen Inseln São Tomé und Principe sind völlige Nebensache und spielen bei den Übernahmevorbereitungen keine Rolle. Es bleibt nur noch den Zeitpunkt der Übernahme des deutschen Teils der portugiesischen Überseeterritorien in die Herr-schaft des Deutschen Reiches zu klären. Von seiten der Banken, die mit den portugiesischen Kolonialangele-genheiten vertraglich verbunden sind, den gleichsam eingebunden deutschen Firmen und von deutschen Regierungskreisen wird gehofft, daß das Reich nach der Ratifizierung des deutsch-englischen Abkommens bald die Annexion der Deutschland zugesprochenen portu-giesischen Überseegebiete durchführt. Je schneller die-ser Schritt erfolgt, desto eher sind die von deutscher Seite bereits getätigten finanziellen Aufwendungen gesichert und die wirtschaftliche Tätigkeit in diesen Ländern kann ungebremst durch die portugiesische Regierung und ihre Kolonialbehörden auf den Weg gebracht werden.

Am 14. Juli 1914 schreibt der deutsche Botschafter in London, Fürst Lichnowsky, an Reichskanzler Bethmann Hollweg unter anderem:

»Von größter Bedeutung aber für die Verwertung des neuen Abkommens dürfte der unter Euer Exzellenz persönlicher Mitarbeit entstan-dene Artikel VIII zu betrachten sein, der die Möglichkeit der Gefährdung von Leben und Eigentum deutscher oder britischer Staatsangehöriger in den portugiesischen Kolonien und sogar von Lebensinteressen in den angrenzenden deutschen oder britischen Besitzungen ins Auge faßt. Es liegt auf der Hand, daß die Bestimmungen dieses Artikels eine sehr weitgehende Auslegung zulassen, da er voraussieht, daß die portugiesische Regierung nicht in der Lage ist, den nötigen Schutz zu gewähren, und die betreffenden Maßregeln einer beiderseitigen Verein-barung überläßt, und daß sie daher eine Handhabe schaffen für die Verwirklichung des Abkommens…«. Das heißt, irgendein Anlaß für die Besetzung der portugiesischen Kolonien, wie 1897 bei der Besetzung von Kiautschou, wird schnell gefunden sein.

Mit dem Einverständnis des Reichskanzlers Theodor von Bethmann Hollweg vom 27. Juli 1914 für die Vertragsunterzeichnung in London sind die Würfel gefallen. In Portugal wird die Veröffentlichung des Vertrages große Bestürzung hervorrufen. Von dem alten Partner England, der im Windsor-Vertrag von 1899 noch die Kolonien für Portugal garantierte, wird man sich verraten fühlen und gegen Deutschland wird man alles tun, seine wirtschaftlichen Bestrebungen in den Kolo-nien zu sabotieren und keine Konzessionen an deutsche Firmen geben. Sicher wird der portugiesische Wider-stand gegen Deutschlands Wirtschaftsaktivitäten in seinen Kolonien aus finanziellen und wirtschaftlichen Gründen, und verstärkt durch politischen Druck aus Berlin und London, zusammenbrechen und einer Resignation Platz machen, aber diese Zeit wäre für die deutschen Wirtschaftsinteressen verloren.

Die deutsche Regierung steht also mit der Veröffent-lichung des Vertrages, welche offensichtlich noch im Sommer 1914 erfolgen wird, unter dem Druck zu han-deln. So meldet etwa die in Daressalam erscheinende Deutsch-Ostafrikanische Zeitung am 1. August 1914 im Artikel: »Zum deutsch-englischen Kolonialabkom-men. Am Vorabend der Veröffentlichung des deutsch-englischen Abkommens bezüglich der portugiesischen Kolonien… «

Schon seit vielen Monaten weiß die interessierte Öffentlichkeit von den Verhandlungen zwischen Eng-land und Deutschland über die portugiesischen Kolo-nien und will nach der Veröffentlichung des Vertrages auch die Übernahme sehen, auch weil die portugie-sische Reaktion auf den Vertrag die deutsche Wirtschaft in den noch portugiesischen Kolonien blockieren wird und auch die am Studiensyndikat beteiligten deutschen Großbanken und Industriekonzerne Ergebnisse sehen wollen. Die Erwartungshaltung in Deutschland ist also hoch. Die Veröffentlichung des Vertragswerkes ohne die dann bald folgende Übernahme der portugiesischen Kolonien ist also kaum denkbar.

