Die gesamte farbige Bevölkerung der Kolonie Deutsch Südwestafrika beläuft sich auf etwa 200.000 Köpfe, was bei der riesigen Fläche des Landes von weit über 800.000 Quadratkilometern sehr wenig ist, aber bedingt durch die große Regenarmut, welche dem größten Teil des Landes einen steppenartigen Charakter verleiht und den ganzen Küstenbereich zur Wüste macht. Bezeich-nenderweise leben etwa 100.000 Menschen, hauptsäch-lich vom Stamm der Ovambo, aber auch eine bedeu-tende Anzahl Menschen von Kavangostämmen, weit im Norden im tropischfeuchten Bereich der Kolonie. An Völkerschaften in Deutsch Südwestafrika finden sich die Ovambos und Kavangos als volkreichste Gruppen, dann kommen die Herero mit etwa 35.000 Menschen, die Bergdamara, auch Klippkaffern genannt, mit 30.000 und die Hottentotten stellen etwa 20.000 Köpfe. Die pygmäenhaften Buschmänner zählen bis zu 10.000 Menschen und das Mischlingsvolk der Rehobother Bastards kommt auf 4000.
Die Ovambos, Kavangos und Herero sind Bantuvölker, also Neger, während die Hottentotten und Rehobother Bastards eine holländisch-schwarze Mischbevölkerung darstellen. Die kleinen mongolisch aussehenden Busch-männer scheinen die ursprüngliche Bevölkerung Afri-kas zu sein.
Die Stammesgebiete der Hottentottenstämme finden sich fast überall in Südwest, nur nicht in den Wüsten-gegenden die Küste entlang und im Nordosten und ganz im Norden. Die Herero finden sich hauptsächlich im mittleren Norden. Die Herero und Hottentotten betrei-ben extensive Weidewirtschaft und bedürfen deshalb großer Landflächen. Die Buschmänner und Bergdama-ras leben in den Steppen- und Wüstengebieten und die Ovambo und Kavango ganz im Norden.
Ursprünglich war das Land von Buschmännern und Bergdamaras bewohnt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgte von Nordosten her über den Okawangofluß die Einwanderung der Herero und kurz darauf von Süden her über den Oranje in mehreren Zügen die der Hottentottenstämme. Der Name »Hotten-totten« ist eine Bezeichnung für das Volk der Nama. Holländische Siedler gaben ihnen, ihrer eigentüm-lichen Sprache wegen, den Namen »Hottentotten« (Stotterer). Sie selbst bezeichnen sich als Khoi-Khoi (Die wahren Menschen) oder als Nama, nach ihrem Sied-lungsgebiet Namaqualand, das wiederum nach einem Herrscher aus grauer Vorzeit benannt ist.
Südlich von Windhuk, der Hauptstadt von Deutsch Süd-westafrika, im Bereich von Rehoboth lebt das Volk der Baster, auch »Bastard« genannt, eine aus Burenein-wanderern und Namafrauen hervorgegangene Misch-lingsnation.