Von der Reichsregierung sind bis zu ihrem Einver-ständnis der Unterzeichnung und Veröffentlichung des Teilungsvertrages Ende Juli 1914 wirtschaftliche Schritte der Übernahme der portugiesischen Kolonien eingelei-tet worden, die tatsächliche Übernahme wird aber eine militärische Aufgabe sein. Ohne militärisches Eingrei-fen ist die Übernahme der Kolonien Portugals ausge-schlossen. Nur überlegene militärische Macht kann Portugal zur Aufgabe zwingen. Und Deutschland und England verfügen über diese Macht. Die kleine und durch die politischen Umbrüche in Portugal seit 1910 weiter geschwächte portugiesische Flotte kann gegen die beiden mächtigsten Flotten der Welt, eben die englische und die deutsche, keinen Widerstand bei einer Besetzung seiner Kolonien leisten. Allein jeweils das britische Kapgeschwader mit seinen drei Kreuzern und die deutsche Mittelmeerdivision mit einem Kleinen Kreuzer und einem Schlachtkreuzer könnten die ganze portugiesische Flotte vom Meer fegen.

Die militärischen Voraussetzungen für die Besetzung der portugiesischen Besitzungen sind gegeben und binnen vier Wochen nach Auftragserteilung durch die Reichsregierung können die notwendigen militärischen Operationen durchgeführt werden. Das heißt also, daß in absehbarer Zeit nach der Veröffentlichung des Vertra-ges überlegene deutsche und britische Truppen in die portugiesischen Kolonien einmarschieren werden, um die Angelegenheit kurz und schmerzlos zu erledigen. England braucht nur sein in Kapstadt stationiertes Kriegsschiffgeschwader und Truppen seiner südafrika-nischen Besitzungen für die Übernahme von Süd-mosambik, das von Landseite völlig von britischem Territorium umgeben ist, in Marsch zu setzen. Wirt-schaftlich ist Südmosambik sowieso schon in britischer Hand.

So liegt also im Juli 1914 die Übernahme des deutschen Anteils an den portugiesischen Kolonien in greifbarer Nähe. Spätestens mit dem Vertragsabschluß müssen die Kaiserliche Marine, in deren Auslandsstationen West-afrika und Ostafrika die neu erworbenen Besitzungen liegen, und das Schutztruppenkommando in Berlin von der bevorstehenden Übernahme der portugiesischen Kolonien informiert werden und auch die Gouverne-ments von Kamerun, Südwestafrika und Ostafrika, da sie ja als Anlieger der portugiesischen Besitzungen unmittelbar betroffen sind und mit ihren Schutztruppen zur Übernahme der portugiesischen Kolonien bereit sein müssen. Die deutschen Afrika-Kolonien müssen auch vorbereitet sein, um Verwaltungsaufgaben in den neuen Besitzungen zu übernehmen.

Die Marineführung wird in Zusammenarbeit mit dem Schutztruppenkommando die notwendigen militäri-schen Vorbereitungen treffen. Beide Verwaltungsbe-hörden sitzen in Berlin und können folglich unmittelbar miteinander die Vorbereitungen für die Durchführung der Besetzung der neuen Kolonien treffen.

Vorteilhaft sind die Verbindungen mit den deutschen Kolonien in Afrika über Seekabel, und seit Sommer 1914 auch über Funk, für eine schnelle und reibungslose Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden, Gouverne-ments der Kolonien, Schiffe und Truppenteile.

Die vorrangige Aufgabe ist die militärische Besetzung des riesigen Angola. Bereits 1904 hatte man an der westafrikanischen Küste aus dem Stand über See eingegriffen als am 12. Januar 1904 der Aufstand der Herero in Südwestafrika ausbrach. Das Kanonenboot Habicht lag zu der Zeit in Kapstadt für eine Routine-überholung. Am 14. Januar 1904 erhielt das Kanonen-boot vom Admiralstab in Berlin telegraphisch den Befehl, umgehend Swakopmund anzulaufen, um mit seinem Landungskorps die Niederschlagung des Auf-standes zu unterstützen. Am 18. Januar traf das Kano-nenboot in Swakopmund ein. Aus seiner etwa 125 Mann starken Besatzung wurde ein Landungskorps von 85 Mann gebildet und angelandet. Das Landungskorps war mit fünf Revolverkanonen und zwei Maschinenge-wehren ausgerüstet. Die Revolverkanonen waren Teil der Schiffsarmierung und für einen Landeinsatz eigent-lich nicht vorgesehen. Am 17. Januar erging der Befehl für die Aufstellung des »Marine-Expeditionskorps« an die Marinestationen der Nordsee und der Ostsee für dessen Einsatz in Südwestafrika. Dafür wurden von den beiden Marinestationen je 250 Mann der Seebataillone in Kiel und Wilhelmshaven gestellt. Dazu kamen Detachments für eine Geschützbatterie aus den beiden Matrosendivisionen der Marinestationen, Eisenbahn-truppen der Armee und ein Kommando Matrosen als Ersatz für die Habicht. Das Marine-Expeditionskorps wurde innerhalb von drei Tagen zusammengestellt, in vier Kompanien gegliedert und mit den anderen Ver-bänden auf den Dampfer Darmstadt eingeschifft, wel-cher am 21. Januar mit insgesamt etwa 600 Mann an Bord in Wilhelmshaven ablegte mit Zielhafen Swakop-mund.

Anhand der Verteilung der deutschen Seestreitkräfte und der Schutztruppen in Afrika ist im Juli 1914 der Ablauf der Besetzung der portugiesischen Kolonien absehbar. Die militärische Lage ist einfach und über-sichtlich. Die portugiesischen Militärkräfte in Angola sind nicht in der Lage einer Besetzung Widerstand zu leisten. Diese Kolonialstreitkräfte sind im Inland, haupt-sächlich im Süden, mit dem Kampf gegen rebellische Stämme beschäftigt. In seinem Süden liegt Angola an Deutsch Südwestafrika an, sodaß die deutsche Schutz-truppe in Südwestafrika einfach über die Grenze treten und den südlichen Teil von Angola in Besitz nehmen kann. Im Norden von Südwest stehen zwei berittene Kompanien zwei bis dreihundert Kilometer Luftlinie von der angolanischen Grenze entfernt und weitere berittene Kompanien können über das hervorragende Bahnnetz aus dem Süden der Kolonie bis zur End-haltestelle Tsumeb etwa 200 Kilometer Luftlinie bis nach Angola herangezogen werden für die Besetzung von Südangola. Im ganzen besteht die deutsche Truppe in Südwestafrika aus neun berittenen Kompanien, wovon eine eine Kamelreiterkompanie ist, und drei Batterien Feldartillerie. Die Schutztruppe von Deutsch Südwestafrika besteht ausschließlich aus freiwilligen Deutschen, ist also keine klassische Kolonialtruppe aus hauptsächlich Farbigen, und so allein von der Kampf-moral her den portugiesischen Kolonialtruppen weit überlegen. Zufällig wird im Juni die Landwehr I in Südwestafrika für eine 14tägige Übung im September 1914 aufgerufen, womit die 2000 Mann starke Truppe zeitweise um einige hundert Mann verstärkt wird.

Die Kriegsmarine hat die drei Häfen an der Küstenlinie von Angola zu besetzen. Von diesen drei Häfen führen auch die drei Bahnlinien Angolas ins Landesinnere. Der nördlichste dieser Häfen ist Loanda. Die Stadt ist mit ihren 8000 Einwohnern auch die größte Stadt Angolas und Hauptstadt der Kolonie. Hier liegt also das Haupt-augenmerk auch für eine würdige Flaggenhissung als Zeichen der Übernahme der Kolonie. Für die Besetzung der beiden anderen Häfen stehen der Kaiserlichen Marine die zwei Kanonenboote der Westafrikanischen Station zur Verfügung. Heimathafen der Westafrikani-schen Station ist Duala in Kamerun. Besetzt ist die Station mit dem Kanonenboot Eber und im Juli ist nach einer Werftüberholung in Deutschland auch das zweite Kriegsschiff der Westafrikanische Station, das Kano-nenboot Panther, wieder einsatzbereit. Diese Kolonial-kriegsschiffe können je eine Kompanie der südwest-afrikanischen Schutztruppe in Swakopmund überneh-men und in Mossamedes und Lobito landen und als Verstärkung ihre Landungskorps einsetzen. Für die würdevolle Besetzung der Hauptstadt Loanda sind stärkere Kräfte notwendig. Dafür kann die für Einsätze in Übersee in Deutschland bereitstehende Marinein-fanterie eingesetzt werden. In Kiel steht das I. See-bataillon, in Wilhelmshaven das II. Seebataillon und in Cuxhaven das III. Stamm-Seebataillon, das die Ersatz-formationen für das III. Seebataillon in Tsingtau stellt. Aus diesen Einheiten kann sofort ein Marineinfan-teriebataillon für eine Überseeverwendung zusammen-gestellt werden. Für dessen Transport stehen die üblichen Dampfer für den Mannschaftsaustausch vom III. Seebataillon und dem Ostasiatischen Geschwader in Kiautschou zur Verfügung und können sofort von der Marine gechartert werden. Einer dieser vier P-Dampfer, die nach ihrer Namensgebung mit einem P am Anfang benannt sind, und von Hamburg aus auf Fahrt gehen, reicht für den Transport eines Bataillons mit seiner Bewaffnung und Ausrüstung. So ist der P-Dampfer Patricia am 20. Juli 1914 nach sechswöchiger Fahrt aus Tsingtau kommend mit abgelösten Mannschaften aus Kiautschou in Wilhelmshaven eingetroffen. Somit ist aus dem Stand ein Marineinfanteriebataillon von 800-1000 Mann Stärke einsatzbereit und sein Transport in zwei Wochen von Deutschland nach Angola ge-sichert. Für die Sicherung der Landung des Bataillons in Loanda und die Zeremonien der offiziellen Übernahme der Kolonie kann ein Kleiner Kreuzer dienen. Dieser Schiffstyp wird auf den Auslandsstationen der Kaiser-lichen Marine eingesetzt und ist für diese Aufgabe bestens geeignet. Dazu haben sie starke Landungskorps an Bord, die in Angola die Landungsstreitkräfte unter-stützen können und neben dem Marineinfanterie-bataillon den Rahmen für die offizielle Zeremonie der Besitznahme stellen können. So treffen im August 1914 planmäßig die Kleinen Kreuzer Straßburg und Dresden von monatelangen Auslandseinsätzen in Deutschland ein und können mit ihren auslandserfahrenen Besat-zungen sofort für einen Afrika-Einsatz bereit gestellt werden. Da aber der Kaiser auf den großen Auftritt Wert legt, ist abzusehen, daß er – auch für die Journalisten, Photographen und Kameramänner – eines der moder-nen und imposanten deutschen Schlachtschiffe oder einen ebenso eindrucksvollen Schlachtkreuzer nach Loanda beordern wird. Im Mittelmeer steht die deut-sche Mittelmeerdivison mit dem Kleinen Kreuzer Bres-lau und dem Schlachtkreuzer Goeben. Dieser Schlacht-kreuzer kann sofort nach Angola beordert werden oder auch eines der Schlachtschiffe der Hochseeflotte in der Nordsee, von denen die König Albert und die Kaiser nach einer halbjährigen Atlantikreise mit Besuchen der deutschen Kolonien an der westafrikanischen Küste und dem Anlaufen südamerikanischer Häfen Mitte Juni wieder in Deutschland eintrafen. Ein Schlachtschiff oder ein Schlachtkreuzer würde mit zwei Kleinen Kreuzern ein eindrucksvolles Geschwader für die Übernahme von Angola als deutsche Kolonie abgeben.

Für die Besetzung von Nordmosambik stehen von deutscher Seite die 14 Kompanien der Schutztruppe Deutsch Ostafrikas, die in Daressalam stationierten seegehenden Dampfer Kaiser Wilhelm II. und Rovuma mit 496 und 144 Bruttoregistertonnen der Kaiserlichen Flottille von Deutsch Ostafrika – die Kaiser Wilhelm II. und die Rovuma hatten schon 1905 beim Maji-Maji-Aufstand als Truppentransporter gedient – und die Schiffe der Ostafrikanischen Station bereit, das Vermes-sungsschiff Möwe mit seiner leichten Bewaffnung und der Kleine Kreuzer Königsberg. Von See her können diese Schiffe Schutztruppenkompanien in den beiden wichtigsten Häfen des Nordens von Mosambik landen, in der Stadt Port Amelia im Norden des deutschen Mosambik, in der sich auch der Sitz der nun deutschen Nyassa Compagnie befindet und der deutsche Konsul für Nordmosambik sitzt, und eine Truppenlandung in der Mitte der Küste von Nordmosambik auf der Insel und Stadt Mosambik. Die Schutztruppe von Ostafrika müßte außer den schon im Süden stehenden Kompa-nien noch weitere aus dem Inland an die Grenze zu Mosambik verschieben für eine Besetzung des Nordens von Mosambik.

Da die Hauptstadt von Mosambik, Lorenço Marques, ganz im Süden der Kolonie liegt, also im englischen Bereich von Mosambik, ist keinesogroß aufgemachte Flaggenhissung im deutschen Teil von Mosambik zu erwarten als bei der Übernahme von Angola in seiner Hauptstadt Loanda.    

Es ist anzunehmen, daß die einheimische Bevölkerung in Angola und Mosambik froh sein wird, das portu-giesische Joch loszuwerden. Die portugiesischen Ein-wohner werden mißmutig sein, aber sich in das Unab-änderliche fügen.

Die Übernahme der beiden zusammen 1000 qkm großen Inseln São Tomé (859 qkm) und Príncipe (142 qkm) kann nach Gelegenheit mit Polizeikräften aus Kamerun und/oder der in Lome in Togo zur Verfügung des Gouver-neurs von Togo stationierten Polizeikompanie erfolgen. Die Besetzung der beiden Inseln ist auch mehr eine Polizeiaktion als ein militärisches Unternehmen. Die Inseln werden der Kolonie Kamerun hinzugefügt.

Für die verwaltungstechnische Besetzung der neuen Kolonialgebiete mit deutschen Beamten hat als ersten Schritt Kolonialminister Wilhelm Solf schon am 15. Dezember 1913 an den deutschen Gesandten in Lissa-bon, Friedrich Rosen, geschrieben:

»Wenn das gelingt [Erwerbung der Nyassa Kompanie in Nordmosambik], will ich die Ostafrikanische Gesell-schaft [Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft] vorspan-nen und das Territorium der Nyassakompanie sofort von Deutsch-Ostafrika aus in deutsche Verwaltung nehmen lassen.«

Das portugiesische Amboland ganz im Süden der Ko-lonie Angola ist seit 1912 in Verhandlung zwischen Deutschland und Portugal zur Übergabe an Deutsch Südwestafrika und seine Verwaltung kann vom Gou-vernement von Südwest übernommen werden. Für die Masse Angolas muß aber schließlich einerseits erfah-renes Personal aus Südwestafrika, Togo und Kamerun herangezogen werden und andererseits muß auf nach Deutschland zurückgekehrte Kolonialbeamte zurückge-griffen werden. So wie Solf als Chef der obersten deut-schen Kolonialverwaltung schon spätestens im Dezem-ber 1913 einen Plan für die verwaltungstechnische Übernahme von Nordmosambik hat, so wird er auch für die Übernahme von Angola Überlegungen für dessen Verwaltung angestellt haben. Auf jeden Fall muß das Reichskolonialamt aus Deutschland Personal nach Afri-ka versetzen für die Verwaltung eines um rund 50 Prozent vergrößerten afrikanischen Kolonialreiches des Deutschen Reiches.

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Wissenschaft und Expeditionen

Mit einem wissenschaftlichen Paukenschlag eröffnet Robert Koch 1876 den Kampf gegen die gefährlichsten Krankheiten. Ihm gelingt es, den Erreger des Milz-brands außerhalb des Organismus zu kultivieren und dessen Lebenszyklus zu beschreiben. Dadurch wird erstmals lückenlos die Rolle eines Krankheitserregers beim Entstehen einer Krankheit beschrieben.

Seit 1883 ist Robert Koch immer wieder weltweit auf Expeditionen, auch in deutschen Kolonien. 1905/06 leitet er eine Expedition nach Deutsch Ostafrika zur Untersuchung der Schlafkrankheit. Diese Reise unter-bricht er, um 1905 den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers in Stockholm entgegenzunehmen. Koch stirbt 1910 auf einer Kur in Baden Baden, auch geschwächt durch mehrere Tropen-krankheiten, die er sich im Laufe seines Lebens zuge-zogen hat.

Berlin wird das logistische Zentrum für bahnbrechende Experimente und Expeditionen im Feldzug gegen die Krankheiten. Ob in Choleraleichen am Ganges oder in den Zecken an den Karawanenstraßen Afrikas, überall spüren »Mikrobenjäger« nach den Ursachen der Seu-chenzüge. Neue Medikamente und vorbeugende Maß-nahmen der Hygiene erleichtern das Leben in den Tropen, während Fernreisen in die Tropen und Kolo-nialwirtschaft boomen. Entschlossene Forscher vermö-gen in den Kolonien die Auslöser und Übertragungs-wege vieler gefürchteter Tropenkrankheiten aufzuklä-ren. Es ist die Grundlage für eine wirksame Seuchenbe-kämpfung auch in den Mutterländern. Die deutsche Tropenmedizin macht gewaltige Fortschritte, die der gesamten Menschheit zu Gute kommen. Vor allem deutsche Forscher leisten Pionierarbeit. Wagemutige Mediziner begeben sich auf oft abenteuerlichen Expe-ditionen zu den Ursprüngen der Seuchen. Dabei setzen diese Forscher in ihrer Begeisterung, vielleicht auch in ihrem brennenden Ehrgeiz zu wissenschaftlicher Leis-tung, nicht nur ihre Gesundheit, sondern in vielen Fällen auch ihr Leben aufs Spiel. So lassen sich manche der wissenschaftlichen Kolonialexpeditionen nur als Himmelfahrtskommandos mit ungewisser Rückkehr-aussicht bezeichnen. Doch die Ergebnisse dieser medizi-nischen Forschungsreisen – ob sie nach Afrika, Asien oder in die Südsee führen – sind bahnbrechend. Erst-mals können gezielte Gegenmaßnahmen gegen immer wieder auftretende Epidemien mit vielen Tausenden von Toten ergriffen werden. Indem man Mikroorga-nismen als Auslöser erkennt und ihre Übertragungs-wege aufklärt, müssen Seuchen nicht länger als gött-liche Bestrafung oder unabänderliches Unglück be-trachtet werden. Zudem entwickeln die Forscher viele mikrobiologische Methoden. Alle wichtigen bakteriel-len und parasitären Erkrankungen werden einer wissen-schaftlichen Untersuchung und Bekämpfung zugäng-lich. Der Tropentourismus und die Kolonialwirtschaft profitieren davon.


Der Botanische Garten in Berlin ist eine wichtige Ein-richtung für die deutschen Kolonien. Die im Botani-schen Garten im Anbau tropischer Pflanzen gewonne-nen Erfahrungen können für die Kolonialgebiete nutz-bar gemacht werden. Aufgrund mehrjähriger Verhand-lungen mit dem Auswärtigen Amt richtete der Botani-sche Garten 1891 eine »Botanische Centralstelle für die Colonien« ein. Durch die Verlegung des Berliner Botani-schen Gartens von Schöneberg nach Dahlem im Jahre 1899 kann im neuen großen Gartengelände auch der »Botanischen Zentralstelle für die Kolonien« ausrei-chender Platz eingeräumt werden. Sie verfügt über zwei mit allen technischen Einrichtungen ausgestattete Warmhäuser und eine Freifläche, auf der auch im deutschen Klima gedeihende Pflanzen der Kolonial-gebiete angepflanzt werden. Mit Hilfe der Botanischen Zentralstelle werden in den Schutzgebieten botanische Versuchsgärten ausgestattet, ständig erweitert und er-gänzt. Die botanischen Gärten in Amani (Deutsch Ost-afrika) und Viktoria (Kamerun), die Versuchsgärten in Misahöhe und Sokode (Togo) und in Rabaul (Deutsch Neuguinea) verdanken den größten Teil ihres Pflanzen-bestandes den bereits seit etwa 1890 erfolgten Zusen-dungen durch die Botanische Zentralstelle. Bis zum Jahre 1907 sind schon etwa 16.500 Exemplare lebender Pflanzen in die tropischen Schutzgebiete verschickt worden. Aufgabe der Botanischen Zentralstelle ist auch die Schulung und Unterrichtung der Gärtner, die in die Kolonien gehen, sowie aller botanisch interessierten Reisenden. Botaniker des Berliner Botanischen Gartens beteiligen sich auch an den großen Forschungsexpedi-tionen in die koloniale Welt.


Kein Staat der Welt mit einem Kolonialreich hat auf eine so intensive meteorologische Durchdringung sei-ner Kolonien hingewirkt, wie das Deutsche Reich mit seiner kolonialen Klimatologie. Insbesondere die Kai-serliche Marine ist an Daten für die Vorhersage des Wetters auf den Weltmeeren interessiert. Die Ursachen der überseeischen Wettererscheinungen liegen aber vielfach nicht allein auf dem Meer, sondern auch auf dem Festland. Deshalb wurde die freiwillige Mitarbeit der Überseedeutschen an der geophysikalischen Erfas-sung des gesamten Erdraumes eingeleitet. 1914 machen mehr als 1000 überseedeutsche freiwillige Beobachter in den Kolonien aus eigenem Interesse für ihre Pflan-zungen und Siedlungen meteorologisch Beobachtun-gen. Ausgerüstet sind sie mit Instrumenten und Anwei-sungen der Deutschen Seewarte und unterstützt vom Reichskolonialamt. Die in Hamburg beheimatete See-warte ist der Kaiserlichen Marine unterstellt. Das gewal-tige Beobachtungsmaterial wird von der Seewarte statis-tisch bearbeitet und in den Heften Deutsche übersee-ische meteorologische Beobachtungen der Deutschen Seewarte veröffentlicht.

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Einleitung III

Beginnt die Entwicklung des deutschen Kolonialreiches mit der ersten Phase von den 1830er Jahren bis in die 1870er Jahre mit der Festsetzung der deutschen Wirt-schaft in tropischen Gegenden der Welt, der zweiten Phase von der Mitte der 1870er Jahre bis zur Mitte der 1880er Jahre mit der deutschen Politik eingreifend ins Geschehen bis zur Nahme von Kolonien in bereits von der deutschen Wirtschaft besetzten überseeischen Räu-men, der dritten Phase in der zweiten Hälfte der 1880er Jahre mit dem Scheitern die Kolonien von privaten Gesellschaften verwalten zu lassen, der vierten Phase ab 1890 mit der unmittelbaren Machtausübung des Reich in den Kolonien und ihrer wenn notwendig gewalt-samen Eroberung, Sicherung und Befriedung und schließlich die fünfte Phase mit der Gründung des Kolonialwirtschaftlichen Komitees 1896 und dem Be-ginn der gezielten wirtschaftlichen Entwicklung der Kolonien seit der Jahrhundertwende, so setzt 1905 die sechste Phase der deutschen kolonialen Entwicklung ein. Durch den Mangel an kolonialer Erfahrung der deutschen Machthaber in den Schutzgebieten, und eine undurchdachte Wirtschaftspolitik, kommt es zum De-saster der Kolonialkriege in Südwestafrika und Ost-afrika 1904/05. Aber eben diese beiden Kolonialkriege leiten die sechste Phase deutscher Kolonialherrschaft ein: Die neue Politik der intelligenten Machtausübung und der forcierten Entwicklung von Verkehr und Wirt-schaft in den deutschen Überseeterritorien.

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Leben und Ereignisse in der Residentur I

Dikoa ist die Hauptstadt von Deutsch Bornu, einem Sultanat innerhalb der Residentur Deutsche Tschadsee-länder entlang der Nordostgrenze des britischen Protek-torates Nordnigeria. Dikoa liegt am linken Ufer des Jadseram in der fruchtbaren Ebene, die sich vom Mandara-Gebirge bis zum Tschadsee erstreckt. Sie ist mit einer Mauer aus Luftziegeln umgeben. Die Hütten der Kanuri, Haussa und Araber liegen aber außerhalb der Stadtmauer, ebenso der große Markt. Nur der Sultan und seine Großen bewohnen die innere Stadt. Dikoa verdankt seine Größe Rabeh, der von 1893 bis zur Einnahme der Stadt durch die Franzosen im Jahr 1900 dort residierte. Die bunte Mischung der Bevölkerung, eingeborene Kanuri, herrschende Fulbe, handeltrei-bende Haussa und Araber und Schwarze aus weit entlegenen Ländern des Sudan, erklärt sich durch die Raub- und Beutezüge und die Anziehungskraft der prächtigen Hofhaltung Rabehs. Seit der Einnahme Dikoas durch die Franzosen ist die Einwohnerzahl von 100.000 auf die Hälfte gesunken. Trotzdem, und trotz der rivalisierenden Neugründung der Stadt Maiduguri durch die Engländer in deren benachbartem Protektorat Nordnigeria, bleibt Dikoa von hoher Bedeutung als Markt zwischen Tschadsee und Mandara-Gebirge und als Knotenpunkt der Karawanen aus Tripolis und dem Nigergebiet zum ägyptischen Sudan.

Die Stadt und der Markt von Dikoa zeigen ein buntes Bild. Araber in Burnussen und Gesichtsschleier neben nackten Bassama-Negern vom Tschadsee, gelbe schlan-ke Fulbe in Indigotobe und Turban, Haussas in wal-lender Kleidung, Kanuri in blauen Gewändern; Männer und Frauen in viel größerer Freiheit als es der Islam sonst gestattet wandeln umher. Die Moslems natürlich sorgsam bedacht nicht in Berührung mit einem Heiden zu kommen.

Der große Markt liegt vor der Stadtmauer. Eine hohe Steinpyramide steht in der Mitte des Marktes, die die Franzosen ihrem Landsmann Ferdinand de Béhagle zu Ehren errichtet haben, der auf der Suche nach einem Verkehrsweg zwischen dem Mittelmeer und Äquatorial-afrika 1899 von Rabeh gefangengenommen und gehängt wurde. Jeden Tag ist von Sonnenaufgang bis Sonnen-untergang Markt und auch von weither kommen die Besucher, ebenso sind Mekkapilger zu sehen. Zahl-reiche Bettler und Krüppel haben sich aufgestellt und erbitten eine Gabe. Der Markt ist in Abschnitte un-terteilt: Viehmarkt, Lebensmittelmarkt, Handwerker-stände, Kleinkramhändler, Rasierstuben und die Stände der Briefschreiber. Dazu die Garküchen und Getränke-verkäufer. Auch Bier für die Heiden ist erhältlich. Wasser wird von kleinen Jungen in zusammengenähten Häuten auf dem Rücken herangeschafft und angeboten. Alles was ein orientalischer Markt nur bieten kann und europäische Waren sind im Angebot, alle Arten Lebens-mittel und Zuckerhüte, Teepakete, Kaffeebohnen, Gewürznelken, Kunstgewerbe, Korallen, Glasperlen, Silberringe, Räucherwaren, Seide, Stickereien, Decken, Schrotkugeln, Bleistangen, Zinnkugeln, Schreibpapier. Auf dem Viehmarkt Ochsen, Kamele, Pferde, Esel und Kleinvieh. Doch eine Ware ist vom Markt verschwun-den. Der deutsche Kommandeur Hans Dominik verlangt dies vom Sultan Omar Sanda. Dominik: »Am 7. Mai 1902 gehörte auch der Sklavenmarkt in Dikoa, der einzige und letzte, den es noch in Kamerun gegeben hatte, der Vergangenheit an.«

Wenn die Marktbesucher gegangen sind und die Händler wieder in die Stadt zurückgekehrt suchen verwilderte Hunde, Hyänen und die Ärmsten der Armen nach eßbaren Abfällen und die Armen ver-bringen die Nacht in den nun verlassenen Hallen.

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Sao Tome und Principe

Die beiden tropischen Inseln Sao Thomé und Principe liegen mit ein paar weiteren ganz kleinen Inselchen, die zu dieser portugiesischen Kolonie gehören, vor der Küste Westafrikas. Sao Thomé hat 859 qkm und Principe 142 qkm, zusammen also 1.001 qkm. Die beiden Inseln haben rund 70.000 Einwohner von denen 40.000 außerhalb der Inseln angeworbene Arbeitskräfte sind, für die Plantagenarbeit. Die Bedingungen für die Arbeiter auf den Kakaoinseln sind soweit gut. Von der Gesamtbevöl-kerung sind rund 2000 Europäer.

Auf Principe ist mehr als drei Viertel der Inselfläche angebaut und fast die Hälfte der Insel gehört einer Gesellschaft, der Sociedade de agricultura colonial. Auf Sao Thomé ist über die Hälfte des Landes bebaut. Die Besitzer der Plantagen sind fast alle Portugiesen oder portugiesische Gesellschaften. 1907 versucht ein kapi-talstarkes deutsches Syndikat große Plantagenkäufe auf Sao Thomé zu machen, aber wegen übertriebener For-derungen der portugiesischen Eigentümer kommt das Geschäft nicht zustande.

Die jährliche landwirtschaftliche Produktion der Inseln beträgt 40 bis 50 Millionen Mark und wird zum weitaus größten Teil aus Kakaobohnen erzielt. Die Inseln sind von 1902 bis 1911 die größten Lieferanten für die 200 deutschen Schokoladenfabriken, seit 1912 sind sie je-doch an zweite Stelle gerückt, nachdem die sich mächtig entwickelnde englische Goldküste sie überflügelt hat. Die beiden Inseln produzieren den sechsten Teil der gesamten Welternte an Kakao. Nach Deutschland gehen davon für 15, nach Nordamerika für 9, nach Holland für 6, nach England aber nur für 1½ Millionen Mark. Die beiden Inseln liefern 1913 36.000 t Kakao bei einer Welt-produktion von 255.500 t.

Deutschland ist der größte Abnehmer des Kakaos mit abnehmender Tendenz durch das Wachsen der Kakao-plantagen in der deutschen Kolonie Kamerun und der vermehrten Abnahme von Kameruner Kakao in Deutschland.

1913 wird eine 14 Kilometer lange Schmalspurbahn auf Sao Thomé in Betrieb genommen. Sie läuft vom Hafen der Insel ins Inland.

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Kribi

Das Deutsche Kolonial-Lexikon über:

»Kribi, bedeutender Hafenort und Sitz eines Bezirks-amts an der Batangaküste in Kamerun. Der Ort liegt nördlich der Mündung des Kribiflusses in der schmalen Küstenebene, die hier beginnend sich nach Norden verbreitert. Bewohner sind die Handel und Schiffahrt treibenden Batanga, an Zahl über 37000. Die Gesund-heitsverhältnisse in Kribi sind nicht schlecht. Die Zahl der Europäer im Bezirk Kribi betrug im Jahre 1913 223. Nördlich von Kribi in Plantation befinden sich Pflan-zungen der Gesellschaft Südkamerun. — In Kribi laufen zwei bedeutende Handelsstraßen zusammen, auf denen schon vor der Epoche der Besitznahme Kameruns Kautschuk, Ö1, Elfenbein und die andern Erzeugnisse des Binnenlandes durch Zwischenhandel an die Küste gelangten. Die südliche Straße führt über Nkomakak nach Ebolowa im Bulelande, einem Militärposten, und stellt die Verbindung mit dem Dscha her. Auch nach der Erschließung der Südostecke von Kamerun durch die Gesellschaft Südkamerun und die Eröffnung des Schif-fahrtsweges Dscha-Ssanga-Kongo bleibt der Träger-transport billiger und vorzuziehen. Die nördlichere Straße, die bis Lolodorf fahrbar ist, ersteigt die Hoch-landstufe bei Bipindi, geht über Lolodorf nach Jaunde und weiter nach Adamaua. An diese Straße hat auch der Dume-Njonghandel Anschluß, da in Onana Besa die Schiffbarkeit des Njong endet. In Kribi konzentriert sich also der gesamte Exporthandel von Südkamerun, und so kommt es, daß Kribi sogar Duala überflügelt hat, hinter dem es im Importhandel noch wenig zurücksteht. Die betreffenden Summen sind 1912 Export: Duala 7.622.313 Mark, Kribi 10.189.093 M, Import (exklusive Geld und Bahnmaterialien) Duala 14.500.000 M, Kribi 10.000.000 M. Der Gesamtwert des Handels in Kribi war 1911 18.989.000 M, 1912 20.382.000 M. Der Kautschuk nimmt dabei die erste Stelle ein. — In Kribi befinden sich augenblicklich [1913] 18 europäische Faktoreien, deren Interessen durch die Handelskammer für Südkamerun vertreten werden. Kribi ist Sitz des Bezirksamts, Bezirksgerichts, hat Polizei und eine Postagentur; im Hafen ist ein Zollamt. Ein Wegebauamt sorgt für Straßenbau. Kribi hat ein Hospital, Arzt, Rechtsanwalt, Katholische Mission der Pallottiner. Ein Telegraph ver-bindet Kribi mit Duala.«